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Alle Rezensionen von Brigitta Mayr

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Ungewöhnliches Setting, interessante Charaktere, rasante Handlung, jede Menge Wendungen und Überraschungen, irre Spannung bis zum Zerreißen und viele Rätsel - so könnte eine absolute Kurzfassung des genialen Thrillers von Karsten Krepinsky lauten. Der Prolog beginnt mit einer Frau, die scheinbar den Kampf gegen den Tod verliert. Oder steckt sie in einem üblen Alptraum gefangen und wünscht sich nichts mehr, als endlich aufzuwachen? Die glücklichen Gewinner der GC-Firmen-Lotterie befinden sich auf dem Flug zu einer Yacht namens "Love One" im Nordatlantik, um dort eine traumhafte Zeit zu verbringen. Stattdessen stürzt ihr Hubschrauber unversehens ab und die 6 Gewinner samt Pilot befinden sich plötzlich auf der Plattform einer Bohrinsel wieder. Nach dem ersten Schock machen sich die 3 Frauen und 4 Männer auf die Suche nach der Mannschaft und Hilfe. Doch da ist niemand! Einsam und verlassen scheint die Bohrinsel zu sein und sie sitzen fest. Da verschwindet eine der Frauen und auf der Suche nach ihr, entdecken sie nicht nur Blut ¿ Was geht hier vor sich? Sind sie wirklich alleine mitten im Atlantik ohne Hoffnung auf Rettung? In seinem Thriller bietet Karsten Krepinsky alles auf, was ein nervenaufreibendes Buch ausmacht. Sein Schreibstil zeichnet sich durch bildhafte Beschreibungen aus und treibt die Geschichte in einer Geschwindigkeit voran, dass ein wahrhaftiger Sog entsteht. Ich hatte keine Chance, dem zu entgehen - nicht, dass ich es wollte. Die mysteriöse, augenscheinlich verlassene Bohrinsel mitten im Atlantik als Handlungsort ist alleine schon ein riesiger Spielplatz für schreckliche Szenen und ein Entrinnen nicht möglich. Es erinnert mich an einen Escape Room. Nur dass mein Team und ich damals weder in Lebensgefahr waren, noch von einem skrupellosen und brutalen Killer gejagt wurden. Die ganze "Bohrinsel" gleicht einer schaurigen Kulisse für einen bizarren Horrorfilm. Es tun sich immer neue Rätsel auf und doch wurde ich ständig vom Autor in die Irre geführt. Dazu kommen noch ganz unterschiedliche, authentisch beschriebene Charaktere, die sich erst im Laufe der Geschichte kennenlernen und dazu verdammt sind, zusammenzuhalten. Die kurzen "Auflüge" in die Vergangenheit der Gejagten sind so verfasst, dass nur winzige Details zu erahnen sind und es noch lange kein ganzes Bild gibt. Eine Auflösung und das Motiv hinter den schrecklichen Ereignissen gibt es definitiv erst zum Schluss. Eine große Portion Grusel, Überraschungen und Wendungen führen die/den Leser/in immer wieder auf falsche Fährten, die sich dann als Sackgassen herausstellen. Von Schnappatmung über Grusel bis Gänsehaut und kalten Händen reichte die Bandbreite meiner "Symptome". Als begeisterte Thrillerleserin will das etwas heißen - mit der Zeit wurde ich schon abgebrühter. In diesem Fall half es nichts! Die kurzen Kapitel trieben mich durch die Geschichte und wie erwartet, ließ die Spannung nicht lange auf sich warten. Karsten Krepinsky geht recht schnell ans Eingemachte und es mangelt ihm nicht an schräger, erschreckender Fantasie, die er im Laufe des Buches immer mehr auf die Spitze treibt. Und so manches grausame Bild bekomme ich durch die recht anschaulichen Beschreibungen und dank meiner großen Vorstellungskraft so schnell nicht aus dem Kopf. Sogar unter meinem Bett hab ich einmal nachgesehen. Frau weiß ja nie, was sich da so versteckt - außer eines kleinen Katers. Vom Cover über den Titel bis hin zum Zitat von Lex Lovenberg ist dieser Thriller unglaublich gut gelungen. Ich bin total begeistert und da fällt mir die Sternevergabe sehr, sehr leicht. Ein herzliches Dankeschön möchte ich noch dir, Karsten, aussprechen. Du hast dir viel Zeit für uns Leser/innen genommen und warst stets in der Leserunde präsent. Das finde ich klasse und ist nicht selbstverständlich für mich. Da ich schon einige Leserunde bestritten habe, weiß ich die Beteiligung der Autoren/innen sehr zu schätzen. Es gibt nicht viele, die sich die Zeit nehmen und auf die Anmerkungen in der Leserunde eingehen. Herzlichen Dank für die tollen, nervenaufreibenden Lesestunden!

