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Alle Rezensionen von cosmea

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In David M. Barnetts Debütroman "Miss Gladys und ihr Astronaut" springt der 46jährige Chemiker Thomas Major für den plötzlich verstorbenen, eigentlich vorgesehen Astronauten ein und begibt sich auf den ersten bemannten Flug zum Mars - eine Reise ohne Wiederkehr. Er soll auf dem roten Planeten alles für eine spätere Besiedlung vorbereiten. Sein eigentliches Motiv für diese Aktion ist, dass er die Menschen nicht mehr erträgt. Aus dem All ruft er seine Exfrau Janet an und landet bei Gladys Ormerod, einer Großmutter Anfang 70, die unter fortschreitender Demenz leidet. Sie ist offiziell für ihre Enkel Ellie, 15 und James, 10 verantwortlich, seit ihr Sohn Darren eine Haftstrafe verbüßt. Leider hat Gladys versehentlich den Dauerauftrag für die Mietzahlungen gelöscht, das gesamte Geld der Familie einem Betrüger überwiesen und alle Mahnungen ignoriert, so dass die Zwangsräumung unmittelbar bevorsteht. Die einzige Rettung könnte die erfolgreiche Teilnahme des hochbegabten James beim Nationalen Wettbewerb für Junge Wissenschaftlicher sein, für die ein Preisgeld in Höhe der Mietschulden ausgesetzt ist. Bis zu diesem Augenblick hat die junge Ellie unter Vernachlässigung ihrer schulischen Pflichten die gesamte Verantwortung getragen, mit drei Jobs den Lebensunterhalt finanziert und das Auseinanderbrechen der Familie verhindert. Der Astronaut, den alle nur Major Tom nennen, erfährt in mehreren Gesprächen mit den Ormerods von der Notlage der Familie und will sich zunächst nicht hineinziehen lassen. Seine Einstellung ändert sich jedoch allmählich, weil er sich wegen seines eigenen Verhaltens in der Vergangenheit schuldig fühlt und Wiedergutmachung leisten will. Im Laufe der Geschichte erfährt der Leser also nicht nur alles über die Lebensumstände der Ormerods, sondern auch, warum Thomas Major zum unausstehlichen Griesgram und Menschenfeind geworden ist. Die Geschichte liest sich trotz einiger unwahrscheinlicher Zufälle sehr gut. Man merkt schnell, dass dies kein Science Fiction-Roman ist, auch kein Buch über David Bowie, dessen Musik jedoch eine große Rolle spielt. Es ist ein Roman über Freundschaft und Menschlichkeit. Der Autor vermittelt die Botschaft, dass man die Hoffnung nie aufgeben darf. Auch der griesgrämige Major Tom begreift, dass nicht alle Menschen schlecht sind und er dem irdischen Leben vielleicht etwas vorschnell den Rücken gekehrt hat. "Miss Gladys¿" ist ein Wohlfühlroman, der mich berührt hat.

