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Alle Rezensionen von Pharo72

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Jamies Neustart in New York steht unter einem guten Stern. Neben einem fantastischen Job hat sie auch ein hübsches Apartment gefunden. Und erst der Nachbar von gegenüber, der wenig von Gardinen zu halten scheint. Was für eine Sahneschnitte! Erst zögernd, denn beide sind gebrannte Kinder, dann umso leidenschaftlicher lassen sich die beiden auf einen prickelnden Flirt zwischen zwei Fensterscheiben ein. Dummerweise haben sie eine weitere Gemeinsamkeit, die einer weitergehenden Beziehung diametral entgegensteht. Meine Meinung: Endlich bin ich mal dazugekommen, einen Roman von Sarah Saxx zu lesen, was ich mir schon lange vorgenommen hatte. Wow, was für ein toller Schreibstil. Die Autorin hat es mit ihrer Geschichte geschafft, mich sofort in ihren Bann zu ziehen. Tolle Idee mit dem heißen Nachbarn, wobei ich mir die Umsetzung ein wenig schwierig vorstelle. Ich fand den Aufbau und die Entwicklung der Beziehung sehr spannend. Genau das richtige Tempo, immer einen Schritt weiter - gespickt mit heißen, anregenden Szenen, die nie die Grenzen des guten Geschmacks unterlaufen - bis zur ersten leidenschaftlichen Nacht. Der dramatische Wendepunkt und die Reaktionen der beiden darauf - immer im Hinblick auf die jeweiligen schmerzhaften Erfahrungen in der Vergangenheit - fielen passend aus. Beide Charaktere sind mir schnell ans Herz gewachsen und ich fand besonders schön, wie die jeweilige Familie inkl. bester Freunde hinter den Protagonisten stand. So war "Dirty Neighbor" schließlich für mich ein rundum gelungenes Lesevergnügen, mit der richtigen Portion Spannung, Leidenschaft und großer Gefühle, das ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann. Mein nächstes Sarah Saxx-Buch wird sicher nicht lange auf sich warten lassen.

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Es ist die größte berufliche Herausforderung für Strafverteidiger Hannes Jansen. Er soll einen Polizisten vertreten, der des Mordes an einem Asylbewerber angeklagt ist. Neue Beweise lassen auch Hannes an seiner Unschuld zweifeln, aber es ist nicht seine Aufgabe, Recht zu sprechen. Der Zufall will es, dass er sich ausgerechnet in die Pathologin Sophie Tauber verliebt, die ihm kurz darauf als Gegner vor Gericht gegenübersteht. Er muss eine Entscheidung treffen, die ihm alles abverlangt. Auch über Sophies Vergangenheit liegen Schatten, die sie lüften möchte. Dabei stößt sie auf ein Familiengeheimnis, das bis in die Zeit des NS-Regimes zurückreicht. Wird sie ihren verschollenen Vater finden und kann sie ihm verzeihen, dass er sie noch ungeboren im Stich ließ? Meine Meinung: Markus Thieles Roman "Echo des Schweigens" ist angelehnt an die wahren Geschehnisse um den Tod von Oury Jalloh im Jahr 2005, dessen Hintergründe bis heute ungeklärt sind. Mich hat der Autor von der ersten Seite an mit seiner Schreibweise in den Bann gezogen. Obwohl der Gerichtsprozess schlussendlich weniger Raum einnimmt, als von mir anfänglich erwartet, vermittelt Markus Thiele, der selbst Rechtsanwalt ist, verständlich seine Erfahrungen. Mir war bisher nicht bewusst, in welchen starken Gewissenskonflikt man als Anwalt im Falle der Schuld seines Klienten geraten kann. Ein Beruf, der definitiv nichts für mich wäre. Natürlich beruht die Liebesgeschichte von Sophie und Hannes und erst recht ihre sich langsam aufdeckende gemeinsame Vergangenheit auf ein bisschen zu viel Zufall, aber sei es drum, es ist ein Roman. Erst spät eröffnen sich die Zusammenhänge und es wird wild in der Zeit umhergesprungen. Da es aber gut gekennzeichnet war und die handelnden Personen nicht überhandnahmen, störte mich das keineswegs. Im Gegenteil, der im Nazideutschland handelnde Teil wusste mich besonders zu faszinieren, berühren mich Schicksale aus dieser Zeit doch immer wieder sehr. Dem Autor gelingt es, den Schwerpunkten seines Romans die für meinen Geschmack genau richtige Wichtung zu geben. Die Liebesgeschichte findet nur am Rande statt, bietet gegenüber den beiden anderen eher dramatischen Teilen (hochbrisanter aktueller Gerichtsfall und Verbrechen im NS-Deutschland, beide an wahre Ereignisse angelehnt) jedoch eine willkommene positive Ausrichtung. Wer einen reinen Justizthriller erwartet, wird vielleicht ein wenig enttäuscht sein. Es ist eher eine dramatische Familiengeschichte, wo die Hauptprotagonisten sich am Ende in einem Gerichtsprozess gegenüberstehen und zwischen Moral und dem Wunsch nach Gerechtigkeit den richtigen Weg finden müssen. Für mich eine interessante Neuentdeckung auf dem Buchmarkt und unbedingt weiterzuempfehlen.

