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Die Kammer

Roman. 'Heyne-Bücher Allgemeine Reihe'.
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Produktdetails
Titel: Die Kammer
Autor/en: John Grisham

ISBN: 3453108574
EAN: 9783453108578
Roman.
'Heyne-Bücher Allgemeine Reihe'.
Heyne Taschenbuch

1. Juli 1996 - kartoniert - 672 Seiten

»John Grisham in Höchstform.« The New York Times

Im Hochsicherheitstrakt des Staatsgefängnisses von Mississippi wartet Sam Cayhall auf seine Hinrichtung. Er ist wegen eines tödlichen Bombenanschlags verurteilt. Seine Lage ist hoffnungslos. Nur der Anwalt Adam Hall kann ihm noch eine Chance bieten. Es geht um Tage, Stunden, Minuten.




John Grisham wurde am 8. Februar 1955 in Jonesboro, Arkansas, geboren, studierte in Mississippi und ließ sich 1981 als Anwalt nieder. Der aufsehenerregende Fall einer vergewaltigten Minderjährigen brachte ihm zum Schreiben. In Früh- und Nachtschichten wurde daraus sein erster Thriller, 'Die Jury', der in einem kleinen, unabhängigen Verlag erschien, der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte.
1




Der Entschluß, das Büro des radikalen jüdischen Anwalts in die Luft zu sprengen, wurde relativ mühelos getroffen. Nur drei Leute waren an der Ausführung beteiligt. Der erste war der Mann mit dem Geld. Der zweite war ein Einheimischer, der das Terrain kannte. Und der dritte war ein junger Patriot und Fanatiker mit einem Talent für Sprengstoffe und einer erstaunlichen Fähigkeit, spurlos zu verschwinden. Nach dem Bombenanschlag flüchtete er aus dem Land und tauchte sechs Jahre in Nordirland unter.
Der Name des Anwalts war Marvin Kramer, ein Jude, dessen mit Handel wohlhabend gewordene Familie seit vier Generationen in Mississippi lebte. Er wohnte in einem Vorkriegshaus in Greenville, einer Stadt am Fluß mit einer kleinen, aber einflußreichen jüdischen Gemeinde, einem netten Ort, der nur wenige Rassenunruhen erlebt hatte. Er war Anwalt geworden, weil der Handel ihn langweilte. Wie den meisten Juden deutscher Abstammung war es auch seiner Familie ohne große Mühe gelungen, sich an die Kultur des Tiefen Südens anzupassen, und sie hielten sich für nichts anderes als für typische Südstaatler, die nur zufällig eine andere Religion hatten. Sie verschmolzen mit dem Rest der etablierten Gesellschaft und gingen ihren Geschäften nach.
Marvin war anders. Sein Vater schickte ihn Ende der fünfziger Jahre auf die Universität Brandeis im Norden. Dort verbrachte er vier Jahre und anschließend drei Jahre an der juristischen Fakultät der Columbia University, und als er 1964 nach Greenville zurückkehrte, war die Bürgerrechtsbewegung in Mississippi in vollem Gange. Marvin stürzte sich ins Getümmel. Knapp einen Monat nach Eröffnung seiner kleinen Kanzlei wurde er zusammen mit zwei Mitstudenten aus Brandeis verhaftet, weil er versucht hatte, schwarze Wähler zu registrieren. Sein Vater war wütend. Seine Familie war peinlich berührt, aber das kümmerte Marvin nicht im geringsten. Er erhielt seine erste Todesdrohung im Alter von fünfundzwanzig Jahren und leg
te sich eine Waffe zu. Er kaufte eine Pistole für seine Frau, die aus Memphis stammte, und wies ihr schwarzes Dienstmädchen an, immer eine Waffe in der Handtasche bei sich zu tragen. Die Kramers hatten zwei Söhne, zwei Jahre alte Zwillinge.
