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Wenn - aber dann

Vorletzte Gedichte. Mit Fotos. Lesebändchen.
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Produktdetails
Titel: Wenn - aber dann
Autor/en: Peter Rühmkorf

ISBN: 349805757X
EAN: 9783498057572
Vorletzte Gedichte.
Mit Fotos.
Lesebändchen.
Rowohlt Verlag GmbH

10. September 1999 - gebunden - 128 Seiten

Wer etwa meint, daß die zeitgenössische Poesie keine direkt zu Ohren gehenden Wahrsprüche mehr in die Welt entließe, kann sich hörbar eines anderen belehren lassen. Peter Rühmkorfs neuer Lyrikband führt sich nicht gerade als unfrohe Botschaft ein. Die bühnen- bis büchmannreifen Schmetterbälle hallen nach wie vor, und seinem geselligen Witz wie seiner sinnlichen Frische ist nichts anzuhaben. Der kühn auf Entscheidung drängende Schmiß hat Programm, wobei jedes Gedicht die Probe aufs Exempel von neuem versucht. «Könnt ihr, ohne nachzuäffen, / auf den Punkt den Lichtblick treffen», heißt es mit einem satirischen Seitenhieb auf die Anythinggoes-Moderne, «der wo alles fließt und treibt, / als Verheißung haften bleibt?!» Am erstaunlichsten scheint dabei, daß ein erklärter Wortvirtuose es offenbar gar nicht so sehr auf die weitere Verfeinerung seiner Ausdrucksmittel angelegt hat - Verwandlung und Vereinfachung heißen die Zauberwörter. Dazu hat der Dichter sich nicht unbedingt umkrempeln müssen. Im sicheren Besitz aller technischen Fertigkeiten, hat er sich eine Lust aus dem Risiko gemacht, die vertrauten Strophenformen unvermutet aufzulockern und sich mit ungeniert hingeschlenkerten Capriccios oder scheinbar kinderleichten Bagatellen einen neuen Spielraum zu erobern.
wurde am 25.10.1929 in Dortmund geboren. Er studierte von 1951-58 Germanistik und Psychologie in Hamburg und schrieb ab 1953 schrieb unter Pseudonym für den «studentenkurier» (später «konkret») die Kolumne «Lyrikschlachthof». 1958-63 Verlagslektor, 1964/65 Stipendiat der Villa Massimo in Rom. 1969/70 Gastvorlesungen in den USA, 1985/86 Gastdozent an der Universität Paderborn. Freier Schriftsteller. 1979 Erich-Kästner-Preis, 1980 Bremer Literaturpreis, 1986 Arno Schmidt-Preis, 1987 documenta-Schreiber Kassel. Rühmkorf war korrespondierendes Mitglied der Akademie der Künste der DDR und erhielt 1988 den Heinrich-Heine-Preis (DDR).
<trenner>Ehrendoktor der Universität Gießen 1989. Georg-Büchner-Preis 1993. Sein erster Gedichtband "Irdisches Vergnügen in g" lässt bereits die Virtuosität seiner Wortkunst erkennen: er parodiert, persifliert vorgegebene Gedichtformen, kombiniert sogenannte Hochsprache mit Slang und saloppem Umgangsdeutsch, reißt Wörter aus dem gewöhnlichen Kontext und stellt sie in neue Zusammenhänge. Das Raffinement von Rühmkorfs Verssprache ist von keinem seiner Zeitgenossen bisher erreicht. Was die Publikationsform seiner Werke angeht, bevorzugt Rühmkorf eine Mischform:
<trenner>Seinen Gedichtbänden gibt er Essays bei, die fast immer das Handwerk des Dichters reflektieren. "Walther von der Vogelweide","Klopstock und ich" sowie sowie "Strömungslehre I" enthalten wechselseitig sich spiegelnde Gespräche, Briefe, Aufsätze über Dichtkunst, zumal über die Modalitäten der zeitgenössischen Schriftstellerexistenz, dazu eigene Gedichte und im ersten Band auch Gedichte Walthers von der Vogelweide in der Übertragung von Rühmkorf. - "Die Jahre die Ihr kennt" kombiniert autobiographische Reminiszenzen des Autors mit eigenen Rezensionen, politischen Pamphleten und eigenen Gedichten. Seit 1999 erscheint eine Ausgabe seiner Werke. Peter Rühmkorf verstarb am 8. Juni 2008.

