eBook.de : Ihr Online Shop für eBooks, Reader, Downloads und Bücher
Connect 01/2015 eBook-Shops: Testsieger im epub Angebot, Testurteil: gut Die Welt: Kundenorientierte Internetseiten Prädikat GOLD
+49 (0)40 4223 6096

Alle Rezensionen von MarionHH

Seite 1 / 7
cover
Die vierzehnjährige Freya lebt als Sklavin zusammen mit Mutter und Schwester bei den Wikingern, als das Unglück über sie hereinbricht: In Notwehr und weil er ihre Mutter getötet hat, ersticht sie den Stammesfürsten Björn. Da dies das sichere Todesurteil bedeutet, flieht sie zusammen mit ihrer Schwester Asta, als Junge verkleidet. Sie beschließt, ihren Großvater Gerold zu finden, von dem sie hofft, dass er in der Heimatstadt ihrer Mutter, dem friesischen Dorstadt, noch immer lebt. Auf verschlungenen Wegen, immer in Angst vor Verfolgern, gelangen sie tatsächlich nach Dorstadt, wo sie bei der gutmütigen Jutta unterkommen. Diese verrät Freya, als sie nach einem Überfall der Dänen im Sterben liegt, dass Gerold seinerzeit nach Rom aufgebrochen ist. Und so macht sich Freya mit ihrem Freund Kasimir auf nach Rom. Sie findet Gerold tatsächlich - er ist der Chef der päpstlichen Garde und der engste Vertraute des Papstes, der in Wirklichkeit eine Frau ist¿ Ein schlichtweg großartiger, überwältigender Roman über eine junge Frau, die auf ihrem gefahrvollen Weg durch das frühmittelalterliche Europa guten wie schlechten Menschen begegnet, tiefe Freundschaft und alles verzehrenden Hass erfährt, die tötet und heilt, die klug und mutig allen Gefahren und ihrem Schicksal trotzt und dabei die Liebe findet. Dabei trifft Freya auch die Päpstin Johanna, wie sie selbst als Mann verkleidet, um dadurch Wissen zu erwerben und Wege zu gehen, die ihr als Frau verwehrt bleiben. Johanna inspiriert und fördert ihre Leidenschaft für Bücher und vor allem für medizinisches Wissen, das Freya klug und effizient zu nutzen weiß. Trotz aller Gemeinsamkeiten und Parallelen zu Johannas Lebensweg ist Freya doch eine sehr eigenständige Protagonistin, und die Autorin versteht es meisterhaft, aus ihr einen starken, vielfältigen Charakter zu formen, der alles für die Ihren tut, oft mit sich hadert und auch das eine oder andere Mal die falsche Entscheidung trifft. Darüber hinaus zeichnet sie mit bildhafter Sprache ein farbenprächtiges, sehr anschauliches und authentisch anmutendes Bild des frühen Mittelalters - einer Welt, in der Frauen per se dem Manne untertan sein und ihm gehorchen sollen - bestens verkörpert von Freya Schwester Asta. Freya als weibliche Sklavin steht da zunächst am untersten Ende der Skala. Wie sie sich herauskämpft, wie sie widrigen Umständen immer wieder entflieht und Ungerechtigkeiten einfach nicht hinnimmt, ist einfach wahnsinnig spannend und fesselnd. Formal eingerahmt in einen Prolog und einen Epilog, die jeweils einen größeren Zeitsprung überbrücken, spielt sich die Geschichte ansonsten hauptsächlich während den Jahren 854 bis 867 ab. Aus verschiedenen Perspektiven, wobei Freya jedoch den größten Anteil hat, erzählt die Autorin von den Geschehnissen und beleuchtet nebenbei das politische Geschehen und die Machtverhältnisse jener Zeit. Für eine junge Frau kommt Freya bemerkenswert weit herum und trifft interessante Zeitgenossen. Sie gerät auch häufig in Lebensgefahr, und oft ist es Zufall und ihr Instinkt, der ihr und anderen das Leben retten. Dabei legt die Autorin nicht nur viel Wert auf realistische Beschreibungen der Lebensumstände der Menschen, was zum Beispiel medizinische Behandlungen, Geburten oder auch der Alltag in Dörfern und Städten und die Wikingerüberfälle angeht, sondern auch auf die Gestaltung der anderen Figuren, deren Persönlichkeiten hervorragend herausgearbeitet sind. Ich habe besonders mit Kasimir und auch einigen anderen mitgelebt und musste mich leidvoll von einigen verabschieden. Am meisten jedoch fiebert man mit den Hauptfiguren Freya und später dann auch Aristid mit, und der Fokus der Geschichte liegt dabei ganz klar auf ihr. In diesem Buch passiert einfach immer irgendetwas, lange Zeit der Besinnung ist Freya nicht beschieden, und mehrere überraschende Wendungen führen zu sehr unvorhergesehenen Ereignissen. Wie gut, dass alles doch ein versöhnliches Ende nimmt! Fazit: ein hervorragend recherchierter, von der Päpstin Johanna inspirierter und inspirierender Roman über eine junge Frau in einer von Gewalt, aber auch von Wissensurst und Aufbruchstimmung geprägten Welt. Das Buch kommt im Übrigen sehr gut gebunden und mit einem sehr schönen Umschlag daher, kleiner Wermutstropfen waren einige Schwächen beim Lektorat - ohne diese wäre es perfekt gewesen. Das tut aber natürlich dem Lesevergnügen keinerlei Abbruch, die Geschichte um Freya ist ein echter Pageturner und für alle Fans des opulenten historischen Romans schlichtweg ein Muss!

