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Der Janusmann

Originaltitel: Persuader (Reacher 07). 'Blanvalet Taschen…
von Lee Child
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Produktdetails
Titel: Der Janusmann
Autor/en: Lee Child

ISBN: 344236616X
EAN: 9783442366163
Originaltitel: Persuader (Reacher 07).
'Blanvalet Taschenbücher'.
Übersetzt von Wulf Bergner
Blanvalet Taschenbuchverl

Januar 2007 - kartoniert - 480 Seiten

Vor sechs Jahren quittierte Jack Reacher, damals Spitzenermittler der US-Militärpolizei, den Dienst. Er tauchte unter - unerreichbar, unauffindbar. Doch dieses eine Mal kommt der rastlose Einzelgänger freiwillig aus der Deckung. Durch puren Zufall ist er einem Mann begegnet, den er seit zehn Jahren für tot gehalten hat. Die Narben auf dessen Stirn erinnern Reacher an sein furchtbarstes Erlebnis, und er weiß: Noch immer geht von dem Janusmann eine tödliche Gefahr aus ...

Typisch Lee Child: packend bis zur letzten Seite, glänzend konstruiert und hervorragend geschrieben!

Lee Child wurde in den englischen Midlands geboren, studierte Jura und arbeitete dann zwanzig Jahre lang beim Fernsehen. 1995 kehrte er der TV-Welt und England den Rücken, zog in die USA und landete bereits mit seinem ersten Jack-Reacher-Thriller einen internationalen Bestseller. Er wurde mit mehreren hoch dotierten Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem »Anthony Award«, dem renommiertesten Preis für Spannungsliteratur.
1
Genau vier Minuten, bevor er erschossen wurde, stieg der Cop aus seinem Wagen. Er bewegte sich, als kenne er sein Schicksal bereits. Er stie'die Fahrert'r gegen den Widerstand schlecht ge'lter Scharniere auf, rutschte auf dem abgewetzten Kunstledersitz langsam nach links und stellte beide F'' flach auf den Asphalt. Dann packte er den T'rrahmen mit beiden H'en und hievte sich nach oben und aus dem Wagen. Er blieb einige Sekunden in der kalten, klaren Luft stehen, bevor er sich umdrehte und die T'r hinter sich abschloss. Verharrte noch einen Augenblick, ging nach vorn und lehnte sich in der N' des linken Scheinwerfers an den Kotfl'gel.
Der Wagen war ein sieben Jahre alter Chevy Caprice. Ein schwarzes Fahrzeug ohne Polizeikennzeichnung. Aber es verf'gte 'ber drei Antennen und hatte einfache verchromte Radkappen. Die meisten Cops, mit denen man redete, waren davon 'berzeugt, dass der Caprice das beste jemals gebaute Polizeifahrzeug sei. Dieser Kerl, der aussah wie ein altgedienter Kriminalbeamter, dem der gesamte Fuhrpark zur Verf'gung steht, schien derselben Meinung zu sein. Ich konnte diese Art dickk'pfiger Oldtimerpers'nlichkeit daran erkennen, wie er sich hielt. Er war gro'und massig und trug einen schlichten dunklen Anzug aus einem schweren Wollstoff. Ein alter Mann. Er bewegte den Kopf, schaute zuerst die Stra' entlang und dann 'ber die Schulter zum Collegetor. Er stand drei'g Meter von mir entfernt.
Das Collegetor selbst hatte lediglich symbolische Funktion.
