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Alle Rezensionen von Winfried Stanzick

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Schon lange liest man immer wieder Meldungen und Berichte, dass Tiere, die als Wildtiere früher ausnahmslos in Wald, Feld und Flur gelebt haben, sich in unseren Großstädten fast unbemerkt einen neuen Lebensraum erobert haben, in dem sie sich sehr wohl fühlen, der ihnen Nahrung und Schutz bietet und an den sie sich hervorragend adaptiert haben. Wenn man genau darauf achtet und die Hinweise kennt, kann man heute zwischen Häuserschluchten, Parks und Straßen die unterschiedlichsten wilden Tiere antreffen und beobachten. So ist Berlin zur Hauptstadt der Wildschweine geworden, in München hat der Biber die Isar wiederentdeckt, Frankfurt am Main gilt als die Stadt der Vögel und in Düsseldorf hat sich der Eisvogel inmitten der Stadtparks angesiedelt. Warum das so ist, und wie man das Verhältnis zwischen den neuen Wildtieren und den eingesessenen Menschen und Tieren beschrieben kann, damit beschäftigt sich das vorliegende Buch "Großstadt Wildnis" neben vielen anderen Fragen. Der Fotograf Sven Meurs hat sich auf Entdeckungssafari begeben, zunächst durch die fünf größten Städte des Landes. Er hat die unterschiedlichsten Tiere in ihrem neuen Lebensraum fotografiert. Er erklärt in informativen Texten jeweils, warum die Tiere in die Städte kommen, wie sie in einer von Menschen geprägten Umwelt leben und überleben und auch, wie man sie schützen kann. Faszinierende Fotos dokumentieren das eindrücklich. Er selbst und viele Menschen, mit denen er gesprochen hat und die sich für den Schutz und Erhalt von Wildtieren in der Stadt einsetzen, ist er der Meinung, dass diese Tiere den städtischen Raum und die Natur in der Stadt bereichern und nicht etwa stören. Jedes einzelne Kapitel wird eingeleitet durch eine Aufmacherseite, die Jörg Hülsmann bezaubernd illustriert hat. Seine Zeichnungen zeigen die Silhouette der jeweiligen Stadt und ein dort heimisch gewordenes Tier. Ausflugstipps für die eigene Naturbeobachtung runden dieses modern gestaltete Naturbuch ab, in dem sich durch die beeindruckenden Fotos die urbane Natur aus nächster Nähe erleben lässt.