cover
München, Königreich Bayern, 1894: Seit einem Jahr ist Hauptmann Freiherr Wilhelm von Gryszinski, seines Zeichens Sonderermittler und Brigade-Kommandant des Königlich Bayrischen Gendameriekorps, nun schon in München und muss sich dort vor allem mit den verschiedenen Möglichkeiten von Körperverletzungen mit dem Maßkrug herumschlagen. Seinen Tatortkoffer hat er bislang noch nicht zum Einsatz gebracht. Das ändert sich, als eine unbekannte Leiche in den Maximiliansanlagen an der Isar gefunden wird, mit zerschossenem Kopf und einem merkwürdigen Federumhang bekleidet. Zusammen mit seinem engagierten Team beginnt Gryszinski zu ermitteln und stößt bald auf den gebürtigen Preußen Lemke. Dieser ist wiederum auch für das Königreich Preußen von Interesse, und so findet sich Gryszinski unverhofft in der Doppelrolle als bayrischer Ermittler und preußischer Spion wieder¿ Eine wunderbare, in herrlich schnörkeliger, antiquierter Sprache verfasste Geschichte und ein komplexer Fall! Obwohl der Schreibstil durchaus gehoben ist und sich aufgrund der teilweisen ungewöhnlichen Ausdrücke und Formulierungen nicht locker-flockig herunterlesen lässt, gewöhnt man sich schnell daran und taucht umso tiefer ein in einen ungewöhnlichen Fall mit faszinierenden Figuren und einem Ermittler, den es meines Erachtens so noch nicht gegeben hat. Die ganze Geschichte steckt voller merkwürdiger Dinge, Erfindungen und wundersamer Überraschungen, teilweise skurriler Charaktere und bemerkenswerter Innovationen. Der historische Hintergrund sowie die vielschichtig gezeichneten Figuren machen die Geschichte zu etwas sehr Besonderem, und die Autorin versteht es meisterhaft, diese Zeit aufleben zu lassen und Situationen, Menschen und Hintergründe authentisch und liebenswert darzustellen. Mit dem Preußen in Bayern, Wilhelm von Gryszinski, prallen zwei Welten aufeinander, die sich in unterschiedlichen Szenen und Dialogen und nicht zuletzt in seiner Person manifestieren. Auf der einen Seite das Preußentum, geprägt von Zurückhaltung, Askese, Pünktlichkeit, Fleiß, militärischem Gehorsam und absoluter Loyalität, auf der anderen Seite die bayrische Gemütlichkeit, die Spezlwirtschaft, die Brauhausmentalität, das gute Essen. Niemand vereint all diese Eigenschaften besser als Hauptmann und Kommandant Gryszinski beziehungsweise weiß, wie sich das Beste aus beiden Welten herauszuholen lässt. Und dennoch gerät er mehrfach in Gewissenskonflikte, ist er doch sowohl in der Preußischen Tradition noch sehr verhaftet als auch der bayrischen Lebensart sehr zugeneigt. Er steht mehrfach vor der Entscheidung sich für eine Seite zu entscheiden, was ihm sichtlich schwerfällt. Zudem treibt ihn sein erster richtiger Mordfall mächtig um, anfangs wirkt er mitunter leicht überfordert, dann jedoch siegt sein (preußischer?) Stolz und Gerechtigkeitssinn, und trotz der bayrisch-preußischen Zwickmühle, in der er steckt, will er den Mord unbedingt aufklären. Sein Konflikt wird verstärkt durch den Hauptverdächtigen Eduard Lemke, ebenfalls von Geburt her Preuße, aber von sehr zweifelhafter Herkunft und zwielichtigem Charakter, und dem Auftrag des preußischen Gesandten, Lemke des Landesverrats zu überführen, was seiner Ansicht nach über dem eigentlichen Mordfall steht. Je tiefer Gryszinski in Lemkes skurrile Welt eindringt, umso mehr verschärft sich seine Zwickmühle. Bei der Aufklärung stehen ihm zum Glück seine eifrigen Mitarbeiter, der herrliche Urbayer Voglmaier mit seinen Spezln und Eberle mit seiner schwäbischen Verbissenheit zu Seite. Auch Amtsarzt Dr. Meyerlein trägt mit seinen Erfindungen und geradezu modernen Methoden sehr zu den Ermittlungen bei. Gryszinski scheut sich auch nicht, seine Haushälterin sowie seine beiden preußischen Freunde einzubinden und wird im Laufe des Falles mutiger und pfiffiger, verzichtet sogar zugunsten wichtiger Befragungen auf sein geliebtes deftiges Essen, reist in die eher ungeliebte Heimatstadt Berlin und erwehrt sich mehrerer Anschläge auf sein eigenes Leben. Man fiebert so sehr mit ihm mit, dass man eigene Überlegungen zum Fall fast vergisst. Fazit: Herrlicher, gut konstruierter Kriminalfall aus dem alten München des 19. Jahrhunderts, mit liebenswerten Charakteren und einem Ermittler, der seines Gleichen sucht. Wer ist denn nun der "falsche Preuße"? Lemke, Gryszinski oder jemand ganz anderes? Dies ließ sich für mich nicht final klären, weist aber auf die beiden Welten hin, in denen sich die Hauptfiguren in dieser Geschichte bewegen. Die bildhaften Beschreibungen von historischem Umfeld und der Ermittlungsmethoden machen deutlich, in welch einer aufgeklärten Zeit der Innovationen Gryszinski ermittelt, wobei er zwischen Tradition und Moderne hin und her pendelt und doch nie seine Menschlichkeit und Empathie verliert. Ich wünsche mir, bald mehr von ihm zu lesen und kann es kaum erwarten, die lieb gewonnen Figuren wieder zu treffen!

