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Mitternachtsspitzen

Roman. Deutsche Erstausgabe. Originaltitel: Risen Glory /…
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Produktdetails
Titel: Mitternachtsspitzen
Autor/en: Susan Elizabeth Phillips

ISBN: 3442366054
EAN: 9783442366057
Roman. Deutsche Erstausgabe.
Originaltitel: Risen Glory / Just Imagine.
'Blanvalet Taschenbücher'.
Übersetzt von Beate Darius
Blanvalet Taschenbuchverl

13. Oktober 2006 - kartoniert - 384 Seiten

Das Leben ist voller Überraschungen ...

Wutentbrannt reist die junge Kit Weston nach New York. Ihr Ziel: Der neue Besitzer ihrer Plantage muss weg! Aber obwohl sie sich als Junge verkleidet und sogar bei ihrem Widersacher als Stallbursche eingestellt wird, erweist sich Baron Cain als äußerst harter Brocken.Und der durchschaut schnell, dass sein neuer Mitarbeiter in Wahrheit eine Lady mit teuflischem Temperament und viel Courage ist. Kurzerhand verfrachtet er die junge Dame in ein vornehmes Pensionat. Drei Jahre später begegnen sich Kit und Cain erneut - und die Funken fliegen wieder! Doch diesmal ist es nicht Zorn, der ihre Herzen entflammt, sondern Liebe. Das aber würden sich die beiden hitzigen Dickköpfe niemals eingestehen ...


Susan Elizabeth Phillips ist eine der meistgelesenen Autorinnen der Welt. Ihre Romane erobern jedes Mal auf Anhieb die Bestsellerlisten in Deutschland, England und den USA. Die Autorin hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Mann in der Nähe von Chicago.
1
Ein reizender Stallbursche


Dem alten Stra'nverk'er fiel der Junge spontan auf, denn er passte so gar nicht in Manhattans elegantes Bankenviertel. Kurz geschnittenes, leicht gewelltes schwarzes Haar stach schmutzstarrend unter dem verbeulten Hutrand hervor. Schmale Schultern steckten in einem flicken'bers'n Hemd mit ' vermutlich wegen der hei'n Julitemperaturen ' aufgekn'pftem Kragen. Ein Lederriemen hielt speckige, schlotternde Reithosen in der Taille zusammen. Der Junge trug schwarze Stiefel, die viel zu lang schienen f'r den schm'tigen Kerl, und unter dem Arm ein sperriges B'ndel.
Der Stra'nh'ler lehnte sich 'ber den mit Leckereien gef'llten Karren und beobachtete die zerlumpte Gestalt, die sich wild entschlossen durch die gut gekleideten B'rsenmakler und Bankangestellten schob. Der alte Mann war ein aufmerksamer Zeitgenosse, und der Junge interessierte ihn.
'He, du da, ragazzo. Komm, ich hab ein Pastetchen f'r dich. Zart wie der Kuss eines Engels. Na, komm schon.'
Der Bursche riss den Kopf hoch und warf einen sehns'chtigen Blick auf die Tabletts mit den frisch gebackenen K'stlichkeiten. Der H'ler konnte sich lebhaft vorstellen, dass er im Geiste durchrechnete, ob er sich dergleichen leisten k'nnte. 'Komm, ragazzo. Ich geb dir eins aus.' Er hielt ihm ein gro's Apfelt'rtchen hin. 'Betrachte es als Geschenk eines alten Mannes an einen Neuank'mmling in dieser Weltmetropole.'
Herausfordernd die Daumen in den Hosenbund gesteckt, schlenderte der Junge zu dem Karren. 'Wie kommen Sie darauf, dass ich neu hier bin?'
Sein Akzent war so weich wie der Duft des Jasmins, der auf den Baumwollfeldern in Carolina bl'hte. Der Alte verkniff sich ein Grinsen. 'Na ja, war nur so 'ne bl'de Idee von mir.'
Schulterzuckend trat der Junge irgendwelchen Unrat in die Stra'nrinne. 'Ich hab's weder abgestritten noch zugegeben.' Er deutete mit einem schmutzigen Finger auf den Kuchen. 'Was soll's denn kosten?'
'Hab ich nicht eben gesagt, das
s es ein Geschenk von mir ist?'
Nach kurzem 'erlegen nickte der Junge und streckte die Hand aus. 'Na, dann vielen Dank.'