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So wie sein Vater, den sie bei aller Gegnerschaft respektvoll den "Rebell vom Remstal" nannten, ist sein Sohn Boris, seit 12 Jahren als Grüner Oberbürgermeister von Tübingen, nicht dafür bekannt, dass er jemals ein Blatt vor den Mund genommen hätte. Sehr zum Ärger seiner Parteioberen, die ihm schon mehr als einmal nahegelegt haben die Partei zu verlassen. Besonders seine medialen Einlassen zur Flüchtlingspolitik seit 2015 haben immer wieder Widerspruch auf der einen und Zustimmung auf der anderen Seite erregt. In seinem neuen bei Siedler erschienenen Buch zeigt sich der Kommunalpolitiker auch auf den Pfaden der großen Politik als sicherer und streitbarer Zeitgenosse. Sei es die Wohnungspolitik, die Debatte um die innerstädtischen Fahrverbote, die unsägliche Rolle der Bürgerinitiativen, die den Erfolg der Energiewende gefährden, Stuttgart 21 oder die semireligiöse Debatte um die Klimawandel, überall zeigt er auf, "warum Politik mit der Wirklichkeit beginnen muss" legt Wert auf die Fakten, plädiert für Vernunft und im Kapitel über die Sicherheit allerdings auch über die Bedeutung der subjektiven Gefühle der Menschen. Er unterstützt, dass sich immer mehr Menschen über Missstände in der Gesellschaft empören, mahnt aber gleichzeitig in Richtung der Klimaaktivisten und anderer nicht intolerant zu werden. Frei heraus und ohne falsche Tabus spricht Palmer an, wo er Veränderungsbedarf im politischen und gesellschaftlichen Diskurs sieht. Seine Erkenntnisse zusammenfassend, formuliert er zum Abschluss seines lesenswerten und teilweise provozierenden Buches folgende zehn Thesen, die es wert sind, wahrgenommen und kritisch diskutiert zu werden: These 1: Innerhalb gesellschaftlicher Bewegungen entstehen vermehrt radikalisierte Kerne These 2: Die Staatsbürger entwickeln sich zu NIMBYS (not in my backyard) These 3: Unbequeme Wahrheiten werden ausgeblendet These 4: Komplexe Probleme werden an Experten delegiert These 5: Risiken werden falsch bewertet These 6: Großprojekte werden durchgesetzt, koste es, was es wolle These 7: Die fortschreitende Spaltung der Gesellschaft reduziert das Gewicht der Fakten These 8: Empörungskultur und Identitätspolitik lenken von den wichtigen Problemen ab These 9: Für wirtschaftliche Interessen können Fakten ein Störfaktor sein These 10: Die höheren Ebenen der Politik nutzen das Erfahrungswissen aus den Kommunen zu wenig Es sei dringend Zeit für eine neue Aufklärung, sagt Boris Palmer. Ich wünsche seinem Buch und seinen Thesen dass sie im politischen Diskurs unserer Gesellschaft einen Widerhall finden. Wie schon in seinem Buch "Wir können nicht allen helfen" schwimmt er auch hier oft gegen den Strom, kann sich aber durchaus bei fast allen seinen Themen der Zustimmung eines großen Teils der Bevölkerung sicher sein. Nur müsste diese Mehrheit die Wahrheit und die Fakten auch mutiger aussprechen und einfordern. Wenn sich über die Hälfte nach einer neuen Umfrage nicht mehr trauen, das zu sagen, was sie wirklich denken, ist es an der Zeit, dem entgegenzutreten und zum Engagement zu ermutigen. Boris Palmer tut das mit seinem neuen Buch auf vorbildliche Weise.

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In diesem Buch der langjährigen Enneagramm-Trainerin Suzanne Stabile kann man nicht nur eine verständliche Einführung in das Prinzip des Enneagramms lesen, also die neun verschiedenen Persönlichkeitstypen und damit Zugänge, die Welt zu erleben, sondern sie zeigt anhand der neun Typen, wie diese ticken und wie sie mit Konflikten in ihrem Leben und mit anderen Menschen umgehen. Das seit vielen Jahren sich bewährende System des Enneagramms beschreibt nämlich sehr genau, wie die unterschiedlichen Persönlichkeitstypen von eins bis neun in ihrem Charakter gestrickt, was sie im Innersten antreibt, oft auch unbewusst. Wer also die Typen des Enneagramms kennt und das System des Aufbaus dieser Typologie, kann nicht nur sich selbst und das eigene Verhalten in Beziehungen viel besser einschätzen und verstehen, sondern es gelingt ihm auch, die Welt mit den Augen des anderen, mit dem man vielleicht eine gestörte Beziehung hat zu betrachten und zu verstehen. Wenn das gelingt, wird es möglich, auf Konflikte anders, gelassener zu reagieren. Weg von der schnellen Bewertung und Verurteilung des anderen und damit Zementierung des Konfliktes hin zu besserem Verständnis des anderen. Suzanne Stabile versteht das Enneagramm als ein "Übersetzungstool" für Beziehungen. Ein Modell, das hilft sich selbst und den anderen in seinen tiefsten Beweggründen zu verstehen. Ihr Buch ist voll von eindrücklichen Beispielen und nicht selten mit viel Humor gewürzt. Es will und kann zu gelingenden, liebevollen und von Verständnis geprägten Beziehungen helfen, Beziehungen, die gelingen, weil man den anderen besser verstehen kann in dem, was ihn im Innersten antreibt und bewegt. Aus Selbsterkenntnis zum Verständnis des Mitmenschen kommen - ein vielversprechender Weg.