cover
Kriminalkommissarin Helle Jespers kann selbst im Urlaub im milden Südfrankreich nicht richtig abschalten. Als sie der Anruf ihres Kollegen erreicht, der eine Tote meldet, ist sie beinahe froh, dass etwas passiert, doch dann ist sie mehr als geschockt, denn die Tote ist Merle, eine alte Schulfreundin ihres Sohnes Leif. Angeblich hat sie Selbstmord begangen. Daran glaubt Helle keine Sekunde und startet deshalb zu ihren berüchtigten Alleingängen. Wo ist Merles Handy, und was hat sie mit einem jungen Pärchen in einem nicht gemeldeten, roten Pickup zu tun? Helles Vorgesetzte pfeifen sie zurück, doch dann wird in Kopenhagen in einer Jugendherberge ein junger Mann tot aufgefunden, und wieder ist das Pärchen involviert¿ Dritter Fall für die eigenwillige Kommissarin Helle Jespers aus dem abgelegenen norddänischen Städtchen Skagen. Auch wenn man die Vorgänger-Bände der Kommissarin nicht kennt, kommt man sehr gut in die Geschichte hinein, was vor allem am sehr eingängigen und unprätentiösen Schreibstil der Autorin und ihrer hervorragenden Beschreibung der Charaktere liegt. Die Geschichte lebt meines Erachtens vor allem von der extrem menschlichen und sympathischen Hauptfigur und den generell sehr tiefgründig gezeichneten anderen Figuren. Es gibt eine zwar eine recht klare gut-böse-Aufteilung, dennoch sind die Persönlichkeiten der Figuren vielschichtig und die Autorin versteht es sehr gut, Emotionen zu beschreiben und den Leser diese miterleben zu lassen. Der Fall selbst ist nicht besonders komplex, Helle kommt oft durch Geistesblitze auf die Hintergründe und geht dann diesen nach. Sie hat einfach ein herausragendes Gespür für Menschen und handelt oft intuitiv. Es geht weniger darum, der schrittweisen Aufdeckung, sprich den Ermittlungen der Polizei, zu folgen, oder um ein Psychoduell als vielmehr darum, eine emotionale Verbundenheit mit den Protagonisten herzustellen. Der Leser gewinnt durch die verschiedenen Perspektiven der Leser tiefe Einblicke ins Geschehen und in die Gefühlswelt der Protagonisten und weiß immer mehr als die Kommissarin. Dennoch wird eine gewisse Spannungskurve gehalten, man fiebert vor allem mit den Figuren mit, die persönlich betroffen sind. Formal ist die Geschichte in drei Teile eingeteilt, die die Geschichte ziemlich genau in drei gleiche Teile gliedert, deren Übergänge wichtige, für den Fortgang der Handlung einschneidende Ereignisse markieren. Die drei Hauptperspektiven Helle/Polizei, das Pärchen beziehungsweise Nick und Jemi sowie der Polizist Willem sind jede für sich spannend und der Leser weiß dadurch immer mehr als die Kommissarin, was ebenfalls einen Teil der Spannung ausmacht. Sehr gut sind die Zerrissenheit und die Zweifel der Personen dargestellt, die Grundstimmung ist zwar nicht düster, aber dennoch spürt man oftmals die Verzweiflung und den Kampf, den die Protagonisten ausfechten. Mir hat hier besonders Polizist Willem gefallen, der das Bindeglied zwischen beiden Welten darstellt und sich als äußerst mutig erweist. Bei ihm war man sich manchmal nicht sicher, wie er sich entscheiden wird, und es war spannend zu beobachten wie er sich behauptet. Mitunter hätte ich mir bei einigen anderen Figuren wie beispielswiese Jemi oder Hiob noch tiefere Einblicke gewünscht. Einiges an Motivationen und Hintergründen bleibt offen, und so bietet der Schluss zwar eine gute Auflösung, die Entwicklung der Figuren hätte aber meines Erachtens umfassender sein können. Fazit: Gelungener dritter Band um die supersympathische Kommissarin mit den oftmals eigenwilligen Methoden. Für Fans natürlich ein Muss, doch auch Einsteiger können die Geschichte gut lesen. Wer einen komplexen Kriminalfall mit ausgeklügelten Ermittlungsmethoden erwartet, wird eher enttäuscht sein. Wer jedoch emotionale Verstrickungen und lebendige Charaktere mag, wird diesen Band verschlingen.

cover
Kriminalkommissar Ewert Grens von der Stockholmer Mordkommission steht ein halbes Jahr vor der Rente, vor der ihm graut. Der Polizeidienst ist alles, was er hat, und er schleppt sowieso schon einiges an Altlasten mit sich herum. Vor allem ein alter Fall macht ihm zu schaffen, bei der die Familie eines fünfjährigen Mädchens ausgelöscht wurde und das kleine Mädchen als einzig Überlebende eine neue Identität bekam. Als ihn seine Mitarbeiterin Hermansson von einem Einbruch berichtet, der an der ihm nur allzu bekannten Adresse stattgefunden hat, beginnt er zu wühlen und stellt fest, dass höchst vertrauliche Akten aus dem Zeugenschutzprogramm fehlen. Als dann noch der ehemals verdeckte Ermittler Piet Hoffmann in seiner Küche auftaucht und ihm von der Bedrohung seiner eigenen Familie berichtet, erkennt Grens, dass alles viel komplexer ist als angenommen und dass die beiden einander vertrauen und zusammenarbeiten müssen, um Licht ins Dunkel zu bringen. Superspannender, packender Thriller, der von der ersten Zeile an fesselt und süchtig macht! Schonungslos kehrt der Autor das Innerste nach außen und verlangt seinen Protagonisten alles ab. Dabei bedient er sich einer rigorosen, manchmal sehr nüchternen Sprache, die dennoch viele mehr oder weniger versteckte Emotionen frei- und vor allem Abgründe offenlegt. Formal aufgeteilt in neun Teile, die hier wie Kapitel anmuten, wechselt er gekonnt die Perspektiven zwischen Grens und Hoffmann und Einschüben eines Ich-Erzählers sowie die verschiedenen Örtlichkeiten, bis sich die Fäden und losen Enden ineinander verweben wie ein sehr kompliziertes Strickmuster. Die Spannung wird zwar schon zu Beginn konstant aufgebaut, erfährt aber einen ungeheuren Kick mit dem Beginn des Countdowns von 72 Stunden - die Zeit, die ein Verdächtiger ohne Beweise festgehalten werden darf. Der zunächst behäbig und verbittert wirkende, korpulente und alternde Grens ist eher ein Antiheld, dem man nicht unbedingt Großtaten zutraut. Er ist jedoch ein Mann voller Gegensätze und überraschenden Tiefgangs: Er lebt sehr in der Vergangenheit und ihm graut vor der Zukunft, er hat keine Familie und kaum Freunde, ist aber einigen wenigen Kindern und Menschen, die er im Rahmen seiner Laufbahn getroffen hat, sehr zugetan. Er wirkt brummig und einsiedlerhaft, riskiert aber für fremde Kinder sein Leben. Im Laufe der Ereignisse macht er außerdem eine Entwicklung durch, wird zum Wohltäter und durchbricht dadurch seine Einsamkeit. Wenn auch der alte Fall erneut traumatisierend ist, so wird er doch zu Ende gebracht. Ebenso ist Piet Hoffmann ein Mann voller Überraschungen und einer, der schon mehr zum Helden taugt. Obgleich er manchmal undurchsichtig ist, mit illegalen Methoden arbeitet und ohne zu zögern Menschen tötet, steht sein Gerechtigkeitssinn und die Liebe zu seiner Familie immer im Vordergrund seines Handelns. Da sich auf diese beiden die Handlung konzentriert, sind ihre Persönlichkeiten am intensivsten, doch auch die anderen Figuren sind vielschichtig und führen oftmals zu sehr überraschenden Wendungen in der Geschichte. Fans des Autors kennen die Hauptfiguren Grens und Hoffmann natürlich aus seiner Trilogie, die er zusammen mit dem Kollegen Börge Hellström verfasst hat. Und in der Tat hat der vorliegende Band einige Andeutungen und Verweise auf die Vergangenheit der beiden. Man hat als Leser, der die Trilogie nicht kennt (so wie ich), immer das Gefühl, dass die Verbindung der beiden tiefer geht und dass die Vergangenheit stark in die Geschichte mit hineinspielt. Das tut aber dem Lesevergnügen bei weitem keinen Abbruch, man kann diesen Band getrost ohne jegliche Vorkenntnisse lesen. Dass Anders Roslund schreiben kann, hat er sowieso hinlänglich bewiesen, stammen doch aus seiner Feder außerdem noch weitere Thriller, die er in Zusammenarbeit mit Stefan Thunberg verfasst hat. Fazit: Ich bin sowieso ein schwerer Fan der skandinavischen Krimi- und Thrillerliteratur und der Autor muss sich auch als alleiniger Urheber nicht vor seinen Kollegen verstecken. Für mich ist der Thriller eine sehr gelungene Einzelleistung, die Lust auf Mehr macht, eine hochkomplexe, verworrene Geschichte, von der man natürlich weiß, dass alles irgendwie zusammenhängt, aber das Wie lange nicht durchschaut bis hin zu dem schockierenden, aber durchaus konsequenten Finale. Zwar nichts für Zartbesaitete, für Fans des Genres jedoch ein Muss, eine hochspannende Geschichte mit tiefgründigen Charakteren.

