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Theodor Christlieb (1833-1889)

Die Methodisten, die Gemeinschaftsbewegung und die Evangeli…
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Produktdetails
Titel: Theodor Christlieb (1833-1889)
Autor/en: Karl Heinz Voigt

EAN: 9783767530584
Format:  PDF
Die Methodisten, die Gemeinschaftsbewegung und die Evangelische Allianz. Vorw. v. Jörg Ohlemacher.
Dateigröße in MByte: 4.
Edition Ruprecht

Januar 2008 - pdf eBook - 332 Seiten

Der Bonner Professor Theodor Christlieb war der entscheidende Impulsgeber zur Organisation der Gemeinschaftsbewegung im Gnadauer Verband. Die Sicht auf den "Gründervater" - auch des Johanneums in Wuppertal - hat sein Bild bisher verzerrt. Es gewinnt durch die Aufsätze dieses Bandes eine unerwartete ökumenische Weite. Dadurch fällt auf Christliebs Bedeutung für den Verlauf der Frömmigkeitsgeschichte neues Licht. Die bisher unbeachtete Rolle des in Deutschland aufkommenden Freikirchentums, besonders des kirchenbildenden Methodismus, eröffnet für das Verständnis der Gemeinschaftsbewegung und für den Verlauf mancher Entwicklungen innerhalb des Protestantismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neue Perspektiven. Das Vorwort von Jörg Ohlemacher zeigt die Bedeutung Theodor Christliebs für die Pietismus-Forschung auf. Essays on Theodor Christlieb (1833-1889), an influential figure for the evangelical movement in Germany, with a focus on his role in the emerging German Methodism.
1;Geleitwort;6 2;Inhaltsverzeichnis;9 3;Einleitung;14 4;1 Theodor Christlieb als Frühökumeniker;20 4.1;Im 19. Jahrhundert mit ökumenischem Weitblick denken und handeln;20 4.2;1.1 Biographische Skizze;20 4.3;1.2 Auf dem Weg zu ökumenischem Denken und Handeln;22 4.3.1;1.2.1 Erste Erfahrungen im heimatlichen Württemberg;22 4.3.2;1.2.2 Horizont-Erweiterung in London;26 4.4;1.3 Christlieb und die gelebte Einheit;29 4.4.1;1.3.1 Die 6. Weltkonferenz der Evangelical Alliance in New York (1873);31 4.4.2;1.3.2 Die 7. Weltkonferenz der Evangelical Alliance in Basel (1879);35 4.4.3;1.3.3 Die 8. Weltkonferenz der Evangelical Alliance in Kopenhagen (1884);38 4.5;1.4 Christlieb und die Evangelische Allianz in Deutschland;40 4.6;1.5 Christlieb und Johann Hinrich Wichern mit der Inneren Mission;43 4.7;1.6 Mission in sechs Kontinenten als zentrales Anliegen;45 4.8;1.7 Mission durch die ganze Kirche Evangelisation durch Laien;47 4.8.1;1.7.1 Die Haltung der preußischen Kirchenleitung (1882/1884);49 4.8.2;1.7.2 Die Rolle der Laien aus Sicht der Inneren Mission (1889);52 4.8.3;1.7.3 Noch einmal: die preußische Kirchenleitung (1889);53 4.8.4;1.7.4 Christlieb: Ein Fortschritt in der Entwicklung (1888);54 4.9;1.8 Christlieb und die methodistischen Kirchen;57 4.10;1.9 Entfremdung unter Kollegen;63 4.11;1.10 Mit Weitblick ein ökumenischer Vorläufer;66 5;2 Die Neuevangelisierung der längst Entchristlichten ein Ziel Christliebs von 1888;70 5.1;Evangelisation in Landeskirchen, Freikirchen und Gemeinschaftsbewegung;70 5.2;2.1 Wer war Theodor Christlieb?;71 5.3;2.2 In England anvertraute Pfunde;72 5.4;2.3 Kontakte zu Wicherns innerer Mission;74 5.5;2.4 Christliebs späteres Verständnis von Evangelisation;77 5.6;2.5 Christliebs Weg zur klassischen Evangelisation;84 5.7;2.6 Organisatorische Vorbilder und Anstöße;87 6;3 Schlümbach, Christlieb und die Evangelisation in Deutschland;98 6.1;Zur Bildung des Deutschen Evangelisationsvereins;98 6.2;3.1 Evangelisation als Mitte der Praktischen Theologie Chris
