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Das Echolot

Barbarossa '41. Ein kollektives Tagebuch. 'Das Echolot-Pr…
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Produktdetails
Titel: Das Echolot
Autor/en: Walter Kempowski

ISBN: 3813502058
EAN: 9783813502053
Barbarossa '41. Ein kollektives Tagebuch.
'Das Echolot-Projekt'.
Mit Fotos und Ktn. -Skizz.
Lesebändchen.
Knaus Albrecht

6. März 2002 - gebunden - 736 Seiten

TODESFUGE AUS ALLTAG UND APOKALYPSE. Das kollektive Tagebuch vom Einmarsch der deutschen Truppen in Russland. Als Hitler am 22. Juni 1941 die Sowjetunion überfiel, entfesselte er einen Vernichtungskrieg von ungeahnter Grausamkeit.
Walter Kempowski hat die Stimmen von russischen und deutschen Tätern, Opfern und Augenzeugen aus jenen Tagen zu einem tausendstimmigen Chor über das große Menschheitsverbrechen des Krieges verwoben.



Walter Kempowski wurde am 29. April 1929 als Sohn eines Reeders in Rostock geboren. Er besuchte dort die Oberschule und wurde gegen Ende des Krieges noch eingezogen. 1948 wurde er aus politischen Gründen von einem sowjetischen Militärtribunal zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Nach acht Jahren im Zuchthaus Bautzen wurde Walter Kempowski entlassen. Er studierte in Göttingen Pädagogik und ging als Lehrer aufs Land. Seit Mitte der sechziger Jahre arbeitete Walter Kempowski planmäßig an der auf neun Bände angelegten "Deutschen Chronik", deren Erscheinen er 1971 mit dem Roman "Tadellöser & Wolff" eröffnete und 1984 mit "Herzlich Willkommen" beschloss. Kempowskis "Deutsche Chronik" ist ein in der deutschen Literatur beispielloses Unternehmen, dem der Autor das mit der "Chronik" korrespondierende zehnbändige "Echolot", für das er höchste internationale Anerkennung erntete, folgen ließ.

Walter Kempowski verstarb am 5. Oktober 2007 im Kreise seiner Familie. Er gehört zu den bedeutendsten deutschen Autoren der Nachkriegszeit. Seit 30 Jahren erscheint sein umfangreiches Werk im Knaus Verlag.


Die br'derliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. Seid nicht tr' in dem, was ihr tun sollt. Seid br'nstig im Geiste. Schicket euch in die Zeit.
herrnhut r'mer 12,10.11


Andr'ide 1869-1951(S'dfrankreich)
Die k'rzeste Nacht des Jahres. Diese letzten vier Tage waren sch'ner, als man sagen kann: sch'ner, als ich es ertragen konnte. Eine Art Aufruf zum Gl'ck, bei dem die ganze Natur sich zu einer wunderbaren Verz'ckung verschwor und einen Gipfel der Liebe und Freude erreichte, wo dem Menschenwesen nur noch der Tod zu w'nschen bleibt. In einer solchen Nacht m'chte man die Blumen k'ssen, die Rinde der B'e streicheln; irgendeinen jungen gl'henden K'rper umarmen oder bis zur Morgend'erung auf der Suche nach ihm umherstreifen. Allein schlafenzugehen, wozu ich mich gleichwohl entschlie'n mu' erscheint gottlos.


Paul Val' 1871-1945Paris
Die Physiker lassen, was man gestern wu'e, nicht in Ruhe und f'gen hinzu oder verbinden damit, was sie heute morgen gesehen haben. Die Historiker machen nicht so viel Umst'e - und w'end jene damit ringen, Prinzipien, Definitionen, Geometrie und ' Verstehen umzuformen, scheren sich diese darum wenig. Sie liefern die Erz'ung, und eine Erz'ung absorbiert alles - es ist die Form des Formlosen - und die Verf'chung der Beobachtungen, die sie mit sich bringt oder erzwingt, ist unmerklich. Sie k'nnen sich nicht vorstellen, da'die Neuheit (die nicht nur Neuheit der Ereignisse ist - sondern ebensosehr Neuheit der Modi ihrer Aufzeichnung) einen anderen 'historischen' Geist verlangen k'nnte, andere Ausdr'cke - andere Vorsichtsma'ahmen.




