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Alle Rezensionen von MarionHH

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Im Juni 2016 wird Tommy Bergmann, eigenwilliger Ermittler der Osloer Kripo, zu einer Wasserleiche gerufen, deren Tod offensichtlich schon länger zurück liegt. Identität und Täter lassen sich zwar nicht eindeutig ermitteln, dennoch wird der Fall im Oktober, sehr zu Bergmanns Missfallen, eingestellt. Kurz darauf wird er durch seinen Chef Reuter zu einem mysteriösen Treffen mit dem Sicherheitschef der Polizei, Jan Amundsen, beordert. Dieser erzählt ihm von der verschwundenen deutschen Ex-Spionin Christel Heinze und vermutet sie in der unbekannten Toten vom Juni. Er beauftragt ihn, einen illegalen Einbruch bei einem ehemaligen Geliebten Heinzes zu begehen und dabei Spuren zu finden. Bergmann tut wie befohlen, beginnt aber Hintergründe zu hinterfragen. Er setzt sich auf die Spur Heinzes und verbeißt sich in einen Fall, der weit in die Vergangenheit zurück reicht. Bereits der vierte Fall für Tommy Bergmann, der, obwohl selbst mehr als einmal tief gefallen, sich tief in seine Fälle hineingräbt und so lange hartnäckig am Ball bleibt, bis jede Unklarheit zufriedenstellend aufgelöst ist. Dafür scheut er keine Kosten und Mühen, handelt oftmals eigenmächtig und ohne Rückendeckung und nimmt von der Suspendierung bis zum Jobverlust alles in Kauf. Bergmann ist ein Zweifler und Haderer, der die Abgründe der menschlichen Seele genauestens kennt, und am besten seine eigenen. Auch dieser Fall führt ihn wieder in allerhöchste Kreise und geht weit über die eigentliche Polizei- und Ermittlungsarbeit hinaus. Bergmann muss sich über die geheime Tätigkeit von Spionen und Doppelagenten klar werden in einem Milieu, in welchem die Akteure immer mit einem Bein im Grab stehen und daher verschwiegen sind wie die Toten selbst. Dies führt ihn sogar bis nach Berlin, wo er der Geschichte schließlich nach und nach auf die Spur kommt. Ich muss sagen, ich bin ein schwerer Fan von Tommy Bergmann, ich mag seinen eigenwilligen Charakter und seine unorthodoxe Arbeits- und Denkweise. Er ist hochintelligent, unangepasst, mit viel Gerechtigkeitssinn und er macht fortwährend von Buch zu Buch eine Entwicklung durch. Auch dieser Fall ist spannend - allerdings war es für mich zu sehr Spionagethriller als klassischer whodunnit-Krimi. Die anfangs sehr häufigen Zeit- und Perspektivwechsel verwirrten mich zunehmend, zumal ich mit Agenten, Doppel- und Doppeldoppelagenten mit mehreren Tarnnamen und dem ganzen Drumherum nur wenig anfangen kann. Die Geschichte springt zu Anfang schnell von Oktober 2016, sprich der Gegenwart, wo Bergmann seine erneuten Ermittlungen aufnimmt, zurück zu verschiedenen Zeitpunkten in der Vergangenheit, bis sie sich schließlich bei einem Wechsel zwischen Gegenwart und der Geschichte von Christel Heinze einpendelt. Letztere nimmt dann zeitweise einen größeren Raum ein als die eigentliche Ermittlertätigkeit Bergmanns und plätschert phasenweise etwas träge dahin, ohne dass es größere Handlungsfortschritte gibt. Dazu kam außerdem, dass ich mit der Person Christel Heinzes nicht viel anfangen konnte. Sie handelt in meinen Augen weitgehend emotional und irrational, ist wenig analytisch und daher leicht manipulierbar und sehr ferngesteuert. Ich fand sie inkonsequent und konnte die meisten ihrer Handlungen nicht nachvollziehen. Erst im zweiten Drittel nimmt die Geschichte wieder Fahrt auf und dementsprechend steigt die Spannung. Die Frage nach dem eigentlichen Täter kam für mich nicht völlig überraschend, den Schluss selbst fand ich aber sehr abrupt und geradezu abgehackt. Dennoch sind die Hintergründe durchaus verzwickt und wie Bergmann auch diese verworrenen Fäden wieder aufdröselt, ist einfach genial. Fazit: Schwankt irgendwie zwischen Spionagethriller und Krimi und weiß nicht richtig, was es sein will. Dennoch ein spannender Fall für Tommy Bergmann, der einmal mehr im Alleingang alles aufdeckt. Für alle Bergmann-Fans ein Muss, für Einsteiger in die Reihe nicht geeignet. Die beginnen besser mit seinem ersten Fall. Ansonsten hoffe ich, dass sich der Folgeband wieder mehr auf Bergmanns Ermittlungsmethoden konzentriert.