Die erste Zivilklage, die 1965 von der Kanzlei von Marvin B. Kramer und Partner (noch gab es keine Partner) eingereicht wurde, richtete sich gegen eine Unmenge angeblich diskriminierender Wahlpraktiken lokaler Amtsträger. Sie machte Schlagzeilen im ganzen Staat, und Marvins Foto erschien in den Zeitungen. Außerdem wurde sein Name vom Ku-Klux-Klan auf eine Liste zu verfolgender Juden gesetzt. Er war ein radikaler jüdischer Anwalt mit einem Bart und entschieden zu liberalen Ansichten, ausgebildet von Juden im Norden und jetzt damit beschäftigt, mit den Negern im Mississippi-Delta zu marschieren und sie zu vertreten. Das würde man nicht dulden.
Später gab es Gerüchte, daß Anwalt Kramer aus eigenen Mitteln Kautionen für Freedom Riders und andere Bürgerrechtler stellte. Er reichte Klagen ein gegen Einrichtungen, die nur für Weiße zugänglich waren. Er bezahlte für den Wiederaufbau einer vom Klan gesprengten Schwarzenkirche. Er wurde sogar dabei beobachtet, wie er Neger in seinem Haus willkommen hieß. Er hielt Reden vor jüdischen Vereinigungen im Norden und drängte sie, sich am Kampf zu beteiligen. Er schrieb flammende Briefe an Zeitungen, von denen nur wenige gedruckt wurden. Anwalt Kramer marschierte tapfer seiner Vernichtung entgegen.
Die Anwesenheit eines Nachtwächters, der friedlich zwischen den Blumenbeeten patrouillierte, verhinderte eine Attacke auf das Haus der Kramers. Marvin bezahlte den Wachmann damals bereits seit zwei Jahren. Er war ein ehemaliger Polizist und schwer bewaffnet, und die Kramers ließen ganz Greenville wissen, daß sie von einem Meisterschützen bewacht wurden. Natürlich wußte der Klan über den Wachmann Bescheid, und er wußte auch, daß er gegen ihn nichts ausrichten konnte. Deshalb wurde der B
eschluß gefaßt, anstelle von Marvin Kramers Haus sein Büro in die Luft zu sprengen.
Die eigentliche Planung des Unternehmens dauerte nicht lange, in erster Linie deshalb, weil nur so wenige Personen daran beteiligt waren. Der Mann mit dem Geld, ein wortgewaltiger Prophet der weißen Vorherrschaft namens Jeremiah Dogan, war damals Imperial Wizard und damit Anführer des Klans in Mississippi. Sein Vorgänger war im Gefängnis gelandet, und Jerry Dogan genoß es, die Bombenanschläge zu organisieren. Er war nicht dumm. Im Gegenteil, das FBI gab später zu, daß Dogan als Terrorist Beachtliches geleistet hatte, weil er die schmutzige Arbeit an kleine, autonome Gruppen von Ausführenden delegierte, die völlig unabhängig voneinander operierten. Das FBI hatte es geschafft, den Klan mit Informanten zu infiltrieren, und Dogan traute niemandem außer Angehörigen seiner Familie und einer Handvoll Komplizen. Ihm gehörte die größte Gebrauchtwagenfirma in Meridian, Mississippi, und er machte eine Menge Geld mit allen möglichen zwielichtigen Geschäften. Manchmal predigte er in ländlichen Kirchen.
Der zweite Angehörige des Teams war ein Klansmann namens Sam Cayhall aus Clanton, Mississippi, in Ford County, drei Autostunden nördlich von Meridian und eine Stunde südlich von Memphis. Das FBI wußte über Cayhall Bescheid, nicht aber über seine Verbindung zu Dogan. Das FBI hielt ihn für harmlos, weil er in einem Teil des Staates lebte, in dem es kaum Klan-Aktivitäten gab. In letzter Zeit waren in Ford County ein paar Kreuze angezündet worden, aber es hatte keine Sprengstoffanschläge gegeben, keine Morde. Das FBI wußte, daß auch Cayhalls Vater dem Klan angehört hatte, aber aufs Ganze gesehen schien die Familie ziemlich passiv zu sein. Daß Dogan Sam Cayhall anwarb, war ein brillanter Schachzug.