Grete D'lker-Rehder 1892-1946Stuttgart
Sonnenwende. Aber wir sind so verstrickt in Menschendinge und aus dem Zusammenhang mit der Natur geraten, da'man der Sonnenwende kaum gedenkt.
Gestern hab ich ein Gedicht gemacht, 'An den Vermi'en'. Ich bin 'ber mich selbst erschrocken. Wie kann man dar'ber ein
Gedicht machen? Ich wei'es auch nicht, es flo'aus mir, wie die Tr'n flie'n.


Helmuth James von Moltke 1907-1945Berlin
An seine Frau
Ich komme mir vor, als sei heute der 31. Dezember; es ist so, als beg'e morgen ein neues Jahr. Morgen wird alles anders aussehen und viele Dinge werden uns best'rmen, gegen die wir uns wappnen m'ssen.


Jochen Klepper 1903-1942Stauceni/Rum'en
Sturm in der Morgend'erung, Gew'lk, dann wunderbarer, mattgoldener Sonnenaufgang. 8 Uhr Aufbruch der Autos. Die Fahrt durch die h'geligen W'er sehr sch'n. 12 Uhr Ankunft in Stauceni. 'es Dorf, aber an einem - wenn auch verschilften und sumpfigen - See und Graben, in denen man zur Not baden kann. Es wird ein sch'ner, sch'ner Tag. Sonne und Wind. Wir kampieren im Autobus. Zwei Briefe von Hanni.


Der Assistenzarzt Dr. Hermann T'rk 1909-1976am Bug
Die Spannung w'st auf den H'hepunkt. Im Radio immer noch nichts. Diese Nacht soll es losgehen! Das Wetter ist prima. Hitlerwetter, sagen wir. Morgens kommt Oblt. Kn'tel. Er liegt mit seiner Komp. ganz in unserer N'.
Der Wald hier wimmelt von Panzern, Artillerie und Pferden. Unserem Korps ist n'ich auch die 1. K.D. unterstellt.
Abends kommt der 1 B der Division. Um 3.15 Uhr soll der erste Schu'fallen. Brest-Litowsk soll mit Brand'l, mit 330000 kg beschossen werden. Da k'nnen unsere Nebelwerfer ihren ersten Einsatz zeigen.
Ein leichter Zug unserer Kompanie wird vorgezogen. Er soll an der anderen Seite des Bug einen Hauptverbandsplatz vorbereiten. Stolz zieht Unterarzt Doringer mit seinem Zuge los. - Ich platze bald, da'ich auch diesmal wieder stille sein mu' Aber der Chef beruhigt mich und sagt mir, da'der Zug h'chstwahrscheinlich nicht zum Einsatz kommen w'rde.


