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Aus eigener Kraft

Gesundsein und Gesundwerden in Harmonie mit Natur- und Mond…
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Produktdetails
Titel: Aus eigener Kraft
Autor/en: Johanna Paungger, Thomas Poppe

ISBN: 3442139724
EAN: 9783442139729
Gesundsein und Gesundwerden in Harmonie mit Natur- und Mondrhythmen.
'Goldmanns Taschenbücher'. 'Mosaik bei Goldmann'.
Mit Abbildungen und Tabellen.
Goldmann TB

Januar 1996 - kartoniert - 336 Seiten

Gesund sein und gesund werden - aus eigener Kraft: Die Autoren wollen ein Wissen nahebringen, das Sie durch das ganze Leben begleiten kann, das Ihnen den Weg ebnet zur unmittelbaren, persönlichen Erfahrung dessen, was Sie stärkt und schwächt an Körper, Geist und Seele ohne Umweg über den Ratschlag von Experten und Autoritäten.


Thomas Poppe, Autor und Übersetzer, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Einflüssen der Mondrhythmen auf den Alltag. Zusammen mit Johanna Paungger schrieb er die Longseller Vom richtigen Zeitpunkt , Aus eigener Kraft und Alles erlaubt! , die eine Renaissance des Gesundheitsbewusstseins einläuteten und eine Unmenge praktischer Tipps für den Lebensalltag bereit stellen. Außerdem haben sie ein umfangreiches Kalenderprogramm entwickelt, das Tag für Tag die Erkenntnisse des Mondwissens praktisch umsetzt.
Ich weiß bis heute nicht, ob die verrückte Annie ermordet wurde, weil sie irre oder weil sie eine Schwarze war. Wir lebten damals im Südwesten von London, und nie werde ich den Schock vergessen, als ich an einem regnerischen Novemberabend von der Arbeit nach Hause kam und Annie im Rinnstein vor unserem Haus fand. Es war 1978 - der Winter der allgemeinen Unzufriedenheit -, als der Regierung alle Kontrolle über die Gewerkschaften entglitten war, Streiks an der Tagesordnung waren, Krankenhäuser die Kranken nicht mehr betreuten und der Müll sich in Bergen auf den Bürgersteigen häufte. Hätte ich nicht auf den ersten Blick ihren alten dunkel karierten Mantel erkannt, so hätte ich das Bündel im Rinnstein vielleicht für ein Häufchen ausrangierter Kleidungsstücke gehalten und mich nicht weiter darum gekümmert.
Mit vollem Namen hieß sie Ann Butts. Sie war die einzige Schwarze in unserer Straße, eine kräftig gebaute Frau mit einem verschlossenen Gesicht, die mit anderen Leuten nichts zu tun haben wollte. Es war bekannt, dass sie gern trank, am liebsten karibischen Rum, und im Sommer traf man sie oft auf der Straße an, wo sie auf dem Bürgersteig hockte und Gospelsongs sang. Das Etikett der Verrückten hatte man ihr aufgedrückt, weil sie die Angewohnheit hatte, in grotesk wirkendem Galoppschritt die Straße entlang zu hopsen wie ein Kind, das ein Steckenpferd reitet. Meist schnitt sie dabei noch Grimassen und brummelte etwas vor sich hin.
Über ihre persönlichen Verhältnisse war wenig bekannt, außer dass sie beim Tod ihrer Mutter das Haus und ein kleines regelmäßiges Einkommen geerbt hatte. Abgesehen von einer Menagerie von Straßenkatzen, die sich bei ihr eingenistet hatten, lebte sie allein. Es hieß, ihre Mutter wäre noch verrückter gewesen als sie und ihr Vater hätte Frau und Kind deswegen verlassen. Eine der alteingesessenen Bewohnerinnen der Graham Road schwor Stein und Bein, Mrs. Butts hätte, wenn sie einen ihrer Anfälle hatte, jedem Vorüberkommenden Obszönitäten nachg
eschrien und sich wie ein Derwisch im Kreis gedreht, aber da Mrs. Butts schon eine ganze Weile nicht mehr lebte, war anzunehmen, dass die Geschichte mit der Zeit immer stärker aufgebauscht worden war.