Zwei hohe gemauerte Klinkerpfeiler ragten einfach aus der weiten gepflegten Rasenfl'e jenseits des Gehsteigs auf. Zwischen ihnen hing ein zweifl'gliges Tor aus zu Fantasiegebilden gebogenen, abgewinkelten und verdrehten Eisenstangen. Das Tor gl'te schwarz, wie frisch gestrichen. Wer es nicht benutzen wollte, fuhr einfach 'ber den Rasen. Es stand ohnehin weit offen. Hinter ihm lag eine Zufahrt mit kniehohen kleinen Eisenpollern an beiden Seiten, an denen jeweils ein Torfl'gel befestigt wa
r. Die Zufahrt f'hrte leicht abfallend zu einer etwa hundert Meter entfernten Ansammlung von Klinkergeb'en mit Moos bewachsenen Steild'ern unter 'berh'enden B'en. Die Zufahrt war mit B'en ges't, ebenso der Gehsteig. 'erall standen B'e. Ihre Bl'er waren noch klein, zusammengerollt und lindgr'n. In einem halben Jahr w'rden sie gro' rot und golden sein und den Fotografen Motive f'r den Collegeprospekt liefern.
Zwanzig Meter jenseits des Tors parkte auf der gegen'berliegenden Stra'nseite ein Pick-up. Er stand in f'nfzig Meter Entfernung mir zugekehrt dicht am Randstein. Irgendwie passte er nicht hierher. Sein roter Lack war verblasst, und vorn hatte er einen wuchtigen Rammb'gel, der aussah, als w' er schon mehrmals verbogen und wieder ausgerichtet worden. Im Fahrerhaus sa'n zwei M'er, jung, gro' blond, mit klar geschnittenen Gesichtsz'gen. Sie sa'n v'llig unbeweglich da und blickten nach vorn, ohne etwas Bestimmtes anzuvisieren.
Ich war im S'den stationiert und parkte mit einem anonymen braunen Lieferwagen vor einem Musikgesch' ' ein Laden, den man in der N' eines Collegetors zu finden erwartet. Drau'n auf dem Gehsteig standen Tische mit gebrauchten CDs, und in den Schaufenstern dahinter hingen Poster, die f'r Bands warben, welche kein Mensch kannte. Ich hatte die Heckt'ren des Lieferwagens ge'ffnet. Auf der Ladefl'e waren Pappkartons gestapelt. Ich hielt einen Packen Lieferscheine in der Hand, und weil es an diesem Aprilmorgen kalt war, trug ich einen kurzen Mantel. Ich hatte auch Handschuhe an, weil an den bereits aufgerissenen Kartons im Laderaum lose Klammern hingen. Ich trug eine Waffe, weil ich das oft tat. Sie steckte hinten im Hosenbund. Die Waffe war ein Colt Anaconda: ein riesiger Revolver aus rostfreiem Stahl, der 44er-Magnum-Patronen verschoss. Er war f'nfunddrei'g Zentimeter lang und wog 'ber anderthalb Kilo. Als Waffe nicht gerade meine erste Wahl. Der Colt f'hlte sich hart, schwer und kalt an, und ich war mir seiner Gegenwart st'ig bewusst.
>Ich blieb mitten auf dem Gehsteig stehen, schaute von meinen Lieferscheinen auf und h'rte den Motor des weit entfernten Pick-ups anspringen. Er fuhr jedoch nicht los, sondern blieb mit laufendem Motor stehen. Es war fr'h und die Stra' noch menschenleer. Ich trat hinter meinen Lieferwagen und blickte die Fassade des Musikgesch's entlang zu den Collegegeb'en. Sah vor einem davon einen schwarzen Lincoln Town Car warten, neben dem zwei M'er standen. Sie sahen auch aus hundert Metern Entfernung nicht gerade wie Chauffeure aus. Chauffeure treten nicht paarweise auf, sind meist auch nicht jung und muskul's und wirken nicht angespannt und wachsam. Diese Kerle waren wohl eher Leibw'ter.
Das Geb'e, vor dem der Lincoln parkte, schien irgendein kleines Studentenwohnheim zu sein. 'er seiner massiven Holzt'r standen griechische Buchstaben. W'end ich die Szene beobachtete, ging die schwere T'r auf, und ein hagerer Junge trat ins Freie. Er hatte langes, fettiges Haar, war mager und wie ein Obdachloser gekleidet, f'hrte aber eine Reisetasche bei sich, deren teures Leder gl'te. Einer der Leibw'ter passte auf, w'end der andere die Autot'r aufhielt. Der Junge warf seine Reisetasche auf den R'cksitz und rutschte ebenfalls ins Wageninnere. Er schloss die T'r selbst. Der Knall, mit dem sie zufiel, kam schwach und ged'ft bei mir an. Die Leibw'ter blickten sich kurz um und stiegen dann beide vorn ein. Im n'sten Augenblick fuhr der Wagen an. Drei'g Meter dahinter rollte ein Fahrzeug des College-Sicherheitsdienstes langsam hinter ihm her ' nicht etwa, um eine Kolonne zu bilden, sondern nur zuf'ig in dieselbe Richtung unterwegs. Es war mit zwei Security-Leuten besetzt. Die beiden hockten tief in ihren Sitzen und wirkten gelangweilt.
Ich zog die Handschuhe aus, warf sie hinten in meinen Lieferwagen und trat auf die Stra' hinaus, um alles besser beobachten zu k'nnen. Ich sah den Lincoln mit m'ger Geschwindigkeit die Zufahrt entlangkommen. Er war schwarz, makellos gepflegt und verf'gte
'ber reichlich Chrom. Die Collegecops befanden sich weit dahinter. Der Wagen hielt kurz an dem mit Ornamenten geschm'ckten Tor, dann bog er links ab und fuhr nach S'den auf den schwarzen Caprice des Kriminalbeamten zu. Auf mich zu.
Was dann geschah, dauerte acht Sekunden, die mir jedoch nur wie ein Wimpernschlag erschienen.
Der blassrote Pick-up fuhr zwanzig Meter hinter dem Caprice an. Er beschleunigte stark, schloss zu dem Lincoln auf, zog nach links und holte ihn genau auf H'he des schwarzen Dienstwagens ein. Dann beschleunigte er noch etwas, und sein Fahrer riss das Lenkrad so nach rechts, dass die Ecke des Rammb'gels den Kotfl'gel des Lincoln genau in der Mitte traf. Der Fahrer des Pick-ups lie'das Lenkrad eingeschlagen und den Fu'auf dem Gaspedal und dr'te den Lincoln von der Fahrbahn aufs Bankett ab. Der Lincoln wurde abrupt langsamer und knallte dann frontal an einen Baum. Metall verbog sich kreischend, Scheinwerferglas zersplitterte, und aus dem K'hler stieg eine riesige Dampfwolke auf.
Die beiden M'er st'rmten aus ihrem Pick-up. Sie hatten schwarze Maschinenpistolen, mit denen sie den Lincoln unter Feuer nahmen. Ihr H'ern war ohrenbet'end laut, und ich sah die Messingh'lsen verschossener Patronen in weitem Bogen auf den Asphalt regnen. Dann erreichten die Kerle die T'ren des Lincoln. Rissen sie auf. Einer von ihnen begann den Jungen herauszuzerren. Der andere gab noch einen Feuersto'auf die Vordersitze ab, griff anschlie'nd mit der linken Hand in seine Tasche und holte so etwas wie eine Handgranate heraus. Warf sie in den Lincoln, knallte die T'ren zu, packte seinen Kumpel und den Jungen an den Schultern, drehte sie weg und zwang sie mit sich in die Hocke. Im Wageninneren blitzte eine glei'nd helle Detonation auf. Alle Fenster zersplitterten. Obwohl ich 'ber zwanzig Meter entfernt war, nahm ich den Explosionsdruck ganz deutlich wahr. Glassplitter spritzten nach allen Seiten. Dann rappelte sich der Kerl, der die Handgranate geworfen hatte, a
uf und spurtete zur Beifahrert'r des Pick-ups. Der andere stie'den Jungen vor sich her ins Fahrerhaus und zw'te sich hinter ihm hinein. Die T'ren wurden zugeknallt, und ich sah den Jungen zwischen den Kerlen eingezw't auf dem Mittelsitz hocken. Auf seinem Gesicht zeichnete sich Entsetzen ab. Er war vor Schock leichenblass, und trotz der schmutzigen Windschutzscheibe konnte ich erkennen, wie er den Mund zu einem stummen Schrei aufriss. Ich h'rte den Motor aufheulen und die Reifen quietschen, und dann kam der Pick-up direkt auf mich zu.
Der Wagen war ein Toyota. Ich konnte das Wort TOYOTA hinter dem Rammb'gel auf der Motorhaube lesen. Er war hochbeinig, und ich sah das gro' schwarze Differenzial in der Vorderachse. Es hatte die Gr'' eines Fu'alls. Allradantrieb. Riesige Breitreifen. Beulen und verblasster Lack, der seit der Auslieferung nicht mehr gewaschen worden war. Er kam genau auf mich zu.
Mir blieb weniger als eine Sekunde, um mich zu entscheiden.
Ich schlug meinen Mantel zur'ck und zog den Colt. Zielte sehr sorgf'ig und schoss ein Mal auf den K'hlergrill des Toyota. Der gro' Revolver blitzte und knallte. Das riesige Geschoss Kaliber 44 zerschmetterte den K'hler. Ich schoss wieder ' diesmal auf den linken Vorderreifen. Lie'ihn in einer spektakul'n Detonation aus schwarzen Gummiteilen hochgehen. Meterlange Gummistreifen wirbelten durch die Luft. Der Pick-up geriet ins Schleudern und kam so zum Stehen, dass die Fahrerseite mir zugewandt war. Zehn Meter entfernt. Ich verschwand hinter meinem Wagen, knallte die Heckt'ren zu, tauchte auf dem Gehsteig auf und schoss diesmal auf den linken Hinterreifen. Mit demselben Ergebnis. 'erall flog Gummi herum. Der Pick-up krachte auf die linken Felgen herunter und blieb stark geneigt stehen. Der Fahrer stie'die T'r auf, sprang auf die Stra' und richtete sich auf einem Knie auf. Er hielt seine MP in der falschen Hand, wechselte sie rasch in die andere. Ich wartete, bis ich ziemlich sicher war, dass er damit auf mi
ch zielen w'rde. Dann benutzte ich die linke Hand, um meinen rechten Unterarm mit dem schweren Colt zu stabilisieren, und zielte sorgf'ig auf die K'rpermitte, wie ich's vor langer Zeit gelernt hatte, und dr'ckte ab. Der Brustkorb des Kerls schien in einer riesigen Blutwolke zu explodieren. Der magere Junge hockte schreckensbleich im Fahrerhaus. Starrte nur entsetzt nach vorn. Doch der zweite Kerl war aus dem Pick-up gesprungen und kam um die Motorhaube herum auf mich zugehastet. Seine MP schwenkte in meine Richtung. Ich wandte mich ihm zu, wartete einen Herzschlag lang und zielte auf seine Brust. Schoss. Mit demselben Ergebnis. Er ging in einer Wolke aus aufspritzendem Blut neben dem Kotfl'gel zu Boden und blieb auf dem R'cken liegen.
Der magere Junge im Fahrerhaus bewegte sich jetzt. Ich rannte zu ihm und zerrte ihn direkt 'ber die Leiche des ersten Kerls heraus. Schleppte ihn zu meinem Lieferwagen. Stie'ihn auf den Beifahrersitz, schlug die T'r zu, warf mich herum und wollte zur Fahrert'r rennen. Aus dem Augenwinkel heraus bemerkte ich einen dritten Mann auf mich zukommen. Er griff in seine Jacke. Ein gro'r, schwerer Kerl in dunkler Kleidung. Ich schoss und sah seine Brust in einer Blutwolke zerplatzen ' in genau der Zehntelsekunde, in der mir klar wurde, dass dies der alte Cop aus dem Caprice war, der in seine Jacke gegriffen hatte, um seine Plakette herauszuholen. Sie war ein goldenes Schild in einem abgewetzten Lederetui, das ihm jetzt aus der Hand flog, sich mehrmals 'berschlug und dicht vor meinem Wagen am Randstein landete.
Die Zeit stand still.
Ich starrte den Cop an. Er lag im Rinnstein auf dem R'cken. Seine Brust war eine einzige rote Masse. Alles war voller Blut. Aber es quoll nicht, wurde nicht herausgepumpt. Kein sichtbarer Herzschlag. Sein Oberhemd wies ein gro's gezacktes Loch auf. Er lag v'llig still. Sein Kopf war so zur Seite gedreht, dass eine Wange auf dem Asphalt lag. Seine Arme waren ausgebreitet, und ich konnte die Venen auf de
n Handr'cken erkennen. Die Schw'e des Asphalts, das lebhafte Gr'n des Grases und das leuchtende Blau des Himmels waren mir sehr bewusst. W'end das Echo der Sch'sse noch in meinen Ohren dr'hnte, konnte ich das Rascheln der von einer Brise bewegten jungen Bl'er h'ren. Ich sah, wie der magere Junge durch die Windschutzscheibe meines Lieferwagens erst den niedergeschossenen Cop und dann mich anstarrte. Ich sah den Streifenwagen des College-Sicherheitsdienstes durchs Tor rollen und nach links abbiegen. Er fuhr langsamer, als er h'e fahren sollen. Hier waren unz'ige Sch'sse gefallen. Vielleicht machten sie sich Sorgen dar'ber, wo ihr Zust'igkeitsbereich begann und wo er endete. Vielleicht hatten sie einfach nur Angst. Ich sah ihre blassen Gesichter hinter der Windschutzscheibe. Ihr Wagen kam mit weniger als f'nfzehn Meilen auf mich zugekrochen. Ich blickte auf die goldene Plakette im Rinnstein hinab. Das Metall war durch lebenslanges Tragen blank gewetzt. Ich blieb unbeweglich stehen. Schon vor langem hatte ich eines gelernt: dass es ganz einfach ist, einen Mann zu erschie'n, aber v'llig unm'glich, ihn wieder lebendig zu machen.
Ich h'rte, wie der Wagen der Collegecops langsam auf mich zurollte, h'rte, wie seine Reifen 'ber Splitt knirschten. Sonst war alles still. Dann begann die Zeit wieder zu laufen, und eine Stimme in meinem Kopf kreischte Los, los, los!, und ich rannte los. Ich hechtete in den Lieferwagen, warf den Colt auf den Mittelsitz, lie'den Motor an und wendete so scharf, dass die 'eren R'r die Bodenhaftung verloren. Der magere Junge wurde dabei durchs Fahrerhaus geschleudert. Ich stellte das Lenkrad wieder gerade, gab Vollgas und raste nach S'den davon. Mein Blickfeld im R'ckspiegel war beschr't, aber ich sah, dass die Collegecops sofort ihre Blinkleuchten einschalteten und die Verfolgung aufnahmen. Der Junge neben mir gab keinen Laut von sich. Sein Mund stand offen. Er konzentrierte sich darauf, auf seinem Sitz zu bleiben. Ich konzentrierte mich darauf,
noch weiter zu beschleunigen. Zum Gl'ck herrschte nur wenig Verkehr. Dies war eine verschlafene Kleinstadt in New England ' und das am fr'hen Morgen. Ich brachte die Geschwindigkeit auf ungef' siebzig, umklammerte das Lenkrad, bis meine Fingerkn'chel wei'hervortraten, und stierte verbissen nach vorn.
'Wie weit sind sie zur'ck?', fragte ich den Jungen.
Er gab keine Antwort, lehnte nur zusammengekr'mmt in seiner Ecke und starrte den schmutzig grauen Wagenhimmel an. Mit der rechten Hand st'tzte er sich von der T'r ab. Blasse Haut, lange Finger.
'Wie weit zur'ck?', wiederholte ich. Der Motor r'hrte.
'Sie haben einen Cop erschossen', sagte er. 'Dieser alte Mann war ein Cop, m'ssen Sie wissen.'
'Ich wei''
'Sie haben ihn erschossen.'
'Unfall', sagte ich. 'Wie weit sind die anderen zur'ck?'
'Er wollte Ihnen seine Plakette zeigen.'
'Wie weit sind die anderen zur'ck?'
Er raffte sich auf, drehte sich um und versuchte, durch die kleinen Fenster in den Heckt'ren zu sehen.
'Drei'g Meter', sagte er dann. Seine Stimme klang vage und 'stlich. 'Verdammt nah. Der Beifahrer h't mit einer Waffe in der Hand aus dem Fenster.'
Wie auf ein Stichwort hin h'rte ich den Schussknall einer Handfeuerwaffe, der das R'hren des Motors und das Quietschen der Reifen 'bert'nte. Ich griff nach dem Colt neben mir. Lie'ihn wieder fallen. Er war leer geschossen. Ich hatte bereits sechsmal gefeuert. Ein Autok'hler, zwei Reifen, zwei Kerle. Und ein Cop.
'Handschuhfach', sagte ich.
'Sie sollten anhalten', sagte er. 'Ihnen alles erkl'n. Sie haben mir geholfen. Das mit dem Cop war ein Irrtum.' Er sah mich nicht an, starrte weiter aus den Heckfenstern.
'Ich habe einen Cop erschossen', erwiderte ich mit einer v'llig neutral klingenden Stimme. 'Das ist alles, was sie wissen, was sie wissen wollen. Wie oder warum ist ihnen schei'gal.'
Der Junge schwieg.
'Handschuhfach', wiederholte ich.
Er drehte sich wieder um und 'ffnete di
e Klappe. Im Handschuhfach lag eine zweite Anaconda. Identisch. Gl'ender rostfreier Stahl, voll geladen. Ich nahm dem Jungen den Colt aus der Hand und kurbelte das Fenster herunter. Kalte Luft wehte wie ein Sturmwind herein und brachte das stetige Knallen einer Handfeuerwaffe mit.
'Schei'', sagte ich.
Der Junge schwieg. Die Sch'sse knallten weiter. Wie k'nnen sie uns nur verfehlen?
'Runter auf den Boden', befahl ich.
Ich rutschte seitlich tiefer, bis meine linke Schulter am T'rrahmen anlag, und streckte den angewinkelten rechten Arm so weit aus dem Fenster, dass der Revolver nach hinten zeigte. Als ich den ersten Schuss abgab, starrte der Junge mich entsetzt an, rutschte nach vorn und verkroch sich mit sch'tzend 'ber den Kopf gelegten H'en im Fu'aum vor dem Beifahrersitz. Sekunden sp'r explodierte drei Meter hinter der Stelle, an der sein Kopf sich befunden hatte, das Fenster in der Heckt'r.
'Schei'', sagte ich wieder und lenkte nach links, um meinen Schusswinkel zu verbessern. Schoss erneut nach hinten.
'Ich brauche Sie als Aufpasser', sagte ich. 'Aber bleiben Sie so tief wie m'glich unten.'
Der Junge r'hrte sich nicht.
'Los, kommen Sie rauf!', sagte ich. 'Sofort!'
Er stemmte sich ein wenig hoch und drehte den Oberk'rper, bis er gerade so eben nach hinten blicken konnte. Ich bemerkte, wie er das zerschossene Heckfenster registrierte, und erkannte, dass sein Kopf sich in gerader Linie mit dem Fenster befunden hatte.
'Ich fahre jetzt etwas langsamer', erkl'e ich. 'Und weiter rechts, damit sie zum 'erholen ansetzen k'nnen.'
'Tun Sie's nicht', warnte mich der Junge. 'Sie k'nnen diese Sache noch in Ordnung bringen.'
Ich ignorierte ihn. Verringerte mein Tempo auf ungef' f'nfzig und fuhr scharf rechts, sodass der Streifenwagen der Collegecops instinktiv nach links zog, um sich neben mich zu setzen. Ich schoss meine drei letzten Patronen auf ihn ab. Seine Windschutzscheibe zersplitterte, und er schleuderte wild 'b
er die gesamte Stra'nbreite, als sei der Fahrer getroffen oder wenigstens einer der Reifen. Er geriet aufs gegen'berliegende Bankett, pfl'gte mit dem K'hler durch die sich dort befindliche niedrige Hecke und verschwand au'r Sichtweite. Ich warf den leeren Revolver auf den Sitz neben mich, kurbelte das Fenster hoch und gab wieder Vollgas. Der Junge sagte nichts, starrte nur nach hinten in den Lieferwagen.




"Wenn Lee Child seinen Ex-Militärbullen Jack Reacher von der Leine lässt, kann man getrost davon ausgehen, dass Magnumwummen große Löcher in Menschen schießen und Knackpunkte meist in Verbindung mit einem Halswirbel daherkommen. ...Hart, ohne Kompromisse, herrlich."

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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Gnadenlos - von Chryssia - 13.10.2013 zu Lee Child „Der Janusmann“
Erst nach mehr als 400 Seiten erschließen sich Hintergrund und Sinn von Jack Reachers Unternehmungen. Er will einen tot geglaubten Mann namens Quinn aufspüren und Rache nehmen ... Vom 5. Kapitel an wird die Story viel zu ausführlich, und das in einem Stil, der wohl harte Männer ansprechen soll, aber primitiv wirkt. (Zog die Waffe. Zielte. Traf sofort.) Zu breit geschildert werden auch verschiedene Waffentypen, Reachers Ausflüge und die brutalen Kampfszenen. Trotzdem recht spannend.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Spannend!! - von bücherwurm - 02.07.2010 zu Lee Child „Der Janusmann“
Für alle Thriller-Fans - und für Jack-Reacher-Fans sowieso.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Mit der Knarre in der Hand - von Polar - 12.09.2007 zu Lee Child „Der Janusmann“
Jack Reacher. Ein Mann, ein Programm. Am liebsten löst er seine Fälle im Alleingang, teils um andere nicht in Gefahr zu bringen, teils damit sie ihren Job nicht verlieren. Als Ex-Militärpolizist, der im Untergrund lebt, verfügt er über Freiheiten, die selbst über jene hinausgehen, die manche Ermittlungsbehörde sich anmaßt. Seine Spezialität ist der außer dem Gesetz stehende Genickbruch. Teilweise wirkt dies etwas übermenschlich, trotz harten Trainings und enormen Wissens. Wäre da nicht Lee Child, der fesselnd zu beschreiben versteht, der einen Leser wie in Der Janusmann am Anfang in die Irre führt, könnte das banal werden. Allein wie Child gegen Ende des Romans Reacher in einen todbringende Strömung fallen und ums Überleben kämpfen läßt, zeigt mit welcher sprachlichen Raffinesse er Spannung zu bauen versteht, obwohl jeder Leser weiß, daß der Held nicht sterben kann. Man fiebert mit. Nicht der schlechteste Effekt, den ein Autor erzielen kann. Im Janusmann geht es um illegalen Waffenhandel, also wird ein bißchen sehr oft von Waffengattungen, deren Durchschlagskraft und sonstigen Eigenheiten gesprochen. Zu viel des Guten. Der Autor führt unter Beweis, daß er sich in sein Thema eingelesen hat. Auch das Ende ist so zum Finale hoch gepuscht, daß nur ein Jack Reacher Erfolg haben kann. Wenn man soviel gegen einen Roman ins Feld bringt und ihn trotzdem gerne zu Ende gelesen hat, muß der Rest wohl spannend und in rasantem Tempo geschrieben sein.
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