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Alle Rezensionen von Winfried Stanzick

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Eine lustige und hintersinnige Märchenparodie haben die beiden französischen Kinderbuchautoren Jean Leroy und Matthieu Maudet hier in einem kleinen Buch im Moritz Verlag vorgelegt. Das sitzt das Rotkäppchen zusammen mit drei kleine Schweinchen im Sandkasten. Sie denken nach darüber, was sie tun werden, wenn sie einmal groß sind. Dabei sind sie sich einig: der Wolf wird sich wundern. Doch der Wolf, selbst noch klein und unscheinbar, hat sie dabei belauscht und ist außer sich. Die vier seien gemein, ruft er aus und kündigt an, sie alle aufzufressen - wenn er einmal groß ist. Ein Bilderbuch, das neben dem Spaß, den es macht, auch eine Moral vermittelt: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.

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Auch das neue Bilderbuch von Britta Teckentrup zeugt, wie viele andere ihrer früheren Bücher für Kinder von einer großen Liebe zu der Natur und ihren Wundern. Dieses Mal lädt sie die Kleinsten mit großen besonderen Gucklöchern auf eine Entdeckungsreise in eine Welt ein, in der alle "zusammen unter einen Himmel" leben. Sie macht es für Kinder sehr verständlich mit Tierfamilien. Eine Katzenfamilie, eine Löwenpaar mit drei Kleinen, ein Pinguinpaar in Schnee und Eis, Tiere hoch in den Bergen, in tiefen grünen Tälern, im Meer, hoch über den Wolken und in dunklen Wäldern. Allen leben sie zusammen unter einem Himmel: "Wir träumen dieselben Träume und wir träumen sie zusammen¿" Mit entsprechender sensible Anleitung von Erwachsenen, werden sie zuhörenden und die das Buch betrachtenden Kinder, sehr schnell den Zusammenhang herstellen zu den vielen verschiedenen Kindern aus allen Herren Länder, die ihnen heutzutage in unseren Kindertagesstätten begegnen. Das poetische Bilderbuch zeigt, dass uns alle mehr verbindet, als uns trennt.

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Der Philosoph Christian Schüle, der zuletzt mit seinem Buch "Heimat" (Droemer) ein Szenario für ein neues Heimatverständnis entworfen hat, mit dem sich die großen Migrations-Bewegungen unserer Zeit möglicherweise fassen und bewältigen lassen. und dabei unserer Sehnsucht nach Vertrautem und dem Mangel an Vertrauen nachgespürt hat, ist auch in seinem neuen Werk "Wir haben Zeit" dem aktuellen Lebensgefühl der Menschen auf der Spur. Wie leben sie und wie arbeiten sie, was bewegt sie, welchen Sinn und welches Ziel wollen sie ihren Leben geben? Da die Menschen heute eine erhebliche höhere Lebenserwartung haben als frühere Generationen, hätten sie, so Schüle, eigentlich allen Grund, sich Zeit zu lassen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Stress, Hektik, Druck von außen, der dann nach innen wandert und krank macht, überwiegen im Leben der meisten Menschen. Sie fühlen sich wie gejagt von widersprüchlichen und sie überfordernden Anforderungen und mehr noch von den unzähligen Angeboten. So wird man nicht glücklich. In seinem Buch beschreibt Schüle, wie er sich die "Organisation des guten Lebens" vorstellt. Was kann der einzelne Mensch, Frau oder Mann, tun bzw. lassen, um seine Arbeit, seine Familie und seine Freizeit in einen harmonischen und sinnerfüllten Einklang zu bringen? Doch seine Fragen gehen über das hinaus, was das Individuum für sich selbst tun kann. Er nimmt in seinem Buch auch immer wieder die gesamte Gesellschaft in den Blick und fordert eine Neudefinition von Lebensarbeitszeit, die sich an den in den verschiedenen Lebensabschnitten vorherrschenden Bedürfnissen der Menschen orientiert. Sein Buch ist nicht nur eine überzeugende Gesellschaftsutopie mit vielen sinnvollen Hinweisen auf das, was der Einzelne für sich in seinem Leben ändern kann, sondern auch eine kluge und aufschlussreiche Beschreibung unserer gegenwärtigen Gesellschaft und der in ihr vorherrschenden Werte.

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Von Monika Osberghaus hervorragend aus dem Englischen übersetzt beschäftigt sich das neue Buch der englischen Kinderbuchautorin Mo Willems wieder ihrem lustigen kleinen Elefanten Gerald und seinem Freund Schweinchen. Dieses Mal geht es um das Teilen und wie kompliziert sich das manchmal gestaltet. Als Gerald sich an einem Eiswagen ein Bällchen von dem leckeren grünen Eis (Waldmeister?) gekauft hat und schon genussvoll losschlecken will, da fällt ihm ein, dass sein Freund, das Schweinchen auch für sein Leben gerne Eis mag. Und dann ist er hin und her gerissen zwischen der Lust, sein Eis allein zu essen und dem schlechten Gewissen, es teilen zu sollen. Mo Willems hat diese Gefühlsaufwallungen wunderbar und lustig in Szene gesetzt. Während Gerald überlegt und nachdenkt, sich quält mit seinem Gewissen, schmilzt sein Eis langsam dahin. Niedergeschlagen auf dem Boden sitzend, das geschmolzene grüne Eis auf der Erde vor sich sagt er: "Ich hab`s vermasselt." Doch da kommt das Schweinchen um die Ecke. Und ratet mal, was es in der Hand hat? Ein schönes neues Buch von Gerald und Schweinchen über die Schwierigkeit des Teilens.

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Du liest dieses Buch, weil du im Grunde deines Herzens weißt, dass da draußen eine größere Version deines Lebens auf dich wartet. Doch viele Menschen, vor allen Dingen Frauen, an die sich dieses Buch hauptsächlich richtet, hören nicht auf diesen Ruf. "Freiheit ist eine Entscheidung" sagt Beth Kempton und ihr hier vorliegendes Buch will zu dieser Entscheidung nicht nur ermutigen sondern auch befähigen. Hier lernen Frauen, die Tür zur Freiheit zu öffnen und nachhaltig für eine Veränderung in ihrem Leben zu sorgen. Doch auch Männern die dieses Buch lesen, öffnen sich Türen nicht nur für ihr eigenes Leben, sondern vor allem für ein tieferes Verständnis ihrer Partnerin. Es ist hauptsächlich Angst, die Menschen, besonders Frauen, davon abhält, ihr Leben so zu führen, wie sie es sich wünschen. Beth Kempton zeigt mit vielen Übungen und Fragebögen, die sie in acht Schritten entwickelt, dass es möglich ist, die Zweifel abzulegen und scheinbar unbeeinflussbare Umstände zu verbessern. Es geht vielleicht nicht immer gleich darum, zu einer "Himmelstürmerin" zu werden. Nicht jede kann ihr Leben, ihren Beruf und ihren Alltag so vollständig umkrempeln, wie sie sich es vielleicht erträumt. Aber wer im Kleinen beginnt, sich Schritt für Schritt seine Lebensfreude und Freiheit erobert, der wird selbst ohne revolutionäre Wechsel sein eigenes Leben in Beruf und Alltag so neu gestalten, dass die Fremdbestimmung reduziert wird und immer mehr persönliche Kreativität und Eigengestaltung wachsen können. Beginnen aber muss es immer mit einer eigenen Entscheidung, etwas zu verändern und damit, diese Entscheidung mit denen zu kommunizieren, mit denen man sein Leben teilt. Tut frau das, wird sie vielleicht mehr männliche Unterstützung und Solidarität erfahren, als sie für möglich gehalten hat.

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Das siebte Album der legendären Beatles, das vor über fünfzig Jahren veröffentlicht wurde, zählt nicht nur wegen seinen musikalischen Kunstwerken sondern auch wegen seinem Cover zu den von der amerikanischen Musikzeitschrift "Rolling Stone" in der Liste "500 Greatest Albums of All Time" aufgeführten Alben. Auf Platz 3 ist es dort notiert. Um dieses Cover geht es in diesem außergewöhnlichen Buch, in dem der heute 78-jährige Grafiker Klaus Voormann mit einer langen Graphic Novel und anderen kurzen Texten erzählt, wie es damals zu diesem Album kam und warum von den Fans der Beatles oft als der fünfte, der deutsche Beatle genannt wurde. Voormann lässt den Leser mit seiner gezeichneten Geschichte an diesem ganz besonderen Prozess teilhaben, wie er klebte, bastelte und collagierte. In den Begleittexten lässt er Zeitgenossen und auch heutige Fans (z.B. Hörst Köhler zu Wort kommen. Ein ganz besonderer bibliographischer Leckerbissen für alle Beatles-Fans.

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"Eine philosophische Suche nach dem Glück" unternimmt die Philosophin Ina Schmidt in dem vorliegenden Buch. Sie kritisiert die immer weiter verbreitete Manie, sich permanent Ziele zu setzen, Maßstäbe und Messlatten zu formulieren, um das zu erreichen, was man sich als Glückszustand vorstellt. Beim Streben nach Optimierung, Verbesserung und Erkenntnis lassen immer mehr Menschen nichts unversucht, damit ihnen das Glück nicht entwischt. Die große Liebe, die richtige Berufswahl, die perfekte Zeit für eine Familiengründung, das sind nur einige der Themen, die viele Menschen über ein lange Zeit beschäftigen ohne dass sie wirklich das Gefühl haben, ja das ist es jetzt. Es könnte ja was bessere nachkommen. Diese Einstellung lässt sie haargenau am echten, authentischen Leben vorbei schlittern. Der Schlüssel zum Glück liegt für die Philosophin Ina Schmidt in der Suche nach der persönlichen Lebenszufriedenheit, die sich im Laufe des Lebens ständig wandelt. Es geht nicht ums Ankommen . Das Unterwegssein zählt. Schließlich reflektieren wir dabei unser gegenwärtiges Leben, können Wünsche formulieren und entwickeln uns immer weiter. Ihr Buch ermuntert uns, Wege zu gehen, ohne immer ein konkretes Ziel vor Augen zu haben. Ein Gedicht von Mascha Kaleko trifft diesen Punkt genau: "Du suchst und kannst den Sinn nicht finden. Gib`s auf; denn so wirst du ihn nicht ergründen: Zieh deines Wegs und träume vor sich hin: Wie oft enthüllt im Unsinn sich der Sinn!"