Ich glaubte sie so wenig, wie ich den Gerüchten glaubte, die besagten, Annie halte sich lebende Hühner im Haus, die sie zum Abendessen für sich und ihre Katzen bei lebendigem Leib in den Suppentopf werfe. Das war blanker Unsinn - sie kaufte ihr Fleisch im Supermarkt wie alle anderen -, aber ihre nächsten Nachbarn berichteten von Ratten in ihrem Garten und einem ekelhaften Geruch aus ihrer Küche, und prompt war die Geschichte von den lebenden Hühnern geboren. Ich sagte jedes Mal, sie könne nicht Ratten und Katzen gleichzeitig haben, aber auf die Stimme der Vernunft wollte keiner hören.
Dieselben Nachbarn machten ihr das Leben zur Hölle, indem sie sie regelmäßig beim Gemeinderat, beim Tierschutzverein und bei der Polizei anzeigten, aber die Beschwerden brachten ihnen nichts ein, weil der Gemeinderat Annie nicht zur Räumung ihres eigenen Hauses zwingen konnte, die Katzen nicht misshandelt wurden und Annie nicht verrückt genug war, um eine Einweisung in eine Anstalt zu rechtfertigen. Hätte sie Familie und Freunde im Rücken gehabt, so wäre sie vielleicht gegen die Peiniger vor Gericht gezogen, aber sie war ein einsiedlerischer Mensch, der in Ruhe gelassen werden wollte. Verschiedentlich machten Beauftragte des Gesundheitsamtes und Sozialarbeiter ohne Erfolg den Versuch, sie zur Übersiedlung in ein betreutes Wohnheim zu überreden, und regelmäßig einmal in der Woche klopfte der Gemeindepfarrer bei ihr an, um sich zu vergewissern, dass sie noch am Leben war. Für seine Mühe pflegte er aus einem Fenster im oberen Stock mit lauten Verwünschungen überschüttet zu werden, aber er erduldete es mit Nachsicht trotz Annies Weigerung, in seine Kirche zu kommen.
Ich kannte sie nur vom Sehen, weil wir am anderen Ende der Siedlung wohnten, und konnte nicht verstehen, warum die g
anze Straße so heftig gegen sie aufgebracht war. Mein Mann behauptete, es hätte einzig mit den Grundstückspreisen zu tun, aber das überzeugte mich nicht. Als wir 1976 in die Graham Road gezogen waren, hatten wir uns keinerlei Illusionen darüber gemacht, warum das Haus zu einem erschwinglichen Preis zu haben war. Die Straße gehörte zwar der Postleitzahl nach zu Richmond, aber sie lag eindeutig auf der falschen Seite. Die schmalen, einstöckigen Reihenhäuser mit jeweils vier Zimmern, zwei oben, zwei unten, zu beiden Seiten der Graham Road, waren in den Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts als Arbeiterwohnungen erbaut worden und lagen unweit der A 316 zwischen Richmond und Mortlake. Keiner, der in dieser Straße ein Haus kaufte, erwartete, über Nacht ein Vermögen zu machen, zumal hier private Eigenheime Wand an Wand mit gemeindeeigenen Häusern für sozial Schwache standen. Diese waren an ihren einheitlich gelben Türen leicht zu erkennen, und diejenigen unter uns, die ihre Häuser käuflich erworben hatten, betrachteten sie mit einem gewissen Widerwillen, weil mindestens zwei von ihnen von Problemfamilien bewohnt waren.
Meiner Meinung nach spiegelte sich in der Art und Weise, wie die Kinder in unserer Straße mit Annie umgingen, nur allzu deutlich die Einstellung der Erwachsenen. Sie hänselten sie gnadenlos, schrien ihr Schimpfnamen hinterher, äfften, grausam im Gefühl ihrer Überlegenheit, ihren seltsamen hopsenden Gang nach und rannten kreischend davon, wenn es ihnen gelungen war, sie so weit zu reizen, dass sie den Kopf hob und sie zornig ansah. Es war eine Art Bärenhatz. Sie piesackten sie, weil sie sie verachteten, aber sie hatten auch Angst vor ihr.
Rückblickend wünschte ich natürlich, ich wäre für Annie auf die Barrikaden gegangen, aber wie alle anderen, die untätig zusahen, nahm ich einfach an, sie könnte für sich selbst sorgen. Im Übrigen waren die Kinder nicht die Einzigen, die sie Furcht erregend fanden. Das einzige Mal, als ich einen Versuch machte,
mit ihr zu sprechen, fuhr sie zornig auf mich los und nannte mich honky, eine verächtliche Bezeichnung der Schwarzen für die Weißen. Ich hatte nicht den Mut, einen neuerlichen Versuch zu wagen. Später fiel mir gelegentlich auf, dass sie draußen auf dem Bürgersteig stand und unser Haus anstarrte, aber jedes Mal lief sie, sobald ich herauskam, eilig davon, und mein Mann ermahnte mich, sie nicht noch mehr in Rage zu bringen. Als ich sagte, meiner Ansicht nach wolle sie sich bei mir entschuldigen, lachte er nur und meinte, ich sei naiv.
An dem Abend, als sie starb, fiel ein eisiger Regen. Die tief gebeugten Bäume, die die beiden Bürgersteige säumten, waren schwarz und troffen vor Nässe; die Straße wirkte finster und unheimlich, als ich, von der Hauptstraße kommend, in sie einbog. Auf der anderen Seite blieb kurz ein Paar unter einer der wenigen Straßenlaternen stehen, dann trennte es sich, der Mann ging geradeaus weiter, die Frau eilte vor mir quer über die Straße. Ich zog meinen aufgestellten Mantelkragen höher, um den stechenden Regen nicht ins Gesicht zu bekommen, bevor ich auf die Fahrbahn hinuntertrat und durch die herabströmenden Wassermassen zu unserem Haus hinüberrannte.
Annie lag am Rand des gelben Lichtscheins der Laterne in einer Lücke zwischen zwei geparkten Autos, und ich weiß noch, dass ich mich wunderte, wieso das Paar vorhin sie nicht bemerkt hatte. Aber vielleicht hatten sie sie ja auch bemerkt und ignoriert, weil sie genau wie ich glaubten, sie wäre betrunken. Ich hielt an und rüttelte sie an der Schulter, aber sie schrie auf bei der unsanften Berührung, und ich sprang sofort zurück. Sie hielt ihren Kopf mit beiden Armen umschlungen und hatte die Knie bis zum Kinn hochgezogen, und ich nahm an, sie wollte sich vor dem Regen schützen. Als ich den durchdringenden Uringeruch wahrnahm, vermutete ich, sie hätte einen Unfall gehabt, aber ich schreckte davor zurück, sie zu säubern, und erklärte ihr stattdessen, ich würde nach Hause laufen und den Rett
ungsdienst anrufen.
Glaubte sie, ich würde nicht zurückkommen? Senkte sie deshalb die um den Kopf geschlungenen Arme und hob ihren schmerzerfüllten Blick zu mir? Ich habe keine Ahnung, ob das der Moment ihres Todes war - man sagte mir später, wahrscheinlich sei er es gewesen, da sie am Kopf so schwere Verletzungen davongetragen hatte, dass jede Bewegung lebensgefährlich gewesen wäre -, aber ich weiß, dass ich nie wieder eine so intensive Nähe zu einem anderen Menschen spüren werde. Ich fühlte alles, was sie fühlte - Kummer, Angst, Hoffnungslosigkeit, Leiden - und am erschütterndsten die Frage, warum irgendjemand den Wunsch gehabt haben sollte, sie zu töten. War ich denn nicht liebenswert?, schien sie zu fragen. War ich böse? War ich weniger wert, weil ich anders bin?
Viele Stunden später begann die Polizei an den Worten meines wirren Berichts zu rütteln. Hat Miss Butts all diese Dinge tatsächlich gesprochen? Nein. Hat sie eine direkte Beschuldigung vorgebracht? Nein. Hat sie denn überhaupt etwas gesagt? Nein. Haben Sie jemanden davonlaufen sehen?, Nein. Es gibt also, abgesehen von einem ungläubigen Blick der Verstorbenen, keinerlei Indizien, die Ihre Behauptung, hier sei ein Mord geschehen, stützen würden? Nein.
Ich konnte ihnen ihre Skepsis nicht übel nehmen. Ihr Einwand, es sei höchst unwahrscheinlich, dass ich Annies Blick in diesem Moment auch nur halbwegs zutreffend hätte interpretieren können, war ja richtig. Es sei immer schwierig, sagten sie, sich mit einem plötzlichen Todesfall auseinander zu setzen, weil die dadurch hervorgerufenen Emotionen äußerst komplex seien. Sie wollten mir einreden, ich sei ein Opfer meiner eigenen durch den Schock der Entdeckung überreizten Phantasie, und boten mir psychologische Betreuung zur Überwindung des posttraumatischen Stresses an. Ich lehnte ab. Ich wollte nur Gerechtigkeit. Ich war überzeugt, dass sämtliche Nachwirkungen des Schocks, die mich noch plagten, sich schlagartig verflüchtigen würden, sobald Annies M
örder gefasst und verurteilt waren.
Doch dazu kam es nie.


Nach Würdigung der Obduktionsbefunde und der Zeugenaussagen, die im Lauf einer zweiwöchigen polizeilichen Untersuchung gesammelt worden waren, fällte der Coroner seinen Spruch und befand, dass Annies Tod ein tragischer Unfall gewesen sei. Er zeichnete das Bild einer Frau, die selbst in nüchternem Zustand größte Mühe gehabt hatte, sich in der Wirklichkeit zurechtzufinden, und an dem fraglichen Abend zu allem Überfluss stark getrunken hatte. Im Blut der Toten hatte man einen hohen Alkoholgehalt nachgewiesen, und vorüberkommende Autofahrer sowie mehrere Nachbarn hatten Ann Butts auf der Straße herumtorkeln sehen. Einer sagte aus, er habe versucht, sie zum Heimgehen zu überreden, jedoch aufgegeben, als sie ihn zu beschimpfen begann. Ihre Verletzungen - vor allem der Schädelbruch und die Fraktur des linken Armes - ließen unzweifelhaft darauf schließen, dass sie mit einem schweren Fahrzeug zusammengeprallt war, wahrscheinlich mit einem vorüberfahrenden Lastwagen, der sie zwischen die geparkten Autos und gegen den Laternenpfahl geschleudert hatte. In Anbetracht der schweren Regenfälle am fraglichen Abend war es nicht verwunderlich, dass weder Blut, Haare noch Gewebespuren an dem Laternenpfahl gefunden worden waren.
Der Tatsache, dass kein Autofahrer den Unfall bei der Polizei gemeldet hatte, wurde keine Bedeutung beigemessen. Es war dunkel gewesen, es hatte in Strömen geregnet, die geparkten Fahrzeuge sorgten für unübersichtliche Verhältnisse, die Straßenbeleuchtung war unzureichend. Mit einem Seitenhieb auf den Gemeinderat, der es zulasse, dass schlecht beleuchtete Straßen in ärmeren Gegenden zu Schleichwegen für den Schwerverkehr wurden, schloss der Coroner sich der polizeilichen Auffassung an, dass Miss Butts vom Bürgersteig gestolpert und direkt gegen einen vorüberkommenden Lastwagen gefallen sei, ohne dass der Fahrer es wahrscheinlich überhaupt bemerkt hatte; angesichts der Schwere der Ver
letzungen allerdings, die Ann Butts davongetragen hatte, war zu bezweifeln, dass sie nach dem Zusammenstoß noch länger als fünfzehn bis höchstens dreißig Minuten gelebt haben konnte.