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C. J. Tudors Debütroman "Der Kreidemann" spielt in dem kleinen Ort Alderbury in Südengland. Es geht um eine Gruppe von fünf Freunden - Eddie genannt Munster, Fat Gav, Metal Mickey, Hobbo und das Mädchen Nicky -, die zunächst eng befreundet sind und ihre ganze Freizeit zusammen verbringen. Im Jahr 1986 sind sie 12 Jahre alt. Eines Tages besuchen sie einen Jahrmarkt, wo sie Mr Halloran, den Kreidemann zum ersten Mal sehen. Er ist ein Albino, dem die meisten Menschen von Anfang mit Misstrauen begegnen. Er wird im neuen Schuljahr an der Schule der Kinder unterrichten. Noch wichtiger ist aber, dass an diesem Tag ein furchtbares Unglück passiert. Ein Teil löst sich von einem Fahrgestell und verletzt ein wunderschönes junges Mädchen namens Elisa schwer. Ed und Mr Halloran retten ihr durch Erste-Hilfe-Maßnahmen das Leben. Von da an geht es bergab mit der Jungenbande, und ein Verhängnis scheint den Ort für lange Zeit zu bedrohen. Es gibt Gewalt und mehrere Todesfälle. Von Mr Halloran stammt die Idee, über Kreidezeichen miteinander zu kommunizieren. Kreidezeichen führen die Jungen zu der Leiche eines Mädchens im Wald. Es handelt sich um Elisa, die den Unfall überlebt hatte. Die Polizei stellt die Ermittlungen schon bald ein, weil sie glaubte, in Mr Halloran einen passenden Schuldigen gefunden zu haben. Nickys Vater, ein fanatischer Pfarrer, sorgt mit seinen Anhängern für viel Unruhe, wenn er gegen die Abtreibungsklinik im Ort wettert. Eds Mutter ist als Ärztin dieser Klinik ständigen Anfeindungen und Übergriffen ausgesetzt. Auch Ed wird immer wieder angegriffen, vor allem von Sean, Metal Mickeys älterem Bruder. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen aus Eds Perspektive erzählt. 2016 ist er 42 Jahr alt, als die Vergangenheit durch Briefe mit Kreide und der Zeichnung eines Strichmännchens wieder lebendig wird. In den die Erzählgegenwart betreffenden Abschnitten wird deutlich, dass die Vergangenheit das Leben aller Beteiligten in diesen 30 Jahren überschattet hat, dass jeder von ihnen ein Geheimnis verbirgt. Auch Ed hat Dinge getan, die er bereut. Ed und die anderen versuchen nun, den Mord 30 Jahre nach der Tat aufzuklären. Der meist hoch gelobte Thriller macht es dem Leser nicht leicht. Immer neue Zufälle und Handlungsumschwünge sorgen für Verwirrung und sind leider zum Teil wenig plausibel. Manche Szenen wirken schon sehr weit hergeholt. Am Ende rekonstruiert der Leser mühsam, wer was getan hat und warum. Wegen dieser Mängel empfehle ich "Der Kreidemann" nicht uneingeschränkt.

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In Karen Clevelands Debütroman "Wahrheit gegen Wahrheit" ("Need to Know") geht es um die Spionageabwehr-Analystin Vivian Miller, die in der Russlandabteilung der CIA arbeitet und der es gelingt, den Computer eines russischen Agentenführers mit Hilfe des von ihr entwickelten Algorithmus zu hacken. Was sie dabei entdeckt, stellt ihr ganzes bisheriges Leben auf den Kopf. Einer der fünf Schläfer der auf diese Weise entdeckten Zelle ist ihr Ehemann Matt. Wird sie ihn ausliefern und damit ihren vier Kindern den Vater nehmen, oder wird sie um jeden Preis versuchen, ihre Familie zusammenzuhalten? Die Entscheidungen, die sie in der Folge trifft, erweisen sich als Fehler und bringen sie in immer größere Schwierigkeiten. Sie kann nun niemandem mehr trauen, am wenigsten ihrem Ehemann. Vivian lässt Ereignisse, Äußerungen und Verhaltensweisen ihres Mannes in der Vergangenheit Revue passieren und begreift, in welchem Ausmaß sie manipuliert und verraten worden ist. Doch dann ist sie in ihrer Naivität genauso oft wieder bereit, ihm zu vertrauen. Ihr Umgang mit den Problemen wirkt wenig professionell. Sie lässt sich zunächst ausschließlich von ihren Gefühlen leiten und setzt die erworbenen beruflichen Fähigkeiten nicht ein. "Wahrheit gegen Wahrheit" ist eine Mischung aus Spionageroman und Beziehungsgeschichte mit einer überraschenden Wendung am Schluss. Der Familienalltag der Millers und die Vorgeschichte des Paares nehmen breiten Raum ein. Auch wenn es kein Thriller ist, fand ich das Buch durchaus spannend und lesbar. Große Literatur ist das allerdings nicht. Es fehlt insgesamt an Tiefgang, und die Charakterisierung der Protagonisten überzeugt nicht. Dafür scheint der Roman eine gute Vorlage für eine Verfilmung zu sein. Da überrascht es nicht, dass die Filmrechte sofort verkauft wurden und eine Verfilmung mit Charlize Theron geplant ist.