cover
Bei der Stockholmerin Stella läuft es gerade so gar nicht rund: Ihr Freund hat sie betrogen, sie verlässt ihn und verliert dadurch sowohl Wohnung als auch Job. Ihr einziges Ziel ist nun, ihr Erbe, ein Grundstück auf dem platten Land in Südschweden, zu verkaufen, um mit dem Geld ihren großen Traum zu verwirklichen: ein Modestudium in New York. Das Grundstück erweist sich als Alptraum, ein völlig verwilderter Acker mit einer Bruchbude ohne Strom und fließend Wasser. Eigentlich will Stella so schnell wie möglich verschwinden, wäre da nicht der nette Nachbar Thor, Biobauer auf dem Nachbarhof, der sich mehr und mehr um sie bemüht und eine magische Anziehungskraft auf sie ausübt¿ Dies ist eine gefällige und gut zu lesende Liebesgeschichte mit super sympathischen Figuren und einem Hang zu deftigen Liebesszenen. Stella und ihre Geschichte gehen einem sofort zu Herzen, man lebt mit ihr mit und wünscht ihr alles Glück der Welt. Aber auch Thor ist ein super Sympathieträger, auch wenn er phasenweise doch sehr das kerniger-Naturbursche-Klischee verkörpert. Da aus ihrer beider Sicht erzählt wird, erhält der Leser in beider Gefühlswelt intime Einblicke. Das ist aus dem Grund interessant, weil beide sich selbst und einander immer wieder versichern, dass ihr Zusammensein nichts Festes sein kann. Beide reflektieren viel über ihr Leben, über vergangene Beziehungen und über sich, beide haben einiges an Vergangenheitsbewältigung zu betreiben und kommen außerdem aus gänzlich verschiedenen Welten. Aber für seine Gefühle kann man ja bekanntlich nichts¿ Stella ist ein recht spannender Charakter und gefiel mir wirklich gut. Als Halbinderin entspricht sie schon optisch keiner sogenannten schwedischen Norm und erfuhr dadurch Rassismus, als Stockholmerin ist sie außerdem städtisch durch und durch und sie musste schon früh auf eigenen Beinen stehen, ist also alles andere als das "kleine Weibchen", für das sie viele halten. Sie weiß sich durchzusetzen und ist clever und ehrgeizig, aber auch emotional, sehr loyal und treu zu ihren Freunden und hilfsbereit und empathisch - eine Menschenfreundin, die das Beste bei Menschen hervorheben will. Besonders diese Gegensätze und ihr Kulturschock im ländlichen Südschweden wurden sehr humorvoll und bildhaft erzählt. Auch die anderen Charaktere - hier besonders Thor und seine Familie - sind durchaus schön herausgearbeitet, und die Autorin versteht es, sie und die schwedische Landschaft vor dem geistigen Auge auferstehen zu lassen. Der locker-flockige Schreibstil tut sein Übriges, um das Buch in einem Rutsch herunterlesen zu können. Mir persönlich war er allerdings manchmal zu locker und wenig romantisch und glitt besonders bei den doch sehr häufigen Liebesszenen ins Vulgäre ab. Diese traten in einer für meine Begriffe sehr konstruierten Häufigkeit auf, wohingegen manch andere Ereignisse und Wendungen abrupt geschahen und nicht nachvollziehbar waren. Ich hätte mir mitunter weniger zahl- und detailreiche Beschreibungen von Liebespraktiken und Orgasmen gewünscht und stattdessen mehr Hintergründe z.B. über Familienthemen und -geheimnisse oder über die Dorfbevölkerung erfahren. Fazit: Durchaus gelungener Liebesroman mit sympathischen Charakteren und viel schwedischem Lokalkolorit. Die detailreichen Liebesszenen muss man in der Häufigkeit mögen und dafür Abstriche in der Logik der Handlung machen, dann erhält man ein vergnügliches Buch mit einem dann doch sehr romantischen Schluss und mit einer reizenden Hauptfigur, die authentisch ist und sich selbst treu bleibt.