Der Leutnant Heinz D'll *1919am Bug
Am 21. Juni, fr'hmorgens, erhielt ich den Auftrag, eine Stellung oberhalb des Bug-Ufers zu erkunden, um die Ziele auf russischer Seite bek'fen zu k'nnen - vorsorglich, hie'es immer n
och.
Das jedoch wollte ich lieber mit 'erster Vorsicht bewerkstelligen. Ich holte mir einige Kanoniere vom 2 cm-Flakzug, vor allem den Entfernungsmesser samt Ger' Wir verkleideten uns mit Strohh'ten, Bauernkitteln und Heugabeln. Dann durchstreiften wir die Wiesen am Bug, dem Grenzflu'zwischen Deutschland und Ru'and. Es war zun'st die Frage zu kl'n, ob das schwere Gesch'tz an das Ufer bugsiert werden konnte f'r einen eventuell vorgesehenen F''bergang. Au'rdem haben wir die Entfernung gemessen zu einem Bunker auf russischer Seite, der mir als m'gliches Ziel angegeben worden war.
Aber so unauff'ig, wie wir wollten, gelang die Vermessung nicht. Aus einem Geb'sch dr'ben trat pl'tzlich eine russische Patrouille mit drei Soldaten in das hohe Gras und ging zum Bug-Ufer, als sie pl'tzlich stutzten. In ihren Gesichtern konnten wir ihre 'erraschung ablesen. Sie hatten unser Entfernungsme'er'von der Seite entdeckt, als wir hinter einem Geb'sch Messungen durchf'hrten und nur nach vorne getarnt waren. Mit Gesten der 'erraschung machten die Russen kehrt und entschwanden schnell unseren Blicken hinter Buschwerk und B'en. (Da war wohl dr'ben eine Meldung f'ig.)
In der Abendd'erung dieses hei'n Tages, des 21. Juni 1941, wurde die Batterie an die Fahrzeuge befohlen. Die Fr'sche in den friedlichen Bug-Wiesen gaben noch ihr vollt'nendes Konzert. Da sa'n wir auf den Zugmaschinen im Walde, als uns ein Aufruf des F'hrers verlesen wurde: 'Soldaten der Ostfront!' Wir waren wie vom Blitz getroffen - trotz aller Zeichen um uns. Also doch. Die Worte des Generals klangen mir noch im Ohr.


Ernst-G'nter Merten 1921-1942Galizien
Wir stehn zum Marsch gegen Ru'and angetreten! Heute nachmittag noch war ich mit Karstedt zur N.L.K., um das fehlende Zubeh'r f'r den einen Funktrupp abzuholen. Dort war schon alles eifrig beim Packen. Als wir etwas sp'r durch den Lagerplatz des II.Btl. kamen, rissen sie schon die Zeltbahnen von den Schleppd'ern. 'Pa'auf', sag ich, 'bei uns tun
sie das auch schon.' - 'Ach was, unsre sind noch nicht soweit.'
Sie waren es aber wirklich. Und nun geht es alles Schlag auf Schlag: Packen, Verladen; Lt. Schulze verliest den Aufruf des F'hrers an die Ostarmee. Es geht also doch gegen Ru'and! Um 22 Uhr stehen wir abmarschbereit.


Lawrentij Berija 1899-1953Moskau
An Stalin
In der letzten Zeit lassen sich viele Mitarbeiter von gemeinen Provokationen beeinflussen und geraten in Panikstimmung. Die geheimen Mitarbeiter ['] m'ssen wegen der systematischen Desinformation als Handlanger der internationalen Provokateure, die uns gegen Deutschland aufhetzen wollen, zu Lagerstaub zerrieben werden. ['] Der Leiter der Aufkl'ngshauptverwaltung beschwert sich 'ber seinen Oberstleutnant Nowobranetz, der auch die L'ge verbreitet, da'Hitler an unserer Westgrenze 170 Divisionen gegen uns aufmarschieren lassen habe. ['] Aber ich und die mir unterstellten Mitarbeiter, Jossif Wissarionowitsch, denken immer an die weise Vorhersage, nach der Hitler uns im Jahre 1941 nicht 'berfallen wird.


