eBook.de : Ihr Online Shop für eBooks, Reader, Downloads und Bücher
Connect 01/2015 eBook-Shops: Testsieger im epub Angebot, Testurteil: gut Die Welt: Kundenorientierte Internetseiten Prädikat GOLD
+49 (0)40 4223 6096
€ 0,00
Zur Kasse

Alle Rezensionen von anyways

Seite 1 / 16
cover
Ein grauenhaftes Verbrechen ereignet sich an Heiligabend in der Norrländischen Stadt Hudiksvall. Die kleine Stadt zählt nur 16.000 Einwohner, einer ihrer prominentesten ist Måns Sandins. Gerade erst hat er seine Fußballkarriere beendet und seinen letzten Verein, den FC Florenz verlassen, um mit seiner Familie in seiner Heimatstadt sesshaft zu werden. An Heiligabend ist er unterwegs um noch ein paar Kleinigkeiten zu besorgen, als er zurückkommt liegt seine Frau erschossen im Badezimmer und seine beiden kleinen Kinder sind völlig verstört. Auch Kommissar Johan Rokka kehrt in seine Heimatstadt Hudiksvall nach vielen Jahren in Stockholm zurück. Wie das in so einer kleinen Stadt ist, Jeder kennt Jeden. Måns Sandins war sein Freund im Fußballverein, damals als sie noch Kinder und Jugendliche waren. Jetzt muss Rokka den Tod an dessen Frau Henna aufklären und sein ehemaligen Spielerfreund ist als Ehemann klar verdächtig. Keine leichte Sache. "Der Schmetterling" ist der Auftakt zu einer Krimiserie um den Kommissar Johan Rokka, den ich für sehr gelungen halte. Skandinavische Krimis zeichnen sich oft durch sympathische Ermittler mit realistischem Arbeitspensum und nachvollziehbaren privaten Sorgen und Nöten (in der Regel nicht die typischen Alkohol- und/oder drogensüchtigen Ermittler)aus, die sehr bemerkenswerte komplexe Verbrechen aufklären müssen. "Der Schmetterling" reiht sich da mühelos ein. Aus unterschiedlichen Perspektiven kommen sowohl die Teammitglieder des Kommissariats, Verdächtige, Zeugen und sogar die Verstorbene zu Wort. Nach dem dramatischen Anfang flacht die Story, durch die Vorstellung der vielen Mitwirkenden, erst einmal ab. Lange weiß man, ebenso wie die Ermittler (die fast vollständig im Dunkeln tappen) nicht, in welche Richtung ermittelt wird, da einfach zu wenig Beweise vorliegen. Nach und nach kommt jedoch Bewegung ins Spiel. Die verschiedenen Handlungstränge, die recht vielschichtig aufgebaut sind, laufen am Ende doch zusammen und geben ein schlüssiges Bild ab. Ein paar Dinge haben mich an diesem Krimi jedoch auch irritiert bzw. gestört. Der Schmetterling, der ja auch namensgebend für den Titel des Buches ist, taucht nur am Rande auf und ist für die Handlung fast irrelevant und Gariella Ullberg Westin hat nicht ganz so viel Geschick in der Charakterisierung ihrer weiblichen Mitwirkenden. Die sind mir allesamt zu launenhaft, wankelmütig, instabil oder karrieresüchtig dargestellt. Keine dieser Frauen sind mir deshalb sympathisch geworden bzw. konnte ich ihre Handlungen nachvollziehen. Fazit: Ein gelungener Auftakt zu einer neuen Krimireihe, deren weibliche Darsteller noch ein kleines Update nötig haben.