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Russland, 1762: Nach einem Putsch und dem Tod des Zaren Peter III. lässt sich seine Witwe Katharina zur Zarin krönen und besteigt als Katharina II. den Thron. Die Deutsche auf dem Zarenthron will ihre Hauptstadt St. Petersburg zur politischen und kulturellen Blüte bringen und zeigen, dass Russland nicht rückständig und sie eine weltoffene Herrscherin ist, und fördert deshalb Kunst, Literatur und Philosophie in der Stadt. Preußenkönig Friedrich II. traut ihr nicht und entsendet den jungen Philosophen Stephan Mervier und seine Frau Johanna, eine Malerin, nach St. Petersburg. Mervier soll an Katharinas Hof und in der Stadt Fuß fassen und Friedrich über Katharinas Plänen auf dem Laufenden halten. Während Stephan am Hof und außerhalb in philosophischen Zirkeln diskutiert und seine Frau auf den Durchbruch als Malerin hofft, schwelt es im Riesenreich. Es regt sich Widerstand in allen Teilen der Bevölkerung, und Katharina ahnt nicht, dass selbst in ihrem engsten Umfeld ein Verräter lauert. Schlichtweg großartig! Ein toller Historienschmöker, der keine Wünsche offenlässt, nahe an den geschichtlichen Fakten und doch leidenschaftlich und packend. Die Autorin verfügt nicht nur über fundiertes Wissen, sie verpackt dieses in eine fesselnde, zu Herzen gehende Geschichte mit viel Herzblut und sehr authentischen Figuren. Ihr Schreibstil ist gehoben und dennoch sehr eingängig, ihre Sprache anschaulich ohne kitschig zu sein, sie lässt die Stadt vor unserem inneren Auge entstehen, lässt Menschen und ihre Geschichte lebendig werden. Der Leser taucht ein in ein farbenprächtiges Panorama und gewinnt außerdem tiefste Einblicke in das Seelenleben der Protagonisten. Fast nebenher erlangt der Leser großes Wissen in Katharinas Politik, aber noch viel spannender sind die zwischenmenschlichen Beziehungen, die unverhofften und oft überraschenden Freundschaften und Allianzen, die sich bilden. Die Autorin versteht es meisterhaft, die verschiedenen Perspektiven und Handlungsstränge miteinander zu verknüpfen, so dass es nicht eine Sekunde langweilig wird. Der Leser erhält so tiefe Einblicke in alle gesellschaftlichen Schichten, vom Leibeigenen und Aufrührer bis zum Hofstaat, und erfährt, was die Menschen motiviert und umtreibt, von ihren Ängsten und Zweifeln, ihrem Mut und ihrer Opferbereitschaft. Das Buch wimmelt von interessanten Charakteren, auch wenn natürlich einige Nebenfiguren bleiben und die Autorin, wie sie selbst sagt, aufgrund der Fülle an Informationen über Katharina und der Menge an Personen in ihrem Umfeld naturgemäß eine Auswahl treffen musste. Dafür sind diejenigen, die im Buch vorkommen, umso vielschichtiger angelegt, jeder ist besonders in seiner Persönlichkeit und viele machen im Laufe der rund dreizehn Jahre, in denen das Geschehen stattfindet, eine starke Entwicklung durch. Dass die Handlung in einem Zeitrahmen von dreizehn Jahren spielt, macht die Geschichte kompakt und übersichtlich und sie lässt sich leichter verfolgen, ein Pro- und ein Epilog geben ihr zudem einen Rahmen und umschließen sie gleichsam aufs Trefflichste. Formal ist das Geschehen in drei Bücher unterteilt mit fortlaufenden Kapiteln. Sehr hilfreich sind Zeittafel und Personenregister am Anfang des Buches. Als herausragender Charakter sticht natürlich Katharina hervor. Sie ist eine extrem starke, aber auch zwiespältige Persönlichkeit. Man muss sie für vieles bewundern, aber auch für einiges kritisieren. Die Autorin zeigt den Menschen hinter der Monarchin, eine Frau, die sich durchzusetzen weiß, die um Anerkennung und Liebe ringt, die hochintelligent ist, aber dennoch oft ein anderes Selbstbild hat als ihre Umgebung und ihr Volk von ihr haben. Sie lässt einerseits die Kultur in ihrer Stadt erblühen, fördert Künstler, Literaten und Philosophen, errichtet Bildungsstätten, setzt Reformen durch, herrscht aber andererseits als Autokratin und Despotin und schlägt Rebellionen blutig nieder, umgibt sich mit Jasagern und Schmeichlern und macht die Leibeigenschaft im Land stärker denn je. Aufs tiefste gedemütigt durch den Verrat in ihrem engsten Umfeld, lässt sie trotz der großen menschlichen Enttäuschung am Ende doch Gnade walten, überwältigt von einem großen Liebesbeweis. Die für mich faszinierendste Figur neben Katharina war übrigens nicht der titelgebende Philosoph Mervier - er beeindruckte mich erst am Schluss -, sondern Katharinas Ziehkind Sonja sowie Merviers Frau Johanna. Erstere ist eine originelle Person, deren Geschichte sich wie ein roter Faden durch die Handlung zieht und die eigentlich immer präsent ist. Über sie würde ich liebend gern mehr lesen. Letztere macht meines Erachtens den deutlichsten Wandel durch. Johanna entwickelt sich von einer schüchternen, von Selbstzweifeln geplagten und anfangs depressiven schwachen Person zu einer erfolgreichen Künstlerin, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt, schließlich zu ihrer Liebe steht und ihren Weg geht. Überhaupt beeindruckend, wie besonders die Frauen im Buch in einer für Frauen allgemein schwierigen Zeit sich behaupten und mit aller Kraft versuchen zu überleben. Fazit: ein absolut lesenswerter Roman, der alles vereint, was einen historischen Roman ausmacht - besser geht einfach nicht. Dass die Autorin erfolgreich Bücher und besonders im historischen Kontext angesiedelte Romane schreiben kann, hat sie hinlänglich bewiesen, doch ihre St Petersburg-Romane setzen noch einen drauf und bestechen durch Detailgenauigkeit und Liebe zu Land, Leuten und Geschichte. Wer sie noch nicht kennt, wird spätestens jetzt ein Fan und darf sich hoffentlich auf noch viele weitere Bände freuen!

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Felix ist verschwunden, verschollen im kambodschanischen Dschungel. Er meldet sich bei keinem mehr, daher macht sich der Ich-Erzähler, auch im Auftrag von Felix` Mutter, auf, um seinen besten Freund zu finden. Auf seinem Weg trifft er Hippies, Kriminelle, Rucksacktouristen und Lebenskünstler und lernt Land und Leute mehr kennen als ihm lieb ist. Am Ende hat er durchaus etwas gefunden, doch auch sehr viel verloren. Ein Roadtrip der besonderen Art, der mich als Leser etwas irritiert zurückließ. Zunächst einmal kam ich leider in die Geschichte nicht recht hinein, was auch an dem für mich holprigen, teilweise abgehackten und mir zu flapsigen Schreibstil lag. Es las sich einfach nicht flüssig. Zum anderen brachte es mir auch nicht Land, Leute und Kultur nahe. Keine Rede davon, dass meine Lust auf mehr Kambodscha oder Dschungel gestiegen wäre. Zum Dritten hatten die Figuren keine Substanz, ich kam nicht an sie heran. Felix ging mir nach kürzester Zeit auf den Wecker und der Ich-Erzähler bleibt genauso farblos wie anonym. Auch die anderen Figuren, die er im Laufe seiner Reise trifft, sind weder skurril noch liebenswert noch sonst etwas, sie hallen einfach nicht nach. In den Kapiteln wechseln sich Rückblicke auf die Erlebnisse mit Felix und die Erlebnisse der Suche nach ihm ab, und mehr und mehr wird deutlich, wie manipulativ und selbstzerstörerisch der angeblich beste Freund ist. Wenn es drauf ankommt, lässt Felix ihn fallen, und vermeintlich Gutes entpuppt sich lediglich als alberne Mutprobe und Ausloten der Grenze, wie weit sein Freund für ihn, Felix, gehen würde. Beide teilen ein schreckliches Geheimnis, was sicherlich den psychischen Knacks erklärt, den beide in ihrer Kindheit erleiden. Der Ich-Erzähler selbst jedoch, so scheint es, hat ein stabiles Elternhaus und führt als Erwachsener ein halbwegs normales Leben mit Job und Freundin, die ihn liebt, doch er setzt alles aufs Spiel. Wofür? Im Laufe der Geschichte war mir so, als hätte er gar nichts verarbeitet, nichts begriffen und sich auch in keinster Weise weiterentwickelt. Der Trip durch den Dschungel ist haarsträubend, einige Szenen sind zwar durchaus spannend und entbehren auch nicht einer guten Brise Situationskomik, doch alles in allem erschien mir alles zu weit hergeholt und unglaubwürdig. Am Ende fragte ich mich, was eigentlich wirklich passiert oder nur in der Vorstellung des Ich-Erzählers (er fragt sich das übrigens auch selbst) stattfindet. Und so ist es für mich kein Selbstfindungstrip, sondern der Versuch, durch Vergessen und Verdrängung ein Trauma zu verarbeiten, was zum Scheitern verurteilt ist. Fazit: Leider nicht meins. Für Leute, die psychedelische Trips jenseits der Bewusstseinsebene mögen und sich gut in den gewöhnungsbedürftigen Stil hineinlesen, wahrscheinlich das Richtige. Ich habe es nicht verstanden.