Der Anschlag auf Kramers Büro begann mit einem Telefonanruf am Abend des 17. April 1967. Weil er mit gutem Grund argwöhnte, daß sein Telefon angezapft war, wartete Jeremiah Dogan bis Mittern
acht und fuhr dann zu einem Münzfernsprecher an einer Tankstelle südlich von Meridian. Außerdem argwöhnte er, daß das FBI ihn beschattete, was übrigens zutraf. Sie beobachteten ihn, aber sie hatten keine Ahnung, wen er anrief.
Sam Cayhall hörte am anderen Ende aufmerksam zu, stellte ein oder zwei Fragen, dann legte er auf. Er kehrte in sein Bett zurück, ohne seiner Frau etwas zu sagen. Sie wußte, daß sie nicht fragen durfte. Am nächsten Morgen verließ er früh das Haus und fuhr in die Stadt Clanton. Er frühstückte wie jeden Tag in The Coffee Shoppe, dann telefonierte er von einem Münzfernsprecher im Gerichtsgebäude von Ford County.
Zwei Tage später, am 20. April, verließ Cayhall bei Anbruch der Dunkelheit Clanton und fuhr zwei Stunden nach Cleveland, Mississippi, einer College-Stadt im Delta, eine Fahrstunde von Greenville entfernt. Dort wartete er vierzig Minuten auf dem Parkplatz eines belebten Einkaufszentrums, konnte aber keinen grünen Pontiac entdecken. Er aß ein gebratenes Hähnchen in einem billigen Restaurant, dann fuhr er nach Greenville, um die Kanzlei von Marvin B. Kramer und Partner auszukundschaften. Cayhall hatte zwei Wochen zuvor einen Tag in Greenville verbracht und kannte die Stadt ziemlich gut. Er fand Kramers Büro, dann fuhr er an seinem stattlichen Haus vorbei und danach zurück zur Synagoge. Dogan hatte gesagt, die Synagoge käme möglicherweise als nächstes an die Reihe, aber zuerst müßten sie dem jüdischen Anwalt eine Lektion erteilen. Um elf war Cayhall wieder in Cleveland, und der grüne Pontiac stand nicht auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums, sondern vor einer Raststätte am Highway 61, einem Ort, der als zweite Wahl vorgesehen war. Er fand den Zündschlüssel unter der Bodenmatte auf der Fahrerseite und machte sich zu einer Spritztour durch die üppigen Felder des Deltas auf. Er bog auf eine Farmstraße ab und öffnete den Kofferraum. In einem mit Zeitungspapier abgedeckten Karton fand er fünfzehn Stangen Dynamit, drei Sprengkapseln und
eine Zündschnur. Er fuhr zurück und wartete in einem Lokal, das die ganze Nacht geöffnet hatte.
Um genau zwei Uhr erschien das dritte Mitglied des Teams in der belebten Raststätte und ließ sich Sam Cayhall gegenüber nieder. Sein Name war Rollie Wedge; er war ein junger Mann, nicht älter als zweiundzwanzig, und dennoch ein vertrauenswürdiger Veteran des Krieges gegen die Bürgerrechtsbewegung. Er sagte, er käme aus Louisiana und wohnte jetzt irgendwo in den Bergen, wo ihn niemand finden konnte, und obwohl er sich nie mit seinen Taten brüstete, hatte er Sam Cayhall mehrmals erzählt, daß er fest damit rechnete, im Kampf um die Vorherrschaft der Weißen ums Leben zu kommen. Sein Vater gehörte zum Klan und besaß eine Abbruchfirma, und von ihm hatte Rollie den Umgang mit Sprengstoff gelernt.
Sam wußte kaum etwas von Rollie Wedge und glaubte nicht viel von dem, was er ihm erzählte. Er fragte Dogan nie, wo er den Jungen aufgetrieben hatte.
Sie tranken Kaffee und unterhielten sich eine halbe Stunde über Belanglosigkeiten. Cayhalls Becher zitterte gelegentlich vor Nervosität, aber Rollie war ganz ruhig. Er zuckte nicht einmal mit den Augenlidern. Es war nicht ihr erstes Zusammentreffen dieser Art, und Cayhall staunte über soviel Gelassenheit bei einem derart jungen Mann. Er hatte Jeremiah Dogan berichtet, daß der Junge nie in Aufregung geriet, nicht einmal dann, wenn sie sich ihrem Ziel näherten und er mit dem Dynamit hantierte.
