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Alle Rezensionen von Bellis-Perennis

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Von diesem Buch bin ich ein wenig enttäuscht. Es enthält jede Menge Ereignisse des Finanzsektors, aber "Finanzblasen" im wahrsten Sinne des Wortes kommen eher weniger vor. Wir erfahren, unter anderem wie ein Aristoteles Onassis reich geworden ist oder wie mit Rohstoffen jongliert wird. Aber mehr schon nicht. Das lässt sich leicht im Internet recherchieren. Dazu bräuchte es dieses Buch nicht. Zumal der größte Teil der Inhalte ohnehin aus Online-Recherchen entnommen sind, wie die Quellenangaben verraten. Das finde ich ein wenig mager. Ich hätte mir ein ausführliches Literaturverzeichnis gewünscht. Der Schreibstil wirkt inkonsistent, als hätten mehrere Autoren hier ihre Recherchen zusammengefasst. Ach ja, Stichwort "Zusammenfassung": Warum mussten die ohnehin schon kurzen Kapitel nochmals zusammengefasst werden? Mehrfache Redundanzen schmälern das Lesevergnügen ebenso wie die auffällige Werbung für des Autors Firma. Vermisst habe ich die Anleitung "wie man Finanzblasen erkennt", die im Untertitel angekündigt ist. Fazit: Wer eine kompakte Geschichte verschiedener Börsenereignisse lesen möchte, kann diesem Buch bestimmt etwas abgewinnen. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, muss sich anderswo Informationen beschaffen. Leider nur 3 Sterne.

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Schauspieler, Komödiant, Regisseur, Autor und Tausendsassa Felix Dvorak gibt in diesem, seinem neuesten Buch, eine veritable Sammlung von G¿schichterln und Anekdoten zum Besten. Wir begegnen den Urvätern des Kabaretts wie Ernst Waldbrunn und Karl Farkas. Dürfen über Erlebnisse mit Legenden wie Gerhard Bronner, Peter Alexander und Otto Schenk schmunzeln. Der Autor erzählt aus seinem reichen Schatz an Erfahrungen als Schauspieler, Theater- bzw. Festspieldirektor und den Anfängen des Fernsehens. Im locker leichtem Plauderton hüpft Felix Dvorak ein wenig durch Zeit und Raum. Wie bei einem Gespräch bei Kaffee und Kuchen, bei dem ein Wort das andere ergibt und ihm immer wieder neue Anekdoten einfallen. Er stellt weniger sich selbst als eher seine Schaupielerkollegen ins Rampenlicht. Dazu passt ein Zitat aus Friedrich Schillers "Wallenstein" perfekt: ¿Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze`. Kränze flicht der Autor nicht, sondern erinnert mit dem ihm eigenen Humor an Kolleginnen und Kollegen, die leider nicht mehr unter uns weilen. Fazit: Dieses Buch ist amüsant geschrieben und enthält jede Menge auch höchst private Fotos der Familie Dvorak. Gerne gebe ich hier 4 Sterne

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In diesem nunmehr vierten Fall für Claudia Harms und dem japanischen Austauschermittler Kenjiro Takedo bekommt der Mord an einem japanische Fußballstar eine überraschende Wende. Ryutaro Matsumoto, genannt Matsu, gefeierter Fußballstar beim HSV wird in einem Gewerbehof tot aufgefunden. Die Haltung der Leiche erinnert Takeda an den rituellen Selbstmord, der in Europa als Harakiri bekannt ist, doch der Mann wurde durch einen Kopfschuss regelrecht hingerichtet. Die Ermittlungen führen Harms und Takeda zu einer obskuren japanischen Sekte, die in Hamburg große Unterstützung durch ewig gestrige Geschäftsmänner erhält. Zwar wird der Mörder recht bald entdeckt und der Akt geschlossen. Die Hintergründe bleiben weitgehend im Dunklen. Sowohl Claudia Harms als auch Ken Takeda fühlen sich brüskiert und beschließen spontan nach Japan zu reisen, um weitere Erkundigungen einzuziehen. Meine Meinung: Ich kann die Beweggründe der beiden Ermittler sehr gut verstehen. Trotzdem scheint mir die Vorgangsweise ein wenig unglaubwürdig. In nur einer knappen Woche kehren sie das unterste zu oberst, geraten an die Yazuka (die japanischen Mafia) und müssen mehr als einmal um ihr Leben fürchten. Das wirkt jetzt auch mich nicht so ganz machbar. Okay, die Vorzeichen kehren sich nun um: Ken ist in seiner gewohnten Umgebung und Claudia die Außenseiterin. Sie hat zwar ein paar Brocken japanisch gelernt, doch reichen die natürlich bei weitem nicht aus. Takeda nützt natürlich seinen Heimvorteil, aber dass die deutsche Ermittlerin so einfach Auskünfte erhält? Gut gefallen haben mir die Einblicke in die japanische Kultur und das Leben der Japaner. Interessant ist auch der geschichtliche Rückblick in den Zweiten Weltkrieg. Aus anderen Büchern weiß ich, dass "die heroische Rasse der Japanern der arischen, deutschen gleichgestellt" war. Der Auftritt von Kens Ex-Frau hätte jetzt auch nicht unbedingt sein müssen. Oder vielleicht doch? Immerhin spricht sie aus, was Takeda in seinem Innersten schon weiß, aber nicht wahrhaben will. Schauen wir, was der Autor im nächsten Fall daraus macht. Fazit: Aufgrund einiger Ungereimtheiten kann ich diesmal nur 4 Sterne vergeben.

