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Jaspers zur Einführung

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Produktdetails
Titel: Jaspers zur Einführung
Autor/en: Werner Schüßler

ISBN: 3885069148
EAN: 9783885069140
Junius Verlag GmbH

Oktober 1995 - kartoniert - 167 Seiten

Karl Jaspers (1883-1969) gilt neben Martin Heidegger zweifellos als der profilierteste Vertreter der sogenannten Existenzphilosophie in Deutschland. Um so erstaunlicher ist es, dass sein Denken bisher kaum wirklich rezipiert wurde. Werner Schüßler zeigt in seiner Einführung, daß das zentrale Anliegen von Jaspers' Denken der Begriff der Philosophie ist. Es geht Jaspers in all seinen Denkbemühungen darum, die Philosophie aus ihrer "Selbstvergessenheit" herauszuführen und ihr ihre eigentlichen Themen wieder zurückzugeben: Existenz und Transzendenz. Damit ist die Philosophie wesentlich unterschieden von der Wissenschaft; sie ist aber auch wesentlich unterschieden von der Religion, da Jaspers die Philosophie als einen "Glauben aus eigenem Ursprung" versteht. Es wird so deutlich, dass für Jaspers Philosophie immer noch mehr ist als ihre Geschichte.
Aus dem Inhalt: Kapitel 0 Einleitung: Die "Selbstvergessenheit" der Philosophie Kapitel I Philosophie und Biographie Kapitel II Philosophie in Abgrenzung zur Wissenschaft Kapitel III Philosophie in Abgrenzung zur Religion Kapitel IV Der Ursprung der Philosophie: Die Grenzsituationen Kapitel V Die Methode der Philosophie: Das Transzendieren Kapitel VI Die eigentlichen "Gegenstände" der Philosophie I: Existenz Kapitel VII Die eigentlichen "Gegenstände" der Philosophie II: Transzendenz Kapitel VIII Das Grundwissen der Philosophie: Die Periechontologie Kapitel IX Die Wahrheit der Philosophie Kapitel X Philosophie und Fortschritt: Die Technik Kapitel XI Philosophie und Macht: Die Politik Kapitel XII Die Geschichte der Philosophie Kapitel XIII Schluß: Die Philosophie in der Welt
Dr. phil. habil. Dr. theol. Werner Schüßler, geb. 1955, seit 1991 Privatdozent für Philosophie an der Universität Trier und seit 1995 gleichzeitig Akademischer Rat für Philosophie an der Theologischen Fakultät Trier. 1987 Gastprofessor für Systematische Theologie an der Laval Universität in Quebec, Canada.