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Die für Ihre Romane mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin Sandra Hoffmann (zuletzt der Hans-Fallada-Preis für "Paula") veröffentlicht mit "Das Leben spielt hier" ihr erstes Jugendbuch. In einem zunächst gewöhnungsbedürftigen sehr knappen Stil, der besonders die vielen Dialoge sehr eigenwillig darstellt, beschreibt sie im Vordergrund mit vielen Rückblicken versehen die zarte Liebesgeschichte von Ona und Peer, der nur Pe genannt wird. Als Ona Pe beim Surfen am Strand zum ersten Mal sieht, spürt sie gleich die Anziehung, die dieser Junge auf sie ausübt. Irgendetwas in seinen Augen trifft sie mitten ins Herz. Sie will diesen schweigsamen Jungen mit der Narbe am Kopf unbedingt kennenlernen. Als sie sich einige Zeit später wieder begegnen, werden sie schnell ein Paar. Langsam und von Sandra Hoffmann mit intensiver erzählerischer Kraft beschrieben öffnen sie sich einander und es wird deutlich, dass sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben, die sie verwundbar gemacht haben. Ona hat ihre Mutter verloren und Pe hat einen von seinem Bruder wohl verschuldeten Verkehrsunfall im Gegensatz zu ihm überlebt. Eine wichtige Rolle bei der heilenden Öffnung des jungen Paares füreinander spielt Kriedel, ein alleinstehender Buchhändler, bei dem Pe viel Zeit verbringt beim Anschauen von Übertragungen von Surfwettbewerben aus aller Welt. Beim Versuch, Ona und Pe nach einem schweren Missverständnis, das wie ein Block zwischen ihnen steht und mit Danis Tod zu tun hat, wieder zu versöhnen, sagt Kriedel die für das Buch zentralen Sätze über Schuldgefühle, unter denen alle drei leiden: "Man kann einfach nur besser leben, wenn man verzeihen kann. Dann ist man wieder frei. Dann geht auch diese schlechte Gefühl, das einen richtig beißen kann, wieder weg." Denn auch Kriedel quält sich, weil er vor einiger Zeit seine Partnerin Matilda verloren hat. Sie ist einfach gegangen. Kriedel entschließt sich, sie zu suchen und Ona und Pe begleiten ihn in Kriedels altem Käfer auf dem Weg nach Spanien. Auf diesem Weg nach Süden kommt vieles aus der Vergangenheit der drei ans Tageslicht. Pe erzählt zum ersten Mal (auch seinem Therapeuten Potasche hat er nie davon berichtet) wie es zu dem tragischen Unfall kam, bei dem sein Bruder ums Leben kam, Ona erinnert sich an ihre Mutter und Kriedel erzählt den wahren Grund; warum Matilda ihn sozusagen über Nacht verlassen hat. Diese Öffnungen sind schmerzhaft, doch alle drei erleben in zunehmender menschlicher Nähe, wie durch sie die lange ersehnte Heilung beginnen kann. "Das Leben spielt hier", ein Satz den Kriedel einmal zu Pe sagt, bevor sie nach Spanien aufbrechen, ist ein Buch, das mit viel Herzenswärme von einer ersten großen Liebe erzählt und davon, dass auch nach großen Verlusten eine Heilung der von Schuldgefühlen und Schmerz zerfressenen Seele möglich ist. Das Geheimnis liegt darin, sich zu öffnen, sich verwundbar zu machen und die Liebe zuzulassen. Es ist nie zu spät dafür.