Als er das T'rtchen nahm, traten zwei Gesch'sleute in Gehr'cken und Zylindern an den Karren. Der Blick des Jungen glitt ver'tlich 'ber die teuren goldenen Taschenuhren, zusammengerollten Schirme und auf Hochglanz polierten Schuhe. 'Verdammte Yankees', murrte er.
Die M'er waren so in ihr Gespr' vertieft, dass sie es nicht mitbekamen, doch der Alte runzelte die Stirn. 'Wie es scheint, gef't dir meine Stadt nicht besonders, hm? Bis vor drei Monaten hatten wir Krieg. Unser Pr'dent ist tot. Die Menschen sind immer noch tief betroffen.'
Der Junge hockte sich auf den Karrengriff, um den Kuchen zu verspeisen. 'Hab nie viel von diesem Mr. Lincoln gehalten. Er war mir zu infantil.'
'Infantil? Madre di Dio! Was bedeutet denn das?'
'Kindisch.'
'Und woher kennt ein Junge wie du solche Begriffe?'
Der Junge legte zum Schutz vor der Nachmittagssonne eine Hand 'ber die Augen und blinzelte den Alten an: 'Ich lese viel. Und diesen speziellen Begriff hab ich von Mr. Ralph Waldo Emerson, den ich sehr bewundere.' Gen'sslich knabberte er den Rand des T'rtchens ab. 'Als ich anfing, seine Essays zu lesen, wusste ich freilich nicht, dass er ein Yankee ist. War mordsw'tend, als ich es herausfand. Aber was soll's. Da war ich bereits ein gl'hender Anh'er von ihm.'
'Dieser Mr. Emerson. Was meint er denn so?'
Der Junge schleckte mit seiner rosafarbenen Zunge ein St'ck Apfel von dem schmutzstarrenden Zeigefinger. 'Er redet von Charakter und Selbstvertrauen. Ich denke, Selbstvertrauen ist das Wichtigste f'r einen Menschen, was meinen Sie?'
'Ich f'r meinen Teil finde Gottvertrauen am allerwichtigsten.'
'Ich halt nicht mehr viel von Gott oder von Jesus. Fr'her mal ja, aber ich denke, ich hab in diesen letzten Jahren zu viel Schreckliches miterlebt. Musste tatenlos zuschauen, wie die Yankees unser Vieh abschlachteten und uns
ere Scheunen abfackelten. Und wie sie meinen Hund Fergis erschossen. Sah, wie Mrs. Lewis Godfrey Forsythe an einem Tag ihren Mann und ihren Sohn Henry verlor. Manchmal komme ich mir steinalt vor.'
Der Stra'nh'ler sah sich den Jungen genauer an. Das kleine, herzf'rmige Gesicht. Mit der vorwitzigen Stupsnase. Ein Jammer, dass das Leben diese h'bschen, unschuldigen Z'ge alsbald verh'en w'rde. 'Und wie alt bist du, ragazzo? Elf? Zw'lf?'
Unvermittelt spiegelte sich Misstrauen in den dunklen, faszinierend lavendelblauen Augen. 'Alt genug, sch' ich.'
'Wo sind denn deine Eltern?'
'Meine Mutter starb bei meiner Geburt. Mein Dad ist vor drei Jahren in der Schlacht von Shiloh gefallen.'
'Und du, ragazzo? Was treibt dich nach New York?'
Der Junge schob sich den letzten Bissen Apfelkuchen in den Mund, stopfte sich das B'ndel wieder unter den Arm und sprang auf. 'Ich muss weiter, Sir. Vielen Dank f'r den Kuchen. War echt nett, Ihre Bekanntschaft zu machen.' Er lief los, drehte sich aber nach ein, zwei Schritten noch einmal um. 'Und damit Sie's wissen ' Ich bin gar kein Junge. Und ich hei' Kit.'
W'end Kit stadteinw's zum Washington Square strebte ' die Wegbeschreibung hatte sie von einer Dame auf der F'e bekommen ', r'ckte sie sich insgeheim den Kopf zurecht. Was musste sie dem Alten auch ihren Namen auf die Nase binden? Als angehende M'rderin durfte sie damit unter gar keinen Umst'en hausieren gehen. Na ja, im Grunde genommen war es gar kein Mord. Sondern h'here Gerechtigkeit, auch wenn die Yankee-Gerichte es bestimmt anders sehen w'rden, sofern man sie jemals aufgriff. Am besten hielt sie k'nftig die Klappe, dann kam vielleicht nie heraus, dass Katharine Louise Weston von der Plantage Risen Glory aus dem j'erlich zerst'rten Rutherford, South Carolina, jemals einen Fu'in dieses uns'iche New York gesetzt hatte.
