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Alle Rezensionen von bellis-perennis

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Harald Jöllinger hat in seinem Debüt 26 teilweise bitterböse Ge-schichten aus dem Leben aufgeschrieben, die dem Geschmack "Marille" (für fruchtig, süßsauer) und "Sauerkraut" (für vergoren, lange haltbar) zugeordnet sind. Ein Großteil der Geschichten ist herrlich skurril, wie z.B. die Schneckengeschichte oder die arme Gelse, die sich den Stechrüssel an einem fettleibigen Mann verbiegt. Auch die "hinige Puff¿n" habe ich ein wenig ins Herz geschlossen. Einige Erzählungen befassen sich mit jenen Menschen, die sich auf der Schattenseite des Leben befinden: Mit den Obdachlosen, den Alkoholikern und auch mit den demenzkranken Alten, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, sie aber im hektischen Alltag nicht erhalten. Apropos Alkohol - der fließt in Strömen. Sei es als Bier oder Wein oder gar als hochprozentiges "Marillenzeug vom Ferdl". Die beiden Geschichte(n), die einen Heiratsantrag zum Thema haben, sind sowohl in der "Marillen-Fraktion" als auch in der "Sauerkraut-Abteilung" zu finden. Die scheinen, jeweils den Übergang zur andern Geschmacksrichtung oder zur anderen Gemütsverfassung zu bilden. Meine Meinung: Es scheint, als schriebe Harald Jöllinger so, wie ihm der Schna-bel gewachsen ist. Kurzweilig, manchmal derb, im Wiener Dialekt, der vielleicht Lesern außerhalb der Bundeshauptstadt Schwierigkeiten machen könnte. Aber nur vielleicht, denn im Anhang ist ein ausführliches Glossar vorhanden. Sehr aufmerksam! Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Grant und dem Scharfsinn des legendären Helmut Qualtinger ist wohl nicht ganz zufällig und auch nicht ganz ungewollt. Fazit: Geschichten, die das Leben so schreibt. Gerne gebe ich für die Anthologie 4 Sterne.

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Matt Hunter zieht mit seiner Frau Wren und den beiden Töchtern in die kleine Ortschaft Hobbs Hill. Wren, die Architektin, soll dort eine alte Kirche renovieren. Matt, Ex-Pfarrer und Buchautor will diese Zeit nützen, ein Buch zu schreiben. Gleich bei der Ankunft entdeckt er, dass der dortige Pfarrer ein Studienkollege ist und die Menschen irgendwie eigenartig religiös wirken. Vor jedem Haus stehen Kreuze. Das irritiert Matt, der nach einem schweren Schicksalsschlag mit Gott hadert. Als dann noch mehrere Frauen spurlos verschwinden, ist es mit der Idylle vorbei. Matt, der schon mehrmals der Polizei bei religiös motivierten Verbrechen zur Seite gestanden ist, bietet auch den örtlichen Polizisten sein Knowhow an. Meine Meinung: Dieser Thriller hat mich nicht wirklich überzeugt, was vermutlich meiner Distanz den Religionen gegenüber geschuldet ist. Religiöser Wahn und Fundamentalismus im Glauben sind jetzt sogar nicht meines. Die seltsame Spannung, die in diesem Dorf in der Luft liegt, ist deutlich spürbar. Dass ausgerechnet Wren den Auftrag erhalten soll, scheint ebenfalls ein abgekartetes perfides Spiel zu sein genauso wie die Versuche des Pfarrers Matt wieder auf den (seiner Meinung nach) richtigen Weg zum Glauben zu drängen. Matt hat gute Gründe, sich von der Kirche abzuwenden und die müssen akzeptiert werden. Fazit: Wie gesagt, hier bin ich nicht überzeugt und kann daher nur 3 Sterne vergeben.

