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Alle Rezensionen von amena25

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,,Als ich an einem Sonntagnachmittag Anfang September nach Hause kam, stolperte ich auf der Treppe über eine scharfe Rothaarige. So beginnt Christof Weigolds Detektivroman, der zu Beginn der Zwanziger Jahren in Hollywood spielt. Reinhard, genannt Hardy Engel verdingt sich mehr schlecht als recht als Privatdetektiv, da es zu einer Karriere als Schauspieler bisher nicht gereicht hat. Die ,,scharfe Rothaarige , passenderweise mit dem Namen Pepper Murphy, beauftragt Hardy Engel, ihre Mitbewohnerin zu finden. Die verschwundene Virginia Rappe werde von ihrem Verlobten vermisst. Hardy lässt sich von Peppers Charme und Geld bezirzen, doch als er sich auf die Suche nach Virginia Rappe macht, bemerkt er schnell, dass diese kein Kind von Traurigkeit war, und mitnichten Peppers Mitbewohnerin! Virginia Rappe stirbt, kurz nachdem sie eine rauschende Party des Filmstars und Komikers Fatty Arbuckle besucht hat. Er soll die junge Frau vergewaltigt und brutal mit einer Flasche verletzt haben. Während sich der Fall zu einem Skandal für Arbuckle und damit für die ganze Filmbrache entwickelt, wendet sich das Blatt für Hardy Engel. Vom deutschen Gründer der Universal-Filmstudios Carl Laemmle persönlich wird er engagiert, für Ermittlungen und Aufträge jeder Art. Hardy Engel spielt zunächst mit, obwohl er weiß, dass er mit diesem Job und dem finanziellen Segen gekauft werden soll. Außerdem wird ihm auch noch die reizende Pepper als Sekretärin zur Seite gestellt. Hardy Engel, Deutscher, der nach dem 1. Weltkrieg sein Glück in Amerika sucht, erinnert an alte, verrauchte Detektivfilme mit Humphrey Bogart: Der einsame, etwas zerknautsche Held, der niemandem trauen kann, nicht einmal sich selbst, zuviel trinkt und zu wenig schläft, aber eigentlich doch zu den Guten gehört. Der Roman ist einerseits ein spannender Krimi, andererseits ein Zeitroman, der den Ruhm und den Glanz der Zwanziger Jahre, aber auch deren rabenschwarze Kehrseite zeigt. Der historische ,,Fall Arbuckle wird gekonnt mit Fiktion verknüpft und damit zu großem Kino für den Leser. Dieser sollte sich allerdings auf Über-Spielfilmlänge einstellen, angesichts der 629 Seiten.

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Als der alte Tadeus de Vries ermordet aufgefunden wird, in einer kleinen Holzkiste erstickt, ist niemand sonderlich traurig. Der reiche Bauer hat sich zeitlebens durch seine herrische und egoistische Art nur Feinde gemacht. Seine eigene Frau hat er ständig betrogen, die Jüngeren hat er sich mit Gewalt genommen, den eigenen Bruder hat er übers Ohr gehauen.... Seine autoritäre und geschäftstüchtige Art hat ihm bei manchen Respekt verschafft, aber keine Freundschaften. Feinde hatte er also genügend, doch wer bringt einen über Achtzigjährigen um? Stephan Möllenkamp, neuer Hauptkommissar bei der Kripo Leer und seine Kollegen ermitteln. Doch mit jeder neuen Information tun sich neue Tatverdächtige und neue Motive auf. Sind radikale Naturschützer, die gegen das Sperrwerk der Ems protestieren, gegen de Vries vorgegangen, der natürlich für das Bauvorhaben war und gut daran verdienen wollte? Oder gibt es jemanden, der die SS-Vergangenheit von de Vries endlich rächen wollte? Auch die etwas herbe Lokalreporterin Gertrud Boekhoff recherchiert und kommt dabei der Polizei und Stephan Möllenkamp ziemlich in die Quere. Entgegen der Vorankündigung werden die beiden keine Dreamteam, sondern haben eher reichlich Konflikte miteinander. Zu hoffen ist, dass sich die beiden im nächsten Fall etwas besser zuarbeiten und ergänzen! Immer wieder sind Kapitel um ein Geschwisterpaar eingeschoben, die am Ende des 2. Weltkrieges aus Ostpreußen nach Ostfriesland fliehen und sich ohne Eltern durchschlagen müssen. Diese Kapitel gehen einem sehr zu Herzen! Allerdings ist dadurch auch die Auflösung recht bald vorhersehbar. Dennoch zieht sich das Ende etwas in die Länge, was der Spannung abträglich ist. Andererseits gewinnt der Krimi durch Lokalkolorit und Humor wiederum viel an Unterhaltungswert. Auf eine Fortsetzung darf man gespannt sein.