cover
Susanne Matthiessen, gebürtige Sylterin, mit Job und Wohnsitz auf dem Festland, blickt zurück auf ihre Kindheit, die inmitten der "Goldenen Sylter Jahre" in den 70ern stattfand. Dies tut sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge, zuweilen sehr launig und humorvoll, aber immer wehmütig und mit liebevollem Blick auf die Menschen. Auslöser im Buch ist das im Prolog beschriebene traditionelle Biikebrennen auf der Insel, eines der letzten wirklich typisch friesischen Ereignisse, das die Einheimischen nicht unbedingt immer mit den Feriengästen teilen wollen. In teilweise recht skurrilen Situationen erinnert sich die Autorin an das Sylt vergangener Jahre, in denen die geschäftstüchtigen Sylter den Tourismus entdeckt und voll ausgeschöpft haben und in denen jede Menge Prominenz die Insel heimsuchte und eine Menge Geld dort ließ. Die Kinder waren weitgehend sich selber überlassen, stromerten, wenn sie nicht gerade in den jeweiligen Geschäften ihrer Eltern aushalfen oder Schule hatten, frei auf der Insel herum. Es gab noch dörfliche Gemeinschaft, und bei allem Geschäftssinn gab es doch einen großen Zusammenhalt unter den Einheimischen, auch wenn der Gast immer König war und in machen Ferienhäusern zur Familie gehörte. Die Autorin gibt tiefe Einblicke in ihr Familienleben, das sich, gemäß der Profession ihrer Eltern, weitgehend in deren Pelzgeschäft abspielte, welches sich in der Haupteinkaufsstraße in Westerland befand und in welchem sich die Reichen und Schönen die Klinke in die Hand gaben. Dies zeigt sich im Titel, und konsequenterweise sind auch die einzelnen Kapitel mit Pelzarten überschrieben. Diese haben dazu dann auch einen deutlichen Bezug, sprich ein Erlebnis, zur Kapitelüberschrift, geben aber darüber hinaus Einblicke in andere Familien oder das Inselleben allgemein. Auch wenn die Situationen vielleicht nicht eins zu eins so stattgefunden haben und genau dem Protagonisten zugeordnet werden können, so haben sich doch so ähnlich abgespielt und zeigen sehr anschaulich das Leben in dieser Zeit auf einer Insel, deren Mikrokosmos wie eine Flutwelle von Außenstehenden überspült, deren Gemeinschaftsleben von Gästen infiltriert und deren Insel von Zweitwohnungsbesitzern und Baulöwen okkupiert wurde. Demgemäß ist es auch ein sehr persönliches Buch der Autorin, die genau weiß, dass das Leben weitergehen muss und dass diese Zeiten nicht wiederkommen werden, die aber auch aufrütteln und den Blick auf die Dinge lenken will, die nicht optimal laufen, und die Menschen, Einheimische ebenso wie Zugereiste, Gäste und nicht zuletzt die Politik bitten will zu hinterfragen und nicht einfach nur um des Profits Willen den Ausverkauf der Insel vorantreiben lassen will. Mit diesem Buch will sie dem "alten" Sylt und seinen Menschen ein Denkmal setzen, und für sie ist es außerdem eine Art, Vergessenes in Erinnerung zu rufen und Vergangenes zu bewahren. Fazit: Schöne und teilweise humorvolle Darstellung mit Einblicken in das Inselleben, das so allerdings längst der Vergangenheit angehört. Dass die Autorin ihrer Heimat sehr verbunden ist, merkt man mit jeder Zeile. Es las sich sehr gut und war unterhaltsam, allerdings war mir phasenweise zu detailliert von Pelzhandel die Rede und gegen Ende überwiegt dann auch sehr der erhobene ökologische Zeigefinger. Ich mochte sehr die lustigen Situationen, die liebevolle Beschreibung der Menschen, ihre schlitzohrige Geschäftstüchtigkeit, ihren Fleiß und ihren Zusammenhalt. Insofern eine absolut lohnenswerte Lektüre.

cover
Im frühsommerlichen Le Lavandou wird die Polizei zu einem Unfall gerufen. Eine junge Frau ist von einer Brücke gestürzt, direkt vor einen Lkw und von diesem überrollt worden. Was zunächst nach einem Selbstmord aussieht, entpuppt sich schnell als ein weitaus schwerwiegenderer Fall, denn die Frau wurde zu Tode gefoltert. Kurz darauf wird wieder eine junge Frau gefunden, diesmal grausam zugerichet von einer Schiffsschraube. Doch auch diese Frau wurde sadistisch gequält. Der deutsche Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter entdeckt außerdem merkwürdige Zeichen an beiden Opfern und weitere Übereinstimmungen bei den Foltermethoden. Treibt etwa ein Serientäter sein Unwesen? Leons analytischer Verstand arbeitet auf Hochtouren, und auch wenn er seiner Lebensgefährtin, der Polizeikommissarin Isabelle, nicht ins Handwerk pfuschen will, beginnt er neben seiner Arbeit für die Polizei auf eigene Faust zu recherchieren... Der sechste Fall für den im südfranzösischen Le Lavandou gestrandeten deutschen Rechtsmediziner Leon Ritter, zutiefst verstörend, brutal und hochspannend. Der Autor bleibt - zum Glück für den Leser - seinem Stil treu und schickt Leon erneut hinaus aus seinem Obduktionssaal durch die Provence in vermeintlich idyllische Gegenden, wo mitunter schräge, aber dennoch liebenswerte Menschen ihrem Tagwerk nachgehen. Mit viel Lokalkolorit und mit unverwechselbarem Stil beschreibt Remy Eyssen die Menschen und ihre Umgebung, gibt ihnen Authentizität und Persönlichkeit. Leon und der Leser treffen dabei auf bereits bekannte und lieb gewonnene Figuren wie die Bewohner des Städtchens Le Lavandou, lernen aber auch neue Menschen kennen. Selten ist etwas wie es scheint, und auch Leon schafft es nicht immer sofort, hinter die Fassade zu schauen. Interessant ist jedoch, dass er, gerade weil er nicht als Polizist ermittelt, oftmals viel tiefere Einblicke gewährt bekommt als seine Lebensgefährtin Isabelle und ihre Mitarbeiter, denen immerhin die geballte Polizeiautorität zur Verfügung steht , denen aber zudem Sonderermittler aus Paris im Nacken sitzen und die Presse auf die Pelle rückt. Leon kann in der Regel in aller Ruhe seine Beobachtungen machen, und eine Flasche eisgekühlter Rosè hat noch so manche Zunge gelockert. Inzwischen ist Leon durchaus etabliert, hat einen guten Ruf, ist in die Gemeinschaft integriert und führt mit Isabelle eine feste Beziehung. Doch auch wenn es immer mal private Turbulenzen und Schicksalsschläge gibt, so nimmt doch der Fall immer den Hauptteil in der Geschichte ein. Der Autor hat einen unglaublich lässigen und eingängigen Stil, ohne jemals platt zu sein, und auch die teilweise recht brutalen Szenen, die fast schon Thriller-Niveau erreichen, sind doch niemals reißerisch oder krampfhaft blutrünstig. Die aus Opfersicht geschriebenen Passagen geben tiefe Einblicke in Psyche von Opfer und Täter, gehen unter die Haut und treiben die Spannung noch einmal weiter an. Der Fall selbst ist überhaupt sehr spannend, und mich fasziniert einmal mehr, wie Leon manchmal unverhofft, manchmal mit scharfer Kombinationsgabe und Verstand Puzzelteil um Puzzeteil zueinander fügt. Geradezu köstlich, wie er durch seine Boule-Freunde Hinweise erhält, und herrlich, wie er Sonderermittler und Polizeichef in die Schranken weist. Er bleibt immer zuerst Mediziner, der helfen und aufklären will, da hat selbst der Innenminister wenig zu melden. Die bildhaften Beschreibungen von Land und Leuten und südfranzösischer Lebensart gehören zu diesem Lokalkrimi einfach dazu und geben ihm genau die richtige Prise Glaubwürdigkeit. Fazit: Sehr gelungener sechster Band um Gerichtsmediziner Leon Ritter, der durch seine Beobachtungsgabe, mit Charme und Hartnäckigkeit und nicht zuletzt mit seinem immensen Wissen den Fall vorantreibt und der Polizei Lösung und Mörder fast schon auf dem Silbertablett serviert. Meiner Meinung nach kann man die Fälle auch unabhängig voneinander lesen, ich empfehle jedoch durchaus die Lektüre aller Bände, man bekommt die Entwicklung Leons und Isabelles besser mit. Außerdem sind die Bände einfach toll geschrieben und spannend und lassen den Leser in eine wundervolle Landschaft abtauchen. Gerne mehr davon!