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Nach den aufwühlenden Ereignissen am Kieler Institut für Rechtsmedizin, die nicht nur Paul Herzfeld, sondern auch seine Verlobte nachhaltig im täglichen Leben beeinflussen, verordnet ihm sein Chef eine Auszeit. Er soll vertretungsweise die Pathologie in Itzehoe übernehmen, nachdem sein Vorgänger dort Suizid beging. Doch wirkliche Ruhe gibt es in Herzfelds Leben nicht. Er stößt auf jede Menge Ungereimtheiten, was den Tod von Dr. Petersen betrifft und wird bei seinen Nachforschungen von mehreren Stellen ausgebremst. Er ahnt nicht, dass er in ein Wespennest gestoßen hat und ihm schon bald eine Profikillerin auf den Fersen ist. Es gilt einen unfassbaren Skandal aufzudecken, sofern ihm die Zeit dafür bleibt. Meine Meinung: Die Fortsetzung von "Abgeschlagen", die zeitlich unmittelbar nach den dortigen Ereignissen einsetzt, hat mir ausgesprochen gut gefallen. Das Buch ist von der ersten Seite an superspannend und die kurzen, prägnanten Kapitel verführen zum ständigen Weiterlesen. Anders als in Band 1 ist hier lange unklar, worum es eigentlich geht und erst nach und nach an der Seite von Paul Herzfeld kommt der Leser an die Hintergründe eines riesigen Skandals. Eine eiskalte Killerin, rasante Verfolgungsjagden und aufzudeckende Geheimnisse, was will ein Thrillerleser mehr. Gekonnt lässt Michael Tsokos auch wieder Fälle aus seiner eigenen rechtsmedizinischen Praxis in die Geschichte einfließen, die sicher nicht für jedermann leicht verdaulich beschrieben sind, aber trotzdem enorm interessant. Wer hier zimperlich ist, sollte kein True Crime lesen. Die zweite ständige Bedrohung für Paul Herzfeld, die aus Band 1 resultiert und zum Ende des Buches zur Gewissheit wird, heizt die Neugier auf den Abschlussband der Trilogie natürlich extrem an und lässt die Wartezeit bis dahin schwer erträglich erscheinen.