Sie umklammerte das B'ndel fester. Darin befanden sich der Armeerevolver ihres Vaters, die R'ckfahrkarte nach Charleston, eine Erstau
sgabe von Emersons Essays, Wechselgarderobe und ein bisschen Geld f'r den Aufenthalt. Kit h'e die Sache am liebsten so schnell wie m'glich hinter sich gebracht und schnurstracks die Heimreise angetreten, allerdings war ihr klar, dass sie diesen miesen Yankee zun'st genauer unter die Lupe nehmen musste. Ihn umzubringen war eine Sache. Nicht geschnappt zu werden eine andere.
Mit Charleston, der einzigen gr''ren Stadt, die sie bislang kannte, war New York nicht ann'rnd vergleichbar. Als sie durch die gesch'ig lauten Stra'n lief, gestand sie sich selbst ein, dass es hier einiges Sehenswerte gab. Wundersch'ne Kirchen, elegante Hotels, Warenh'er mit spiegelblanken Marmorb'den. Der Krieg, der im S'den gew'tet hatte, schien an dieser Stadt spurlos vor'bergegangen zu sein. Gleichwohl war sie viel zu verbittert, um ihre Umgebung zu genie'n. Wenn es einen Gott gibt, 'berlegte sie z'eknirschend, dann m'ge Er bitte sch'n daf'r sorgen, dass William T. Shermans Seele in der H'lle schmort!
Tief in Gedanken, stie'sie mit einem Angestellten zusammen, der es eilig hatte, nach Hause zu kommen. 'He, pass doch auf, Junge!'
'Passen Sie doch selber auf', schnaubte sie. 'Und au'rdem bin ich kein Junge!' Aber der Mann war schon um die n'ste Ecke verschwunden.
Waren denn alle blind? Seit sie Charleston verlassen hatte, hielten die Leute sie f'r einen Jungen. Sie fand das zwar d'ich, aber es hatte auch seine Vorteile. Ein allein reisender Junge erregte n'ich viel weniger Aufsehen als ein M'hen. Zu Hause passierten ihr solche Verwechslungen allerdings nie. Dort kannte man Kit von Geburt an und wusste inzwischen, dass sie m'henhaftes Gehabe nicht ausstehen konnte.
Aber alles 'erte sich rasend schnell. South Carolina. Rutherford. Risen Glory. Ja, sogar sie selbst. Der alte Mann hatte sie f'r ein Kind gehalten, wenn der w'sste! Sie war achtzehn, mithin eine junge Frau. Ihr K'rper selbst erinnerte sie dummerweise st'ig daran, was sie mental nicht wahrhaben wollte. Sie empfa
nd ihr Alter und ihr Geschlecht eher als l'iges 'el, und genau wie ein Pferd vor einem zu hohen Hindernis scheute Kit vor der Akzeptanz ihrer eigenen Person.
Sie ersp'e einen Polizisten und klemmte sich vorsichtshalber hinter eine Gruppe von Arbeitern. Kuchen hin oder her, sie war immer noch hungrig. Und m'de. Sie sehnte sich nach Risen Glory zur'ck. Dort k'nnte sie jetzt auf den Obstb'en herumklettern oder fischen gehen oder mit Sophronia in der K'che plaudern. Sie schob die Finger in die Hosentasche und umschloss ein St'ck Papier. Gottlob war es noch da, obschon die darauf notierte Adresse auch in ihrem Ged'tnis eingebrannt war.
Bevor sie sich einen Schlafplatz suchte, wollte sie dort unbedingt noch vorbeigehen. Vielleicht erhaschte sie einen Blick auf den Mann, der all das in Gefahr brachte, was sie liebte. Und dann w'rde sie das tun, was kein Soldat im gesamten Heer der Konf'derierten Staaten von Amerika geschafft hatte. N'ich ihren Revolver ziehen und Major Baron Nathaniel Cain kurzerhand erschie'n.
