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Alle Rezensionen von biancaneve66

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Das Buch umfasst die ersten drei Kurzgeschichten um den Runenkrieger Boregar und bilden den Einstieg in den Sammelband "Meister der Runen". Als Elitekämpfer der Zwerge sind Runenkrieger ebenso Gelehrte und Magier. Der junge Borengar erhält die Aufgabe, einen Stollen zu erforschen, in dem seltsame Dinge vor sich gehen und aus dem schon einige Zwerge nicht mehr zurückgekommen sind. Das Cover stimmt den Leser auf ein entferntes Fantasiereich ein: ein Buch in edlem Ledereinband liegt auf einem Kettenhemd, die Ecken tragen Schnörkel und doch verbindet die rote Überschrift wieder mit unserer Gegenwart. Der Schreibstil ist einfach und lässt einen leicht in die Handlung eintauchen. Abwechselnd erzählt der Autor aus dem Leben des gealterten Runenkriegers Borengar und seinem Abenteuer als junger Runenkrieger. Man erfährt einiges über die Ausbildung der Krieger und Eigenarten von Wesen, die ebenfalls im Zwergenreich leben. Borengar ist sympathisch gezeichnet, seine Denkweisen und Handlungen sind durchaus nachvollziehbar und das Buch lässt somit eine Fantasiewelt entstehen, in die man leicht eintauchen kann. Aufgrund des geringen Umfangs der Geschichten lesen sich diese hervorragend für zwischendurch und zum Abschalten vom Alltag.

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Gerade als Irith mit dem Verlust ihres Freundes Lunis kämpft, taucht die junge Sophie in ihrem Leben auf. Beide Frauen sind Künstlerinnen und so beschließen sie, gemeinsam ein Wandmosaik am Arbeitsplatz von Irith zu erstellen. Lunis hatte einst in Irith die Liebe zu Mosaiken entfacht, und Lunis ist es auch, der ihr ein Päckchen hinterlässt, das Irith einer ihr Unbekannten übergeben soll. So treffen drei Frauen unterschiedlichen Alters aufeinander, die alle an einem Scheideweg in ihrem Leben stehen. Das Cover, harmonisch gestaltet in angenehmen Blau- und Grüntönen, verspricht die Geschichte eines Neuanfangs. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und bis zur Hälfte des Buches erzählen sie abwechselnd von Vergangenheit und Gegenwart der Ich-Erzählerin Irith und deren Trauerbewältigung. Die zweite Hälfte beschäftigt sich beinahe nur mit ihrem derzeitigen Leben und der Begegnung der beiden anderen Frauen. Der Schreibstil ist fließend und so kommt man mit dem Lesen schnell voran. Die Autorin verwendet in ihren Ausführungen sehr viele Adjektive, schmückt aus, beschreibt, und kann dennoch nicht die Gefühle in mir hervorrufen, die wohl beabsichtigt sind. Der Grundton des Romans bleibt fast durchgehend schwermütig - Irith trauert ja um ihren Freund - aber leider ist an keiner Stelle etwas von der Freude und Leichtigkeit zu spüren, die man in Erinnerungen doch ebenso empfinden sollte. Bevor Irith den Künstler Lunis kennenlernt, hat sie bereits ihren Ehemann verloren. Von ihm erfährt man nur wenig. Iriths Gedanken kreisen immerzu um Lunis, der in ihr die Kreativität entfacht hatte. Und diese Gedanken wiederholen sich, wie leider auch so einige andere Stellen des Romans immer wiederkehren. Trotz vieler Ausschmückungen bleiben die Charaktere eher blass und auch ihre Handlungen bieten keine Überraschungen. Selbst das Ende der Geschichte ist von Anfang an zu erkennen und wird - vielleicht weil es so vorhersehbar ist - dann doch recht überstürzt abgehandelt. Jedes Buch ist immer auch von der persönlichen Situation des Lesers abhängig. Mich hat die Geschichte leider nicht erreicht. Andere Leser, die sich vielleicht selbst an einem Wendepunkt in ihrem Leben befinden, mögen in diesem Roman aber womöglich Hoffnung finden.