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Ginette Kolinka ist 19, als sie mit Vater, Bruder und Neffe im März 1944 nach Auschwitz-Birkenau deportiert wird. Sie hat als Einzige überlebt und führt noch heute mit fast 95 Schulklassen durch den Ort, an dem sie unvorstellbares Grauen erfahren hat. Jahrzehntelang hat sie geschwiegen. Nun beschreibt sie eindringlich ihre Erlebnisse in Birkenau, ihren Weg dorthin und auch wie sie nach Kriegsende wieder auf die Beine kam. Meine Meinung: Es ist nicht mein erstes Buch über den Holocaust und wird sicher nicht mein letztes sein. Auch wenn es streckenweise beinahe körperlich wehtut, über die damals stattgefundenen Grausamkeiten zu lesen, so finde ich es doch immer wieder wichtig, gerade diesen Teil der deutschen Geschichte nicht aus den Augen zu verlieren. Und das nicht nur vor dem Hintergrund des gerade deutlich spürbaren Rechtsrucks in unserer Gesellschaft. Ginette Kolinka konnte den größten Teil ihres Lebens nicht über ihre Zeit im KZ sprechen, erst als Steven Spielberg Zeitzeugen für seinen Film "Schindlers Liste" suchte, brach sie ihr Schweigen. Nicht mehr lange werden wir Berichte aus erster Hand bekommen, deshalb ist es so wichtig, jeder einzelnen Stimme Gehör zu verschaffen. Die Erlebnisse der Französin werden achronologisch erzählt und beginnen mit der Ankunft in Auschwitz und dem Vorwurf, den sie sich wohl ewig machen wird. In ihrer Naivität riet sie ihrem Vater und Bruder aufgrund ihrer Schwäche die bereitstehenden LKW zu nutzen und schickte sie damit direkt in den sicheren Tod. Die zweite Hälfte des für den geringen Inhalt recht preisintensiven Büchleins befasst sich mit der Gefangennahme und der Zeit nach dem KZ-Aufenthalt. Diese Zeitsprünge wirken teilweise etwas verwirrend. Von den Grausamkeiten wird sehr sachlich und nüchtern berichtet, was wahrscheinlich aufgrund der Thematik gar nicht anders möglich ist. Einen Tick mehr Emotion hätte ich mir dennoch gewünscht. Es wird auch immer wieder betont, dass sich Ginette gar nicht mehr an alles erinnern kann, was sicher auch ihrem hohen Alter geschuldet ist. Zu den Details brauche ich mich nicht zu äußern. Es erschüttert mich nur jedes Mal wieder aufs Neue, zu was Menschen fähig sind. Mein erster Besuch in Auschwitz ist für dieses Jahr fest eingeplant und ein wenig habe ich Angst, dem Unbeschreibbaren so nah zu kommen. Dennoch möchte ich mich dieser Vergangenheit stellen. Das Buch ist ein weiterer wichtiger Beitrag zur Aufklärung der im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten verübten Verbrechen und sollte gleichzeitig als Prävention und Mahnmal Berücksichtigung finden.

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Paul Herzfeld ist seit einem Jahr am Kieler Institut für Rechtsmedizin. Sein egozentrischer Chef, Professor Schneider, hat nur ein Ziel: sich durch eine möglichst bahnbrechende Aufklärung eines brutalen Mordes hervorzutun und dadurch den demnächst vakanten Posten des Leiters des Instituts zu erlangen. Doch bei den letzten Obduktionen verhält sich Schneider seltsam und Herzfeld lassen gewisse Ungereimtheiten keine Ruhe. Als auch noch der Hausmeister Hansen sich ihm mit einem Geheimnis anvertraut, muss Herzfeld schon bald nicht nur um seines, sondern auch um das Leben seiner Familie bangen. Meine Meinung: Nachdem man in "Abgeschnitten" (gemeinsam mit Sebastian Fitzek) bereits schon mal von Paul Herzfeld lesen durfte, widmet sich der anerkannte Forensik-Experte Professor Michael Tsokos nunmehr in einer Trilogie den beruflichen Anfangsjahren der Figur und startet mit "Abgeschlagen". Das Cover mit der Machete ist schlicht, aber sehr eindrucksvoll und eines guten Thrillers würdig. Die Geschichte startet dann auch spannend und der Leser steht direkt mitten im Geschehen. Bei den Beschreibungen der verschiedenen Sektionen kommt natürlich das große Fachwissen von Tsokos zum Tragen, für meinen Geschmack fast ein wenig zu detailliert. Hier zeigt der Roman dann auch ein paar Längen und reißt erst zum Ende hin beim packenden Showdown wieder richtig vom Hocker. Das liegt wohl aber auch daran, dass der Täter sehr früh feststeht und es quasi kaum Überraschungen oder Wendungen gibt. Dennoch ist der Thriller flüssig und solide geschrieben und weiß zu unterhalten. Die recht kurzen Kapitel und jeweils genauen Standortangaben sind dabei sehr hilfreich. Ich bin schon gespannt, wie es mit Herzfeld weitergeht und werde sicher auch die Folgebände lesen. Für Fans von True Crime sicher nicht die falscheste Wahl.