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Historischer Roman trifft Thriller! Es ist Juni 1914 als der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand mit seiner Gemahlin Sophie nach Sarajevo reist. Er wohnt einem Militärmanöver bei, während seine sympathische Gattin die Herzen der Bewohner gewinnt. Zu dieser Zeit rumort es in den südosteuropäischen Ländern, denn sie wollen sich nicht länger von Österreich-Ungarn bevormunden lassen. Zudem steht der Gedenktag Vidovdan im Gedenken an die Schlacht auf dem Amselfeld Ende des 14. Jahrhunderts unmittelbar bevor. Drei junge Serben machen sich mit dem festen Plan, den Erzherzog zu ermorden, auf eine gefährliche und abenteuerliche Reise nach Sarajevo, den eigenen Tod wohlweislich vor Augen. Ihr Plan ist aufgegangen und zog schließlich den Ersten Weltkrieg nach sich. Doch wie konnte es soweit kommen? Haben die Behörden versagt, obwohl es Gerüchte gab? Zu Anfang stellte sich mir die Frage, ob es möglich ist, einen historischen Thriller über ein geschichtliches, wohlbekanntes Ereignis spannend und einprägsam zu einem Roman zu verdichten. Meine Bedenken waren, dass das Buch eher langweilig und zu faktenlastig werden könnte. Doch bereits mit dem Prolog hat mich Ulf Schiewe eingefangen und in die Vergangenheit entführt. Der Fokus auf die drei jungen Attentäter und die verschiedenen Sichtweisen der vielen Beteiligten wirft ein ganz besonderes und umfassendes Licht auf diese geschichtsträchtige Woche vor dem Attentat in Sarajevo. So kann also Geschichtsunterricht aussehen, wenn er nicht nur auf kühlen Fakten, Zahlen und Eckdaten aufgebaut ist. Mir gefällt, wie von Anfang an die Atmosphäre eingefangen wird und sich die Lage immer mehr zuspitzt, so dass ich trotz Kenntnis des Endes mitgefiebert habe. Als Leserin hatte ich das Gefühl, dass dieses Attentat leicht hätte verhindert werden können. Doch die Situation war so unübersichtlich und die politischen Gegebenheiten in den slawischen Ländern so verzwickt. Da ist auf der einen Seite die Sicht der jungen Attentäter Gavril, Nedejlko und Trifko, die aus ihrer Sicht nichts zu verlieren haben und mit einem großen "Knall" die prekäre Situation im Balkon zum Guten wenden wollen. Mit viel Fingerspitzengefühl hat Ulf Schiewe die Gefühle, Beweggründe und das Leben der Jugendlichen - denn das sind sie mit 19 Jahren noch - eingefangen. Dann sind da der Erzherzog und seine Frau Sophie, die zutiefst menschlich dargestellte werden und ganz liebevoll miteinander umgehen. Kosenamen inbegriffen! Ulf Schiewe hat den historischen Stoff mit fiktiven Personen und in Form eines Thrillers trotz des geschichtlich belegten Ausgangs des Attentats sehr spannend aufgearbeitet. Dazu bedurfte es sicherlich jeder Menge Recherche und eines guten Gespürs für die historisch verbürgten und die frei erfundenen Charaktere. Die Charaktere sind ihm dabei so gut gelungen, dass ich mir Major Markovic mit seinen Ermittlungen und Bemühungen um die Sicherheit des Erzherzogs und sein Anrennen gegen Widrigkeiten und sture Vorgesetzte lebhaft vorstellen konnte. Dadurch entspannt auch eine hervorragende Dynamik, die mich durch den spannenden Roman getragen hat und schließlich dem Ende entgegen fiebern ließ. Die kleine Liebesgeschichte am Rande der Ereignisse rundet meiner Meinung nach dieses besondere Geschichtsbuch sehr schön ab. Wie ich bereits in meinem ersten Leseeindruck geschrieben hatte, finde ich die Verbindung der beiden Genres historischer Roman und Thriller allein schon interessant und meine Hoffnung auf eine sehr spannende und gut ausgearbeitete Geschichte um so ein geschichtsträchtiges und beängstigendes Ereignis wurde voll erfüllt. Ebenfalls gelungen finde ich die Verbindung zwischen Geschichte und Fiktion. Beim Lesen habe ich oft vergessen, dass manche Personen vom Autor erfunden wurden. Die Personenliste am Ende des Buches war stets hilfreich bei der Vielzahl an Personen.

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Zufällig hört Nadja bei einem Radiointerview eine ihr wohl vertraute Stimme: die ihrer Tochter Lena und ihre eigene! Zunächst denkt Nadja nicht weiter darüber nach, denn ihr Leben mit Ehemann Ralph und Lena läuft in geregelten Strukturen. Ihr Verhältnis zur Adoptivmutter und dem Stiefvater Herbert bekommt einen Riss, als Nadja plötzlich anfängt, nach ihrer "wahren" Herkunft, sprich ihren biologischen Eltern zu fragen. Sie beginnt Nachforschungen und stößt dabei auf Pia, ihre Zwillingsschwester. Damit beginnt nicht nur für Nadja und Pia, sondern auch für deren Familien ein Spießrutenlauf, denn über die Vergangenheit der Zwillingsschwestern will niemand in den Familien reden und sie stoßen auf eine Mauer von Schweigen, Halbwahrheiten und Lügen. Besonders Nadja stürzt sich wie besessen auf die Suche nach ihrer Identität, hat sie vermeintlich stets etwas in ihrem Leben vermisst. Doch wieviel Wahrheit erträgt sie? Wird ihr bisheriges Leben noch Bestand haben? Und wie hoch ist der Preis für die Suche nach ihren leiblichen Eltern? Nur zögerlich lässt sich die gemeinsame Vergangenheit von Nadja und Pia wie ein Puzzle zusammensetzen. Dabei kommen viele unschöne Familiengeheimisse ans Licht und selbst das Verhältnis der wiedervereinten Zwillinge bringt das Leben aller Beteiligten ins Wanken. In einem Konstrukt aus Lügen, Halbwahrheiten, Widersprüchen und Schweigen verrennt sich Nadja in ihrer Suche nach ihrer Herkunft. Dabei schwanke ich immer wieder zwischen Sympathie und völligem Unverständnis für diese Frau! Die Suche nach ihren Wurzeln verfolgt Nadja mit solcher Vehemenz und fast schon Besessenheit, dass sie dabei die ihr nahestehenden Menschen beinahe aus den Augen verliert. Allein ihre Tochter Lena, die Psychologie studiert, scheint dafür Verständnis zu haben und spricht ihr gut zu. Ihre Adoptivmutter mauert und will nicht mit der ganzen Geschichte um Nadjas Herkunft herausrücken. Auch wenn die Männer in diesem Roman nur eine untergeordnete Rolle spielen und die Frauen im Fokus stehen, haben sie mich doch nachhaltig beeindruckt. Rainer, Herbert und Ralph sind wahre Ruhepole und stehen mit all ihrer Liebe zu ihren Frauen, auch wenn die bisweilen übers Ziel hinausschießen und die Tragfähigkeit ihrer Ehen bis an ihre Grenzen austesten. Die Charakterzeichnungen sind für mich der Teil der Geschichte, der mir wirklich ans Herz ging und mich durch den Roman trug. Äußerlich sind Nadja und Pia sofort als Zwillingen zu erkennen, als würden sie in den Spiegel schauen. Doch vom Wesen her trennen die beiden Welten, was nicht zuletzt auf ihr getrenntes Aufwachsen zurückzuführen ist. Diese Diskrepanz hat die Autorin ganz hervorragend beschrieben und die Zerrissenheit der beiden Schwestern so anschaulich dargestellt, dass ich mich teils gut in sie hineinversetzen konnte. Was mich allerdings neben Nadjas Hartnäckigkeit und Versessenheit immer wieder gestört hat, war das ständige Kaffeekochen und - trinken. Da fühlte ich mich ins England historischer Romane versetzt, in denen sämtliche Probleme, Streit und Neid bei einer Tasse Tee lösbar schienen.