Der General Georgij Shukow 1896-1974Moskau
Am 21. Juni abends rief mich der Stabschef des Kiewer Milit'ezirks, Generalleutnant Purkajew, an und meldete, da'ein deutscher Feldwebel 'bergelaufen sei, der behauptete, die deutschen Truppen bez'gen ihre Bereitstellungsr'e f'r den Angriff, der am 22. Juni fr'h beginne.
Ich berichtete dar'ber sofort dem Volkskommissar und Stalin. Stalin sagte: 'Kommen Sie mit dem Volkskommissar in den Kreml.'
Der Volkskommissar, Generalleutnant Watutin und ich fuhren mit dem Entwurf einer Direktive an die Truppen in den Kreml. Unterwegs verabredeten wir, um jeden Preis den Beschlu'durchzusetzen, die Truppen in Gefechtsbereitschaft zu versetzen.
Stalin empfing uns allein. Er war sichtlich besorgt.
'Ob uns die deutschen Generale diesen 'erl'er nicht untergeschoben haben, um einen Konflikt zu provozieren?' fragte er.
'Nein', antwortete Timoschenko. 'Wir meinen, da'd
er 'erl'er die Wahrheit sagt.'
Inzwischen traten die Mitglieder des Politb'ros in Stalins Arbeitszimmer. Stalin informierte sie kurz.
'Was werden wir tun?' fragte Stalin.
Niemand antwortete.
'Man mu'unverz'glich die Direktive erteilen, alle Truppen der Grenzmilit'ezirke in h'chste Gefechtsbereitschaft zu versetzen', sagte Timoschenko.
'Lesen Sie!' erwiderte Stalin.
Ich las unseren Entwurf vor. Stalin bemerkte: 'Eine solche Weisung ist jetzt verfr'ht, vielleicht l' sich die Sache noch friedlich regeln. Wir m'ssen eine kurze Weisung erteilen, die besagt, da'ein Angriff mit provokatorischen Handlungen deutscher Truppenteile beginnen kann. Die Truppen der Grenzmilit'ezirke d'rfen sich nicht provozieren lassen, um keine Komplikationen hervorzurufen.'
Um keine Zeit zu verlieren, gingen Watutin und ich gleich ins Nebenzimmer und entwarfen schnell eine Direktive des Volkskommissars.
Dann baten wir um die Erlaubnis, den Entwurf vortragen zu d'rfen.
Stalin h'rte ihn sich an, las ihn noch einmal selbst durch, korrigierte einiges und gab ihn dem Volkskommissar zur Unterschrift.
Mit dieser Direktive fuhr Watutin sofort in den Generalstab, um sie gleich an die Milit'ezirke zu 'bermitteln. Die Durchgabe war am 22.Juni 1941 um 0.30 Uhr beendet. Eine Kopie erhielt der Volkskommissar der Seekriegsflotte.
Timoschenko und ich verlie'n Stalin mit gemischten Gef'hlen.