Baron Cain war ein ungeheuer anziehender Mann, aschblond, mit markanten Z'gen und stahlgrauen Augen, was seinem Gesicht den verwegenen Anstrich eines Lebemannes verlieh. Und er langweilte sich. Zugegeben, Dora Van Ness war sch'n und begehrenswert, trotzdem bereute er seine Einladung zum Dinner. Er war nicht in der Stimmung f'r ihr oberfl'liches Geplapper. Zweifellos war sie zum ''rsten bereit, was ihn aber nicht davon abhielt, genie'risch seinen Brandy zu schl'rfen. Frauen hatten sich seinen W'nschen zu f'gen und nicht umgekehrt, und einen alten Brandy kippte man nicht einfach so hinunter.
Der fr'here Besitzer des Hauses hatte einen gepflegten Weinkeller besessen, alle Achtung. Inzwischen waren dessen Inhalt sowie das Anwesen an Cain 'bergegangen, seinen eisernen Nerven und einem Royal Flash sei Dank! Er nahm einen Zigarillo aus dem h'lzernen Humidor, den die Haush'erin auf den Tisch gestellt hatte, schnitt das Ende ab und z'ndete ihn an. Ein paa
r Stunden sp'r wurde er in einem der exklusiven New Yorker Clubs zu einem hochkar'gen Pokerspiel erwartet. Aber vorher wollte er noch Doras erotische Reize auskosten.
Als er sich im Sessel zur'cklehnte, bemerkte er, wie sie seinen rechten Handr'cken mit der entstellenden Narbe fixierte. Es war eine von vielen, die er sich im Krieg zugezogen hatte, aber dergleichen fand sie wohl erregend.
'Ich glaube, du hast mir den ganzen Abend nicht zugeh'rt, Baron.' Sie befeuchtete sich mit der Zunge die Lippen und l'elte lasziv.
Er hatte Erfolg bei Frauen, obwohl ihm sein Aussehen herzlich egal war. Cain sah es eher so, dass er sein Gesicht von einem willensschwachen Vater geerbt hatte und von einer Mutter, die f'r jeden Mann, der ihr gefiel, die Beine breit gemacht hatte.
Mit vierzehn hatte er zum ersten Mal gemerkt, dass das andere Geschlecht ihn anhimmelte. Damals hatte ihm das geschmeichelt. Inzwischen, gut zw'lf Jahre sp'r, fand er es nur noch l'ig. 'Nat'rlich habe ich dir zugeh'rt. Du hast mir s'liche Gr'nde aufgez't, warum ich f'r deinen Vater arbeiten sollte.'
'Er ist sehr einflussreich.'
'Ich habe bereits eine Besch'igung.'
'Also wirklich, Baron, das kann man wohl kaum als ernsthafte Besch'igung bezeichnen. Eher als angenehmen Zeitvertreib.'
Er sah sie fest an. 'Was hei' hier angenehm? Mit dem Gl'cksspiel verdiene ich mir meinen Lebensunterhalt.'
'Aber ''
'Magst du mit mir nach oben gehen, oder soll ich dich lieber nach Hause bringen? Ich m'chte dich nicht zu lange aufhalten.'
Unvermittelt war sie auf den Beinen und Minuten sp'r in seinem Bett. Ihre vollen Br'ste waren sinnlich-'ppig, und er konnte gar nicht verstehen, wieso er nicht richtig in Stimmung kam.
'Tu mir weh', fl'sterte sie. 'Nur ein bisschen.'
Er hatte es satt, jemandem wehzutun, zumal er im Krieg genug Schmerz und Leid mit angesehen hatte. Seine Mundwinkel zuckten zynisch. 'Was immer die Dame w'nscht.'
Sp'r, als er allein war und sich f'
r den n'tlichen Ausflug umgekleidet hatte, schlenderte er gedankenvoll durch die Zimmerfluchten des herrschaftlichen Anwesens, das er beim Kartenspiel gewonnen hatte. Ganz entfernt erinnerte es ihn an das Haus, in dem er aufgewachsen war.
Er war zehn gewesen, als seine Mutter weggelaufen war und ihn mit dem hochverschuldeten Vater in einem heruntergekommenen Herrenhaus in Philadelphia zur'ckgelassen hatte. Drei Jahre sp'r war sein Vater gestorben. Man hatte ihn in ein Waisenhaus gebracht, von wo er gleich in der ersten Nacht get'rmt war. Er kannte nur ein Ziel: Richtung Westen.