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Im Prolog des Thrillers wird ein Mädchen brutal überfallen. Danach wechselt die Perspektive zu dem undurchsichtigen und geheimnisvollen Stephan, der mit der 17jähringen Cayenne und ihrem jüngeren Bruder Joshua irgendwo auf einem Campingplatz in Brandenburg lebt. Die beiden Teenager werden von Stephan hart trainiert und auf ein Szenario vorbereitet, von denen beide keine Ahnung haben. So kommt es, dass Cayenne seine Methoden - Überlebenskampf samt Übernachtung im Wald und kein Kontakt zu anderen Campern - immer mehr hinterfragt. Sie sehnt sich nach einem ganz normalen Leben, in dem ein junges Mädchen auch mal ausgeht und auch Jungs trifft. Doch davon kann sie nur träumen, denn Stephan hält sie und ihren Bruder von allem fern. Joshua hält alles für ein großes Abenteuer und lässt sich bereitwillig auf die Anweisungen von Stephan ein. Über dem Leben der drei liegen ein großes Geheimnis und eine nicht weiter benannte Bedrohung. Nicht nur Cayenne fragt sich, warum ihr Leben so ganz anders verläuft und wovor sie immer wieder fliehen. Auch die LeserInnen bleiben im Dunkeln und grübeln, wie die einzelnen Handlungsstränge (z.B. Tagebuch eines angehenden Fremdenlegionärs) mit dem zurückgezogenen Leben von Stephan, Cayenne und Joshua zusammenhängen. Worauf will Stephan Cayenne und Joshua vorbereiten? Von wem droht ihnen Gefahr? Die anfängliche Euphorie, die die Leseprobe bei mir ausgelöst hat, wurde im Laufe der ersten 200 Seiten leider etwas gedämpft. Nur schwer kamen die Geschehnisse rund um Stephan, Cayenne, Joshua und die Prepper Szene in Gang. Der Mittelteil war leider zäh und langatmig zu lesen. Es gab immer wieder spannende Szenen und ab und zu schlich sich ein Kribbeln in meinem Nacken ein, doch das Entgegenfiebern auf die Auflösung der Geschichte hin setzte bei mir recht spät ein. Wäre allerdings nach der Hälfte des Buches dringend nötig gewesen. Letztlich lohnte es sich, am Ball zu bleiben. Am Ende des Buches erwartete mich endlich der sehnlich erhoffte Charakter eines Thrillers: die Situation spitzt sich zu, es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen und schreckliche Geheimnisse kommen ans Licht. Ich hätte mir jedoch schon viel früher diese Spannung, den Thrill, gewünscht, der einen Thriller ausmacht. Der Aufbau der Geschichte mit den verschiedenen Handlungssträngen und der Geheimniskrämerei von Stephan und diversen Andeutungen einer Bedrohung geben dem Thriller eine diffuse Spannung bis zum Schluss. Nur fehlen hin und wieder kleine Cliffhanger. Der Plot braucht sehr lange, bis er in die Gänge kommt. Es erschließt sich erst sehr langsam, wie die verschiedenen Ereignisse zusammenhängen. Zwischendurch war ich etwas genervt von den vagen Andeutungen und der Geheimniskrämerei von Stephan gegenüber seinen beiden Schützlingen. Zudem hat er sie bewusst in Gefahr gebracht - was für seinen Charakter nicht ungewöhnlich ist. Ich zähle mich nicht zu den Kluftinger-Fans, auch wenn ich im Allgäu lebe, ein Buch gelesen und einen Film gesehen habe. Somit bin ich recht unbedarft an den Thriller herangegangen und war neugierig, wie Klüpfel und Kobr ein ganz anderes, härteres Genre umsetzen. Die Beschreibungen der Umgebung, die Kampfübungen und auch die Szenen mit den Preppern fand ich ganz bildhaft beschrieben und dem Schreibstil konnte ich leicht folgen. Doch letztlich war ich nach meiner Begeisterung nach der Leseprobe etwas enttäuscht. Allerdings gebe ich den beiden Autoren gerne eine zweite Chance, sollten sie sich weiter in dem Genre "austoben". Vielleicht wollten sie einfach zu viel und haben die Erwartungen hochgesteckt. Ich vergebe 3 Punkte von 5.