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Bei Pia läuft es gerade nicht so rund. In ihrem Job beim Jugendamt ist sie frustriert, zudem hat sie Stress mit pubertierender Teenager-Tochter und Exmann. Als ihre Großmutter sie bittet, mit ihr nach Island zum 90. Geburtstag ihrer Schwester zu reisen, sagt Pia freudig zu, zumal sie gerne Näheres über das gestörte Verhältnis der Schwestern herausfinden will. Vor Ort in der wunderschönen Landschaft Islands fühlt sie sich gleich wohl, wozu sicherlich auch der interessante Nachbar Ragnar seinen Teil beiträgt... Sehr schön geschriebener Liebesroman mit super sympathischen und sehr menschlichen Figuren vor der spektakulären Natur Islands. Sehr gut und flüssig zu lesen, dabei aber überhaupt nicht seicht, platt oder plump. Es geht um Gefühle, wie man sie selbst auch sehr gut kennt, um Selbstzweifel und den Versuchen erwachsen und vernünftig zu handeln, aber auch darum, sich einem Menschen nach bitteren Enttäuschungen wieder zu öffnen. Parallel dazu erzählt die Autorin die Geschichte der ungleichen Schwestern Margarete und Helga, die nach dem zweiten Weltkrieg aus dem zerstörten Deutschland nach Island reisen, um dort für ein Jahr als Landarbeiterinnen zu arbeiten. Dies tut sie einfühlsam und humorvoll und verknüpft dabei sehr geschickt zwei Zeitebenen. Dabei erfährt der geneigte Leser häppchenweise die Geschichte des Zerwürfnisses der beiden Schwestern in Island. Mir haben viele Dinge sehr gut gefallen, zum Einen dass es um "normale Menschen geht, die versuchen das Richtige zu tun, dabei aber eben auch mal über die Stränge schlagen, die nicht wie Filmstars aussehen und eben auch ihr Päckchen zu tragen haben. Zum Anderen dass die Autorin wohltuenderweise auf massenhaft Bettszenen verzichtet, sie lässt ihre Figuren - sowohl Ragnar und Pia als auch Helga und Margarete - sich langsam und behutsam aneinander annähern. Das ist nicht immer harmonisch, dabei aber zutiefst nachvollziehbar. Außerdem fand ich die Thematik der Islandschwestern spannend, über die Möglichkeit deutscher junger Leute, nach dem Weltkrieg in Island Arbeit zu finden, wie die Schwestern in Island Fuß fassen und wie sie sich in der Gegenwart miteinander und ihrer Vergangenbeit auseinandersetzen. Dabei ergötzte ich mich vor allem an der Figur von Pias Oma, sie ist einfach köstlich, stur und verschlossen, dabei humor- und temperamentvoll und durchaus lässiger als die viel jüngere Pia. Aber natürlich geht auch die Liebesgeschichte von Ragnar und Pia zu Herzen, und es ist sicher hilfreich, dass Ragnar der Typ Wikinger mit kleinen Schwächen ist, an dessen starker Schulter sich Frau gerne anlehnt. Fazit: Schöner Roman über die Liebe mit authentischen Figuren und viel Lokalkolorit. Man merkt der Autorin ihre Liebe zu Land und Leuten deutlich an, sie beweist zudem großes Wissen darüber, ihr Stil ist leicht und flüssig, die Geschichte jedoch bei weitem nicht seicht, sondern durchaus hintersinnig. Bei mir rief sie jedenfalls sowohl helles Lachen als auch gerührtes Weinen bervor, was zeigt, wie sehr ich mit den Protagonisten mitlebte. Was will man mehr?