cover
King¿s Polar, der Landsitz der Familie Gray. Jedes Jahr zu Weihnachten trifft sich die Familie, auf Weisung ihres Familienoberhauptes Adrian Gray. Kein friedliches und besinnliches Familienfest wird hier zelebriert, sondern es treffen versnobte Egozentriker, darunter ein angehender Politiker, ein Finanzspekulant und ein verarmter Künstler aufeinander, die eins verbindet Macht, Ansehen und Geld. Von letzterem haben einige in der letzten Zeit viel verloren und so hoffen sie auf finanzielle Zuwendung des Alten, doch der ist allgemein als geizig bekannt. Adrian Gray hat sechs lebende Kinder, zusammen mit deren Partnern bzw. Partnerinnen und der Mutter von Adrian Gray sind 11 Personen anwesend, die Überzahl an Bediensteten mal ausgenommen. Am Weihnachtsmorgen wird einer von ihnen nicht mehr leben. Dieses Buch wurde für Leser von Agatha Christie und Dorothy L. Sayers angepriesen. Da mir beide Schriftstellerinnen nicht unbekannt sind, habe ich mich hier angesprochen gefühlt. Leider war meine Erwartungshaltung wohl zu groß, erfüllt wurde sie von diesem Buch nicht. Das lag zum einen daran, das eine für mich schier unübersichtliche Zahl an Personen agierte, die sich charakterlich, bis auf einzelne Ausnahmen, nicht unterschieden, bis ich die Personen so halbwegs identifizieren konnte waren zwei Drittel des Buches schon gelesen. Auch empfinde ich diesen nicht unbedingt als Kriminalroman, denn zu keiner Zeit trat für mich eine besondere Spannung auf. Nach einem Fünftel des Buches steht schon fest wer der Mörder ist, und dieser Umstand ließ meine Aufmerksamkeit noch weiter sinken. Die Autorin fokussiert sich bewusst auf den Täter, wie man auch dem Nachwort entnehmen kann, das tut sie für mich jedoch zu inkonsequent. Fazit: Ein Kriminalroman mit Defiziten im Spannungsaufbau.

cover
Jeden Tag, von 16:oo Uhr bis 1:00 Uhr nachts sitzt die Polizeireporterin Harper McClain in der Redaktion der Daily News, einer örtlichen Zeitung in Savannah, und lauscht dem Polizeifunkscanner. Sie wartet auf Codes, die wenn man sie entschlüsseln kann, sich auf Bandenkriminalität, Mord usw. beziehen. Hört sie von so einem Fall, versucht sie zusammen mit ihrem Kameramann Miles so schnell wie möglich zum Tatort zu kommen, denn die Deadline für die Morgenausgabe sitzt ihr jeden Tag im Nacken. Auf ihren nächsten spektakulären Fall wird nicht sie selber aufmerksam, sondern Miles, der beordert sie zu einem Tatort in einer gehobenen Wohngegend, eine junge Mutter wurde brutal erstochen. Sie hinterlässt eine 12 jährige Tochter. Als Harper am Tatort ankommt, hat sie sofort ein Déjà-vu- Erlebnis. Auch sie ist in einer ähnlichen Wohngegend (nicht ganz so luxuriös) aufgewachsen, als sie dann noch hört, das die Tochter ihre ermordete Mutter fand, ist sie alarmiert, denn Harper hat ähnlich grausames durchmachen müssen. Sofort ist sie entschlossen die Grenzen zu übertreten und den Tatort zu inspizieren, sie muss einfach wissen ob der Mörder ihrer Mutter, der nie gefasst wurde, wiedergekehrt ist. Nach über 15 Jahren. Christi Daugherty "Echokiller" ist ein absolut spannendes Debüt. Ein Thriller, den ich kaum aus der Hand legen konnte, weil er alles beinhaltet was ich an diesem Genre mag. Eine zugkräftige Protagonistin, nicht zu viele, dafür gut skizzierte Nebenrollen, eine kleine Liebesgeschichte und vor allem eine abwechslungsreiche fesselnde Story. Ihre Protagonistin Harper hat für mich viel Ähnlichkeit mit Liza Marklund¿s Annika Bengtson und Janet Evanovich`s Stephanie Plum. Vielleicht war sie mir deshalb sofort sympathisch. Auf den ersten siebzig Seiten legt die Autorin viel Wert auf die Charakterzeichnung und Arbeitsmethoden von Harper. Da sie dies innerhalb eines anderen spektakulären Falls macht, wirkt es nicht störend oder ausufernd. Danach geht es aber rasant mit dem eigentlichen Mordfall weiter. Mehrfach hat man das Gefühl, Harper verrennt sich in ihrer Fixierung auf den alten, ihr Leben verändernden, Mordfall. Christi Daugherty bekommt jedoch jedes Mal eine Wendung hin die dramatisch und aufregend ist. Gekonnt fängt die Autorin die Atmosphäre der Südstaaten-Stadt Savannah ein und lässt Harper in dieser schwül-heißen Klima agieren. Dabei hat sie jede Menge Verbündete aber auch jede Menge Gegenspieler die teils offensichtlich oder im geheimen operieren. Wie es sich für eine (fiktive) Journalistin gehört, überschreitet sie nicht selten Grenzen und macht sich damit weiter Feinde. Fazit: Eine abwechslungsreiche, fesselnde Story mit einer sympathischen Protagonistin.