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In "Kein Teil der Welt" begleiten wir die 15jährige Esther bei ihrer Emanzipation von der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas. Sie wächst am Rhein mit den strengen Regeln der Gemeinschaft auf. Sie kennt es nicht anders und erst als ihre beste Freundin Sulamith zu hadern beginnt, kommt Esther ins Grübeln. Ihr gefällt das strenge Regelwerk immer weniger, so dass sie bei den Versammlungen schon mal abhaut oder sich über die billigen Klamotten von C&A ärgert. Hier legt ihre Mutter zweierlei Maßstab an, denn sie selbst würde sich niemals bei C&A einkleiden. Wie geht das zusammen? Wie muss es für ein Kind sein, wenn es mit so vielen Verboten konfrontiert und teils aus der Schulgemeinschaft (z.B. bei Geburtstagesfeiern) ausgeschlossen wird? Nach der Öffnung der Mauer ziehen ihre Eltern mit Esther in den Osten, um dort einen Königreichssaal aufzubauen. Dabei reißen sie Esther aus ihrer gewohnten Umgebung und weg von ihrer Freundin Sulamith, die sich zusehends von den Zeugen Jehovas ab- und zu den Weltmenschen hinwendet. Auch Esther hinterfragt die Sinnhaftigkeit der Brüder und Schwestern im Wandeln der Wahrheit und wird auch ihren Eltern - vor allem ihrer Mutter gegenüber - immer kritischer. Dabei bewegt sie vor allem die Frage: was geschah mit Sulamith? Die Autorin Stefanie de Velasco ist mit 15 Jahren aus der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas ausgestiegen und weiß, wovon sie schreibt. Sollte die eine oder andere Situation übertrieben sein, ist diese Glaubensgemeinschaft meiner Meinung nach doch recht kritisch zu betrachten. Da kann einem schon das ein oder andere Mal ein eiskalter Schauer über den Rücken laufen. Augenscheinlich leben die Zeugen Jehovas nur für die Zeit nach dem Tod und warten geduldig in einem engen Korsett aus Regeln, Verboten und Geboten auf das Paradies. Dabei gilt es stets, sich gegen die Weltmenschen (als alle anderen Menschen außerhalb der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas), die unter dem Einfluss von Satan stehen, zu behaupten und/oder diese durch Missionierung auf die richtige, nämlich die eigene Seite zu ziehen. Durch Bibelkreise, Versammlungen im Königreichssaal, Gebete innerhalb der Familien, privates Studium der Bibel und der Gehorsam gegenüber dem treuen und verständigen Sklaven werden die Gläubigen geradezu zwanghaft an die Gemeinschaft gebunden. Kinder wachsen in diesem System, denn so sehe ich das, abgeschottet vom Leben der Weltmenschen in einer Art Glocke oder Parallelwelt auf und haben kaum eine Möglichkeit, die alten Glaubenssätze der Zeugen Jehovas zu hinterfragen. Es hat schon manische Züge, wie brav und bibeltreu sich die Erwachsenen verhalten und ihren Kindern keinen Freiraum zur Entfaltung lassen. Bereits im Kindergarten werden sie von "Veranstaltungen" wie Geburtstagen ausgeschlossen, getreu der Vorschriften der Zeugen Jehovas. Diese totale Abgrenzung der Zeugen Jehovas gegen den "Rest der Welt" war allgegenwärtig. Alle Andersgläubigen bzw. Ungläubigen werden in einen Topf geschmissen und den Kindern wird wahrlich Angst gemacht - vor allem vor Dämonen. Das muss bei Kindern Spuren hinterlassen und zwar keine guten oder schönen. Hier schlich sich bei mir schnell Unbehagen ein und ich bin eine erwachsene Frau. Weihnachten wird nicht gefeiert, jedoch der Tag in der Familie mit einem Festessen "überbrückt" - es wird ja nicht gearbeitet und vermutlich gibt es nichts Besseres zu tun. Ich merke gerade beim Schreiben, wie sehr mich das Buch immer noch gefangen hält und wie sich mein Herzschlag beschleunigt. Es ist einfach unglaublich, wie sehr Glaubensgemeinschaften an sich in das Leben von Menschen eingreifen und mit deren Angst spielen. Auf der anderen Seite geben die Zeugen Jehovas ihren Mitgliedern Halt, Zugehörigkeit und Hilfe bei ganz alltäglichen Dingen wie einem Umzug. Der Zusammenhalt der Gemeinschaft wird gelebt, solange man nicht aus der Reihe tanzt. Dann wird es unbequem und man sieht sich einem Rechtskomitee gegenüber und muss damit rechnen, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden und damit Familie, Freunde und die Geborgenheit der Brüder und Schwestern zu verlieren. Das Frauenbild der Königreichler finde ich sehr überholt und beschämend. Wobei ich Esthers Mutter schon als starken Charakter sehe. Ihr Vater war für mich wenig greifbar - vielleicht lag das an seinen vielen Reisen. Mit dem Schreibstil bin ich sofort gut klar gekommen und ich fand die Geschichte von Anfang an interessant und spannend Ein großes Rätsel ergab sich für mich durch die eingefügten Seiten, in denen die Rede von einer Salzinsel, deren Bewohner und das entbehrungsreiche Leben auf dem Eiland war. Bis zum Schluss hatte ich darauf gehofft, dass diese Einfügungen ein Geheimnis offenbaren oder entscheidend zum Verständnis der Geschichte beitragen. Doch daraus wurde leider nichts. Meiner Begeisterung für den Roman tat es keinen Abbruch. Zuletzt möchte ich noch ein paar Worte zum Cover sagen. Das Bild des betenden, kleinen Mädchens unter eine Glasglocke spiegelt sehr plastisch das Leben von Esther wider. Sie lebt mitten unter den Menschen, aber doch getrennt von ihnen durch eine Glaswand wie in einer Art Kokon. Sie sieht, wie die Weltmenschen leben und kann die Wand nicht durchbrechen, ohne dass das Glas dabei zu Bruch geht. Das macht für mich das Cover so symbolträchtig und gleichzeitig beängstigend.

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Der Krimi der Schöpferin von Inspector Barnaby beginnt mit einem verstörenden, befremdlichen Prolog. In diesem plant ein Mann sehr akribisch einen Mord und vollführt "Trockenübungen" mit seinem Mordwerkzeug, dem Messer, in seinem Zimmer. Es bleibt nicht dabei, denn er verübt den Mord an einer Frau tatsächlich. Danach beginnt die Geschichte von Fenn, dem Stalker, und Rosa, der Gestalkten. Rosas Leben als erfolgreiche Radiomoderatorin, Ehefrau und Mutter zweier Kinder verläuft sehr geradlinig und ruhig. Sie liebt ihren Mann nach wie vor und die Ehe scheint glücklich zu sein. Im Sender wird sie von einem Kollegen, Duffield - genannt Duffy - umschwärmt und einzig der s.g. "Vogelmann" stellt einen Exoten unter ihren Hörern dar. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es, denn ihre Sekretärin Sonia scheint Rosa nicht leiden zu können. Ganz anders gestaltet sich das Leben von Fenn. Er ist arbeitslos, haust in einem einfachen Zimmer und will mit allen Mittel berühmt werden - vorzugsweise als Schauspieler. Jedoch stehen seine Chancen, in diesem Beruf Fuß zu fassen, sehr schlecht und es scheint sogar unmöglich zu sein. Aus purer Langeweile oder Mittel zum Zweck wählt er Rosa als "Opfer" aus. Er dringt geschickt und sehr zielgerichtet in ihr Leben ein. Und er will nur eines: ihren Tod! Caroline Graham hat einen spannenden Krimi geschrieben, noch dazu zum Thema "Stalking" als dieses noch nicht so genannt wurde. Nach einem etwas schleppenden Einstieg in die Geschichte war der Spannungsbogen konstant vorhanden und ich habe immer wieder mal mitgefiebert und gehofft, dass Rosa nichts zustößt. Leider blieben mir sämtliche Charaktere fremd. Leo ist so abgeklärt, dass er erst sehr spät Angst um Rosa verspürt und dann plötzlich zum "Helden" wird. Duffy hat mich mit seinen Avancen um Rosa genervt - wobei ich es noch viel übler fand, dass sie sich von ihm mit "Liebling" anreden ließ und fast auf seine Annäherungsversuche verfallen wäre. Rosa war mir etwas zu blass in der Geschichte. Einzig ihre Ängste wurden mit der Zeit besser ausgeleuchtet und sie bekam zum Ende des Krimis etwas Kontur. Fenn scheint mir der Stereotyp des Versagers zu sein. Er sieht sich als sehr intelligent und ist total von sich überzeugt. Nur kriegt er sein Leben nicht richtig auf die Reihe und somit müssen andere dafür büßen. Das ist mir zu eindimensional erzählt und deshalb fehlt mir auch der Zugang zu ihm und seinen Handlungen. Für Fenn dreht sich das Leben nur noch um Rosa und deren Ermordung. Seine Beweggründe sind nicht klar. Ist es die Langeweile in seinem einfachen Leben, das ihn antreibt? Will er um jeden Preis berühmt werden, sei es durch einen Mord? Oder testet er sein "Genie"? Jedenfalls wird schnell klar, dass ihm jedes Mittel recht ist, um an sein Ziel zu gelangen. Der Blick ins Impressum des Buches hat mir geholfen, die Handlung in einen Zeitraum einzuordnen. Somit erklärte sich für mich, warum in der Geschichte von Fernsprechern, Münztelefonen, Schreibmaschinen etc. die Rede war. Das Buch erschien bereits 1984 unter dem Titel "Der Neid des Fremden" und wurde vor der erneuten Veröffentlichung überarbeitet. Von der Überarbeitung ist wenig zu spüren, denn die Übersetzung ist so manches Mal recht holprig und ich hatte auch ein paar Verständnisprobleme. Sehr schnell fällt auf, dass im Buch der Perspektivenwechsel zwischen Fenn und Rosa mitten in der Geschichte stattfindet, ohne dass er für den Leser kenntlich gemacht wurde. Das führte bei mir anfangs zu Verwirrung und Irritation. Mit der Zeit und dem besseren Kennenlernen der Akteure fiel es mir dann leichter. Trotzdem frage ich mich, warum die Autorin diese Form gewählt hat und was dahinter steckt. Ich vermute, sie wollte damit zeigen, wie sehr sich Fenn in Rosas Leben drängt und die beiden nicht mehr voneinander getrennt gesehen werden können. Mir war lange Zeit nicht klar, ob es sich bei der Person im Prolog um einen Mann mittleren Alters oder einen noch recht jungen Mann handelt. Wirklich aufgeklärt wurde diese Frage auch zum Schluss des Buches nicht. "Der Fremde in deinem Leben" war mein erster Krimi der Autorin. Wenige Folgen der Serie um Detective Chief Inspector Barnaby habe ich im Fernsehen gesehen. Den begeisterten Leserstimmen kann ich mich nur bedingt anschließen und vergebe daher nur 3 Punkte.

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"Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten" Vorweg möchte ich anmerken, dass ich selber im Öffentlichen Dienst arbeite und mir das Beamtentum nicht ganz fremd ist. Hans Fredenbek steht mitten in seinem spartanisch eingerichteten und veralteten Beamtenbüro und ergeht sich in einem Monolog unter Einbeziehung des Publikums. Einzig das Laufband im Büro zeugt von einer gewissen Modernität. Herr Fredenbek referiert teils absturs, bisweilen sehr amüsant über Rechtschreibung bis Allgemeinwissen und kommt dabei vom Hundertsten ins Tausendste. Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen kommen durch eine Art Flirtanleitung zur Sprache - wobei die Fantasie weitaus größer erscheint als die Realität. Das Verschwinden bzw. Nichtvorhandensein eines Radiergummis bringt seinen herrlichen Monolog erst ins Rollen und sein starres Verharren in der Enge seines Büros, in dem sich seit Jahren nichts geändert hat, ins Wanken. Der Autor bedient sich dem "vermeintlich typischen Klischee eines staubtrockenen Beamten" und macht daraus ein Feuerwerk an Abstrusität, wirren Gedankengängen, völlig neuen Einblicken in die Seele der Frau und auch ins Beamtendasein an sich. Von unterhaltsam bis urkomisch erstreckt sich die Bandbreite des Monologs eines eingeschworenen Beamten, dem (fast) nichts wichtiger ist als die Einhaltung von Gesetzen, Vorschriften und Vorgängen, außer sie verlangen ihm ausgesprochen viel Einsatz ab. Die Einbeziehung des Publikums in diesem Theaterstück finde ich genauso ansprechend und gekonnt inszeniert, wie die Stimmen aus dem Off. Herrlich! "Einladung zum Klassentreffen" Dieses Stück ist so ganz anders als das erste. Hier geht es um zwei Menschen, die sich einst sehr nahe waren und sich verloren haben - warum auch immer. Das digitale Zeitalter spielt hier eine große Rolle und auch die Neugier der Mitmenschen, die alleine schon durch ein Telefonat im Zugabteil befördert wird. Doch es hat nichts Übergriffiges, sondern ein Wohlwollen, mit dem die Fahrgäste im Zug an dem Telefonat von ihm und ihr teilhaben. Am meisten hat mich überrascht, dass mit ganz wenig Bühnenbild oder erklärenden Worten, ein so warmherziger Ton erzeugt werden kann. So ergibt sich für mich eine schöne Liebesgeschichte, die auch auf die Unwägbarkeiten und Enttäuschungen des Lebens eingeht, so dass der Dialog nicht ins Kitschige abdriften kann. Dazu eine Prise Humor. Dieses Theaterstück kann ich mir sehr gut auf der Bühne vorstellen. Was mich zu der Frage bringt, ob es bereits aufgeführt wurde oder noch darauf wartet. Beiden Stück ist anzumerken, dass der Autor a) weiß wovon er schreibt (ich sage nur Beamter), b) mit Worten sehr gut umgehen und mit wenig Aufwand ganz unterschiedliche Stimmungen erzeugen kann, c) sich in die Situationen und Emotionen der Schauspieler hineinversetzen kann - steht er doch selbst auf der Bühne und schließlich d) auch vor Irrungen und Wirrungen in einem ausufernden Monolog nicht zurückschreckt und dabei den roten Faden stets im Blick behält. Es war mir eine Freude und Genuss, diese beiden Stück zu lesen. Bisher kannte ich Theaterstücke aus der Schule und durfte sogar schon selbst als Werther (Die Leiden des jungen Werther) in einer Dreiviertelbergsteigerhose (in Ermangelung einer Knickerbocker) vor der Schulkamera jede Menge Text zum Besten geben. Danach saß ich lieber vor der Bühne und habe mich vom musikalischen und schauspielerischen Talent (manchmal auch Unvermögen) anderer Personen berieseln lassen. Nachdem ich ein bekennender Krimi-Thriller-Junkie bin, ist meine Neugierde geweckt, was den Kurzkrimi "Schöne Bescherung" betrifft.

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Falco Brunners neuer Fall wird ein persönliches Fiasko für ihn und anscheinend will ihm jemand so richtig eins auswischen. Als Falco mitten in der Nacht einen besorgniserregenden Anruf von Emilia bekommt, ahnt er nicht, dass sein Leben bald komplett auf dem Kopf steht. Er erreicht Emilias Wohnung und dort findet er außer einer Blutspur und Spiegelscherben¿ nichts! Noch vor Ort bekommt er einen Schlag auf den Kopf und als er erwacht, ist die Wohnung auf Hochglanz poliert und nichts deutet auf einen Kampf hin. Die Polizei verdächtigt ihn sofort, denn Falco kannte Emilia. Sie arbeitete als Escortdame und hat Falco in ihren Bann gezogen. Um Emilia zu suchen, ihr Verschwinden aufzuklären und seine eigene Unschuld zu beweisen, taucht Falco unter und bekommt dabei Hilfe von unerwarteter Seite. Wird er Emilia finden? Und was hat es mit der toten Frau, die aus einem Autowrack aus dem Wasser gezogen wird, auf sich? Michael Seitz besticht im dritten Fall wieder mit einem unglaublich guten Gespür für Spannungsaufbau, die Verknüpfung von unterschiedlichen Themen, großartig ausgearbeitete Charaktere und ein furioses Ende. Mit einer Leichtigkeit erzählt er vom Leben der Jenischen, Emilias Gefühlswelt, Sex, Liebe, Geborgenheit, Unterwerfung, Wahn, Hass, Überlebenswillen und unverbrüchlicher Freundschaft und Loyalität. Falco bekommt noch mehr Konturen und ist kein unverletzlicher, vollkommener Held. Er ist ein Mensch mit Schwächen und Stärken, greift bisweilen zu verzweifelten und nicht sehr zielführenden Taten und hat kein Problem, Hilfe anzunehmen. Auch seine Exfrau Christina und sein ehemaliger Kollege Bruno bekommen ihren Platz in diesem brisanten und nervenaufreibenden Fall. Eine faszinierende