Zehn lange Jahre war Cain von einer Stadt in die n'ste gezogen, hatte Vieh geh'tet, Eisenbahnschienen verlegt und nach Gold gegraben, bis er zuf'ig feststellte, dass er ein H'chen f'rs Kartenspiel hatte. Der Westen war das Land der unbegrenzten M'glichkeiten und brauchte gebildete M'er, allerdings hielt er die F'gkeit des Lesens und Schreibens vor der 'fentlichkeit verborgen.
Die Frauen verliebten sich scharenweise in den gut aussehenden Jungen mit dem kantigen Profil und den r'elhaft k'hlen Augen. Keine schaffte es jedoch, ihn aus der Reserve zu locken. Ihm fehlten die tiefen Gef'hle, mit denen ein liebevoll beh'tetes Kind heranwuchs. Ob sie f'r immer erloschen oder nur verdr't waren, interessierte Cain nicht weiter.
Bei Kriegsbeginn 'berquerte er nach zw'lf Jahren zum ersten Mal wieder den Mississippi River und trat der Armee bei, aber nicht etwa um die Union zu st'tzen, sondern weil er ein freiheitsliebender Mensch war und ihn die Sklaverei zutiefst abstie' Er schloss sich Grants durchgreifenden Truppen an und fiel dem General auf, als sie Fort Henry einnahmen. In Shiloh geh'rte er bereits Grants Milit'tab an. Zweimal entging er knapp dem Tod, bei Vicksburg und vier Monate sp'r bei Chattanooga, als er den Missionary Ridge in einer Schlacht einnahm, die Shermans 'Marsch zum Meer' 'berhaupt erst erm'glichte.
Ab da berichteten die Zeitungen von Baron Cain als dem 'Hel
den vom Missionary Ridge'. Er wurde mit gl'henden Worten f'r seinen patriotischen Einsatz gew'rdigt. Nach mehreren erfolgreichen Vorst''n durch die gegnerischen Truppenlinien wurde General Grant mit den Worten zitiert: 'Ich w'rde lieber meinen rechten Arm verlieren als Baron Cain.'
Was Grant und die Zeitungen nicht wahrnahmen, war, dass Cain f'r das Risiko lebte. Gefahren brachten ihm, genau wie der Sex, erst den n'tigen Nervenkitzel. Vielleicht verdiente er sich den Lebensunterhalt deshalb mit dem Pokerspiel, wo er auf sein Kartengl'ck vertrauen musste.
Aber auch dieser Reiz lie'nach. Das Gl'cksspiel, die exklusiven Clubs, die Frauen ' all das bedeutete ihm immer weniger. Irgendetwas fehlte in seinem Leben, aber er hatte keine Ahnung, was es war.
Als Kit die ihr unbekannte Stimme vernahm, zuckte sie unwillk'rlich zusammen. Frisches Stroh piekste ihr in die Wange, und einen kurzen Moment lang hatte sie das Gef'hl, zu Hause in der Scheune von Risen Glory zu sein. Dann fiel ihr siedendhei'ein, dass diese ja abgefackelt worden war.
'Wieso gehst du nicht rein, Magnus? Du hattest einen harten Tag.' Die Stimme kam von der anderen Seite des Stalls. Tief und schroff, hatte sie absolut nicht den weichen, gedehnten Akzent ihrer Heimat.
Kit blinzelte, bem'ht, in der Dunkelheit irgendetwas zu erkennen. Schlagartig d'erte es ihr. Grundg'tiger! Sie war in Baron Cains Scheune einged'st.
Sie st'tzte sich auf einen Ellbogen auf und reckte vorsichtig den Kopf. Die Frau auf der F'e hatte ihr den Weg nicht richtig beschrieben, und es war dunkel gewesen, als Kit das Haus endlich gefunden hatte. Sie hatte sich im Geb'sch versteckt, bis sie sich sicher w'te. Dann war sie heimlich 'ber die Au'nmauer geklettert, um sich das Anwesen genauer anzusehen. Als sie das ge'ffnete Stallfenster entdeckte, war sie kurzerhand hindurchgeschl'pft. M'de und ersch'pft, hatten der vertraute Geruch nach Pferden und frischem Stroh sie dummerweise dazu bewogen, in einer versteckten
Ecke ein Nickerchen zu machen.