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Die frischgebackene Anwältin Emelie Jansson arbeitet hart in der renommierten Wirtschaftskanzlei Leijon. Da wird sie überraschenderweise als Verteidigerin von Benjamin Emanuelsson angefordert. Dieser ist des Mordes angeklagt, befindet sich in U-Haft und liegt im Koma. Das alles ist zwar rätselhaft, dennoch leckt Emelie Blut und übernimmt heimlich die Verteidigung, obwohl dies nach Kanzleirichtlinien verboten ist. Hilfe erhält sie von Teddy Maksumic, einen Mitarbeiter der Kanzlei und ehemaligen Kriminellen, der immer noch gute Kontakte zu gewissen Kreisen hat. Die beiden erkennen schnell, dass Benjamins Fall enge Verbindung hat zu dem länger zurückliegenden Fall Mats Emanuelsson, Bens Vater, der erst entführt, dann verhaftet wurde und sich später von einer Finnland-Fähre gestürzt hat und als tot gilt. Gemeinsam tauchen sie tief ein in höchst kriminelle Kreise, decken dunkle Machenschaften auf und geraten dabei in Lebensgefahr. Bandenkriminalität, Verrat, Wirtschaftsbetrug auf höchstem Niveau, Schießereien, Tote und Verletzte, aber auch Freundschaft, Loyalität, Mut und Gerechtigkeitssinn - der Autor webt ein dichtes Netz und verknüpft Vergangenheit und Gegenwart und Menschen aufs Trefflichste miteinander. Entstanden ist ein solider, spannender und ziemlich rasanter Thriller, der immer mehr Fahrt aufnimmt, je weiter die Handlung voranschreitet. In Rückblenden und durch Einschübe erhält der Leser in wohl dosierten Häppchen Einblicke in den etwa drei Jahre zurückliegenden Fall von Mats Emanuelsson, an dem Teddy maßgeblich beteiligt war und der weitaus komplexer ist als angenommen, so komplex gar, dass er Entscheidungen und Taten in der Gegenwart direkt beeinflusst. Den Schreibstil fand ich etwas gewöhnungsbedürftig und nicht so leicht zu lesen. Der Autor wechselt an sich sehr gekonnt zwischen den einzelnen Perspektiven, man merkt deutlich, wenn zum Beispiel aus der Sicht Nikolas, Teddys Neffe und Kleinkrimineller, erzählt wird. Seine Sprache nervt auch mitunter so richtig. Alles in allem fand ich den Schreibstil nicht so eingängig, sondern phasenweise stakkatohaft, und wer Fäkalsprache mag, wird hier jedenfalls auch auf seine Kosten kommen. Die Story und die Charaktere machten das aber für mich wett. Formal ist die Handlung in fünf Teile gegliedert, eingerahmt von Pro- und Epilog, und erstreckt sich in der Gegenwart über einen Zeitraum von Mai bis August. Mit dem Epilog hatte ich so meine Probleme, ich fand ihn unnötig und den Schluss daneben. Ich habe nichts gegen ein offenes Ende, aber dies machte leider keine Lust auf Mehr. Für mich war die Geschichte daher vor dem Prolog beendet. Die Charaktere fand ich sehr gelungen, alle sind in ihrer Persönlichkeit ausgereift und authentisch. Man erhält durch die verschiedenen Perspektiven sehr gute Einblicke in die Gedankenwelt der einzelnen Personen, und auch die sogenannten Nebenfiguren gehen nicht unter. Als Hauptagierende stechen natürlich besonders Emelie und Teddy hervor, sie sind vielschichtig und polarisieren teilweise ziemlich. Beide haben mir sehr gut gefallen, und auch wenn ich mitunter von ihren Aktionen geschockt war, konnte ich doch immer alles gut nachvollziehen. Emelie macht in meinen Augen die deutlichste Entwicklung durch. Hochintelligent, engagiert und verbissen, und doch ist sie anfangs doch sehr unsicher und unerfahren - wie denkt Teddy so schön: Sie weiß so wenig (Kapitel 15). Ihre erste Gerichtsverhandlung als Verteidigerin von Teddys Neffen Nikola meistert sich jedoch vortrefflich und sie gewinnt mehr und mehr an Format. Durch Benjamins Mandat und ihre Zusammenarbeit mit Teddy wird sie zunehmend selbstbewusster, sie erweist sich als mutig und erkennt, was sie im Leben wirklich will, nämlich im Gerichtssaal Menschen verteidigen, die ihre Hilfe brauchen. Das und überhaupt die Gerichtsszenen gefielen mir außerordentlich, das fand ich spannend und informativ. Auch Teddy ist ein sehr interessanter Charakter, er ist einerseits der geläuterte Ex-Knacki, andererseits bewegt er sich aber noch immer in diesen Kreisen und handelt auch nicht gesetzeskonform, sondern so, wie es seinem eigenen Gerechtigkeitssinn entspricht. Er ist aber dabei immer menschlich und empathisch, was ihn zu einem echten Sympathieträger im Buch macht. Es gibt sehr viele spannende Szenen, in denen er seinen Mut und seine Aufopferungsbereitschaft zeigt. Durch seine Interaktion mit den Ex-Kumpanen und auch durch seinen Neffen Nikola erhält der Leser recht tiefe Einblick in die Welt des organisierten Verbrechens, wie dort agiert und kommuniziert wird und wie die Beziehungen zueinander sind. Interessant ist zudem, dass man in Bezug auf Berufsethos und Loyalität meint in einer verkehrten Welt zu sein. Die vermeintlichen Kriminellen sind weitaus loyaler als Mitglieder der Polizei. Es gibt also kein starres "der Gute gegen den Bösen". Fazit: Guter Thriller mit starken Charakteren und komplexer Story, der, trotz manchmal anstrengendem Schreibstils, spannend und informativ ist. Von Emelie und Teddy möchte man durchaus mehr lesen. Für Fans des eher härteren Thrillers gut geeignet, jedoch nicht so der typische Schweden-Thriller mit düsterer Atmosphäre und kaputtem Ermittler, der die meist psychopathischen Verbrecher zur Strecke bringt. Hier verwischen die Grenzen zwischen gut und böse und nichts ist, wie es scheint. Die Handlung wird konsequent vorangetrieben und bleibt spannend mit zum Schluss.

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Der Schriftsteller Manuel Ortigosa schreibt gerade an den letzten Zeilen seines neuen Buches, als ihm Polizeibeamten eine schreckliche Mitteilung machen: Sein Ehemann Alvaro ist in Galicien tödlich verunglückt. Manuel ist geschockt, denn Alvaro sollte eigentlich in Barcelona sein. Manuel reist ins ferne Galicien, um Alvaro zu identifizieren, und wird von Alvaros Anwalt zur Testamentseröffnung gebeten. Diese birgt mehrere Überraschungen: Anscheinend hat Alvaro entgegen Manuels Wissen Familie in Galicien, ist von adliger Herkunft und vererbt außerdem Manuel seine Besitztümer. Manuel glaubt nun, dass sein Leben mit Alvaro eine einzige Lüge war, und will am liebsten so schnell wie möglich ins heimische Madrid zurück. Da eröffnet ihm der seit kurzem pensionierte Kommissar Nogueira, dass er am Unfallhergang zweifelt und vielmehr überzeugt ist, dass es Mord war. Er überredet Manuel weitere Ermittlungen anzustellen, und damit öffnen sie die Büchse der Pandora. Manuel stochert im Wespennest und erfährt immer mehr über Alvaros Familie, ihre Geheimnisse und Abgründe und deckt nach und nach die wahren Hintergründe auf. Das ist einfach großartig. Intelligent und subtil, dabei spannend und voller Emotionen, einfühlsam und mit herausragenden Charakteren. Thriller, Familiendrama, Geschichte einer großen Liebe - dies alles und noch viel mehr vereint dieser Roman. Die Autorin kommt dabei zunächst ohne die große blutige Action aus, subtil verwebt sie die Figuren miteinander, von deren Interaktion lebt die Geschichte. Nach und nach offenbaren sich dem Leser die einzelnen Persönlichkeiten und deren Leben in einer einzigartigen Landschaft. Auch in die für uns fremde Welt des Adels und dessen Standesdünkel, die Abgrenzung vom "Personal" und die absolute Wahrung der familiären Status erhalten wir tiefe Einblicke. Dennoch steigt der Spannungsbogen zum Ende hin gewaltig, die Geschichte wird zum Thriller, und auch blutige Auseinandersetzungen dürfen da nicht fehlen. Mehr als eine Person machen dabei eine Persönlichkeitsentwicklung durch, die ebenfalls sehr fesselnd zu beobachten ist. Manuel als Charakter ist herausragend, er ist stark und doch verletzlich, hochintelligent und doch ein Zweifler. Wie er nach Alvaros Todesnachricht eine Achterbahn der Gefühle erlebt, an seinem Leben mit Alvaro zweifelt, wütend ist und trauert und dann doch wieder sich aufrafft und nach und nach die Wahrheit herausfindet, neue Beziehungen mit Menschen aufbaut und wieder Freude empfindet, ist eine ganz besondere Entwicklung und wird von der Autorin wunderbar dargestellt. Er ist ganz klar die Hauptfigur, nur ganz wenige Szenen werden aus einer anderen Perspektive erzählt, von ihm erfährt der allwissende Leser am meisten. Mit ihm lebt man dadurch zunächst einmal am meisten mit, in Rückblenden wird zudem sein Leben mit Alvaro erzählt. Doch die Autorin versteht es auch meisterhaft, die anderen Figuren lebensnah und authentisch darzustellen, so ist kaum einer nur gut oder nur böse, und die Szenen aus anderen Perspektiven tragen wesentlich zum Fortgang der Geschichte bei. Nicht nur Manuel, auch Nogueira macht eine Entwicklung durch, er ist neben Manuel der Charakter, den ich am Faszinierendsten fand. Er ist polarisierend, man weiß nicht woran man bei ihm ist und oftmals ist er auch nicht gerade ein Sympathieträger (anders als Manuel) - dennoch ist es gerade Nogueiras Zwiespältigkeit, die einen fesselt. Und nicht zuletzt ist es Nogueiras Hartnäckigkeit und Gerechtigkeitssinn zu verdanken, dass Manuel am Ball bleibt und schließlich die Wahrheit ans Licht kommt. Fazit: Sehr guter Roman mit starken Figuren, die einen nicht mehr loslassen. Die Autorin hat einen feinsinnigen Schreibstil und versteht es hervorragend Spannung und Emotionen zu erzeugen, ihre Beschreibung der Menschen und ihres Lebens sind faszinierend und anschaulich. Auch wenn man den Roman nicht als reinen Krimi oder Thriller lesen sollte, so ist er als solcher durchaus gut konstruiert und bietet eine logische und befriedigende Lösung, die dem Genre würdig ist. Mir haben indessen besonders die Darstellung der Charaktere und ihre Beziehungen zueinander gefallen, und ich fand es großartig, wie die Autorin die Motive der Figuren hergeleitet und ihre die Entwicklung dargestellt hat. Das ist wirklich absolut lesenswert!

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Er ist ein Vinyl-Experte, Spezialist in Sachen Jazz, und sammelt seltene Platten, die er billig kauft und verkauft. Damit wird er nicht reich, kann sich aber einigermaßen über Wasser halten. Eine seiner aus einer (Alkohol-)Laune heraus willkürlich verteilten Visitenkarten beschert ihm als "Vinyldetektiv" unverhofft einen ersten Auftrag: Für einen geheimnisvollen Auftraggeber soll er eine seltene Jazzplatte finden. Zusammen mit der schönen und geheimnisvollen Nevada Warren, seiner Kontaktperson, fahndet er also in Plattenläden, auf Plattenbörsen und Flohmärkten nach dem guten Stück. Dabei häufen sich mysteriöse Todesfälle, die beiden werden verfolgt, und mehr als einmal kommt den beiden ein mehr als merkwürdiges Pärchen in die Quere, das sie "die arischen Zwillinge" taufen. Diese erweisen sich als skrupellos und zu allem bereit. Der Vinyldetektiv kann schließlich nicht ahnen, dass er einem großen Geheimnis auf der Spur ist und dass ihn dieser Auftrag nach Japan und Los Angeles bringen und ihm alles an Spürsinn und Verstand abverlangen wird... Originell, skurril, spannend, geistreich - einen Vinyldetektiv gab es meines Erachtens tatsächlich noch nie! Umso erstaunlicher, wie der Autor es schafft, diese beiden Themen zu verknüpfen und aus einem Platten sammelnden Freak einen echten Detektiv zu machen, und damit meine ich nicht nur die Suche nach der Platte, sondern die Suche nach den wahren Hintergründen. Der Vinyldetektiv ist Hauptfigur und Ermittler, aus seiner Perspektive wird die Geschichte in der ich-Form erzählt, auf ihn fokussiert sich alles und von seinem Innenleben erfährt man am meisten - und doch bleibt er