Rolle spielt Mira: sie kommt anfangs recht unscheinbar daher und hat dann im Laufe der Zeit Stück für Stück mein Herz erobert. Michael hat sie so authentisch beschrieben und handeln lassen, dass ich mich ihr sehr nahe fühlte. Wie sie voller Liebe an ihren toten Sohn Milan denkt, der ihr Herz nie verlassen hat und sich ihr immer wieder zeigt, finde ich rührend und tröstlich zugleich. Dagegen waren mir Emilia und Helen immer wieder ein Rätsel und oft schwer greifbar. Ihre Geschichte hat mir erneut gezeigt, wie gut der Autor mit Gefühlen umgehen kann. Dabei schreckt er auch nicht vor "Tabuthemen" wie SM in Verbindung mit Liebe zurück. Sein fesselnder, lebendiger Schreibstil und die Rückblenden haben mein Lesetempo immer mehr gesteigert, so dass ich mit Falco mitgefiebert und gehofft habe, dass er aus diesem Karussell von Gewalt, Intrigen und falschen Anschuldigungen ausbrechen kann. Der Showdown war dann schon fast eine Erlösung und hat alle losen Enden verbunden. Meine Nerven waren bis zum Zerreisen gespannt, nachdem ich sehr lange Zeit nach einem Motiv und dem möglichen Täter gefahndet habe. Durch geschickte Wendungen und Verstrickungen wurde ich immer wieder abgelenkt und konnte das Ausmaß an Intrigen und Rachegelüsten nicht fassen. Falco hat sich auch in diesem Buch weiterentwickelt und ich hätte ihm etwas Ruhe gewünscht, stattdessen wird das Verschwinden von Emilia zu seinem persönlichsten und emotionalsten Fall. Bei all dem Chaos, das über Falco hereinbricht, schafft es der Autor, berührend und gefühlvoll über die Welt des fahrenden Volkes, der Jenischen zu schreiben. Wie Emilia bzw. ihr Großvater das Leben als Fluss beschreibt, finde ich sehr schön und besonders eine Aussage ist mir im Gedächtnis geblieben: "Zu Haus ist überall! Weil wir ohnehin überall sind! Mit dem Wasser verbunden, aus dem wir gemacht sind.". Eines ist sicher: ich warte voller Spannung auf den vierten Fall von Falco Brunner!

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Im 4. Band um die beiden Ermittler Peter Liebig und Rita Momsen geht es Schlag auf Schlag. Innerhalb kürzester Zeit werden zwei brutal ermordete und verstümmelte Frauen gefunden. Dabei hinterlässt der Täter rätselhafte Botschaften und scheint mit den Ermittlungsbehörden ein perfides Spiel auf Leben und Tod zu treiben. Auffällig ist zudem, dass es sich bei den Toten um die Ehefrauen des Rechtsmediziners Dr. Schiller und eines ¿ handelt. Hat es der Täter gezielt auf eine bestimmte Personengruppe abgesehen? Welches Motiv steckt hinter den blutigen Morden? Und warum verstümmelt er die Frauen bis zur Unkenntlichkeit? Der Täter geht sehr geplant, brutal, rücksichtslos und kaltblütig vor. Spuren von ihm sind keine zu finden. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit ¿ Bisher habe ich "Die Macht der Rache" von H. C. Scherf gelesen und wurde förmlich in die Handlung des Thrillers hineingezogen. Deshalb war ich schon sehr gespannt, wie es mir mit dieser Reihe um die Ermittler Liebig und Mosen gehen würde. Die 3 vorhergehenden Fälle habe ich leider noch nicht gelesen, was ich jedoch gerne nachholen möchte. Der Schreibstil ist auch in "Die Rache bleibt" eher nüchtern, aber packend gehalten und das Augenmerk liegt auf der Ausarbeitung der Charaktere - weniger auf Nebensächlichkeiten. Das erhöht meiner Meinung nach die Spannung und führt dazu, dass die/der Leser/in durch die Handlung getrieben wird. Die Sichtweise des Täters kam erst zur Mitte des Buches zur Sprache, so dass er im Dunkeln blieb. Allerdings hat mich eine Rückblende auf Geschehnisse einige Jahre zuvor auf seine Spur gebracht - ganz sicher war ich mir ab dem 20. Kapitel. Das minderte meine Lesefreude etwas. Nichtsdestotrotz habe ich mich prima unterhalten und dem Ende der Ermittlungen entgegengefiebert. Zum Ende des Buches hin hat sich die Spannung noch gesteigert und es wurde so dramatisch, dass ich immer wieder Gänsehaut bekam. Die Auflösung des Falles ist nachvollziehbar und logisch ausgearbeitet. Für mich bleibt dieser Thriller etwas hinter "Die Macht der Rache" zurück. Doch letztlich fand ich ihn sehr spannend, bisweilen sehr grausam und erschreckend, wenn man bedenkt, wie sich über Jahre hinweg ein Doppelleben führen lässt, ohne dass es auffliegt. Die beiden Hauptpersonen Liebig und Momsen sind mir sympathisch und kommen - wie auch ihre Kollegen - sehr authentisch rüber. Den Zusammenhalt innerhalb des Kommissariats und auch der Rückhalt durch den Vorgesetzten Rösner finde ich glaubhaft erzählt. Ihre Emotionen und Handlungen waren menschlich und die feine Dosis Privatleben ergänzt das Bild gekonnt. Vor allem Peter Liebig wurde vom Autor an die Grenzen des Erträglichen und fast schon darüber hinaus geführt. Die Motive des Täters sind für mich bis zu einem gewissen Grad sogar nachvollziehbar, auch wenn sie das schlimm anhören mag. Doch es spricht dafür, dass der Autor seinen Charakter und sein Leben so gekonnt ausgearbeitet hat, dass ich mich ein Stück weit in ihn hineinversetzen konnte. Auch spricht es für die hohe Qualität des Schreibens, die ich vom Autor schon einmal genießen konnte. Das Zitat eines mexikanischen Indios zu Anfang des Thrillers bringt die Handlung auf den Punkt, so dass ich dieses als Titel für meine Rezension verwende. Die drei Vorgängerbände stehen auf jeden Fall auf meiner Leseliste. Ich hatte jedoch nicht das Gefühl, dass sie eine Voraussetzung für das Verständnis dieses Teiles sind.