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William Finnegan ist Schriftsteller und Journalist beim New Yorker, als er im Alter von 64 seine Autobiografie "Barbarentage" über sein Surferleben veröffentlicht. Er ist in Kalifornien und Hawai aufgewachsen und hat bereits mit 11 Jahren angefangen zu surfen. Er beschreibt ein unkonventionelles Leben voller Abenteuer und Gefahren, das von einer einzigen großen Leidenschaft dominiert wird: dem Surfen. Das Surfen ist nicht lediglich ein Sport für ihn, sondern ein "Weg" zur Selbsterkenntnis und Erfahrung der Welt, eine Lebensform, die er niemals aufgibt, auch nicht als er in seinem Beruf Fuß gefasst und eine Familie gegründet hat. Er bereist im Laufe der Jahrzehnte die ganze Welt auf der Suche nach der perfekten Welle und beschreibt seine Surferlebnisse mit ungeheurer Detailfreudigkeit und einer Fülle von Spezialausdrücken aus dem Surfer-Argot. Ohne das Glossar am Ende des umfangreichen Buches wäre der Leser aufgeschmissen. Auch so kann ich nicht behaupten, dass ich alles verstehe. Das macht die Lektüre zuweilen etwas mühsam und zäh. Es geht jedoch nicht ausschließlich um das Surfen. Zu jeder Erkundung eines Surfreviers in allen Teilen der Welt gehört immer ein Freund, mit dem er diese Erfahrung teilt, der aber auch bis zu einem gewissen Grad Rivale ist. William Finnegan beschreibt, wie er immer besser wird auch in der Beherrschung riesiger Wellen, bis es altersbedingt zu einem allmählichen Nachlassen seiner Kräfte und Fähigkeiten kommt. An dem Buch faszinieren mich neben den teilweise sehr poetischen Beschreibungen der Erlebnisse beim Surfen vor allem die Passagen, in denen er von seinen Selbstzweifeln und seinem Selbsthass spricht. Er sieht sehr wohl die ethische Seite des Handelns von weißen Männern, die einem komfortablen Leben mit vielfältigen Möglichkeiten zugunsten eines Sports den Rücken kehren, wo chancenlose Menschen in vielen Teilen der Welt um das nackte Überleben kämpfen und einem solchen Verhalten nur mit Unverständnis und Ablehnung begegnen können. Er selbst fragt sich immer wieder, ob er nicht sein Leben verschwendet, wenn er seiner Leidenschaft jahrzehntelang nachgibt. Er geht noch immer hohe Risiken ein, wäre viele Male fast ertrunken. Im Laufe der Zeit hat sein Interesse für die geopolitischen Verhältnisse in den besuchten Ländern zugenommen, und er verfasst kritische Texte, z.B. zu Südafrika zur Zeit der Apartheid. Insgesamt ist diese ungewöhnliche Autobiografie von herausragender sprachlicher Qualität und kann auch dem Laien die Faszination und Besessenheit vom Surfsport verdeutlichen, die dem Autor nie eine Wahl gelassen haben. Perfekte Wellen vergisst er nie mehr. Sie vermitteln ihm eine Ahnung von Ewigkeit. Ein ungewöhnliches, lesenswertes Buch.