interessanterweise die ganze Zeit über namenlos, er bekommt allenfalls Spitznamen. Er ist ein exzellenter Beobachter und sehr gut im schlussfolgern, der Leser weiß immer so viel wie er selbst und kann so wunderbar mit ermitteln. Und so karg die Informationen über ihn sind (er ist zumindest groß und schlaksig und liebt guten Kaffee und seine Katzen), so erfährt der Leser doch genug, um ihm durchs ganze Buch hinweg die Treue zu halten, mit zu fiebern und sich mit ihm zu identifizieren. Doch auch die anderen Charaktere sind durch die Bank weg wunderbar, allen voran Nevada und Tinkler, meine beiden Lieblingsfiguren neben dem Detektiv. Tinkler ist einfach ein herrlicher Nerd, liebenswert und bester Freund des Detektiv. Nevada ist schön und hochintelligent und verdient viel Geld - das ist beängstigend und macht sie nicht auf den ersten Blick sympathisch, aber sie verfügt außerdem über einen ironischen Humor, was sie mit dem Detektiv gemeinsam hat, ist offensichtlich ein großer Katzenfan wie er und ist neugierig und offen für Neues und sich nicht zu schade, sich auf für sie ungewohntes Terrain zu begeben, zum Beispiel Flohmärkte und Second-Hand Läden. Außerdem ist sie tough und mutig und rettet den Vinyldetektiv mehrfach aus bösen Klemmen, auch wenn sie besonders in Teil zwei etwas undurchsichtig ist. Mir gefielen aber auch die anderen Frauenfiguren wie Clean Head und Ree - ebenfalls interessante und starke Persönlichkeiten. Die Dialoge zwischen dem Detektiv und Tinkler und zwischen ihm und Nevada sind einfach köstlich und entlockten mir mehr als einmal ein herzhaftes Lachen, und sehr lustig sind auch Szenen mit Stinky, der mehr und mehr zum Running Gag wird. Formal ist die Geschichte ganz nach Vinyl-Art in A-Seite und B-Seite unterteilt und diese wiederum in einzelne, mit passenden Überschriften versehene Kapitel. Die A-Seite umfasst den Teil des Auftrags von Nevada, der hier auch abgeschlossen wird, die B-Seite den Auftrag von Ree. Beide ergeben das "große Ganze". Dabei ist es kein klassischer Krimi und die Bezeichnung "Thriller" halte ich für gänzlich unpassend. Schade, dass man auf dem - übrigens sehr gelungenen - Cover nicht wie im englischen Original den Untertitel verwendet und eine Genre-Bezeichnung einfach weggelassen hat. Besonders in Teil A ist es eher ein Wohlfühl-Krimi, die Protagonisten befinden sich zum größten Teil auf der Suche nach der Platte. Hier wird auch viel gefachsimpelt, wer also keine Ahnung und kein Interesse an Musik hat, könnte sich hier eher langweilen. Aber auch hier geschehen schon mysteriöse Todesfälle, deren Zusammenhang zu seinem Fall der Detektiv aber erst später erkennt, und in Teil 2 nimmt die Krimihandlung dann deutlich mehr Fahrt auf und die Plattensuche gerät etwas in den Hintergrund. Fazit: Herrlicher und origineller Vinyl-Krimi mit wunderbaren, skurrilen Figuren und viel Wissen über Platten und Jazzmusik. Auch Katzenfans kommen auf ihre Kosten. Wer das alles nicht mag, lässt besser die Finger davon, allen anderen sei das Buch wärmstens empfohlen. Wer den Humor Ben Aaronovitchs mochte, wird dieses Buch ebenfalls lieben, und Krimifans erwartet eine schlüssige, gut geschriebene und durchaus spannende Krimihandlung. Der Schluss kam mir etwas zu abrupt, ich werde aber dadurch versöhnlich gestimmt, dass es die Folgebände (in Großbritannien erscheint demnächst der vierte Band) bald auch auf deutsch gibt. Ich will unbedingt wissen, was für Aufträge der Vinyldetektiv weiterhin bekommt, wie es mit seinen amourösen Verstrickungen weitergeht und ob er vielleicht einmal seinen Namen verrät...

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Der portugiesische Historiker Tomás Noronha arbeitet gerade in den Katakomben des Vatikan, um das Grab des "ersten Papstes", das des Apostel Petrus, zu finden, als er in den Vatikan gerufen wird. Der Papst selbst beauftragt ihn herauszufinden, wer in die Räumlichkeiten des mit den höchsten Sicherheitsvorkehrungen abgeriegelten Vatikans eingebrochen ist und wichtige Dokumente gestohlen hat. Da das übliche Zeichen der Islamisten am letzten Safe vermerkt ist, deutet alles auf eine islamische Terroristengruppe als Täter hin. Zusammen mit der Wirtschaftsprüferin Cathérine versucht Tomás Licht ins Dunkel zu bringen, als die beiden eine viel schrecklichere Nachricht ereilt: Der Papst ist entführt worden! Offenbar ebenfalls von Islamisten, die den Papst um Mitternacht desselben Tages enthaupten und das live im Internet übertragen wollen. Und plötzlich findet sich Tomás mitten in einem Fall wieder, der die ganze Welt in einen Religionskrieg stürzen könnte und der sich als verzwickter erweist als angenommen, zumal sich ein Verräter im engsten Umfeld des Papstes befindet... Dritter Fall (in Deutschland) nach Das Einstein-Enigma und Der Schlüssel des Salomon für den Geschichtsprofessor und Code-Spezialist Tomás Noronha. Großartig, spannend, erschütternd, einfach ein echter Pageturner! Aber Vorsicht: Wer rasende Action, jede Menge Verfolgungsjagden und diverse Locations wie bei Dan Browns Büchern erwartet, wird hier enttäuscht sein. Die Geschichte findet ausschließlich im Vatikan beziehungsweise in der Vatikanstadt statt, und seine Spannung zieht der Roman meines Erachtens einmal aus der kompakten Handlung, denn die Hauptgeschichte zieht sich nur über einen einzigen Tag hin, sowie zweitens aus den erschütternden Verflechtungen des Vatikans in Mafia-Kreise sowie kriminelle Finanzgeschäfte. Es gibt ungemein viele und sehr detaillierte Informationen zu den Geschäften des Vatikan, die - und das ist das wahrhaft Erschreckende - auf der Wahrheit beruhen. Außerdem erfährt man einiges über Geschichte und Prophezeiungen. Dennoch gibt es durchaus rasante Aktionen, Noronha gerät in Lebensgefahr und muss mehr als einmal flüchten und auf verschlungenen Wegen in den Vatikan gelangen. Besonders auf den letzten etwa hundert Seiten nimmt die Handlung ziemlich Fahrt auf, bis die Spannung im fulminanten Finale kulminiert. Formal ist das Buch in 101 Kapiteln unterteilt, die die Handlung chronologisch