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Klappentext: Großmutter, Mutter und Tochter. Dazwischen zwei Kontinente, ein Jahrhundert und ein Geheimnis, das die Familie zerreißt: Marys Großmutter Rosa wird wie eine Heilige verehrt. Wenn Mary nach dem Grund fragt, bleibt ihre strenge Mutter Erika stumm. Wollte sie doch mit der Flucht nach Australien in den 1940er Jahren alles hinter sich lassen. Als alte Frau kehrt Erika in ihre Heimat zurück, und die Erinnerung kommt mit aller Macht wieder. Sie erzählt, und ihre Tochter Mary begreift, warum für die Frauen ihrer Familie Liebe immer nur Verlust bedeutet hat. Beatrix Kramlovsky erzählt mitreißend die Geschichte dreier starker Frauen, die sich im 20. Jahrhundert in den Zerwürfnissen, den beiden Weltkriegen und dem entbehrungsreichen Zeiten danach behaupten mussten. Dabei scheinen Rosa, ihre Tochter Erika und ihre Enkelin Mary sehr unterschiedliche Wege zu gehen und doch zieht sich ihre Stärke und die Liebe wie ein rotes Band durch ihren Lebenslauf. Die Geschichte der 3 Frauen beginnt mit der Erkrankung von Ricky. Nach vielen, gemeinsamen Jahren mit ihrem geliebten Mann in Australien kehrt sie nach dessen Tod in ihre geliebte Heimat Österreich zurückgekehrt. Dorthin holt sie ihre Tochter Mary, die ihre Leben von Kindesbeinen an in Australien verbracht hat und nur widerwillig nach Österreich fliegt. Mit der Heimat ihrer Mutter Erika verbindet sie gar nichts und auch ihre strenge, kühle Mutter ist ihr fremd. Die beiden trennen Welten nicht nur in geografischer sondern auch in emotionaler Hinsicht. Pflichtbewusst lässt Mary ihren Partner und ihre Tochter in Australien zurück, um sich auf das Abenteuer Erika und die Vergangenheit ihrer Großmutter Rosa einzulassen. Mit der Zeit erfährt Mary sehr viel über die beiden Leben und die Geheimnisse ihrer starken "Vorfahrin", die zu einer Art Lichtgestalt in einem Bergdorf und unter den Arbeitern dort wurde. Die Sprunghaftigkeit des Romans erinnert an die Demenzerkrankung von Erika, auch Ricky/Rikki genannt. Anfangs tat ich mich damit etwas schwer, denn die Autorin wechselte zwischen Mary und Erika hin und her und ebenso zwischen den Zeiten. Es erforderte meine ganze Aufmerksamkeit, um in der Geschichte nicht den Faden zu verlieren. Das Stilelement "Zeitsprünge" passt jedoch hervorragend zur Erkrankung von Erika und mit der Zeit habe ich mich ganz gut daran gewöhnt. Die Charaktere der drei Frauen sind sehr anschaulich beschrieben und meine anfängliche Abneigung gegen Erika hat sich im Laufe des Lesens gegeben. Ich konnte sie immer besser verstehen und ihre Handlungen nachvollziehen. Am meisten hat mich Rosa (Herma) imponiert. Wie sie als kultivierte Frau ein Leben in der Abgeschiedenheit eines Bergdorfes als Frau des Fabrikleiters geführt hat und dabei die Sympathie der Bewohner gewonnen hat, war wunderbar beschrieben. Ihre große Liebe zu ihrem Mann Josef war bedingungslos, aber auch ihr Einsatz für andere Menschen. Diese Zeit ist so bildlich beschrieben, dass ich mich schnell mit Rosa anfreunden konnte und ein inneres Bild von ihr hatte. Ohne viel über den Inhalt vorwegzunehmen, möchte ich noch anmerken, dass es erstaunlich ist, wie sich Handlungen, Gefühle und Ängste von Generation zu Generation übertragen. Teilweise sind die Auswirkungen unbegreiflich und schwer nachvollziehbar, solange man der Geschichte der einzelnen Personen nicht auf den Grund geht. Die Themen Verhältnis Mutter/Tochter, Familie und Heimat regen sehr zu nachdenken über meine eigene Geschichte an. Vor Kurzem habe ich "Kriegsenkel" von Sabine Bode gelesen und der Roman hat mir erneut vor Augen geführt, wie sehr generationsübergreifende Erlebnisse Menschen und die Beziehungen untereinander prägen können. In "Die Lichtsammlerin" sind ganz selbstverständlich Informationen z. B. über die Besatzungszeit und die Aufteilung Österreichs in Zonen eingeflochten, die für mich völlig neu waren. Das wiederum hat mich dazu gebracht, in Internet darüber nachzulesen. Mir hat dieser anspruchsvolle Roman gut gefallen und ich kann gerne eine Leseempfehlung aussprechen.

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