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In "Nachtwild" von Gin Phillips geht es um eine Mutter - Joan -, die wie schon häufig den Zoo mit ihrem vierjährigen Sohn Lincoln besucht. Sie haben ihre Lieblingsplätze besucht und ihre üblichen Rituale absolviert, als plötzlich explosionsartige Geräusche zu hören sind. Joan eilt mit Lincoln Richtung Ausgang, wo sie mehrere Tote am Boden liegen und einen jungen Mann mit einer Waffe sieht. Sie läuft zurück und versteckt sich in einem leeren Gehege, später noch an anderen Stellen, wo sie auf weitere Überlebende trifft. Alle sind gefangen wie sonst nur die Tiere im Zoo. Im Folgenden geht es um die vielen Entscheidungen, die Joan treffen muss, um ihr Überleben zu ermöglichen. Polizisten tauchen erst am Ende auf. Sie ist auf sich allein gestellt und muss ihren Sohn ständig dazu anhalten, leise zu sein, damit sie sich nicht verraten und darf ihn trotzdem nicht ängstigen, weil seine Reaktionen dann unkalkulierbar werden könnten. Joan muss schließlich ein sicheres Versteck verlassen, um aus den Automaten etwas Essbares zu besorgen, weil bei ihrem Sohn Unterzuckerung droht - mit weiteren unabsehbaren Folgen. Die Autorin beschreibt einen Zeitraum von etwas über drei Stunden überwiegend aus der Perspektive der Mutter. Sie zeigt, wie eng das Verhältnis zwischen Mutter und Kind ist, wie sie alle Entscheidungen ausschließlich unter dem Gesichtspunkt trifft, dass sie sein Leben retten will. Dabei ist sie sich durchaus der damit verbundenen ethischen Probleme bewusst. Hat sie das Recht, ein Baby nicht zu retten, das ihnen allen durch sein Schreien den Tod bringen könnte? Der kammerspielartig konstruierte Roman mit der klassischen Einheit von Raum, Zeit und Handlung kommt ohne Gewaltorgien aus, ist aber dennoch packend, wenn auch nicht ganz so spannend, wie in den Werbetexten angekündigt. Die unerwartete Bedrohung durch einen oder mehrere Killer ist kein Produkt der Fantasie von Phillipps, sondern real genug, wie die Schulschießereien - zuletzt in Texas -, die seit dem Massaker an der Columbine High School am 20. April 1999 die USA erschüttern, immer wieder zeigen. "Nachtwild" macht deutlich, was Mutterschaft und -liebe bedeuten, welche Ängste um ihr Kind eine Mutter von seiner Geburt an umtreiben und zu welchen Opfern sie um seinetwillen bereit ist. Die Autorin charakterisiert ihre Figuren sorgfältig, vor allem Joan und den lebhaften, ungewöhnlich frühreifen vierjährigen Lincoln. Ein lesenswerter, ziemlich ungewöhnlicher Thriller.

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Kleine Feuer überall" ist Celest Ngs zweiter Roman nach ihrem hochgelobten Debüt. Die Familie Richardson lebt in Shaker Heights, einem Vorort von Cleveland Ohio, wo fast ausschließlich Reiche leben. Auch die Richardsons sind ein gutsituiertes Ehepaar der oberen Mittelschicht. Bill ist Partner in einer Sozietät, Elena schreibt als Journalistin harmlose Artikel für eine kleine lokale Zeitung. Sie haben vier Kinder. Nur Isabelle genannt Izzy, die Jüngste, macht Probleme. Alles scheint perfekt in dieser Siedlung, wo alles geregelt ist, sogar der Fassadenanstrich.. Alles verläuft nach festgelegten Regeln. Elena hat dieses Prinzip verinnerlicht und duldet auch nach außen keine Abweichungen in ihrer scheinbar perfekten Familie. Eines Tages brennen in ihrem Haus kleine Feuer in sechs Schlafzimmern gleichzeitig. Die meisten Mitglieder waren zum Zeitpunkt des Ausbruchs abwesend. Nur Izzy ist und bleibt verschwunden. Hat die 15jährige die Brände gelegt und wenn ja warum? Oder hat die Mieterin einer Wohnung der Richardsons in ihrem geerbten Haus etwas damit zu tun? Mrs Richardson wollte ein gutes Werk tun, indem sie der mittellosen alleinerziehenden Fotografin Mia Warren und ihrer 15jährigen Tochter Pearl die Wohnung überließ. Mutter und Tochter sind am Vorabend überstürzt ausgezogen. Ein zweiter Konflikt spaltet seit einiger Zeit die Bewohner von Shaker Heights. Eine mittellose Chinesin hatte ihr Baby in einer extremen Notlage ausgesetzt, ein reiches kinderloses Ehepaar aus dem Freundeskreis der Richardson