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Das Blütenstaubzimmer

Roman. 'btb'.
von Zoe Jenny
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Taschenbuch
Taschenbuch € 7,99* inkl. MwSt.
Portofrei*
Produktdetails
Titel: Das Blütenstaubzimmer
Autor/en: Zoe Jenny

ISBN: 3442723833
EAN: 9783442723836
Roman.
'btb'.
btb Taschenbuch

1. Oktober 1999 - kartoniert - 128 Seiten

Die Scheidungswaise Jo sieht ihre Mutter nach zwölf Jahren zum ersten Mal wieder. Doch die Annäherung erweist sich als schwierig, ihre Hoffnung auf Freundschaft und Nähe wird bitter enttäuscht. Desillusioniert von den Lebenslügen der Erwachsenen vollzieht Jo die Trennung. Wie eine Schlangenhaut wirft sie ihre Kindheit ab.


Zoë Jenny wurde 1974 in Basel geboren. 1997 erschien ihr erfolgreicher erster Roman "Das Blütenstaubzimmer", für den sie u.a. den "aspekte-Literaturpreis für das beste Prosadebüt des Jahres" und den "Preis der Jürgen-Ponto-Stiftung" erhielt. Außerdem schrieb sie "Der Ruf des Muschelhorns" und "Ein schnelles Leben" sowie das Kinderbuch "Mittelpünktchens Reise um die Welt." Ihre Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die Autorin lebt heute in London.