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Alexander von Humboldt (1769-1859) ist spätestens seit Daniel Kehlmanns "Vermessung der Welt" in der Welt der Literatur kein Unbekannter. Im Gegensatz zu Kehlmanns fiktivem Zusammentreffen mit Carl Friedrich Gauss können wir hier Humboldts Briefe lesen, die er während seiner Russland-Expedition an seinen Bruder Wilhelm, seinen Freund Francois Arago, den russischen Finanzminister Cancrin, dessen Frau sowie an den preußischen Gesandten von Schöler schreibt. Mit dieser Reise erfüllt sich Alexander von Humboldt im reifen Alter von 60 Jahren einen Jugendtraum. Er nimmt die Einladung von Zar Nikolaus I. 1829 an und reist mit den forschenden Kollegen wie Gottfried Ehrenberg und Gustav Rose mehr als 19.000 Kilometer durch Eurasien bis zur chinesischen Mauer. Doch so ganz uneigennützig ist die vom Zaren finanzierte Reise nicht: Nikolaus I. Erwartet Aufschluss über die vermuteten Gold- und Diamantenvorkommen im Ural. Gleich zu Beginn der Reise trifft Humboldt noch einen alten Bekannten, dessen Name mein Vermesserherz ein wenig höher schlagen lässt: Friedrich Wilhelm Bessel, ein Astronom, Mathematiker, Physiker und Geodät, der das nach ihm benannte und heute noch gültige Erdellipsoid berechnete. Und überhaupt Geodäsie - Humboldt berichtet über barometrische Höhenmessungen und andere Vermessungen (leider viel zu wenig für mich), erwähnt die Markscheider und ihre Bemühungen, die in diese Expedition gesetzten Erwartungen, bezüglich Erzlagerstätten zu erfüllen. Die Reisenden sind ständig von russischen Truppen eskortiert und sollen/dürfen keinen Meter von der vorgegebenen Route abweichen. So lernen sie die wahren Zustände im Zarenreich nicht wirklich kennen. Nur ab und zu erhaschen sie einen Blick auf die russische Wirklichkeit. "Auf diesem Wege sahen wir zum ersten Mal einen Transport von Verbannten, die nach Sibirien geschickt wurden. Er bestand aus Frauen und Mädchen, etwa 60 - 80 an der Zahl. Sie gingen frei, waren also nur leichtere Verbrecher; Welche Schlüsse Humboldt daraus zieht? Da einige der Briefe gekürzt sind, ist dies nicht eindeutig auszumachen. Allerdings versucht er zu helfen, so gut das unter der Bewachung der kaiserlichen Eskorte geht. Sehr interessant zu lesen, sind die Beobachtungen von Stadt und Land, von Sitten und Gebräuchen, von Kleidung und Speisen, die nicht immer ganz so bekömmlich sind. Hier spricht der erfahrene Beobachter und Forscher aus seinen Briefen. Humboldt verschweigt auch die Mühsal der Reisen nicht, obwohl er ja durch zaristische Ukas ja privilegiert reist, können Schlechtwetter, Hitze oder sonstige Verzögerungen nicht ausgeschlossen werden. Sehr interessant sind die nur ganz behutsam redigierten Briefe zu lesen. Die Orthografie und die Beistrichsetzung sind Großteils wie im Original beibehalten. Die damalige Sprache ist für unsere Verhältnisse blumig und poetisch. Die in Inneren der Buchdeckel abgedruckten Karten erleichtern die Orientierung und lassen uns die Entfernungen, die Alexander von Humboldt mit seiner Reisegruppe zurückgelegt hat, besser einschätzen. Fazit: Ein Reisebericht, der mir sehr gut gefallen hat und dem ich gerne 5 Stern gebe.