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Digital Detox lautet das Zauberwort. Ein Reiseunternehmen möchte dieses besondere Erlebnis in seinen Katalog aufnehmen und akquiriert dazu eine Gruppe von jungen Leuten als Testpersonen. Fünf Tage ohne Handy, Internet und jeglichen Kontakt zur Außenwelt. Was als spannendes Experiment beginnt, wird schnell lebensgefährlich, als in dem durch extremen Schneefall total von der Welt abgeschlossenen Bergsteigerhotel bereits in der ersten Nacht einer der Teilnehmer brutal verstümmelt wird und kurz darauf stirbt. Einer von ihnen muss ein Mörder sein - und wer ist der Nächste auf seiner Liste? Meine Meinung: Mit "Offline" hat mich Arno Strobel seit Längerem mal wieder vollends überzeugt. Die Idee einer digitalen Auszeit in unserer heutigen technikabhängigen Welt ist schon mal spannend, die Umsetzung ist es auch. Natürlich kein ganz neuer Plot - eine von der Außenwelt abgeschnittene Gruppe, in der ein Mörder sein Unwesen treibt. Damit hatte bereits Agatha Christie Erfolg. Aber schließlich kann man das Rad nicht immer wieder neu erfinden. Ich mag solche Psycho-Experimente, wo Personen mit unterschiedlichsten Charakteren in Extremsituationen aufeinandertreffen. Wo jeder jeden verdächtigt und so nach und nach auch bei fast jedem eine Leiche im Keller gefunden wird, sodass zumindest die Möglichkeit besteht, er wäre der Täter. So kann man als Leser fleißig miträtseln. Die Auflösung habe ich in ähnlicher Form zwar erahnt, aber der Weg dorthin war dennoch außerordentlich aufreibend. Vor allem aus der Perspektive eines der Opfer zu lesen, war extrem aufwühlend. Unvorstellbar, was ein Mensch in dieser Situation wohl durchmachen muss. Hier beweist der Autor extremes Einfühlungsvermögen. Ich kann im Moment wirklich nur noch sehr wenig privat lesen und brauche teilweise unheimlich lange für ein Buch. Mit "Offline" hat es Arno Strobel jedoch geschafft, mich bedingungslos an seine Geschichte zu fesseln und das Buch in kürzester Zeit zu beenden. Daumen hoch und weiter so, lieber Arno!

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Als Holly Kennedy vor sieben Jahren viel zu früh ihren Mann und damit die Liebe ihres Lebens durch den Krebs verlor, half ihr seine Idee einer Reihe von Briefen mit bestimmten Aufgaben wieder zurück ins Leben. Inzwischen ist sie gefestigt und hat auch einen neuen Lebenspartner gefunden. Als eine Gruppe Todgeweihter auf ihre Geschichte aufmerksam wird, einen "PS. Ich liebe dich"-Club gründet und um ihre Unterstützung bittet, ist sie ganz und gar nicht begeistert, fürchtet sie doch, wieder in die Zeit der Trauer zurückgezogen zu werden. Doch je mehr sie sich auf die Menschen einlässt, desto größer erachtet sie das Geschenk, das Gerry ihr hinterlassen hat und findet endlich ihren eigenen Sinn im Leben. Meine Meinung: Als ich erfuhr, dass mit "Postscript" eine Fortsetzung von "PS. Ich liebe Dich" erscheinen soll, war ich einerseits hocherfreut, aber auch skeptisch, da ich mir nicht wirklich vorstellen konnte, was zum Ende einer meiner Lieblingsgeschichten noch kommen könnte. Das Buch, wofür ich überdurchschnittlich lange gebraucht habe, hat mich dann auch zwiegespalten zurückgelassen. Vielleicht liegt es daran, dass die Lektüre des Buches einfach doch zu lange her ist und mir die Verfilmung, die ich vor allem wegen Gerry Butler über alles liebe, wesentlich präsenter in Erinnerung ist. Auf jeden Fall konnte ich mit Holly und auch dem Rest ihrer Familie nicht mehr richtig warm werden und trotz einiger sehr berührender Szenen hat mich die Story insgesamt doch eher kalt gelassen. Sehr schön fand ich die Rückblenden in die Zeit mit Gerry, weil mich der Mann damals einfach umgeworfen hat und ihn wiederzutreffen, ein tolles Gefühl war. Besonders auch sein letzter Brief hat mich tief berührt. Allerdings finde ich dieses ganze Aufleben der Vergangenheit, indem sie sich der Aufgabe stellt, anderen Todgeweihten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, für Holly persönlich nicht so gut, auch wenn sie darin aufzugehen scheint. Doch Gerrys Schatten wird somit wieder übermächtig und ich möchte nicht in der Haut ihres neuen Partners stecken. Insgesamt muss ich einschätzen, dass es diese Fortsetzung nicht wirklich gebraucht hat. Es war ganz nett zu lesen, konnte mich aber weder so emotional fesseln wie der Vorgänger noch richtig tief berühren.