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Nach seinem 2015 erschienen Buch "Was ist eigentlich evangelisch?" und seinem Lutherbuch "Hier stehe ich, ich kann auch anders" (2017) legt der ehemalige Gemeindepfarrer, Hochschullehrer, Liedermacher und Kabarettist Okko Herlyn mit dem vorliegenden Buch erneut ein verständliches theologisches Werk vor, mit dem er Christen helfen will, die eigenen Traditionen und Quellen besser zu verstehen und sie für ihren Alltag aufzuschließen. "Verstehen, was wir beten" soll dem reinen Herunterleiern des zentralen christlichen Gebets ein tieferes Verständnis entgegensetzen. Mit aktuellen Bezügen, die Herlyn aufschließt und veranschaulicht mit vielen Beispielen aus dem Alltag, macht er dieses alte, vermeintlich vertraute Gebet zu einem neuen Erlebnis, zu einer neuen Erfahrung. Dazu trägt vor allen Dingen ein auch aus seinen anderen Texten bekannter verständlicher und unterhaltsamer Stil bei. Für alle Menschen, die einmal genauer anschauen möchten, was sie sonntags in der Kirche oder zu Hause für sich beten kann dieses Buch völlig neue Dimensionen aufschließen, die man so nicht für möglich gehalten hätte. Herlyns Texte sind eine Form der modernen und verständlichen Verkündigung, wie man sie sich in allen Konfirmandenstunden und Gottesdiensten wünschen würde.

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In der sehr erfolgreichen Kinderbuchreihe "Mein erstes Buch" für kleine Kinder ab etwa 18 Monaten legt die Ars Edition in München hier ein neues Buch der Französin Nathalie Choux vor, in dem sie Erfahrungen von kleinen Kinder reflektiert, die schon in frühem Alter eine Kinderkrippe besuchen, was in Frankreich, wo das Buch zuerst erschien, viel mehr zum Alltag von Kindern und ihren Eltern gehört als bei uns. Mit mehreren Schiebern und einem Drehrad ausgestattet, lernen die Kinder erste Sachen und Gegenstände zu erkennen und zu benennen, die ihnen dort begegnen, aber auch gemeinsame Erfahrungen mit anderen Kindern und Erziehrinnen, wie zum Beispiel spielen, essen, malen und schlafen werden thematisiert. Genau wie die anderen Bücher aus dieser Reihe kann ich dieses Buch sehr empfehlen.

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Das vorliegende schwergewichtige Buch von Stefan Bitterle erzählt eine mit unzähligen historischen schwarz-weiß-Bildern illustrierte Geschichte des Reisens im 19. und 20. Jahrhundert. Damals war man noch auf einer Grand Tour, heute ist man Teil eines weltumspannenden Tourismus, wo man schnell ans Ziel kommt und dort Menschen trifft, die man von zu Hause schon in-und auswendig kennt. Der Band erzählt die Geschichte wie durch die Erfindung der Eisenbahn vormals unbekannte Gebiete erschlossen und durch Thomas Cook so etwas wie die Anfänge des Tourismus entstanden. Fischerdörfer wurden zu mondänen Seebädern, entlegene Bergnester zum Ziel für Wander- und Skibegeisterte, Gasthäuser zu Grand Hotels. Mit diesem wunderbaren Buch fahren Sie mit dem Orient-Express ins Morgenland, überqueren Sie mit Ozeanriesen den Atlantik, folgen Sie der Route 66 quer durch die USA oder durchbrechen Sie mit der Concorde die Schallmauer. Beim Blättern in diesem Band bekommt man eine Ahnung davon, dass Reisen mehr war und mehr sein kann, als im Stau zu stehen oder Sicherheitskontrollen über sich ergehen zu lassen. Reisen bedeutete damals (und kann es natürlich mit dem entsprechenden Kleingeld und der entsprechenden freien Zeit auch heute sein) auf stilvolle und manchmal abenteuerliche Weise die Welt zu erfahren und von den vielfachen Eindrücken wie verwandelt nach Hause zurückzukehren. Das Buch gibt dem Betrachter einen profunden Eindruck davon, wie sich in nur 100 Jahren nicht nur das Reisen, sondern die gesamte Gesellschaft auf eine rasante Weise verändert hat, die einen schwindeln macht, wenn das heutige Tempo bedenkt und die Beschleunigung nur mal einige Jahrzehnte voraus denkt. Geeignet für Globetrotter wie für Balkonurlauber gleichermaßen.

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