tliebs;98 6.3;3.2 Der Wandel seines ökumenischen Leitbilds;99 6.4;3.3 Angelsächsische Evangelisation: Information durch Literatur;100 6.5;3.4 Angelsächsische Evangelisation in Deutschland: Schlümbach;102 6.6;3.5 Schlümbachs Wirken am Hermannsdenkmal als Vorbild?;104 6.7;3.6 Großstadt-Evangelisation im Stile Moodys mit Schlümbach in Berlin;105 6.8;3.7 Das Problem Schlümbach;108 6.9;3.8 Im Vorfeld der Bildung des Evangelisationsvereins;109 6.10;3.9 Entfremdung wegen progressiver Positionen;113 6.11;3.10 Die Weichenstellung in Richtung Deutscher Evangelisationsverein;114 6.12;3.11 Ziel und Aufgabe des Vereins als landeskirchen-orientiertes Werk;116 6.13;3.12 Die Einladung nach Gnadau 1888 und deren Folgen53;119 6.14;3.13 Auswirkungen und Rückwirkungen;120 7;4 Unterwegs nach Gnadau 1888;126 7.1;Stationen von Professor Dr. Theodor Christlieb;126 7.2;4.1 Zur Aufgabenstellung;126 7.3;4.2 Theodor Christlieb sechs Jahre in London;131 7.4;4.3 Stationen auf dem Weg zwischen London und Gnadau;132 7.4.1;4.3.1 1873: New Yorker Weltkonferenz der Allianz und die Freikirchen in Deutschland;132 7.4.2;4.3.2 1875: Robert Pearsall Smith in Wuppertal 29;133 7.4.3;4.3.3 1876/77: Die Westdeutsche Evangelische Allianz;135 7.4.4;4.3.4 1882: Zur methodistischen Frage;136 7.4.5;4.3.5 1882/83 Friedrich von Schlümbach: auf landeskirchlichen Kanzeln;143 7.4.6;4.3.6 1882/85: Christlieb im Urteil seiner eigenen Kirche;146 7.4.7;4.3.7 Evangelisation und Laientätigkeit als Themen der Zeit;158 7.4.8;4.3.8 1884: Auf dem Weg zum Deutschen Evangelisationsverein;160 7.4.9;4.3.9 1887/88: Einladungsschreiben nach Berlin und Gnadau;164 7.5;4.4 Abschließende Erwägungen.;168 7.5.1;4.4.1 Zur Organisation der Gemeinschaftsbewegung;168 7.5.2;4.4.2 Theologische Aspekte;170 7.5.3;4.4.3 Separierende Entwicklungen nach Gnadau 1888;173 7.6;Ein notwendiger Anhang zum Thema Proselytismus;177 8;5 Theodor Christlieb, die methodistischen Kirchen und die Gemeinschaftsbewegung;182 8.1;Ist die Bezeichnung Neupietismus für die
Gnadauer historisch haltbar?;182 8.2;5.1 Gemeinschaftsbewegung: Neupietismus oder Methodismus?;182 8.3;5.2 Die Problemstellung;184 8.4;5.3 Förderer der Evangelisation Stratege der Gemeinschaftsbewegung;186 8.5;5.4 Evangelisation der methodistischen Kirchen in Deutschland;189 8.6;5.5 Ein Ansatz Christliebs für die Organisation der Gemeinschaften;192 8.7;5.6 Die Wurzeln der Deutschen Gemeinschaftsbewegung;208 8.8;5.7 Auswirkungen des Methodismus;210 8.9;5.8 Zusammenfassung;215 8.10;Beobachtungen über Nachwirkungen in methodistischer Literatur;217 9;6 Theodor Christlieb und die Evangelische Allianz;224 9.1;Evangelische Allianz zur Disziplinierung der Außerkirchlichen?;224 9.2;6.1 Die Evangelische Allianz in Westdeutschland;226 9.3;6.2 Die Heiligungsbewegung als Impulsgeber (1875);227 9.4;6.3 Robert Pearsall Smith in Wuppertal (1875);227 9.5;6.4 Die Evangelische Allianz in Deutschland bis 1870;229 9.6;6.5 Die Bildung der Westdeutschen Evangelischen Allianz;231 9.7;6.6 Von der Heiligungsbewegung zur Allianzkonferenz in Wesel (1876);232 9.8;6.7 Die erste freie evangelische Versammlung in Köln 1877;233 9.9;6.8 Zum ökumenischen Umfeld der Kölner Gründung;236 9.10;6.9 Christliebs Allianz-Idee: Gegenseitige Anerkennung ohne Proselytismus;239 9.11;6.10 Christliebs Allianztätigkeit im Urteil der eigenen Kirche;242 9.12;6.11 Christlieb, die Allianz und die Gemeinschaftsbewegung;250 9.13;6.12 Gemeinschaftsbewegung und Evangelische Allianz;253 9.14;6.13 Christliebs Einfluss in der deutschen Gemeinschaftsbewegung;254 9.15;6.14 Schlussbemerkungen;256 10;7 J. Gottlob Pfleiderers Amerika-Reise 1880 und seine ökumenischen Erfahrungen;262 10.1;Beobachtungen im Vorfeld der Gemeinschaftsbewegung;262 10.2;7.1 Über die illustre Gesellschaft der Bildergalerie;263 10.3;7.2 Pfleiderer zwischen Christlieb und Nast: Meinungen und Positionen;267 10.4;7.3 Pfleiderers Rede in Philadelphia;272 10.5;7.4 Pfleiderers ökumenische Amerika-Erfahrungen;280 10.6;7.5 Das Echo auf die Amerikanischen Reisebil
der;286 11;8 Bibliographie zu Theodor Christlieb;296 11.1;8.1 Werke von Theodor Christlieb;296 11.2;8.2 Lexikonbeiträge;302 11.3;8.3 Beiträge in Neue Evangelische Kirchenzeitung, Berlin.;303 11.4;8.4 Mitherausgeber;304 11.5;8.5 Literatur über Theodor Christlieb;304 11.6;8.6 Lexikon-Beiträge über Theodor Christlieb;314 12;9 Erstveröffentlichungen;315 13;Abkürzungen;317 14;10 Register;318 14.1;10.1 Namensregister;318 14.2;10.2 Sachregister;324 14.3;10.3 Ortsregister;327 15;Anhang;331 16;Quellenhinweise;332