bemüht sich um die Adoption. Die Mutter, eine Arbeitskollegin von Mia, verlangt ihr Kind zurück. Ein Richter muss entscheiden, wer das Kind bekommt - die leibliche Mutter oder das reiche Ehepaar. Was zählt mehr? Biologie oder die materiellen Gegebenheiten? Mia und Elena stehen auf verschiedenen Seiten. Da Elena Mias Motiven misstraut, beschließt sie, Mias Vergangenheit zu erforschen und ihre Geheimnisse ans Licht zu bringen. Es erfüllt sie mit großem Unbehagen, dass ihre Kinder sich mit Pearl anfreunden und zunehmend unter den Einfluss der Mutter geraten. Sie sieht in Mias gegensätzlichem Lebensentwurf eine wachsende Gefahr für ihre eigene häusliche Idylle. Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt und enthält zahlreiche Rückblenden. Wie raffiniert die Erzählstruktur ist, zeigt sich, wenn Elena Mias Vergangenheit erforscht. Mias Vorgeschichte und künstlerischer Werdegang werden von einem allwissenden Erzähler in aller Breite dargestellt. Was da berichtet wird, ist nicht das Ergebnis von Elenas Recherchen. Derselbe Erzähler gibt in Vorausdeutungen auch zahlreiche Hinweise auf die Zukunft. Der sehr gut geschriebene Roman mit sorgfältiger Charakterisierung auch der Nebenfiguren spricht mehrere wichtige Themen an. Es geht um die Bedeutung von Mutterschaft und die Beziehung von Müttern und Töchtern an gleich mehreren Beispielen, um Rasse und Identität, um die Macht von Geheimnissen, die in den Familien ihre zerstörerische Wirkung entfalten, um angepasstes und unkonventionelles Leben. Sehr gelungen finde ich die im Titel und der Eingangsszene enthaltene Thematik des Feuers. Die realen Feuer werden auf der metaphorischen Ebene mehrfach gespiegelt. Elena war immer überzeugt, dass man die gefährlichen Feuer der Leidenschaft löschen muss, sonst werden sie zum Flächenbrand. Sie hat den Funken der Rebellion und alle weitergehenden Ambitionen frühzeitig in sich erstickt - zugunsten eines angepassten, strikten Regeln gehorchenden Lebens. An Mia Warren sieht sie, welche Chancen sie dadurch verpasst hat. Vor Schaden hat sie dieses Leben nicht bewahrt. Sie selbst hat letztliche das fragile Gebilde ihrer scheinbar perfekten Familie durch ihre skrupellosen Recherchen zum Einsturz gebracht. Mia gibt Izzy ihre Erkenntnis mit auf den Weg, dass man manchmal alles niederbrennen muss, um sich zu befreien und neu anzufangen. Ein bemerkenswerter, auch sprachlich hervorragender Roman.

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"Krokodilwächter" ist Katrine Engbergs Thrillerdebüt. Der Roman schaffte es gleich auf die dänische Bestsellerliste - völlig zu Recht. Esther de Laurenti, Professorin im Ruhestand, genießt ihr Leben. Sie feiert mit Freunden, nimmt Gesangsstunden bei ihrem jungen Freund Kristoffer und schreibt an einem Kriminalroman. Sie lebt im obersten Stock ihres Hauses in der Kopenhagener Innenstadt. Die anderen Etagen sind vermietet. Eines Tages passiert etwas Unvorstellbares: Ihr alter Mieter Gregers sieht durch die geöffnete Wohnungstür die Leiche einer jungen Frau und erleidet einen Herzanfall. Esther erfährt erst durch die Ermittler Jeppe Korner und seine Kollegin Anette Werner, dass eine Mieterin in ihrem Haus grausam ermordet worden ist. Das Makabre an der Sache ist, dass der Tathergang stark an eine Szene aus dem Manuskript ihres Kriminalromans erinnert. Dadurch gerät sie selbst unter Verdacht. Im Folgenden gehen die Ermittler einer Vielzahl von Spuren nach - über lange Zeit ohne Ergebnis. Es werden zahlreiche falsche Fährten gelegt. Erraten kann man die Auflösung nicht wirklich, nur ahnen, welche Ereignisse in der Vergangenheit zu diesem und weiteren Verbrechen geführt haben. Engberg ist ein spannender Thriller mit sorgfältig gezeichneten Charakteren gelungen. Das sympathische Polizistengespann Jeppe Korner und Anette Werner macht neugierig auf die angekündigten Folgebände, wobei der physisch und psychisch angegriffene Jeppe deutlich in der Tradition der beschädigten Ermittlerpersönlichkeiten von Mankells Wallander und Co. steht. Ich habe diesen Roman gern gelesen und empfehle ihn ohne Einschränkung.