I


Als meine Mutter ein paar Straßen weiter in eine andere Wohnung zog, blieb ich bei Vater. Das Haus, in dem wir wohnten, roch nach feuchtem Stein. In der Waschküche stand eine Druckmaschine, auf der mein Vater tagsüber Bücher druckte. Immer, wenn ich vom Kindergarten nach Hause kam, ging ich zu ihm in die Waschküche, und wir stiegen gemeinsam in die Wohnung hinauf, wo wir unser Mittagessen kochten. Abends vor dem Einschlafen stand er neben meinem Bett und zeichnete mit einer glühenden Zigarette Figuren ins Dunkel. Nachdem er mir heiße Milch mit Honig gebracht hatte, setzte er sich an den Tisch und begann zu schreiben. Im rhythmischen Gemurmel der Schreibmaschine schlief ich ein, und wenn ich aufwachte, konnte ich durch die geöffnete Tür seinen Hinterkopf sehen, ein heller Kranz von Haaren im Licht der Tischlampe, und die unzähligen Zigarettenstummel, die, einer neben dem anderen, wie kleine Soldaten den Tischrand säumten.
Da die Bücher, die mein Vater verlegte, nicht gekauft wurden, nahm er eine Stelle als Nachtfahrer an, damit er tagsüber weiterhin die Bücher drucken konnte, die sich erst im Keller und auf dem Dachboden und später überall in der Wohnung stapelten.
Nachts fiel ich in einen unruhigen Schlaf, in dem die Träume zerstückelt an mir vorbeischwammen wie Papierschnipsel in einem reißenden Fluß. Dann das klirrende Geräusch, und ich war hellwach. Ich blickte an die Decke zu den Spinnengeweben empor und wußte, daß mein Vater jetzt in der Küche stand und den Wasserkessel auf den Herd gesetzt hatte. Sobald das Wasser kochte, ertönte ein kurzes Pfeifen aus der Küche, und ich hörte, wie Vater den Kessel hastig vom Herd nahm. Noch während das Wasser tropfenweise durch den Filter in die Thermoskanne sickerte, zog der Geruch von Kaffee durch die Zimmer. Darauf folgten rasch gedämpfte Geräusche, ein kurzer Moment der Stille; mein Atem begann schneller zu werden, und ein Kloß formte sich in meinem Hals, der seine volle Größe erreicht hatte, wenn
ich vom Bett sah, wie Vater, in seine Lederjacke gehüllt, leise die Wohnungstür hinter sich zuzog. Ein kaum hörbares Klack, ich wühlte mich aus der Bettdecke und stürzte ans Fenster. Langsam zählte ich eins, zwei, drei; bei sieben sah ich, wie er mit schnellen Schritten die Straße entlangging, eingetaucht in das dumpfe Gelb der Straßenlaterne; bei zehn war er stets beim Restaurant an der Ecke angelangt, wo er abbog. Nach weiteren Sekunden, in denen ich den Atem anhielt, hörte ich den Motor des Lieferwagens, der laut ansprang, sich entfernend immer leiser wurde und schließlich ganz verstummte. Dann lauschte ich in die Dunkelheit, die langsam, wie ein ausgehungertes Tier, aus allen Ecken kroch. In der Küche knipste ich das Licht an, setzte mich an den Tisch und umklammerte die noch warme Kaffeetasse. Suchte den Rand nach den braunen, eingetrockneten Flecken ab, das letzte Lebenszeichen, wenn er nicht mehr zurückkehrte. Allmählich erkaltete die Tasse in meinen Händen, unaufhaltsam drang die Nacht herein und breitete sich in der Wohnung aus. Sorgfältig stellte ich die Tasse hin und ging durch den schmalen hohen Gang in mein Zimmer zurück.
Vor dem Fensterrechteck, aus dem ich zuvor meinen Vater beobachtet hatte, hockte jetzt das Insekt, das mich böse anglotzte. Ich setzte mich auf die äußerste Kante des Bettes und ließ es nicht aus den Augen. Jederzeit konnte es mir ins Gesicht springen und seine knotigen, pulsierenden Beine um meinen Körper schlingen. In der Mitte des Zimmers tobten Fliegen um die Glühbirne. Ich starrte in das Licht und auf die Fliegen, und aus den Augenwinkeln beobachtete ich das Insekt, das schwarz und regungslos vor dem Fenster kauerte.
Nach und nach wickelte mich Müdigkeit ein wie warmes Fell. Ich strengte mich an, zwischen den nur noch halb geöffneten Augenlidern die einzelnen Fliegen zu unterscheiden, doch sie schlossen sich mehr und mehr zu einem in der Luft schwirrenden Kreis. Das Insekt kicherte, und ich spürte seine Fühler langsam über
den Boden auf meine vom Bett hängenden Füße zukriechen. Ich rannte in die Küche und hielt den Kopf unter das kalte Wasser. Meine Blase war angeschwollen und schmerzte. Ich traute mich nicht, auf die Toilette zu gehen, die auf dem Zwischenstock lag, weil das Licht im Treppenhaus nach kurzer Zeit ausging. Ich spürte das Insekt, das sich in meinem Zimmer regte und nur darauf wartete, mich im dunklen Treppenhaus zu überfallen. In der Küche auf und ab gehend, begann ich die Lieder vor mich hin zu summen, die wir im Kindergarten gelernt hatten. Nur wenige Lieder konnte ich auswendig, weshalb ich sie immer wieder anders zusammensetzte. Mit dem Anschwellen des Schmerzes in der Blase wurde auch meine Stimme lauter, von der ich inständig hoffte, sie trüge mich aus meinem Körper heraus. Schließlich blieb ich vor dem Küchenschrank stehen und pinkelte in ein Gefäß, das ich wischen die Beine klemmte. Sobald das Morgenlicht durch das Küchenfenster schimmerte, zog sich das Insekt in seine ferne Welt zurück. Die Dunkelheit wurde langsam verschluckt. Erschöpft ging ich in mein Zimmer zurück und wühlte mich in die Bettdecke. Um sieben Uhr läutete das Telefon. Es war Vater, der von unterwegs anrief, um mich zu wecken.