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Der Augenarzt Marco Carrera trägt den Spitznamen Kolibri seit er ein kleiner Junge ist. Erwachsen scheint er glücklich verheiratet - bis der Psychoanalytiker seiner Frau gegen sein Berufsethos verstößt und ihn vor seiner Frau warnen will. Im Anschluss wird Marco gesamtes Leben aufgerollt und damit auch seine Begegnungen mit verschiedenen Menschentypen; von seiner Kindheit bis zu seinem Tod. Das helle Grün des Covers wirkt sehr beruhigend, wird aber belebt und bewegt durch die Abbildung eines Kolibri, der in ständiger Bewegung zu sein scheint. Und doch bleibt er an derselben Stelle. Genau wie der Protagonist Marco, der in seinem Leben einige Schicksalsschläge hinnehmen muss, dessen Leben sich aber dennoch nicht zu verändern scheint. Der Autor verwendet in diesem Roman einige wenige, recht kurze Sätze, deren Aussage aber immer ins Schwarze trifft. Der restliche Roman ist in langen verschachtelten Satzgebilden verfasst, die aber ebenso sitzen. Keines der Wörter ist zu viel, jedes Adjektiv, jeder weitere Nebensatz hat einen Sinn, und was für den Leser am wichtigsten scheint: niemals verliert man sich in den umfangreichen Sätzen, weil sie logisch sind und man der Aussage des Autors auf diese Weise immer spielend leicht folgen kann. Veronesis Schreibstil mag in der Theorie unmöglich erscheinen, in der Praxis wird er aber geradezu perfekt umgesetzt. An dieser Stelle gebührt auch dem Übersetzer Michael von Killisch-Horn ein großes Lob, dem es hervorragend gelungen ist, jede Nuance des italienischen Originaltextes ins Deutsche zu transportieren. Veronesi erzählt die Geschichte nicht chronologisch, sondern springt zwischen den verschiedenen Lebensabschnitten Marcos hin und her. Und dennoch verhält es sich auch hier wieder wie mit dem Schreibstil: der Leser verliert sich nicht, sondern hat am Ende ein komplettes Bild der Protagonisten vor Augen. Jedes Kapitel, jeder eingefügte Brief, jedes Telefonat passt großartig ins gerade Erzählte und erläutert auf eigene Weise das Gelesene, selbst wenn Jahrzehnte zwischen den Geschehnissen liegen. Der Autor findet für jede Gelegenheit die passenden Worte, egal, ob er Themen wie Ehe, Familie, Aberglaube behandelt, oder ob über Schuld und Verzeihen, Verlust und Verzweiflung, Krankheit und Tod schreibt. Marco ist von Anfang an sehr sympathisch gezeichnet. Seine Handlungen und Reaktionen sind nachvollziehbar. Auch alle anderen Personen sind realitätsnah beschrieben und vertiefen das Bild des Protagonisten. Den Premio Strega hat der Roman 2020 mehr als verdient. Veronesi ist damit ein herausragendes Werk gelungen, dem eine absolute Leseempfehlung gewiss ist.

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Die große Piazza dell Unità dItalia, die Paläste und verzierten Fassaden lassen Triest als elegant und mondän erscheinen. Das Buch gibt einen genauen Blick auf die Orte jenseits der dieser Touristenpfade und lüftet Geheimnisse aus der Geschichte und Gegenwart der Hafenstadt. Aufgrund des Covers könnte man auf einen gewöhnlichen Reiseführer schließen: ein Blick vom Hafen mit Booten, über die Kulisse der Stadt, bis zu den Hügeln im Hintergrund; in großer Schrift der Name der Stadt auf einem weißen Rechteck. Sobald man den Umschlag öffnet, erkennt man, dass sich das Buch doch sehr von den üblichen Reiseführern abhebt. Die übersichtliche Kapitelübersicht fällt auf beigem Hintergrund in augenschonender Größe sofort ins Auge, und bereits die Überschriften zeigen, dass die Sicht auf die Hafenstadt hier etwas tiefer geht als gewöhnlich. Jedes Kapitel beginnt mit einem doppelseitigen Foto, vertieft mit gut verfasstem Text und weiteren Bildern dessen Thema und verfügt außerdem über interessante Vermerke zu Webseiten, Ausflugszielen, Restaurants, usw. Diese Anmerkungen sind wieder auf beigem Hintergrund gedruckt und dadurch sehr schnell auffindbar. Verborgene Plätze, sprachliche Auffälligkeiten, historische Zusammenhänge - all diese Themen sind in diesem interessanten Werk vereint. Für die vielfältigen Hinweise sollte man sich viel Zeit nehmen. Die Autoren haben sich mit ihren Ausführungen sehr viel Mühe gegeben und diese Anstrengung hat sich sichtlich gelohnt. Das Buch empfiehlt sich daher unbedingt zu einer Mitnahme bei einem Aufenthalt in Triest. Zu behaupten, dass es eine Reise in die Hafenstadt ersetzt, wäre nur ein bisschen übertrieben, denn tatsächlich, versetzen die Texte und Fotos den Leser auf einen fiktiven Rundgang durch die Stadt. Insgesamt also ein absolutes Muss für jeden, der Urlaub vom Alltag sucht.