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"Höllenjazz in New Orleans" (Original: "The Axeman¿ s Jazz") von Ray Celestin ist der Auftakt einer vierteiligen Krimiserie. Er basiert zum Teil auf tatsächlichen Ereignissen und enthält real existierende Personen, z.B. Louis Armstrong und andere bekannte Jazzmusiker. Von 1918-1919 ermordete ein unbekannter Serienkiller eine Reihe von italienischen Ladenbesitzern. Es waren blutige Axtmorde, und der Killer hinterließ jedes Mal einige Tarotkarten am Tatort oder sogar in den Wunden der Opfer. Dann kündigt er in einem Brief an die Lokalzeitung weitere Morde an und fordert die Menschen auf, an einem bestimmten Tag um 0.15 Jazz in ihren Häusern erklingen zu lassen, andernfalls würden sie die nächsten Opfer sein. In New Orleans breitet sich Panik aus. Die Polizei tappt im Dunkeln. Detective Lieutenant Michael Talbot arbeitet hart an dem Fall, kann aber bisher keine Ergebnisse vorweisen. Er hat sowieso einen schweren Stand, seit er seinen früheren Mentor Luca d¿Andrea wegen Korruption angezeigt hat. Außerdem verbreitet sich in der extrem rassistischen Stadt das Gerücht, dass er mit einer Farbigen zusammenlebt. In diesem zwar sehr umfangreichen, aber außerordentlich spannenden Krimi gibt es nicht einen, sondern drei Ermittler. Außer dem Polizisten Talbot versucht auch Luca d¿Andrea nach seiner Entlassung aus 6jähriger Haft im Auftrag der Mafia den Mörder zu identifizieren, der es durch die Wahl seiner Opfer offensichtlich darauf anlegt, die Mafia zu diskreditieren. Luca hat als Vollwaise frühzeitig den Schutz seiner Landsleute gesucht und kann sich auch jetzt nicht aus den Fängen des Matranga-Clans befreien. Die 19jährige Ida Davis, Angestellte der Pinkerton Detetektivagentur, ermittelt zusammen mit ihrem Freund Louis Armstrong. Sie ist die langweilige Büroarbeit leid und hat Hinweise, dass ihr Chef John Lefebvre irgendwie in die Sache verwickelt ist. Alle drei Ermittler haben Informanten und gehen wichtigen Spuren nach. Alle drei geraten in Lebensgefahr wie auch einige andere, die dem Axeman zu nahe kommen. Jeder von ihnen bekommt einen Zipfel der Wahrheit zu packen, aber nur der Leser weiß am Ende, was genau passiert ist und warum. Der Krimi besticht jedoch nicht nur durch seine raffinierte Struktur, sondern auch durch seine Themenvielfalt. Der Autor zeichnet mit viel Lokalkolorit und Detailgenauigkeit das Bild einer chaotischen, aber auch sehr lebendigen Stadt, wo Rassentrennung, das unselige Wirken der mächtigen Mafia-Clans, Korruption bis in die Spitzen der Politik und Gewalt das Leben bestimmen, das zusätzlich immer wieder durch schwere Stürme und Überschwemmungen bedroht wird. Der Roman ist für einen Krimi überdurchschnittlich gehaltvoll und dennoch sehr lesbar und sprachlich überzeugend. Mir hat der Roman hervorragend gefallen.

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Kommissar Martin Kühn hat nach einem Burnout erst kürzlich seinen Dienst wieder angetreten. Da häufen sich auch schon die Probleme. Sein Kollege Steierer, den er eigentlich als seinen Freund betrachtet, wird beruflich zum Rivalen. In seiner Ehe kriselt es, er selbst fühlt sich zu einer jungen Kollegin hingezogen. Außerdem erfährt er, dass er ist nicht gesund ist, und nun muss er im Mordfall Amir Bilal ermitteln. Der 17jährige gebürtige Libanese ist an einer Tramhaltestelle auf bestialische Weise ermordet worden. Der junge Mann aus einfachen Verhältnissen hatte sich in Julia van Hauten verliebt, und sie waren seit einiger Zeit ein Paar. Die ungeheuer reiche Familie van Hauten hatte Amir freundlich und vorurteilsfrei aufgenommen. Frau van Hauten engagiert sich für junge Menschen aus prekären Verhältnissen und spendet sehr viel Geld für wohltätige Zwecke. Auch Kommissar Kühn lernt ihre Großzügigkeit und Gastfreundschaft kennen und damit eine Welt, die ihm ebenfalls bisher fremd war. Bei den van Hautens wirkt alles perfekt. Kühn befragt dennoch die Familie und die jungen Leute, die hier an Amirs letztem Abend vor seiner Ermordung zu Gast waren. Der Verdacht der Polizisten richtet sich jedoch von Anfang an eher gegen die rechte ausländerfeindliche Szene, die mit ihrer Bürgerwehr auch auf der Weberhöhe aktiv ist, wo Kühn wohnt. Hier leben Tausende von Menschen auf dem mit Chemikalien verseuchten Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik und müssen mit dem giftigen Pilzbefall in ihren Kellern leben. Neben der Aufklärung des Verbrechens an Amir spielt auch diese Thematik eine große Rolle in dem Roman, zumal hier auch ein zunächst unbekannter Erpresser ein Mädchen mit einem vergifteten Joghurt tötet. Kühn sieht sofort einen Zusammenhang mit der Situation der Menschen auf der Weberhöhe. Jan Weilers neuer Krimi um Kommissar Kühn hat mir gut gefallen - wie schon sein Vorgänger "Kühn hat zu tun." Für mich punktet der Roman durch die sorgfältige Charakterisierung des sympathischen Martin Kühn und die hervorragende sprachliche Qualität. Die Auflösung kommt zwar nicht völlig überraschend, aber spannend ist der Roman dennoch. Ein empfehlenswertes Buch.

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In eisiger Nacht" ist Tony Parsons vierter Kriminalroman in der Serie um den Ermittler Max Wolfe. Eines Tages wird die Polizei informiert, dass in Londons Chinatown ein verdächtiger Lastwagen geparkt ist. Die Polizei findet in dem Kühllaster die Leichen von elf erfrorenen Frauen. Eine zwölfte liegt im Sterben. 13 aufgefundene, überwiegend gefälschte Pässe deuten darauf hin, dass es eine weitere Frau gibt, die sich jedoch nicht im Kühlraum aufgehalten hat. Tom Wolfe setzt alles daran, den Tod der Frauen aufzuklären und die Verschwundene zu finden. Die Spuren führen in die Nähe von Calais, wo sich illegale Flüchtlinge aufhalten, die bereit sind, alles für eine Einreise nach Großbritannien zu riskieren. Max Wolfe hat es mit Menschenschmuggel und der Ausbeutung von Frauen in dubiosen Etablissements zu tun. Er selbst geht hohe Risiken ein, findet er doch lange keinen Anhaltspunkt, welcher kriminelle Clan hinter dem Verbrechen steht. Die Dinge eskalieren, es gibt weitere Tote - auch bei der Polizei -, bis Wolfe die Zusammenhänge durchschaut. Der Roman erzählt spannend und temporeich eine Geschichte, die brandaktuell ist. Sein Ermittler ist ein sympathischer Protagonist, den man als Leser gern begleitet. Er ist alleinerziehender Vater von Scout, seiner 6jährigen Tochter und kümmert sich um sie und um den geliebten Familienhund Stan. Max fühlt sich zu seiner Kollegin Edie Wren hingezogen und muss sich irgendwie mit seiner strengen Chefin Whitestone arrangieren. Mir hat das Buch gut gefallen, und ich werde sicher auch die drei vorausgehenden Bände lesen.

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