Manchmal blieb die Nacht draußen. Im Fensterrechteck spiegelten sich dann die Köpfe, die zur Stimme von Mick Jagger hin und her wackelten. Ich saß auf den Knien einer Frau und half ihr, die Flasche mit den vier Rosen auf dem Etikett an den Mund zu setzen.
Wenn sie den Kopf lachend nach hinten warf, lief der Alkohol aus den Mundwinkeln und rann in feinen Linien über die gepuderten Wangen. Am meisten lachte sie, wenn Vater in seinem wilden Tanz, bei der er sich mit fliegenden Armen um sich selbst drehte, über einen Stapel Papier oder Bücher stolperte; dann prustete sie den Alkohol aus ihren aufgeblasenen Backen angenehm kühl über mein Gesicht. "Willst du ein Geheimnis wissen?" fragte ich sie und nahm ihr die Flasche aus dem Mund.
"Ein Geheimnis?" Sie
gluckste. Schob das Wort wie eine Süßigkeit im Mund herum.
"Geheimnisse mag ich", sagte sie und drückte dem jungen Mann neben ihr einen Kuß auf die Wange.
"Komm, ich zeig dir eines", sagte ich. Ihre Hand lag warm und willenlos in der meinen, als ich sie durch das von Büchern und Flaschen verbaute Arbeitszimmer meines Vaters führte. In meinem Zimmer ließ sie sich auf Bett plumpsen und setzte die Flasche wieder an den Mund, während ich die Zeichnungen unter dem Kleiderschrank hervorholte.
"Was ist das?" Sie schaute mit großen wäßrigen Augen auf die schwarzen Kleckse.
"Das Insekt. Es kommt immer nachts, wenn ich alleine bin, und frißt meinen Schlaf".
"Ahh ja?" Sie blickte mich mit gerunzelter Stirn an; ich nahm ihr die Zeichnungen aus den Händen und versteckte sie wieder unter den Schrank.
"Glaubst du an Gott?" fragte ich.
Aber als ich mich umdrehte, war sie bereits auf den Boden gesunken, die leere Flasche im Arm. Ich beugte mich über sie und versuchte sie vorsichtig wach zu rütteln. Sie bewegte sich nicht mehr, nur ihre rosa Augendeckel zuckten aufgeregt im Schlaf. Aus dem Arbeitszimmer meines Vaters drang noch immer Musik und lautes Gelächter. Ich löschte das Licht. Heute würde sich das Insekt nicht trauen. Und falls es doch noch kommen sollte, lag neben meinem Bett ein Körper, felsig und schwer.


Eines Nachts hatte mein Vater einen Unfall. Er war am Steuer eingeschlafen und gegen einen Baum gefahren. Er hatte einen Schock erlitten und lag zwei Wochen mit Fieber im Bett. Ich steckte das Telefon aus, zog die Vorhänge vor den Fenstern zu, und wenn es an der Tür klingelte, ignorierten wir es. Sowieso nur einer, der Geld will, sagte mein Vater müde und drehte sich auf die andere Seite. Im Kindergarten meldete er mich krank; paß auf, daß dich niemand sieht, sagte er zu mir, wenn ich zum Laden an der Ecke ging, um Zigaretten und Sandwiches zu holen. Ich schlüpfte in die zu große Windjacke, die uns mit anderen Kleidern von einem woh
ltätigen Amt zugeschickt worden war, zog die Kapuze über den Kopf und rannte die Straße hinunter zum Laden.


Das Tageslicht sickerte durch die gelben Vorhänge, und wenn es draußen sehr schön war, lagen matte Sonnenstreifen auf der Bettdecke. Diese Strahlen haben einen weiten Weg hinter sich, sagte Vater, sie ruhen sich jetzt bei uns aus. Ich holte Nico und Florian, meine einzigen und besten Freunde, und setzte sie in einen Sonnenstreifen. Ich glaube, sie wollen eine Reise machen, sagte ich. Nico, ein blauer Schnuller, der vom vielen Daraufherumkauen schon ganz abgewetzt war, saß auf dem rechten, Florian, ein gelber Schnuller, auf dem linken Fuß meines Vaters. In jeder Hand einen Schnuller, hüpfte ich über die Bettdecke, überquerte Täler, Berge und Seen zwischen den Stoffalten und landete schließlich auf dem Kopf meines Vaters, einem Labyrinth aus dunklen Haaren. Wir müssen nie mehr hinausgehen, sagte ich zu ihm, wir haben alles hier, die Sonne und die Berge, die Seen und die Täler. Ich ging in die Küche und in mein Zimmer und zog auch dort die Vorhänge zu. Von meinem Fenster aus sah ich die Kinder der Nachbarschaft auf den Knien am Boden herumrutschen und bunte Glaskugeln in die Vertiefung des gußeisernen Schachtdeckels rollen. Spiel mit ihnen, hatte Vater immer gesagt, wenn ich, auf dem Wäschetrockner sitzend, ganze Tage in der Waschküche verbrachte und zuschaute, wie das Papier von den Druckwalzen eingesogen und unten frisch bedruckt wieder ausgespuckt wurde. Aber ich bin nicht zu ihnen hinausgegangen, sondern habe sie vom Fenster meines Zimmers aus beobachtet. Die Mädchen kicherten schadenfroh, wenn ein Junge nicht richtig zielte, die Kugel dann auf die Straße rollte und durch ein Abflußgitter fiel. Zur Strafe wurden die Mädchen auf den Rücken gelegt, und die Jungen spuckten ihnen der Reihe nach von oben ins Gesicht. Wenn es regnete, verschwanden sie alle zusammen durch die dicke Glastür ins gegenüberliegende Haus. Die graue Fassade wurde vom Regen f
ast schwarz. Die erleuchteten Fenster darin waren wie friedliche kleine Inseln. Erst dann wäre ich gerne bei ihnen gewesen und beneidete sie, in einem dieser Lichter zu sein.