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Autor Maxim Leo ist den beinahe verwischten Spuren seiner jüdi-schen Familie nachgegangen. Anlass hierzu ist die Hochzeit sei-nes Bruders bei der die ganze Familie eingeladen ist. Nämlich die ehemals in Berlin ansässige Familie Leo, die nach der Machtübernahme der Nazis in alle Winde zerstreut wurde. "Je länger ich mich mit Ilse, Irmgard und Hilde beschäftige, desto mehr bedauere ich, dass ich mich nicht schon eher für ihre Geschichten interessiert habe." Wir begleiten den Autor auf seiner Reise zu den Familienmitglie-dern, die in England, Frankreich, Deutschland, Österreich und Israel lebten und leben. Irmgard und Hans sind schon 1934 nach Israel ausgewandert und haben in einem Kibbuz unweit der Golanhöhen das Land urbar gemacht und ihre Kinder großgezogen. Hilde ist mit Ehemann Fritz Fränkel und ihrem kleinen Sohn André zuerst nach Frankreich und dann England ausgewandert. Sie hat es im Laufe der Zeit zu einem großen Vermögen gebracht. Sehr bewegend auch die Geschichte von Ilse, die im französischen Internierungslager Gurs den jüdischen Wiener Arzt Heinz Pollak kennen- und lieben lernt. Die gemeinsame Tochter Susi kommt 1942 im Untergrund zur Welt. Faszinierend ist die Schilderung der Begegnungen mit den Verwandten. Es scheint, als kennte diese Familienzusammengehörigkeit keine Grenzen. Auch jene Cousins und Cousinen, die niemals in Deutschland gewesen sind, spüren eine seltsame Verbindung mit dem Land, das ihren Großeltern und Eltern so viel Leid zugeführt hat. Meine Meinung: Maxim Leo ist mir als Krimi-Autor bekannt. Er schafft es mühelos vom Krimi in das Sachbuch, in die Familiengeschichte, hinüber zu wechseln. Seine bildhafte Sprache lassen die Leser die Gedanken und die Angst der einzelnen Familienmitglieder miterleben. Der Schreibstil ist mitreißend. Man kann mit André mitfühlen, der sich von seiner distanzierten Mutter Hilde ins Internat abgeschoben fühlt. Erst viel später wird er verstehen lernen, was sie bewogen hat, genauso zu handeln. Sehr spannend habe ich das Phänomen gefunden, dass sich alle doch irgendwie eine Verbindung zu Deutschland bzw. Österreich haben, obwohl ihnen hier übel mitgespielt wurde. Auch die Nachkommen jener Familienmitglieder, die zuvor noch nie in Berlin waren, haben dieses eigenartige Gefühl. Die Lebensgeschichte von Irmgard und Hans, die nach Palästina ausgewandert sind und verächtlich als "Jeckes" von den einheimischen Juden bezeichnet worden sind, liest sich außerordentlich spannend. Der Anfang, das Leben im Kibbuz ist für beide nicht einfach. Eine ganz andere Welt. "Wie kann es sein, dass man hier nicht einmal seine eigene Unterwäsche anhaben darf?" fragt sich Irmgard, die zuvor zum Judentum konvertiert ist und hier am Fuß der Golanhöhen ihr bisheriges (Kultur)Leben zurückgelassen hat. Auf der Reise zur Geschichte seiner Vorfahren hat Maxim Leo viele Stunden und Tage Interviews geführt. Fehlende Puzzleteile aus der eigenen Familie durch andere, wie durch Erzählungen von Tante Susi, erfahren. Susi Pollak teilt ein Schicksal vieler Kinder von jüdischen Familien, die überlebt haben: Die Eltern verschweigen die Herkunft, das Grauen, das Erlebte. Sie wird erst mit 14 Jahren erfahren, dass sie jüdischer Herkunft ist und dies nach wie vor besser nicht an die große Glocke hängt. Sie kann nun diverse Verhaltensweisen der Eltern nachvollziehen und ein wenig besser verstehen. Es ist die Zeit der Enkel, die Geschichte der Großel-tern aufzuarbeiten, die Eltern sind noch viel zu nahe dran. Ich habe mich in den letzten Jahren mehrmals mit Geschichten von vertriebenen jüdischen Familien beschäftigt. Doch dieses Buch geht mir besonders unter die Haut. Unter anderem deswegen, weil Familie Pollak 1945 nach Wien zurückkehrt. Susi Pollak wird in den späten 1970ern meine Französisch-Professorin im Gymnasium Zirkusgasse. Fazit: Ein Buch das mich sehr fasziniert und berührt hat. Ich gebe hier 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