erzählen, plus einer Vor- und Nachgeschichte. Die Perspektive ist ausschließlich die von Noronha, der Leser weiß also das, was Noronha weiß. Alles ist sehr auf ihn als Hauptfigur fokussiert, was den Effekt hat, dass man als Leser so sehr mit ihm mitfiebert, dass man fast schon meint die Abenteuer selbst zu erleben. Noronha gelangt hauptsächlich über die Wirtschaftsprüferin Cathérine an seine Informationen, über lange Phasen hinweg sitzen sie im Archiv und sichten Unterlagen, oder Noronha tut dies alleine. Das mag für manche langweilig sein, ich fand es äußerst spannend, besonders wie Noronha Verbindungen herstellt, Codes knackt und aus allem seine Schlüsse zieht. Er ist wie Sherlock Holmes, wie er letztendlich durch Logik zur richtigen Lösung gelangt. Man sollte nicht den Fehler machen und hier Passagen zu überlesen, denn diese haben einen großen Anteil an der Lösungsfindung. Dadurch, dass das Ganze doch sehr auf ihn ausgerichtet ist, geraten die anderen Figuren fast ein wenig ins Abseits. Dennoch weist der Autor auch ihnen sehr charakteristische Eigenschaften zu, die sie menschlich und authentisch machen. Ich persönlich fand den italienischen Inspektor durchaus gelungen, Maria Flor hingegen eher blass. Sie taucht nach der Anfangssequenz bei der Ausgrabung erst einmal nicht mehr auf, erst ganz am Schluss wieder. Irgendwie fand ich es einigermaßen unglaubwürdig, dass man es den ganzen Tag während all der Ereignisse nicht schafft sich zu kontaktieren. Bei Maria ist es alberner Trotz, Tomás hat das Handy aus und denkt phasenweise überhaupt nicht an seine Verlobte. Insgesamt treten die wenigen Frauenfiguren sowieso eher als Fragenstellerinnen und Zuarbeiterinnen für Tomás in Aktion, denn auch die hochintelligente Catherine ist besonders nützlich als Archivöffnerin und Dokumentensichterin und ansonsten hauptsächlich verführerische Versuchung. Fazit: Sehr spannender, mit detaillierten Insider-Informationen nicht geizender Roman, der von der ersten Zeile an fesselt, mit einer herausragenden Hauptfigur, mit der man sofort mitlebt. Für alle, die mehr wollen als reißerische Action, und Wert legen auf Fakten und einen Ermittler, der mit wissenschaftlicher Akribie arbeitet und mit Empirie zu seinen Ergebnissen kommt. Und für alle Noronha-Fans sowieso ein Muss! In Deutschland ist dies erst der dritte Teil, insgesamt gibt es aber schon neun Bände, die im portugiesischen Original in einer anderen Reihenfolge erschienen sind. Wer sich dafür interessiert, mehr Infos finden sich bei buechertreff.de oder auf der Seite des Verlags luzar publishing, der 2016 extra für die Veröffentlichung der Dos Santos-Bücher gegründet wurde.

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Seit sein Bruder ermordet wurde, vegetiert der Fälscher Kevron mehr im Suff als nüchtern vor sich hin, immer in Angst vor Mördern und Gläubigern. Das hätte ewig so weitergehen können, wenn nicht eines Tages Prinz Tymur, fünfter und jüngster Sohn des Königs, an seine Tür geklopft hätte. Der geschwätzige und eitle Prinz hat einen Auftrag für ihn: Er zahlt seine Schulden, dafür soll Kevron ohne Fragen zu stellen seine Kunst als Fälscher beweisen. Hätte Kevron geahnt, dass ihn dieser Auftrag auf eine lebensgefährliche Reise bis ans Ende der Welt führen würde, immer in Gefahr vor Dämonen und nicht wissend, ob nicht einer seiner Mitreisenden besessen ist, er hätte wohl, Feigling der er ist, schnellstens das Weite gesucht. So aber findet er sich auf einem langen Marsch zusammen mit dem launischen Prinzen, der arroganten Magierin Enidin und dem dem Prinzen Tymur treu ergebenen Krieger Lorcan wieder. Mehr als einmal geraten die Gefährten in brenzlige und sogar lebensgefährliche Situationen, bis sie endlich das Ziel ihrer Reise erreichen: das sagenhafte Land der Alfeyn in den Bergen, das Land der unsterblichen Magierin Ililiané... Großartiger und sehr gelungener Start in eine neue Fantasie-Trilogie, die vom ersten Augenblick an fesselt. Die Autorin, die bislang eher Gothic oder Mystery Romane veröffentlicht hat, überzeugt durchaus mit diesem ersten Band ihrer High-Fantasy-Reihe "Die Neraval-Sage". Gekonnt verwebt sie verschiedene Erzählperspektiven in ein großes Ganzes und ist dabei immer für eine Überraschung gut. Die Beschreibung ihrer Welten ist reduziert, sie bietet keine Landkarten und detaillierte Kulturgeschichten fremder Völker, ist aber trotzdem sehr anschaulich und lässt gerade dadurch viel Raum für Fantasie. Ihr Schreibstil ist indessen so eingängig und flüssig, dass man sofort in der Geschichte drin ist, und er passt hervorragend zum Genre. Die Welt mutet, wie im Genre üblich, mittelalterlich an, zumindest ist die Gesellschaft, in der die Gefährten zu Hause sind, hochmittelalterlich strukturiert mit einem regierenden König, Adligen, Kriegern, Handwerkern und Bauern. Männer dominieren die Gesellschaft, Frauen sind meist Mägde, Wirtinnen, Witwen, Gattinnen. Interessant ist, dass mächtige Zauberer nur Frauen werden können, und sie sind es auch, die die Welt erforschen und zu erklären versuchen. Die Welt, in der die Gesellschaft lebt, ist magisch, doch im Alltag spielt dies keine Rolle. Die Geschichte lebt meines Erachtens, zumindest in diesem ersten Band, stark von seinen unterschiedlichen Charakteren, das heißt wie sich die Gefährten finden, auf die Reise begeben und lernen füreinander einzustehen. Die ganz große Action fehlt und auf wildes Schlachtgetümmel wird - zumindest hier noch - verzichtet, was ich durchaus positiv finde. Viel interessanter ist die Legende der Schriftrolle beziehungsweise die Geschichte des Königshauses Damarel. Hierdurch wird die Reise legitimiert. Die Autorin versteht es jedenfalls glänzend, ihre Figuren vielschichtig anzulegen, dabei bleiben diese keineswegs schwarz/weiß, sondern mit sehr vielen menschlichen Facetten und dabei teilweise so zwielichtig, dass man phasenweise nicht mehr weiß, ob derjenige nicht doch ein doppeltes Spiel treibt. Jeder der Reisenden ist wechselweise sympathisch oder unsympathisch, je nach dem welche Gedanken er/sie gerade hat oder