Eines Nachmittags beschloß ich, mit Nico und Florian eine Schiffsreise zu machen. Wir gehen auf ein Schiff, eines, wie Sindbad es hatte, erklärte ich Vater, holte alle Decken und Kissen, die ich in der Wohnung fand, baute aus ihnen einen Hügel auf seinem Bett und setzte mich in die Mitte. Vater, eine Riesenkrake, breitete seine Arme um den Deckenhügel, und das Schiff sank auf und nieder, bis es im tobenden Sturm krachend kippte und wir am Boden lagen, Kissen und Decken wild zerstreut. Wieder einmal hatten wir den Sturm besiegt. Kaum war der Sturm abgezogen, läutete es an der Tür. Eine Frau mit rotblonden Haaren stöckelte das Treppenhaus herauf, in unsere Wohnung hinein und verschwand mit meinem Vater in der Küche.
Ich sammelte die Kissen und Decken ein, unser vom Sturm zertrümmertes Schiff, und lauschte der fremden lauten Stimme hinter der geschlossenen Küchentür.


Bald darauf mietete mein Vater für die Frau ein leerstehendes Zimmer im oberen Stockwerk. Dort hatte sie auf dem Boden neben der Matratze die Bücher mit den Sternen aufgereiht. Ihr Finger fuhr über die glänzende schwarze Seite. Hier ist der Große Bär und hier der Drachen, sagte sie zu mir; aber ich sah keinen Bären und keinen Drachen; nur wild hingestreute weiße Punkte auf dunklem Grund. Wenn sie nicht mit gekreuzten Beinen und geschlossenen Augen auf der Matratze saß, hockte sie rauchend in der Küche mit Männern, die aufmerksam ihrem Gekreische zuhörten. Eliane lachte nicht; sie kreischte, und ihr Gesicht wurde rot dabei. Ich verabscheute sie, wenn sie so in der Küche saß, und auch die Männer, die mich an sich zogen und meine langen Haare berührten.
"Richtige Spaghettihaare", sagten sie dann und grinsten. "Laß meine Haare in Ruhe, Arschloch", fauchte ich und riß mich los.
"Wo hat sie dieses Wor
t nur wieder her?" wunderten sie sich gespielt, brüllten wieder los und freuten sich an Elianes rotem Gesicht. Viel lieber sah ich sie stumm auf der Matratze in ihrem Zimmer sitzen.
"Wenn man meditiert, vergißt man alles um sich herum, man denkt nichts mehr", sagte sie.
"Weiß man nicht einmal mehr seinen eigenen Namen?" "Nicht einmal den, und man vergißt einfach alles, auch wo man sich im Augenblick befindet."
"Aber wo ist man dann?"
"Im Nichts", sagte sie ernst.
"Was ist im Nichts?"
"Muß jeder selbst herausfinden."
Als ich zur Tür hereinkam, sah sie aus wie eine Statue. Die sonst gerötete Haut, die sich um ihre Backenknochen spannte, war bleich und wächsern. Der geschlossene Mund eine Festung, ich hätte Angst davor haben können. Aber ihre nervös zuckenden Wimpern verrieten sie. Ich hielt ihr meinen Handrücken unter die Nase und fühlte auf der Haut ihren zögernden, ängstlichen Atem.
"Ich weiß, daß du weißt, daß ich hier bin", sagte ich. Ihre Augen schlugen auf, der Mund spitzte sich zu einer winzigen dunklen Öffnung, dann knallte sie mir eine Ohrfeige und stellte mich vor die Tür. Von da an blieb die Tür zu ihrem Zimmer verschlossen.
Als mein Vater sie schließlich geheiratet hatte, saß sie immer öfter in der Küche. Ich sah sie Orangen schälen, rauchen, bergeweise Nüsse essen. Auf dem Tisch waren immer mehrere Hügel Nußschalen, dazwischen standen Gläser und riesige überquellende Aschenbecher. Diese flogen ab und zu ins Arbeitszimmer meines Vaters. Eliane wirbelte dann ihren rotblonden Kopf herum und stampfte brüllend durch die Wohnung. Nach einem dieser Anfälle, wie Vater ihre Wutausbrüche in verständnisvollem Ton zu bezeichnen pflegte, schenkte er ihr ein Computerspiel in Taschenformat. Ein Feuerwehrmann mußte mit einem Schlauch in ein brennendes Haus eindringen und durch geschickte Sprünge den herunterfallenden Dachziegeln ausweichen. Eliane saß damit stundenlang ruhig in der Küche. Ich vergaß sie, und irgendwann war sie verschwu
nden. Sie hinterließ einen Slip mit blauen Blümchen und ein ausgetrocknetes Deodorant, das ich beim Wischen unter dem Küchenschrank fand. Ein Jahr später kam eine Karte. Eine Fotografie von einem weißen Sandstrand und vornübergebeugten Palmen: Gruß aus dem fröhlichen Spanien. Eliane. Ich fragte mich, ob sie jetzt vielleicht mit gekreuzten Beinen unter diesen Palmen säße und sich einbildete, nicht da zu sein.


Die Sonntage verbrachte ich bei meiner Mutter. Abends stand sie mit aufgestecktem Haar vor dem großen Spiegel und fuhrwerkte mit Stiften und Schwämmchen in ihrem Gesicht herum. Ich reichte ihr die Döschen und Fläschchen, die auf dem Fensterbrett standen, und schraubte die wertvoll aussehenden Blumen und tropfenförmigen Verschlüsse von Parfümflaschen. Sobald der Babysitter kam, löste sie ihr Haar, das sich braun und duftend über ihrem Rücken auffächerte, und verschwand in die Nacht hinaus. Später weckte mich ihr Wimmern aus dem Schlaf, und ich tastete mich im Dunkeln zu ihrem Bett. Sie lag unter der farbigen Blumendecke, geschüttelt von mir unbegreiflichen geheimnisvollen Schmerzen. Von ihrem Gesicht sah ich nur ein Dreieck aus Nasenspitze und Mund, der Rest lag unter ihren weißen Händen begraben. Nach einer Weile schlug sie die Decke zurück, und ich kroch hinein in das salzigwarme Bett.


Einmal in der Woche holte sie mich mittags von der Schule ab. Von weitem sah ich sie neben dem Eisentor stehen, und ich rannte über den Schulhof auf sie zu. Sie nahm mich an der Hand, und wir gingen zusammen in die Stadt. In den Umkleidekabinen, die nach Schweiß und Plastik rochen, packte sie einige Kleider in die große Schultertasche, die anderen legte sie wieder in die Regale zurück. Sobald sie an der Kasse ein paar Socken oder ein T-Shirt bezahlt hatte, streichelte sie meinen Kopf, wie man frischgeborene Kätzchen streichelt, und die Verkäuferinnen, die uns durchs Schaufenster nachschauten, klatschten entzückt in die Hände. Das waren Tage, an denen e
s haufenweise Schokoladenkuchen gab und das Gesicht meiner Mutter weich und fröhlich war. Im Restaurant, während ich aus einem Trinkhalm meinen Sirup schlürfte, griff meine Mutter immer wieder in die Tasche, nach dem Stoff, ihr Mund stand leicht offen, und die Augen waren riesengroß, als sei es kaum zu ertragen, und ich wußte, sie war glücklich. Zu Hause entfernte sie mit der Schere die Preisetiketten von den Kleidern, hängte sie sorgfältig an den Kleiderständer und rollte ihn langsam und mit dem erhobenen Kopf einer Königin, die vor ihr Reich tritt, ins Zimmer.
Immer wieder wartete ich nach Schulschluß stundenlang vor dem Eisentor auf sie. Aber sie kam nicht mehr. Ich fragte Vater, ob mit ihr etwas geschehen sei, aber er schüttelte den Kopf und schwieg.




