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Derrick oder Die Leidenschaft für das Mittelmaß

Streichholzbriefe 1990 - 2000. Originaltitel: La Bustina …
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Produktdetails
Titel: Derrick oder Die Leidenschaft für das Mittelmaß
Autor/en: Umberto Eco

ISBN: 3446199063
EAN: 9783446199064
Streichholzbriefe 1990 - 2000.
Originaltitel: La Bustina di Minerva.
5. Auflage.
Mit Beigaben.
Ausgewählt von Burkhart Kroeber
Übersetzt von Burkhart Kroeber
Hanser, Carl GmbH + Co.

31. Juli 2000 - gebunden - 185 Seiten

Gibt es etwas Deutscheres als Kommissar Derrick, die vollkommene Verkörperung von Durchschnittlichkeit, Phlegma und Beamtenkarriere? Phänomene wie den deutschen Geist im Streifenwagen, Ginger Rogers und Clintons Verfehlungen, Andreottis Mafiaprozess und die neue Computerkultur kann niemand besser erklären als Umberto Eco. Ein Band voll ironisch-intelligenter Parodien.
Umberto Eco wurde am 5. Januar 1932 in Alessandria (Piemont) geboren und starb am 19. Februar 2016 in Mailand. Er zählte zu den bedeutendsten Schriftstellern und Wissenschaftlern der Gegenwart. Sein Werk erscheint im Hanser Verlag, zuletzt u.a. Die Geschichte der Hässlichkeit (2007), Der Friedhof in Prag (Roman, 2011), Die Geschichte der legendären Länder und Städte (2013), Die Fabrikation des Feindes und andere Gelegenheitsschriften (2014), Nullnummer (Roman, 2015) und Pape Satàn (Chroniken einer flüssigen Gesellschaft oder Die Kunst, die Welt zu verstehen, 2017).
Derrick oder die Leidenschaft für das Mittelmaß
Die Derrick-Serie erfreut sich auch in Italien großer Beliebtheit. Im Licht des gesunden kritischen Menschenverstandes gäbe es keinen Grund, warum sie den Leuten gefallen sollte. Der Protagonist hat einen wäßrigen Blick und das traurige Lächeln eines geborenen Witwers, er trägt Anzüge von der Stange mit grauenvollen Krawatten, und seine Mitstreiter gehen in Lederjacken und Jeans, die nicht einmal richtig verwaschen sind. Die Innendekors stürzen noch den muntersten Possenreißer in unheilbare Betrübnis, und die Außenaufnahmen zeigen das Schlimmste, was Bayern zu bieten hat (dabei gäbe es dort wahrhaftig Besseres zu sehen).
Man könnte nun meinen, zumindest das detektivische Grundmuster der Geschichten sei originell und Derrick erobere sein Publikum durch Proben von außergewöhnlicher Intelligenz. Doch das Grundmuster hat, im Verhältnis zu den Detektivgeschichten von einst, nur eine sehr
abgestandene Neuheit, die schon weidlich von der Columbo-Serie ausgeschlachtet worden ist: Das Publikum weiß sofort, wer der Täter ist und wie er die Tat begangen hat. Der Reiz besteht darin, zu sehen, wie der Polizist, der es nicht weiß, den Täter errät und ihn anhand sehr spärlicher Indizien dazu bringt, sich zu verraten.
Aber Columbo (der übrigens nicht schlechter als Derrick gekleidet ist, denn er pflegt einen Schlabberlook avant la lettre) bewegt sich mit seinen proletarischen Manieren in einer Welt schöner, reicher und mächtiger Kalifornier, die ihn wie einen Fußabtreter behandeln (wozu er sie
ermuntert), in der Gewißheit, daß es diesem schäbigen Nachkommen zwielichtiger Immigranten nicht gelingen wird, ihre Deckung zu durchbrechen und die Barriere ihrer glänzenden Arroganz einzureißen. Columbo, der es versteht, scharfsinnige Bemerkung
en über das zu machen, was für die anderen marginal ist, treibt sie mit psychologischen Tricks von perfider Raffiniertheit in die Enge und bringt sie schließlich zu Fall, indem er gerade ihren Dünkel ausnützt. Die Zuschauer genießen diesen Sieg des
Pygmäen über die Elefanten und gehen zu Bett mit dem schönen Gefühl, daß einer, der genauso bescheiden und ehrlich wie sie ist, sie gerächt hat, indem er widerlich reiche, schöne und mächtige Leute bestraft.
Nicht so Derrick. Er hat es fast immer mit Leuten zu tun, die niedriger stehen und schlechter gekleidet sind als er, dazu noch psychisch labil und eingeschüchtert durch einen Vertreter des Gesetzes, wie es bei jedem guten Deutschen vorkommt. Seine Schuldigen sehen so unverschämt schuldig aus, daß sie gewöhnlich sogar von Harry erkannt werden (der offensichtlich ohne vorgängigen Intelligenztest in die bayerische Polizei aufgenommen worden ist), sie brechen fast sofort zusammen, es scheint, als ob sie geradezu danach lechzten. Wie kommt es dann, daß Derrick so gut gefällt?
In einem kürzlich erschienenen Sammelband mit dem Titel "Die Leidenschaften im TV-Serial"* sind die in den Serien Beautiful, Twin Peaks und eben Derrick verwendeten "Leidenschafts-Strategien" untersucht worden. Ich kann die Analyse des Derrick-Teils hier nicht im einzelnen wiedergeben, sie füllt etwa dreißig Seiten, aber sicher ist, daß sie Antworten auf die oben gestellten Fragen gibt.
Für die einzelnen Folgen werden nie außergewöhnliche Fälle gewählt, sondern Vorkommnisse von der Art, wie sie auch im Lokalteil der Zeitungen stehen und jedem von uns passieren könnten. Deswegen ist es von grundlegender Bedeutung, daß weder strahlende Helden noch Erzbösewichter in ihnen auftreten. Sowohl der Gesetzesbrecher wie der Gesetzesvertreter sind stets von gegensät
zlichen Leidenschaften zerrissen, von Verlangen nach Gerechtigkeit und nach persönlicher Rache, von Schuldgefühl und verständlicher Schwäche. Die Schauplätze dürfen nicht
zu leicht wiedererkennbar sein, damit möglichst viele Zuschauer sich darin wie zu Hause fühlen können. Hinzu kommt ein Element, das ich zunächst gar nicht bemerkt hatte: Wie es scheint, benutzen die Personen in jeder neuen Folge immer die neuesten Automodelle, so daß der Zuschauer stets ein Klima vertrauter Alltagsaktualität
vorfindet (den alten Karren von Lieutenant Columbo kann sich Derrick nicht leisten).
Derrick findet die Wahrheit am Ende nicht deshalb heraus, weil er so verteufelt intelligent ist, sondern weil er Verständnis für seinen Gesprächspartner hat: Er mißtraut ihm nie völlig und nimmt seine Sorgen ernst - und man bedenke den Unterschied zu Columbo, der immer allen mißtraut! Zwar bedauert auch Columbo am Ende wie Derrick, daß er den Schuldigen ruiniert hat, aber Columbo bedauert es, weil ihm in diesem Kampf zweier
Intelligenzen der Gegner - so groß die Unterschiede
zwischen ihnen auch sind - im Grunde fast sympathisch geworden ist. Derrick hingegen leidet am Ende, weil er den Schuldigen von Anfang an gemocht, ja wie ein Onkel geliebt hat.
Als Fazit heißt es im Schlußkapitel des erwähnten Sammelbandes, die Derrick-Serie sei ein "Vermittler zwischen Realität und Einbildung", da sie "die erzählten Gefühle normalisiert und in ihren Zuschauern eine parallele Normalität heraufruft". Sie sei "der Triumph der mediocritas, verstanden als ein In-der-Mitte-Stehen und zu einem Wert geworden anstelle einer Anonymität".
Jetzt versteht man, warum die Serie einen so großen Erfolg hat: Sie ist die Quintessenz aller TV-Spektakel, auch derer, in denen reale Personen auftreten, die nur geliebt werden, wenn sie sich
auf triumphale Weise als noch mediokrer denn die mediokersten Zuschauer erweisen. Und es ist zwecklos, den Snob zu spielen: Derrick gibt allen ein gutes Gefühl, auch denen, die sich für überlegen halten, denn er läßt in jedem von uns die Mittelmäßigkeit wieder aufblühen, die wir glaubten verdrängt zu haben.



"Ecos Gespür für die Strömungen seiner Zeit, gepaart mit einer furiosen Formulierungskraft, macht die Glossen, die er seit Jahrzehnten für die italienische Zeitung 'L'Espresso' schreibt, einmalig. (...) Eco zeigt, wieviel Klugheit man entfalten kann, wenn man sich mit trivialen Dingen beschäftigt. Kurzweilig, unterhaltsam und lehrreich zugleich." Frankfurter Neue Presse, 26.10.00 "Ein vergnügliches Schatzkästlein, das auch unters Kopfkissen passt. Eco schreibt mit ernster Leichtigkeit, in einem geschliffenen Stil und mit Kunstverstand." Neue Zürcher Zeitung, 14./15.10.00 "Wie immer schreibt Eco leichtfüßig und ironisch, und bleibt der gelassen-pragmatische Aufklärer, der sich nicht zu schade dazu ist, banalste und skurrilste Alltagsphänomen zu deuten." Frank Ufen, Der Tagesspiegel, 03.12.00



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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Ein Band voll ironisch-intelligenter Parodien! - von Anonym (Akademische Buchhandlung Knodt) - 28.11.2006 zu Umberto Eco „Derrick oder Die Leidenschaft für das Mittelmaß“
Gibt es etwas Deutscheres als Kommissar Derrick, die vollkommene Verkörperung von Durchschnitt- lichkeit, Phlegma und Beamtenkarriere? Phänomene wie den deutschen Geist im Streifenwagen, Ginger Rogers und Clintons Verfehlungen, Andreottis Mafiaprozess und die neue Computerkultur kann niemand besser erklären als Umberto Eco. Ein Band voll ironisch-intelligenter Parodien!
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