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"Ich rate dir, dir Zeit zu nehmen und genau hinzuschauen, du wirst eine Menge entdecken." Das schreibt Rebecca Dautremer, die 1971 geborene Autorin und Illustratorin des vorliegenden Buches für kleine und große Leser diesen in einem Vorwort ins Stammbuch. Die große Übersetzerin Eva Moldenhauer hat dieses wunderbare und zauberhafte Buch aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt, als eines ihrer letzten Arbeiten, bevor sie im April 2019 starb. Das Buch erzählt wie in einem Stundenbuch vom Leben und den Erlebnissen und Erfahrungen von Jacominus Gainsborough. Klein ist er, sehr klein in dieser großen weiten und auch unübersichtlichen Welt. Rebecca Dautremer erzählt seine Geschichte, von seiner Geburt als geliebtes Kind mit durchaus schwierigen Eltern bis zu seinem letzten Atemzug. Es ist das Leben eines kleinen Kaninchens. Es ist zerbrechlich, verträumt, es kennt glückliche und unglückliche Zeiten, liebevolle und traurige Stunden. Auf jeder zweiten Doppelseite, mit weißem Hintergrund, füllt er als einmaliges Individuum den Raum und verschmilzt dann wieder mit den großartigen Fresken voller Details und Figuren seiner Umwelt. Es ist schwer, dort seinen Platz zu finden, so klein wie er ist, mit dieser verletzten Pfote, die seit einem bösen Sturz sein Leben verlangsamt. Aber Schritt für Schritt geht er voran, bescheiden und tapfer, gestützt auf seine Krücke und von der Liebe, die er in sich trägt. Die zauberhaften und prächtigen Illustrationen machen die vielen unterschiedlichen Emotionen von Jacominus deutlich sichtbar. Jede neue Seite begleitet ihn auf seinen Wegen, seinen Träumen, seinen Hoffnungen und Ängsten, vor allem aber seiner Liebe, die er in sich trägt von Anfang an. In zwölf Szenen, von den Jahreszeiten bestimmt, unterstrichen durch drei Mehrfachbilderrahmen und etwa zehn Portraits der Titelfigur, ist dies die Geschichte eines Lebens. Ein wunderbares Buch für Jung und Alt, das mit dem Europäischen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, und dem ich auch in Deutschland viele wache Leser und nachdenkliche Betrachter wünsche.

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Der Knesebeck Verlag hat mit dieser hochwertigen Geschenkausgabe des Kinderbuchklassikers "Der kleine Lord" allen Eltern und Großeltern rechtzeitig vor dem diesjährigen Weihnachtsfest ein schönes Angebot für ein wertvolles Geschenk für ihre Kinder oder Enkel gemacht. Er hat die Geschichte des kleinen Cedric Errol aus New York, der zum Earl of Dorincourt in England wird und dabei durch seine Herzenswärme sogar seinen kaltherzigen Großvater erweicht, von Gundula Müller-Wallraf neu übersetzen lassen. Den in München lebenden freischaffenden Illustrator, Karikaturisten und Comiczeichner Jan Reiser hat der Verlag beauftragt, die den meisten Kindern vor allem aus dem Fernsehen bekannte Geschichte zu illustrieren. Neben der schönen und bekannten Geschichte sind es vor allen Dingen Reisers Zeichnungen, die das Buch auszeichnen. Seine Bilder sind den durch mehrmaliges Sehen des Filmes bekannten Figuren nachempfunden, geben ihnen aber schärfere Konturen und drücken durchweg auf eindrückliche Weise die Emotionen der abgebildeten Personen aus. Ein schönes Geschenk für die ganze Familie.