Wedge fuhr einen Wagen, den er am Flughafen von Memphis gemietet hatte. Er holte einen kleinen Beutel vom Rücksitz, verschloß den Wagen und ließ ihn an der Raststätte stehen. Der grüne Pontiac mit Cayhall am Steuer verließ Cleveland und fuhr auf dem Highway 61 in Richtung Süden. Es war fast drei Uhr, und es herrschte keinerlei Verkehr. Ein paar Meilen südlich des Dorfes Shaw bog Cayhall auf einen dunklen Feldweg ab und hielt an. Rollie wies ihn an, im Wagen zu bleiben, während er den Sprengstoff inspizierte. Sam gehorchte. Rolli
e nahm seinen Beutel mit zum Kofferraum, wo er das Dynamit, die Sprengkapseln und die Zündschnur begutachtete. Er ließ den Beutel im Kofferraum, machte ihn zu und befahl Sam, nach Greenville zu fahren.
Gegen vier Uhr fuhren sie zum erstenmal an Kramers Kanzlei vorbei. Die Straße war dunkel und menschenleer, und Rollie sagte etwas in dem Sinne, daß dies sein bisher einfachster Job sein würde.
Ein Jammer, daß wir nicht sein Haus in die Luft jagen können, meinte er leise, als sie am Haus der Kramers vorbeifuhren.
Ja, ein Jammer, sagte Sam nervös. Aber du weißt doch, er hat einen Wachmann.
Ja, ich weiß. Aber der Wachmann wäre kein Problem.
Ja, kann sein. Aber da drin sind Kinder.
Man muß sie umbringen, solange sie noch jung sind, sagte Rollie. Aus kleinen Judenjungen werden große Judenschweine.
Cayhall parkte den Wagen in einer Gasse hinter Kramers Büro. Er schaltete den Motor aus, und die beiden Männer öffneten leise den Kofferraum, holten den Karton und den Beutel heraus und schlichen an einer Hecke entlang zur Hintertür.
Sam Cayhall brach mit einem Stemmeisen die Hintertür des Büros auf, und binnen Sekunden waren sie drinnen. Zwei Wochen zuvor hatte Sam vorgegeben, er hätte sich verlaufen, und die Empfangsdame nach dem Weg gefragt, dann hatte er darum gebeten, die Toilette benutzen zu dürfen. Auf dem Hauptflur, auf halbem Wege zwischen der Toilette und dem, was offenbar Kramers Büro war, stand ein schmaler, mit Stapeln von alten Akten und anderem juristischen Abfall gefüllter Schrank.
Bleib an der Tür und beobachte die Gasse, flüsterte Rollie gelassen, und Sam hielt sich nur allzugern an diese Aufforderung. Ihm war es lieber, einfach nur Wache zu schieben, statt selber mit dem Sprengstoff herumzuhantieren.
Rollie stellte rasch den Karton auf den Boden des Schrankes und verdrahtete das Dynamit. Es war ein riskantes Unternehmen, und Sams Herz raste, während er wartete. Er wendete dem Sprengstoff immer den Rück
en zu, für den Fall, daß etwas passierte.
Sie hielten sich keine fünf Minuten in dem Büro auf. Dann waren sie wieder in der Gasse und schlenderten in aller Ruhe zu dem grünen Pontiac. Es war alles so einfach. Sie hatten das Büro eines Grundstücksmaklers in Jackson in die Luft gesprengt, weil der Mann ein Haus an ein schwarzes Ehepaar verkauft hatte. Es war ein jüdischer Makler gewesen. Sie hatten eine kleine Zeitungsredaktion gesprengt, weil der Herausgeber sich neutral über die Rassentrennung geäußert hatte. Sie hatten eine Synagoge in Jackson zerstört, die größte im ganzen Staat.
Im Dunkeln fuhren sie durch die Gasse, und als der grüne Pontiac eine Nebenstraße erreicht hatte, schaltete Sam die Scheinwerfer ein.