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Eher durch Zufall stößt die Journalistin Lena Halberg auf der Suche nach einer neuen Story auf den mysteriösen Selbstmord eines Bankers. Sie nimmt die Fährte auf und wird in den Panama-Papers fündig. Martin Kurkov, ein eiskalter Finanzhai, der sich gern als Kunst-Mäzen und Förderer des jungen Cellisten Andrej Majinski präsentiert, scheint in diverse krumme Geschäfte verwickelt zu sein. Wie schmutzig diese sind und dass sich Lena auf der Jagd nach Beweisen in höchste Gefahr begibt, bemerkt sie fast zu spät. Meine Meinung: Eigentlich schien die Geschichte um Lena Halberg mit dem letzten Teil der Trilogie (Paris ¿97, New York ¿01 und London ¿05) von Ernest Nybørg beendet, aber die Journalistin ist zurück und kein bisschen ruhiger geworden. Sie lebt mittlerweile in der Nähe von Bozen und arbeitet für einen italienischen Sender. Nachdem sie einen Aufhänger gefunden hat, verbeißt sie sich in gewohnter Manier in die Story und trotzt jeder Gefahr. Das tut sie für meinen Geschmack manchmal ein wenig zu verantwortungslos und ohne Rücksicht auf ihr Umfeld. Der Autor hat einmal mehr hervorragend recherchiert und bedient sich echter Pressemeldungen, um daraus eine spannende Story zu konstruieren. Diese wirkt denn auch äußerst authentisch und wirklichkeitsnah. Die Spannung nimmt diesmal etwas langsamer Fahrt auf und auch der Leser muss eine anfängliche Verwirrung aufgrund recht vieler Schauplätze in Kauf nehmen. Die Jagd nach Informationen und verschiedenste Verbrechen führen quer über den Erdball und verdichten sich zu einem Sog, dem man sich spätestens ab der Hälfte des Buches nicht mehr entziehen kann. Natürlich sind die Hintergründe der Bücher der Trilogie aufgrund ihrer Brisanz und Öffentlichkeitswirksamkeit für viele sicher noch spannender zu lesen, ich bilde da keine Ausnahme, aber wer sich für politische Verstrickungen speziell auf dem Finanzsektor interessiert, ist mit diesem Roman definitiv gut bedient. Ein Thriller, der einen mitfiebern lässt, aber auch nachdenklich macht.

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Im Jahr 1896 lässt sich der Hamburger Kaufmann Paul Magnussen auf einen Deal mit dem Bankier Ferdinand Claasen ein, um sein Unternehmen voranzubringen. Für einen großzügigen Kredit soll er dessen älteste Tochter Amalia heiraten. Doch eigentlich ist es ihre schöne Schwester Helene, für die vom ersten Augenblick an sein Herz höherschlägt. 2018 findet Melina Peters im Nachlass ihrer Großmutter einen Ordner voll mit Informationen über die Familie Magnussen. Sie nimmt es als Zeichen, sich bei dem traditionsreichen Familienunternehmen zu bewerben und wird die persönliche Assistentin des Juniorchefs Leonard Magnussen, für den sie bald mehr empfindet, als gut für sie ist. Wie tief sie jedoch selbst in die Familiengeschichte verstrickt ist, hätte sie sich nie träumen lassen. Meine Meinung: Schon lange habe ich mich auf den Roman von Susanne Rubin gefreut, die ich bereits unter ihrem Pseudonym Susanne Schomann sehr zu schätzen gelernt habe. "Die Frau des Kaffeehändlers" hat einfach alles, was man von einer packenden Familiensaga erwarten darf. Nicht eine Minute habe ich mich bei diesem Buch gelangweilt und sowohl die Ausflüge in die Vergangenheit (1896 und 1945) als auch den Handlungsstrang, der in der Jetztzeit spielt, sehr genossen. Susanne Rubin hat einen wunderbaren Schreibstil, sehr bildhaft, detailreich, aber auch romantisch. Sie spielt gekonnt mit den Gefühlen der Leser. Ich war einige Male den Tränen nah, die Schicksale der Protagonisten lassen einfach niemanden kalt. Die durchaus verzwickten Familiengeheimnisse werden häppchenweise aufgelöst, sodass die Spannung bis fast zur letzten Seite auf hohem Niveau bleibt. Man will einfach immer weiterlesen und ist regelrecht traurig, dass es dann doch schon vorbei ist. Man merkt der Autorin ihre Liebe zu ihrer Heimatstadt Hamburg an, aber auch, dass sie zu einer guten Tasse Kaffee nicht Nein sagen würde. Ihre Recherchen zum Kaffeehandel der damaligen Zeit sind unverkennbar. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, besonders Amalia glänzt als starke und energiegeladene Frau, die ihrer Zeit weit voraus ist und auch unbequeme Wege nicht scheut. Der Roman hat mich rundum bestens unterhalten und kann Liebhabern von dramatischen Liebesgeschichten mit einer Prise Historie nur empfohlen werden. Ich freue mich bereits jetzt auf den nächsten Roman der Autorin, der im September 2020 wieder bei Heyne erscheinen wird.