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Es ist kurz vor Weihnachten. Die Erzählerin des hier anzuzeigenden Jugendromans der in den USA sehr erfolgreichen Jugendbuchautorin Nina LaCour, Marin, hat gerade ihre Mitbewohnerin Hannah in die vierwöchigen Weihnachtsferien verabschiedet. Sie selbst will das College im Staat New York nicht verlassen über die Feiertage, weil sie keinen Ort mehr hat, wo sie hingehen soll. Ihre Vergangenheit scheint zerschmettert, ihre Gegenwart einsam und ihre Zukunft dunkel. Viele tausend Kilometer ist sie vor einigen Monaten geflohen in dieses kleine Privatcollege. Geflohen aus einem Leben, das sich für sie als eine einzige Lüge darstellt. ¿ Am Anfang ist es für den Leser noch sehr unverständlich, wieso Marin sich absichtlich in diese Einsamkeit begibt und in ihr verharrt, als würde sie einen Winterschlaf halten, aus dem es kein Erwachen mehr gibt. Doch im Laufe des Buches lüftet Nina LaCour mit vielen Rückblicken aus den Monaten Mai bis September das Geheimnis Marins und das ihres Großvaters, bei dem sie lebt, seit ihre Mutter bei einem Surfunfall ums Leben gekommen ist als Marin gerade mal drei Jahre alt war. Es wird mehr und mehr klar, welche Vorkommnisse und welche lange Geschichte Marin schlussendlich an diesen für sie einsamen Ort im College in New York gebracht hat. Klar wird mehr und mehr auch die Person und die Rolle ihrer langjährigen Freundin Mabel, die, nachdem das College über Weihnachten seine Pforten geschlossen hat, plötzlich vor der Tür von Mabels Wohnhaus im College steht, und sie auch im Namen ihrer beiden Eltern einlädt, zumindest in den Ferien zu ihnen nach Hause zu kommen. Hunderte von SMS und Nachrichten ihrer Freundin auf dem Anrufbeantworter hat Marin in ihrer tiefen Trauer unbeantwortet gelassen. Es scheint, als wollte sie mit nichts mehr konfrontiert werden, was sie an ihr anderes Leben erinnert, ein Leben, das sich für sie als eine einzige große Lüge herausgestellt hat. Doch Mabel lässt nicht locker, auch nicht nachdem Marin ihren Vorschlag abgelehnt hat und ihre Freundin nach drei schweren gemeinsamen Tagen, die angefüllt sind mit langen Phasen des Schweigens und langen Gesprächen über die gemeinsame Vergangenheit und über Marins Schicksal, allein zum Flughafen fahren lässt. Doch weder Marin noch der erschütterte Leser haben mit Mabels treuer Freundschaft gerechnet und mit der Fürsorge ihrer Eltern. Und Marin wird schlußendlich begreifen, dass sie sich entscheiden muss. Entweder sie verharrt weiter in ihrem Verdrängen ihrer sehr schmerzhaften Lebensgeschichte und der ambivalenten Rolle, die ihr Gramps darin gespielt hat, oder sie stellt sich wieder dem Leben, das sie in den Personen von Mabels Familie wieder zum Mitmachen und Mitleben einlädt. Kirkus Review in den USA nannte das Buch einen "wunderschönen Lobgesang auf die reinigende Kraft der Wahrheit". Ja, und es ist auch eine Hymne an die tragende Kraft der Freundschaft.

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Irgendwann fangen die meisten Kinder an zu fragen, wo sie herkommen. Die familiären Beziehungen und Ursprüngen sind dabei meist schnell und leicht und verständlich erklärt. Bald werden die Fragen aber grundsätzlicher und weiten sich aus auf die Welt, in der sie leben. Woher kommen wir Menschen und warum gibt es uns eigentlich? Wie ist das alles entstanden? Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde diese Frage sehr oft mit religiösen Erklärungen beantwortet. Gott, der Schöpfer als Ursache und Beweger alles dessen, was lebt. Seit der Urknall in das naturwissenschaftliche Allgemeinwissen weiter Teile der Bevölkerung eingesickert ist, wurde der Schöpfer auch als dessen Anstifter und Begründer identifiziert. Das vorliegende Buch von Johan Olsen allerdings verzichtet völlig auf solche überkommenen Erklärungen und erklärt mit zum Teil witzigen, aber immer verständlichen Beispielen die Entstehung des Lebens vom Urknall bis zum Menschen und den Molekülen des Lebens. Da wird die Schwerkraft mit einer Tasse und einer Sahnetorte erklärt und die Relativitätstheorie mit dem Bauch einer dicken Katze. Es sind viele solcher plausiblen Erklärungen, die das Buch für an solchen Fragen interessierte Kinder ab etwa 10 Jahren zu einem Erlebnis machen können. Olsen behandelt in 11 Kapiteln verständlich und aufeinander aufbauend folgende Themen in einer Sprache, die auch Kinder verstehen können, ohne viel Fachbegriffe und wissenschaftliche Fremdwörter: ¿ Die Atome ¿ Der Anfang von allem ¿ Die Sonne ¿ Die Erde ¿ Das Universum ¿ Quantenmechanik ¿ Relativitätstheorie ¿ Das Leben ¿ Der Mensch ¿ Die Moleküle des Lebens ¿ Die Wirklichkeit Und am Ende schreibt er folgende wichtigen Sätze: "Die Geschichte der Welt, wie sie uns die naturwissenschaftliche Forschung vermittelt, endet nie. Das Ergebnis der naturwissenschaftlichen Forschung ist nämlich nicht die Wahrheit. Es ist nur die einfachste Erklärung für das, was wir beobachten können." Ein absolut empfehlenswertes Buch für alle neugierigen und naturwissenschaftlich interessierten Kinder.

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" ¿wenn man etwas wirklich will, mit Herz und Seele, Kopf und Bauch, dann, dacht` ich störrisch, schafft man¿s auch!" Das ist die Selbstbeschreibung der Autorin des hier vorliegenden Bilderbuches, die man auf Ihrer Homepage nachlesen kann. Dort erfährt man auch etwas über ihre Liebe zur Musik. Und so findet man in ihren Werken aus den letzten Jahren viele Bücher für Erwachsene und Kinder, die Gereimtes aus der Musik- und Märchenwelt erzählen. Auch ihr neues Bilderbuch bei Gerstenberg in Hildesheim "Der Tierigent" verbindet das Reimen und die Musik, gepaart mit großer Leidenschaft für kindliche Traumwelten. Im Stadtpark gibt das Tierorchester ein Konzert. Alle packen ihre Instrumente aus, man hört schon die ersten Übungstöne. "Doch einer findet keinen Platz Am Podium: der kleine Spatz Wie gerne will er mit den Tieren Zusammen fröhlich musizieren." Da spielt der Affe Cello, die Giraffe Kontrabass, der Bär Fagott, der Tiger Klarinette. Und der Spatz bettelt: "..darf ich Geiger sein? Der Affe sagt: Du bist zu klein." Für die Tuba reicht seine Puste nicht und fürs Schlagzeug hat er nicht genügend Kraft. Traurig setzt der Spatz sich ins Publikum. Das Konzert beginnt und es ertönt ein ohrenbetäubendes Fiedeln, Tuten und Trällern. Eines ist klar: Die Musiker brauchen jemanden, der den Takt angibt. Und so wird aus dem Spatzen ein großer Tierigent. Farbenfrohe Bilder von Manuela Olten, die alle beteiligten Tiere liebevoll und mit großen erwartungsvollen Augen gezeichnet hat und lustige Reime stellen die Instrumente des Orchesters vor und laden ein zu einem fröhlichen Konzert. Ein schönes Bilderbuch mit zauberhaften Bildern und sprachlich gelungenen Reimen über ein tierisches Orchester, bei dem am Ende jeder seinen Platz findet, auch der kleine Spatz.

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Das vorliegende Bilderbuch des 1986 bei Avignon in Frankreich geborenen und heute in Paris lebenden Illustrators Benjamin Flouw ist eine gelungene Mischung von einem Bilderbuch mit einer spannenden Geschichte und Handlung und einem Sachbilderbuch zu Phänomenen der Natur. Mit eindrucksvollen, leicht kubistisch anmutenden Illustrationen erzählt Flouw von Fuchs. Fuchs sitzt abends gerne gemütlich in seinem Sessel und liest in alten Pflanzenbestimmungsbüchern. Er sucht nach einer neuen Pflanze, die sein Haus verschönern soll. Dann schlägt er eine neue Seite auf, auf der kein Bild oder Zeichnung zu sehen ist nur eine Beschreibung: "Die goldene Funkelblume ist eine Blume aus der Familie der Gutversteckten. Sie ist sehr selten und wächst nur auf hohen Bergen. Wie sie wirklich aussieht, weiß keiner. Bis heute hat sie noch niemand beschreiben können." Nun ist die Neugier des Hobbybotanikers gepackt. Mit entsprechender Ausrüstung macht sich Fuchs nun auf eine Reise, die ihn durch Wälder und Wiesen hinauf in die Berge führt. Er will diese seltene und geheimnisvolle Pflanze finden! Doch als er sein endlich findet, ist er mit einer schweren Entscheidung konfrontiert. All die Pflanzen, die er auf seinem langen Weg hinauf in die Berge sieht, sind zwischen den Seiten, die die Erzählung voranbringen, extra abgebildet und beschrieben. Auf diese Weise lernen die Kinder viel Pflanzen kennen und benennen. Benjamin Flouw erzählt in seinem Buch von Entdeckerlust und dem Respekt vor der Natur, während seine liebevollen und reduzierten Illustrationen die Ruhe der unberührten Natur einfangen. Ein sehr empfehlenswertes Bilderbuch mit kunstvollen Illustrationen.

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