cover
Eine Frau, deren Regentschaft als viktorianisches Zeitalter bezeichnet wird, muss einfach außergewöhnlich gewesen sein. Zur damaligen Zeit war der Thron, anders als jetzt, nicht nur ein repräsentatives Amt. Es wurde direkt Einfluss auf das politische und gesellschaftliche Leben genommen und ganz nebenbei, natürlich abgepuffert durch unzählige Bedienstet und Lakaien, wurde eine große Familie gegründet. Frau und Mutter zu sein ist heute schon eine enorme Herausforderung für jede Frau. Für eine Königin die während ihrer Regentschaft fast ausschließlich von Männern begleitet wurde, muss das nicht minder anspruchsvoll gewesen sein. Julia Bairds Biographie der Victoria ist ein sehr umfangreiches Werk, aufgebaut wie eine Dissertation, allein das Quellenverzeichnis macht ein Fünftel des Buches aus. Die Autorin zeichnet den Lebensweg der Monarchin nach, von der vaterlosen Kindheit und Jugend, über die Krönung, die Heirat mit einem deutschstämmigen Prinzen und die darauf folgende Familiengründung, der Trauer um ihren Mann und ihre Regentschaft in der sie aktiv politisch mitwirkt. Das Buch ist mit reichlich Bildmaterial unterlegt, es kommen jedoch nicht nur engste Vertraute Victorias zu Wort, sondern auch berühmte Zeitzeugen wie Charles Dickens, Winston Churchill, Mark Twain, Florence Nightingale u.v.m. Beindruckend fand ich auch, dass die Autorin viele Entscheidungen, die Victoria während ihrer Regentschaft trifft, recht ausführlich in den geschichtlichen Kontext bringt. Es werden die prekären Arbeits- und Lebensbedingungen der armen Bevölkerung geschildert. Der hohe Anteil an Kinderarbeit (tlw. sind Vierjährige in den Erzgruben beschäftigt worden), desolate Wohnverhältnisse, grassierende Seuchen, die durch hygienische Missstände immer wieder ausbrechen und ganz besonders hart die ärmere Bevölkerung treffen. Für mich ist dieses Buch eine umfangreiche Schilderung der politischen Lage Europas des 19.Jahrhunderts. Viele politische (Fehl)Entscheidungen die dort getroffen wurden haben direkte Auswirkungen auf das 20. Jahrhundert und mittendrin eine emanzipierte Monarchin, die die Macht und Einflussnahme ihrerseits fordert, der weiblichen Bevölkerung aber erst zum Ende ihrer Regentschaft einige Zugeständnisse hinsichtlich ihrer Selbstbestimmung macht. Genau diese Ambivalenz macht Julia Baird mehrfach zum Thema. "Victoria" ist eine Biographie, die man nicht so nebenbei durchliest, auf dieses Buch muss man sich bewusst einlassen. Für Leser mit einer Vorliebe für sehr gut recherchierte Geschichte, ein absolutes Muss. Ein Manko, das ich nicht in die Bewertung mit einfließen lasse (weil ich das der Autorin gegenüber ungerecht empfinden würde), sind die enormen Fehler in der Rechtschreibung und Grammatik. Ich kann jetzt nicht genau sagen ob das eventuell an der Übersetzung liegen könnte. Es sind jedenfalls so viele, dass ich mich, die sowas sonst gerne überliest, sehr gestört fühlte. Hier sollte vom Verlag noch einmal nachgebessert werden.

