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Zeit der Rache

Ein Jack-Reacher-Roman. Originaltitel: The Visitor. 'Bl…
von Lee Child
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Produktdetails
Titel: Zeit der Rache
Autor/en: Lee Child

ISBN: 3442357152
EAN: 9783442357154
Libri: 4280458
Ein Jack-Reacher-Roman.
Originaltitel: The Visitor.
'Blanvalet Taschenbücher'.
Übersetzt von Georg Schmidt
Blanvalet Taschenbuchverl

Februar 2002 - kartoniert - 512 Seiten

Sergeant Amy Callan und Lieutenant Caroline Cook haben einiges gemeinsam.
Beide wollten Karriere bei der Armee machen, beide waren Opfer sexueller
Belästigung durch Kollegen, beide ließen sich anschließend vom Dienst suspendieren
- und beide sind jetzt tot. Wiederum in Übereinstimmung wurden sie beide
in ihrer eigenen Badewanne aufgefunden, in Armee-Tarnfarbe schwimmend,
die Leichen scheinbar völlig unberührt und ohne ein einziges Anzeichen
für die Todesursache. Hochrangige Profiler des FBI beginnen fieberhaft
die Jagd nach einem Serienmörder: einem Angehörigen der Armee, einem hochintelligenten,
einsamen, unbarmherzigen Mann, der beide Frauen kannte - und wahrscheinlich
noch ein paar weitere, auf die Amys und Carolines Opferprofil ebenfalls
zutrifft. Auf Jack Reacher, einen ehemaligen Spitzen-Ermittler der Militärpolizei,
passen diese Merkmale auffallend perfekt. Das FBI kreist ihn ein, muss
aber rasch erkennen, daß er nicht der Täter ist - sondern vielmehr der
einzige, der bei der Lösung dieses scheinbar unlösbaren Falles helfen kann.
Doch Reacher hat nicht die Absicht, sich vor den Karren des FBI spannen
zu lassen...
Sergeant Amy Callan und Lieutenant Caroline Cook haben einiges gemeinsam. Beide wollten Karriere bei der Armee machen, beide waren Opfer sexueller Belästigung durch Kollegen, beide ließen sich anschließend vom Dienst suspendieren - und beide sind jetzt tot. Wiederum in Übereinstimmung wurden sie beide in ihrer eigenen Badewanne aufgefunden, in Armee-Tarnfarbe schwimmend, die Leichen scheinbar völlig unberührt und ohne ein einziges Anzeichen für die Todesursache. Hochrangige Profiler des FBI beginnen fieberhaft die Jagd nach einem Serienmörder: einem Angehörigen der Armee, einem hochintelligenten, einsamen, unbarmherzigen Mann, der beide Frauen kannte - und wahrscheinlich noch ein paar weitere, auf die Amys und Carolines Opferprofil ebenfalls zutrifft. Auf Jack Reacher, einen ehemaligen Spitzen-Ermittler der Militärpolizei, passen diese Merkmale auffallend perfekt. Das FBI kreist ihn ein, muss aber rasch erkennen, daß er nicht der Täter ist - sondern vielmehr der einzige, der bei der Lösung dieses scheinbar unlösbaren Falles helfen kann. Doch Reacher hat nicht die Absicht, sich vor den Karren des FBI spannen zu lassen...



Lee Child wurde in den englischen Midlands geboren, studierte Jura und arbeitete dann zwanzig Jahre lang beim Fernsehen. 1995 kehrte er der TV-Welt und England den Rücken, zog in die USA und landete bereits mit seinem ersten Jack-Reacher-Thriller einen internationalen Bestseller. Er wurde mit mehreren hoch dotierten Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem »Anthony Award«, dem renommiertesten Preis für Spannungsliteratur.
Wissen ist Macht, hei' es im Volksmund. Je mehr Wissen, desto mehr Macht. Angenommen, man w'sste die Gewinnzahlen im Lotto. Alle. Man h'e sie nicht etwa geraten, auch nicht getr't, sondern w'sste sie wirklich. Was w'rde man machen? Zur n'sten Annahmestelle laufen, ganz recht. Man w'rde die Zahlen auf dem Lottoschein ankreuzen. Und man w'rde gewinnen.
Das Gleiche gilt f'r die B'rse. Angenommen, man w'sste genau, welche Kurse kr'ig anziehen. Man vertraut dabei nicht etwa auf eine Ahnung oder ein Gef'hl. Man orientiert sich weder an einem Trend noch an Prognosen, noch an Einfl'sterungen, noch an einem Tipp. Man verl't sich auf sein Wissen. Echtes, handfestes Wissen. Angenommen, man verf'gte dar'ber. Was w'rde man dann tun? Man w'rde seine Bank anrufen, ganz recht. Man w'rde kaufen, sp'r dann verkaufen, und man w' reich.
Desgleichen beim Basketball, bei Pferderennen, bei allem. Bei jeder Sportart, egal, ob es um Football, Eishockey oder um den Sieger der n'sten Weltmeisterschaft im Baseball geht - wenn man die Zukunft voraussagen k'nnte, h'e man sein Sch'hen im Trockenen. Ohne Frage. Das gilt auch f'r die Oscar-Verleihung, die Vergabe der Nobelpreise, den ersten Schnee des kommenden Winters. Es gilt f'r alles
Es gilt auch, wenn man jemanden umbringen will.
Angenommen, man m'chte jemanden umbringen. Dazu m'sste man im Voraus wissen, wie man es anstellen soll. Das ist nicht allzu schwierig. M'glichkeiten gibt es genug. Manche sind gut, andere weniger. Einen Haken haben die meisten. Folglich greift man auf das Wissen zur'ck, das einem zur Verf'gung steht, und denkt sich eine neue M'glichkeit aus. Man 'berlegt hin und her, bis man auf den perfekten Mord kommt.
Man muss sein ganzes Augenmerk auf die 'eren Umst'e richten. Denn den perfekten Mord zu begehen ist nicht leicht, und sorgf'ige Vorbereitung ist dabei sehr wichtig. Aber das ist dein t'iches Brot. Sorgf'ige Vorbereitung f't dir nicht schwer. 'erhaupt nicht. Wie auch, bei deiner Intelligenz? Nach de
r ganzen Ausbildung?
Du wei', dass es hinterher erst richtig heikel wird. Wie schaffst du es, ungeschoren davonzukommen? Du setzt dein Wissen ein, ganz recht. Du wei', wie die Polizei vorgeht, du wei' mehr 'ber ihre Arbeitsweise als die meisten anderen Menschen. Du wei', wonach sie suchen. Folglich hinterl't du keinerlei Spuren. Du gehst die ganze Sache ein ums andere Mal im Kopf durch, 'berlegst dir alles ganz genau, Punkt f'r Punkt und sehr sorgf'ig. So sorgf'ig, wie man seinen Lottoschein ausf'llen w'rde, wenn man genau w'sste, dass man damit ein Verm'gen gewinnt.
Wissen ist Macht, hei' es im Volksmund. Je mehr Wissen, desto mehr Macht. Somit m'sstest du einer der m'tigsten Menschen auf Erden sein. Wenn es darum geht, jemanden umzubringen. Und anschlie'nd ungeschoren davonzukommen.


Das Leben besteht aus lauter Entscheidungen, Abw'ngen und Einsch'ungen, und irgendwann ist man so daran gew'hnt, abzuw'n und sich zu entscheiden, dass man es auch dann macht, wenn es streng genommen gar nicht n'tig ist. Die Frage nach dem Was w', wenn wird zur fixen Idee, und man 'berlegt sich, wie man sich verhalten w'rde, wenn man sich anstelle eines anderen mit einer bestimmten Situation auseinander setzen m'sste. Es wird einem zur Gewohnheit. Jack Reacher war diese Angewohnheit in Fleisch und Blut 'bergegangen. Deswegen sa'er jetzt allein an einem Restauranttisch und starrte auf die R'cken der beiden Typen, die etwa sechs Meter weiter weg standen, und fragte sich, ob es gen'gen w'rde, wenn man sie mit einer deutlichen Warnung vertriebe, oder ob er einen Schritt weiter gehen und ihnen gleich die Arme brechen sollte.
Es war eine Frage der Dynamik. Die Dynamik der Gro'tadt lief zun'st einmal darauf hinaus, dass ein nagelneues italienisches Lokal in Tribeca, so eins wie das, in dem Reacher sa' so lange ziemlich leer blieb, bis der Gastronomiekritiker der New York Times etwas dar'ber schrieb oder ein Klatschkolumnist des Observer irgendwelche Prominenz entdeckt
e, die dort zwei Abende hintereinander verkehrte. Aber bislang war weder das eine noch das andere geschehen, und in dem Lokal war nach wie vor wenig los, so dass es die ideale Anlaufstelle f'r einen einsamen Mann war, der in der N' der Wohnung seiner Freundin zu Abend essen wollte, w'end sie 'erstunden in der Kanzlei machte. Die Dynamik der Gro'tadt. Sie f'hrte zwangsl'ig dazu, dass Reacher sich hier aufhielt. Und ebenso zwangsl'ig waren deshalb auch die beiden Typen hier, die er beobachtete. Denn die Dynamik der Gro'tadt brachte es ebenfalls mit sich, dass ein viel versprechendes neues Unternehmen fr'her oder sp'r Besuch im Auftrag von irgendjemandem bekam, der jede Woche dreihundert Dollar haben wollte, damit er seine Jungs nicht losschickte und es mit Baseballschl'rn und Axtgriffen zu Kleinholz zerlegen lie'
Die zwei Typen, die Reacher beobachtete, standen unmittelbar vor der Bar und redeten leise mit dem Inhaber. Die in der einen Ecke des Raums aufgebaute Bar war mehr Schein als Sein. Sie bildete ein rechtwinkliges Dreieck mit einer Schenkell'e von etwa zwei bis zweieinhalb Metern. Es war keine Bar im eigentlichen Sinn, denn niemand setzte sich dort hin, um irgendwas zu trinken. Sie diente eher als Blickfang. Au'rdem wurden dort die Schnapsflaschen aufbewahrt. In Dreierreihen standen sie auf den gl'rnen Regalen vor einer mit Sandstrahlgebl' behandelten Spiegelwand. Die Kasse und das Kreditkartenleseger'befanden sich auf dem untersten Brett. Der Inhaber, ein kleiner, nerv'ser Mann, war zum Scheitelpunkt des Dreiecks zur'ckgewichen, bis er mit dem Hinterteil an die Schublade der Kasse stie' Er hatte die Arme verschr't, wirkte verkrampft, abweisend. Reacher sah seinen Blick. Er war teils ungl'ig, teils panisch, w'end er sich nach allen Seiten umschaute.
Es war ein gro'r Raum, gut und gern achtzehn bis zwanzig Meter lang und ebenso breit. Die Decke war etwa sechs bis sechseinhalb Meter hoch. Sie war mit Zinkblech verkleidet, das mittels Sandstrahlgebl' matt
geschliffen worden war. Das Haus war 'ber hundert Jahre alt, und den Raum hatte man im Lauf der Zeit vermutlich f'r alle m'glichen Zwecke genutzt. Anfangs war hier vielleicht eine Fabrik gewesen. Die zahlreichen Fenster waren so hoch, dass zu einer Zeit, da in der Stadt kein Geb'e 'ber mehr als f'nf Stockwerke verf'gte, gen'gend Licht f'r einen Industriebetrieb hatte einfallen k'nnen. Danach hatte er wom'glich als Gesch' oder Lagerraum gedient. Vielleicht sogar als Ausstellungshalle eines Autoh'lers. Jetzt war hier ein italienisches Restaurant. Nicht der typische Italiener mit karierten Tischdecken und der von Mama h'chstpers'nlich zubereiteten So', sondern ein Lokal, in dessen helle, avantgardistische Ausstattung gut und gern dreihunderttausend Dollar investiert worden waren und in dem man sieben oder acht von Hand gemachte Ravioli auf einem gro'n Teller vorgesetzt bekam. Das nannte sich dann eine Mahlzeit. Reacher hatte in den vier Wochen seit der Er'ffnung zehnmal hier gegessen, und immer war er hinterher noch hungrig gewesen. Aber die K'che war so gut, dass er anderen Leuten davon erz'te, und das wollte etwas hei'n, denn Reacher war keineswegs ein Feinschmecker. Das Lokal nannte sich Mostro's, was seines Wissens nach auf Italienisch so viel wie Monster hie' Er war sich nicht ganz sicher, worauf sich der Name bezog. Bestimmt nicht auf die Gr'' der Portionen. Aber er hatte einen gewissen Klang, und das Mobiliar aus hellem Ahornholz, die wei'n W'e und der matte Aluminiumglanz verliehen dem Lokal eine durchaus reizvolle Atmosph'. Die Leute, die hier arbeiteten, waren freundlich und kompetent. Auf einer hervorragenden Anlage mit ausgezeichneten, hoch an den W'en angebrachten Lautsprechern wurden ganze Opern von Anfang bis Ende abgespielt. Reacher war zwar kein Fachmann, aber seiner Meinung nach erlebte er hier die ersten Anf'e eines Lokals, das es dereinst zu einem gro'n Namen bringen k'nnte.
Bislang allerdings verbreitete sich die Kunde offensichtlich eher langs
am. Dass in dem 'ber dreihundert Quadratmeter gro'n Raum nur zwanzig Tische standen, ging in Ordnung, weil es zu der kargen, spartanisch-avantgardistischen Ausstattung passte, aber in den vergangenen vier Wochen hatte er noch nie erlebt, dass mehr als drei Tische besetzt waren. Einmal war er sogar ganze anderthalb Stunden lang der einzige Gast gewesen. Auch heute gab es au'r ihm nur ein P'hen, das f'nf Tische weiter zu Abend a' Sie sa'n sich gegen'ber, so dass er sie nur von der Seite sehen konnte. Der Typ war mittelgro' Kurze rotblonde Haare, heller Schnurrbart, hellbrauner Anzug, braune Schuhe. Die Frau war schlank und dunkelhaarig, trug Rock und Jackett. Eine Aktentasche aus Kunstleder lehnte neben ihrem rechten Fu'am Tischbein. Die beiden, etwa Mitte Drei'g, wirkten m'de, abgespannt und leicht schlampig. Offenbar kamen sie einigerma'n gut miteinander aus, auch wenn sie nicht viel redeten.
Die zwei Typen an der Bar hingegen redeten. So viel stand fest. Sie waren vorn'ber gebeugt und sprachen schnell und eindringlich auf den Inhaber ein, der an der Kasse stand und sich seinerseits zur'ckgelehnt hatte. Es war, als ob sie alle drei von einem heftigen Windsto'erfasst worden w'n, der durch den Raum fegte. Die zwei Typen waren 'berdurchschnittlich gro'und kr'ig. Beide trugen dunkle Wollm'el, durch die sie noch breiter und wuchtiger wirkten. In dem matten Spiegel hinter den Schnapsflaschen konnte Reacher ihre Gesichter sehen. Brauner Teint, dunkle Augen. Keine Italiener. Syrer m'glicherweise oder Libanesen, Nachkommen der Einwanderergeneration, die nichts mehr vom arabischen Laissez-faire an sich hatten. Anschaulich und mit aller Entschiedenheit legten sie gerade ihren Standpunkt dar. Der Typ zur Rechten machte eine weit ausholende Armbewegung. Offenbar sollte das einen Baseballschl'r darstellen, mit dem die Flaschen vom Regal gefegt wurden. Dann lie'er die Hand herabsausen, f'hrte vor, wie die Regale zertr'mmert wurden. Mit einem Schlag sind sie von oben bis unten
zerdeppert, deutete er an. Der Inhaber wurde blass. Er warf einen kurzen Blick zur Seite, auf seine Regale.
Dann schob der Typ auf der linken Seite seine Manschette hoch, tippte auf das Zifferblatt seiner Uhr und wandte sich zum Gehen. Sein Partner richtete sich auf und folgte ihm. Er fuhr mit der Hand 'ber den n'stbesten Tisch und fegte einen Teller zu Boden. Das laute Scheppern, mit dem er auf den Fliesen zerschellte, 'bert'nte die Opernmusik. Der rotblonde Mann und die dunkelhaarige Frau sa'n reglos da und schauten weg. Langsam gingen die beiden Typen zur T'r, erhobenen Hauptes, selbstbewusst. Reacher sah ihnen hinterher, bis sie drau'n auf dem Gehsteig waren. Dann kam der Inhaber hinter der Bar hervor, kniete sich hin und fegte die Einzelteile des zerbrochenen Tellers mit den Fingerspitzen zusammen.
'Alles okay?', rief ihm Reacher zu.
Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, war ihm schon klar, wie dumm sie klingen mussten. Der Inhaber zuckte nur die Achseln und zog eine j'erliche Miene. Mit hohlen H'en wischte er die Scherben auf dem Boden zu einem Haufen zusammen. Reacher schob seinen Stuhl zur'ck, stand vom Tisch auf, breitete seine Serviette auf der Fliese neben ihm aus und fing an, die Teile einzusammeln. Das f'nf Tische entfernt sitzende P'hen beobachtete ihn.
'Wann kommen sie zur'ck?', fragte Reacher.
'In einer Stunde', sagte der Inhaber.
'Wie viel wollen sie?'
Wieder zuckte der Inhaber die Achseln und l'elte bitter.
'Ich bekomme zur Einf'hrung einen Sonderpreis', sagte er. 'Zweihundert pro Woche. Wenn das Lokal besser l't, steigt er auf vierhundert.'
'Wollen Sie zahlen?'
Der Mann machte erneut eine bedr'ckte Miene. 'Ich m'chte im Gesch' bleiben. Aber zwei Hunderter pro Woche helfen mir dabei nicht gerade.'
Der rotblonde Typ und die dunkelhaarige Frau schauten zur gegen'berliegenden Wand, h'rten aber genau zu. Die Opernmusik wurde getragener und ging in eine Arie 'ber, die die Diva mit einem tiefen, klagenden Moll
-Ton anstimmte.
'Wer sind die?', fragte Reacher leise.
'Keine Italiener', antwortete der Inhaber. 'Einfach irgendwelche Dreckskerle.'
'Darf ich Ihr Telefon benutzen?'
Der Inhaber nickte.
'Kennen Sie ein Gesch' f'r B'robedarf, das so sp'noch auf hat?', fragte Reacher.
'Am Broadway, zwei Stra'n weiter', erwiderte der Mann. 'Wieso? Haben Sie noch was Gesch'liches zu erledigen?'
Reacher nickte.
'Ja, was Gesch'liches', sagte er.
Er stand auf und begab sich hinter die Bar. Neben dem Buch f'r die Reservierungen stand ein neues Telefon. Das Buch sah aus, als w' es noch nie aufgeschlagen worden. Er nahm den H'rer ab, w'te eine Nummer und wartete einen Moment, bis etwa eine Meile weiter weg und vierzig Stockwerke h'her abgenommen wurde.
'Hallo?', sagte sie.
'Hey, Jodie', sagte er.
'Hey, Reacher, was gibt's?'
'Bist du bald fertig?'
Er h'rte sie seufzen.
'Nein, das hier geht die ganze Nacht', sagte sie. 'Komplizierte Rechtslage, und wie 'blich h'en sie meine Meinung dazu bis vorgestern gebraucht. Tut mir sehr Leid.'
'Mach dir keine Gedanken', beruhigte er sie. 'Ich habe was zu erledigen. Danach fahre ich, glaube ich, rauf nach Garrison.'
'Okay, pass auf dich auf', sagte sie. 'Ich liebe dich.'
Er h'rte im Hintergrund Papier rascheln, dann wurde der H'rer aufgelegt. Er legte ebenfalls auf, kam hinter der Bar hervor und begab sich wieder an seinen Tisch. Er klemmte vierzig Dollar unter seine Espressotasse und ging zur T'r.
'Viel Gl'ck!', rief er.
Der Inhaber, der am Boden kauerte, nickte kurz, und das P'hen am anderen Tisch blickte ihm nach. Er schlug seinen Kragen hoch, schl'pfte tiefer in den Mantel, lie'die Opernmusik hinter sich und trat hinaus auf den Gehsteig. Es war dunkel, und die Luft war herbstlich k'hl. Er ging nach Osten, in Richtung Broadway, und musterte die Neonreklamen, bis er das Gesch' f'r B'robedarf entdeckte. Es war ein schmaler Laden, voll gestopft mit Dingen, an denen gro', sternf
'rmig ausgeschnittene Preisschilder aus fluoreszierendem Karton prangten. So gut wie alles gab's im Sonderangebot, was Reacher nur recht war. Er kaufte ein kleines Etikettierger'und eine Tube Sekundenkleber. Dann verkroch er sich wieder in seinen Mantel und lief in Richtung Norden, zu Jodies Apartment.
Seinen Gel'ewagen hatte er in der Tiefgarage unter dem Haus geparkt. Er stie'heraus, bog in Richtung S'den auf den Broadway ein und fuhr dann zur dem Restaurant zur'ck. Er ging vom Gas, als er in die Stra' kam, und warf einen Blick durch die gro'n Fenster. Die wei'n W'e und das helle Holz des Ladens gl'ten im Schein der Halogenstrahler. Keinerlei G'e. S'liche Tische waren leer, und der Inhaber sa'auf einem Hocker hinter der Bar. Reacher fuhr um den Block herum und parkte im Halteverbot an der Einm'ndung der Gasse, die zur K'chent'r des Lokals f'hrte. Er stellte den Motor ab, schaltete das Licht aus und richtete sich aufs Warten ein.
Die Dynamik der Gro'tadt. Die Starken terrorisieren die Schwachen. Sie lassen nicht davon ab, wie seit jeher, bis sie auf jemanden sto'n, der st'er ist und sich aus lauter Menschenfreundlichkeit oder auch nur aus einer Laune heraus dazu berufen f'hlt, ihnen Einhalt zu gebieten. Jemanden wie Reacher. Er hatte keinerlei Grund, jemandem zu helfen, den er kaum kannte. Mit Logik hatte das nichts zu tun. Auch nicht mit irgendeinem Vorsatz. In diesem Augenblick tummelten sich in dieser Stadt mit ihren sieben Millionen Einwohnern vermutlich Hunderte von Starken, die den Schwachen zusetzten, vielleicht sogar Tausende. Jetzt, in eben diesem Moment. Er hatte nicht vor, sich jeden Einzelnen von ihnen vorzunehmen. Er wollte keineswegs einen gro'n Feldzug f'hren. Aber er war auch nicht bereit zuzulassen, dass so etwas unmittelbar vor seiner Nase passierte. Er konnte nicht einfach weggehen. Hatte er noch nie gemacht.




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