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Ein Garten hat nicht zwangsläufig mit raspelkurz geschorenem Ra-sen, Thujen, schnurgeraden Beeten und einem Grillplatz zu tun. Helmut Salzinger schildert mit poetischen Worten seine Erfahrungen als Gärtner. Dabei verschweigt er weder Fehler noch Irrungen. Er berichtet darüber, dass er anfänglich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion junge Bäume aus dem fremden Wald ausgegraben und in seinem Garten eingepflanzt hat. Der typische Anfängerfehler, zu viele Bäume (oder andere Pflanzen) viel zu dicht nebeneinander zu pflanzen, beschert ihm eine Ausfallsquote von nahezu 100%. Aber, vielleicht hat sich der bestohlene Wald auch nur für den Frevel gerächt. Schmunzeln muss der Leser über seine Versuche, den Rasen durch Schafe statt Rasenmäher kurz zu halten: Versuch gestartet, miss-lungen und abgebrochen. Erst als er durch Versuch und Irrtum entdeckt, dass sich gärtnerischer Erfolg dadurch einstellt, der Natur möglichst ihren Lauf zu lassen, kommt die ersehnte Vielfalt und Ruhe. Dieses Buch ist schon vor mehr als zwanzig Jahren erstmals er-schienen und wurde nun neu aufgelegt. Salzingers philosophische Betrachtungsweise hat nicht an ihrer Aktualität verloren. Nein, im Gegenteil, die Sehnsucht nach dem kleinen (oder größeren) Garten ist nach wie vor ungebrochen. Dem Autor ist es gut gelungen, seine Erfahrungen, Misserfolge und Einsichten in einer leicht fasslichen und schönen Sprache darzubieten. Fazit: Ein Buch an dem Gärtner, Nichtgärtner, Stadt- oder Landbewohner ihre Freude finden können. Gerne gebe ich hierfür 5 Sterne.

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Emma Wolf hat mit ihrer Bäckerei "Lust & Sahne" eine Marktnische in Linz gefunden. Sie bäckt Cakpops, Cupcakes und Torten in ungewöhnlichem Design: Penisse und Busen, die sie "Möpschen" nennt. (Ob da wohl die Aussage einer Society-Lady Pate stand?). Ob dieses ungewöhnlichen Backwerks wird sie für die Serie "In 80 Bäckereien um die Welt" gefilmt. Doch bevor die Dreharbeiten so richtig in Schwung kommen, fällt der Moderator dieser Show, Benedikt Diebenkorn, gut gekühlt aus Emmas Kühlschrank. Diebenkorn ein Widerling, wie er im Buche steht, hat mehr Feinde als Freunde - aber ihn deswegen gleich, ermorden? Und warum wird dann noch die Aufnahmeleiterin der Filmcrew, Viktoria, aus dem 5. Stock ihres Hotelzimmers geschubst? Und vo allem, von wem? Meine Meinung: Das für einen Krimi ungewöhnliche rosa Cover hat mich verleitet, dieses nur 192 Seiten dicke Buch zu lesen. Der Schreibstil ist flott, flapsig und sehr leicht zu lesen. Ich habe gerade einmal 2 Stunden für die Lektüre gebraucht. Es gibt einige Ungereimtheiten. Z. B.: Benedikt fällt tiefgekühlt aus einem Kühlschrank, in dem sonst Torten und ähnliches gelagert werden. Das geht wohl kaum. Der Ermittler wird als Oberkommissar bezeichnet - die gibt es bei der österr. Polizei nicht. Einige Gedanken werden aufgeworfen und nicht zu Ende geführt. Unter anderem kommt der kriminelle Lebenslauf von Emmas Vater ins Spiel und verglüht gleich einer Sternschnuppe. Was der Klatschreporter René Loser, der die Rad fahrende Emma sogar rammt, im Schilde führt, bleibt ebenso in der Luft hängen, wie die nervige Mutter, die plötzlich wieder abtaucht. Die polizeilichen Ermittlungen sind hier nur am Rande erwähnt und mäßig spannend. Der Fokus liegt eher auf Emma und ihren erotischen Kuchen. Die Auflösung geht dann ein bisschen zu hurtig über die Bühne. 50, 60 Seiten mehr hätten dem Buch gut getan. Die für mich witzigste Szene war die Ausstellung im Lento "Nackte Tatsachen", für die Emma ihre Cakepops gebacken und geliefert hat. Auch aus dem Konflikt mit der zickigen Gemeinderätin hätte sich mehr machen lassen. So kreisen die Gedanken häufig nur um die "Möpschen" und die Kuchenpenisse. Das ist mir ein bisschen zu wenig. Fazit: Wer eine kurzweilige, eher anspruchslose Lektüre für Zwischendurch sucht, ist hier richtig. Mich hat die Story und ihre Umsetzung leider nicht überzeugt, daher kann ich nur 2 Sterne vergeben.