Bei sämtlichen früheren Anschlägen hatte Wedge eine Fünfzehn-Minuten-Zündschnur benutzt, eine, die einfach mit einem Streichholz angezündet wurde, ähnlich wie ein Feuerwerkskörper. Und ein Teil der Übung war gewesen, daß die beiden Attentäter mit heruntergekurbelten Fenstern irgendwo am Ortsrand herumfuhren, wenn die Sprengladung hochging. Sie hatten jede der früheren Explosionen gehört und gespürt, in angemessener Entfernung, während sie sich in aller Seelenruhe in Sicherheit brachten.
Aber in dieser Nacht würde es anders sein. Sam bog irgendwo falsch ab, und plötzlich standen sie an einem Bahnübergang mit blinkenden Warnlichtern, während vor ihnen ein Güterzug vorbeirumpelte. Ein ziemlich langer Güterzug. Sam sah mehr als einmal auf die Uhr. Rollie sagte nichts. Der Zug war vorbei, und Sam bog abermals falsch ab. Sie waren in der Nähe des Flusses, mit einer Brücke in einiger Entfernung, und die Straße war mit heruntergekommenen Häusern gesäumt. Sam schaute einmal mehr auf die Uhr. In weniger als fünf Minuten würde die Erde erbeben, und er zog es vor, in der Dunkelheit eines einsamen Highways zu verschwinden, wenn es passierte. Rollie zappelte einmal, als wäre er verärgert über seinen Fahrer, sagte aber nichts.
Und wieder um d
ie Ecke in die nächste Straße. Greenville war keine sonderlich große Stadt, und Sam dachte, wenn er auch weiterhin immer neue Abzweigungen nahm, würde er schon irgendwann wieder in eine vertraute Gegend kommen. Die nächste Kehre aber erwies sich als die letzte. Sam stieg auf die Bremse, sobald ihm bewußt wurde, daß er in der falschen Richtung in eine Einbahnstraße abgebogen war, und als er auf die Bremse trat, setzte der Motor aus. Er riß den Schalthebel auf Parken und drehte den Zündschlüssel. Der Anlasser lief einwandfrei, aber der Motor wollte einfach nicht starten. Dann Benzingeruch.
Verdammt! sagte Sam mit zusammengebissenen Zähnen. Verdammt!
Rollie saß tief in seinem Sitz und schaute aus dem Fenster.
Verdammt! Er ist abgesoffen! Er drehte abermals den Zündschlüssel, mit dem gleichen Ergebnis.
Mach die Batterie nicht leer, sagte Rollie langsam, gelassen.
Sam war einer Panik nahe. Obwohl er sich verirrt hatte, war er ziemlich sicher, daß sie nicht weit von der Innenstadt entfernt waren. Er holte tief Luft und beobachtete die Straße. Noch ein Blick auf die Uhr. Es waren keine anderen Fahrzeuge in Sicht. Alles ruhig. Es war die perfekte Szenerie für ein Sprengstoffattentat. Er konnte das Feuer sehen, das sich auf den Fußbodendielen entlangfraß. Er konnte die Erschütterung der Erde spüren. Er konnte das Getöse von berstendem Holz und Gipsplatten, Ziegelsteinen und Glas hören. Verdammt, dachte Sam, während er versuchte, sich zu beruhigen, wir könnten sogar von den Trümmern getroffen werden.
Man hätte meinen sollen, daß Dogan uns einen anständigen Wagen schickt, murmelte er. Rollie reagierte nicht, sondern hielt den Blick auf etwas außerhalb des Wagens gerichtet.
Seit sie Kramers Büro verlassen hatten, waren mindestens fünfzehn Minuten vergangen, und es wurde Zeit für das Feuerwerk. Sam wischte sich Schweißperlen von der Stirn und versuchte noch einmal, den Wagen zu starten. Zu seiner großen Erleichterung klappte es. Er grinst
e Rollie an, der einen vollkommen gleichgültigen Eindruck machte, und setzte den Wagen ein paar Meter zurück, dann gab er Gas. Die erste Straße kam ihm bekannt vor, und zwei Blocks weiter waren sie auf der Main Street. Was für eine Zündschnur hast du benutzt? fragte Sam schließlich, als sie auf den Highway 82 abbogen, kaum zehn Blocks von Kramers Büro entfernt.