Karl Heinz Voigt lebt als Pastor im Ruhestand in Bremen.

4 Unterwegs nach Gnadau 1888 (S. 113-114)

Stationen von Professor Dr. Theodor Christlieb

Die Erforschung der Gemeinschaftsbewegung ist für die Freikirchen und hier wiederum für die Kirchen methodistischer Tradition von größtem Interesse. Grund dafür ist eine gegenseitige Beeinflussung, der bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

4.1 Zur Aufgabenstellung

Innerhalb dieses Beitrags ist es lediglich möglich, einen Strang innerhalb des Netzes der Beziehungen der entstehenden Gemeinschaftsbewegung ins Blickfeld zu rücken. An ihm soll einleitend aufgezeigt werden, welche Akzentverschiebungen im Laufe der Zeit erfolgt sind.

Paul Fleisch, ein bewusst lutherischer Theologe, hat die verschiedenen frühen Phasen der Gemeinschaftsbewegung geradezu zeitgeschichtlich begleitet. In seiner bereits 1903 in erster Auflage erschienen Studie Die moderne Gemeinschaftsbewegung in Deutschland versucht er dieselbe „nach ihren Ursprüngen darzustellen und zu würdigen.“ Fleisch zeigt die Vielfalt der Gemeinschaftsbewegung auf und erwähnt viele Zuflüsse, die ihre Gestalt, ihr Wesen und ihre Praxis beeinflusst haben. Darunter erkennt er dem Methodismus zweifellos eine besondere Rolle zu. Im „Gegensatz gegen den Pietismus“, der kaum eine organisatorische Gestalt fand, sei gerade die Organisation der modernen Gemeinschaftsbewegung eine Eigentümlichkeit, die „vom Methodismus direkt oder mindestens indirekt beeinflusst“ worden sei. Die Gestalt der entsprechend organisierten „modernen Gemeinschaftsbewegung“ charakterisiert er als Gemeinschaftsbewegung, als Evangelisationsbewegung und als Heiligungsbewegung.

In einem „abschließenden Resultat“ kommt Fleisch – nicht ohne eine Spannung zwischen den Gemeinschaften und dem Luthert
um anzumerken – zu dem Ergebnis, „daß gerade diese dreifache Eigentümlichkeit aus dem Methodismus kommt und in die alten pietistischen Gemeinschaften eingetra-gen ist.“ Als gravierende Differenz zwischen Gemeinschaftsbewegung und lutherischer Kirche stellt er fest, dass nicht nur die Heiligungslehre „mit Kardinalsätzen unserer Kirche streitet“, sondern grundlegender „sogar mit dem articulus stantis et cadentis ecclesiae“ auf Kriegsfuß steht. Aus dieser theologischen Differenz heraus weist Fleisch mit Sorge darauf hin, die Landeskirchen mögen nicht „in Poltern und Verketzern, vor allen Dingen nicht in Gewaltmaßregeln“ die Bewegung abweisen. Man möge „nicht die Entwicklung nach der anderen, separatistischen Seite hin“ befördern. Fleisch wirbt dafür, dass man der Bewegung „nicht im Voraus den Weg zur Landeskirche verbauen“ solle. Diese Hoffnung schließt seine theologische Kritik nicht aus. Er widmet der „Würdigung der Gemeinschaft, speziell der organisierten Gemeinschaft vom lutherischen Standpunkt aus“ ein ganzes Kapitel. Darin kommt er u.a. zu dem Ergebnis, dass Pietismus und Methodismus einige Positionen vertreten, „die Luther als ´Rotterei´ bezeichnen würde.“ Fleisch denkt dabei insbesondere an den Donatismus, den er als Versuch interpretiert, die wahre Kirche darstellen zu wollen, was wiederum zur Folge habe, dass „jede wirklich innere Verbindung von Landeskirche und wahrer Kirche“ hinfällt. Damit werde die Landeskirche zum Missionsfeld und gegenüber dem ordentlich berufenen Amt erwachse Gleichgültigkeit. Dies sei nach Luthers Urteil „Rotterei“.

So sieht Fleisch den Weg der Gemeinschaftsbewegung mit Bangen, weil nicht-lutherische Positionen nunmehr organisiert in ihr Raum fänden, aber zugleich hegt er die Hoffnung, dass die Bewegung
nicht in die Separation abgedrängt werde.


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