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Alle Rezensionen von Pedi

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Der französische Autor Jean-Philippe Blondel, Jahrgang 1964, schreibt seit 2003 sehr schmale, ruhige und sehr persönliche Romane, von denen mittlerweile sechs auf Deutsch erschienen sind. Es sind Texte, die man gemeinhin als "typisch französisch" bezeichnet. Dies und vielleicht auch die Tatsache, dass sie hier bei uns in verschiedenen Verlagen veröffentlicht wurden, sind möglicherweise der Grund dafür, dass sie eher wenig beachtet geblieben sind. Neuere Französische Literatur wird in Deutschland in jüngerer Zeit gerne als innovativ, frisch, provokant, politisch wahrgenommen. All das sind Blondels Romane nicht. Blondel erzählt gerne leise Geschichten, von jungen und mittelalten Männern in ganz bestimmten, oft nur wenige Stunden oder Tage umfassenden Situationen. Das ist mal der Roadtrip mit Freunden an die amerikanische Pazifikküste um eine persönliche Tragödie zu überwinden ("Zweiundzwanzig"), mal das unverhoffte Zusammentreffen zweier einstiger Liebender in einem Vorortzug ( "6 Uhr 41") oder ein Besuch bei den Eltern ("This is not a lovesong"). Von diesen Situationen ausgehend schweifen die Gedanken des Erzählers in die Vergangenheit. So ist es auch in "Ein Winter in Paris". Hier ist es der Brief eines Mannes, der für kurze Zeit im Leben des Erzählers Victor eine bedeutende Rolle gespielt hat, der eine Erinnerungswelle auslöst. Patrick Lestaing ist der Vater eines Jungen, mit dem sich Victor während der Vorbereitungskurse zum Lehrerexamen angefreundet hatte. Ein Jahr unter ihm, aber genauso einsam in den Reihen der "höheren Söhne und Töchter" an diesem renommierten Pariser Lycée, und genauso unter dem enormen Leistungsdruck hier, besonders hinsichtlich des Bestehens des berüchtigten "Concours", der Aufnahmeprüfung zur Grande ècole, leidend, fühlte Victor zum ersten Mal eine gewisse Nähe zu einem der Mitschüler. Doch eines Morgens musste er den Selbstmord Mathieus miterleben. Dieser stürzte sich während des Unterrichts im Treppenhaus der Schule zu Tode. Neben seinem eigenen Schock und Kummer trug Victor in der Folgezeit auch noch eine ganze Menge der Trauer von Mathieus Vater, der sich ihm annäherte. Dies und die widerstreitenden Gefühle, die er erlebte, als er merkte, dass er plötzlich für seine Mitschüler interessant geworden war, "der Freund des Selbstmörders", sogar den beliebtesten Studenten als Freund gewann, verwirrten den jungen Mann. Dazu kam das angespannte Verhältnis zu den eigenen Eltern und dem Bruder in der Provinz, von denen er sich nie richtig anerkannt gefühlt hatte. Nun, dreißig Jahre später, Victor ist mittlerweile Schriftsteller, ergreift er vielleicht die Gelegenheit, sein Verhalten von damals geradezurücken. Wie stets benötigt Jean-Philippe Blondel keine zweihundert Seiten, um diese Geschichte zu erzählen. Und wie immer ist er sehr nah an Autobiografischem. Sein Erzählen ist knapp, sensibel, zart und auf den ersten Blick sehr leicht daherkommend. Immer steckt dahinter aber eine tiefe Melancholie, immer werden auch die ganz großen Fragen gestellt. Was ich in einer französischen Kritik zu "Zweiundzwanzig" einmal las gilt eigentlich für alle Bücher Blondels, auch wenn sie zeitweise durchaus auch heiter sind: Es ist wie bei einer Wunde: Am Anfang spürt man nichts. Aber später, wenn man dieses imponierende Buch geschlossen hat, dann leidet man. Es ist allerdings ein angenehmes Leiden, eines, dass bewirkt, dass die Lektüre dieser schmalen Romane nicht so schnell in Vergessenheit gerät.

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Nach langen Jahren, in denen er Menschen aufzuspüren versuchte, die spurlos verschwunden waren, möchte Tabor Süden jetzt selbst einfach verschwinden. Er hat seine Wohnung aufgelöst, das Handy zurückgelassen. Seine langjährige Chefin in der Detektei Liebergesell hat aber den richtigen Riecher und passt ihn am Bahnhof ab, ja, kann ihn sogar für einen neuen Fall, den sie übernommen hat, zurückgewinnen. Es geht um den ehemals sehr bekannten Kriminalschriftsteller Georg Ulrich, einen Meister des Crime Noir, etliche Male verfilmt, prämiert, übersetzt, um den es aber seit vielen Jahren sehr still geworden ist. Zu Beginn seines Ruhms ist er mit seiner Mutter, die ihn als einfache Schneiderin allein und unter erheblichen finanziellen Mühen großgezogen hat, in ein Hotel gezogen. Hier lebte er bis zuletzt, ruhig und völlig zurückgezogen nach dem Tod der Mutter. Seine Biografie wurde unlängst geschrieben und nun ist der Autor verschwunden. Der Hotelbesitzer und seine Angestellten, die sich Cornelius Hallig, so der wahre Name des Autors, freundschaftlich verbunden fühlen und sich sorgen, haben Liebergesell mit der Suche nach ihm beauftragt. Nicht unbegründet befürchten sie, dass hier ein Suizid geplant sein könnte. Tabor Süden fühlt sich von Beginn an verwandt mit Hallig und der absoluten Dunkelheit, die ihn zu umgeben scheint. Beide sind Menschen, die irgendwie nicht wissen, wohin mit sich in dieser Welt, beide schwer erschüttert, beide ohne enge Bindungen. "Rabenschwarz" könnte man die Stimmung im Buch nennen und ein wenig bangt man sogleich auch um sie Seelenlage des Autors Ani, der hier ja immerhin von einem Schriftsteller-Kollegen erzählt. Gewohnt intuitiv lässt sich Tabor Süden durch seine Ermittlungen, falls man das überhaupt so nennen kann, treiben. Es wird sehr viel geraucht und getrunken und man verrät kein Geheimnis, wenn man erzählt, dass die beiden Männer sich am Ende tatsächlich begegnen. Auch wenn es natürlich kein Happy-End gibt. Das gibt es bei Ani in diesem Sinne nie. Eine absolut dunkle, bedrückende Stimmung herrscht, eine tiefe existenziellen Erschütterung bleibt auch beim Lesen.

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Der Titel ist etwas hochgegriffen. Das weibliche Prinzip , das klingt nach allgemeingültigen Gedanken, nach Feminismus, nach dem Buch zur aktuellen Debatte, zu [*]metoo, zum neuen Antifeminismus (auch) unter Trump und wird auch ein wenig so beworben. Ein wenig steckt auch darin, aber für mich eindeutig zu wenig. In ihrem Essay The second shelf beklagte Meg Wolitzer 2012, dass Bücher weiblicher Autoren in der Wahrnehmung immer ein wenig benachteiligt werden, quasi auf den unteren Regalbrettern enden, weil die Themen, mit denen sie sich beschäftigen gerne als Frauenliteratur abgetan werden. Da ist sicher etwas dran. Aber wer so harmlose, freundliche Bücher über junge Frauen (und Männer) und ihren Weg ins Leben schreibt, alles schon tausendmal gelesen und nur ein bisschen Feminismus und Trump-Kritik untermischt, ohne irgendetwas beim Leser zu bewirken ( außer gepflegter Langeweile), darf sich nicht wundern, wenn er genau dort landet. Ganz nette Unterhaltung, aber das können Sie besser, Frau Wolitzer.

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Kommissar Kluftinger hat seit fünfzehn Jahren eine große Fangemeinde. Bodenständig wie er ist, reichlich altmodisch und starrköpfig dreht sich bei ihm (fast) alles um die Familie. Seine Frau Erika, die ihm die besten Kaasspatzen der Welt kocht, Sohn Markus und Schwiegertochter Yumiko, die gerade Eltern geworden sind und der langjährige Freund/Feind Doktor Langhammer - sie sind dem Leser schon lange ans Herz gewachsen. Deswegen nehmen auch familiäre Abschnitte in den Büchern zunehmend Raum ein. So beginnt auch der neue Fall mit einem Besuch der ganzen Familie zu Allerheiligen auf dem Friedhof. Das Entsetzen ist groß, als man dort ein frisches Grab entdeckt, auf dessen Grabkreuz Kluftingers Name, Geburts- und Todesdatum stehen. Ein Scherz? Wohl kaum, die Drohungen mehren sich und schließlich kommt es zu einem tödlichen Zwischenfall. Auch hier entfaltet sich die Spannung nur sehr gemächlich. Es geht in Kluftingers Vergangenheit, von der wir so einiges erfahren und, nun endlich im 10. Band, wird auch das Geheimnis um seinen Vornamen gelüftet. Wie gewohnt sparen die Autoren auch nicht an Klamauk und stereotypen Situationen und Charakteren. Sie verlassen dabei aber nie ein solides Niveau, wie leider mittlerweile so mancher Regionalkrimi. Und dass Kluftinger beinahe den Hubertus Jennerwein anstatt Kollege Maier eingestellt hätte, erweist einem zweiten bayrischen Kommissar, eben jenem Jennerwein aus der Feder von Jörg Maurer, eine vergnüglich-ironische Referenz. Auch er einer der wenigen empfehlenswerten Regionalermittler. "Kluftinger" macht Spaß, auch wenn es an einigen Ecken knirscht in Sachen Schlüssigkeit und die Spannung ein wenig kurz kommt. Wer noch nicht Teil der Kluftinger-Gemeinde ist, wird es mit diesem Teil eher nicht werden. Für alle anderen ist es ein amüsantes, kurzweiliges Wiedersehen.

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"Häuser aus Sand" ist ein Roman über die Gemeinschaft, die uns alle prägt, die Familie, und über den Ort, der für uns alle lebensnotwendig ist, das Zuhause. So heißt es im Klappentext zu Hala Alyans Roman über vier Generationen einer palästinensischen Familie. Im Mittelpunkt stehen, wie so oft, die mehr oder weniger "starken" Frauen. Sie alle müssen den Verlust dieser lebensnotwendigen Verankerungen im Leben erleben. Das von ihnen geschaffene Zuhause erweist sich ein ums andere Mal als ein "Haus aus Sand" (die "Salt Houses" aus dem Original hätte man meiner Meinung nach beibehalten können; auch ihre Vergänglichkeit wird durchaus deutlich). Salma und Hussam mussten 1948 nach Ende des britischen Mandats in Palästina und der Gründung des Staates Israels ihre Heimat Jaffa verlassen, wo sie eine große Orangenplantage führten. In Nablus finden sie ein neues Zuhause, hier wachsen ihre Kinder Widad, Mustafa und Alia auf. Diese können das Festhalten ihrer Mutter an alten Gewohnheiten, ihre Sehnsucht nach Jaffa und ihre Traurigkeit nicht ganz verstehen. Bis sie in Folge des Sechstagekriegs nicht nur ihr Haus, sondern auch den Bruder Mustafa verlieren. Die Familie wird getrennt. Alia zieht mit ihrem Mann Atef nach Kuweit. Alia hasst das Land, die Hitze, sehnt sich nach ihrer Mutter und der Schwester, die in Amman/Jordanien Zuflucht finden. Hierhin fährt sie die Sommer über mit ihren Kindern Riham, Karam und Souad, entfernt sich mehr und mehr von Atef. Sie ist eine unduldsame, wenig warmherzige Mutter. Besonders die unattraktive Riham leidet darunter, sucht Zuflucht im Glauben, im Islam. Souad wiederum rebelliert, führt ihr eigenes Leben, in Paris, London, später in Boston und Beirut. Die Kinder, die vierte Generation wiederum, ist in alle Winde zerstreut. Und sucht doch immer auch nach den Wurzeln, nach Zugehörigkeit, nach Beständigkeit. Hala Alyan schreibt keinen innovativen Roman. Geschichten von entwurzelten Familien, gerade auch aus dem nahöstlichen Teil der Welt, sind nicht eben selten. Viele Muster hat auch die Autorin verwendet, beispielsweise die starken Frauen, die wechselnden Perspektiven, die chronologisch voranschreitenden Zeitsprünge. Auch das Milieu der wohlhabenden, gutbürgerlichen, gebildeten Großfamilie ist vertraut. Weniger häufig allerdings erfolgen sie aus palästinensischer Sicht. Das ist so positiv wie die ruhige, souveräne Erzählweise, der man bei aller Konventionalität gerne folgt. Zeithistorische Verwerfungen bilden stets nur den Rahmen des Familienlebens, bekommen aber niemals wirklich Platz in der Geschichte. Ein wenig bedauerlich finde ich, dass die Autorin ihre Geschichte an keiner Stelle aus ihrer doch recht engen Perspektive auf eine wohlhabende palästinensische Familie mit all ihren Möglichkeiten und Verbindungen öffnet. Weder in andere Gesellschaftsschichten, noch gar auf die israelische Seite des Konflikts wird ein Blick geworfen. Und so wird aus "Häuser aus Sand" niemals mehr als eine schön erzählte Familien- und Frauengeschichte. Das ist ein wenig schade.

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Kommissar Kluftinger hat seit fünfzehn Jahren eine große Fangemeinde. Bodenständig wie er ist, reichlich altmodisch und starrköpfig dreht sich bei ihm (fast) alles um die Familie. Seine Frau Erika, die ihm die besten Kaasspatzen der Welt kocht, Sohn Markus und Schwiegertochter Yumiko, die gerade Eltern geworden sind und der langjährige Freund/Feind Doktor Langhammer - sie sind dem Leser schon lange ans Herz gewachsen. Deswegen nehmen auch familiäre Abschnitte in den Büchern zunehmend Raum ein. So beginnt auch der neue Fall mit einem Besuch der ganzen Familie zu Allerheiligen auf dem Friedhof. Das Entsetzen ist groß, als man dort ein frisches Grab entdeckt, auf dessen Grabkreuz Kluftingers Name, Geburts- und Todesdatum stehen. Ein Scherz? Wohl kaum, die Drohungen mehren sich und schließlich kommt es zu einem tödlichen Zwischenfall. Auch hier entfaltet sich die Spannung nur sehr gemächlich. Es geht in Kluftingers Vergangenheit, von der wir so einiges erfahren und, nun endlich im 10. Band, wird auch das Geheimnis um seinen Vornamen gelüftet. Wie gewohnt sparen die Autoren auch nicht an Klamauk und stereotypen Situationen und Charakteren. Sie verlassen dabei aber nie ein solides Niveau, wie leider mittlerweile so mancher Regionalkrimi. Und dass Kluftinger beinahe den Hubertus Jennerwein anstatt Kollege Maier eingestellt hätte, erweist einem zweiten bayrischen Kommissar, eben jenem Jennerwein aus der Feder von Jörg Maurer, eine vergnüglich-ironische Referenz. Auch er einer der wenigen empfehlenswerten Regionalermittler. "Kluftinger" macht Spaß, auch wenn es an einigen Ecken knirscht in Sachen Schlüssigkeit und die Spannung ein wenig kurz kommt. Wer noch nicht Teil der Kluftinger-Gemeinde ist, wird es mit diesem Teil eher nicht werden. Für alle anderen ist es ein amüsantes, kurzweiliges Wiedersehen.

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"Ich möchte an meiner Straße am Fenster sitzen und glauben, dass jeder, der vorbeigeht, ein Leben lebt, glücklich oder unglücklich, aber tief." Ein Zitat der finnischen Malerin Helene Schjerfbeck, die im neuen Roman von Kristine Bilkau zwar nur indirekt vorkommt, das Buch aber auf eine besondere Weise begleitet. Es gibt diese Bücher, die von Anfang an gefangen nehmen, die zur Leserin sprechen, als wären sie für sie geschrieben. "Eine Liebe, in Gedanken" ist ein solches Buch. Es erzählt eine Liebesgeschichte, die eine Lebensgeschichte ist, und es erzählt vom Abschied einer Tochter von ihrer Mutter. Die Erzählsituation ist keine neue. Eine Mutter ist gestorben, die Tochter stößt beim Ausräumen der Wohnung auf Zeugnisse aus deren Leben, Dinge, Briefe, Fotos. Manches vertraut, anderes neu und unbekannt. Es ist ein liebevolles, zärtliches Gedenken. Es gab sicher auch Spannungen zwischen Mutter und Tochter, der freiheitsliebenden, nach zwei Scheidungen alleinerziehenden und immer etwas chaotischen Antonia und der um Beständigkeit bemühten, pragmatischen Tochter, der Ich-Erzählerin. Man kennt das, oft sucht die folgende Generation im Leben das, was sie in frühen Jahren vermisste. (Nur um oft im eigenen Alter zu erkennen, wie sehr man sich doch unter Umständen gleicht.) "Eine hatte Freiheit gesucht. Ihre Tochter hatte sich nach Beständigkeit gesehnt. Und deren Tochter sehnte sich wieder nach Freiheit." Nie ein Geheimnis gemacht hat Antonia um Edgar, ihre einst große Liebe. Die Geschichten um ihn waren stets präsent, auch wenn sie bis zuletzt ein Geheimnis umwehte. 1964 haben sich die beiden kennengelernt, der höfliche, galante Mann und die kesse, in ihrer Zeit moderne Frau. Die frühen Sechziger Jahre waren in vielem eine Übergangszeit, noch herrschte in vielem die Moral der Fünfziger Jahre, verbot die Vermieterin Herrenbesuch und waren die Berufsaussichten für Frauen oft auf Sekretärinnen-, Verkäuferinnen- oder Lehrerinnenniveau eingefroren. Aber die Frauen waren eben auch, zumindest vor der Ehe, berufstätig, zunehmend selbstbewusst und registrierten durchaus die Doppelmoral. Hatten nicht ihre Mütter die Kriegsjahre auch ohne Männer bewältigt? Standen sie nicht den Herren der Schöpfung insgeheim recht kritisch gegenüber, wie beispielsweise auch die Mutter Antonias? Wozu also noch das Deckmäntelchen der fügsamen Weiblichkeit? Andererseits sind die Umbrüche von 1968 und den Jahren danach noch recht weit entfernt, und wie lange sie brauchen und welche Rückschläge immer wieder erfolgen, das spüren wir auch heute noch. Antonia und Edgar werden ein Paar, verloben sich, die Familien nehmen den jeweils anderen in ihrer Mitte auf. Toni ist spontan, leidenschaftlich und im Job auf Erfolgskurs. Edgar wiederum steckt beruflich in einer Sackgasse. Als ihm ein Posten in Hongkong angeboten wird, sagt er nach Rücksprache mit Antonia zu. Nach kurzer Eingewöhnungsphase soll sie bald nachkommen. Die Monate vergehen, dann kommt endlich ein Telegramm: Wohnung und Job kündigen, Flugschein folgt. Doch dann: Nichts! Vergeblich wartet Toni, die zunächst bei Freunden, dann bei den Eltern untergekrochen ist, auf Nachricht. Schließlich dann das Niederschmetternde: Edgar möchte lieber doch nicht. Was diese Zurückweisung für die junge Frau damals bedeutet haben mag, lässt sich nur vermuten und auch die Ich-Erzählerin versucht sich tastend daran, das nachzuempfinden. Vor allem, weil die Liebe zu Edgar nie versiegt zu sein schien. Eine Liebe, aber nur in Gedanken. Zwei folgende Ehen hatten keinen Bestand, vielleicht wollte sich Antonia kein weiteres Mal zu fest binden. Die Tochter, altersmäßig vermutlich in den Vierzigern wie die Autorin, hat ihren leiblichen Vater nie groß vermisst, die Trennung ihrer Mutter vom zweiten Mann, der ihr wie ein Vater war, schmerzte mehr. Nun steht sie vor den Zeugnissen des Lebens ihrer Mutter und sinnt darüber nach. Besonders die große Leerstelle, warum die Liebe von Edgar und Antonia letztendlich so unspektakulär scheiterte, bewegt sie. Sie beschließt, Edgar zu kontaktieren. Sie selbst ist nicht nur in ihrer Trauerarbeit gefangen, sondern befindet sich auch in einer anderen Umbruchsphase ihres Lebens: die 18jährige Tochter Hanna hat das Abitur hinter sich und begibt sich auf Interrailtour, danach Studium, irgendwo. Zeit der Abnabelung. "Niemand hatte mich gewarnt, wie schnell ein Kind zu einer Erwachsenen werden würde. Niemand hatte mir gesagt, dass diese Jahre im Rückblick wie eine erstaunlich überschaubare, verwirrend kurze Episode erscheinen würde." Zeit, das eigene Leben zu überdenken. Zwischenbilanz. Zeit aber auch, sich vor dem kommenden Alter zu fürchten, vor dem Alleinsein. Ihre Mutter tröstete sie einst: "Du musst dir keine Sorgen machen", hatte sie zu mir gesagt, mit ihrer jungen, zuversichtlichen Stimme. "Du wirst den Reichtum deiner Gedanken haben." War es ein gelungenes Leben? Trotz der Liebe, nur in Gedanken, trotz der Zurückweisung, des Scheiterns? Es scheint so, auch wenn es seinen Preis gekostet haben mag. "Was für ein Leben hatte Ihre Mutter?" fragt Edgar bei ihrem Treffen. "Ich überlegt, wie ich das Leben meiner Mutter zusammenfassen konnte. Ich hatte versucht, mir vorzustellen, wer sie als junge frau gewesen war, wer sie geworden war, doch es konnte ja immer nur ein Ausschnitt bleiben, Geschichten, von mir erdacht. Wie nah ich der Frau von damals und der Frau, die sie geworden war, hatte kommen können, das würde ich nie wissen. (¿) "Ich kann Ihnen nur sagen, dass sie sich nicht vor Intensität gefürchtet hat. Aber das wissen Sie ja wahrscheinlich selbst." Eine Frau, die auch einen hohen Preis für ihr unabhängiges Leben zahlen musste, begleitet das Buch auf besondere Weise. Es ist die finnische Malerin Helene Schjerfbeck. Die Ich-Erzählerin betreut während der Trauerzeit als Architektin eine Ausstellung der 1862 geborenen Künstlerin. Durch einen Unfall in der Kindheit gehbehindert, tritt deren künstlerisches Talent früh zutage. Begabt und entschlossen reist sie in jungen Jahren viel, erleidet aber auch viel persönliches Leid, ist viel krank und lebt viele Jahre allein mit ihrer pflegebedürftigen Mutter. Hochbetagt stirbt sie kurz nach dem Krieg. Die unabhängige, letztlich aber einsame Frau dient als Spiegel für das Leben der Mutter, ihre Zurückgezogenheit im Alter. Am Ende des Buchs nimmt uns die Erzählerin mit auf einen Rundgang durch die Ausstellung, die auch sehr durch Selbstbildnisse der Malerin geprägt ist. Immer wieder schweift sie zwischen den Bildern und den Gedanken an die verstorbene Mutter. Dieser Abschnitt ist mit das Schönste, das ich seit längerem gelesen habe. "Eine Liebe in Gedanken" ist ein Buch, dessen Passagen ich immer wieder lesen möchte. So einfühlsam, pathos- und kitschfrei, so behutsam, klug und fast schwebend, so atmosphärisch dicht schreibt Kristine Bilkau über Frauenleben, Liebe, Nähe, Enttäuschung, Trauer, Abschied. Über das Verschwinden von Menschen, sei es nach Hongkong, in den Tod oder auch nur das Erwachsensein, und das Fortbestehen der Liebe. "Meine Mutter sitzt vor mir auf der Küchenbank, sie bestreicht sich ein Stück Baguette mit zerschmolzenem Camembert, sie sitzt, wie immer, wenn sie uns besuchte, auf dieser alten Holzbank, die Florian und ich, als Studenten, vor über zwanzig Jahren auf einer Reise durch Polen gekauft hatten, sie nippt an ihrem Darjeeling und will alles über ihren eigenen Tod wissen."

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Der amerikanische Familienroman ist nicht totzukriegen. Unzählige davon wurden und werden verfasst und es ist stets überraschend, dass sie bei allen Ähnlich- und Gemeinsamkeiten doch auch immer wieder einen eigenen Ton treffen, andere Blickpunkte setzen, andere Themen fokussieren, andere Stimmungslagen transportieren. Man braucht nicht erst den berühmten Satz von Tolstoi zu bemühen, um zu festzustellen, dass die Familie als Keimzelle, aus der wir mehr oder weniger glücklich alle abstammen, ein unerschöpfliches Motiv darstellt, neben den allgemeingültigen auch die ganz spezifischen Bedingungen der menschlichen Existenz und des Miteinanders immer wieder neu zu thematisieren vermag. Ich habe ein ganz großes Faible dafür, das auch nicht totzukriegen ist. J. Courtney Sullivan hat bereits in ihrem ersten Roman "Sommer in Maine" eine Familie in den Mittelpunkt gestellt. Ihr zweiter Roman "Die Verlobungen" wurde episodischer, rückte thematisch ein wenig zur Seite, ging es doch um die den meisten Familien vorangehenden Paarbildungen. Mir gefielen beide Bücher ausgezeichnet. Der Ton der Autorin, die handwerklich hervorragend schreibt, erscheint zunächst leicht. Die Erzählung schürft dann aber nach und nach immer tiefer, so dass neben einer unterhaltsamen und berührenden Lektüre immer noch dieses gewisse "Mehr" bleibt, das einen Roman auch länger im Gedächtnis hält. So auch in ihrem neuen Roman "All die Jahre", der sich wieder ihrem Erstling nähert. Auch hier steht eine Familie im Zentrum, sind es die Frauengestalten, die ihn in erster Linie prägen. Es beginnt mit einem Verkehrsunfall im Jahr 2009. Noras ältester Sohn Patrick ist in betrunkenem Zustand auf dem kurzen Weg von seiner Kneipe nach Hause verunglückt. Sein Tod und die bevorstehende Beerdigung bilden die Gegenwartsebene, von der aus die Gedanken der Familienmitglieder - neben Nora gibt es noch die Geschwister John, Bridget und Brian und die als Nonne im Kloster lebende Schwester Noras, Theresa - in die Vergangenheit schweifen. Nora erinnert sich an ihre Kindheit in Irland, an die unglaubliche Armut, aus der, wer konnte, in eine bessere Zukunft nach Amerika aufbrach. So auch Nora und ihr Verlobter Charlie, der Nachbarsjunge, den sie zwar nicht liebt, der ihr aber eine Zukunft nah an ihrem Zuhause zu versprechen schien. Nun wird ihr dieses Zuhause unsanft entrissen, es soll ja nur vorübergehend sein, bis genug Geld da ist für eine glorreiche Heimkehr - die falsche Hoffnung schon so mancher Migranten. Nora setzt durch, dass ihre kleine Schwester mitkommen darf. Ihr, der sie nach dem Tod der Mutter immer eine solche war, will sie eine Ausbildung zur Lehrerin finanzieren. Das gelingt zwar, aber ungestüm und träumerisch, wie Theresa im Gegensatz zu ihrer pragmatischen, nüchternen Schwester ist, verliebt sie sich in einen verheirateten Mann und wird schwanger. Ein damals, in den Fünfzigerjahren, unerhörter Skandal. Um diesen zu vermeiden, entbindet sie heimlich und Nora und Charlie geben den kleinen Patrick als ihr Kind aus. Zwischen den Schwestern kommt es zum Bruch, Theresa nimmt den Schleier. Im Kloster und Klosterleben findet sie Ruhe und Gemeinschaft. Nora bleiben häusliche Mühen und die Heiligenbildchen einer verstorbenen Verwandten - "Heilige für alle Gelegenheiten" ("Saints for all occasions", so der wieder mal viel bessere Originaltitel). Auch ihr Leben ist stark vom katholischen Glauben geprägt. Nora bekommt mit Charlie noch drei weitere Kinder, sie kaufen ein Haus in Hull, vor den Toren Bostons. Nora führt ein einigermaßen glückliches amerikanisches Leben. Nie wird sie aber über die Vergangenheit sprechen und verheimlicht Patricks Herkunft, auch ihm selbst gegenüber. Es werden überhaupt keine großen Worte gemacht bei den Raffertys, Gefühle spielen kaum eine Rolle. Patrick wird Noras erklärter Liebling, die anderen Kinder fühlen sich zurückgesetzt und ungeliebt von der schroffen Mutter. Das mag nun recht trostlos und traurig klingen, ist es aber eigentlich nicht. Die Raffertys sind eine große Familie, unzählige Cousins und Cousinen bevölkern unzählige Familienfeiern, es wird gesungen, erzählt, gespeist und getrunken. Der Alkohol, der in so vielen Erzählungen von irischen/ irisch stämmigen Familien eine so prominente Rolle spielt - er kann nicht nur ein Klischee sein. Bisweilen kann der Roman, der von der Grundtonart schon in Moll gestimmt ist - schließlich ist sein Ausgangspunkt der verfrühte Unfalltod Patricks -, durchaus mit Humor aufwarten. Bei der Totenwache und der Beerdigung treffen alle Familienmitglieder aufeinander, auch Theresa verlässt die Klausur des Klosters. Erinnerungen werden lebendig, alte Verletzungen aufgerissen, Bindungen erneuert, Geheimnisse kommen ans Licht, der schon Verstorbenen wird gedacht. Das ist alles natürlich nicht grundlegend neu. Aber J. Courtney Sullivan erzählt gut. Sie ist psychologisch feinfühlig und genau und dicht dran an ihren Personen. Sie wechselt die Perspektive ihrer allwissenden Erzählstimme, verschränkt die Zeitebenen mühelos. Zentral stellt sie die Frage nach der Offenheit in Familien, nach dem Verschweigen, dem nicht miteinander reden können, nach Pflichtgefühl und Liebe, vor allem aber auch nach Vergebung, nach verzeihen können. Sullivan bewertet nicht, beantwortet diese Fragen auch nicht. Sie erzählt. Und das ganz ausgezeichnet. "Ich wünschte mir, ich könnte in diesem Jahr noch einen so starken und klugen und schönen und herzzerreißenden Roman wie All die Jahre von Courtney J. Sullivan lesen, aber ich glaube, das werde ich nicht." So der Schriftstellerkollege Richard Russo in einem Zitat auf der Buchrückseite. Ich stimme ihm zu, bin aber optimistischer. Das Jahr ist noch jung.

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"Die Herzen der Männer" - Nickolas Butler nähert sich ihnen auf sehr altmodische, uramerikanische Weise und gleichzeitig mit einem sehr progressiven, durchaus kritischen Blick. Zentrum des Romans ist das Pfadfinderlager Chippewa in den Wäldern Wisconsins. Hier verbringt der kleine Nelson 1962 wie jedes Jahr seinen Sommer. Leidenschaftlicher und äußerst zuverlässiger und gewissenhafter Pfadfinder, der er ist, ist sein Ziel der Rang eines Adlers, eine der höchsten Auszeichnungen, die man durch Wissen und Arbeit in dieser Organisation erreichen kann. Aber auch hier im Camp sind solche Jungen, gerade wenn sie klein, sensibel und zurückhaltend sind wie Nelson, oft Zielscheibe für Neid, Hohn, Spott, böse Streiche oder regelrechte Attacken durch die Anderen. Auch und gerade weil er von Lagerleiter Wilbour Whiteside protegiert wird und den Posten des Signaltrompeters innehat, der jeden Morgen das Lager aufweckt. Neben Whiteside steht nur noch der ältere Kamerad Jonathan Quick Nelson hin und wieder bei. Aus dieser Kameradschaft wird sich nach und nach eine lebenslange Freundschaft entwickeln, um die der Roman immer wieder kreist. Auch wenn sich die beiden nicht oft sehen und wenig gemeinsam haben, scheint das Band zwischen ihnen unverbrüchlich. Im Verlauf des Buches wird Nelson zu Whitesides Nachfolger als Lagerleiter und Jonathans Sohn Trevor wird, genau wie der Enkel Thomas, jeden Sommer in Chippewa verbringen - Teil zwei und drei des Romans spielen in den Jahren 1996 und 2009. Neben der Freundschaftsgeschichte schaut Nickolas Butler, wie schon der Titel verrät, ganz tief in die Herzen der Männer. Und auch wenn es schon sehr lange ebenso Organisationen für Pfadfinderinnen gibt (die allerdings sehr lange statt Kanubau und Tontaubenschießen hausfrauliche Übungen zu durchlaufen hatten), wo könnte man das besser als in einem Pfadfinderlager. Männer unter sich, eine Einrichtung, die "die Förderung der Entwicklung junger Menschen, damit diese in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen können" auf ihre Fahnen geschrieben hat. "Altmodische" Tugenden wie Anstand, Redlichkeit, Disziplin, Zuverlässigkeit und die Leitlinie Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als ihr sie vorgefunden habt prägen seit ihrer Gründung das Bild der Pfadfinder. Auch wenn die Bewegung auf den britischen General Robert Baden-Powell zurückgeht und eine wirklich internationale ist, so verbinde ich sie immer auch mit den Vereinigten Staaten. Wie viele Romane und Erzählungen spielen in amerikanischen Sommerlagern! In nahezu perfekter Weise repräsentiert Lagerleiter und Kriegsveteran Whiteside die Ideale. Auch wenn Butlers Sympathie eindeutig ihm und auch den späteren Veteranen Nelson und Trevor gilt, ist nimmt er doch davon Abstand, diese zu heroisieren. Whiteside selbst leidet unter Traumata, die der Krieg in ihm hinterlassen hat, nie hat er eine Familie gegründet, er lebt für sein Camp. Als Nelsons Vater die Familie verlässt, kümmert er sich um dessen Ausbildung, aber ausgerechnet in einer Militärakademie. Damit schafft er die nächste Generation eines vom Krieg gezeichneten Einzelgängers. Nelsons Einsatz als "Tunnelratte" im Vietnamkrieg wird ihn bis ans Lebensende verfolgen. Sein Freund Jonathan hingegen wird heiraten und einen Sohn bekommen, Trevor. Aber auch er wird seine Familie, wie damals Nelsons Vater, verlassen. Wobei wir beim zweiten großen Thema dieses Romans sind. Wie verhalten sich Männer, die doch mit den Pfadfinderidealen Treue, Ehrlichkeit, Anstand und Verantwortungsgefühl groß geworden sind, im alltäglichen Leben, in ihren Familien, und, ganz zentral, (ihren) Frauen gegenüber? Denn auch wenn das Buch "Die Herzen der Männer" betitelt ist, sind es gerade die Frauen, denen das Mitgefühl und die Bewunderung des Autors gehört. "Mir wurde außerdem bewusst, als ich dabei war, diese 60 Jahre amerikanischer Geschichte nachzuvollziehen, dass es vor allem die Frauen sind, die unsere Kultur zusammenhalten. Es sind die Mütter, die die Familien zusammenhalten." So Nickolas Butler in einem Interview. Auch die Träume und Lebenspläne der Frauen zerplatzen viel zu oft im Laufe der Jahre und während die Männer sich oft aus dem Staub machen und/oder verstummen, sind meist sie es, die dann die Scherben zusammenkehren müssen. Trevors Frau Rachel gehört das letzte Kapitel, in dem sie mit ihrem Sohn Thomas in das Lager Chippewa reist und dort mit Männer übelster Art zusammentrifft. Rassistisch, sexistisch, ungehobelt und eitel - Butlers Frage, auch wenn er sie nicht expliziert stellt, steht im Raum: Wo sind sie hin, all die hehren (amerikanischen) Ideale? Wie hat sich unsere Gesellschaft verändert, wie unser Umgehen miteinander? Dass er ihr Verschwinden betrauert, wird sehr deutlich. Das ist irgendwie ein wenig altmodisch, aber gerade heutzutage, wo wir zum Beispiel die zunehmende Verrohung des Tons in den digitalen Medien bedauern, auch wieder hochaktuell. Und die herablassende, sexistische Haltungvon mancher Männern Frauen gegenüber ist ja durch die [*]Metoo-Debatte auch gerade wieder in der Diskussion. Nickolas Butler nimmt da durchaus Stellung, auch wenn das Buch nicht explizit gesellschaftskritisch oder politisch ist. Aber die Frage nach der Gültigkeit von Werten, die die Gesellschaft zusammenhalten, nach Kriterien für den Umgang miteinander, nach der Rolle der Männer, die auf den Verlust ihre jahrhundertelangen Dominanz mitunter mit Verunsicherung und Aggressivität reagieren - das hebt dieses Buch über die reine Kindheits-, Freundschafts- und Generationengeschichte hinaus. Aber diese Geschichten erzählt das Buch natürlich auch. Und Nickolas Butler erzählt sie ruhig, schlicht und berührend. Einige Szenen bleiben mir unvergesslich, beispielsweise diejenige, in der der Sohn den Schrank der verstorbenen Mutter ausräumt und die über viele, viele Jahre gesammelten Baseballkarten findet, die er als Kind so mochte. Gelegenheiten, sie ihm zu geben, hat er ihr wohl nicht so viele geboten. Nickolas Butler braucht kein großes Pathos, um auch die Herzen der Leser zu rühren.

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Ich muss zugeben, dass mich Kent Harufs im Frühjahr 2017 erschienener und begeistert bejubelter Kurzroman "Unsere Seelen bei Nacht" enttäuscht hat. Was als Schlichtheit und Dezenz gelobt wurde, war für mich nur Belanglosigkeit und das berührende Thema erreichte mich auch nicht, konnte ich doch gar nicht nachvollziehen, warum sich erwachsene, gestandene Menschen durch ihre Umwelt so in ihrem Leben einschränken lassen. Da Kent Haruf auch in den USA so gelobt wird, wollte ich ihm gerne nochmal eine Chance einräumen (oder auch mir, je wie man es betrachtet). Und um es gleich zu sagen, mit "Lied der Weite" klappte es besser, auch wenn das Buch ähnlich gestrickt ist. "Plainsong" im Original, weist es sowohl auf die "Great Plains" Amerikas, die großen Weiten, in denen das kleine Holt/Colorado, in denen Harufs Romane spielen angesiedelt sind, hin, als auch auf die Liedform des Chorals, einfache, einstimmige Melodien aus der Kirchenmusik. Solche einfachen Melodien, von der schwangeren Teenagerin Victoria, der Lehrerin Maggie Jones, dem von seiner Frau verlassenen Tom Guthrie und den McPherons Brüdern setzt Haruf hier zusammen und singt das große Lied von der Vereinzelung und Vereinsamung, vom Elend des Schweigens und von der Hoffnung und Erlösung durch Gemeinschaft und Familie, und sei sie auch eine selbst zusammengestellte. Wie gesagt, die Geschichte überzeugte mich deutlich mehr als das Vorgängerbuch, vielleicht, weil sie sich auch eindeutig mehr Zeit nimmt. Im Fazit ist aber auch sie mir in vielen Passagen zu einfach gestrickt und auch ein wenig rührselig.

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