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Albrecht Müller, einst Redenschreiber für Willy Brandt und seit 2003 Herausgeber der "NachDenkSeiten" schließt mit diesem Buch an das 2009 erschienene "Meinungsmache: Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen" an. Akribisch listet er die 17 gängigsten Mittel der Manipulation auf, denen wir täglich ausgesetzt sind. Nur weil manche Statement ständig wiederholt werden, werden sie nicht wahrer, aber die Menschen glauben, dass sie wahr sind. Das Motto ist "Steter Tropfen höhlt den Stein". Wie kann man dem nun entkommen? Hier hat der Autor mehrere Ideen parat: Unter anderem: Nicht nur einem Medium vertrauen, sondern versuchen alternative Meinungen einholen und sich mit anderen Menschen besprechen und austauschen. "Es hilft, wenn man sich mit andern zusammentut, also sich mit anderen Menschen über das Phänomen Meinungsmache und Manipulation austauscht. Viele Augen sehen mehr als zwei." (S. 10) Gut gefällt mir das Cover, das aus der Psychologie stammt. Man kann darauf entweder zwei Gesichter im Profil oder eine Vase sehen. Je nachdem wie man gepolt ist. Der Autor findet klare Worte, was heutzutage ja schon eher eine Seltenheit ist. Meistens lavieren Politiker um den heißen Brei herum, verschweigen oder verdrehen die Tatsachen. Wie sagte schon die österreichische Dichterin Ingeborg Bachmann "Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar!" Diesem Zitat ist wohl wenig hinzuzufügen.

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Circe ist die Tochter von Sonnengott Helios und der Okeaniden Perse. Sie gilt als hässlich, linkisch und steht im Schatten ihrer Geschwister Pasiphaë und Aietes - die genießen das Wohlwollen der Götter. Die aufmüpfige Circe wird von ihrem Vater auf die kleine Insel Aiaia verbannt. Dort verfeinert sie ihre Fähigkeiten als Kräuterhexe und lebt mit wilden Tieren und der ungezügelten Natur. Die Insel mausert sich im Laufe der Zeit als "Parkplatz" für ungezogenen Nymphen. Doch auch Menschen landen an ihrer Küste. Eine alleinstehende Frau ist auch dann Freiwild, wenn es sich um die Tochter eines Gottes handelt... Doch im Laufe der Zeit wird Circe weiser, setzt ihre Zauberkräfte gezielt ein und lernt auch die Gesellschaft von Sterblichen wie Odysseus zu schätzen. Damit stellt sie sich allerdings gegen diverse Vorschriften der göttlichen Familie. Meine Meinung: Eigentlich müsste der Titel ja "Kirke" lauten, denn so hieß die Tochter des Helios auf altgriechisch. Es hat sich aber die latinisierte Form mit "C" eingebürgert, die häufig auch Zirze geschrieben wird. Sei es wie es sei. Der Autorin ist ein gut lesbarer Fantasy-Roman gelungen. Angelehnt an die Griechischen Sagen des Altertum begegnen wir einer Vielzahl von Göttern, Halbgöttern, Nymphen, Hexen und Sterblichen. Sehr gelungen finde ich die Idee, die Geschichte(n) aus Circes Perspektive zu erzählen. Der Schreibstil ist weit flapsiger als die Neubearbeitung der Sagen des Klassischen Altertums von Michael Köhlmeiers. Die Sprache ist stellenweise sehr modern und man begegnet Dingen, die in der Antike noch lange nicht bekannt waren, wie zum Beispiel den Paradeisern: "Hast du Tomaten auf den Augen?" Das Nachtschattengewächs wurde erst mit Kolumbus & Co. so rund um 1500 n. Chr. nach Europa gebracht. Mir hat Circe gut gefallen. Sie ist alles andere als unfehlbar. Sie hat mehr mit den Sterblichen gemeinsam, als ihr bewusst ist. Sie kränkt sich, sie ist wütend und manchmal unentschlossen. Sehr energisch geht sie vor, als Athene ihren Sohn bedroht: Wie eine Helikoptermutter der Gegenwart, räumt sie Telegonos alle möglichen Gefahren aus dem Weg. Fazit: Wer gerne klassischen Stoff auf moderne Art dargebracht, liest, ist hier richtig. Gerne gebe ich 4 Sterne.