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Seit ihrem Zusammentreffen im Haus der Versehrten in Vietnam sind die Maus Bao und das Mädchen Nhi unzertrennlich. Gemeinsam meistern sie die Folgen der vergangenen Kriege und gemeinsam haben sie auch die Tatsache, klein und nur wenig von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Nhi hat zwar keine Beine, ist aber intelligent und hat eine geheimnisvolle Gabe, durch die sie die Schwierigkeiten auf dem Weg in die Selbständigkeit meistern kann. Das Cover wirkt verträumt und zeitlos. Die Abbildung einer gesunden grünen Landschaft wird durch eine Krone "aufgewertet" und verweist mit ihr auf den Titel. Die Geschichte ist aus Sicht der Maus Bao wiedergegeben. Als Ich-Erzähler übermittelt sie die Erlebnisse der Protagonisten aus ihrem Wissensstand, fast kindlich, und doch mit Scharfsinn. Das Buch ist in drei Abschnitte - in Häuser - unterteilt. Diese bezeichnen den physischen Aufenthaltsort der Protagonisten, aber vor allem auch deren psychische Verfassung. Der Autor erzählt eine fantastische Geschichte, die auf einen realen Hintergrund aufbaut. Es geht um die Spätfolgen des Vietnamkriegs, von welchen auch der Hauptcharakter, das Mädchen Nhi, und deren Freund Thang betroffen sind. Die geschichtlichen Fakten sind durch diverse Zeitungsartikel belegt, die sich auch durch ihr Schriftbild von der Geschichte abheben. Auf dieselbe Weise sind wissenschaftliche Abhandlungen eingebaut, die sich mit Forschungsergebnissen befassen, welche in Verbindung zu Nhis Talent stehen. All diese Erkenntnisse helfen zusammen mit fiktiven Briefen mit, die Geschehnisse aufzuklären - teils im Nachhinein. Und sie fügen sich fließend in die Handlung ein; man kann sie als Vertiefung der tatsächlichen Fakten betrachten, man kann sich aber, wenn man dies bevorzugt, auch nur auf die eigentliche packende Geschichte der "Mäusekönigin" konzentrieren. Der Schreibstil bleibt dabei fließend und die Schrift ist angenehm groß. Das Mädchen Nhi ist ein sehr sympathischer Charakter. Sehr intelligent, geht sie trotz ihrer körperlichen Einschränkung ihren Weg und greift dabei schließlich zu überraschend ungewöhnlichen Methoden. Durch andere Charaktere lernt man gute wie schlechte menschliche Eigenschaften kennen, wobei es unter anderem um Profitsucht und Gier geht. Insgesamt verdient das Buch eine absolute Leseempfehlung. Man kann sie als wunderbares Märchen lesen, als psychologische "Studie" oder sie auch zum Anlass nehmen, sich näher mit der Geschichte und auch der gegenwärtigen politischen Situation in Vietnam auseinanderzusetzen.