Der Oberleutnant Iwan Kowaljow *1916am Pruth
Sonnabend. 'erall im Land, au'r an der schon im Verlauf des Jahres unruhigen Westgrenze, herrschte gew'hnlicher Hochbetrieb vor dem Ruhetag. Den meisten Menschen lag der Gedanke sicher fern, da'in zehn Stunden das schreckliche Wort 'Krieg' erklingen w'rde. Nur die h'chste milit'olitische F'hrung des Landes war lange vor jenem tragischen Tag 'ber die Vorbereitungen Deutschlands auf den 'erfall der Sowjetunion im Bilde.
Unsere Armee und unser Volk hatten ein grenzenloses Vertrauen zur 'Genialit' Stalins und lie'n s
ich noch eine Woche vor dem Kriegsausbruch von einer TASS-Erkl'ng einwickeln, nach der Deutschland unter keinen Umst'en den Nichtangriffspakt verletzen und unser Land angreifen w'rde. Sogar erfahrene Berufsmilit' zweifelten nicht an der Glaubw'rdigkeit der offiziellen Propaganda. Nicht zuf'ig wurden auch in unserer Division, die in der N' der Westgrenze am Pruth stationiert war, viele Offiziere, unter ihnen der Regimentskommandeur des 256. Sch'tzenregiments, Safonow, beurlaubt und verlie'n ihre Garnisonen in Moldawien.
Ja, alle vertrauten unserer F'hrung grenzenlos, obwohl 5,5 Millionen deutsche Soldaten und ihre Verb'ndeten schon an unserer Grenze aufmarschiert waren. Was konnten wir dem Gegner entgegenstellen? Nur 2,7 Millionen Soldaten an der Westgrenze, 170 Divisionen, die nur 50% von ihrem Soll hatten und sich in Feldlagern Zeit lie'n. So sah unsere erste strategische Linie in der Tiefe bis 400 km und 50 km von der Grenze entfernt aus. Unsere Soldaten waren mit alten Gewehren bewaffnet. Wir hatten fast doppelt soviel Panzer und Flugzeuge, waren dem Feind an Artillerie zahlenm'g weit 'berlegen, doch das Material war l'st veraltet. Solche Entfernungen der Truppe von der Grenze waren f'r einen Angriff bestimmt, einer Verteidigung konnte so ein Aufmarsch gar nicht dienen. So war auch unsere Doktrin: dem Feind einen vernichtenden Schlag versetzen und die Kampfhandlungen auf seinem Boden weiterf'hren.
Das Versagen Moskaus liegt auf der Hand. Es war die Schuld der politischen F'hrung, da'ein nicht abzuwehrender, schrecklicher und 'berraschender Schlag die Rote Armee traf, mit allen Folgen. Sogar heute ist niemand von den unmittelbar Schuldigen dieses Verbrechens verurteilt oder verw'nscht worden. Der Krieg stand ja gut zwei Jahre an der Schwelle unseres Hauses, und keiner der F'hrer war beunruhigt: mit wieviel Menschenleben werden wir unsere Nachl'igkeit bezahlen m'ssen. Ich sch' mich auch heute f'r unsere Staatsm'er mit dem 'F'hrer aller V'lker' an der Spitze
, f'r jene Schande.