Es sei ein trauriger Fall, erklärte der Coroner, der wieder einmal die dringende Notwendigkeit aufzeige, die Gefährdeten in einer modernen Gesellschaft in ihrem eigenen Interesse durch Ausübung eines gewissen Zwangs zu schützen. Es gebe klare Beweise dafür - der verwahrloste Zustand ihrer Wohnung, als die Polizei diese am Tag nach ihrem Tod betrat, ihre Alkoholabhängigkeit -, dass Ann Butts nicht in der Lage gewesen sei, angemessen für sich selbst zu sorgen, und seiner Meinung nach wäre sie heute noch am Leben, wenn Sozial- und Gesundheitsamt sie hätten zwingen können, Hilfe anzunehmen. Die Zeugin, die Ann Butts gefunden hatte, habe eine rassistische Kampagne der Nachbarn gegen die Frau unterstellt, es gebe jedoch keinerlei Indizien, die das bestätigten, und er, der Coroner, gehe davon aus, dass das Handeln der Nachbarn einzig von der Sorge um das Wohlergehen von Ann Butts bestimmt gewesen sei. Schließlich und trotz des eigensinnigen Beharrens besagter Zeugin darauf, dass Ann Butts absichtlich vor ein fahrendes Fahrzeug gestoßen worden sei, sei er zu dem eindeutigen Urteil gekommen, dass Ann Butts das Opfer eines Unglücksfalls geworden sei. Fall erledigt-


Kurz danach wurde ich krank und musste mehrere Tage das Bett hüten. Ich erklärte dem Arzt, der mich besuchte, ich hätte die Grippe, aber er diagnostizierte eine Depression und verschrieb Beruhigungsmittel, die ich nicht nahm. Es kam so weit, dass mir schon das Läuten des Telefons Angst machte; beim kleinsten Geräusch fuhr ich aus meinem Sessel hoch. Sam, mein Mann, brachte mir anfangs teilnehmendes Verständnis entgegen, wollte aber nichts mehr von der Sache wissen, als ich bald darauf zum Schlafen ins Gästezimmer umzog und von Ratten in der unteren Toilette zu reden begann. Etwas später entwickelte sich bei mir eine l
eichte Agoraphobie, und es fiel mir zunehmend schwerer, zur Arbeit zu gehen. Ich unterrichtete an einer örtlichen Gesamtschule, und meine überlasteten Kollegen zeigten noch weniger Verständnis als Sam, als ich erklärte, ich fühlte mich von den tobenden Kindern auf dem Flur bedroht. Nach einigen Wochen ging ich überhaupt nicht mehr zur Schule.
Die Entwicklung der Dinge - von Annies Tod bis zum Verlust meiner Stellung - führte zu einer Entfremdung zwischen mir und Sam, der wochenlang vorsichtig um mich herumschlich und schließlich dazu überging, über Stunden mit meiner Mutter zu telefonieren. Er achtete zwar stets darauf, die Tür zu schließen, aber durch die papierdünnen Wände konnte ich dennoch hören, was er sagte, wenn ich mir die Mühe machte zu lauschen. Die am häufigsten wiederholten Bemerkungen lauteten: - kein Zusammenleben mehr möglich- -eindeutig ein Nervenzusammenbruch- -fixe Ideen von Ratten- -blödsinniges Getue wegen einer verdammten Schwarzen- -Scheidung-
Irgendwann im Februar reisten meine Eltern aus Hampshire an, wo sie lebten. Sam war drei Wochen vorher ausgezogen, schlief jetzt bei einem Freund auf dem Sofa, und unsere Ehe war praktisch hinüber. Mein Vater war so klug, sich nicht einzumischen, aber meine Mutter konnte es nicht lassen, Sams Partei zu ergreifen. Sie entstammt einer Generation von Frauen, die fest davon überzeugt ist, dass die Ehe der Schlüssel zum weiblichen Glück ist, und erklärte mir unmissverständlich, wenn ich Sam unbedingt hinausekeln wolle, dann könne ich auf Unterstützung von ihr und meinem Vater nicht rechnen. Ich hätte, sagte sie, wegen meines befremdlichen Verhaltens bereits meine Freunde verloren- Ich sähe aus wie eine Magersüchtige- Ich hätte keine Arbeit- schlimmer noch, ich hätte gar keine Aussicht, wieder Arbeit zu finden, solange ich mich Tag und Nacht im Haus einschlösse. Was ich eigentlich vorhätte? Wohin ich gehen wolle?
Ich reagierte nur mit gebremstem Zorn darauf, dass sie unbesehen alles glaubte, was Sam
ihr erzählte, und schlug ihr vor, sie solle wenigstens einmal im Leben die Ehrlichkeit eines Mannes in Frage stellen. Das wirkte wie ein rotes Tuch. Über Sex - oder den Mangel daran, der wahre Grund für Sams Vorwürfe gegen mich - konnten wir nicht reden, dieses Thema war zwischen uns tabu; also hielt sie mir stattdessen einen Vortrag darüber, wie unverantwortlich ich mich gehen ließe: Ich hielte es nicht für nötig, meinem hart arbeitenden Mann eine anständige Mahlzeit zu kochen; ich vernachlässige das Haus; meine zwanghafte Besessenheit vom Tod einer Farbigen sei absurd.





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