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"Ich will unsterblich werden" - Diesen doch recht ungewöhnlichen Wunsch äußert Friederike Maria Beer (1891-1980) schon in jungen Jahren. Wer ist diese ungewöhnliche Frau? Margret Greiner zeichnet eine sehr spannende Biografie. Friederike Maria Beer ist die Tochter einer Barbesitzerin, doch nicht irgendeiner Bar: Ihre Mutter führt die legendäre Kaiserbar in Wien, in der sich Künstler und Mäzene ein Stelldichein geben. Friederike selbst nimmt gegen den Willen der Mutter Schauspielunterricht und wird zum lebenden Modell der Haute Couture der Salons des bekannten Salons der Schwestern Flöge. Dann kreuzt der Maler und Industriellensohn Hans Böhler ihren Lebensweg. Die beiden verlieben sich und leben ohne Trauschein miteinander. Welch ein Skandal!. Hans und Fritzi verbindet später eine lebenslange tiefe Freundschaft. Fritzi steht Hans nackt Modell. Fritzi setzt sich in den Kopf von den prominentesten Maler dieser Zeit gemalt zu werden: Bei Egon Schiele und Gustav Klimt gelingt dies. Nur bei Oskar Kokoschka klappt es nicht. Der muss in den Großen Krieg ziehen. Allerdings überlebt er Schiele und Klimt um Jahrzehnte. Fritzi ist unstet, will reisen, Wien ist ihr zu klein geworden, das geschrumpfte Österreich sowieso. SIe lernt einen italienischen Marineoffzier Monti kennen, heiratet Hals über Kopf - und flieht vor der Enge der Ehe, der Kleinheit der Insel Procida und vor dem Faschismus eines Mussolinis. Als sie wenig später den viel jüngeren amerikanischen Studenten Hugh Stix kennenlernt, krempelt sie ihr Leben völlig um. Sie folgt ihm Mitte der 1930er Jahre nach New York. Hier beweist sie Weitblick, denn eigentlich stammt sie aus einer jüdischen Familie, die mehrfach das Bekenntnis gewechselt hat. Sie hilft als Leiterin von Hugh Stix` Galerie "Artist Gallery" Dutzenden österreichischen Künstler Europa und die Nazis zu verlassen. Malerei ist Ankommen an einem anderen Ort gemäß dieses Zitats von Franz Marc, haben Maler und Bilder das ganze lange Leben von Fritzi eine große Rolle gespielt. Sie lebt bis ins hohe Alter in Hawai, wo sie sich letztendlich fast 90-jährig, das Leben nimmt. Meine Meinung Wie wir es von der Autorin gewöhnt sind, besticht auch diese Biografie durch penible Recherche und einen wunderbaren Schreibstil. Man meint, Friederike Beer-Monti beim Flanieren zu begegnen. Keine Minute kommt Langeweile auf. Farbenprächtig wie Klimts Gemälde ist dieses Buch geschrieben. Dazu passt auch das Cover perfekt, dass eben dieses Porträt zeigt, das Gustav Klimt von ihr gemalt hat. Zahlreiche Fotos ergänzen das Buch, das in gewohnter, sorgfältiger AUfmachung im Verlag Kremayr und Scheriau erschienen ist. Auf S. 61 sieht man Friederike als junges Mädl in einem Hauskleid der Wiener Werkstätte in ihrer Wohnung, die Josef Hoffmann eingerichtet und Hans Böhler bezahlt hat. Durch die Bilder, die zahlreiche Maler wie Klimt, Schiele oder Böhler von ihr gemalt haben, ist Friederike Beer-Monti tatsächlich unsterblich geworden. Fazit: Ich habe diese Biografie mit großem Genuss gelesen und gebe hier gerne 5 Sterne.