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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Verschossene Pfeile (Kommentar Teil 2) - von Paul-Gerhard Schank - 26.12.2010 zu Werner Schüßler „Jaspers zur Einführung“
Jaspers schlägt einen Weg vor, lehrt einen Pfad, die Philosophie zu beschreiten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Da gibt es nichts zu diskutieren: man beschreitet den Weg, oder man lässt es; man wird von Jaspers angesprochen, oder die innere Resonanz bleibt aus. Schüßler zielt also in die falsche Richtung, wenn er schreibt (S. 69): Mit Jaspers Methode der Philosophie eröffnet sich folgendes grundsätzliche[s] Problem: Die Darlegungen werden dadurch unangreifbar, aber nicht, weil sie so gut begründet wären, sondern weil ein Angriff sie nicht mehr trifft. Denn die Inhalte sind nicht diskutierbar und so gegen jedes gegnerische Argument immunisiert. Das haben Kritiker Jaspers immer wieder zu Recht vorgeworfen. Hier schimmert durch die Poppersche Wissenschaftslogik, innerhalb derer Lösungsvorschläge diskutiert und deshalb gegen solche Diskutierbarkeit immunisierte Theorien abgelehnt werden. Jaspers unterbreitet aber keine Theorie der Philosophie, er ist erklärter Gegner von Systemen. Was Jaspers anbietet, ist eine philosophische Methode, herkömmliche Gegenstandsbereiche zu transzendieren. Keinesfalls steht damit eine falsifizierbare (oder gegen Falsizifizierbarkeit immune) Theorie des Seins im Raum. Sondern es steht jedem frei, andere Weisen der philosophischen Existenzerhellung anzubieten. Es steht auch jedem frei, den Weg Jaspers ergänzen, verbessern, auf neue Art rekonstruieren zu wollen. So wie es auch jenseits von Beethoven und Bartók andere Komponisten gibt, die ihre Musik vorlegen und vielleicht Lehrbücher der Instrumental- und Musikaneignung verfassen. Allerdings kann ich mich der Musik nicht auf unmusikalische Weise nähern, ich kann sie nicht durch mechanisches Tun erreichen, nicht durch empfindungsloses Gehör. So ist es auch nicht möglich, die Philosophie auf unphilosophischem Wege zu betreten. Verhaftetsein an Gegenständlichkeit ist Kennzeichen von Wissenschaft, hat dort ihren Platz und erfüllt ihren Zweck innerhalb des Fortschreitens dieser Form von Erkenntnis, ist aber taub gegenüber der sokratischen Dimension des Nichtwissens und dem transzendierenden Erdenken von Freiheit.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Verschossene Pfeile (Kommentar Teil 1) - von Paul-Gerhard Schank - 26.12.2010 zu Werner Schüßler „Jaspers zur Einführung“
Die referierenden Teile (ca. 95% des Inhalts) sind sehr gut und geben einen fundierten Ein- und Überblick zu Jaspers. Allerdings ist das Büchlein für philosophische Neulinge oder für die Erst-Begegnung mit Jaspers weniger geeignet, da es keinen entsprechenden didaktischen Anspruch verfolgt. Wer mit Jaspers schon bekannt ist, findet hier aber eine sehr gute Zusammenfassung seiner Philosophie. Die kritischen Teile (die ca. 5% des Inhalts ausmachen), in denen Schüßler Jaspers Philosophie ein wenig zu hinterfragen sucht, halte ich hingegen nicht für gelungen. Sie scheinen mir ihr Ziel zu verfehlen, weil Schüßler Jaspers an entscheidenden Stellen offenbar missverstanden hat. Vielleicht ist aber auch der Wunsch handlungsleitend, eine Brücke zu schlagen zwischen Philosophie und Religion, zwischen Jaspers und Tillich. Aus mehreren verschossenen Pfeilen Schüßlers greife ich den heraus, den ich als den bedeutsamsten Fehlschuss ansehe. Doch zuvor hole ich ein wenig aus, um an einem andern Thema beispielhaft zu machen, inwiefern ich Schüßlers Einwand für einen Pfeil gegen die falsche Zielscheibe halte. Wenn ich mich der Musik nähern möchte, muss ich irgendwo beginnen - mit konkreter Musik, mit mehr oder weniger geplanten Schritten. Ich kann mich jemand anvertrauen, dessen Musik oder dessen Hörweise mir entgegenkommt, mich anspricht. Ich kann mich beispielsweise auf den Mikrokosmos von Béla Bartók einlassen, kann mich an die Hand genommen glauben von einem Lehrer mit feinem Gehör jenseits bis dahin allgemein etablierter Rhythmik und Harmonik. So betrete ich die Welt der Musik auf einem Weg, der nicht zu den ausgetretenen gehört, sondern eher zu den besonderen Pfaden. Andere Musiker, andere Lehrer führen mich andere Wege, andere Pfade. Sollten sie miteinander ausdiskutieren, welcher der beste sei, und sich dann auf diesen einigen? Oder ist es nicht vielmehr meine eigene Aufgabe, den für mich gangbaren Weg selbst zu finden, vielleicht auch mehrere Wege probierend, gar mehr als einen Weg für längere Zeit beschreitend? Vielleicht erklimme ich gleichzeitig durch die Begegnung mit Beethovens Oeuvre einen anderen Gipfel, halte andere Umschau. Mit der Philosophie verhält es sich ganz ähnlich. Jaspers schlägt einen Weg vor, lehrt einen Pfad, die Philosophie zu beschreiten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Da gibt es nichts zu diskutieren: man beschreitet den Weg, oder man lässt es; man wird von Jaspers angesprochen, oder die innere Resonanz bleibt aus. Schüßler zielt also in die falsche Richtung, wenn er schreibt (S. 69): Mit Jaspers Methode der Philosophie eröffnet sich folgendes grundsätzliche[s] Problem: Die Darlegungen werden dadurch unangreifbar, aber nicht, weil sie so gut begründet wären, sondern weil ein Angriff sie nicht mehr trifft. Denn die Inhalte sind nicht diskutierbar und so gegen jedes gegnerische Argument immunisiert. Das haben Kritiker Jaspers immer wieder zu Recht vorgeworfen. --] weiter in Teil 2
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