Rollie zuckte die Achseln, als wäre das seine Sache und Sam hätte nicht zu fragen. Sie wurden langsamer, als sie ein stehendes Polizeifahrzeug passierten, dann hatten sie den Stadtrand erreicht, und Sam beschleunigte. Minuten später lag Greenville hinter ihnen.
Was für eine Zündschnur hast du benutzt? fragte Sam noch einmal mit einem Anflug von Gereiztheit in der Stimme.
Ich habe was Neues ausprobiert, erwiderte Rollie, ohne ihn anzusehen.
Was?
Würdest du nicht verstehen, sagte Rollie, und Sam wurde allmählich richtig wütend.
Einen Zeitzünder? fragte er ein paar Meilen weiter.
So etwas Ähnliches.




Sie fuhren in völligem Schweigen nach Cleveland. Ein paar Meilen lang, während die Lichter von Greenville in der flachen Landschaft verschwanden, hatte Sam halb damit gerechnet, einen Feuerball zu sehen oder ein fernes Rumpeln zu hören. Nichts passierte. Wedge brachte es sogar fertig, ein Nickerchen zu machen.
Die Raststätte war voll, als sie ankamen. Wie immer ließ Rollie sich einfach von seinem Sitz gleiten und machte die Beifahrertür hinter sich zu. Bis zum nächsten Mal, sagte er mit einem Lächeln durch das offene Fenster hindurch, dann ging er zu seinem Mietwagen. Sam schaute ihm nach und staunte abermals über seine Unerschütterlichkeit.
Inzwischen war es kurz nach halb sechs, und im Osten durchbrach ein Anflug von Orange die Dunkelheit. Sam lenkte den grünen Pontiac auf den Highway 61 und fuhr südwärts.







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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll unterschätzt - von Tilman Schneider - 01.05.2009 zu John Grisham „Die Kammer“
Ich finde "Die Kammer" ein echtes Highlight von John Grisham. Es hat nicht die typischen Elemente und wirkt etwas düsterer als seine anderen Bücher, aber gerade das macht seinen Reiz aus. Seit nunmehr zehn Jahren sitzt er in der Todeszelle und wartet auf seine Hinrichtung. Hoffnung gibt es scheinbar keine mehr, aber dann nimmt sich ein junger Anwalt diesem Fall an. Er rollt noch einmal alles auf, befragt Zeugen und Verwandte und taucht in eine fast vergessene Story ein. Präzise, sehr genau, nie richtend oder parteiisch schreibt John Grisham und verblüfft in diesem Buch durch eine neue Seite seines Könnens.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Einfach nur ... Grisham - von Mona - 10.02.2006 zu John Grisham „Die Kammer“
Genial. Wirklich genial. John Grisham bringt jedem Laien das amerikanische Rechtswesen näher und das ganze an Hand einer wirklich tragischen Geschichte. Dem Leser fällt es sehr leicht sich in die Rolle des jungen Anwaltes oder dessen zum Tode in der Gaskammer verurteilten Großvaters zu versetzten. Binnen kürzester Zeit entwickelt man als Außenstehender eine gewissen Abneigung, gegen diverse Personen. Fazit: 5 Sterne - absolut lesenswert! Grisham eben ;-)
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Leider nur seichte Serienkost - von Michael Kleerbaum - 06.05.2005 zu John Grisham „Die Kammer“
Dieser Roman ist nicht so spannend wie der Klappentext dem Leser glauben machen will. Bei mir z.B. hat sich nie der Eindruck gebildet, das der junge Anwalt, die Hauptfigur, irgendwas an der Vollstreckung des Todesurteils verhindern koennte. Trotzdem beschreibt Grisham wie gewohnt verstaendlich und interessant einen Teil des US-Amerikanischen Rechtssystem mit den Vor-und Nachteilen die es bietet. Aber spannend ist dieser Roman nicht.
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