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Engelsgrube

Pia Korittkis zweiter Fall. 1. Aufl. 2009.
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Produktdetails
Titel: Engelsgrube
Autor/en: Eva Almstädt

EAN: 9783838700267
Format:  EPUB ohne DRM
Pia Korittkis zweiter Fall.
1. Aufl. 2009.
Bastei Entertainment

März 2009 - epub eBook - 288 Seiten

Ein Pia-Korittki-Fall

In den Gassen und Gewölben der historischen Altstadt Lübecks werden zwei Menschen brutal ermordet. Die Mordwaffen, ein antikes Stilett und ein Armeerevolver, wirken wie Requisiten in einem blutig inszenierten Drama. Kommissarin Pia Korittki zieht mit ihren Ermittlungen immer weitere und gefährlichere Kreise - und merkt zu spät, dass sie sich auf ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel eingelassen hat ...
Eva Almstädt, 1965 in Hamburg geboren und dort auch aufgewachsen, absolvierte eine Ausbildung in den Fernsehproduktionsanstalten der Studio Hamburg GmbH und studierte Innenarchitektur in Hannover. Seit 2001 ist sie freie Autorin und schreibt zurzeit an ihrem siebten Roman. Eva Almstädt lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Hammoor, Schleswig-Holstein.
24. KAPITEL (S. 232-233)

Die Engelsgrube war eine abschüssige Straße, die sich vom Koberg hinunter bis zur Drehbrücke zog. Pia stand neben dem Gebäude der Schiffergesellschaft und blickte skeptisch hinunter in Richtung Hafen. Zwischen den gemauerten Schwibbogen, die die schmale Straße überspannten, sah Pia den wolkenverhangenen Abendhimmel. Sie war froh, ihre Taschenlampe aus dem Auto mitgenommen zu haben. Jetzt, wo sie sich an Ort und Stelle befand, erschien ihr Neles Aussage absurd. Sie wusste gar nicht, wo sie anfangen sollte zu suchen. Und bevor sie nicht irgendetwas gefunden hatte, was die Vermutung ihrer Schwester bestätigte, wollte sie auch niemanden mit in diese Unternehmung hineinziehen. Dazu war immer noch Zeit, falls sie hier etwas finden sollte, das der Telefonnummer eines Auftragskillers auch nur ein bisschen ähnelte. Langsam schritt Pia den Fußweg ab. Sie achtete auf jeden Farbklecks.

Der Lichtkegel ihrer Taschenlampe glitt über Fassaden, Schilder und das Straßenpflaster. Pia entdeckte dabei eine Vielzahl gleichförmiger Graffitis, deren Bedeutung sie jedoch nicht verstand. Von einer Telefonnummer fand sie keine Spur. Am unteren Ende der Engelsgrube angekommen, überquerte sie die Straße und machte sich auf der anderen Seite wieder auf den Weg nach oben. Inzwischen war es stockdunkel, und ein leichter Nieselregen hatte eingesetzt.

Pia sah in die Schaufenster der Heilsarmee und der Antiquitätenläden, untersuchte auch die Hauswände der Seitenstraßen und Gänge und kam genauso schlau wie vorher wieder oben am Koberg an. So viel zur Engelsgrube, so viel zu Kneipengewäsch, dachte Pia enttäuscht. Vielleicht war Neles Information aber auch schon zu alt, die Nummer längst wieder beseitigt worden, vermutete sie. Vielleicht gab es jetzt irgendwo anders in Lübecks Altstadt
eine unscheinbare Zahlenkombination, mit deren Hilfe man einen lästigen Mitmenschen ins Jenseits befördern konnte. Doch wo sollte sie danach suchen?

Es erschien ihr so aussichtslos, dass Pia sich plötzlich zu der Feier mit Musik, Wärme und kostenlosen Getränken zurücksehnte. Wo würde ich so eine Telefonnummer verstecken?, fragte sie sich, da sie einfach nicht aufgeben wollte. Sie soll gefunden werden, aber nur von denen, die auf Grund dieser spartanischen Information »Engelsgrube« danach suchen. Es soll ein anonymer Ort sein, denn derjenige, der einen Mord gegen Bezahlung anbietet, will seine Identität keinesfalls preisgeben. In der Straße abgestellte Fahrzeuge, private Fenster oder Ladengeschäfte kommen nicht in Frage.

Die Person, die auf so einen Job aus ist, darf beim Anbringen dieser Nummer nicht gesehen werden, zumindest darf sie nicht auffallen, dachte Pia des Weiteren. Sie ging noch einmal bergab in Richtung Hafen, untersuchte die Metallpfähle, die den Radweg von der Fahrbahn trennten, einen Stromzählerkasten, Verkehrsschilder. Nichts! Erst auf dem Weg zurück zum Koberg nahm Pia sie richtig wahr: die hässliche, gelbe Telefonzelle, die sie bis dahin nur von außen untersucht hatte. Entschlossen drückte sie die Tür auf und betrat den muffigen Innenraum. Die Rückwand der Zelle und auch die verglasten Seitenwände waren beschmiert und verkratzt mit Nummern, Namen und obszönen Bildchen. Wahrscheinlich würde es niemandem sonderlich auffallen, wenn jemand hier drinnen herumkritzelte. Als Pia das Gesamtbild der Verschmutzung in sich aufgenommen hatte, konnte sie sie mit einem Male sehen. Die eine Zahlenkombination, die sich aus unerfindlichen Gründen von allen anderen abhob.

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