Kundenbewertungen zu Zoe Jenny „Das Blütenstaubzimmer“

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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Ein melancholischer Roman über das Erwachsenwerden - von fleya - 18.11.2009 zu Zoe Jenny „Das Blütenstaubzimmer“
Da nachdem Erscheinen der Erstauflage dieses Romans 60¿000 weitere Exemplare verkauft wurden und dieses Buch lange den ersten Platz der Schweizer Bestsellerliste vertritt, muss es wohl einiges an Beachtung verdient haben. Deren Meinung bin ich auch, denn obwohl man teilweise keine klaren Zusammenhänge erkennt, verliert dieses Buch inhaltlich nicht an Wichtigkeit. Ich kann das tiefgründig Beschriebene selbst gut nachvollziehen, weshalb mir dieses Buch gefällt. Die sprachlichen Qualitäten des Romans sind meiner Meinung nach ausreichend, da Formulierungen nicht zu kompliziert sind. Das Buch hat jedoch überhaupt keinen roten Faden, da auch oft zwischen Wirklichkeit und Gedanken oder Gefühle variiert wird. Ich denke, dieses Buch sollte uns einen melancholischen Eindruck über die Hauptperson Jo liefern und uns Einblick in ihr Leben, wie auch in ihre Gefühlswelt gewähren. Das gefällt mir sehr gut und einige von Jo¿s Empfindungen haben mich sehr beeindruckt und teilweise auch berührt. Das Buch ist geeignet für Personen, welche vielleicht nicht so ein einfaches Familienleben haben und das wird auch klar aufgezeigt. Ich finde es gut, dass dieser Roman mit einem offenen Ende abgeschlossen wird.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll -- - von JR - 15.11.2009 zu Zoe Jenny „Das Blütenstaubzimmer“
Das Buch wurde meines Erachtens ein bisschen öde geschrieben trotz vieler Gefühle die zum Ausdruck kamen. Ich fand, dass man sich nicht recht in die Person bzw. die Situation hineinversetzen konnte. Viele Sätze waren total überflüssig und ständig kamen immer mehr Probleme auf die Hauptperson hinzu die eigentlich immer dasselbe beinhalteten. Leider ist diese Sorte von Büchern nicht so mein Typ. Das lesen war ein wenig schwierig, das es viele träume und Rückblenden gab. So wusste man ab und zu nicht, ob wir nun einen Traum lesen oder die Wirklichkeit. Ich glaube Zoe Jenny hat dieses Buch über Teenager im Jahre 1970 geschrieben. Dies finde ich eigentlich nicht schlecht, aber es wurde zu viel aufs allgemeine bezogen, denn dies ist eigentlich nur ein Einzelfall. Ich bin nicht zu dieser zeit aufgewachsen aber ich kann mir nur schwer vorstellen, dass diese Geschehnisse häufig vorkamen. Doch die Story an sich , mit dem Erwachsenwerden und dem verlieren der Eltern finde ich eigentlich gut, man hätte nur zwischendurch ein wenig mehr Spannung einbringen können. So war das Buch ein wenig langweilig und "monoton". Gut fand ich jedoch, dass das Buch kein Ende hatte, so musste man sich eigentlich selber einen Schluss ausdenken. Es muss ja auch nicht immer ein "Happy End" geben
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Rezension von Caroline Berger 1E - von Anonym - 14.11.2009 zu Zoe Jenny „Das Blütenstaubzimmer“
Rezension Caroline Berger Das Blütenstaubzimmer, Jenny Zoë Der erste Gedanke, der mir zu diesem Buch einfällt, ist dass sich sehr viele Leser daran nerven werden und die andere Gruppe sehr begeistert sein wird. Ein "so lala" existiert nicht im Wortschatz dieser Bewertung. Zuerst zur Ansprechperson; An alle Fantasy-, Liebes- und Happy-End-Bücher-Leser kann ich nur sagen: "Finger weg!". Und bitte liebe Elterngeneration, fühlen sie sich nicht angegriffen durch die Heftigkeit mit der sie Jenny Zoë konfrontiert. Für Drama- oder Tragödienliebhaber ist es schon besser geeignet, doch wer dieses Buch am meisten anspricht, sind die "ich seziere jeden Satz-Leser". Und wenn sie so einer sind, dann werden sie auch ihre Freude und jede Menge Arbeit mit traurigen Weiden, schwarzen Vögeln, verfluchten Schuhen und makaberen Aquarien haben, glauben