cover
Wien im März Strafverteidigerin Evelyn Meyers und ihr junger Assistent Florian Zock nehmen einen außergewöhnlichen Fall an. Michael von Kotten, jüngster Spross des von Kotten Familienclans, soll eine Woche zuvor seinen Liebhaber in dessen Penthouse umgebracht haben. Die Tat leugnen wird schwer fallen, denn es gibt ein Video und darauf ist Michael zu sehen. Das Opfer ist ein Mitarbeiter von Richard von Kotten, Michaels Vater. Richard von Kotten hingegen ist ein Multimillionär, der seinen immensen Reichtum seinem Schwiegervater und dem Aufbau von unzähligen Spielkasinos zu verdanken hat. Bevor Evelyn Michaels Fall übernimmt, pocht sie auf uneingeschränkte Ehrlichkeit von Michael ihr gegenüber und doch spürt sieinstinktiv, dass ihr ihr neuer Mandat einiges an Lügen auftischt. Leipzig zur selben Zeit Unterdessen kommt Walter Pulaski, Kommissar beim Kriminaldauerdienst, an einem Tatort in dem etwas schäbigen und zwielichtigen Motel in einem Leipziger Vorort an. Ein Mann hat sich mit einer Schere im Innenohr verletzt und ist an diesen Verletzungen gestorben. Auffällig sind die Leichenblässe des Mannes und das fast vollständige Fehlen von Totenflecken. An einen Unfall mag Pulaski gar nicht so recht glauben. Schon gar nicht als er den Toten erkennt. Es ist der Vater, der Freundin seiner Tochter Jasmin. Beide Mädchen drängen ihn den Fall weiter zu verfolgen, doch dieser wird schon ans LKA abgegeben. Da versuchen sich die beiden Mädchen, sehr zu Walters Entsetzen, als Detektivinnen. Dies ist mein erstes Buch um das Duo Evelyn/ Pulaski, obwohl es in diesem Teil wohl eher ein Trio zu sein scheint. Trotzdem ich die anderen beiden Bücher nicht gelesen habe, bin ich von Anfang an gut in die Story reingekommen. Ich hatte nie das Gefühl irgendetwas verpasst zu haben, wie es ja manchmal sein kann, wenn man mit einer Reihe mittendrin anfängt. Das liegt vielleicht auch daran, dass Gruber ziemlich lange die beiden Schauplätze Wien und Leipzig getrennt laufen lässt. So können sich beide Stränge komplett entfalten. Lange Zeit wird man als Leser auch im Dunkeln gehalten, wie Pulaski/Meyers und Zock zusammen ermitteln sollten, weisen die Verbrechen doch keinerlei Gemeinsamkeiten auf. Die Charaktere die der Autor kreiert, heben sich aus der Masse der unzähligen Ermittler auch im positiven Sinne ein wenig heraus. Da gibt es zum einen die junge und ehrgeizige Anwältin die aber nicht zu verbissen ihrem Beruf nachgeht, sympathisch ist und einen tollen Musikgeschmack hat. Zum anderen den zwar etwas verknitterten, sturköpfigen und vor Zynismus triefenden alten Hasen Walter, der aber durch seine Vaterrolle und den Problemen die ein solcher mit einer pubertierenden Tochter mitunter hat, ebenfalls sympathisch ist. Es ist auch mal ganz angenehm einem Nicht-Trinker zu folgen. Auf fast sechshundert Seiten gibt es von Anfang an Spannung pur, die sich im letzten Drittel sogar noch um einiges steigert. Der Schreibstil ist zwar kompakt jedoch flüssig, die Spannungsbögen sind so gut gesetzt, dass man nicht aufhören möchte zu lesen. Das verstehe ich wirklich nicht, warum ich, die dieses Genre ja bevorzugt liest, noch nie ein Buch von Herrn Grube gelesen habe. Dies wird sich nun ändern. Fazit: Ein komplexer, atmosphärisch dicht geschriebener Thriller mit sympathischen Protagonisten.

cover
1963 Der 2. Weltkrieg und die Nachkriegszeit sind lange vorbei. Das Wirtschaftswunder hat, zumindest in Westdeutschland, für einigen Wohlstand quer durch die Bevölkerungsschichten gesorgt. Da holt Deutschland sein grausigstes Verbrechen wieder ein. Fast 20 Jahr nach Kriegsende kommt es in den Jahren 1963-1965 zum ersten Auschwitzprozess. Hier siedelt die Autorin ihre Geschichte um die junge Dolmetscherin Eva Bruhns an. Die Mittzwanzigerin lebt mit ihrer älteren Schwester, dem viel jüngeren Bruder und ihren Eltern über der elterlichen Gaststätte "Deutsches Haus" zusammen. Eva fiebert mit viel Aufregung dem Antrittsbesuch ihres Freundes Jürgen entgegen, wird er an diesem Adventssonntag um ihre Hand anhalten? Der Mittagstisch ist gerade aufgehoben, da erreicht Eva ein Anruf ihres Vorgesetzten. Sie wird dringend bei einer deutsch-polnischen Zeugenbefragung benötigt, da es Ausreiseschwierigkeiten beim polnischen Dolmetscher gab. Als reine Wirtschaftsdolmetscherin hat sie zuerst Schwierigkeiten die Erzählungen des Zeugen Josef Gabor richtig zu interpretieren. Als sie das ganze Ausmaß begreift, der Zeuge spricht von Vergasungen, Folter und Erschießungen ist sie entsetzt. Sie möchte gerne mit ihren Eltern und ihrer Schwester über das Erlebte sprechen, doch dort stößt sie auf totales Unverständnis. Der Krieg ist schon so lange her, und alle hatten es schwer. Eva ist irritiert, gibt den Wunsch, diesen Übersetzerjob zu beenden, jedoch nicht nach. Auch nicht als ihr Verlobter gegen sie insistiert. Während in der DDR schon seit deren Gründung eine gewisse Gleichstellungspolitik gefahren wurde, war dies in den alten Bundesländern nicht so. Die Emanzipation war staatlicherseits nicht gefördert oder gewollt. Für mich ist es deshalb immer etwas befremdlich zu lesen, wenn die Frau ihre Eltern um Erlaubnis fragen muss, ob sie arbeiten gehen darf. Sogar der Verlobte, rein rechtlich eigentlich völlig unverständlich, kann Veto einlegen und seiner Verlobten die Arbeitserlaubnis verweigern. In diesem Jahrzehnt keimt aber so langsam die Emanzipationswelle in den alten Bundesländern auf und unsere Protagonistin verwandelt sich im Laufe dieses Prozesses von einem wohlbehüteten, leicht naivem Mauerblümchen zu einer selbstbewussten jungen Frau. Die Autorin nimmt sich der dunkelsten und schwärzesten Geschichte Deutschlands an, und das absolut überzeugend. Opfer, Täter, Mitläufer, Wegseher, Denunzianten und Gerechtigkeitsfanatiker alle bekommen eine Geschichte die glaubwürdig (das liegt auch daran, dass die alten Prozessaufnahmen verwendet wurden) ist. Die Täter die jegliche Schuld von sich weisen. Die Opfer die sich den Grausamkeiten nach zwanzig Jahren erneut stellen müssen, ihren Peinigern wieder gegenübersitzen, die sie in der Regel nur verhöhnen. Und Schlussendlich kann man mit den Urteilsverkündungen nicht zufrieden sein. Annette Hess zeigt anhand der Familie Bruhns wie Schwierig die Aufarbeitung dieser Verbrechen sogar in der eigenen Familie sein kann. Ein Buch das tief bewegt und eine Geschichte wiederaufleben lässt die man nie vergessen darf.

cover
Tragödien bestimmen das Leben von Detective Sergeant Solomon Gray, nicht nur beruflich bedingt, sondern auch privat. Vor 10 Jahren verschwand während eines gemeinsamen Jahrmarktbesuchs sein kleiner Sohn Tom. Bis heute fehlt jede Spur von ihm. Solomons Frau nahm sich daraufhin das Leben. Er selbst hingegen stellt sich die Frage eines möglichen Suizides nicht, denn er hat noch viele Fragen. Familiär auf sich allein gestellt, da er zu seiner Tochter Hope auch kein Verhältnis mehr hat, betäubt er sich mit Arbeit. Dabei sind das in der Regel scheußliche Verbrechen. Wie in seinem neuesten Fall, dort hat ein Jugendlicher sich in suizidaler Absicht vom Balkon gestürzt. Als Gray am Unfallort eintrifft stockt ihm der Atem, denn der Junge könnte in etwa Toms Alter haben. Doch warum hatte der Tote, den Grey bis dato noch nicht gesehen hatte, seine Handynummer eingespeichert? Keith Nixon hat mit seiner Figur des Gray den Stereotypen schlechthin gezeichnet, ich möchte schon bald sagen überzeichnet. Ein Mann der psychisch durch persönliche Tragödien zerstört ist, jedoch trotzdem den erfolgreichen einsamen Wolf mimt, der dann tatsächlich den Mordfall löst. Diese Konstellation muss nicht unbedingt schlecht sein, und diverse andere Autoren des Genres schaffen es einen guten Krimi zu konzipieren. Keith Nixon kann mich jedoch nicht überzeugen. Die reale Aufklärung eines Verbrechens ist anders als in der Literatur, Teamarbeit. So wie der Charakter des Gray überzeichnet ist, sind es alle anderen Mitwirkenden auch. Alle scheinen irgendwie ein falsches Spiel zu spielen, keiner traut dem anderen und Auseinandersetzungen werden in der Regel physisch beendet. Man hat das Gefühl sich permanent in eine Kneipenschlägerei zu befinden. Ein wirklich vielversprechender Ansatz der sich nach den ersten Seite ergibt, doch leider setzt der Autor dies für mich nicht um. Sämtliche Spannungsbögen werden schon in der Entstehung gekappt. Dabei gibt es wirklich viel Potenzial, diverse Morde und diverse auch politische Skandale, doch verläuft irgendwie alles im Sande. Mir fehlt eine gewisse Struktur. Genauso wie der Leser tappen die Ermittler im Dunkeln, was die Verbindung zwischen den Morden betrifft. Der Autor gibt so gut wie gar keinen Spielraum zum miträtseln. Deswegen dümpelt die Geschichte auch bis auf Seite 210 vor sich hin. Die eigentliche Aufklärung hingegen ist unspektakulär .

cover
Die zwei ....... Leben der Florence Grace Die raue Landschaft Cornwells mit ihren Hügeln und Mooren ist die Heimat der jungen Florrie Buckley. Ihre Mutter verlor sie schon kurz nach ihrer Geburt, ihren geliebten Vater mit acht Jahren. Nun wächst sie wohlbehütet und mit Liebe überschüttet bei ihrer Großmutter Nan auf, wird sowohl von der jungen engagierten Lehrerin Lacey und der alten Rilla, der Dorfhexe, unterrichtet. Doch Nan¿s Gesundheitszustand verschlechtert sich mit den Jahren. Am Sterbebett, Florrie ist jetzt ein Teenager, eröffnet ihr die Großmutter, das es noch eine andere Familie gibt, berüchtigt und sehr wohlhabend, und Nan diese kontaktiert hat, um Florrie in deren Hände nach ihrem Tod abzugeben. Nach Nan¿s Tod findet sich Florrie plötzlich in der Metropole Londons wieder, die sich so völlig von ihrem bisherigen Leben auf dem Land unterscheidet, wieder. Von Anfang an glaubt sie hier in der reichen, unnahbaren und fast feinseligen Familie nie glücklich zu werden. Lediglich ihre beiden Cousins Sanderson und Turlington geben ihr in dieser Zeit ein wenig Halt. Tracy Rees hat mich schon mit "Amy Snow", ihrem Debüt sehr berührt, so dass ich auch ihr zweites Buch unbedingt lesen wollte. Auch in diesem entführt sie uns ins viktorianische Zeitalter und erzählt eine Aschenputtel Geschichte mal anders und ganz neu. Auf der einen Seite das karge, entbehrungsreiche jedoch glückliche Leben auf dem Land und auf der anderen Seite die gesellschaftlichen Zwängen und Dogmen einer fast falsch verstandenen Heraufbeschwörung von Traditionen in einer Familiendynastie, in dem jedes Familienmitglied seine dunklen Geheimnisse hat und eigene manchmal fast undurchschaubare Ziele verfolgt. Eine wunderbare Geschichte um Liebe, Familie und Freiheitswillen. Gerade letzterer ist für eine junge Frau am Ende des 19. Jahrhunderts fast unmöglich bis unwahrscheinlich ihn auszuleben. In ihrem mitreißenden Schreibstil lässt ihn die Autorin, durch ihre bezaubernde Protagonistin, möglich werden. Das "alte" London ersteht in diesem Roman wieder auf, sowohl die dunklen berüchtigten Orte als auch die noblen Viertel. Tracy Rees beweist hier durch viele kleine Erzählstränge eine außerordentlich gründliche Recherche des damaligen Lebens. Ebenso begeistert war ich von den Naturschönheiten Cornwells. Ein bisschen eine Darstellung von Licht und Schatten, man ahnt das letzteres wohl eher auf London zutrifft. Eine tragische, verzehrende und fast aussichtslose Liebe runden das Bild einer zauberhaften Lektüre ab, in der man sich regelrecht vergraben kann.