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Historischer Hintergrund: Dieser Krimi rankt sich rund um das gleichnamige Bild des deut-schen Malers Franz Marc. Marc, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist, hat dieses Bild 1913 gemalt. Es ist als bekanntestes Werk des Expressionisten, das seit der Machtübernahme der Nazis als "Entartete Kunst" gilt. 1937 wird es von Hermann Göring konfisziert und dessen Kunstsammlung einverleibt. Danach verliert sich seine Spur. Das Bild ist bis heute verschollen. Inhalt: Die Münchner Detektei Schleewitz, die sich auf Provenienznachweise von Kunstobjekten spezialisiert hat, erhält den Auftrag, die Herkunft des plötzlich wiederaufgetauchten Gemäldes von Franz Marc, zu dokumentieren. Immerhin soll das Gemälde ja seit 1945 verschollen sein. Das Team, bestehend aus Inhaber Rupert von Schleewitz, der Kunsthistorikerin Klara Ivanovic und Recherche-As Max Müller gehen mit Verve den Spuren nach. Dabei entdecken sie, dass es noch ein zweites, völlig identes Bild der blauen Pferde gibt. Welches ist nun das Original? Oder sind beides Fälschungen? Auf der Jagd nach Beweisen für die Echtheit oder Fälschung geraten die Mitarbeiter der Detektei in allerlei gefährliche und manchmal auch skurrile Situationen. Meine Meinung: Die Idee zu diesem Krimi finde ich grandios. Die Umsetzung halte ich nicht ganz so perfekt gelungen. Gut ist die Besessenheit des Schraubenfabrikanten, der eine Menge Geld für das Bild bezahlt hat, dargestellt, zu beweisen, dass es sich um das lange verschollene Bild handelt. Genauso intensiv ist der vierzehnjährige Hitlerjunge Ludwig ge-troffen, der sich unsterblich in das Bild verliebt und dafür tö-tet. Diese Leidenschaft ist beinahe schon krankhaft, aber glaub-haft. Die Rückblicke, u.a. nach 1945, lassen die Leser vermuten, wie und wohin das Bild verschwinden hätte können. Hier lässt der Autor den Lesern Raum für eigene Spekulationen. Nicht so gut haben mir die Einblicke in die Privatleben der Detektive gefallen. Vor allem jenes von Max Müller halt ich für zu üppig ausformuliert. Denn, ob seine Töchter Monique oder Madeleine heißen, Ballett tanzen oder nicht, ein Sudelbuch schreiben oder nicht, ist für Krimihandlung völlig unerheblich. Das hätte getrost kürzer dargestellt werden können. Klara Ivanovic` Familiengeschichte wiederum hat durch die Präsenz ihres Vaters, der sich als Performance-Künstler sieht, immerhin einen Bezug zur Kunst(szene). Ihn hatte ich kurz als Drahtzieher der Entführung des Bildes in Verdacht. Und da ist dann noch Rupert von Schleewitz, der sich, gegen seine übliche Art Hals über Kopf in eine junge Frau verliebt, die sich als eine ganz andere entpuppt. In der Auflösung sind dann die losen Enden der "Bildergeschich-te" zu einem überraschenden Abschluss zusammengeführt. Der Schreibstil des Autors ist flüssig und stellenweise humorvoll bis ironisch. Die Kunstszene und ihre oft völlig absurden Preisvorstellungen kommen manchmal nicht so gut weg. Die eine oder andere unerwartete Wendung sowie die Überraschung zum Schluss, bereiten den Lesern Vergnügen. Wissenswerte Informationen aus der Welt der Künstler und Kunst werden subtil und unterschwellig vermittelt. Fazit: Ein interessanter Krimi, der als Auftakt einer neuen Reihe gedacht ist. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

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In diesem leider nur 80 Seiten dünnen Buch stellt uns Wolfgang Petritsch den früheren Bundeskanzler Österreichs Bruno Kreisky vor. Kreisky ist durch seine markigen Sprüche, deren Ironie von vielen nicht erkannt wurde, der breiten Öffentlichkeit bekannt. Seine Interviews beginnen häufig mit den Worten "Ich bin der Meinung". Kreiskys rhetorische und intellektuelle Brillanz ist legendär. Da könnten sich heutige Politiker, die oft inhaltsleer Floskeln daherstammeln, eine dicke Scheibe abschneiden. Wolfgang Petrisch war langjähriger Mitarbeiter Kreiskys. Er fasst die Zitate seines ehemaliges Chefs in folgende Gruppen zusammen: - Persönliches - Über Politik, Mach und Moral - Der Welterklärer und Visionär - Der Journalistenkanzler - Über Österreich - Philosophisches Schmunzeln musste ich über folgendes Zitat, das mir nicht so recht in Erinnerung ist: "Wenn ich Urlaub mache, fahre ich am liebsten nach Bayern. Da bin ich nicht mehr in Österreich und noch nicht in Deutschland." Für sein politisches Credo der Vollbeschäftigung, wird er von seinen politischen Gegnern gescholten. "Mir bereiten ein paar Milliarden Schilling mehr Schulden weniger schlaflose Nächte als ein paar hunderttausend Arbeitslose mehr." Eine Aussage, die heutzutage nicht mehr möglich wäre. Fazit: Gerne gebe ich diesem Zitatenschatz, der mich an eine Zeit der Modernisierung Österreichs erinnert, 4 Sterne.

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Der österreichische Maler, Grafiker, Karikaturist, Zeichner und Staatspreisträger Rudolf Schönwald feierte im Juni 2018 seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Anlass erscheint im Frühjahr 2019 ein opulenter Bildband, der ihm und seinem Werk gewidmet ist. Rudolf Schönwald ist 1928 als Kind einer jüdischen Familie gebo-ren. Dennoch katholisch getauft, verbringt er einige Jahre seiner Kind unter anderem in Salzburg. 1943 flieht er nach Budapest und wird von einem Pfarrer vor der drohenden Deportation gerettet. Schönwald kehr nach dem Krieg nach Wien zurück und studiert an der Akademie für Bildende Künste. Sein Weggefährte, nicht nur in der Kunst sondern auch im gesellschaftspolitischen Engagement, ist Alfred Hrdlicka, mit dem er auch das Atelier teilt. Mit ihrer beinahe schon grob zu nennenden bildhaften Szenerie, versuchen beide, ihre Traumata aus dem Nazi-Regime und die aktuelle Weltlage des Kalten Krieges zu verarbeiten. Um das Schaffen von Rudolf Schönwald verstehen zu können, muss man sich mit seiner Herkunft und den Zuständen an der Akademie der Bildenden Künste beschäftigen. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind die antisemitischen Strömungen deutlich. Einige Professoren sind bereits illegale Nazis, die dann während der Diktatur die Akademie prägen: Leider verlieren nur wenige nach Kriegsende ihren Job, so dass vieles beim Alten bleibt. Künstler wie Schönwald oder Hrdlitschka kämpfen dagegen an. Mehrere Autoren haben Schönwalds Leben und Werk betrachtet. Diese Essays sind hier zu lesen. Aus dem reichen Schaffen sind zahlreiche bedeutende Arbeiten dargestellt und erläutert. Viele Grafiken und Bilder wirken archaisch. Die Figuren eckig, vorherrschende Farben sind schwarz und rot. In seinem Zyklus "Mahagonny" aus den Jahren 1989-1999 wird es ein wenig bunter. Die Holzschnitte sind (hand)koloriert. Gut gefallen mir auch die späten Kreidezeichnungen, die häufig Industriebauten und/oder Plätze wiedergeben. Mehrere Jahre hindurch zeichnet er Comics und seine Frau Gilly Hillmayr (verstorben 1984) schreibt die Texte dazu. Ein schönes Geschenk zum 90. Geburtstag für einen Künstler, der nicht so offensichtlich im Rampenlicht steht.

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Es ist Ende Oktober als Sandra Mohr und Sascha Bergmann zu einem Tatort in die Südsteiermark gerufen werden. Weil Sascha ein miserabler Autofahrer ist, lenkt Sandra das Dienstauto durch die engen Kurven nach Kitzeck im Sausal. Kurz vor dem Ziel taucht wie aus dem Nichts ein Mädchen in einem weißen, aber blutigen Kleidchen auf und verschwindet ebenso plötzlich im dichten Nebel. Sandra kann das Auto nur mit Mühe auf der Straße halten und Bergmann will das Mädchen gar nicht gesehen haben. Dass zwei Polizisten auf dem Rückweg vom Tatort mit dem Auto verunglücken im dichten Nebel und einer der beiden dabei stirbt, macht das Ganze noch geheimnisvoller. Denn über allem schwebt die Sage vom "Spuk von Trebian", in der ein junges Mädchen von seinem Vater ermordet wird. Die beiden Ermittler wissen nicht, was sie davon halten sollen. Während Sandra durchaus für eine übersinnliche Wahrnehmung emp-fänglich scheint, lehnt Bergmann allein schon den Gedanken daran kategorisch ab. Je tiefer Sandra Mohr und Sascha Bergmann in die Familie des er-mordeten Weinbauern Hermann Schneider eindringen, desto schwieriger werden die Ermittlungen. Das Opfer war nicht sonderlich beliebt und hat sich durch seine ruppige Art einige Feinde gemacht. Ist unter ihnen der Mörder zu finden? Oder liegt das Motiv gan wo anders? Und warum ist er mit einem alten Vorderlader erschossen worden? Wer benützt denn heute noch so einen alten Schießprügel? Fragen über Fragen mit denen sich die beiden Ermittler vom LKA Steiermark herumschlagen müssen. Meine Meinung: Der Krimi hat einen gruseligen Touch, da er ja rund um Allerheiligen spielt und auf so manchen re-importierten Brauch als "Zutat" zurückgreift. Geschickt verknüpft Claudia Rossbacher die Sage aus dem 13. Jahrhundert mit dem aktuellen Kriminalfall. Auch die Geschichten rund um Maria Silbert, eine Spiritistin aus den 1920er Jahren, die die "Seherin von Waltendorf" genannt wurde, finden ihren Eingang. Diese Idee finde ich recht interessant. Die Rückblenden zu den Séancen mit der Maria Silbert fügen sich schön in den Kontext ein. Der Schreibstil ist wie immer locker und flüssig. Elegant versucht die Autorin ihre Leser auf falsche Fährten zu locken. Die Auflösung hat dann noch eine interessante Wendung auf Lager. Ich kenne die Gegend ganz gut und habe direkt Lust bekommen, wieder einmal ins Sausal zu fahren. Fazit: Auch der 9. Fall für Sandra Mohr und Sascha Bergmann findet bei mir Anklang. Gerne gebe ich hier wieder 5 Sterne.

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