Ein deutsches Dichterleben "Ich sollte, wollte etwas über Benn schrei-ben. Fand keinen Anfang. Ging herum. Nach eini-gen Tagen träumte ich von ihm." Während es mir genauso mit Rühmkorf geht, lese ich diese Zeilen in einem Prosagedicht von Walter Hemut Fritz und habe nun - endlich! - den Anfang! Dem 1929 geborenen Peter Rühmkorf, einem der erfolgreichsten (und auch po-pulärsten) Lyriker hierzulande, haben Verlage im Jahre 1999 gleich meh-rere Publikationen gewidmet: die eine bereits von der Aufmachung her schöner als die andere... Vor mir liegt: WENN - ABER DANN, im Untertitel: vorletzte Gedichte. 1959 erschien die erste Gedicht-sammlung Rühmkorfs (Irdisches Ver-gnügen in g) und nun also - 40 Jahre danach - die vor-letzte: ein langer Atem... Der Untertitel erinnert mich an den Biertrinker, der nicht von der Theke loskommt und auf die überflüssige Frage, das wievielte Bier er denn nun bestelle, stets antwortet: das vorletzte. Das ist typisch Rühmkorf (und Sie merken schon: Sie haben es bei ihm mit einem vershörigen Menschen zu tun!): Bereits der bunte Buchdeckel - auf dem sich der Autor als selbstkritischer (selbstironischer?) und gleichzeitig (scheinbar) (nach-)lässiger Dichter outet: eine Collage aus einem originalen Schreibmaschinenblatt mit Korrekturen von Hand, deren Tinte zerläuft - gibt die Rühmkorfsche Marschdichtung an: er ist ein lyrischer Wattenläufer, der sich gleichzeitig im Nas-sen und Trockenen aufhält, der den anti-nomischen Unaus-weichlichkeiten und Unlösbarkeiten nicht aus dem Wege geht, sondern sie augenzwinkernd spöttisch in seinen in mancherlei Hinsicht gebro-che-nen Versen beschrei(b)t. Bei einem Pier Paolo Pasolini heißt das bitterernst und lakonisch: amando il mondo che odio (ich liebe die Welt, die ich hasse), während Peter Rühmkorf, der bestimmt ganz ähnlich empfindet, stets dem legeren, lockeren, luftigen Ton treu geblieben ist - einschließlich sarkastischer, ja, auch: zynischen Schlenker. Man könnte fortwährend lachen, wenn's nicht so zum Weinen wäre: Wiedermal so ein Jahr den Styx hinunter, beinah ohne Blutvergießen, bravo! Die ihm vielfach verlie-henen Preise haben es nicht vermocht, des Dichters Rückgrat zu brechen und Dinge aus einer verantwortlichen Gruppe der Gesellschaft zu überschreiben, die ihm die Preise verliehen hat (und der er ja auch selbst ange-hört). Seit über 40 Jahren diesem Zwiespalt ausgesetzt (dem die meisten von uns ausgesetzt sind), kommentiert, kabarettiert, paodiert König Rühmkorf (der sein eigener Narr ist) auf seine virtuose, zumeist gereimte Art und Weise - mittler-weile natürlich höchst routiniert auch sich selbst (was durchaus folgerichtig ist: Waren es beim jungen Rühmkorf notwendigerweise u.a. die "Klassiker" Claudius, Klopstock & Co., hat sich dieser Rückgriff nach über 40 Jahren Poeterey ja gleichsam von selbst erledigt) und schlägt nach wie vor die unorthodoxen Haken vom intellektuellen zum alltäglichen Vokabular - ohne Rücksicht auf eigene oder fremde Verluste die nichts als neurotische "Spezies Zeitgenosse" ganz cool in die Pfanne hauend! Seine Vorbilder und lyrischen Lieblinge hat er übrigens nicht vergessen - im Gegenteil, wie nicht nur sein Gedicht "Frommer Wunsch" belegt: Wünsch mir im Himmel einen Platz (auch wenn die Balken brächen) bei Bellmann, Benn und Ringelnatz und wünschte, daß sie e i n e n Satz in e i n e m Atem sprächen: nimm Platz! Wenn es stimmt, daß Bescheidenheit die größte Form der Arroganz ist, so denke ich, daß Peter Rühmkorf einer der unarrogantesten Dichter unter Gottes Sonne ist. Das und vieles, vieles mehr aus der 90er-Jahre-Welt mit ihren lyrischen (liebevollen, natürlichen, politischen, ökologischen, gesellschaftlichen...) Themen und Motiven des Peter Rühmkorf herauszufinden oder zu ganz anderen Bewertungen zu finden gibt es nur einen Weg, liebe Leser: die Anschaffung eines schönen Buches eines Autors, der mit 70 quicklebendig durch die Gegend läuft, sich und seine Zeitgenossen betrachtend, in luftigen Tönen über die Vergänglichkeit räsonnie-rend, gleichzeitig u.a. eine Jahrtausende alte Figur bedichtend, die das Gegenteil zu beweisen scheint... Two girls discover the secret of life in a sudden line of poetry. I who don't know the secret wrote the line. They told me lauten die ersten Strophen von Denise Levertovs The Secret, das das Gedicht als kommunikatives Medium (kontaktiven Spielball?) zwischen Autor (der sein eigenes Gedicht niemals ganz kennen kann - wie er sich selbst nicht kennt) und Leser (der das Gedicht mit seiner Lesart zu sei-nem subjektiven Ende bringt) begreift, was erst lyrische Auseinandersetzung mit Welt möglich macht. Mit jedem der 70, in 6 Kapitel abgeteilten Gedichten aus WENN - ABER DANN packen Sie diese günstige Gelegenheit beim Schopf. Theo Breuer

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