sie mir. Und da kommen wir schon zum Inhalt. Was man unbedingt dazu sagen muss, ist, dass so viel Überlegungsmasse theoretisch gar kein Platz in einem relativ dünnen Buch hat. Verwirrende Zeitsprünge, jegliche Arten von Träumen und sehr schockierende Verhältnisse der Figuren werden sie auf kühle und sachliche Art und Weise in Massen finden. Doch das ist es auch, was das Buch auch wieder lesenswert macht. Manchmal möchte man solche Dinge, wie ein psychisches Problem von einer jungen Erwachsenen, die von den Menschen in ihrem Umfeld nicht geliebt und beachtet wird, gar nicht mitbekommen, oder sie verdrängen. Doch man ist so sehr damit beschäftigt neben ihr durch die düstere Gasse zu eilen, dass man erst beim Zuklappen, bemerkt, wie viel Mitleid man eigentlich haben müsste. Was einige Leser als negativ, andere als positiv empfinden werden, ist, dass das Buch Nebenwirkungen enthält. Gerade die Sezierer fragen sich z. B. was die eigenen diversen Tagträume denn bedeuten könnten, die Mitleidigen, wie ungerecht das Hineingeborenwerden in eine Familie doch ablaufen kann und die ¿ich würde mein Leben besser meistern-Typen¿ werden sich an dem vielem Einstecken und Verdrängen von Problemen aufregen. Sehr viel wird man auf seine Wertvorstellungen angesprochen und damit konfrontiert wie undankbar man doch eigentlich ist. Die Autorin will einem wie sagen; "sei doch endlich einmal zufrieden mit dem was du hast." Die Moral aus diesem Buch zu ziehen ist auch eine ganz schwierige Sache, vielleicht ist es die Ungerechtigkeit im Leben, vielleicht aber auch wie wichtig es ist, Familie oder/und Freunde zu haben, die zu einem stehen, auch wenn man es nicht immer mitbekommt. Doch die Sichtweise ist sehr offen, jeder kann seine eigenen Lehren und Schlüsse aus dem sehr harten Lebensabschnitt der Hauptfigur ziehen. Ob sie es schlussendlich lesen, ist ihre Sache, oder wie Jenny Zoë es ausdrücken würde: "Wenn ich die Trennscheibe entferne, gibt es kein zurück mehr." Noch ein Tipp; Lesen sie es doch, wenn möglich, am Tag bei voller Konzentration und nicht noch schnell vor dem Einschlafen. Sonst können sie jede Seite doppelt lesen.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll -- - von Anonym - 08.11.2009 zu Zoe Jenny „Das Blütenstaubzimmer“
Ich habe das Blütenstaubzimmer von Zoe Jenny in der Schule gelesen. Ich war erstaunt darüber und zugleich auch erfreut, dass man in der Schule Bücher liest bei welchen man den Inhalt versteht. Das Buch ist gut geschriben. Die gedanken von Jo (die Hauptfigur in der Geschichte) regen zum Nachdenken an. Heute ist eine Familie wo Mutter und Vater getrennt leben normal. Früher aber war man nicht geschieden, sonst war es ein Sonderfall. Die Geschichte berührt die Herzen der Leser (zumindest jene wie mich). Ich habe gemerkt wie schön ein Leben sein kann, wenn die Familie zusammenhält und nicht voneinander getrennt ist. Ich empfehle das Buch allen, die gerne Geschichten haben, wo man nachdenken muss, den Inhalt zwischen den Zeilen findet und sich gerne bewusst werden wie schön ein Leben ohne grosse Probleme sein kann.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Blütenstaubzimmer - von Schule - 08.11.2009 zu Zoe Jenny „Das Blütenstaubzimmer“
Ich finde den Anfang des Buches ist sehr packend. Zoe formuliert die Gedanken und Wünsche von Jo ziemlich interessant und abwechslungsreich, die vielen Zeitsprünge, die dabei passieren finde ich aber ziemlich mühsam. Wenn man zwischen den Zeilen liest, erkennt man viele Dinge, die Jo sonst nicht aussprechen würde, das finde ich sehr gut gemacht. Leider gibt es selten eine richtige Handlung die wirklich Spannung erzeugt. Ich finde Jo s Familie und Bekannte sind machnchmal zu verstört dargestellt und man fragt sich ob es in Realität wirklich solche Familien gibt.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll -- - von Claire M. - 14.05.2009 zu Zoe Jenny „Das Blütenstaubzimmer“