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Der Student Johannes Gilmer, Sohn einer wohlhabenden Kieler Familie, wird Tod aufgefunden. Wäre der Fall nicht auf dem Schreibtisch von Kommissar Jörgensen gelandet, wäre er wohl einfach als Folge einer Überdosis Kokain zu den Akten gelegt worden. Aber Jörgensen geht bei seinen Untersuchungen sehr akribisch vor. Es bleibt auch nicht bei einem Toten Die tosende Brandung des Covers spiegelt die aufgewühlten Gefühle der Charaktere sehr gut wider und weist außerdem auf einige schöne Landschaftsbeschreibungen in diesem Krimi hin. Das Buch verfügt über ein praktisches Personenregister mit pointierten Beschreibungen; dies ist im zweiten Fall des Kommissars recht praktisch, allerdings bleiben die Charaktere auch so sehr gut im Gedächtnis - selbst ohne Jörgensens ersten Fall zu kennen. Der Krimi besteht aus vier Teilen, in denen jeweils die täglichen Ermittlungen aus der Sicht des Kommissars erläutert werden. Jörgensen löst den Fall also innerhalb von vier Tagen, und zwar mit viel Ruhe, Menschenverstand und wachem Blick auf die Beteiligten. Als Ausgleich zur aufreibenden Arbeit des Polizisten erfährt der Leser auch einiges aus dem Privatleben, wobei hier die Gespräche mit seiner Partnerin Sabrina besonders hervorzuheben sind, weil sie ihm bei der Auflösung des Falles als Hilfe dienen. Gespräche führt er auch nach wie vor gerne mit seinem ehemaligen, bereits pensionierten, Chef. Die Wortwahl in allen Dialogen ist immer an die Situation angepasst, teils mit Dialekt-Färbung. Der Schreibstil insgesamt ist sehr angenehm und flüssig. Jörgensen ist sehr sympathisch gezeichnet, wie auch einige andere Charaktere des Buches; lebhaft vorstellen kann man sich alle Personen. Die Geschichte ist sehr gut durchdacht, die Recherchen, z.B. über Drogen scheinen detailliert; insgesamt handelt es sich um eine realitätsnahe Handlung und auch die Auflösung ist mehr als vorstellbar. Der Autor bietet in diesem Werk einen interessanten Querschnitt durch viele Themen unseres Lebens, wie Politik und Soziales; die Bedeutung von Gutmenschen spielt ebenso eine Rolle wie das Zusammentreffen von Personen aus verschiedenen Bevölkerungsschichten. Insgesamt bekommt der Krimi meine absolute Leseempfehlung. Spannend, gut durchdacht und wirklichkeitsnah bietet er viele angenehme Lesestunden, in denen man als Leser so manches Mal im Dunkeln tappt.

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Als 1952 eine Frauenleiche gefunden wird, ermitteln Landjäger Walter Caminada und Erkennungsfunktionär Peter Marugg in diesem recht ungewöhnlichen Fall. Die junge Tote ähnelt eher einer Puppe als einem Menschen. Und es bleibt nicht bei diesem einen Mordfall. Das Motiv führt zurück in die Vergangenheit der Bündner Berge. Die Abbildung am Cover könnte man idyllisch nennen: unaufgeregte Brauntöne zeigen Felder, die im Hintergrund von einer Bergkette begrenzt werden; ruhig liegt die Ebene da, durch etwas Nebel verhüllt. Doch so ruhig ist Graubünden nicht. Dies ist auch nicht der erste Kriminalfall, den der Landjäger zu lösen hat. Einen der Vorgängerbände kenne ich bereits. Man kann dem Roman aber auch sehr gut folgen, wenn man mit diesem Teil in die Caminada-Krimis einsteigt. Nach und nach enthüllt der Autor die Wesenszüge und Lebensbedingungen des Ermittlerteams. Ich war erstaunt, wie gut ich mich wieder an die Geschehnisse von "1949" erinnern konnte. Und auch das vorliegende Buch ist wieder eindrucksvoll verfasst. Zwischen den Kapiteln des gegenwärtigen Geschehens erzählen eingeschobene Kapitel aus dem Leben und den vergangenen Schicksalsschlägen eines der Verdächtigen. Die Geschichte ist sehr gut recherchiert, die Handlung absolut nachvollziehbar. Der Schreibstil des Autors ist sehr packend. Immer wieder streut er auch Ausdrücke, manchmal sogar ganze Sätze in Schwyzerdütsch ein, die ein Leser, der diese Sprache nicht kennt, eigentlich gar nicht verstehen dürfte. Und doch schafft er es - weil Philipp Gurt diese Wörter so geschickt im Text verwebt, dass man geradezu vor sich sieht, welche Bedeutung sie haben. Überhaupt beherrscht es Gurt mit Wörtern umzugehen. Die detaillierten Landschaftsbeschreibungen lassen ein Bild von Graubünden entstehen und auch die Charaktere sind sehr lebensnah gezeichnet. Es ist direkt ein Genuss, den beiden Ermittlern über die Schultern zu schauen und sich auch immer wieder gekonnt in die Irre führen zu lassen. Caminada und Marugg sind sicher die Sympathieträger des Krimis, aber einige andere Charaktere stehen ihnen nicht nach. Mit einem Auge fürs Detail lässt der Autor Personen auftauchen, denen man genauso begegnen könnte - oder Anfang der Fünfziger Jahre hätte begegnen können. Die Ermittlungsmethoden haben sich seither sicherlich sehr verändert - gewisse Menschentypen aber nicht. Die Lektüre war eine sehr schöne Reise ins Graubündner Land und auch in die Vergangenheit. Eine absolute Leseempfehlung ist bei diesem Werk ein Muss.