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Nick Dunmore kann es kaum glauben, als auf seinem Handy das Icon von Erebos auftaucht, ein Fantasy-Rollenspiel, das ihn vor zehn Jahren fest im Griff hatte und beinahe seine Zukunft zunichte gemacht hätte. Selbstverständlich will er nichts damit zu tun haben, doch Erebos findet Mittel und Wege, ihn zum Mitspielen zu animieren. Derek hingegen, im Alter von sechzehn Jahren wie damals Nick, zögert nicht lange und lässt sich schnell von der Spielewelt gefangen nehmen. Auch als er in der realen Welt Aufgaben erledigen muss, die für ihn keinen Sinn ergeben, ist sein Misstrauen nur marginal vorhanden. Beide ahnen nicht, welches Ziel Erebos verfolgt und werden zu willigen Schachfiguren. Meine Meinung: Ich habe nachgeschaut, Erebos habe ich 2011 gelesen. Zu lange her, um sich an alle Details zu erinnern. Aber ich weiß noch sehr gut, wie mich das Buch damals in seinen Bann geschlagen hat. Als ich erfuhr, es würde eine Fortsetzung geben, war ich hellauf begeistert und habe das Buch direkt bei Erscheinen geordert. Es fing auch ganz gut an und schnell war ich wieder von Erebos` Spielewelt gefangen genommen. Aber dann kam auch bald die Ernüchterung. Alles plätscherte nur so dahin, so richtige Spannung gab es erst wieder zum Ende. Viel Neues hat Erebos dann doch nicht zu bieten, außer dass es inzwischen sämtliche technischen Geräte nach seinem Belieben manipulieren kann und man quasi nie ohne Beobachtung ist. Das wirkt in manchen Teilen dann schon wieder unglaubwürdig, wobei andere Möglichkeiten, wie z. B. soziale Medien, fast gar nicht Anwendung finden. Positiv ist, dass durch die unterschiedlich verteilten Aufgaben, die Erebos stellt, der Leser unmöglich herausfinden kann, um was es eigentlich geht. Bis fast zum Schluss bleibt daher das eigentliche Ziel undurchsichtig, was auch dazu führt, dass die Grundspannung bestehen bleibt, weil man einfach wissen will, worauf alles hinausläuft. Aber Suchtgefahr besteht meines Erachtens diesmal nicht. Die Auflösung selbst fand ich dann auch ein wenig an den Haaren herbeigezogen. War es wirklich nötig, dafür Erebos zu reaktivieren, wenn mit den vorhandenen Informationen sicher auch auf anderem Weg das gleiche Ergebnis erzielt hätte werden können? Das Buch kann auch ohne Kenntnis des ersten Bandes gelesen werden. Wie gesagt, sind meine Erinnerungen auch nur bruchstückhaft und ich hatte keine Probleme, mich zurechtzufinden. Wer einen echten Pageturner lesen mag, sollte dennoch zum Erstling greifen und sich dann selbst ein Bild über die Fortsetzung machen. Meiner Meinung nach ein solider Nachfolger, aber nichts wirklich Aufregendes und man hätte auch gut darauf verzichten können.

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