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Flieh, wenn du kannst

Roman. Originaltitel: Don't Cry Now. 'Goldmanns Taschen…
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Produktdetails
Titel: Flieh, wenn du kannst
Autor/en: Joy Fielding

ISBN: 3442432626
EAN: 9783442432622
Roman.
Originaltitel: Don't Cry Now.
'Goldmanns Taschenbücher'.
Übersetzt von Mechthild Sandberg-Ciletti
Goldmann TB

1. Juli 1997 - kartoniert - 416 Seiten

"Sie sind in Gefahr. Sie und Amanda." Als Bonnie Wheeler von Joan, der Exfrau ihres Mannes, vor einer unbestimmten Gefahr für sie und ihre Tochter gewarnt wird, ist sie zunächst skeptisch. Doch bevor sie Genaueres erfährt, wird Joan ermordet. Und ihre Warnungen waren offensichtlich begründet. Für Bonnie beginnt ein wahrer Alptraum ...


Joy Fielding gehört zu den unumstrittenen Spitzenautorinnen Amerikas. Seit ihrem Psychothriller »Lauf, Jane, lauf« waren alle ihre Bücher internationale Bestseller. Joy Fielding lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Toronto, Kanada, und in Palm Beach, Florida.
Sie dachte an Palmen, hohe braune B'e, von Jahrzehnten st'rmischer Winde gebeugt. Ihre langen gr'nen Bl'er flatterten wie leere Handschuhe vor einem klaren blauen Himmel.
Rod hatte von einer m'glichen gemeinsamen Reise nach Miami im n'sten Monat gesprochen. Ein paar Tage Konferenzen mit den angeschlossenen Sendern, hatte er gesagt, den Rest der Woche dann allein am Strand wie einst Burt Lancaster und Deborah Kerr - wie sie das f'e? Sie fand es sehr verlockend. Seitdem verfolgten sie Bilder von Palmen und blauem Himmel. So eine Reise w'rde sich allerdings nicht ohne gewisse Schwierigkeiten arrangieren lassen - sie w'rde ihren Schulleiter bel'gen m'ssen, ihm erz'en, sie sei krank, ausgerechnet sie, die sich immer damit br'stete, zu diesen widerlich gesunden Leuten zu geh'ren, denen Erk'ungen oder Grippeviren nichts anhaben konnten. Sie w'rde au'rdem ihre Stunden schon im voraus genau planen und einteilen m'ssen, damit die Lehrkraft, die f'r sie einsprang, wissen w'rde, was in welchem Tempo durchzunehmen war. Aber das waren nur kleinere Unannehmlichkeiten, die sie f'r eine romantische Woche mit dem Mann, den sie liebte und der seit f'nf Jahren ihr Ehemann war, gern in Kauf nahm.
Bonnie holte tief Atem und verscheuchte die Bilder von Palmen, die sich im Wind wiegen, um wieder die Realit'in den Blick zu bekommen. Kleinere Unannehmlichkeiten vielleicht. Aber wie sollte es ihr gelingen, eine wei'Gott nicht ungesunde Gesichtsfarbe vor einem mi'rauischen Schulleiter zu kaschieren? Wie sollte sie es schaffen, dem Mann ins Gesicht zu sehen, ohne rot zu werden, mit ihm zu sprechen, ohne ins Stottern zu geraten? Wie sollte sie mit seinen besorgten Fragen nach ihrem Befinden umgehen? Sie ha'e L'gen, sch'te Ehrlichkeit h'her als alles andere. ('Du bist meine Brave', hatte ihre Mutter oft gesagt.) Und sie war stolz darauf, da'sie in fast neunj'iger T'gkeit als Lehrerin nicht einen Unterrichtstag wegen Krankheit vers't hatte. Konnte sie es sich wirklich erlauben, f'nf Tage h
intereinander zu fehlen, nur um sich mit ihrem Mann an einem Strand in Florida zu aalen?
'Au'rdem', sagte sie laut und sah zu ihrer dreij'igen Tochter hinunter, 'wie soll ich es schaffen, dich f'nf ganze Tage allein zu lassen?' Sie neigte sich zu Amanda hin'ber und streichelte ihre Wange mit der kaum verheilten kleinen Narbe, die von einem k'rzlichen Sturz vom Dreirad stammte. Wie zerbrechlich Kinder doch sind, dachte Bonnie, w'end sie den s''n Kindergeruch ihrer Tochter einatmete.
Amanda 'ffnete die gro'n blauen Augen.
'Oh, du bist wach, hm?' fragte Bonnie und gab ihrer Tochter einen Ku'auf die Stirn. 'Keine b'sen Tr'e mehr?'
Amanda sch'ttelte den Kopf, und Bonnie l'elte erleichtert. Amanda hatte sie um f'nf Uhr morgens weinend geweckt, von einem Alptraum erschreckt, an den sie sich nicht recht erinnern konnte.
'Nicht weinen, mein Schatz', hatte Bonnie gefl'stert und Amanda in ihr Bett geholt. 'Du mu' nicht mehr weinen. Es ist ja alles gut. Mama ist da.'
Als sich Bonnie jetzt 'ber sie neigte, sagte sie z'lich: 'Ich hab' dich lieb, mein kleiner Schatz.'
Amanda kicherte. 'Ich hab' dich aber noch mehr lieb.'
'Das ist unm'glich', entgegnete Bonnie. 'Du kannst mich gar nicht mehr liebhaben als ich dich.'
Amanda verschr'te mit ernsthafter Miene die Arme 'ber ihrer Brust. 'Okay, dann haben wir uns eben beide genau gleich lieb.'
'Okay, wir haben uns beide gleich lieb.'
'Au'r da'ich dich noch mehr liebhab'.'
Lachend schwang Bonnie ihre Beine aus dem Bett. 'Ich glaube, jetzt wird's langsam Zeit, dich f'r den Kindergarten fertigzumachen.'
'Das kann ich selber.' Und schon im n'sten Moment rannte Amanda mit flatterndem rosa Nachthemd durch den Flur zu ihrem Zimmer.
Woher haben sie nur diese Energie? fragte sich Bonnie, w'end sie wieder unter die Decke kroch, um noch einen Augenblick die Stille des fr'hen Fr'hlingsmorgens zu genie'n.
Das Telefon l'ete. Das schrille Ger'ch zerri'so unerwartet die Stille, da'Bonnie zusamm
enzuckte. Wer konnte um diese Zeit anrufen? Es war noch nicht einmal sieben Uhr.
Widerstrebend 'ffnete sie die Augen und blickte zu dem Telefon auf dem Nachttisch neben dem gro'n franz'sischen Bett. Dann richtete sie sich unwillig auf und hob ver'ert den H'rer ab.
'Hallo?' 'errascht stellte sie fest, da'ihre Stimme noch ganz verschlafen klang. Sie r'perte sich, w'end sie darauf wartete, da'der Anrufer sich meldete. 'Hallo', sagte sie noch einmal, als es still blieb.
'Ich bin's, Joan. Ich mu'mit Ihnen sprechen.'
Bonnie st'hnte, und ihr Kopf fiel herab, als h'e ihr jemand einen Schlag in den Nacken gegeben. Noch nicht einmal sieben Uhr morgens, und schon war die geschiedene Frau ihres Mannes am Telefon. 'Ist etwas passiert?' fragte sie, augenblicklich das Schlimmste bef'rchtend. 'Sam und Lauren...?'
'Den beiden geht es gut.'
Bonnie atmete erleichtert auf. 'Rod ist gerade unter der Dusche', sagte sie und dachte, da'es selbst f'r Joan reichlich fr'h w', sich einen zu genehmigen.
'Rod brauche ich nicht. Ich m'chte mit Ihnen sprechen.'
'Das ist jetzt aber keine gute Zeit', erwiderte Bonnie so freundlich, wie es ihr m'glich war. 'Ich mu'mich f'r die Arbeit fertigmachen...'
'Sie brauchen doch heute gar nicht zur Arbeit. Sam hat mir gesagt, da'heute Weiterbildungstag ist.' 'Das ist richtig. Trotzdem...'
'K'nnen wir uns nicht gegen Mittag irgendwo treffen?'
'Nein, das geht auf keinen Fall', antwortete Bonnie, erstaunt 'ber die Bitte. 'Ich bin den ganzen Morgen bei Vortr'n. Es geht, wie gesagt, um meine berufliche Weiterbildung.'
'Dann wenigstens mittags. Sie haben doch bestimmt eine Mittagspause.'
'Joan. Ich kann nicht...'
'Aber es mu'sein.'
'Was soll das hei'n? Es mu'sein? Was meinen Sie damit?'
Was redete diese Frau da? Bonnie blickte ratlos zur Badezimmert'r. Die Dusche lief noch. Rod r'hrte lauthals 'Take Another Little Piece of My Heart'. 'Joan, ich mu'jetzt wirklich Schlu'machen.'
'Sie sind in Gefahr!'
Die Worte klangen wie ein Zischen.
'Was?'
'Sie sind in Gefahr. Sie und Amanda.' Augenblicklich 'berfiel Bonnie eisige Panik. 'Was soll das hei'n? Wir sind in Gefahr? Was reden Sie da 'berhaupt?'
'Das l' sich am Telefon nicht erkl'n. Es ist zu kompliziert', entgegnete Joan, deren Stimme pl'tzlich be'stigend ruhig klang. 'Sie m'ssen sich schon mit mir treffen.'
'Haben Sie getrunken?' fragte Bonnie jetzt 'erlich, obwohl sie vorgehabt hatte, ruhig und freundlich zu bleiben.
'Klingt es so, als h'e ich getrunken?'
Bonnie mu'e zugeben, da'es nicht so war.
'H'ren Sie, Bonnie, ich zeige heute morgen mehreren Interessenten ein Haus in der Lombard Street 430. Ich veranstalte da so eine Art open house. Drau'n in Newton. Sp'stens um dreizehn Uhr, wenn die Eigent'merin nach Hause kommt, mu'die Sache beendet sein.'
'Aber ich hab' Ihnen doch schon gesagt, ich sitze den ganzen Tag in Vortr'n.'
'Und ich hab' Ihnen gesagt, da'Sie in Gefahr sind', wiederholte Joan so abgehackt, als s' hinter jedem Wort ein Punkt.
Bonnie wollte schon protestieren, doch dann 'berlegte sie es sich anders. 'Also gut', stimmte sie zu. 'Ich werd' versuchen, in der Mittagspause rauszukommen.'
'Aber vor eins', sagte Joan.
'Vor eins', best'gte Bonnie.
'Und bitte erz'en Sie Rod nichts davon', f'gte Joan hinzu. 'Warum nicht?'
Statt einer Antwort h'rte Bonnie das Knacken in der Leitung, als Joan auflegte.
'Es ist immer ein Vergn'gen, von Ihnen zu h'ren', sagte Bonnie 'erlich, legte ihrerseits auf und starrte einen Moment lang frustriert vor sich hin. Was f'r einen Bl'dsinn hatte sich Joan nun wieder in den alkoholbenebelten Kopf gesetzt?
Sie hatte allerdings tats'lich keinen benebelten Eindruck gemacht, wie Bonnie einr'en mu'e, als sie jetzt aufstand und zum Badezimmer ging. Sie hatte klar und pr'se gesprochen, als w''e sie genau, was sie sagte. Eine Frau mit einer Mission, dachte Bonnie. Sie ging ans Waschbecken, wusch sich das Gesicht und putzte sic
h die Z'e, ging dann auf nackten F''n 'ber den blaugrauen dicken Teppich zum Wandschrank. Es wurde langsam Zeit, die Wintersachen wegzupacken und die Sommersachen in den Schrank zu h'en, aber wie lautete doch der dumme Spruch, den ihre Freundin Diana zu zitieren pflegte? La'im Schrank die warmen Sachen, bis dem April vergeht das Lachen. Ja, richtig, dachte Bonnie und verschlo'ihre Ohren den anderen, beunruhigenderen Stimmen, w'end sie sich ankleidete. Sie sind in Gefahr, h'rte sie dann doch wieder Joans Stimme. Sie und Amanda.
Was konnte Joan damit gemeint haben? Was f'r eine Gefahr sollte ihr und ihrer Tochter drohen?
Bitte erz'en Sie Rod nichts davon.
'Warum nicht?' fragte Bonnie laut, als sie das rote Strickkleid 'ber ihren schlanken H'ften glattstrich. Weshalb wollte Joan nicht, da'sie mit ihrem Mann 'ber diese merkw'rdige Behauptung sprach? Wahrscheinlich, weil er sie f'r verr'ckt erkl'n w'rde. Bonnie lachte. Rod war sowieso 'berzeugt davon, da'seine geschiedene Frau nicht richtig tickte.
Sie beschlo' sich nicht mit Joan zu treffen. Die Frau hatte ihr nichts zu sagen, was sie interessierte. Nichts, was ihr in irgendeiner Weise n'tzlich sein konnte. Doch schon w'end Bonnie den Entschlu'fa'e, war ihr klar, da'ihre Neugier die Oberhand gewinnen und sie sich vor dem Ende aus dem Vortrag stehlen w'rde, wahrscheinlich den wichtigsten Teil verpassen w'rde, um den ganzen Weg bis in die Lombard Street zu fahren und dort zu entdecken, da'Joan sich nicht einmal erinnerte, sie am Morgen angerufen zu haben. Ahnliches war schon des 'fteren vorgekommen. Anrufe im Suff mitten in der Nacht, w'tende Beschimpfungen zum Abendessen, tr'nreiche Klagen, wenn man gerade zu Bett gehen wollte. Und hinterher alles vergessen. Wovon reden Sie? Ich habe Sie nie angerufen. Warum sollen Sie mir unbedingt das Leben schwermachen? Was, zum Teufel, reden Sie da?
Bonnie hatte sie gew'en lassen. Trotz allem, was sie von dieser Frau wu'e, trotz des Kummers und der Sorgen, die sie
Rod bereitet hatte, tat Joan ihr leid. ('Du bist eine gute Seele', pflegte ihre Mutter zu sagen.) Sie mu'e sich immer wieder klarmachen, da'Joan f'r den gr''en Teil ihrer Probleme selbst verantwortlich war, da'sie ganz bewu' zum Alkohol gegriffen und nicht mehr davon abgelassen hatte. Es war zu einfach, ihr Verhalten damit zu entschuldigen, da'es verst'lich sei, wenn eine Frau nach einer solchen Trag'die, wie sie sie erlebt hatte, zu trinken begann.
Selbst dieses tragische Ereignis, das ihr Leben so ver'ert hatte, hatte sie ja gr''enteils selbst heraufbeschworen. Zweifellos h'e es abgewendet werden k'nnen, w' Joan nicht so nachl'ig gewesen, ihr vierzehn Monate altes Kind allein in der Badewanne zu lassen, wenn auch nicht einmal eine Minute, wie sie sp'r verzweifelt behauptet hatte. Sie hatte alle m'glichen Erkl'ngen gehabt: Sam und Lauren hatten im anderen Zimmer gestritten; Lauren hatte geschrien; es habe sich angeh'rt, als k'nnte Sam ihr etwas antun; nur deshalb war Joan aus dem Badezimmer gest'rzt. Sie hatte nachsehen wollen, was die beiden 'eren Kinder trieben. Als sie wieder zur'ckgekommen war, war ihr j'ngstes Kind tot und ihre Ehe zu Ende gewesen. Bitte erz'en Sie Rod nichts davon.
Weshalb ihn gleich am fr'hen Morgen aufregen, sagte sich Bonnie und beschlo' ihrem Mann nichts von Joans Anruf zu sagen, oder h'chstens erst nach dem Zusammentreffen. Rod hatte im Augenblick im Studio genug um die Ohren - eine ung'nstige Sendezeit am Nachmittag, eine unm'gliche Moderatorin, ein abgedroschenes Konzept. Wie viele seichte Talkshows brauchte das Publikum eigentlich noch? Dennoch hatten sich unter seiner fachm'ischen Leitung die Einschaltquoten stetig verbessert. Mittlerweile war sogar von landesweiter Ausstrahlung die Rede. Die Tagung, die n'sten Monat in Miami stattfinden sollte, war von zentraler Bedeutung.
Wieder sah sie sich unter hohen Palmen auf wei'm Sandstrand stehen, und ein leichtes L'ftchen schien sie zu umf'eln, als sie sich an ihren kleinen To
ilettentisch setzte, der dem Bett gegen'ber stand; an der Wand daneben hatte sie einen Akt von Salvador Dali aufgeh't, eine gesichtslose Frau in ged'ftem Blau mit runden H'ften und 'berlangen Gliedern, deren kahlem Kopf strahlenf'rmig irgendwelche Emanationen entsprangen.
Vielleicht ist Glatzk'pfigkeit die L'sung, dachte Bonnie, w'end sie vergeblich versuchte, ihr kinnlanges braunes Haar so um ihr schmales Gesicht zu arrangieren, wie die Friseuse es ihr gezeigt hatte. 'Ach, gib's doch auf', sagte sie zu ihrem Spiegelbild und lie'ihr widerspenstiges Haar sein, wie es war. Trotz der feinen Linien rund um ihre tiefgr'nen Augen, fand sie, da'sie gar nicht so 'bel aussah. Ihr h'bsches Gesicht besa'jene Klarheit und Offenheit, die niemals wirklich au'r Mode kamen und sie noch lange nicht wie f'nfunddrei'g erscheinen lie'n. Als >frischVielf'ige Bilder von Rods geschiedener Frau verdr'ten erbarmungslos die Vision von Palmen und wei'n Str'en, grell und siebdruckartig, den Bildnissen 'lich, die Andy Warhol von Elizabeth Taylor und Marilyn Monroe geschaffen hat. 'Joan', sagte Bonnie vor sich hin und versuchte, das Wort in zwei Silben zu drehen, um es weicher zu machen, freundlicher. Joan. Joan. Es klappte nicht. Auch der Name blieb hartn'ig so, wie Joan im Leben war, unver'erbar, nicht zu retuschieren oder weichzuzeichnen.
Sie war eine imposante Frau, fast einen Meter achtzig gro' mit gro'n braunen Augen, von denen sie gern sagte, sie seien dunkel wie Zobel, flammend rotem Haar, das sie als tizianrot zu bezeichnen pflegte, und einem spektakul'n Busen. Alles an ihr war 'ertreibung, und dies war zweifellos einer der Gr'nde f'r ihren Erfolg als Immobilienmaklerin.
Was mochte sie diesmal wieder in petto haben? Warum das Melodram? Was war so kompliziert, da'sie es nicht am Telefon besprechen konnte? Was f'r eine Gefahr sollte das sein, von der sie gesprochen hatte?
Bonnie zuckte mit den Achseln. Sie w'rde es bald genug herausfinden, sagte sie sich.


Um
zw'lf Uhr achtunddrei'g lenkte Bonnie ihren wei'n Caprice in die Einfahrt des Hauses Lombard Street 430 - durch einen Verkehrsunfall war sie unterwegs aufgehalten worden und hatte 'ber eine halbe Stunde bis hierher gebraucht. Sie stellte ihren Wagen direkt hinter Joans rotem Mercedes ab. Joans Gesch'e florierten offensichtlich. Trotz der Schwankungen auf dem Immobilienmarkt schien sie die letzte l'ere Durststrecke gut 'berstanden zu haben. Ja, Joan war eben eine 'erlebensk'nstlerin. Nur die in ihrer N' kamen um.
Dieses Haus d'rfte nicht schwer zu verkaufen sein, dachte Bonnie, als sie, in die k'hle Sonne blinzelnd, an dem gro'n Schild im Vorgarten vor'berging, auf dem die 'ffentlichen Besichtigungszeiten angek'ndigt waren. Es war ein einst'ckiges Haus mit viel Holz, wie die meisten H'er in diesem gediegenen Vorort von Boston, und hatte offensichtlich erst vor kurzem einen frischen wei'n Anstrich erhalten. Bonnie stieg die Stufen zur vorderen Veranda hinauf. Die schwarze Haust'r war nur angelehnt. Bonnie klopfte sch'chtern, stie'die T'r dann ein St'ck weiter auf. Augenblicklich h'rte sie Stimmen aus einem der hinteren Zimmer. Die Stimmen eines Mannes und einer Frau. Vielleicht Joan. Vielleicht aber auch nicht. M'glicherweise mitten in einer Auseinandersetzung. Es war schwer zu sagen. Auf jeden Fall w'rde sie nicht lauschen. Sie w'rde ein paar Minuten warten, ein paarmal diskret h'steln, die Leute wissen lassen, da'noch jemand im Haus war.
Sie sah sich um, nahm eines der Kurzexposes, die Joan in einem Stapel auf einem kleinen Hocker im Eingangsbereich bereitgelegt hatte. Dem Informationsblatt zufolge hatte das Haus eine Gesamtwohnfl'e von zweihundertachtzig Quadratmetern, mit vier Schlaf- oder G'ezimmern im oberen Stockwerk und einem ausgebauten Souterrain. Im Erdgescho'teilte eine breite Treppe das Haus in zwei symmetrische Fl'gel, auf der einen Seite das Wohnzimmer, auf der anderen das E'immer. K'che und Arbeitszimmer befanden sich im hinteren Teil. Irgendwo
dazwischen war ein Badezimmer.
Bonnie r'perte sich, zuerst ged'ft, dann noch einmal, lauter. Die Leute im hinteren Teil des Hauses redeten weiter. Sie sah auf ihre Uhr, ging dann etwas zaghaft ins Wohnzimmer, das ganze in Beige und Creme gehalten war. Sie w'rde bald gehen m'ssen. Sie w'rde sowieso schon zu sp'zur'ckkommen und den ersten Teil des Nachmittagsvortrags zu der Frage, wie die
Schulen von heute sich auf die Teenager von heute einstellen sollten, verpassen. Wieder sah sie auf ihre Uhr und klopfte mit dem Fu'ungeduldig auf den Parkettboden. Es war wirklich absurd. Es war ihr unangenehm, Joan zu st'ren, w'end diese sich bem'hte, einen Abschlu'zu machen, Tatsache war jedoch, da'Joan sie ausdr'cklich gebeten hatte, vor eins hier zu sein, und bis zur vollen Stunde fehlte nicht mehr viel.
'Joan!' rief sie und ging in den Eingangsbereich zur'ck und wandte sich in Richtung K'che.
Das Gerede ging weiter, als h'e sie keinen Ton von sich gegeben. Sie h'rte abgerissene S'e - 'Nun, wenn diese Gesundheitsreform durchgef'hrt wird...', 'Das ist eine wenig 'berzeugende Einsch'ung der Dinge...' - und fragte sich, was da vorging. Weshalb sollte Joan anl'ich einer Hausbesichtigung eine solche Diskussion f'hren? 'Ich mu'unser Telefongespr' jetzt leider beenden, meine Dame', h'rte sie pl'tzlich die M'erstimme. 'Sie wissen offensichtlich nicht, wovon Sie reden, und ich habe jetzt Lust auf ein wenig Musik. Wie w's mit dem immer klassischen Sound von Nirvana?'
Es war das Radio. 'Du lieber Himmel', murmelte Bonnie. Sie hatte ihre Zeit damit vertan, diskret zu h'steln, damit irgendein unh'flicher Rundfunkmoderator ungest'rt einen gutgl'igen Anrufer beleidigen konnte. Wer ist hier eigentlich die Verr'ckte, fragte sie sich und versuchte nun endg'ltig die Geduld verlierend, die pl'tzliche Attacke von Nirvana zu 'bert'nen. 'Joan!' rief sie und trat in die gelb-wei' K'che.










"Ein Psychothriller, der Joy Fieldings Bestseller 'Lauf Jane, lauf' an Spannung noch übertrifft." Brigitte

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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Spannend bis zur letzten Seite - von Mandy Steinbrück - 09.01.2005 zu Joy Fielding „Flieh, wenn du kannst“
Ich habe mir dieses Buch leider noch nicht gekauft, das werde ich aber bald nachholen. Obwohl ich es schon zwei mal gelesen habe finde ich es immer wieder spannend. Man fängt an zu lesen und schon auf den ersten zehn Seiten geht es sehr spannend los. Was man ja von anderen Psychothrillern nicht immer behaupten kann. es geschieht ein Mord, welcher natürlich aufgeklärt weden muss. Genauso spannend geht es auch weiter: Joy Fielding spielt mit unseren tiefsten Befürchtungen und schafft es wahrlich meisterhaft nahezu jede einigermaßen wichtige Person als Täter in Betracht kommen zu lassen. Im Gegensatz zu anderen Thrillern oder Krimis wird die ständige spannung nicht durch viele Morde oder Lösegelderpressungen erzeugt. Es sind fast alltägliche Dinge die die Vermutungen auf den Täter immer umlenken. Von der allgemeinen Presse wird Fieldings Buch "Lauf, Jane, Lauf" immer als ihr großer Bestseller hingestellt. Ich finde dieses buch aber weitaus gelungener und es ist zu einem meiner Lieblingsbücher geworden. Genauso wie joy Fielding zu meiner Lieblingsautorin geworden ist. Ich kann nur jedem empfehlen: kauf dieses Buch, nimm dir eins / zwei tage frei und lies es! Du wirst sehen: du willst von keinem gestört weren und selbst aufs Klo möchtest du nicht mehr gehen, weil du dadurch ja deine spannung unterbrechen würdest. Viel spaß beim Lesen!
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