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Ein ungewöhnlicher Elfjähriger ist in einem Dorf sich selbst überlassen. Den Bewohnern ist er zu klug und auch sein bester Freund und Beschützer - ein schwarzer Hahn - ist ihnen nicht geheuer. So verlässt der kluge und liebenswerte Junge eines Tages mit einem Maler das Dorf und lernt die Welt außerhalb seines Geburtsortes kennen. Im Dorf wurde er von den anderen gemieden, außerhalb lernt er die ganze Brutalität des Lebens kennen. Doch mit Hilfe seine gesunden Menschenverstandes meistert er selbst schwierige Situationen. Das Cover - unverkennbar Diogenes - zeigt das Portrait eines Jungen, gemalt von Picasso; die Geschichte - ebenso unverkennbar zum Verlag passend - ist mit Sorgfalt ausgewählt und trifft den Leser ins Herz. Die Kapitel sind kurz und überschaubar, der Schreibstil sehr ansprechend und flüssig, fast möchte man sagen unspektakulär, jedoch hat ist der Inhalt des Buches überwältigend. Die Autorin wählt einfache Worte, die sie aber in so prägnante Sätze verpackt, dass es zum schonungslosen Wiedergeben der Erlebnisse führt. Der Leser ist sofort gebannt und fühlt sich, als nähme er am Geschehen persönlich teil. Man kann in der Geschichte einen Entwicklungsroman sehen, oder aber sogar ein Märchen; eine ergreifende Handlung ist es in jedem Fall. Mit teils ironischem Unterton erzählt die Autorin aus dem Leben des jungen Protagonisten, der ein bescheidenes Leben führt, und selbst dann noch zufrieden bleibt, als er auf seinen Gegenspieler in der Person einer grausamen Herrscherin trifft. Der Junge zieht vom Beginn der Geschichte die Sympathie der Leser auf sich. Man möchte ihn bedauern, da seine Hilfsbereitschaft von den Dorfbewohnern schamlos ausgenutzt wird und freut sich, dass er aufgrund seiner Klugheit Wege findet, seinen selbstgefälligen Mitmenschen auf elegante Weise ihre Dummheit vor Augen zu führen. Das feine Gespür des Protagonisten spiegelt sich auch in der Sprache wieder, die gekonnt zum Beispiel die Hektik beim Malen eines Auftragsbildes in Worte bannt. Der Roman verdient eine absolute Leseempfehlung als großes Kunstwerk. Und das liegt nicht nur daran, dass man als Leser wieder ans Gute in den Menschen hoffen darf.

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Kurz nach der Beförderung zum Verbindungsoffizier der Europol wird Oberstleutnant Holzinger mit seinem ersten Fall betraut. Als Leiter der Geschäftsstelle Central-South-Europe soll er mit seinem Team die zweitägige Konferenz des 'Economy-Clubs' im Schloss Laxenburg sichern. Einige dieser internationalen Wirtschaftsbosse waren in der letzten Zeit unter ungeklärten Umständen gestorben. Das Cover übernimmt das Motiv des ersten Teils "Punktum". Neben dem Umriss einer Figur findet sich auch die Abbildung eines Baums und einiger venezianischer Masken - alles schlicht schwarz-weiß gehalten, bis auf die Blutlache, die rot hervorsticht und auf ein Verbrechen hinweist. Am Ende des Buchs gibt es ein Personenregister und Links zu den Schauplätzen der Handlung in Österreich, Deutschland und Italien. Diese Auflistung der Protagonisten ist hilfreich, aber nicht zwingend notwendig. Selbst ohne einen Blick darauf zu werfen und auch ohne Kenntnis des ersten Teils bekommt man während der Lektüre einen ausreichenden Überblick über die Charaktere. Nach und nach entsteht vor den Augen der Leser ein konkretes Bild der einzelnen Handelnden. Die Kapitellänge ist angenehm, der Schreibstil sehr mitreißend. Nicht nur mit dem Einstreuen von sprachlichen Ausdrücken schafft der Autor viel Lokalkolorit. Die Handlung ist nachvollziehbar, ebenso die lebhaften Dialoge, welche auch Situationskomik darlegen und so manche Erkenntnis auf den Punkt bringen. Priedl zeichnet auch wunderschöne Stimmungsbilder, die sich unter anderem in den winterlichen Naturbeschreibungen wiederspiegeln. Außerdem fängt er die Gedankenwelt der Protagonisten sehr gut ein. Es gelingt ihm, den Spagat zwischen beruflicher Pflichterfüllung und Privatleben der Charaktere darzustellen. Das gesamte Team rund um den Wiener Ermittler Holzinger ist durchwegs clever und sympathisch. Die bunt zusammengewürfelte Gruppe ergänzt sich großartig und ist in ihren unterschiedlichen Methoden teils auch recht erfinderisch. Die behandelten Themen sind vielfältig und reichen von Umweltschutz und dem ambivalenten Verhalten der Schützer, über Datenschutz und Legalität, zu Anonymität des Internets und offenem Journalismus. Der Autor geht an die gesellschaftlichen Themen aber nicht mit erhobenem Zeigerfinger, sondern eher mit einem Augenzwinkern heran - ohne die Ernsthaftigkeit zu verlieren. Insgesamt schafft der Autor einen kurzweiligen und spannenden Krimi mit absoluter Leseempfehlung, der auf den dritten Teil schon recht neugierig macht.

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Im Atlanta des Jahres 1979 verschwinden immer wieder Kinder. Die Rückkehr in die Schule ist für die Fünftklässler Tasha, Rodney und Octavia deshalb etwas anders als bisher gewohnt. Zusätzlich zu ihren beginnenden Teenagersorgen, rückt das Verbrechen immer näher an ihr Leben und das ihrer Familien heran. Das Cover ist wunderschön: auf bronzenem Hintergrund ein schwarzer Scherenschnitt mir einem Kind, das sich mit einem Bein auf der Dachspitze eines Spielhauses hält. Ein Balanceakt ist auch die Sprache, die Jones verwendet; diejenige der Kinder unterscheidet sich von jener der Erwachsenen und führt daher auch zu Missverständnissen, sie variiert aber auch von Kind zu Kind. Das Buch ist dreigeteilt und in jedem Teil berichtet jeweils ein Kind über seine Erlebnisse während des Verschwindens anderer Kinder. Für jeden Charakter findet die Autorin eine andere Erzählweise und einen unterschiedlichen Sprachstil. Bei den drei Kindern handelt es sich jeweils um Schüler derselben Schule. Von der Erzählung aus der dritten Person, über die etwas unbeteiligtere Perspektive eines "du" gipfelt die letzte Geschichte in einer Ich-Erzählung, die zu großen Teilen umgangssprachlich gehalten ist. Die Probleme der Kinder, die sich dem Teenageralter annähern, vermischen sich mit den Ängsten um das Verschwinden ihrer Mitschüler. Aus kindlicher Sicht geben sie auch die Meinungen und Unsicherheiten der Erwachsenen darüber wieder. Der Roman berührt durch die Schicksale der Charaktere und rüttelt auf, indem er soziale und Rassenprobleme anschneidet oder unter anderem auch durch fragwürdige Erziehungsmethoden schockiert. Vollkommen fesseln konnte mich das Buch dennoch nicht. Die verschiedenen Erzählstile bringen Abwechslung in den Roman, die häufige - aber nicht konsequente - Verwendung der Umgangssprache konnte mich nicht richtig überzeugen. Es mag aber auch an der Übersetzung liegen. Gerade die Umgangssprache lässt sich wohl nicht ganz so einfach vom amerikanischen Englisch ins Deutsche übertragen. Selbst der Originaltitel "Leaving Atlanta" ist vieldeutiger als die deutsche Entsprechung. Eine Leseempfehlung gibt es dennoch, handelt es sich doch um eine ungewöhnliche Verpackung für die Verbrechensserie der Vergangenheit.

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