'Wollen Sie morgen auf Saratoga ausreiten?' Da war wieder diese andere Stimme, weicher und vertrauter ' wie die der fr'heren Plantagensklaven.
'Kann sein. Wieso?'
'Die Flankenverletzung verheilt schlecht. Besser, Sie schonen die Stute noch ein paar Tage.'
'In Ordnung. Ich schau sie mir morgen an. Gute Nacht, Magnus.'
'Gute Nacht, Major.'
Major? Kits Herzschlag beschleunigte sich. Der Mann mit der tiefen Stimme war also Baron Cain! Sie kroch zum Scheunenfenster, sp'e 'ber den Sims und bekam gerade noch mit, wie er in dem hell erleuchteten Haus verschwand. Zu sp' Damit hatte sie die Chance verpasst, einen Blick auf sein Gesicht zu werfen. Ein ganzer Tag umsonst!
Sie war den Tr'n nahe. Schlimmer h'e es kaum noch kommen k'nnen. Es war weit nach Mitternacht, und sie befand sich in einer ihr v'llig fremden Yankee-Stadt, in der sie sich nicht auskannte. Sie schluckte trocken und versuchte sich zu konzentrieren, indem sie den verbeulten Hut tiefer in die Stirn zog. Zwecklos, sich deswegen graue Haare wachsen zu lassen. Als Erstes musste sie jedenfalls schleunigst verschwinden und sich einen anderen Schlafplatz suchen. Morgen wollte sie ihre Beobachtungen aus sicherer Entfernung wieder aufnehmen.
Ihr B'ndel unter den Arm geklemmt, schlich sie sich zur Stallt'r und horchte. Cain war im Haus verschwunden, aber wo war der andere, dieser Magnus? Behutsam dr'ckte sie das Tor auf und sp'e nach drau'n.
Durch die Vorh'e vor den Fenstern fiel ein schwacher Lichtschein auf den Hof zwischen Stall und Kutschenverschlag. Sie glitt ins Freie und lauschte. Alles blieb still. Das Eisentor in der hohen Ziegelmauer war zweifellos verschlossen, folglich blieb Kit nichts anderes 'brig, als die Mauer ein weiteres Mal zu 'berklettern.
Aber zun'st musste sie den ausgedehnten Hof 'berqueren. Nach einem skeptischen Blick zum Haus atmete Kit tief durch und rannte los.
Kaum hatte sie den sch'tzenden Stall hinter sic
h gelassen, da ahnte sie auch schon, dass irgendetwas faul war. Die Nachtluft verstr'mte nicht mehr den w'rzigen Stallgeruch, stattdessen schnupperte sie eindeutig Zigarrenrauch.
Ihr Verstand raste. Sie hechtete zu der Mauer, aber die Ranke, an der sie sich hatte hochziehen wollen, entglitt ihr. Hektisch griff sie nach einer anderen, lie'das B'ndel fallen und hangelte sich hoch. Dummerweise traf irgendetwas empfindlich ihren Hosenboden. Sie zappelte hilflos in der Luft herum und plumpste dann b'hlings in den Schmutz. Sp'rte unsanft einen Stiefel im Kreuz.
'Na, was haben wir denn hier?', meinte der Stiefeltr'r 'ber ihr gedehnt.
Leicht benommen von dem Sturz, erkannte sie die tiefe Stimme wieder. Der Mann, der sie da eben in Schach hielt, war ihr Todfeind: Major Baron Nathaniel Cain.
Kit sah rot. Energisch st'tzte sie die H'e in den weichen Erdboden und wollte aufstehen, aber sein Stiefel blieb, wo er war.
'Nehmen Sie Ihren verdammten Fu'von mir runter, Sie dreckiger Sohn einer H'ndin!'
'Besser nicht', sagte er mit einer Ruhe, die sie rasend machte.
'Lassen Sie mich los! Sie lassen mich sofort los.'
'F'r einen Dieb bist du ganz sch'n dreist.'


"Sooo romantisch."

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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll -- - von Trina - 01.02.2013 zu Susan Elizabeth Phillips „Mitternachtsspitzen“
Entweder mag man S.E.Phillips oder halt nicht! Es IST vorhersehbar, aber wirklich schööön kitschig, romantisch und lustig! Wir wollen doch ein Happy End, also muß es so verlaufen...
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