Ich persönlich mochte das Buch, zwar bin ich nicht im Jahrgang 1970 geboren, kann aber die Lebenssituation der Protagonistin sehr gut nachvollziehen, da ich etwa das gleiche Alter habe. Jo ist betäubt vom Schlechten in dieser Welt, sie weiß nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, zu viel Unglück trifft aufeinander. Sie versucht sich zu distanzieren, sieht alles wie durch einen Nebelschleier. Das passt, finde ich. Jeder Mensch wird manchmal von den Ereignissen übermannt und will sich nur zurückziehen, weg aus einer Welt, der man sich zwar angehörig, aber nicht verbunden fühlt. Ich habe das Buch gerne gelesen, zum Einen wegen Zoe Jennys Schreibstil, zum Anderen wegen der melancholischen Stimmung, die dieses Buch hinterlässt.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Für unsere heutige Jugend nicht so ansprechend - von Fiona Herzig - 16.12.2004 zu Zoe Jenny „Das Blütenstaubzimmer“
Das Blütenstaubzimmer ist sicher sehr gut geeingnet für die zwei Generationen, welche in diesem Buch beschrieben werden. Also für die Eltern welche um 1950 herum geboren sind und um die Kinder welche um 1970 herum geboren sind. Für diese trifft dies zu. Diese Leute werden sich in diesem Buch wiederfinden. Ein Teil ihres Lebensstils wird beschrieben, was natürlich sehr interessant für diese Leute ist. Hingegen für alle Leute welche jünger sind, ist dieses Buch nicht besonders ansprechend. Man kann sich nicht sehr gut mit der Hauptperson oder den Eltern identifizieren. Ich finde auch das dieses Buch ein biesschen zu pessimistisch geschrieben ist. Alles ist immer negatiev. Schlechte Eltern, miese Freunde, alles um die Hauptperson herum ist scheisse. Insgesammt aber finde ich das Buch aber schon lesenswert.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Passender Schreibstil - von Alexandra Klopfer - 16.12.2004 zu Zoe Jenny „Das Blütenstaubzimmer“
Mir gefällt sehr gut wie Zoe Jenny in diesem Buch ihre Gefühle erläutert, in dem sie nur ihre Umgebung beschreibt, oft auch einiges mit der Natur in Verbindung bringt. Auch wenn das Buch eigentlich gar keine Handlung hat, hat es mich immer wieder gefesselt und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Manchmal war es aber wegen den Zeitsprüngen etwas kompliziert zu lesen, ich habe dann oft nicht verstanden, was jetzt wann passiert ist. Ich habe mich auch schon gefragt, ob denn das Leben dieser Genaeration wirklich so schlimm ist, oder ob sie einfach übertreibt oder das positive gar nicht sieht. Es gibt aber sicher auch Menschen auf dieser Welt, die ein solches Leben führen und bei denen einfach alles schief geht. Aber ich glaube, dass auch diese Generation gute Zeiten erlebt hat. Auch wenn ich selbst einer späteren Generation angehöre.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Ist nicht alles halb so schlimm? - von Nicole Eberle - 13.12.2004 zu Zoe Jenny „Das Blütenstaubzimmer“
Soweit ich das beurteilen kann, hat Zoe Jenny ein sehr gutes Buch über eine Generation geschrieben, die ich nicht kenne. Sie hat die Situation eine jungen Frau auf der Suche nach Annerkennung, Liebe und Geborgenheit mit einer grossen sprachlichen Qualität beschrieben. Ich finde, sie hat die Erinnerungen und Träume der jungen Hauptdarstellerin sehr interessant und spannend in den Alltag des Buches eingeflochten. Doch ich zweifle etwas an der Dramatik dieses Buches. Ist dies ein realistisches Leben? Gab es wirklich nur unglükliche Freunde, rücksichtslose Eltern und kaputte Träume? Ich denke die Geselschaft war damals nicht so schlimm und schliesslich gibt es auch heute noch Familien, die ähnliche Probleme haben. Deswegen finde ich dieses Buch nicht so etwas Ausergewöhnliches und unbedingt Lesenswertes, obwohl es nicht sehr schwierig und spannend geschrieben ist.
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