wie er/sie gerade agiert. Dabei bleiben alle doch Individuen, ein jeder mit spezifischen Fähigkeiten und Eigenschaften, die ihn von allen anderen unterscheiden und die im Laufe des Geschehens immer wieder zum Vorschein kommen, wie zum Beispiel die Feigheit Kevrons oder die Überheblichkeit Enidins. Jedoch machen sie auch alle eine Art Wandlung durch. Im Reich der Alfeyn beweist Kevron Mut und Beobachtungsgabe, Enidin lernt Demut und Lorcan opfert sich für die Gruppe und das Ziel. Es ist schon ein sehr bunter und - wie man meinen könnte - willkürlich zusammengewürfelter Haufen, der sich da ins Ungewisse wagt. Jeder ist in seinem Lebensumfeld ein Außenseiter, jeder hat so seine eigenen, manchmal eher selbstsüchtigen Motive, warum er mitkommt. Natürlich ist Prinz Tymur die treibende Kraft, er rekrutiert seine drei Mitreisenden, von denen zumindest zwei ihm inniger zugetan sind als ihnen gut tut. Um ihn und sein Anliegen dreht sich zwar alles, dennoch bleibt er zwielichtig und unberechenbar. Aus seiner Sicht wird kein einziges Kapitel erzählt. Die Perspektive wechselt in schönster Regelmäßigkeit zwischen Kevron, der vielleicht ein bisschen mehr Anteile hat, Enidin und Lorcan, wodurch man naturgemäß in deren Gefühls- und Gedankenwelt intime Einblicke erhält, in Tymurs hingegen nicht. So fragt man sich, warum ausgerechnet derjenige, der ständig das Vertrauen seiner Gefährten verlangt und auch prüft, nicht vielleicht derjenige ist, der am wenigsten Vertrauen verdient. Fazit: Sehr gelungenes High Fantasy Debüt der Autorin, die es versteht, durch ihre Sprache und ihre Überraschungsmomente Spannung aufzubauen und mit ihren faszinierenden Figuren zu fesseln. Man merkt ihr deutlich ihre Liebe zu Tolkien und Le Guin und dem Genre ganz Allgemein an. Nicht nur der Schluss, der mit einem Paukenschlag daher kommt, zwingt den atemlos am Text klebenden Leser nun am Ball zu bleiben, auch der Wunsch zu wissen, wie es mit den Gefährten weitergeht, lässt uns ungeduldig auf den nächsten Band warten. Ich würde mich außerdem freuen, mehr vom Volk der Alfeyn zu erfahren und möchte auch so langsam einmal einen richtigen Erzdämon kennenlernen!

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Der 8. Fall für Marina Esposito und DI Phil Brennan: In und um Colchester, nordöstlich von London, werden kurz hintereinander drei Männerleichen gefunden, alle erhängt. Allen wurde die Tarotkarte des Gehängten beigelegt mit Phil Brennans Namen darauf und alle sehen Phil sehr ähnlich. Phil soll nach Colchester reisen, um die dortigen Ermittler zu unterstützen. Er wird zwar von einem der Polizisten abgeholt, kommt aber nie in Colchester an. Marina Esposito ahnt Böses: Phil wurde entführt! Sie setzt alle Hebel in Bewegung um ihren Mann zu finden! Die Autorin versteht es auch im 8. Fall des Ermittler-Duos meisterhaft, eine komplexe Geschichte zu konstruieren und die Spannung bis zum fulminanten Finale stetig zu steigern. Ihre dem Leser ans Herz gewachsenen Hauptfiguren sind einmal mehr aufs Intensivste persönlich betroffen und stecken tief drin in einem verstörenden Fall, der bis in Phils Vergangenheit reicht. Diesmal ermittelt Marina alleine, denn ihr Ehemann ist in die Fänge einer gefährlichen Psychopathin geraten, die zudem eine Meisterin der Verkleidung ist. Hilfe erhält sie von unerwarteter Seite: von ihrer Freundin Anni, die noch immer den Tod ihres Freundes verarbeitet, sowie der Polizistin Imani, die nach Colchester berufen wurde, um die dortigen Ermittlungen zu unterstützen. Der vorliegende Band ist in bewährter Manier verfasst. Flüssig und fesselnd und teilweise sehr unter die Haut gehend beschreibt die Autorin die Geschehnisse, wobei sie tief in die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonisten eindringt. Beeindruckend ist, wie sie sich in die unterschiedlichsten Personen hineinversetzen kann, Täter wie Opfer, Ermittler und Privatpersonen, aus deren Perspektive einzelne Handlungsstränge erzählt werden, und deren Motive und Handlungen sie plausibel macht, dabei immer einfühlsam auf die Persönlichkeit eingeht, Schwarzweiß-Malerei vermeidend. Ich finde überhaupt besonders den psychologischen Aspekt des Falles hochinteressant, bei aller Grausamkeit und schockierenden Details sind ihre Figuren komplexe Charaktere, die oftmals schwer traumatisiert sind, Entwicklungen durchmachen und auch mal falsche Entscheidungen treffen. Phils Erlebnisse und psychische Belastung in der Hand der Psychopathin machen Gänsehaut, trotzdem neigt man an manchen Stellen dazu, deren Intelligenz zu bewundern. Mitunter konnte ich allerdings Marinas Entscheidungen nicht nachvollziehen, zum Beispiel begibt sie sich ganz bewusst alleine zu einem psychisch labilen Zeugen, da war die "Falle" schon vorprogrammiert. Dennoch ist man stark auf Marina fokussiert, dadurch dass Phil als Mitermittler wegfällt und selbst in Gefahr ist, hat Marina - und mit ihr der Leser - ein starkes persönliches Interesse an der Aufklärung des Falles. Auch wenn das eine oder andere Ereignis vorhersehbar ist, sind die Handlungsstränge aus Vergangenheit und Gegenwart auf das Feinste miteinander verwoben und fügen sich am Ende als großes Ganze wunderbar zusammen. Fazit: Solider, sehr spannender Thriller, bei dem diesmal Marina als Ermittlerin im Vordergrund steht und ihre Brillanz trotz persönlicher Involviertheit einmal mehr unter Beweis stellt. Die Autorin hat nichts von ihrer Schreibkunst eingebüßt und beweist auch im 8. Fall ein Händchen für persönliche Abgründe und psychologische Finessen. Jeder Protagonist ist ein ausgereifter Charakter und wichtig für den Fortgang der Geschichte. Einsteigern empfehle ich das Lesen in chronologischer Reihenfolge - zu stark und zu häufig sind die Bezüge auf frühere Fälle. Und da auch Marinas und Phils persönliche gemeinsame Geschichte stark im Vordergrund steht, versteht man diese Bezüge und Verweise einfach besser, wenn man die Hintergründe aus vorherigen Bänden kennt. Alles in allem aber natürlich ein sehr lesenswertes Buch!

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