cover
Schweden, Gegenwart: Fünf junge Leute wollen eine Low-Budget-Dokumentation über das verlassene kleine Dorf Silvertjärn drehen. Projektleiterin Alice hat einen besonderen Bezug dazu: Ihre Großmutter Margarete stammt aus dem Dorf und hat ihre Familie seit dem mysteriösen Verschwinden der gesamten Bevölkerung im August des Jahres 1959 nie wiedergesehen. Am liebsten würde sie herausfinden, was damals wirklich geschah. Die Crew richtet sich notbehelfsmäßig ein und beginnt das Geisterdorf zu erkunden, doch bald geschehen merkwürdige Dinge. Sind sie wirklich allein? Und dann verschwindet Gruppenmitglied Tone, auch sie mit autobiografischem Bezug zum Dorf¿ Sehr guter, packender Thriller mit - zumindest in der ersten Hälfte - subtiler Spannung. Die Autorin hat einen sehr flüssigen, gut zu lesenden Schreibstil und versteht es hervorragend, mit dezenter Sprache eine unterschwellige, aber immer vorhandene Spannung zu erzeugen, die sich im Laufe der Geschichte immer mehr steigert, um in einem dann doch actionreichen Finale zu enden. Sie kommt dabei zum größten Teil ohne reißerisch-blutige Action aus. Als Leser ist man sofort in der Geschichte drin, was unbedingt auch an der Präsensform liegt, in der erzählt wird. Kaum glaubt man an die vermeintliche Ruhe, passiert wieder etwas, was alles auf den Kopf stellt. Das Ende kam für mich dann auch recht abrupt, war aber trotzdem gelungen und logisch. Manche Szenen haben schon etwas Gruseliges und jagen einem nicht selten eine Gänsehaut über den Rücken. Ein Teil der Spannung wird durch die persönliche Involviertheit von Hauptfigur und Ich-Erzählerin Alice erzeugt, die ein starkes persönliches Interesse an Silvertjärn hat. Zu gerne würde sie eine sensationelle Entdeckung machen, die die Geschehnisse aufklären und sie in den Olymp der erfolgreichen Filmemacher katapultieren würde. Sie ist psychisch labil und hoch emotional und in ihren Vorbereitungen nicht unbedingt professionell. Außerdem hat sie ständig Reibungspunkte mit ihrer ehemals besten Freundin Emmy und ihrer ebenso labilen Freundin Tone, die ebenfalls ein starkes persönliches Motiv hat, mehr über die Ereignisse erfahren zu wollen. Insgesamt sind die Charaktere vielschichtig angelegt und gut herausgearbeitet, wobei mir die weiblichen besser gefielen, da sie gegenüber den männlichen hervorstechen. Sie sind alle vielleicht nicht uneingeschränkt sympathisch, wirken aber ungeheuer authentisch. Ich hatte bei den fünfen an sich keinen besonderen Favoriten, lebte aber besonders mit Alice stark mit. Mitunter gab es auch Szenen, da traute ich keinem mehr über den Weg. Die Handlung der Gegenwart erstreckt sich lediglich über fünf Tage (die aufgrund des engen Budgets anberaumt waren) und ist durchaus kompakt. Geschickt verlegt die Autorin die Geschichte auf zwei Zeitebenen, die Vergangenheit wird mit Briefen von Margaretes Schwester Aina und Sequenzen aus der Vergangenheit, aus der Sicht von Elsa, erzählt. Elsa war meine Lieblingsfigur, sie hat in meinen Augen die stärkste Persönlichkeit, eine pragmatische, hilfsbereite, fleißige, kluge und willensstarke Frau, die erkennt, wo das alles hinführt, die aber dennoch machtlos ist. Nach und nach fügen sich die Ereignisse zusammen und man erkennt die Entwicklung, die das Dorf und seine Menschen durchmachen. Diese schleichende Entwicklung vom Harmlosen zum Bösen fand ich extrem spannend und sehr gut dargestellt. Fazit: Fulminantes Debüt der jungen schwedischen Autorin, die damit erfolgreich in die großen Fußstapfen ihrer Mutter getreten ist und sich nicht zu verstecken braucht. Damit reiht sie sich nahtlos in die Reihe des mit großartigen Autoren nicht gerade gering besetzten Genres ein. Für alle Fans des subtilen skandinavischen Thrillers ein Muss!

cover
Nele Rickmers, Anfang fünfzig und Single, hat sich in ihrem Leben sehr bequem eingerichtet und lebt neben ihrer Arbeit als Grafikerin nur für ihre Hobbies kochen, essen und fernsehschauen. Über die Jahre hat sie sich ein gehöriges Fettpolster angefuttert. Bewegung, Treffen mit Freunden oder gar ein Liebesleben findet schon länger nicht mehr statt, weil sich Nele nicht aus ihrer Komfortzone heraustraut. Als ihr als vermeintlich Hochschwangere ein Platz im Zug angeboten wird, ist der Bock fett und Nele beschließt etwas für sich zu tun. Bestärkt von ihrem Chef bucht sie eine Fastenkur auf Sylt. Trotz einiger widriger Umstände hält sie tapfer durch und knüpft sogar wieder Kontakt zu ihren Mitmenschen. Als in der Hafenklause, einer kleinen Kneipe im Ort, Not am Mann ist, hilft sie der 80jähigen Eigentümern in der Küche und hat sichtlich Spaß daran. Doch ist das genug, um ihr ganzes Leben umzukrempeln? Ein herrlicher, sommerlich-frischer, Gute-Laune-machender Frauenroman über eine super sympathische, warmherzige Frau in den besten Jahren. Eingängig, anschaulich und mit viel Humor beschreibt die Autorin Landschaft und Menschen und gibt dem Leser das Gefühl, mittendrin zu sein und alles und jeden persönlich zu kennen. Ihre Figuren sind gut beschrieben und haben jede ihre eigene Persönlichkeit, und besonders ihre Hauptperson Nele ist detailverliebt und authentisch herausgearbeitet. Nele ist natürlich, liebenswert und intelligent, außerdem hilfsbereit und liebevoll. Sie ist ein Genussmensch, dabei auch voller Zweifel, hat gute und weniger gute Tage, eben eine von uns, eine mit der man gerne befreundet wäre. Dadurch lebt man doch sehr mit ihr mit, möchte sie manchmal schütteln, meistens jedoch umarmen und wünscht ihr alles Glück dieser Welt. Aber auch die anderen Figuren sind wirklich köstlich, die Autorin beschreibt sie durchaus skurril und mit einigen Macken, aber sie karikiert sie nicht, sondern sie sind einfach liebenswert trotz vielleicht etwas strengen Körpergeruchs (den man förmlich ebenfalls riecht), Zickigkeit oder geschmacklosem Outfit. Alle haben ihre sensible Seite und sind Menschen wie du und ich. Natürlich ist das Ganze in erster Linie eine fröhliche Geschichte, bei der auch die Liebe nicht zu kurz kommt, die einen zum Lachen bringt, mitfühlen lässt und einige Stunden wirklich außerordentlich gut unterhält. Doch es ist viel mehr als das, der Glücksroman vermittelt eben auch eine Botschaft. Einige Figuren, allen voran Nele, befinden sich auf einem Selbstfindungstrip, hinterfragen sich und ihre Lebenssituation, gehen aus sich heraus und machen letztlich eine Entwicklung durch. Besonders Nele, auf die sich die Geschichte extrem fokussiert, gibt viel von sich preis, aus ihrer Perspektive wird erzählt, ihre Sichtweise bestimmt die Beurteilung von Dingen und Menschen. Sie entwickelt sich von der trägen, beruflich völlig unehrgeizigen und recht frustrierten Fünfzigerin in eine vitale, selbstbewusste, in sich selbst ruhende starke Persönlichkeit, die ihre Berufung findet, die mit allen Macken und Schwächen zutiefst menschlich ist und die erkennt, dass genau das sie so liebenswert macht. Fazit: Ein wirklich schöner Roman mit wundervollen Figuren vor dem traumhaften Hintergrund der Insel Sylt zum Hineintauchen und Wegträumen. Lässt sich sehr flüssig in einem Rutsch durchlesen, macht gute Laune und bietet romantischen Seelen auf jeden Fall viele Stunden sehr gute Unterhaltung!

cover
Im Leben von Vanessa Frank, Ermittlerin der Sonderheit NOVA in Stockholm, läuft gerade nicht so viel rund. Vom Dienst ist sie wegen eines Verfahrens gegen sie suspendiert, außerdem lässt sie sich gerade von ihrem Mann Svante scheiden. Mit der Polizeipsychologin will sie nichts zu tun haben. Um etwas zu tun zu haben, arbeitet sie ehrenamtlich in einer Organisation, die geflüchteten jungen Mädchen hilft. Wider Erwarten gefällt ihr die Arbeit und sie freundet sich mit der jungen Natasja an. Als sie von einem Überfall auf ein exklusives Uhrengeschäft hört, bei dem nichts gestohlen wurde, sind ihre Neugier und ihr Ehrgeiz geweckt. Sie beginnt auf eigene Faust und im Geheimen zu ermitteln. Schnell erkennt sie den Zusammenhang zu den aktuellen Entführungsfällen wohlhabender Stockholmer. Geht das etwa auf das Konto der Legion, einer kriminellen Bande in Stockholm? Und wieso sind die Täter der Polizei immer einen Schritt voraus? Vanessa kann nicht ahnen, welche Kreise das ziehen wird und dass sie für diesen Fall sogar bis nach Feuerland in Südchile reisen muss¿ Ich finde es schlichtweg großartig, auf welch vortreffliche und subtile Weise die einzelnen Handlungsstränge hier aufgebaut werden, wie sie lange nebeneinander herlaufen, dann langsam miteinander verknüpft werden, bis sich langsam die Fäden zusammenziehen und sich eine Gesamtheit ergibt. Dabei baut sich kontinuierlich Spannung auf, und man kann sich nicht vorstellen, wohin das führen könnte. Es ist keine klassische whodunnit-Handlung, im Gegenteil, der Leser weiß sehr genau, was in den einzelnen Teilen der Geschichte vor sich geht, er kennt Täter und Opfer, deren Taten, Motive und Methoden. Jeder Strang bleibt zunächst für sich, es verknüpfen sich höchstens einzelne winzige Teile von zweien miteinander. Jeder Strang hat auch seine Haupt- und Nebenfiguren, und einige davon tragen auch weder etwas zur Auflösung bei noch spielen sie weiterhin eine größere Rolle. Durch diese Konzentration auf die einzelnen Handlungsebenen, die eine längere Zeit anhält, erhält man als Leser tiefe Einblicke in die Gedankenwelt und Gefühle der Hauptprotagonisten und erlebt die Ereignisse intensiv mit. Es gibt keinen "Hauptstrang" - zumindest war ich in jedem einzelnen sofort wieder zu Hause und wollte bei jedem wissen, wie es weitergeht. Jede Figur hat einen ausgefeilten Charakter, hat ihre Erlebnisse, ihre Vergangenheit, die sie geprägt hat, ihre Wünsche, Hoffnungen und Träume. Der Autor verzichtet wohltuenderweise auf schwarz-weiß-Malerei, sondern gibt seinen Figuren sehr vielfältige Eigenschaften, was sie umso glaubwürdiger und menschlicher macht. Ebenso gut versteht er sich auf Beschreibungen der Umgebung, ohne ein Zuviel oder Zuwenig an Details zu verwenden. Er trifft genau den richtigen Ton, um den Leser emotional zu fesseln, und treibt die Handlung konsequent voran. Dies mündet schließlich in ein fulminantes Finale, das für meinen Geschmack dann fast ein bisschen zu abrupt endet. Von den Protagonisten haben es mir - natürlich, muss man sagen - besonders Vanessa und Nicolas angetan, nicht nur weil sie ab einem gewissen Punkt hervorragend zusammenarbeiten, sondern weil es starke Charaktere sind, die durchaus ihre Schwächen haben, sogar in Teilen jenseits des Gesetzes operieren und doch gleichzeitig hohe moralische Werte besitzen. Es sind zwiespältige Persönlichkeiten, die hadern, mit sich, der Welt und den Menschen, und die doch alles tun um sie zu einem besseren Ort zu machen. Beide machen außerdem eine Entwicklung durch, weil sie ständig reflektieren und hinterfragen. Vanessa, die kühle, sachliche Rebellin und Einzelgängerin, die niemanden an sich heranlässt, hängt ihr Herz an Natasja und setzt ihr Leben aufs Spiel um sie zu retten, und verlässt sich bei der Aktion, ganz gegen ihre Gewohnheit, blind auf Nicolas. Er wiederum, der Elitesoldat mit Einsätzen in Afghanistan und Somalia, der nichts lieber machen will als sich in den Dienst des Landes zu stellen, wird aus edlen Motiven zum Kriminellen. Faszinierend war außerdem die Darstellung der fiktiven Colonia Rhein, die mit deutlichen Anlehnungen an die Colonia Dignidad eine Diktatur der Deutschen beschreibt, die einen fassungslos und wütend macht. Aber auch hier ist Hauptfigur Carlos kein einseitig-schlechter Mensch, auch wenn er sich mit Fortgang der Geschichte immer mehr als Scheusal entpuppt. Fazit: Sehr gelungener Einstieg in eine neue Thriller-Serie um Kriminalkommissarin Vanessa Frank mit tollen Charakteren. Der noch junge Autor reiht sich nahtlos in die Reihe der herausragenden skandinavischen Thriller-Autoren ein und ist in meinen Augen spätestens mit diesem Auftaktband ganz oben angekommen. Gerne hätte ich mir einen runderen Abschluss gewünscht um zu erfahren, wie es mit Vanessa und Nicolas weitergeht, setze hierbei nun meine Hoffnung auf die Folgebände und freue mich auf weitere Fälle. Sehr zu empfehlendes Buch des Genres mit Suchtpotential.

Seite 1 / 7
Unser Service für Sie
Zahlungsmethoden
Bequem, einfach und sicher mit eBook.de. mehr Infos akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal mehr Infos
Geprüfte Qualität
  • Schnelle Downloads
  • Datenschutz
  • Sichere Zahlung
  • SSL-Verschlüsselung
Servicehotline
+49 (0)40 4223 6096
Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 18.00 Uhr
Chat
Ihre E-Mail-Adresse eintragen und kostenlos informiert werden:
1 Ihr Gutschein NEUESJAHR gilt bis einschließlich 30.09.2020. Sie können den Gutschein ausschließlich online einlösen unter www.eBook.de. Der Gutschein ist nur gültig für Kalender, die nicht der gesetzlichen Preisbindung unterliegen. Der Gutschein ist nicht gültig für Spielwaren-Adventskalender Der Gutschein ist nicht mit anderen Gutscheinen und Geschenkkarten kombinierbar. Eine Barauszahlung ist nicht möglich. Ein Weiterverkauf und der Handel des Gutscheincodes sind nicht gestattet.

2 Diese Artikel unterliegen nicht der Preisbindung, die Preisbindung dieser Artikel wurde aufgehoben oder der Preis wurde vom Verlag gesenkt. Die jeweils zutreffende Alternative wird Ihnen auf der Artikelseite dargestellt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

3 Ihr Gutschein AUDIO20 gilt bis einschließlich 27.09.2020 und nur für die Kategorie Hörbuch Downloads und Hörbuch CDs. Der Gutschein kann mehrmals eingelöst werden. Sie können den Gutschein ausschließlich online einlösen unter www.eBook.de. Der Gutschein ist nicht mit anderen Gutscheinen und Geschenkkarten kombinierbar. Eine Barauszahlung ist nicht möglich. Ein Weiterverkauf und der Handel des Gutscheincodes sind nicht gestattet.

4 Der gebundene Preis dieses Artikels wird nach Ablauf des auf der Artikelseite dargestellten Datums vom Verlag angehoben.

5 Der Preisvergleich bezieht sich auf die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers.

6 Der gebundene Preis dieses Artikels wurde vom Verlag gesenkt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

7 Die Preisbindung dieses Artikels wurde aufgehoben. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.

eBook.de - Meine Bücher immer dabei
eBook.de ist eine Marke der Hugendubel Digital GmbH & Co. KG
Folgen Sie uns unter: