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Alle Rezensionen von mrs.lucky

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In dem kleinen Ort Ormberg haben Malin und ihre Freunde vor acht Jahren bei einer Geröllhalde ein Kinderskelett gefunden. Aber da niemand wusste, wer das kleine Mädchen war und niemand es als vermisst gemeldet hat, blieben die intensiven Ermittlungen erfolglos. Jetzt ist Malin als Polizistin in ihr Heimatdorf zurückgekehrt mit und wird erneut mit diesem Fall konfrontiert. Nach der Abschaffung der Verjährungsfrist für Mord, wird der Tod des Mädchens noch einmal untersucht. Bereits zu Beginn der Untersuchung verschwindet die Verhaltensforscherin Hanne, die als Unterstützung bei den Ermittlungen mitarbeitet. Als sie im Wald aufgegriffen wird, kann sich niemand erklären, was passiert ist, Hanne selbst, kann sich an den Verlauf der letzten Tage nicht erinnern. Auch von Hannes Partner und Lebensgefährten Peter Lindgren, der ebenfalls mit dem Fall gearbeitet hat, gibt es keine Spur. Tagebuch meines Verschwindens ist eine Geschichte, die aus drei Perspektiven von drei Menschen erzählt wird, die alle mit ihren geheimen Dämonen ringen. Malin, die geprägt von ihrer Vergangenheit in die Heimatstadt zurückkehrt, Hanne, die ihre Krankheit vor der Umwelt zu verbergen versucht und Jake, der sich komisch und irgendwie falsch fühlt. Dazu kommt das fiktive Dorf Ormberg als düstere und winterkalte Kulisse. Im Ort sind alle Läden und Fabriken geschlossen, den übrig gebliebenen verbitterten Bewohnern stößt das in den ehemaligen Gebäuden des Trikot-Königs ansässige Flüchtlingslager sauer auf, sie betrachten die wechselnden fremden Bewohner mit Argwohn und stehen ihnen feindlich gegenüber. Selbst Malin geht es nicht viel anders, auch in ihrem Kopf haben sich Vorurteile den Flüchtlingen gegenüber festgesetzt, gleichzeitig löst die Rückkehr nach Hause eine Flut von Gedanken über ihr eigenes Leben aus und macht es ihr schwer, unvoreingenommen die Ermittlungen anzugehen. Camilla Grebe hat nicht nur einen Krimi geschrieben, sie möchte mit dieser Geschichte den Leser sensibilisieren, sich in die hinein zu versetzen, die als Fremde in unser Land kommen. In ihrem Kommentar am Ende des Buches zitiert sie einen Ausspruch ihrer Krimifigur Malin, der mich während der Lektüre schon sehr bewegt und nachdenklich gestimmt hat. Du könntest die sein, die vor Krieg und Hunger geflohen ist, sagt Andreas zu Malin. Dieser Satz gilt nicht nur Malin, sondern allen von uns. Es ist immer einfacher, dem zu Misstrauen, den man nicht kennt, als sich einzugestehen, sich im eigenen Menschenverstand getäuscht zu haben. Der Krimi ist ganz anders, als ich es erwartet hätte, Hanne spielt eine deutlich kleinere, aber dennoch bedeutsame Rolle im Vergleich zu dem ersten Band Wenn das Eis bricht . Mir gefällt die komplexe und tiefgreifende Geschichte, der Verlauf hat mich an vielen Stellen überrascht, ich werde der Reihe auf jeden Fall treu bleiben und habe erfreut gesehen, dass im schwedischen Original Ende des Jahres bereits Teil 4 um die Profilerin Hanne veröffentlicht wird.

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"Bücherkrieg", der dritte Band aus Akram El-Bahays Reihe um "Die Bibliothek der flüsternden Schatten", bietet einen spannenden Abschluss der Trilogie. Die Handlung schließt direkt an das Ende des Vorgängerbandes "Bücherkönig" an. Die Fabelwesen, die erfolgreich aus der Gefangenschaft in der Bücherstadt Paramythia befreit wurden, sind in der Nähe des Berges, der auch "Tor zum Himmel" genannt wird, versammelt und beraten über ihre Zukunft und ihr weiteres Vorgehen, während Kani Thalia, die steinerner Wüstenhexe auf dem Gipfel des Berges, um Rat fragt. Noch befinden sich die Fabelwesen nicht in Sicherheit, denn die dunkle Sahira Layl ist im Besitz des Buches mit den Geheimen Namen, das sie befähigt, die Fabelwesen in neue Büchergefängnisse hinein lesen zu lassen und der Herrschaft des Weißen Königs zu unterstellen. Sam wird als ehemaliger Dieb dazu bestimmt, in die Stadt einzudringen, um das Buch an sich zu bringen, während der Bücherkönig Nusar mit seiner Armee die Stadt Mythia angreift. Dieser Plan klingt simpel, doch Layls Macht und Gerissenheit stellt die Verbündeten auf eine große Probe. Wie schon in den ersten beiden Bänden haben mich auch hier wieder die bildhafte Sprache und die märchenhafte Welt, die Akram El-Bahay mit seinen Worten erschaffen hat, restlos begeistert. Die Geschichte ist sehr komplex, es hat den Einstieg in den Abschlussband erleichtert, dass auf den ersten Seiten ein paar Rückblenden eingebaut wurden, die die Erinnerung an die Vorgeschichte aufleben lassen. Während insbesondere im ersten Band viele Beschreibungen das Buch dominieren, in dem die märchenhafte Welt zum Leben erweckt wird, überwiegen hier die Aktionen und Hintergrundinformationen, die wichtig sind, um die Geschichte der Fabelwesen und das Wirken der Sahiras zu verstehen. Aber auch hier entfachen die Beschreibungen der vielfältigen Kreaturen und fremdartigen Szenerien immer wieder das Kopfkino und haben vor meinem inneren Auge faszinierende Bilder aufleben lassen. Die Stimmung ist zum Teil düster und bedrückend entsprechend der sich zuspitzenden Lage der Fabelwesen aber auch der Bewohner Mythias. Mir hat es auch hier wieder gefallen, wie lebendig die Charaktere wirken und wie diese Raum bekommen, sich weiter zu entwickeln. Viele Dialoge und auch trotz der überwiegend ernsten Situation ein paar humorvolle Elemente lockern die Geschichte auf, neben spannenden Szenen gibt es viele nachdenkliche Momente. Das Miteinander der verschiedenen Kreaturen lässt sich durchaus auf unsere multi-kulturelle Gesellschaft projizieren. Das Ende wirkt einerseits abgerundet, ist in meinem Augen allerdings ein wenig zu märchenhaft positiv gestaltet. Ansonsten hat mich hat dieses epische Fantasy-Abenteuer rundum überzeugt.

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Arno Strobel ist dafür bekannt, dass er in seinen Psychothrillern gerne mit menschlichen Urängsten spielt und alltägliche Themen in spannende Geschichten verwandelt. In seinem aktuellen Buch Offline wird schon das Grundthema bei vielen Lesern für ein unbehagliches Gefühl sorgen. In der Absicht, 5 Tage lang auf alle digitalen Medien zu verzichten, reist eine Gruppe von 11 Personen in ein teilrenoviertes ehemaliges Bergsteigerhotel am Watzmann, fernab von WLAN-oder Internet-Zugang. Die Gruppe ist bunt zusammengewürfelt, neben den Reiseleitern und einem Bergführer sind unter anderm ein Unternehmerehepaar und vier Mitarbeitern einer Telekommunikationsfirma mit dabei, Personal ist im Hotel lediglich in Person zweier Hausmeister anwesend, die Gruppe ist ansonsten auf sich gestellt. Am ersten Tag überwiegt nach dem anstrengenden Aufstieg die Erschöpfung, der Verzicht von Handy und Co. hält sich für die meisten noch in einem erträglichen Rahmen. Am zweiten Tag jedoch ist es mit der Gemütlichkeit schnell vorbei; ein Mitglied der Gruppe ist über Nacht aus seinem Zimmer verschwunden und wird nach einer Suchaktion in dem verlassenen Teil des Hotels schwer misshandelt aufgefunden, zusätzlich sorgt ein Schneesturm dafür, dass die Gruppe von der Außenwelt abgeschnitten ist. Sie sind komplett offline und auf sich gestellt. In dieser Abgeschiedenheit dauert es nicht lange, bis in der Gruppe das Misstrauen den anderen gegenüber stetig wächst und zu Streit führt oder zu von Panik geleiteten Aktionen führt. Arno Strobel schafft in diesem Thriller eine gruselige Atmosphäre, die mir beim Lesen bisweilen eine Gänsehaut verursacht hat. Es gibt immer wieder überraschende und zum Teil schaurige Entwicklungen, als Leser ist man Beobachter der Szenerie, kann an den Gedanken einiger der Betroffenen teilnehmen und sich so in die sich zunehmend zum Horror entwickelnde Situation hinein versetzen. Ich habe das Buch als sehr spannend empfunden und mochte es kaum aus der Hand legen. Als etwas störend habe ich empfunden, dass die Geschichte in medizinischen Details nicht schlüssig erscheint, außerdem wird insbesondere in der zweiten Hälfte ein großer Teil der Spannung daraus generiert, dass dem Leser Informationen bewußt vorenthalten und die Auflösung immer wieder hinausgezögert wird. Das Ende bot nach einem Zwischenstück mit einiger Stagnation und gefühlt sich wiederholenden Diskussionen, noch eine Art Showdown, der aber letztendlich nicht wirklich überraschen kann. Da die Charaktere im Verlauf des Thrillers bewußt vage gehalten werden, ist die Auflösung zwar schlüssig, die Motivation und die Erklärungen zur Tat habe ich als nicht wirklich überzeugend empfunden.

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In "Blutsbande", dem 7. Band aus Carin Gerhardsens Hammarbyserie, steht das Thema Wasser im Mittelpunkt. Zum einen wird der Stockholmer Stadtteil Hammarby von Katzenmorden heimgesucht, die Katzen sind allesamt ertränkt und werden regelrecht zur Schau gestellt. Dazu kommt der Mord an einer Psychologin, die in ihrem eigenen Haus in ihrer Badewanne ertränkt hat. Zusätzlich hat der Mörder ihr die Zunge abgeschnitten, ein grausiges Detail, das für die Polizei darauf hindeutet, dass sie Tote zum Schweigen gebracht werden sollte. Rückblenden in die Vergangenheit begleiten insbesondere im ersten teil des Buches ein Geschwisterpaar, dessen Mutter unglücklich gestürzt ist bei dem Versuch, die Katze ihrer Tochter aus dem Wasser zu retten und dabei ertrunken. Auch in diesem Teil des Buches spielen Katzen und Ertrinken eine zentrale Rolle. In den Bänden der Reihe kommen das private Umfeld und persönliche Probleme einzelner Team Mitglieder nicht zu kurz. Diesmal erfährt der Leser einiges mehr aus dem Privatleben Gerdins, Jamal Hamad und Petra Westmann sind unmittelbar von den Ermittlungen betroffen, als sich herauskristallisiert, dass das frühere Stalking von Jamals Exfrau Lina direkt mit den aktuellen Morden in Verbindung steht. Die Ermittler haben es mit einigen verschiedenen Schauplätzen und Taten zu tun, die Indizienlage ist dünn, Conny Sjöberg und sein Team brauchen viel Fingerspitzengefühl und Intuition, um der Lösung auf die Spur zu kommen. Dass viele der Ermittler persönlich betroffen sind, erschwert die Konzentration auf die Arbeit und den Blick aufs Wesentliche. Aber auch der Leser wird durch die neuen Erkenntnisse immer wieder auf die falsche Fährte geführt und durch die Entwicklungen überrascht. Carin Gerhardsen liefert wie immer eine spannende und gut geschriebene Geschichte, die hier aber schon etwas zu komplex gerät und am Ende nur durch eine umfassende Erklärung und Zusammenfassung zu einer schlüssigen Auflösung kommt. Zwischendurch waren es mir ein paar Zufälle zu viel, die Ermittlungen wirken zu sehr konstruiert, wenn die Ermittler selbst derart in den Fokus geraten. Insgesamt hat es mir aber wieder gut gefallen, wie die Autorin es versteht, den Spannungsbogen durchweg hoch zu halten, gleichzeitig aber auch Stimmungen gekonnt einzufangen und eine große Nähe zu den Hauptfiguren zu schaffen.

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Eva García Sáenz` neuer Thriller "Die Stille des Todes" ist für mich eine der Entdeckungen dieses Jahres. Die Geschichte ist vielschichtig, temporeich und sehr lebendig geschrieben. Der Thriller spielt in Vitoria, der Heimatstadt der Autorin im spanischen Baskenland. In vielen kleinen Details und geschichtlichen Hintergründen spielgelt sich ihre Verbundenheit zu dieser Region wieder. In dieser Geschichte ist Vitoria Schauplatz einer grausamen Mordserie, die die ganze Stadt in Angst und Schrecken versetzt. In einer Kathedrale werden die Leichen eines nackten Paares entdeckt, die dort jeweils Hände an Wange des anderen abgelegt wurden. Beide sind gleichalt, haben ansonsten keine Beziehung zueinander. Erschreckender Weise gleicht diese Tat einer Mordserie, von der Vitoria 20 Jahre zuvor heimgesucht wurde, und deren Täter seit 20 Jahren im Gefängnis sitzt. Der Fallanalytiker Unai Ayala wird mit der Lösung des Falls betraut, eine Aufgabe, die er mit Ehrfurcht annimmt, denn es war dieser Fall, der ihn damals zum Eintritt in den Polizeidienst bewegt hat. Der Druck auf die Ermittler ist hoch, es kommt schnell zu einem weiteren Mordfall und es drängt sich immer mehr die Frage auf, ob der verurteilte Täter unschuldig in Einzelhaft sitzt. Die Geschichte hat mich schnell in den Bann gezogen, mir gefällt die Atmosphäre, die Hauptfigur Inspector Unai López de Ayala alias Kraken ist mit seiner sensiblen Art ein Sympathieträger. Der Fall um die Doppelmorde ist sehr komplex, da der Roman in erster Linie aus der Sicht Unais erzählt wird, ist man als Leser dicht am Geschehen dran und wird mir ihm auf die verschiedenen oft falschen Fährten geführt. Durch Rückblenden in die 70er Jahre erfährt der Leser einiges über die Hintergründe zu involvierten Familien, der Leser gewinnt einen Wissensvorsprung gegenüber den Ermittlern, dennoch gibt es immer wieder überraschende neue Details, die Aufklärung lässt bis kurz vor Ende der Geschichte auf sich warten. Mich hat das Buch sowohl inhaltlich als auch stilistisch begeistert, es hebt sich erfreulich ab aus der Masse von Thrillern und Krimis. Spannung wird aus dem Zusammenspiel der Figuren und den intelligenten Spielchen generiert, die der Täter mit den Beteiligten spielt. Trotz grausiger Morde ist das Buch erfreulich unblutig und verzichtet darauf, sich an grausamen Details auszuweiden, wie man es leider in vielen Thrillern findet. Nebenbei habe ich viel über die Stadt Vitoria, ihre Geschichte und die der umliegenden Region gelernt aber auch über die Lebensweise der Basken. Mich fasziniert zum Beispiel, wie fest viele der Einwohner offenbar mit ihrer Stadt und deren Traditionen verwurzelt sind, wie wichtig die "Cliquen" im Alltag für die Einzelnen sind. "Die Stille des Todes" ist der Auftakt zu einer Trilogie um Inspektor Ayala, ich freue mich schon sehr auf die Veröffentlichung des zweiten Bandes "Das Ritual des Wassers" im Oktober 2019.

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Es wundert mich nicht, dass "Harz" von Ane Riel in Skandinavien alle Krimipreise abgeräumt hat. Die Geschichte ist ebenso außergewöhnlich wie der eindringliche und zugleich einfühlsame Schreibstil der Autorin. Es gibt kaum ein Buch, dass mich derart zu Tränen gerührt hat, wie die letzten Kapitel dieses Buchs. Ich habe mich anfangs gefragt, ob ich es nicht eher als Roman einordnen würde, statt als Thriller, doch insbesondere gegen Ende nimmt die Spannung stark zu, die aus der psychologischen Dichte der Ereignisse und Umstände generiert wird. Im Mittelpunkt steht die sechsjährige Liv, die in vielen Kapiteln aus der Ich-Perspektive die Geschichte schildert. Sie lebt mit ihrem Vater Jens Haarder, Mutter Marie und einigen Tieren auf einem abgeschiedenen Teil einer Insel. Offiziell hat ihr Vater sie seit ihrem sechsten Lebensjahr für tot erklären lassen, da er befürchten musste, die Behörden könnten sie ihm wegnehmen. Die Familie lebt isoliert auf der Insel, einzig Vater Jens hält zunächst noch über seine Geschäfte Kontakt zu Bewohnern der Hauptinsel, zieht sich jedoch zunehmend in sein Refugium zurück. Als Teenager hat Jens den unerwarteten Tod seines Vaters nicht verkraftet, zu dem er eine außergewöhnlich enge Bindung unterhielt. Er hat eine ausgeprägte Verlustangst entwickelt, sammelt unkontrolliert Gegenstände an und versucht tote Lebewesen in Harz zu konservieren wie die in Bernstein eingeschlossene Ameise, die er von seinem Vater geerbt hat. Insbesondere die Passagen aus der Sicht Livs, die mit kindlicher Naivität ihr Leben schildert, ihr so natürlich wirkendes Vertrauen in das Handeln ihrer Eltern, ist oft ebenso anrührend wie befremdlich und erschütternd. Jens und Marie sind zunehmend vom Alltagsleben überfordert, dennoch versuchen sie beide verzweifelt, ihre Tochter auf das Leben vorzubereiten und sie gleichzeitig vor der Welt draußen abzuschirmen. Liv ist noch zu klein, um die Lebensumstände ihrer Familie in frage zu stellen, auch wenn sie aus Streifzügen in die Hauptinsel und aus Romanen eine andere Wirklichkeit kennen lernt. Es ist verstörend, von den grausamen Handlungen Jens zu lesen und gleichzeitig zu wissen, dass er nicht aus Boshaftigkeit handelt, sondern eher Verzweiflung hinter ihnen steckt und in gewisser Weise auch Liebe zu seiner Familie. Liv, deren Name übersetzt "Leben" bedeutet, ist in ihren jungen Jahren von einer viel zu sehr durch den Tod geprägten Atmosphäre umgeben. Ane Riel versteht es meisterhaft, die Stimmungen einzufangen, sie wertet nicht direkt, und doch schwingt deutliche Kritik mit an den Bewohnern der Hauptinsel, die zwar ahnen, dass bei Familie Haarder einige seltsame Dinge zugehen und Jens zunehmend verwahrlost, sie erfinden jedoch lieber wilde Geschichten, statt ihre Hilfe anzubieten. Die Spannung der Geschichte baut sich langsam auf und erreicht gegen Ende ihren Höhepunkt, als Jens Besessenheit droht, in einer Katastrophe zu enden. Mit rund 300 Seiten ist das Buch nicht lang, die Intensität seiner Geschichte macht es jedoch in meinen Augen zu etwas besonderem, ich werde mir die Autorin auf jeden Fall merken.

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Der schwedische Journalist und Autor Bo Svernström beweist mit seinem Debüt, das im Juli 2019 unter dem Titel "Opfer" im Rowohlt-Verlag erschienen ist, dass er vom Schreiben von Thrillern einiges versteht. Die Geschichte ist spannend und wendungsreich mit einem außergewöhnlich psychopathischen Täter. Dieser Band ist der Auftakt zu einer neuen Reihe, dennoch beginnt er ohne ausschweifende Einleitung oder Vorstellung der Hauptcharaktere direkt mit dem Fund eines grausam gefolterten Mannes in einer Scheune unweit von Stockholm. Aufgrund der Misshandlungen hält die Polizei das Opfer zunächst für tot, muss dann aber mit Entsetzen feststellen, dass der Mann trotz der erlittenen Qualen am Leben ist. Kommissar Carl Edson und sein Team von der Reichsmordkommission haben kaum mit den Ermittlungen begonnen, als auch die Presse auf den Fall aufmerksam wird. Alexandra Bengtson arbeitet in der Redaktion des Aftonbladet, einer Zeitung, für die der Autor selbst einige Jahre tätig war. Die kriminelle Vergangenheit des Mannes, der bald darauf im Krankenhaus verstirbt, lässt auf einen Racheakt im Drogenmilieu oder aus persönlichem Hintergrund schließen. Während die Ermittler im Dunkeln tappen, tauchen innerhalb kurzer Zeit weitere zum Teil grausam gefolterte Mordopfer auf, die scheinbar wahllos ausgewählt wurden. Während der erste Teil des Buches aus beobachtender Perspektive erzählt ist und überwiegend den Polizeiermittlungen folgt, folgt der zweite Teil Alexandra Bengtson, die zum Teil im Berichtstil von den Ereignissen erzählt sowie von Erinnerungen aus der Vergangenheit, die dadurch hervorgerufen werden. Es wird schnell klar, dass vieles nicht so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Unerwartete Wendungen sorgen für Spannung, wer beim Lesen auf Details achtet, kann einige der Zusammenhänge erahnen und wird dennoch die eine oder andere Überraschung erfahren. Das Buch liest sich flüssig, die Schilderungen der grausamen Morde werden sachlich und nicht zu detailliert geschildert, dennoch ist der Thriller nichts für schwache Nerven. Insbesondere der Mittelteil aus der Sicht Alexandras ist atmosphärisch sehr dicht und wirkt aufgrund der Nähe an der Figur sehr beklemmend. Während der Hintergrund der Morde und der psychopathische Charakter des Täters ausführlich und glaubhaft ausgearbeitet sind, bleiben die Figuren der Polizisten eher vage. Carl Edson ist wie so viele Kommissare eine eher einsame Figur mit Bindungsschwierigkeiten. Sein Privatleben spielt zumindest am Rande eine Rolle, über seine beiden Kollegen erfährt der Leser noch weniger, insbesondere Simon Jern mit seinen Ermittlungen im Alleingang bleibt sehr undurchsichtig. Hier gibt es für die geplanten weiteren Bände der Reihe noch Potential. Mir hat der Thriller mit seiner komplexen Geschichte und Atmosphäre gut gefallen, zumal ich während der Lektüre gerade in der Umgebung Stockholms meinen Urlaub verbracht habe. Die Bilder von den Schauplätzen sind umso deutlicher, wenn man beim Lesen ein klares Bild davon hat. Beispielsweise musste ich schmunzeln, als Alexandra auf dem Parkplatz vor einem Einkaufszentrum in Elskilstuna anhält, um sich zu beruhigen und mir klar wurde, dass wir vormittags genau an diesem Einkaufszentrum bummeln waren

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Mit seinem aktuellen Thriller "Die stille Tochter", dem 4. Band aus der Reihe um den Osloer Ermittler Thommy Bergmann, begibt sich Gard Sveen ein Stück zurück zu seinen Wurzeln. Der Autor, der lange als Berater im norwegischen Verteidigungsministerium tätig war, kennt sich aus in der Welt des Spionage- und Geheimdienstes, was sich schon in seinem erfolgreichen Debüt "Der letzte Pilger" deutlich gezeigt hat. Die aktuelle Geschichte reicht zurück in die Zeit des kalten Kriegs und beginnt mit der Ermordung des als Spion verurteilten Arvid Storholt. Dessen Geschichte erinnert stark an die des in den 80er Jahren in Norwegen überführten Spions Arne Treholt, wobei dieser Bezug in Deutschland vermutlich wenig bekannt sein wird. Thommy Bergmann wird durch einen anderen Fall auf Arvid Storholt aufmerksam. Einige Zeit vor dessen Tod wird in einem See die Leiche einer jungen Frau gefunden mit unbekannter Identität. Jan Amundsen vom norwegischen Geheimdienst ist überzeugt, dass es sich bei der Toten um Christel Heinze handelt, eine ehemalige DDR-Bürgerin, die nach ihrer Flucht in den Westen in Norwegen gelebt hat und von Arvid Storholt für den KGB angeworben wurde. Amundsen weiß von Thommy Bergmanns Spürsinn und Hartnäckigkeit in seinen Ermittlungen, so dass er diesen von allen anderen Verpflichtungen befreit und auf diesen Fall ansetzt. Der Fall ist komplex, der Leser erfährt in Rückblenden aus der Sicht Christel Heinzes viel über die Praktiken des KGBs aber auch des westlichen Geheimdienstes. Thommy Bergmann wird schnell klar, dass einige Personen Teile der Wahrheit zu verschleiern versuchen, es ist seinem Spürsinn und seiner Respektlosigkeit vor Restriktionen zu verdanken, dass er die Fäden im Verlauf der Geschichte entwirrt. Der Roman beginnt langsam, es fällt mir schwer, von einem Thriller zu sprechen, ein Spannungsbogen baut sich erst gegen Ende des Buches auf. Die Geschichte ist komplex, sie konnte mich jedoch nicht so in den Bann ziehen wie "Der letzte Pilger". Die Figuren bleiben seltsam blass, Christel Heinze als eine der zentralen Figuren wirkt in ihren Emotionen zu sehr wie betäubt, als dass ihre Geschichte mich hätte bewegen können. Die wechselnden Zeitebenen und Erzählperspektiven lockern die Geschichte auf, anfangs gibt es jedoch viele Erklärungen, Gedanken und Gespräche, so dass man etwas Durchhaltevermögen braucht, bevor der Roman Fahrt aufnimmt. Insgesamt gefällt mir der sprachliche Stil Gard Sveens weiterhin gut ebenso wie seine Hauptfigur Thommy Bergmann mit seinen intelligenten Ermittlungsansätzen und seinem manchmal unorthodoxen Handeln. Ich hoffe, dass der Autor wieder zu der Intensität und Erzähldichte seines Debüts zurückfindet.

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"10 Stunden tot" von Stefan Ahnhem ist bereits der 4.Band aus er Reihe um seinen Ermittler Fabian Risk und wartet wie schon die Vorgänger mit einer drastischen Handlung und Sprache auf, die nicht für zartbesaitete Gemüter zu empfehlen ist. Man sollte wissen, dass dieser Band nicht als alleinstehende Geschichte angelegt ist; sie baut stark auf den Ereignissen aus Band 3 mit dem Titel "Minus 18°" auf, endet in vielen Punkten offen und wird Band 5 fortgesetzt, dessen Veröffentlichung für 2020 geplant ist. Bei den meisten Online-Buchhändlern wird dies inzwischen deutlich kommuniziert, wer den gedruckten Band in die Hand nimmt, kann da schnell in die Irre geführt werden. Ich habe die Erwähnungen der Vorgeschichte als hilfreich empfunden, um mein Gedächtnis aufzufrischen, sie werden für einen Neueinsteiger nicht ausreichen, um die Reaktionen und Konflikte der Hauptfiguren zu verstehen. In "Minus 18°" wurden gleich mehrere Familienmitglieder Fabian Risks in aktuelle Fälle verwickelt, sie wurden zum Teil lebensgefährlich bedroht und traumatisiert. Während Fabian Risk versucht, das Auseinanderbrechen seiner Familie zu verhindern, widmet er sich den Hinweisen, dass sein Kollege Ingvar Molander hinter einigen grausamen Morden stecken könnte. Während dessen wird Helsingborg von einer ganzen Reihe brutaler Morde erschüttert, so dass Risk seine Beurlaubung abbrechen und die Kollegen unterstützen muss. Bei einem grausamen Mord an einem Migrantenjungen ist unklar, ab es sich um einen pädophilen oder ausländerfeindlichen Hintergrund handelt. Dazu versetzt ein psychopathischer Mörder, der mit Hilfe von Würfeln seine Opfer wählt, die Stadt in Angst und Schrecken. Die Kripo in Helsingborg ist nicht nur notorisch unterbesetzt, sondern wird zum Teil persönlich in die Ereignisse involviert. Auch die vorhergehenden Bände der Reihe hatten es in sich, hier bewegen sich die schonungslosen Schilderungen der Verbrechen und Ereignissen in einem Bereich, der für mich persönlich das erträgliche Maß schon übersteigt. Mir gefallen Thriller dann besser, wenn Raum für Kopfkino gelassen wird, hier mutet der Autor mit seinen drastischen Schilderungen der Handlungen und Phantasien seiner Protagonisten sehr viel zu. Das Buch ist mit Themen wie Pädophilie, Ausländerfeindlichkeit, brutaler Gewalt und Sexsucht geradezu überfrachtet. Der Spannungsbogen ist hoch, trotz einiger paralleler Handlungsstränge verliert man nie den Überblick, die knapp 500 Seiten reichen jedoch bei weitem nicht aus, um alle Fäden aufzulösen, so dass der Leser auf die Fortsetzung vertröstet werden muss. Meine Begeisterung für diese Thrillerreihe und den Schreibstil des Autors ist hier etwas gesunken, er scheint sich hier in etwas zu verrennen und schafft eine zu übertrieben düstere bis abstoßende Atmosphäre.

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Von One-Pot-Gerichten und den entsprechenden Kochbüchern hatte ich schon gehört, mich aber nie näher damit beschäftigt, obwohl ich als berufstätige Mutter mit drei Teenager-Kindern immer auf der Suche nach Rezepten für schnelle und leckere Mahlzeiten bin. Hier hat mich das Konzept angesprochen, dass verschiedene Köche jeweils um eine Hauptzutat herum ganz unterschiedliche Gerichte vorstellen. Das Buch umfasst 192 Seiten, ist aber mit vielen Bildern gestreckt, und enthält insgesamt lediglich 60 Rezepte, was aber auf den ersten Seiten klar kommuniziert wird. Von Gemüse über Nudeln und Fisch bis hin zu deftigen Fleisch-Gerichten ist alles dabei, die Zutatenlisten sind überschaubar, und soweit ich es bisher überblicken kann in gut sortierten Supermärkten problemlos zu erwerben. Die Arbeitsschritte sind nicht bildlich erklärt aber gut verständlich, es gibt eine Angabe über die Zubereitungsdauer und die enthaltenen Kalorien. Die Mengen sind jeweils für 2 Personen ausgelegt, da wird es bei unseren 5 Personen in Topf oder Pfanne etwas enger, da die Portionen großzügig bemessen sind, können viele Gerichte durchaus erweitert werden. Die Zubereitungszeiten variieren stark, es gibt viele schnelle Gerichte, die nach einer halben Stunde fertig auf dem Tisch stehen, insbesondere bei deftigeren Fleisch- und Schmorgerichten, dauert es auch mal bis zu drei Stunden. Wie in vielen Kochbüchern werden nicht alle Rezepte jeden Geschmack treffen, so kürt auch "Jumbo" als Moderator in keiner der Kategorien einen Gewinner sondern stellt die Besonderheiten der Gerichte in den Vordergrund. Das nimmt in dem Buch zwar einigen Raum ein, erleichtert aber den Überblick über die Gerichte und die Auswahl. Neben Klassikern wie Chili-Con-Carne, Kartoffelsuppe, MacN Cheese oder Schnitzel, bei denen man durchaus etwas genauer hinsehen sollte, gibt es auch ausgefallenere Kreationen wie Brokkoli-Risotto, Hähnchen-Tajine oder Süßkartoffelsalat mit Cranberrys und Pecannüssen. Die bislang ausprobierten Rezepte waren ein voller Erfolg und wirkten geschmacklich abgerundet. 19,99 Euro sind ein stolzer Preis, dafür ist das Buch mit den Vorankündigungen der einzelnen Köche und Jumbos Kommentaren zu sehr aufgebauscht, ich gebe 4 von 5 Sternen.

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