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Alle Rezensionen von Polar

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Dieser Lügner ist sympathisch. Seine Abenteuer sind so dreist, seine Erzählungen so an den Haaren herbeigezogen, dass sie vortrefflich der Unterhaltung dienen. Wir würden sie am liebsten glauben wollen. Lügengeschichten haben eine lange Tradition. Umso amüsanter sind sie, wenn man von jemandem erfährt, der auf sie reingefallen ist. Gottfried August Bürger fasst sie weniger als eine Erzählung zusammen, als dass er sie scheibchenweise präsentiert, als berichte er darüber, während er mit Freunden einen angenehmen Abend verbringt. Anekdote folgt auf Anekdote. Sie gehen zurück auf Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen und wurden anonym veröffentlicht. Münchhausen legt sich keine Fesseln an, seine Übertreibungen streifen grenzenlos umher. Man sollte sich den kurzen Geschichten nur in Abschnitten nähern. In einem Zug gehört, stumpfen sie ab, verlieren sie viel von ihrem Reiz, weil die Wahrheit, der Schwindel dahinter längst bekannt ist. Den Lügenbaron wird es nicht weiter stören. Er reitet auf seiner Kanonenkugel und blickt auf eine Welt hinab, die sich viel zu ernst nimmt.

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Myron Bolitar, sein Freund Win, eine Sekretärin mit Catchervergangenheit und Jessica, die erfolgreiche Autorin und unerfüllte Liebe Myrons. Wir kennen sie alle. Ihre Verstrickung in Geheimnisse, Schicksalsschläge machen den Kern von vielen Kriminalromanen Harlan Cobens aus. In Das Spiel seines Lebens gerät einer von Bolitars angehenden Sportstars in Verdacht, einen Mord begangen zu haben. Gleichzeitig versucht Bolitar, sich gegen eine Sportmafia zur Wehr zu setzen, die das Geschäft mit den Spierverträgen zu kontrollieren versucht. Wir finden uns im Milieu der Pornomagazine, wie der der erotisch aufgeladenen Call-Center wieder, treffen auf stumpfsinnige Schläger, wie auf die scheinbar geregelte Welt des Sport, der Universität, der Familie. Vom Dekan bis hin zum Vater der Ermordeten sehen wir uns in einer Kettenreaktion ausgesetzt, die nach und nach aufgedeckt wird, um die Katastrophe in ihrem ganzen Ausmaß zu beleuchtet. Das ist routiniert erzählt, handwerklich geschickt ineinander verschränkt, doch kommt es einem allzu bekannt vor. Mal nimmt der Sportstar Drogen, mal gerät er in Mordverdacht, mal handelt es sich um die Tochter einer Bekannten, mal um die Schwester der eigenen Freundin, oft genug um einen naiven Sportler selbst. Menschen verschwinden, legen sich eine andere Identitäten zu oder sind ermordet worden. Und wenn es für Bolitar brenzlig wird, regelt sein Freund Win die Sache in seinem Sinn. Wer zum ersten Mal zu Harlan Coben greift, wird bestens unterhalten. Wer mehrere Bücher von ihm liest, erkennt leider das bewährte Muster dahinter.

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Mit dem Seziermesser hat Arthur Schnitzler das gehobene Bürgertum wie die adelige Gesellschaft seiner Zeit beobachtet und beschrieben. Ihre geheimen Wünsche haben schon im Reigen auf den Bühnen für einen Skandal gesorgt. In der Traumnovelle geht der Autor subtiler vor. Der Seitensprung ist hier etwas, was erträumt, erdacht und zur Qual wird. Fridolin und Albertine geraten in Versuchung und setzen ihre Ehe aufs Spiel, indem sie ehrlich zueinander sind. Dass dies nicht unbedingt der beste Ratschlag ist, muss der Arzt feststellen, als seine Ehefrau ihm von einem Traum erzählt und unglücklich zu sein scheint, vor ihm noch nie mit einem Mann zusammen gewesen zu sein. Wegen eines Patientenbesuchs muss der Arzt aus dem Haus und streift von da an durch das nächtliche Wien, getrieben von dem Gedanken an Albertine und ihren Sehnsüchten. Er durchlebt seltsame Begegnungen, beinah kommt es zu einem Duell und landet schließlich auf einem erotisch aufgeladenen Kostümball, zu dem er sich die Parole erschlichen hat und als ungebetener Gast entlarvt wird. Schnitzler versteht sich darauf, die Demaskierung seines männlichen Helden als schlechtes Gewissen darzustellen, seine Entwurzelung durch einen einzigen Traum, als etwas zu beschreiben, was längst in ihm ruhte und nun ausgebrochen ist, ohne dass es sich wieder einfangen lässt. Als es gegen Ende zu einem Geständnis kommt, empfindet der Leser die mühselige Beibehaltung dieser Ehe wie die Vertreibung aus einem Paradies, das sowohl Albertine als auch der Arzt für sich maßgerecht geschneidert hatte. Außerhalb des Traums jedoch, im Alltag hat das Paradies nie existiert.

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Wie einfach ist es doch einen Thriller zu schreiben. Wenn man's kann. Stieg Larsson braucht keine exotischen Schauplätze, kein modernes Waffenarsenal, keine Explosionen, sein Schauplatz ist der Alltag, der Schmutz von Sehnsüchten, Versprechungen, Hoffnungen, aus denen sich Geld pressen lässt, sobald sie zum Geschäft werden. Im Mittelpunkt seines zweiten Bandes um Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist steht vordergründig der Mädchenhandel, der den Stoff für eine brisante Enthüllungsgeschichte ergibt, dessen Verstrickung bis in den internationalen Geheimnisdienst dazu führt, das aus dem geplanten Buch darüber zwei Morde erwachsen und ein Dritter der Vertuschung dient. All dies wäre weniger interessant, würde Larsson nicht über ein Personal in seinen Büchern verfügen, die ihre Unzulänglichkeit geradezu vor sich hertragen. Selbst Helden sind bei Larsson nur aus dem Unglück Gestrauchelte, die darauf vertrauen wollen, nicht erneut belogen oder hintergangen zu werden. Das Misstrauen treibt die Handlung um die faszinierende Figur der Lisbeth Salander voran, die moralisch von einigen Lesern sicher nicht goutiert werden kann, da sie strafrechtlich zumeist in der Schattenwelt agiert, und deren konsequente Loslösung von menschlichen Beziehungen ihr jene Freiheit eröffnet, Talente zu entwickeln, die anderen fremd bleiben. Ihr Hass ist unverblümt. Er ist konkret auf Menschen in ihrem Umfeld gerichtet. Ihr Leben jedoch erscheint so bizarr zu überzeugen, dass ihr John-Wayne-Ritt zugunsten der Vergeltung auf Verständnis trifft. Mikael Blomkvist die blankere Seite der Moral glaubt, mit ihr befreundet zu sein. Obwohl sie sich ihm entzogen hat, beharrt er auf der Unschuld der in Verdacht geratenen Mörderin. Die Fäden in Larssons Thriller sind so fein gesponnen, dass der Wechsel vom Mädchenhandel in die Familiengeschichte Lisbeth Salanders nahtlos vor sich geht. Selbst der Zufall, selbst eine Dreivierteltote, die sich aus ihrem Grab erhebt, stören da nicht. Vielmehr erinnert man sich an die griechischen Tragödien erinnert, deren großen Gesten dazu führen, Zuschauer, wie Leser zu fesseln, um von einem menschlichen Abgrund zu berichten. Larsson beschreibt eine weibliche Verdammnis als kriminalistisches Oratorium, in der Hoffnung, dass irgendjemand darin überlebt, um davon erzählen zu können.

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Dieser Thriller ist nichts für jemanden, der nicht gerne zum Arzt geht und weißen Kitteln misstraut. Abseits der bewährten Serientäter, die Jane Rizzoli jagt, erzählt Tess Gerritsen in Kalten Herzen mitten aus dem Operationssaal, einem Bereich, in dem sie sich bestens auskennt. Und so führt die Autorin uns durch eine Welt, in der Entscheidungen über Leben und Tod gefällt werden, wo jegliche Moral am besten ausgeklammert wird, um Karriere zu machen und das Gewinnstreben zur obersten Maxime erklärt wird. Natürlich gibt es auch da Menschen, die sich einen Rest Mitgefühl bewahrt haben und Fragen stellen, die Kollegen unangenehm sind. Auch wenn gleich zu Beginn. der Plot um russischen Organhandel durchscheint, auf den Gerritsen ein Polizist aufmerksam gemacht haben soll, gelingt es ihr, der angehenden Chirurgin Abby zunehmend eine Schlinge um den Hals zu legen. Das Ganze beginnt, als sie sich entscheidet, einem Jungen zu helfen, der ohne Transplantation sterben würde, und die Erfahrung machen muss, dass man sich besser nicht gegen das eigene Krankenhaus stellen sollte, wenn ein reicher Ehemann auf Rache sind. Die Götter in Weiß sind nicht unangreifbar. Auch sie kann man mit fingierten Prozessen überhäufen. Brenzlig wird es erst wenn die Kollegen einen im Regen stehen lassen. Dem Plot fehlt es mitunter an Spannung, erinnert in ihrer Chefetagenkriminalität an Die Firma von Grisham doch die Innenansicht macht das platte Konstrukt wett. So abschreckend, dass man sich ernsthaft fragt, ob man seinen Spenderausweis noch bei sich tragen will. Als Ersatzteillager ohne Einfluss wandert eine Niere schon mal in den Müll, wenn sich zu gegebener Zeit kein Abnehmer findet, während vielleicht Herz und Leber auf Wanderschaft gehen. Allein der Gedanke, dass mit einem gehandelt wird, macht die Galle schon unbrauchbar.

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Andy MacNab kennt sich aus. Er entwirft nicht irgendwo einen hochdramatischen Krieg auf der Welt, um unser aller Untergang zu beschreiben. Er zeigt das Sterben im Schatten, dort wo niemand hinsehen will. Der Tod versteckt sich in Afrika. Als Stellvertreterkrieg. Wenn MacNab davon erzählt, wie er um Rohstoffe geführt wird, damit die Zulieferindustrie für Handys andere Luxusprodukte weiterhin billige Produkte auf den Markt werfen kann, wird der Bogen überall dorthin gespannt, wo man sich am liebsten hinter Soaps versteckt und gleichzeitig mit dem besten Freund, der besten Freundin zum Flatrat-Tarif telefoniert. Gleichzeitig bekriegen sich in Afrika unterschiedliche Machthaber, teilen ein Land in Süden und Norden auf, kontrollieren es mit Hilfe von unter Drogen gesetzten Kindersoldaten und Minenarbeitern, die ihr Leben fristen. Es gilt, den Einfluss zu sichern. Wird ein Machthaber gestürzt, muss man den nächsten installieren. MacNabs Geschichte verlässt sich dabei auf den Abenteurer Nick Stone, der angewidert von einer misslungen Militäraktion sich ins Privatleben zurückgezogen hat. Wäre da nicht Silke, die sich berufen fühlt, in einem der härtesten Krisengebiete in einem Flüchtlingslager zu helfen, und Stone so in den Konflikt um eine Miene zieht, die Rebellen in die Hand zu fallen droht. Als ehemaliger SAS Agent kennt sich MacNab mit Waffen, mit Militäraktionen und dem Chaos gegenseitigen Abschlachtens aus. An manchen Stellen wuchert das Militärische allzu sehr, auch gehorcht das Ende dem Diktat des Genres, dass die Bösen gerichtet werden müssen, doch verliert der Autor sein Anliegen nicht aus dem Blick, die Not und das Elend von Kindern zu beschreiben, die Hass erfüllt, bewaffnet, blind Schrecken verbreiten und in den eigenen Tod rennen.

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Ein bewachtes Leben ist nicht unbedingt das, was man sich für sein eigenes Leben wüscht. Vor allem wenn es der Sicherheit eines Präsidenten dient, damit dieser in Ruhe sein Land führen kann. Nicht umsonst nennt Brad Meltzer seinen Thriller Shadow. Wer die Bilder der First Familiy aus dem Fernsehen kennt, kann sich gut vorstellen, was es heißt, Tochter in einer solchen Familie zu sein. Keep smiling und bloß keine falsche Äußerung sonst fallen die Umfragewerte. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Michael Garrick. Er gehört zum Beraterstab. Kümmert sich liebevoll um seinen behinderten Vater und hat sich ausgerechnet auf eine Liaison mit der Präsidententochter eingelassen, die ihn gleich zu Beginn in Schwierigkeiten bringt. Nicht dass er sich sogleich bemüht, sie zu beschützen, er muss im Verlauf auch feststellen, dass sie drogenabhängig ist und gerne mal eben ein paar tausend Dollar einsteckt, die der Chefberater des Präsidenten im Wald versteckt. Dass die ganze Geschichte aus der Ich-Form erzählt wird, macht sie auf die Dauer etwas behäbig. Garricks Gefühlszustand durchlebt mehrere Schwitzbänder, nicht zuletzt weil er an der Tochter des Präsidenten zweifelt, sich zwischen alle Stühle gesetzt sieht. Ein Mord geschieht, Garrick gerät in das Fadenkreuz der Ermittlungen, aber Geschichten wie die des sagenumwobenen Tunnels unter dem Weißen Haus wirken unglaubwürdig. Als das bittere Ende naht, rutsch die Handlung dann auch noch ins Melodramtische ab. Stefan Kaminskys Versuch, den Figuren mehr Eigenleben zu geben, indem er verschiedene Tonlagen im Dialog benutzt, scheitert leider daran, dass für die zweite Stimme immer nur derselbe Ton zu Verfügung steht. Ein Hörbuch für Liebhaber amerikanischer Politik und Geschichten rund um das weiße Haus. Ganz ohne Verschwörungstheorien.

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Der Krimi ist als Milieustudie gedacht. Immer wieder schieben sich die Stimmen der Betroffenen hinein, die teils gehetzt, teils vom Leben frustriert sich ihrem Schicksal ausliefern. Am Anfang, nachdem schon der Einstieg misslingt, man statt einer Strafaktion gleich einen Toten am Haken hat und einen Feuer legen muss, um Spuren zu vernichten, klingt dies überzeugend, offenbart Humor, doch dann verliert McDowall sich in zu viel Personal. Man ist dauernd bemüht, sich daran zu erinnern, welcher Name das jetzt noch war, der gerade genannt wurde. McDowall ist dem Hard-Boiled zugeneigt, die Sprache kommt nicht selten derb daher, verleiht der Geschichte trotzdem zu wenig kriminalistischen Swing, um gespannt aufs Ende zu sein. Das alles hat man in irgendeiner Form schon mal gelesen. Die Schilderung des Drogenmilieus erinnert einen phasenweise an Trainspotting, doch Inspector Jacobson wird die Dinge schon richten. Um was für einen perfekten Tod es sich dabei überhaupt handeln soll, das mag derjenige zu erklären versuchen, der den Titel gewählt hat. Der Tod in McDowalls Geschichte kommt rein zufällig daher, die Mörder, in bester Tradition, werden dazu getrieben, nach dem Teekessel zu greifen, um zu morden und handeln nicht nach Kalkül. Vielleicht soll dies die Doppelbödigkeit unterstreichen, die man bei den kleinen Gangstern und einem blassen Inspektor vermisst. So muss auch ein Hund mit dem Leben bezahlen, der sich zu oft auf dem Teppich erleichtert hat. Was für ein Tod für einen Hund. Nahezu Perfekt.

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Wer sich auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika freut, sollte Deon Meyer lesen, um die Schwierigkeiten zu verstehen, vor die ein Land sich bei der Bewältigung eines solchen Mega-Events gestellt sieht. Mit der faszinierenden Schilderung einer Suche, gewährt der Autor uns einen tiefen Einblick in ein instabiles Land, in dem längst die Scheidelinie nicht mehr ausschließlich zwischen Weiß und Schwarz allein verläuft. Durch jahrhundertlange Unterdrückung und Gewalt geprägt zerreißt es die Menschen längst in sich selbst. Lemmer ist Bodyguard, sieht auf eine Zeit im Gefängnis zurück und hat wie viele von Deon Meyers Figuren gelernt, das eigene Leben als Schatten zu akzeptieren. Als er Emma, eine neue Klientin, zugeteilt bekommt, sieht es nach einem einfachen Job aus. Sie ist auf der Suche nach ihrem verschollen Bruder, den sie auf einem Foto wiedererkannt zu haben glaubt, von dem jedoch jeder behauptet, ihn nicht zu kennen. Angeblich ist der Tierschützer von Wilderern getötet worden. Emma wird kurz nach Eintreffen im Krüger-Park nach dem Leben getrachtet, um nach einem beinah erfolgreichen Attentat ins Koma zu sinken, so dass Lemmer sich berufen fühlt, nicht nur ihr Leben zu retten, vielmehr auch dem Geheimnis eines Bruders auf die Spur zu kommen, der erfolgreich seine Spuren verwischt hat. Deon Meyers Kunstgriff besteht darin, Lemmer selbst auf die Suche nach dem Verlorenen in sich zu schicken. Soweit der Thriller. Deon Meyer nutzt das Tableau, um seinem Land eine Abrechnung zu servieren, die über Artenschutz, Waffenhandel und graue Eminenzen vor allem heillose Abgründe offenbarz. Ein faszinierendes, facettenreiches Spiel mit der Wahrheit, die man sich selbst zugesteht. Nicht weil man das Leben im Licht nicht aushält, es würde einen vielmehr nicht überleben lassen. Wie sehr Deon Meyers Figuren seinem Südafrika verhaftet sind, zeigt der Schluss. Da bleibt kaum Platz zum Atmen. Nur für ein letztes Gespräch am Telefon.

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Selten entgehen Serienhelden einer gewissen Langeweile, weil sie sich Fall für Fall durchs Leben kämpfen und einem zu vertraut werden. Jo Nesbos Harry Hole gehört nicht dazu. Dass verdankt er einem Autor, der ihn nicht nur mit einem schillernden Charakter ausgestattet hat, der sich vielmehr darauf versteht, die Verbrechen so geschickt zu verschlüsseln, dass sie, selbst wenn es an die Aufdeckung geht, überraschende Haken schlagen. Niemand kann ein Ende wie hier so überzeugend vertreten wie Nesbos Harry Hole. Dass er nicht nur vom Alkohol gezeichnet ist, sich Anweisungen seiner Vorgesetzten durch stoisches Überhören zu widersetzen weiß, kennt man aus früheren Romanen. In Der Erlöser verliebt er sich beinah wieder, widersteht der Versuchung jedoch im letzten Moment, weil er einen Schatten zu spüren glaubt. Die persönliche Tragödie geschieht nebenher. Harry Hole schwimmt die ganze Zeit gegen den eigenen Strom an. Er weiß, wenn er sich nicht mehr bewegt, wird er untergehen. Das dunkle Geheimnis einer Vergewaltigung, die am Anfang beschrieben wird, wächst zum bleiernen Gefühl der Erniedrigung an, mit dem sich die Opfer durchs Leben schleppen. Nesbo braucht die Tat nicht auszustellen, um Gewalt an sich zu stilisieren. Er beschreibt sie als ein Verbrechen, von dem man nicht erlöst wird. Dass er die Handlung ausgerechnet ins Milieu der Heilsarmee verlegt, verschafft ihr zusätzliche Brisanz. Unter den scheinbar Gutmütigen toben sich die Abgründe ebenso aus, wie in der normalen Welt. Auch hier geht es um Einfluss, Macht, lässt man sich bestechen. Mit Der Erlöser wirft Jo Nesbo wiederum einen scharfen Blick auf seine Welt. Seine Antwort ist nicht unbedingt konsensfähig, bei weitem nicht Besserwisserisch. Sein Harry Hole ist zu schwach, um sich zum Helden aufzuschwingen. Er lebt von Tag zu Tag. Wie wir mit Nesbo von Fall zu Fall.

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