Der Finanzoffizier Feodossij Awdejewskij *1906Lwow
In unserer Literatur und in den offiziellen Quellen wird immer hervorgehoben, da'Hitlerdeutschland die Sowjetunion heimt'ckisch und v'llig 'berraschend im Juni 1941 'berfallen habe. Es stimmt, da'es ein 'erfall ohne 'bliche Kriegserkl'ng war. Aber ich kann nicht behaupten, da'wir vom Feind 'berrascht wurden und nichts von seinen Vorbereitungen wu'en. Aufgrund meiner eigenen Erfahrung kann ich diesen Behauptungen widersprechen.
Anfang Juni 1941 kam ich von einer Dienstreise aus Berditschew, wo ich eine unserer Armee unterstellte Division inspiziert hatte, nach Lwow zur'ck. Schon in Berditschew stellte ich zu meinem Erstaunen fest, da'die Kasernen leer standen, die Truppe war schon zu ihren Aufmarschr'en unmittelbar an der Westgrenze verlegt worden. Als ich zur'ckkam, fand ich eine ver'erte Lage auch beim Stab unserer Armee in Lwow. Im Stabsgeb'e waren alle Fenster verdunkelt. Als ich beim diensthabenden Offizier des Stabes am 8. Juni 1941 etwa gegen 23Uhr meine Ankunft melden wollte, 'berraschten mich merkw'rdige Ver'erungen. An der Eingangst'r stand ein bewaffneter Posten im Kampfanzug mit Stahlhelm, der Eingang selbst war mit einem Vorhang verh't, damit kein Licht nach drau'n dringen konnte. In den G'en des Geb'es wimmelte es von Stabsoffizieren, die mit ihren Aktentaschen hin und her liefen. Alle waren an ihren Arbeitspl'en. All das am Sonntag um diese Zeit zu beobachten, war f'r mich ganz ungew'hnlich. Nach der Meldung begab ich mich zu meiner Abteilung, wo auch alle Offiziere schon an ihren Arbeitspl'en sa'n. S'liche Aktenordner mit wichtigen Finanzakten waren schnell zur Archivabgabe vorzubereiten, klappbare Feldm'bel waren aufgeladen, unsere Feldbank hatte die durch den Mobilmachungsplan bestimmten Geldvorr' bekommen. Ich mu'e schnell nach Hause laufen, mich dort umziehen und meinen Feldkoffer mit den f'r den Kampfeinsatz notwendigen Dingen holen.
Diese intensive
und nerv'se Vorbereitung dauerte bis zum Sonnabend, dem 21. Juni. Alles war aufgeladen, die LKWs standen marschbereit auf dem Hof des Stabes, und wir vergingen vor Ungewi'eit. Mit meinen ''rungen m'chte ich nur betonen, da'die Behauptung, unsere Truppe sei unvorbereitet in den Krieg geraten, mindestens unkorrekt ist.
Um 18 Uhr am 21. Juni 1941 ging es endlich los. Unsere Marschkolonne des Armeestabes schob sich zum Gefechtsstand im Raum von Lipki etwa 40 Kilometer westw's von Lemberg vor. Die letzte friedliche Nacht verbrachten wir in den Sommerh'ern, die als Datschas f'r die Einwohner von Lwow dienten. Die H'er waren schon von ihren Besitzern ger't. In der Nacht konnte niemand schlafen, alle stellten sich nur eine Frage: was weiter?
In der N' rauschte ein kleiner Bach. Ich ging dorthin, um die Schl'igkeit vor Tagesanbruch durch Waschen des Gesichts zu vertreiben. Da jagten pl'tzlich im Tiefflug ein paar Flugzeuge vorbei, die wild aus ihren Bordwaffen feuerten. Bei der Dunkelheit konnte man nicht erkennen, wessen J'r es waren und warum sie uns beschossen. Hoch am Himmel flogen in dichten Wellen schwere Bomber in Richtung Lwow. Bald h'rten wir nicht nur das dauernde Gedr'hn dieser Armada, sondern auch wuchtige Explosionen an der Grenze und im Raum von Lwow. Wir konnten nichts verstehen, da wir auf einmal keine Verbindung mehr zum vorgeschobenen Gefechtsstand hatten, wo sich der Stabschef befand. Erst als die Morgenr'te aufzog, sahen wir hoch am Himmel die Bomber mit den deutschen Kreuzen auf den Fl'geln, die nun nach Westen zur'ckflogen. Und von der Grenze dr'hnte die Artilleriekanonade her'ber. Vom 'erfall der Deutschen erfuhren wir schon bei den ersten Sonnenstrahlen. Auf der Stra' fuhren einige LKWs vorbei. In den Wagen sa'n Frauen und Kinder unserer Grenzsoldaten, einige von ihnen noch in Nachthemden, ungek't und ungewaschen, die schlaftrunkenen Kinder heulten Rotz und Wasser.
Der Anblick der fl'chtenden Familienangeh'rigen unserer Grenzsoldaten 'be
rzeugte uns vom Ernst der Lage, und wir schlossen uns schnell diesem Tro'an, damit wenigstens unsere gef'llte Kasse nicht in feindliche H'e fiele. Also ganz schnell zur'ck nach Lwow '


Der Unteroffizier Kurt Kr'r 1912-1945 im Osten
Meine liebe Leni, Klaus und Elke!
Da die Zeit knapp wird, sende ich Dir in ganz gro'r Eile recht recht herzliche Gr''. Verzage nicht, denn ich werde Dich und unsere Kinder bestimmt wiedersehen. Danken wir unserem F'hrer und denken wir an die Gr'' unserer Zukunft. Unsere Kinder werden dereinst diese Zeit bewundern.
Es lebe der F'hrer
Dein Kurt




Adam Czerniak'880-1942 Warschauer Ghetto
Morgens Gestapo. ['] Der Ordnungsdienst bekommt arische Rationen.


"Wenn die Welt noch Augen hat zu sehen, wird sie in diesem Werk eine der größten Leistungen der Literatur unseres Jahrhunderts erblicken."



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