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Mit diesem historischen Roman hat Autorin Joan Weng wieder ein gut recherchiertes und flüssig geschriebenes Buch verfasst. Worum geht¿s? Wir schreiben das Jahr 1918 und der Große Krieg (wie der Erste Weltkrieg damals genannt wurde) ist endlich vorbei. Klara eine Tochter aus gutem Hause in Weimar will der Enge der Heimatstadt entfliehen. Sie hat das Schicksal ihrer Freundinnen vor Augen: Die eine ist Kurz nach der Hochzeit zur Kriegswitwe geworden, die andere hat nur ihre Hochzeit im Kopf. Klara weiß, dass es noch ein wenig mehr geben muss. Ihr Verlobter Fritz ist Armeearzt und nach wie vor in den diversen Lazaretten im Einsatz. Also packt Klara kurzer Hand, trotz aller Bedenken von Fritz und ihrer Mutter, ihren Koffer. In Berlin angekommen, trifft sie zuerst auf Kiki, eine lebenslustige Frau und Freundin von Fritz, dann auf Martha, eine Zeitungsherausgeberin. Für deren Magazin, das sich ausschließlich an Frauen richtet, schreibt sie Artikel und Fortsetzungsgeschichten. Doch das Leben in Berlin besteht nicht nur aus Festen, Liebe und Swing. Es die Zeit ist kurz vor der Gründung der "Weimarer Republik", deren Zeugen Klara (und die Leser) werden. Es ist die Zeit in der Konservative gegen Sozialisten und Kommunisten mit Waffengewalt vorgehen. Es ist Revolution in Berlin - und Klara und Fritz sind mitten drin. Meine Meinung: Ich bin, wie immer bei Joan Wengs Bücher, ganz tief in die Zeit "hinein gekippt". Die Autorin erzählt historische Details so fesselnd, dass man gar nicht merkt, Geschichtsunterricht zu bekommen. Das mag ich an Joan Wneg besonders, dass sie Fakten und Fiktion so gekonnt vermengt. Die Aufbruchsstimmung in Deutschland, der Mut der streitbaren Frauen, die es satt haben, der Armut nicht entrinnen zu können. Besonders beeindruckend ist jener Abschnitt in "Kiki Klassens Reisetagebuch", in dem es um ungewollte Schwangerschaften geht. Mit gefällt die Entwicklung, die Klara durchgemacht hat. Sie war zwar schon immer ein wenig eine (geheime) Revoluzzerin, aber sie reift durch die verschiedenen Schicksalsschläge. Seien es ihre eigenen oder die der anderen Frauen. So ist auch die Trennung von Klaras großer Liebe Fritz zu erklären. Er muss tun, was ihm sein ärztliches Gewissen rät, nachdem hier in Berlin Freunde auf einander geschossen haben - er will nach Afrika auswandern. Klara sieht ihre Bestimmung im Artikel für die Zeitung schreiben. Die bildhafte Beschreibung von Berlin und Weimar haben mich an unseren Sommerurlaub erinnert, in dem wir in beiden Städten auf den Spuren der Weimarer Republik (und natürlich Goethes und Schillers) gewandelt sind. Fazit: Ein toller historischer Roman, der uns in die Zeit von 1918/19 eintauchen lässt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

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In einer schicken Bar in St. Pauli treffen sich Staatsanwältin Chastity Riley und fünf weitere Kriminalbeamte, um den 65. Geburtstag von Faller, dem Chef der Mordkommission, zu feiern. Doch die lustig lockere, alkoholgeschwängerte Feier endet plötzlich: Ein Dutzend schwer bewaffneter Männer dringt in die Bar ein und nimmt alle Barbesucher als Geiseln. Die Geiselnehmer ahnen nicht, dass sie es mit einem zusammengeschweißten Team von Kriminalbeamten und der Staatsanwältin zu tun haben, die sich auch nur mit Blicken bestens untereinander verständigen können. Zuvor mussten alle Geiseln ihre Mobiltelefone abgeben. Nur gut, dass KHK Calabretta neben einem Messer ein Zweittelefon in seinen Cowboystiefeln trägt und Hilfe rufen kann. In vielen Rückblenden bis ins Jahre 1984 wird langsam klar, dass es sich hier um Rache an einem Hamburger Schnösel handelt, der die Familie des nunmehrige Anführers der Geiselnehmer auf dem Gewissen hat. Etwaige aktuelle Opfer sind Kollateralschäden. Doch welche der Geiseln ist er? Meine Meinung: Dieser nunmehr 9. Krimi rund um die unkonventionelle Staatsanwältin Chas Riley ist ein wenig anders als die bisherigen. Nicht Riley und ihr eher ausschweifendes Privatleben und der erhöhte Alkoholgenuss stehen im Mittelpunkt, sondern Henning Garbarek, der vor Jahren aus Hamburg fortging, um in Cartagena, Kolumbien, sein Glück zu machen. In diesem zweiten Handlungsstrang und gekonnt erzählten Rückblicken erfährt der Leser, wie es Henning in Cartagena ergangen ist. Wer bei "Kolumbien" sofort an Drogen denkt, liegt nicht so ganz falsch. Wer Simone Buchholz` Schreibstil nicht kennt, wird ein wenig irritiert sein. Ihre kurzen, knappen Sätze und die manchmal derbe Ausdrucksweise stoßen manche Leser vor den Kopf. Aber, das macht genau den Reiz dieser Krimi-Reihe aus. Die Wirklichkeit im Hamburger Kiez ist rau, derb, brutal und voll mit Drogen aller Art - das färbt auch auf die Ermittler ab. Diesmal kommt sogar etwas wie Humor auf, denn die Autorin gibt ihren Kapiteln seltsam anmutende Überschriften wie "Ein Mann eine Wurst" oder "Kopf in der Kreissäge". Auch die kurzen Passagen, die in einer Art Lyrik dargeboten sind, wirken abgefahren. Skurril auch, dass Chas mit fast jedem der anwesenden Polizisten ein Techtelmechtel hatte, aber der aktuelle Lover (noch) nicht dabei ist. Der wird einen waghalsigen Befreiungsversuch starten. Gleichzeitig taxiert sie die Geiselnehmer, ob die auf von ihr angebotenen Sex anspringen würden. Besonders den Anführer hat sie diesbezüglich im Visier. Ein kleiner Kritikpunkt ist das Aufsehen, dass um Chas` lädierten linken Daumen gemacht wird. Wo hat sie sich diese Verletzung, die sich im Laufe der Zeit zu einer veritablen Blutvergiftung auswächst, überhaupt zugezogen? Fazit: Wie gewohnt, ein Krimi abseits des Mainstreams, anspruchsvoll und mit überraschenden Wendungen gespickt. Hochspannung für die Fans von Chas Riley und 5 Sterne für das Buch.

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Der junge Benedikt stolpert nach einem gewonnenen Fußballmatch trunken vor Freude (und sonstigem) über eine Leiche. Der Tote ist recht schnell identifiziert: es handelt sich um Paul Winterpracht, der vor einiger Zeit seinerseits einen jungen Mann durch einen Faustschlag getötet hat. Aufgrund seiner Jugend und seiner geringen geistigen Fähigkeiten, ist er mit einem milden Urteil davongekommen. Das wiederum hat einige Bewohner von Westerwick wie den Journalisten Gerd Nollmann und seine Bürgerwehr ziemlich aufgeregt. Spielt hier Selbstjustiz eine Rolle? Und was haben die Hinweise auf Bibelsprüche zu bedeuten. Heinrich Tenbrink und Mail Bertram müssen in alle Richtungen ermitteln und durchleuchten sowohl die Familie Winterpracht als auch die Aukemas, deren Sohn das Opfer von Pauls Gewaltausbruch war. Die Familie Aukema gehört zu den strenggläubigen Mennoniten und hätten ein veritables Motiv. Allerdings erlegt ihnen ihr Glaube allerlei strenge Regeln auf und untersagt ihnen, Gewalt auszuüben und erlegt . Doch halten sich wirklich alle dran? Meine Meinung: Tom Finnek ist wieder ein fesselnder Krimi gelungen, der durch die unterschiedlichen Charaktere sowohl bei den Ermittlern als auch bei den Dorfbewohnern besticht. Heinrich Tenbrink hat nach wie vor einige Aussetzer nach seinem Schädelbruch und ist eigentlich die Karriereleiter hinauf gefallen. Allerdings, so argwöhnt der Münsterländer Dickschädel, soll er so aus dem Alltagsgeschäft herausgehalten werden, da seine Ermittlungsansätze hin und wieder gewöhnungsbedürftig sind. Ihm zur Seite steht wieder Maik Bertram, der manchmal etwas ungestüm ist und nach wie vor von seiner Vergangenheit als Drogenfahnder in Magdeburg eingeholt wird. Trotz aller Unterschiede ergänzen sich die beiden so gut, dass sie nun gemeinsam mit Pudel Flocke eine Männer-WG in Tenbrinks Haus bilden. Diesmal spielt Flocke ein recht große Rolle, die dem Krimi eine humoristische Tone gibt. Ein abermaliges Wiedersehen mit Jan Bonnema, dem niederländischen Polizisten bewahrt Maik vor einer Riesendummheit. Ach ja, Dummheit - Maik und die Frauen sind auch so ein Kapitel mit dem wir uns hier beschäftigen. Diesmal ist er zwar der Gelackmeierte, aber so ganz unschuldig ist er an der verzwickten Situation nicht. Natürlich darf auch ein bisschen Gesellschaftskritik nicht fehlen. So sehen wir uns unterschiedlichen Kategorien von Flüchtlingen gegenüber: Zunächst die Ostpreußen, die seinerzeit von der Roten Armee vertrieben worden sind. Die sind zumindest akzeptiert, weil ja immerhin Deutsche. Dann die Bürger der ehemaligen DDR, auch Deutsche, aber schon eher scheek beäugt, weil die ja lieber im Westen von Sozialhilfe leben, als in den neuen Bundesländern arbeiten zu gehen. Und dann natürlich die Ausländer, egal woher sind sie die dritte und unterste Klasse von Flüchtlingen, denen man alles zutraut. Interessanterweise ist man auch auf Niederländer nicht gut zu sprechen. Wie wir es von Tom Finnek gewöhnt sind, sind einfache Lösungen seine Sache nicht. Er schickt Ermittler wie Leser auf allerlei falsche Fährten und in mehrere Sackgassen, die zuvor viel versprechend ausgesehen haben. Der fiese Cliffhanger am Ende des Buches und die Ankündigung des Autors, an einen vierten Fall für Tenbrink und Bertram zu schreiben, lassen mich voller Vorfreude auf die Fortsetzung warten. Fazit: Ein verzwickter Krimi, bei dem nichts so ist, wie es aussieht. Gerne gebe ich hier wieder 5 STerne.

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Martin P. ist ein Durchschnittsbürger. Er ist seit längerem arbeitslos. Wieder einmal fährt er zu einem Vorstellungsgespräch, das sich zunächst Erfolg versprechend aussieht, um wenig später, wieder im Nichts zu verschwinden. Freundin hat er auch keine, nur Rosi, eine ehemalige Arbeitskollegin, trifft er ab und zu. Frustriert über die abermalige Ablehnung postet er betrunken, in den Sozialen Medien, das was sich viele denken: Den Mörder eines kleinen Mädchens eigenhändig zu töten. Als er dann von höchster Stelle, ein Jobangebot erhält, ist dies diesem Posting geschuldet. Doch an diesen Arbeitsvertrag ist eine Bedingung geknüpft... Meine Meinung: Schon der Titel macht neugierig. Martin P. wird hingerichtet? Wieso?Weshalb?Warum? Auch die drei Kapitelüberschriften "Tat", "Urteil" und "Strafe" verkünden Unheil. Was ist die Tat? Der Mord an dem kleinen Mädchen? Oder das Hassposting? (Wieder einmal eine b¿soffene G¿schicht, die aus dem Ruder gelaufen ist?) Das Urteil? Die (fiktive) Todesstrafe für Tim? Oder die Anordnung der Ausführung für Martin? Die Strafe? Das Weiterleben von Martin P. mit einem Schuldenberg, den er niemals abzahlen kann und einem schlechten Gewissen? In diesem Thriller sieht man, wohin betrunken oder gedankenlos Ausgesprochenes bzw. in den Sozialen Medien Gepostetes führen kann. Auch wenn diese Geschichte fiktiv ist, so kann jede unbedachte Äußerung ungeahnte Ausmaße annehmen und sich verselbständigen. Außerdem ist klar erkennbar, dass jeder seinen Preis hat. Das Cover ist in seiner Schlichtheit genial. Der Schreibstil ist dem Genre angepasst. Kurze, knappe Sätze. Die direkte Red statt mit Anführungszeichen mit Bindestrichen zu kennzeichnen, ist anfangs gewöhnungsbedürftig, scheint aber das Zeichen der Zeit zu sein. Fazit: Ein Thriller, der nachdenklich macht. Gerne gebe ich hier 5 STerne.

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