cover
Lotta Fiore und Konrad Fürst, das Duo aus den ersten beiden Büchern ermittelt wieder. Nachdem Konrad aus dem Koma erwacht ist und seine Reha abgeschlossen hat, werden er und Lotta wieder in den Polizeidienst aufgenommen, so wie ihnen das der Polizeichef Krump versprochen hat. Nur sollen sie gar nicht die Kollegen unterstützen, eher sollen sie aus der Schusslinie sein und sich um Vorträge über Ermittlungsarbeit kümmern. Damit sind beide nicht wirklich einverstanden und daher bietet sich die Gelegenheit, dem Büroalltag zu entfliehen, als sie zum suizidalen Ableben eines Reporters berufen werden. Beim zufälligen Durchsehen der Post des Toten, fällt Lotta ein Zettel in die Hände auf dem nicht nur ihr richtiger Name sondern auch ihr Entführungsdatum steht. Woher wusste der Tote dies? Panische Angst macht sich in Lotta breit. Wird das Unfassbare passieren und ihre wahre Geschichte ans Licht kommen und womöglich von der Presse und der Öffentlichkeit zerrissen werden? Ich konnte dem Erscheinungsdatum dieses Kriminalromans gar nicht genug entgegenfiebern, freute ich mich doch auf ein Wiedersehen mit all den Protagonisten, die mir, wenn schon nicht sympathisch, doch äußerst fascettenreich beschrieben wurden und somit für mich sehr interessant waren. Der Einstieg und die "Tatortbegehung" auf den ersten Seiten entsprachen dann ganz meinen Erwartungen. Doch leider sollte dies in meinen Augen schon genug Spannung sein, die nächsten annähernd zweihundert Seiten verliert sich die Autorin zu sehr in der Vergangenheitsbewältigung ihrer Protagonistin. Was mir in den ersten beiden Büchern spannungsreich und unterhaltend zugleich erschien, war mir jetzt nicht mehr ansprechend genug. Die endlosen Gedankenschleifen um die so übergroße Mutter der Protagonistin wurden mir zu viel. Das nicht ganz nachvollziehbare Verhalten von Lotta, die aus allem und jedem ein übergroßes Geheimnis macht, Dinge verschweigt, extrem eifersüchtig ist, allerdings von allen anderen um sie herum erwartet sich rational zu verhalten, ermüdete mich zwischenzeitlich so stark, dass ich mehrfach das Buch weglegen musste und ernsthaft bezweifelte es je zu Ende zu lesen. Einen Kriminalroman kann und sollte man nicht mit einem Thriller gleichsetzen, doch ein paar Spannungsbögen erwarte ich hier doch und das nicht nur auf den letzten zwanzig Seiten. So ausführlich das Seelenleben der Protagonisten teilweise geschildert wird, fehlt mir diese Ausführlichkeit dann am Schluss, das Motiv des Täters war für mich nicht wirklich nachvollziehbar.

cover
Zwei vom Schicksal gebeutelte Detektives , denen man eine (letzte) Chance gibt, finden ihre neue Arbeitsstelle im Keller. "Cold Cases", ungelöste alte Mordfälle, damit dürfen sich die Beiden jetzt beschäftigen. Für Gabe, der bei einem tragischen Segelbootunfall seinen Schwager, den Zwillingsbruder seiner Frau verlor, und mit ihm im Nachhinein auch seine ganze Familie, besteht ebenfalls die Verpflichtung sich seinem Alkoholproblem zu stellen. Marta Rodriguez-Johnson hat mit anderen Dämonen zu kämpfen. Die alleinerziehende Witwe eines Marines erschoss ohne Absicht ihren langjährigen Partner wären einer Drogenrazzia. Ein Trauma über das weder sie noch ihre Kollegen aus dem Drogendezernat hinweg kommen. Beide sichten jetzt die schier endlosen Aktenstapel alter ungelöster Mordfälle, haben allerdings Schwierigkeiten Anknüpfungspunkte für ein erneutes Aufrollen der Fälle zu finden. Bis Marta nach schier endlosen Wochen des Aktenstudiums vier Fälle auffallen, die eine gewisse Ungewöhnlichkeit darstellen. Vier Mordfälle aus dem Jahr 1997 die anscheinend von unterschiedlichen Tatwaffen und Mördern begangen wurden. Die einzige Gemeinsamkeit sind bei allen vier Fällen dieselben ermittelnden Beamten. Das ist das eigentlich ungewöhnliche, die beiden Beamten hatten eine immense Erfolgsquote, galten als unschlagbares Duo und nur diese vier Mordfälle konnten sie nicht aufklären? Bei ihren weiteren Nachforschungen stoßen sie außerdem auf den Fall der Vermissten Tessa. Ein dreizehnjähriges Mädchen die aus einer noblen Wohngegend verschwunden ist, und deren Leiche auch Jahre später nie gefunden wurde. Hängen die Fälle zusammen? Kaum jedoch das Marta und Gabe versuchen die losen Enden zu verknüpfen gibt es auch schon den ersten Toten¿ John Katzenbach gehört mit Recht zur Elite der Thrillerautoren. Mich wunderte nur die allzu offensichtliche Ähnlichkeit zu Jussi Adler-Olsons Dezernat Q. Ungelöste Mordfälle, Büro im Keller (Verlies) und aufs Abstellgleis verbannte Ermittler. Allerdings zeichnet er beide Protagonisten so ausführlich dass dieses kleine Manko, mir zwar auffiel mich allerdings nicht weiter störte. Der eigentliche Fall (Fälle) ist so verworren und komplex, das man als Leser zusammen mit Marta und Gabe vor einem schier aus unendlichen Teilen bestehenden Puzzles steht. Immer wenn man glaubt in welche Richtung die Auflösung vielleicht liegen könnte, kommt die nächste Wendung. Zwischenzeitlich gibt man die Hoffnung ganz auf, und dann kommt Katzenbachs unglaublich guter Schreibstil dazu, man fliegt förmlich durch die Seiten, das sind mit über 550 Seiten nicht wenige. Fazit: Ein unglaublich spannender Thriller mit einer komplexen Story und einem etwas außergewöhnlichem Motiv des Täters. Nachtrag: Ich könnte schwören, das das Spinnennetz vom Cover nachts im Dunkeln leuchtet.

Seite 1 / 16
Unser Service für Sie
Zahlungsmethoden
Bequem, einfach und sicher mit eBook.de. mehr Infos akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal mehr Infos
Geprüfte Qualität
  • Schnelle Downloads
  • Datenschutz
  • Sichere Zahlung
  • SSL-Verschlüsselung
Servicehotline
+49 (0)40 4223 6096
Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 18.00 Uhr
Chat
Ihre E-Mail-Adresse eintragen und kostenlos informiert werden:
* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.
Bei als portofrei markierten Produkten bezieht sich dies nur auf den Versand innerhalb Deutschlands.

** Deutschsprachige eBooks und Bücher dürfen aufgrund der in Deutschland geltenden Buchpreisbindung und/oder Vorgaben von Verlagen nicht rabattiert werden. Soweit von uns deutschsprachige eBooks und Bücher günstiger angezeigt werden, wurde bei diesen kürzlich von den Verlagen der Preis gesenkt oder die Buchpreisbindung wurde für diese Titel inzwischen aufgehoben. Angaben zu Preisnachlässen beziehen sich auf den dargestellten Vergleichspreis.
eBook.de - Meine Bücher immer dabei
eBook.de ist eine Marke der Hugendubel Digital GmbH & Co. KG
Folgen Sie uns unter: