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Schmetterlingszeit

Mein Weg zum Glück. Originaltitel: When the Heart Waits. …
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Produktdetails
Titel: Schmetterlingszeit
Autor/en: Sue Monk Kidd

ISBN: 3442735750
EAN: 9783442735754
Mein Weg zum Glück.
Originaltitel: When the Heart Waits.
'btb'.
Übersetzt von Monika Zuber
btb Taschenbuch

6. November 2006 - kartoniert - 288 Seiten

Diese anrührende private Geschichte ist Inspiration für all jene, die auf der Suche sind nach Spiritualität und Lebensglück.

In diesem anrührenden und sehr persönlichen Buch erzählt die Bestsellerautorin Sue Monk Kidd, wie sie aus einer persönlichen Krise gestärkt und mit neuer Kraft hervorgegangen ist. Das Geheimnis? Sie hat sich Zeit gelassen. Wie eine Raupe hat sie sich verpuppt, hat das Alleinsein gesucht, die Behaglichkeit von Winterlandschaft und prasselndem Kaminfeuer, sie hat nachgedacht, hat ihrem Lebensthema nachgespürt. Mit neuer Kraft, befreit wie ein Schmetterling aus dem Kokon, ist sie zurückgekehrt.
Ein Buch für alle, die den Kontakt zu ihrer spirituellen Seite suchen und eine weise Ratgeberin an ihrer Seite wünschen.



Sue Monk Kidd hatte sich in den USA bereits mit dem Schreiben von Biografien einen Namen gemacht, ehe "Die Bienenhüterin" erst zum Geheimtipp, dann zum großen internationalen Bestseller wurde, der sich allein in den USA über 6 Millionen Mal verkaufte und in England für den renommierten Orange Prize nominiert war. Auch "Die Meerfrau" stand monatelang auf den Bestsellerlisten. Ihr lange erwarteter neuer Roman "Die Erfindung der Flügel" sorgte in den USA gleich nach Erscheinen für großes Aufsehen und stieg auf Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste ein. Die Filmrechte hat sich Oprah Winfrey gesichert. Sue Monk Kidd lebt mit ihrer Familie in South Carolina.
Schmetterlingszeit schrieb ich aus einem Ort in meinem tiefsten Inneren heraus. Es entsprang der Quelle meiner Erfahrungen der Lebensmitte und meiner spirituellen Reise. Es ist immer besonders schwierig und riskant, wenn man das Bilden der Seele in Worte fassen will. Bei diesem Buch ganz besonders. Es hat mir sehr viel abverlangt. Es schrie regelrecht nach einer schmerzhaften Aufrichtigkeit und Verwundbarkeit, die ich beängstigend fand. Es forderte mich auf, in mein Intimstes vorzudringen, meine Geschichte zu eröffnen und Sie zu etwas einzuladen, was ich nur als gnädige Zusammenkunft von Autor und Leser bezeichnen kann.


Ich habe versucht, mich den heiligen Fragen des Lebens zu stellen, die Reise und das Mysterium der Seele beim spirituellen Wachsen zu begleiten, und ich habe mich dabei durch Abschnitte hindurchbewegt, von deren Existenz viele gar nicht mehr wissen. Sie werden bemerken, dass ich vom Warten erzähle, weil Warten in mancher Hinsicht das fehlende Glied im Verwandlungsprozess darstellt. Damit meine ich nicht die Art von Warten, die wir gewohnt sind, sondern Warten im Sinne einer so leidenschaftlichen wie beschaulichen Feuerprobe, aus der neues Leben und Spiritualität geboren werden.
In den letzten Jahren habe ich mich oft mit anderen über die spirituelle Entwicklung in ihrem Leben ausgetauscht. Sie erzählten mir, dass Gott sie aufgerufen hatte, Fühlung mit ihrem Innenleben aufzunehmen, mit der tiefgründigen und wunderbaren Beschäftigung der Formung der Seele. Dieses Buch ist der Versuch, sie - und Sie - in diesem Bestreben zu unterstützen.
Ich habe mich bemüht, Ihnen einen Weg aufzuzeigen - einen, der auf der Bibel beruht, auf Jahrhunderten christlicher spiritueller Schriften, auf zeitgenössischen geistigen Strömungen sowie der Entwicklungspsychologie. Ich habe versucht, Ihnen sowohl einfache, bodenständige Erfahrungswerte meines eigenen Daseins, als auch Weisheiten der großen christlich-spirituellen Tradition anzubieten. Ich sah
es als meine Aufgabe, sie in einen Bilderteppich aus Erzählungen und Lehren zu verweben, der Ihnen die Augen öffnet für die verwandelnde Christ-Reise, die wir alle antreten sollen.
Meine größte Hoffnung ist es, dass Sie nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem Herzen lesen, denn erst dann geschieht es, dass Gott den Worten eines jeden Autors Musik und Leben einhaucht.
Dieses Buch ist als ein glückhaftes Zusammentreffen vieler Menschen zu verstehen, die mir beim Schreiben geholfen haben. Zu allererst einmal schulde ich meinen Freunden und Kollegen bei Harper & Row größten Dank, die mir bei meiner Arbeit eine enorme Hilfe waren. Insbesondere möchte ich mich bei Rebecca Laird bedanken, die dieses Buch lektoriert und mir mit ihrem Feingefühl eine Umgebung aus kreativer Freiheit, Anleitung und Ermunterung geschaffen hat. Ein besonderes Dankeswort auch an Jan Johnson, deren permanente Unterstützung mir mehr bedeutet hat, als sie ahnt.
Ich fühle mich zahlreichen Freunden, die mich beim Entstehen dieses Buchs unterstützt haben, zu Dank verpflichtet, wie Roy M. Carlisle, der mir dabei geholfen hat, das ursprüngliche Konzept zu entwickeln, und mich immer wieder darin bestärkt hat, meine Vorstellungen in ein Buch umzuwandeln; den Frauen der Grace-Episkopalkirche von Anderson in South Carolina, die mich dazu einluden, sie bezüglich Themen und Material während der Entstehungsphase des Buchs immer wieder anzusprechen, und deren aufmunternde Reaktionen mir neue Energie gaben, um damit fortzufahren; all denjenigen, die auf meiner Reise mit mir gewartet haben und die ich auch im Buch erwähne - John, Betty und Mary Page. Sie waren mit ganzem Herzen meine Zuhörer und haben einen wesentlichen Teil zu meiner Geschichte beigetragen.
Ich danke Betty Blackerby, die für mich zu der Schwester geworden ist, die mir immer gefehlt hat. Ihr Beistand und unser Erfahrungsaustausch haben dieses Projekt beflügelt.
Ich bin meinen Kindern Bob und Ann dankbar für ihre G
eduld mit mir beim Schreiben, wie auch für ihre blühende Fantasie, die in diese Seiten einfließt. Mein innigster Dank gebührt jedoch meinem Mann Sandy, der immer an mich und dieses Buch geglaubt hat. Seine Liebe, Hilfe und Bestätigung waren ein unermessliches Geschenk.
Heute ist der Festtag von Franz von Assisi. Während ich dieses Buch beende, geht mir eine Zeile seines wunderbaren Gebets durch den Kopf: Dass ich das Licht bringe, wo Finsternis waltet. So sei es.
Am Himmel zog eine dunkle Wolkenwand auf und hüllte alles in Grau. Es war Februar, und die Erde in South Carolina schien an den zähen, morastigen Überresten des Winters festzukleben. Ich war schon meilenweit gelaufen, ich weiß nicht mehr, wie weit. Ich spürte weder meine Zehen noch den Wind auf meinem Gesicht. Ich spürte nichts bis auf einen stechenden Schmerz in meiner Seele.
Seit einigen Monaten hatte ich mich in einer unterschwelligen Krise des Geistes verloren. Im vergangenen Herbst war ich in zunehmender Düsternis erwacht und in Missklang, als ob etwas in meinem Innersten aufschreien würde. Ein ganzer Chor von Stimmen. Verwaiste Stimmen. Sie schienen für all meine ungelebten Anteile zu sprechen und die Grenzen meines Daseins sprengen zu wollen, sie brachen mit solcher Wucht und Unvorhersehbarkeit über mich herein, dass ich sie nicht im Zaum halten konnte. Heute weiß ich, dass sie das lautstarke Geschrei eines neuen Selbst waren, das darum kämpfte, geboren zu werden.


Die düstere Mitte des Lebens


Ich stand auf dem unsicheren Gelände der Lebensmitte, kurz vor dem Zeitpunkt im Leben, der einen zu innerlichem Wandel anhält, zur Durchquerung von einer Identität zur nächsten. Wenn die Winde der Veränderung durch unser Leben wehen, besonders in der Lebensmitte, rufen sie uns oft dazu auf, einen neuen Abschnitt auf unserer spirituellen Reise zu begehen: denjenigen, der will, dass wir den verdrängten und unaufrichtigen Orten in uns gegenübertreten und unser tieferes i
nnewohnendes Selbst befreien - das wahre Selbst. Sie fordern uns dazu auf, zu uns zurückzukehren und das anzunehmen, was wir wirklich sind.
In diesem Winter meiner Unzufriedenheit hatte ich keine wirkliche Ahnung von all dem. Ich war perplex über die Umwälzungen, die in mir vor sich gingen. Das konnte mir doch nicht passieren, sagte ich mir. Ich hatte mich schließlich schon einmal auf eine spirituelle innere Suche begeben - eine, die sich vor acht Jahren mit Schmerzen in der Brust und Stress angekündigt hatte. Meine Reise hatte mich zu einer besinnlicheren Lebensweise geführt und mir die erste richtige Ausgeglichenheit in meinem Leben geschenkt, die ich je erlebt hatte. Die Erfahrung, von Gott geliebt zu werden, und das erneuerte Vertrauen in seine Allgegenwart hatten meinem zerstückelten Leben ein großes Stück Heilung beschert.
Mir hätte allerdings klar sein müssen, dass das spirituelle Dasein niemals statisch verläuft. Wir werden irgendwann geboren, nur um zu entdecken, dass in uns ein neues Streben nach Ganzheit heranreift. Das ist die heilige Absicht, uns permanent der Reifung entgegenstreben zu lassen und dazu alles, was in uns verloren gegangen und verwaist ist, erneut aufzugreifen und das göttliche Abbild, das in unserer Seele wohnt, wieder herzustellen. Es ist eher die Ausnahme, dass bedeutende Veränderungen nicht mit einem Verlorengehen in dunklen Wäldern einhergehen, oder wie T. S. Eliot es bezeichnete, in leeren Räumen zwischen den Gestirnen.
Ich bewegte mich durch das trübe Nachmittagslicht, als ob schon das pure Ritual des Einen-Fuß-vor-den-anderen-Setzens mich von meinem Schmerz erlösen könnte. Ich vergrub die Hände tiefer in den Manteltaschen und sah zu, wie der Wind einen Pappbecher den Rinnstein entlangfegte. Ich näherte mich dem College-Gelände. War ich wirklich schon so weit gelaufen? Das Sonnenlicht schwand allmählich. Ich wollte umkehren, doch ich fühlte mich innerlich wie gelähmt, beinahe unfähig, mich zu bewegen.
Ich schlep
pte mich zu einer kleinen Bank zwischen den Bäumen. Während ich dasaß, betrachtete ich eingehend ihre knochigen Arme und spürte ihre Kahlheit, ihr verzweifeltes Streben nach Licht und dem Himmel. Tränen schossen mir in die Augen und brannten auf meinen Wangen. Es ergab keinen Sinn. Ich hatte nie ernsthaft daran geglaubt, dass die Krisen in der Lebensmitte tatsächlich existieren könnten. Sie waren mir immer wie eine Modeerscheinung vorgekommen, wie ein weiteres Stück klischeebesetzter Amerikanismen. Aber jetzt, wo ich mich mitten in einer solchen Krise befand, wirkte sie beängstigend real.
Was mir bisher vertraut gewesen war, empfand ich als erdrückend. Meine Ehe kam mir auf einmal schal und leer vor, mein religiöser Überbau beklemmend. Die Dinge, die einmal von Bedeutung gewesen waren, waren es nicht mehr; andere Dinge, die nie wichtig gewesen waren, plötzlich von größter Tragweite. Mein gesamtes Leben hatte sich in ein beunruhigendes Fragezeichen verwandelt.
Ich bewältigte meine täglichen Aufgaben wie gewohnt: den Morgen und den frühen Nachmittag über schrieb ich, danach holte ich die Kinder aus der Schule ab, beantwortete die Post, ging einkaufen, kochte und arbeitete mich durch die nie enden wollende Liste der Erledigungen hindurch. Ich war schon immer gut darin gewesen, pflichtbewusst zu handeln (selbst in Zeiten der Krise). Nach außen hin wirkte ich völlig ruhig und gefasst, in mir drinnen tobte es.
Mein Mann Sandy war ebenso beunruhigt wie verwirrt über meine Erlebnisse. Er wollte, dass alles wieder so würde wie immer. Er wollte, dass ich endlich da herauskäme. Das habe ich natürlich auch versucht. Ich habe mir selbst mehrmals befohlen, genau das zu tun. Aber es war in etwa so, als ob man einer hereinbrechenden Welle sagt, sie solle zurückweichen. Befehle führten nicht unbedingt dazu, es auch geschehen zu lassen.
Ich seufzte, und meine Gedanken kehrten zu der Zeichnung zurück, die ich am Abend zuvor angefertigt hatte. (Kohlezeichnen ist mei
n Hobby, und in letzter Zeit hat mir mein Zeichenblock oftmals Trost gespendet.) Ich hatte ein Zelt inmitten von sturmgepeitschten Bäumen gemalt. Die Pflöcke, die den unteren Teil des Zeltes befestigen sollten, waren herausgerissen, und die Zeltplanen flatterten lose im Wind. Als ich den Stift beiseitelegte, sagte ich mir: Genauso sieht es in mir aus. Tatsächlich hatte es den Anschein, als ob die Pfähle, die für mein geordnetes, sicheres Dasein gesorgt hatten - Pflöcke, die ich fast mein ganzes Leben lang sorgfältig festgeklopft hatte -, herausgezogen worden waren, und alles umherwirbelte. Unter die Zeichnung schrieb ich Die Lebensmitte.
Als ich jetzt über die Skizze nachdachte, kam mir in den Sinn, dass ich niemals eine Zeltbewohnerin gewesen bin. Vielleicht sollte es bedeuten, dass ich mich zu neuen Gestaden meiner inneren Landschaft aufmachen sollte. Vielleicht ging es in der Lebensmitte genau darum: um eine Pilgerreise.
Ich klappte den Kragen meines Mantels hoch und dachte über mein tägliches Selbst nach - das, was ich nach außen hin darstellte. Ich betrachtete die Masken, die ich getragen hatte, die mir innewohnenden Selbste oder vorherrschenden Verhaltensweisen, die meinen Weg durch die Welt geprägt hatten.
In Bezug auf die vielfältigen Selbste, die jeder Person innewohnen, schrieb Elizabeth O'Conner: Während eines schmerzhaften Konflikts habe ich zum ersten Mal erfahren, dass ich aus mehreren Selbsten bestand. Es kam mir so vor, als befände ich mich inmitten mehrerer Wesen.
Mir war es ebenso ergangen; ich war von mehreren verschiedenen Selbsten umgeben: der Gefallenwollenden, der Schauspielerin, der Perfektionistin. Mir wurde bewusst, dass diese alten Rollen eng mit einer anderen mächtigen Rolle verknüpft waren, die ich oft spielte, der des braven, kleinen Mädchens.
Sie war der Teil von mir, der über nur geringe Selbstachtung verfügte, die ihr eigenes Leben nach den Bedürfnissen anderer ausrichtete, gemäß allgemeiner Werte und Vorstell
ungen. Ich hatte manchmal das Gefühl, ich sei als Frau dazu bestimmt, alle mit allem zu bedienen. Aber meine Bemühungen führten meist dazu, dass ich meine tiefgründigste Identität einbüßte, meine eigene einzigartige Wahrheit als Geschöpf Gottes.
In meiner braves-kleines-Mädchen-Rolle ertrug ich alles ohne Murren, fürchtete mich davor, über die Begrenzungslinien im Malbuch hinauszumalen, und unterdrückte oft meine persönlichen Gedanken und Gefühle. Das kleine Mädchen in mir war es gewohnt, die Vorstellungen der anderen zu übernehmen und den Weg des geringsten Widerstands zu gehen.
Manchmal erschien sie mir wie eine Orchidee im Gewächshaus: zart, gefällig, etwas, das letztendlich immer zwischen den Seiten des Sammelalbums von jemand anderem landete. Meine Hauptrollen spielten sich wesentlich im Leben anderer ab. Ich war die Mutter, die Ehefrau, die Sonntagsschullehrerin, die Angestellte. Alles wunderbar. Aber wer war ich tief in meinem Innersten?
Jetzt nahm ich sie plötzlich wahr, die bisher unbekannte Frau, die in mir gefangen war und danach strebte zu leben und zu atmen, die alles, was nicht echt und lebenswichtig war, abwerfen wollte und das Wahre wiedergewinnen. Ich spürte die Schwingungen eines tiefer liegenden, authentischeren Selbst, das seine eigenen einzigartigen Vorstellungen von Individualität ausleben und sich seinem eigenen Geheimnis hingeben wollte. Wer war dieses Wesen in mir, das danach schrie, ins Leben gerufen zu werden?
In den darauf folgenden Wochen las ich Gedichte von T. S. Eliot, der mir gelegentlich wie ein Seelenverwandter erschien. In Das Liebeslied des J. Alfred Prufrock fand ich mich wieder, in den leisen Qualen von jemandem, der von der plötzlichen Dunkelheit der Lebensmitte umgeben ist und vor der überwältigenden Frage steht:


Hat es Zweck,
Das Weltall aufzustören? ...
Ich vertat mein Leben kaffeelöffelweis;
Ich kenn die Stimmen, sie starben so dahin
In der Musik, die im fernen Zimmer
klagt.


Es war, als ob mein Leben in zu kleinen Portionen abgemessen worden war. Und aus einem entfernten Raum, von dem ich nicht wusste, wo er sich befand, drang betörende Musik, untermalt von Stimmen, die alles daransetzten, gehört zu werden. Wagte ich es, das Weltall in mir aufzustören?
Glauben Sie mir, ich hätte am liebsten all das von mir gewiesen und so getan, als würde es gar nicht existieren. Aber das konnte ich nicht. Das Leben schmeckte nach Pappe, und die Luft roch abgestanden. Manchmal fand ich mich in einem Wandschrank des Leidens wieder und wusste nicht mehr, wo die Tür war. Während meiner schwärzesten Augenblicke dachte ich sogar daran, von zu Hause wegzulaufen, um den entscheidenden, verlorenen Teil meines Selbst wiederzufinden.


Sich der Frage stellen


Als ich an jenem Tag unter dem grauen Himmel auf der Bank saß, war alles in mir aufgewühlt und wirbelte umher wie der Pappbecher, dem ich auf der Straße hinterhergesehen hatte. Auf dem Höhepunkt meines inneren Chaos fing ich an, mich mit der übermächtigen Frage zu beschäftigen, die sich mir aufdrängte. Ich hatte sie bereits umkreist, aber jetzt zu guter Letzt steuerte ich direkt auf sie zu. Das war nicht ungefährlich, weil diejenigen, die sich dem Zentrum einer essenziellen Frage nähern und deren sengende Hitze zu spüren bekommen, meist auch gezwungen sind, sie bis zur Beantwortung auszuhalten.
Ist es möglich, fragte ich mich, dass ich zu einem tief liegenden und heiligen Ort in mir zitiert worden bin? Bin ich dazu aufgefordert, einen neuen Abschnitt im geistigen Leben zu begehen - die Reise vom falschen zum wahren Selbst anzutreten? Geht es darum, alte Masken und Muster abzulegen und ein grundlegenderes, authentischeres Selbst zu entfalten - eines, das Gott für mich ausersehen hat? Soll ich dazu gebracht werden, mein inneres Universum aufzurütteln auf der Suche nach dem unentdeckten Wesen, das in mir tobt?
Leider wird dieser Aufforderung in chri
stlichen Kreisen wenig Bedeutung beigemessen. Wenn es passiert, begreifen wir gar nicht, dass wir zu einer persönlichen Verwandlung angehalten werden, zu der Aufgabe, ein Ich zu gebären, das noch nicht vollendet ist. Wir halten es für eine weitere Zwangslage oder Misere, die wir möglicherweise als Ergebnis von Überanstrengung oder einer Unzufriedenheit mit unserem Leben deuten.
Ich glaube aber, dass wir dabei eine spirituelle Entwicklungsaufgabe gestellt bekommen. Wir sind dazu aufgefordert, ein innewohnendes Selbst zu entfalten - etwas, das man auch als Gottes Leben in uns bezeichnen könnte.
Sich darauf einzulassen, bringt eine grundlegende Bewegung der Seele mit sich, die uns von dem kollektiven Sie zu der Entdeckung des individuellen Ichs führt und schließlich, wie sich noch zeigen wird, zu einer Umarmung des mitfühlenden Wirs. Diese Aufgabe führt uns wahrhaftig auf einen der riskanteren und geheimnisvolleren Wege im geistigen Leben, denn sie hat gravierenden Einfluss auf unsere gesamte Einstellung uns selbst gegenüber, gegenüber Gott und der Welt, je nachdem, wie wir sie meistern.
Während ich über meinen Kampf an diesem Nachmittag nachdachte, wanderten meine Gedanken zu den Entdeckungen, die ich in den Werken des Schweizer Psychiaters C. G. Jung gemacht hatte. Ich hatte mich während der vorangegangenen vier Jahre intensiv mit seinen Schriften beschäftigt. Eine Freundin hatte mich darauf hingewiesen, dass ich an recht unkonventionellen Orten nach der Wahrheit suchte, aber genau dort hielt Gott sie ja auch oft versteckt.



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