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In Mill Valley, einem kleinen Städtchen in der Bucht von San Fransisco, gibt es nur Wohlhabende oder Reiche. Die Stadt ist ein kleines Paradies der Sorglosigkeit, doch die Idylle trügt. Erzählt wird aus der Sicht verschiedener Jugendlicher vom Gruppenzwang, Unsicherheit, erster Liebe, ersten Erfahrungen. Die Eltern haben viel Geld und hohe Erwartungen, aber wenig Zeit und wenig Verständnis für ihre Kinder. Als der etwas eigenartige Tristan Bloch in der 8. Klasse der hübschen Calista Broderick einen Liebesbrief schreibt, zeigt sie ihn zunächst ihrer Freundin Abigail, dann dem coolen Ryan, dem angesagten Schwarm aller Mädchen. Dieser ,,kümmert" sich um das ,,Problem", indem er den Brief ins Internet stellt und Tristan von da an keine ruhige Minute mehr hat. Eines Morgens radelt er zur Golden Gate Bridge und setzt seinem Leben ein Ende. Drei Jahre später ist Tristans Tod scheinbar von allen vergessen, doch die Schuldgefühle wurden nur mehr oder weniger gut verdrängt. Die einzelnen Kapitel stellen je eine Figur in den Mittelpunkt, aus deren Sicht die Geschichte erzählt und weitergeführt wird. So hat z.B. Abigail inzwischen ein Verhältnis mit ihrem Lehrer, die Freundschaft zu Cally ist merklich abgekühlt, Dave Chu kann den hohen Erwartungen seiner Eltern nicht gerecht werden und lässt den schlauen Nick Brickston einen Test unter seinem Namen schreiben. Doch keine der Figuren ist so, wie sie von den anderen wahrgenommen wird. Jede führt eine Art Doppelleben, zeigt nur bestimmte Eigenschaften und Gefühle vor den anderen. Schein und Sein lassen sich aber auch nicht eindeutig voneinander unterscheiden. So gibt Nick sich z.B. in San Fransisco als Student aus, erobert die gläubige Sarah. Doch in dem einzigen Moment, in dem er offen und ehrlich zu ihr ist, lässt sie ihn fallen. Die schöne Elisabeth Avarine wird von allen als unnahbar und arrogant wahrgenommen, dagegen ist sie in Wahrheit lieber für sich, unsicher und eine Einzelgängerin. Keine der Figuren weckt wirklich Sympathien beim Leser, höchstens Mitleid. Einzig Calista schafft es am Ende, sich der Schuld zu stellen, die sie wegen Tristan Bloch unbewusst immer empfunden hat. Sie schreibt darüber und zeigt insofern immerhin eine Entwicklung. Die Geschichte berührt und macht es dem Leser nicht leicht. Dennoch finde ich Johnsons Roman unbedingt lesenswert!

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Detective Solomon Gray ist vom Schicksal schwer gebeutelt worden. Vor zehn Jahren verschwand sein damals sechs Jahre alter Sohn Tom spurlos auf einem Jahrmarkt. Seine Frau, die ihm die Schuld dafür gab, verließ ihn und nahm sich nach einigen Jahren das Leben. Seine Tochter lebt inzwischen bei den Großeltern ohne jeglichen Kontakt zu Gray. Allein die Suche nach seinem Sohn und seine Arbeit halten Solomon weiter am Leben. Als der 16-jährige Nick Buckingham aus dem fünften Stock eines verwahrlosten Apartmenthauses springt, ist Gray alarmiert. Könnte der Junge sein verschwundener Sohn sein? Als dann auch noch auf dem Handy des Toten Grays Telefonnummer im Speicher gefunden wird, beginnt er, nicht nur auf offiziellen Wegen zu recherchieren. Zu Beginn kann man mit Solomon Gray mitfühlen und nachempfinden, dass er nach diesen Schicksalsschlägen kein besonders umgänglicher Zeitgenosse und Kollege ist. Als er sich dann aber im Zuge der Ermittlungen immer tiefer in den Schlamassel reitet, seine Kollegen und Mitmenschen nur noch vor den Kopf stößt und sich jeden Abend volllaufen lässt, nervt es zunehmend. Die Dialoge sind oft aggressiv, wirken abstoßend und hingerotzt. Ob dies nun Grays wachsende Verzweiflung darstellen soll oder einer schlechten Übersetzung geschuldet ist, weiß man nicht. Grays Vorgesetze und Kollegen wirken ziemlich undurchsichtig. Bei keinem weiß man genau, wer nun ein (ehemaliger) Freund oder Feind ist. Die Auflösung des Falles/ der Fälle wirkt ziemlich konstruiert. Der einzige Lichtblick am Ende ist, dass es für Solomon Gray einen winzigen Hoffnungsschimmer gibt. Nach einem viel versprechenden Beginn leider eine zunehmende Enttäuschung!

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Dies ist der 2. Fall um die Psychiaterin Nathalie Svensson, die als Spezialistin für Psychopathen die Polizei in ganz Schweden unterstützt. In Sundsvall wird die Leiche eines Arztes gefunden. Thomas Hoffmann wurde offenbar einige Tage festgehalten und gefoltert. In seinem Hals steckt ein Dominostein. Fast zeitgleich verschwindet ein zweiter Arzt, Erik Jensen, der in demselben Krankenhaus arbeitet wie Hoffmann. Die einzigen Hinweise sind sein Namensschild und ein weiterer Dominostein in der Tiefgarage des Krankenhauses. Will sich jemand an den Ärzten rächen? Nathalie Svensson und das Team der zentralen Einheit für Operative Fallanalyse (OFA) werden nach Sundsvall gerufen, um die dortige Polizei um Kriminalhauptkommissar Johan Axberg zu unterstützen. Axberg hat ein besonderes Interesse an dem Fall, da Erik Jensen sein bester Freund ist. Er setzt alles daran, Jensen lebend zu finden. Auch Nathalie Svensson verfolgt nicht nur professionelle Ziele. Ihre Schwester Estelle hatte offenbar ein Verhältnis mit Erik Jensen. Während Estelle sich in Halbwahrheiten und Widersprüche verstrickt und sich dadurch sehr verdächtig macht, rückt auch ihr zur Gewalt neigender Ehemann in den Fokus der Ermittler. Handelt es sich doch eher um eine Eifersuchtstat? Der Fall ist spannend aufgebaut. Störend finde ich allerdings zu Beginn die zahlreichen Verweise auf den ersten Band, die den Einstieg ins Geschehen erschweren. Die Ermittler sind interessante Figuren, mit kleinen und größeren Sorgen wie Scheidung und Sorgerechtsstreit. Das Privatleben wird aber nicht überstrapaziert. Es zeigt eher die menschliche Seite der Ermittler, wie z.B. Johan als eigentlich glücklichen Vater eines anderthalbjährigen Sohnes, der aber unter den ständigen Ansprüchen seiner Frau Carolina leidet. Nathalie als Psychiaterin ist auch nur Mensch und Frau, sie sucht ständig männliche Bestätigung, weswegen sie sehr auf ihr Äußeres bedacht ist. In die eigentliche Handlung eingestreut sind einzelne Kapitel, die sich wie Puzzlestücke nach und nach zu einem klareren Bild formieren, um damit dem Leser den Auslöser dieser Kettenreaktion vor Augen zu führen. Mich hat der Fall gut unterhalten, lediglich den starken Bezug zu Band eins empfand ich als störend.

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Ted Conkaffeys Leben wird plötzlich zu einem Alptraum, als er verdächtigt wird, ein Mädchen vergewaltigt und getötet zu haben. Obwohl er selbst Detective ist, gerät er in die Mühlen der Justiz und der Vorverurteilung, seine eigenen Kollegen misstrauen ihm und wenden sich von ihm ab. Selbst seine Frau ist sich unsicher, ob sie ihm die Tat zutrauen soll und trennt sich von ihm, als er in Untersuchungshaft sitzt. Wieder auf freiem Fuß aus Mangel an Beweisen, geht für Conkaffey die Hölle aber weiter. Wird er auf der Straße erkannt, sehen die Menschen in ihm weiterhin den Täter. So zieht er sich in die Kleinstadt Crimson Lake im Norden Australiens zurück, wo er auf Ruhe und Anonymität hofft. Doch auch hier wird er bald erkannt und sein Haus mit Steinen und Farbe beworfen. Als ihm sein Anwalt rät, die Privatdetektivin Amanda Pharrell zu kontaktieren, ahnt er nicht, dass dies sein Leben ändern wird. Amanda ist eine verurteilte Mörderin und ziemlich schräg. Für ihren aktuellen Fall, die Suche nach dem verschwundenen Erfolgsautor Jake Scully, heuert sie Ted Conkaffey als Mitarbeiter an, der sich zunächst nur widerstrebend darauf einlässt. Als er dann aber beginnt, in Amandas eigener Geschichte zu recherchieren, merkt er, dass die Detektivarbeit das einzige Mittel für ihn ist, seiner Lethargie und Einsamkeit zu entfliehen. Die von Candice Fox geschaffenen Figuren sind sehr eigen, kontaktscheu oder exzentrisch, sympathisch oder abstoßend. Man kann sich nicht unbedingt mit ihnen identifizieren. Sie werden aber sehr eindrücklich und charakteristisch beschrieben, sodass sie unverwechselbar werden. Erstaunlich finde ich, wie sowohl Amanda als auch Ted mit der Aggression und der Verachtung, die ihnen entgegengebracht wird, leben können. Während der Fall von Amanda Pharrell einen ziemlich mitnimmt und betroffen macht, wirkt die Lösung des Falls Scully in meinen Augen etwas zu konstruiert. Dennoch ein unterhaltsamer und spannender Krimi mit teils derben, aber witzigen Dialogen.

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Als Verena Hofer im Havelland ankommt, wo sie für die nächsten drei Monate einen Babysitter-Job antritt, ist sie mehr als erstaunt. Der Ort Wuthenow entpuppt sich als altehrwürdiges Gut, der Neffe der Hausherrin, um den sie sich kümmern soll, ist Mitte 30 und überaus attraktiv. Dr. Carl von Wuthenow ist Kriminalist, der erst kürzlich im Dienst angeschossen wurde und seitdem unter Störungen des Kurzzeitgedächtnisses leidet. Verena Hofer soll Carl von Wuthenow beschäftigen und ihn im Alltag begleiten. Da Verena Hofer dringen Geld braucht, nachdem sie für ihre Nichte Amelie das Sorgerecht übernommen und ihren Job an der Uni verloren hat, nimmt nach kurzem Zögern das finanziell sehr lockende Angebot an. Carl von Wuthenow nutzt Verenas Hilfe geschickt, indem er sie sofort in seine nächste Ermittlung einbezieht, die die beiden nach Berlin führt. Die übel zugerichtete Leiche eines jungen Mannes, vermutlich eines Strichers, wird gefunden und erste Hinweise deuten auf einen Täter in der rechten Szene hin. Das erste Drittel des Krimis liest sich durchaus spannend. Das ungleiche Ermittlerpaar bietet interessanten Zündstoff. Besonders die Szene, als Carl von Wuthenow Verena am nächsten Tag nicht mehr erkennt, da er sich ja nicht mehr an sie erinnern kann, und sie bedroht, ist wirklich originell. Auch die Konflikte, die sich mit dem zuständigen Hauptkommissar ergeben, der von außen stehenden Beratern natürlich gar nichts hält, sind zunächst unterhaltsam. Dann flacht die Handlung allerdings ziemlich ab. Der Fall wird zunehmend spannungsärmer und vorhersehbar, dafür rücken Verenas Gefühle ihrem Schützling gegenüber in den Vordergrund, was aber eher klischeemäßig und vorhersehbar daherkommt. Die Nichte Amelie, für die Verena Mutterersatz sein soll, ist nur noch eine Randfigur, die Dialoge mit ihr für ein Kind im Kindergartenalter dagegen doch recht ungewöhnlich. Die Konflikte mit dem Hauptkommissar lösen sich in allseitiges Wohlgefallen und harmonische Zusammenarbeit auf. Schade. Diesem Ermittlerduo wäre eigentlich mehr Potential zu gönnen gewesen. Wer weiß, vielleicht ist der nächste Fall ja weniger gefühlsbetont und dafür kriminalistisch interessanter.

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Der dritte Fall für Commissario Grauner führt ihn und seinen neapolitanischen Kollegen Saltapepe an den Brenner, in das Niemandsland zwischen Österreich und Italien, ein Ort, an dem keiner verweilt. Sehr poetisch beginnt der Roman mit der Schilderung der Nacht, die alle Menschen gleich macht, die Geschehenes ungeschehen, Gesehenes ungesehen macht. Umso stärker ist dann der Kontrast zum grausigen Fund einzelner Körperteile, die wie in einer Schnitzeljagd zur Leiche führen. Der Tote ist ein 87-jähriger Mann, der allein auf seinem Hof lebte und regelmäßig mit anderen alten Männern im Dorfgasthof Karten spielte. Er wurde offenbar zu Tode geschleift. Während Grauner und Saltapepe sich erst einmal gegen die örtliche Polizei durchsetzen müssen und die ersten Befragungen stattfinden, wird ein weiterer Mann aus der Kartenspielerrunde tot aufgefunden. Als Grauner Hinweise findet, dass die Toten auch mit dem immer noch ungeklärten Mord an seinen Eltern zu tun haben könnten, ermittelt er in eigener Sache. Damit setzt er sich dem Zorn des Staatsanwaltes Belli aus und riskiert sogar seinen Job. Dafür kommt sein sympathischer Kollege Saltapepe etwas mehr zum Zug. Neben dem jungen Ispettore, der in Sachen Autos und Technik sehr bewandert ist, wirkt Grauner manchmal ziemlich behäbig und altmodisch. Er trauert seinem alten Fiat Panda nach und kann sich noch nicht einmal mit der Zentralverriegelung per Fernbedienung am neuen Auto anfreunden. Irgendwie wirkt Grauner mit seiner Vorliebe für Mahler-Symphonien und seinen ,,Viechern" auf seinem kleinen Bauernhof etwas aus der Zeit gefallen, urig, ja fast schon schrullig, aber dennoch authentisch und sympathisch. Dass dieser Fall ihn auch sehr persönlich betrifft, trägt besonders zur Spannung bei. Lenz Koppelstätter beschreibt Regionaltypisches ohne ins Klischeehafte abzudriften. Seine bildhafte, ausdrucksstarke Sprache, die den Südtiroler Einschlag erkennen lässt, bietet neben der Spannung der Kriminalhandlung auch noch literarischen Genuss. Ein Krimi, für den man sich Zeit nehmen sollte.

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Wie auch der Vorgängerband ,,DNA" werden in ,,Sog" brutale und grausame Morde begangen, die in der Form im beschaulichen Island normalerweise nicht vorkommen. Auch hier spielt die Vergangenheit eine wichtige Rolle. In Reykjavik wird eine Zeitkapsel mit Schüleraufsätzen gehoben. Die Schüler beschrieben im Jahre 2006 darin, wie sie sich Island im Jahr 2016 vorstellen. Neben kindlichen Wünschen und Vorstellungen findet sich auch ein verstörender Text, der den Tod von 6 Personen vorhersagt. Allerdings werden nur Initialen genannt, weswegen die Polizei den Brief zunächst nicht besonders ernst nimmt. Als dann allerdings in einem Hot Tub zwei abgeschnittene Hände gefunden werden und es kurz darauf einen weiteren Toten gibt, wird die Polizei aktiv. Kommissar Huldar, der nach dem letzten Fall degradiert worden ist und nun seine frühere Kollegin Erla als Chefin hat, sieht eine Chance, sich durch diesen Fall rehabilitieren zu können. Außerdem bietet sich so für ihn die Möglichkeit, die Kinderpsychologin Freyja in den Fall einzubinden und so den Kontakt zu ihr wieder aufzunehmen. Seit dem letzten Fall zeigt sie ihm die kalte Schulter, dennoch ist Huldars Interesse an ihr nach wie vor groß. Die Brutalität der Morde, die auf Racheakte schließen lassen, wird etwas aufgelockert durch Huldar und Freyja, die wie Katz und Maus umeinander herumschleichen. Huldar mit all seinen Fehlern und Schwächen hat einen ganz besonderen Charme. Über seine beruflichen Misserfolge grämt er sich nicht besonders, auch seiner früheren Kollegin Erla gönnt er den Chefposten. Allerdings hat er weiterhin mit ihren Annäherungsversuchen zu kämpfen und tritt in fast jedes Fettnäpfchen, das sich irgendwo auftut. Freyja dagegen hat mit ihrem nicht existierenden Privatleben zu kämpfen und kümmert sich um ihren Bruder im Gefängnis, der allerdings nicht besonders unter dieser Situation zu leiden scheint. ,,Sog" ist wie auch der Vorgängerband sehr unterhaltsam, absolut spannend und zieht den Leser in seinen Bann. Yrsa Sigurdardóttir versteht ihr Handwerk meisterhaft!

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Bogart Bull: was für ein Name! Er ist Kommissar bei der Osloer Kriminalpolizei und durchlebt nach dem Unfalltod seiner Frau und seiner kleinen Tochter eine tiefe Krise. Hinzu kommt, dass der Unfall durch einen von Bogart vor Jahren gefassten Kriminellen absichtlich verursacht wurde. Trauer und Schuld hat Bull durch Alkohol zu verdrängen versucht, bis er nun zwar endlich trocken, aber immer noch tief gezeichnet ist. Von seiner Chefin wird Bogart Bull zu Europol versetzt, wo er in Sainte-Maxime in Südfrankreich den Mord an dem norwegischen Unternehmer und Kunstsammler Axel Krogh aufklären soll. Kroghs Leiche weist auf dem Rücken ein mit dem Messer eingeschnittenes Kreuz auf. Ein Symbol? Obwohl die ganze Villa voller wertvoller Kunstgegenstände ist, fehlt nur ein kleines Bild, das vermutlich von Edvard Munch stammt. Nur kurze Zeit später wird eine zweite Leiche gefunden, ähnlich zugerichtet wie Axel Krogh. Doch das Vorgehen ist nicht ganz identisch. Handelt es sich also um einen oder um mehrere Täter? Bulls Ermittlungen, die er zusammen mit dem französischen Kollegen Jean Moulin durchführt, führen ihn in die Vergangenheit, in die Zeit der Résistance und der deutschen Besatzung Frankreichs. In eingeschobenen Kapiteln wird aus der Perspektive der damals Beteiligten erzählt, was die Vergangenheit lebendig und anschaulich vermittelt. Auch die Zeit, als das gestohlene Gemälde entstand, lässt der Autor aus Sicht der Maler bildhaft auferstehen. Diese Kapitel stören zwar etwas den Erzählfluss der Gegenwart, verdeutlichen aber dadurch auch die Komplexität der Handlung. Bogart Bull gibt einen überaus sympathischen Ermittler ab, der durch seine Recherchen und vielleicht auch durch die angenehme Atmosphäre an der Côte d¿Azur wieder zu neuem Lebensmut zurückfindet. Die Auflösung des Falls erscheint mir allerdings am Ende doch etwas zu konstruiert. Hier wäre eine weniger komplexe Lösung in meinen Augen überzeugender gewesen. Insgesamt ist ,,Kreuzschnitt" aber ein spannender, unterhaltsamer und empfehlenswerter Roman und Bogart Bull sollte unbedingt weiter ermitteln!

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