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Alle Rezensionen von Karin Fiedler

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Seitenweise hätte ich so weitermachen können, die verbrauchten Worthülsen wieder aufsammeln und immer wieder lesen können. Doch nach Rund 200 Seiten wird dem Lesevergnügen ein Ende gesetzt. Abrupt und aus heiterem Himmel blättert man die letzte Seite um und das war es. Das Ende kommt aus dem weißen kalten Wald , es blitzt auf - ich schaue erst nach rechts, dann nach links. Blättere - doch dort ist schon die Danksagung. Das Ende - offen. Kalt die Gedanken. Allein wie Hobbes sitze ich in meinem Lesesessel und lasse die Geschichte nachwirken. Die Spannung verliert sich nicht ein einziges mal. Der Schreibstil von Gerard Donovan erinnert mich sehr stark an Patricia Highsmith. Vielleicht habe ich deshalb im Laufe der Geschichte eine zu große Erwartung an das Ende gesetzt und ich vermisse den Aha - Effekt. Mir kommt es so vor, als hätte der Autor nicht gewusst wie er das Buch zu Ende bringen soll. Aber vielleicht ist ihm auch nur der Spannungsbogen gerissen - so wie ich aus dieser wundervollen Geschichte. Die Geschichte: Julius lebt nach dem Tod seines Vaters allein in einer Hütte, mitten im Wald in Maine. Das Alleinsein macht ihm nichts aus, das Stillsein hat er von seinem Vater gelernt. "Maine, der weiße Stern, der ab November leuchtet, herrscht über einen kalten Winkel des Himmels. Hier können nur kurze Sätze und lange Gedanken überleben: Wer nicht aus nördlichem Holz geschnitzt und langes Alleinsein gewohnt ist, sollte im Winter nicht hier sein. Die Entfernungen werden riesig, die Zeit wird über den Haufen geworfen." Bis eines Tages Claire mitten aus dem Wald auf seine Hütte trifft. Sie sich anfreunden, sie immer öfter kommt und auch übernacht bleibt. Und erst als Claire nicht mehr kommt, spürt er seine Einsamkeit. Was ihm blieb ist Hobbes, sein Pitbullterrier. Er und Claire hatten ihn gemeinsam aus dem Tierheim geholt. Claire war der Auffassung er solle dort oben nicht allein leben. Doch Claire war jetzt schon 4 Jahre nicht mehr da gewesen, hatte sich für jemand anderen entschieden, jemand der ihr mehr bieten konnte. In der Nacht vom 30. Oktober wird Hobbes aus nächster Nähe erschossen. Aber wer macht etwas so grausames kannte Hobbes seinen Mörder? Es beginnt eine psychologische Hetzjagd nach dem Mörder von Hobbes. Wer hat ihn erschossen, seinen geliebten Freund, seinen Begleiter? Hatte Claire einen Plan verfolgt? Der Autor Gerard Donovan schafft es, mich die Kälte des Schnees spüren zu lassen. Die Sätze wehen mir um die Ohren. Mein Herz schlägt mit jeder Seite schneller und schnell sympathisiere ich mit Julius, werde zum Mittäter. Ich halte inne - überlege was der Autor mit mir macht, was er in mir bewegen wollte. Was sein Ziel ist. Ein Buch bei dem ich mir gerne noch ein paar Seiten mehr gewünscht hätte, ein Vergnügen das nur Rund 3 Stunden anhält, aber viel länger nachwirkt.

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Zusammen ist man weniger allein! Ein Pinguin ist nie allein und so verhält es sich auch mit der Reisegruppe die sich von Schweden über Frankreich in die Antarktis aufmacht. Im Roman geht es hauptsächlich um Wilma, Alba und Thomas und kleinen Nebengeschichten aus den Schiffskabinen der MS Orlowski. Wilma, eine eher tollpatschige Lehrerin ist auf dem Weg zu ihrer Reisegruppe. Leider ist sie in den falschen Zubringerbus gestiegen und muss sich jetzt beeilen um den Anschluss und insbesondere nicht den Flieger zu verpassen. Die Gruppenreise soll in die Antarktis gehen. Beim einsteigen stolpert sie dem traurigen Thomas in die Arme. Thomas wurde vor kurzem von seiner Frau verlassen - sie ist mit den Kindern von Schweden nach Kalifornien gezogen. Eigentlich sucht er die Einsamkeit, doch da hat er die Rechnung ohne Wilma gemacht. Aber auch Wilma birgt ein Geheimnis, sie hat die Reise teuer bezahlt - wie teuer, das weiß sie noch nicht. Auch Alba, mit der sich Wilma eine Kabine teilt, merkt das mit Wilma etwas nicht stimmt. Der Schreibstil und die Idee zu diesem Buch ist wunderbar. In Wilma erkenne ich mich sofort wieder, rennen und verschwitzt in den Bus zu fallen. Das sind die Horrorvorstellungen im Reisefieber. Der Humor ist verpackt mit viel Ironie und den Tücken des Lebens. Besonders wenn Alba spricht ist der Text mit viel Zynismus gespickt. Wilma, Thomas und Alba. Das sind doch Tante Agnes, die Nachbarin und der nette Kollege der manchmal so verbissen ist. Oder? Die kennen wir doch alle und ein bisschen sind sie auch in uns. Toll finde ich auch hier die Idee, verschiedene Perspektiven zu gleichen Situationen zu lesen. So kann man sich sein eigenes Bild machen, denn die Selbstwahrnehmung ist ja meist eine andere als die, wie uns andere wahrnehmen.

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Das Buch ist inzwischen längst eine Parabel, denn dieses in diesem autobiografischen Roman beschriebene Olonbulag gibt es längst nicht mehr. Durch Macht und Menschen mit Provitgier ist aus dem Land schon längst eine Wüste geworden. Um die Ausmaße des Buches zu verstehen, sollte man sich zuvor mit der politischen Situation in den 60er Jahren in China und der Mongolei beschäftigen und die vorangestellte Information über den Autor Jiang Rong lesen. So erfährt man, dass Jiang Rong nur ein Pseudonym von Lu Jiamin ist, der bereits viermal als Konterrevolutionär verfolgt wurde und mehrere Jahre als politischer Gefangener in Haft saß. An den wachen Augen der konservativen Regierung vorbeigeschmuggelt, entwickelte sich Der Zorn der Wölfe zum erfolgreichsten Buch Chinas nach der Mao-Bibel Er bescheinigt den vom Konfuzianismus und Ackerbau geprägten Chinesen, "schwach wie die Schafe zu sein", während die Mongolen von der Kriegskunst ihrer natürlichen Feinde, den Wölfen, gelernt hätten. Klappentext: Der chinesische Student Chen Zhen wird während der Kulturrevolution in den 60er Jahren in die Innere Mongolei geschickt. Dort soll er das Leben der nomadisierenden Viehzüchter kennenlernen. Sofort ist er völlig in den Bann gezogen von dieser ihm gänzlich unbekannten und archaischen Welt. An der Seite Bilgees, seines alten mongolischen Lehrers, trotzt er Schneestürmen und sengender Hitze, und er erhält Einblick in die alten Mythen und Traditionen des mongolischen Volkes. Vor allem aber macht Chen Zhen die Bekanntschaft mit den Wölfen, deren Klugheit und Mut die Mongolen von jeher fasziniert haben und bald verbindet ihn eine tiefe Liebe zu einem Wolfsjungen, das er aufzieht. Doch dann kündigt sich Unheil an, denn als die Chinesen das wirtschaftliche Potenzial der mongolischen Steppe wittern, drohen Profitgier und blinder Fortschrittsglaube das Jahrhunderte währende Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur zu zerstören Die Geschichte um den kleinen Wolf hat mich tief erschüttert. Uns wird vor Augen geführt, dass eine Umerziehung weder beim Menschen, noch bei den Wölfen funktioniert. Ein politisches Buch - durch und durch.

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War der Messias meschugge? Ein Mann reitet auf einem Esel durch die Stadt und behauptet, er sei der Sohn Gottes. Die Polizei verhaftet den Messias und bringt ihn in die Psychiatrie. Der Arzt fragt: "Sie sind also der Sohn Gottes?" Der Patient antwortet: "Ja. Ich hatte eine Vision. Ich sah, wie der Himmel sich öffnete und eine Stimme sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich gefallen gefunden." Was glauben Sie: leidet der Mann unter einer Psychose? Es begann am 6. Dezember, als sich bei Ruben eine Psychose ausbreitete. Die wohl schon länger in ihm schlummerte, aber durch die Ankündigung eines Amoklaufes an der Schule in der er unterrichtete ausbrach. Der Amoklauf findet nicht statt, aber für Ruben ist das kein Grund zur Freude. Er geht nicht mehr zur Arbeit, es folgen Besuche der besorgten Kollegen, bis schließlich der Rektor der Schule des entrückten Lehrer in eine psychiatrische Anstalt einliefert. Doch dort kann man ihn nicht halten, sein Verfolgungswahn treibt ihn nach Bangkok. Die Odysseeeee die er dort erlebt und wie er den Weg zurück findet, beschreibt Ruben Zacharias in diesem autobiografischen Roman datailhaft und gut durchdacht. Beim erzählen springt der Autor zwischen den Jahren vor und zurück. So erhalten wir Einblick in die Psychose und erleben mit das die Tabletten ihn zwar ruhig stellen, aber die Therapien ihn kalt lassen. Die Heilung beginnt erst mit dem Schreiben. Und wie ihn die Erinnerung an die vergangene Zeit seit von 2002 bis 2006 und die Reise in die Welt des Wahnsinns verändert hat. Der Autor Ruben Zacharias schafft es, die Spannung des Buches von der Ersten bis zur letzten Seite zu halten. Mit einer gewissen Tragikkomik beschreibt der Autor den Ausflug in die Welt des Wahnsinns. Die Geschichte ist in weniger als 36 Stunden zu lesen und man mag kaum glauben was ihm passiert.

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Alice streichelte ihm übers Kinn und drehte seinen Kopf sanft in ihre Richtung. Es war nur ein Schatten, denn Mattia, sich zu ihm vorbeugen sah. instinktiv schloss er die Augen, und dann spürte er Alices warmen Mund auf dem seinen, spürte auf ihren Wangen die Tränen, die vielleicht auch die seinen waren, und schließlich ihre so weichen Hände, die seinen Kopf festhielten und seine Gedanken packten und sie einsperrten in diesem Raum zwischen ihnen, der nun aufgehoben war. Was wir als Kinder erleben, dass lässt uns das ganze Leben nicht mehr los. Alice und Mattia sind die zwei Protagonisten dieses Romans, die gleicher, abder dennoch ungleicher nicht sein können. Alice stand lange unter dem Druck ihres Vaters ein Skiass zu werden. Sie selbst wollte aber einfach nur Kind sein. Bis sie eines Tages anfängt, ihren Körper zu misshandeln. Und zwar so stark, das sie eine Karriere, die ihr Vater ihr auferlegen wollte, aufgeben konnte. Doch sie hört nicht auf, es ist für sie eine Obsession geworden, sie will dem Leben so entfliehen. Mattia wurde als Zwilling geboren, seine Schwester Michaela war anders als er, sie konnte nicht sprechen und schien geistig behindert. Nur einmal hatte er auf seine Schwester nicht acht gegeben. Hat sie nicht zur Geburtstagsfeier eines Freundes mitgenommen, sondern auf eine Bank in einem Park gesetzt. Als Mattia aus dem Fenster schaute, um den Clown nicht mehr ansehen zu müssen, fiel ihm Michela wieder ein. Dabei hatte er sie nie ganz vergessen, doch zum ersten Mal stellte er sich nun vor, wie sie allein unter den Bäumen saß und auf ihn wartete. Seitdem Michaela verschwunden war, litt Mattia unter Borderline. Seine ganze Kraft steckt er in die schulischen Leistungen und ist überdurchschnittlich begabt. Er vermeidet jeglichen Kontakt mit anderen. So lernt er Alice kennen und bis zu dem oben beschriebenen Kuss, haben sie sich kaum berührt. Mattia hatte gelernt, dass es Paare von Primzahlen gab, zwischen denen immer eine gerade Zahl stand, die verhinderte, dass sie sich berührten. In Mattias Augen waren sie beide, Alice und er, genau dies. Primzahlen, allein und verloren, sich nahe, aber doch nicht nahe genug, um einander wirklich berühren zu können. Der erst 24jährige Paolo Giordano hat mit diesem Werk einen Bildreichen und hoch emotionalen Roman erschaffen. Die Leichtigkeit sieht man dem Roman nicht an, aber die Genauigkeit mit der der Autor die Figuren von Alice und Mattia gezeichnet hat. Die blassen Charaktere um die beiden Protagonisten haben genau die richtige Helligkeit und das Gesamtwerk zu beleuchten. Die Spannung die dieser Roman erzeugt, zieht sich durch das ganze Buch und lässt den Leser nicht mal nach dem zuschlagen zur Ruhe kommen. Mattie und Ali tun mir so unheimlich leid, weil sie eben überhaupt nichts dafür können. Ali kann nichts für den Druck des Vaters unter dem sie lange Zeit stand und Mattie kann eigentlich nichts dafür das seine Schwester ihm verloren ging.

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Die Protagonistin Grace ist 35 Jahre alt, seit ihrem achten Lebensjahr zählt sie. Sie ist arbeitsunfähige Grundschullehrerin und ein einschneidendes Erlebnis auf dem Schulhof hat sie vollends aus der Bahn geworfen. Sie zählt alles, die Buchstaben ihres Namens 19, über die Straße gehen 30 Schritte, vom vorderen Gartenzaun bis zum Lebensmittelladen 870 Schritte. Sie besitzt Cuisenaire Stäbchen. Eine grüne Plastikbox mit zurechtgeschnitten und glatt geschliffenen Holzstücken in verschiedenen Größen und Farben. Die Länge eines jeden Stäbchens entspricht seinen Zahlenwert und jede Zahl hat eine andere Farbe . So verbindet sie auch die Zahlen mit Farben. Weiß bedeutet eins, Rot zwei, Hellgrün drei, Rosa vier, Gelb fünf, Dunkelgrün sechs, Schwarz sieben, Braun neun, Orange zehn. Neben den Rechenstäbchen ist ein Bild von Nikola Tesla ihr wertvollster Besitz. Das Original des Bildes hängt im Smithsonian in W. D.C., neben einem Induktionsmotor, den Nikola 1888 erfand. Genau wie auch Grace litt Tesla an der Zwangsneurose alles Zählen zu müssen. Wir erfahren nebenbei einiges durch Grace über ihn. Am liebsten war ihm die Zahl drei. Grace Lieblingszahl ist die 10. Die Erkenntnis, das Zehner die Welt bestimmen, markierte einen wunderbaren Wendepunkt, als hätte mir jemand den Schlüssel zum Leben gegeben. Wenn ich mein Zimmer aufräumte, hob ich immer 10 Sachen auf. 10 Sachen in der Stunde, 10 Sachen am Tag. 10 Bürstenstriche durchs Haar. 10 Weintrauben als Snack. 10 Seiten lesen vor dem einschlafen. 10 Erbsen essen. 10 Socken falten. 10 Minuten duschen. 10. Seite 8 Wichtig sind auch die festen Rituale die ihren Alltag bestimmen. Um 5:55 h aufstehen. 100 mal die Haare Bürsten und 10 mal jeden Zahn putzen. 10 mal in den Zahnzwischenräumen mit der Zahnseide rauf und runter. Und was passiert wenn ein Ritual nicht eingehalten werden kann, weil das Café in das sie um 10:15 geht voll besetzt ist? Ich atme schneller, bekomme aber nicht genug Luft. Mir tun die Schultern weh, weil meine Gelenke ausgekugelt sind und die herunterhängenden Arme nur noch durch die Haut mit dem Körper verbunden sind Seite 34 Doch dann tritt Seamus in ihr Leben und es passiert das, womit die die gerechnet hat. Was sich nicht in Zahlen ausdrücken lässt und was ihr Leben vollkommen durcheinander bringt. Sie verliebt sich. Schon in der ersten Nacht vergisst sie zu zählen, ihre Schuhe stehen nicht da wo sie stehen sollen und auch ihren Pyjama hat sie nicht an. Vorwurfsvoll blickt dieser sie vom Stuhl aus an. Doch als Seamus sie eines Tages völlig überfordert inmitten ihres gesamten Küchengeschirrs auf dem Küchenboden wiederfindet will er wissen was los ist. Seamus kann Grace zu einer Therapie überreden. Toni Jordan ist die Autorin dieses Romans. Ihr ist ein psychologisch hochwertiges und einfühlsames Werk gelungen. Lustig und viel Charme bringt sie uns der Zwangsneurose an der Grace leidet näher.

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Eine andere Dimension der Liebe, denn was Sie hier lesen ist kein Liebesroman. David Nicholls nimmt uns in einem Zeitraum von 19 Jahren mit auf die Reise zu Dexter und Emma, das sind die Protagonisten in diesem Roman. Wir lernen sie , gerade als sie ihren Abschluss in Englisch und Anthropologie gemacht haben, kennen. Das ist auch genau der Tag an dem die beiden sich näher kommen und Freunde werden. Es war der 15 Juli 1988, sie waren gerade 20 Jahre alt. Ein bisschen lässt uns der Roman an Harry und Sally denken und doch ist dieser Roman ganz anders. Dexter, gutaussehender Sohn aus vermögendem Hause mit mittelmäßigem Abschluss in Anthropologie, ist ein Experte im aufreißen von hübschen Frauen. Berufliche Ambitionen hat er dennoch keine und will sein junges Leben genießen Er begibt sich nach dieser gemeinsamen Nacht, in der nichts passierte außer reden und küssen, auf Weltreise. Emmas Arbeitsleben beginnt mit einem Tiefschlag, einem Job als Kellnerin bei einem ekligen Billig-Mexikaner. Sie fühlt sich todunglücklich und von der Welt missachtet. Eigentlich will sie Lehrerin werden und Romane schreiben. Hier begann alles. Hier, an diesem Tag, fing alles an. Und dann war es vorbei. So. Bis bald also, sagte er und ging langsam rückwärts. Das hoffe ich, sagte sie lächelnd. Ich auch. Tschüss Em Tschüss Dex Wir sehen uns Machs gut. Tschüss So beginnt der Roman und so endet er. Der Autor hat in 23 Kapiteln das Leben der beiden, weder kitschig noch poetisch erzählt, sondern geradlinig und konsequent. Was sich am Anfang noch sehr lustig liest, wird zum Ende hin immer ernster und hat durchaus auch sehr traurge Einblicke in das Leben der beiden. Und jetzt würde ich euch gern noch entführen, zu Platons Kugelmenschen. Irgendwie passend, wie ich finde. Platons Kugelmenschen Eines Tages wurde es den Göttern am Olymp langweilig und sie beschlossen, ein Ebenbild von ihnen zu schaffen. Dieses sollte sie amüsieren und ihnen Abwechslung in die Ewigkeit bringen. So formten die Götter also ein Ebenbild von ihnen, mit einer großen Ausnahme: Von all den Eigenschaften die jeder einzelne besaß, nahmen sie nur das Beste: Die Gerechtigkeit der Athene, die Güte von Hera, die Liebe der Aphrodite, die Größe des Zeus, usw. So schickten sie diese Kugelmenschen, die mit 4 Armen, 4 Beinen, 2 Köpfen, 2 Herzen ausgestattet waren, den Olymp herab, um auf der Erde, auf Mutter Gaia, Leben zu führen. Doch bald merkten die Götter, dass der Kugelmensch zu perfekt war. Er machte keine Fehler, wie die Götter es bisweilen taten, er stritt auch nie, wie das die Götter des Öfteren taten. Davon beängstigt, dass diese Leben die Götter, deren Schöpfer, einst überflügeln würden, selbst diese töten, wie es einst Zeus mit seinem Vater Chronos, und dieser mit seinem Vater Chaos tat, so trafen die Götter wieder zusammen, um einen Entschluss zu fassen.

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Schwer über dieses Buch zu schreiben. Schwer, ganz einfach deshalb weil ich nicht zu viel verraten möchte. An einem sonnigen Herbsttag erwacht Hinrich Schepp, Professor für chinesische Sprache (Sinologie). Er steht auf geht zu seiner Frau Doro, die er im Arbeitszimmer vermutet und sieht sie, wie schon so oft schlafend, den Kopf auf dem Schreibtisch gelegt. Nachdem sie die ganze Nacht seine Arbeiten lektoriert hat. Wenn nur nicht dieser Geruch gewesen wäre, dieser Geruch. So als hätte Doro das Blumenwasser nicht gewechselt. Und hier breche ich auch schon ab, mit meiner Inhaltsangabe. Was uns mit diesem Roman erwartet ist sehr vielschichtig. Der Autor, Matthias Politycki, wechselt im Buch mehrmals den Erzählstil. Im Roman selbst erwartet uns noch ein Auszug eines Romanes, geschrieben von Schepp. Dieser weißt einige parallelen zu dessen Leben auf und langsam verwirrt uns der Autor mit immer neuen Tatsachen. Mögen manche Details in diesem Buch makaber wirken, so bedient sich der Autor an einfacher und häuslicher Wohlanständigkeit, sowie auch an gewöhnlicher und unfeiner Sprache. Für mich ist dieses Buch ein Meisterwerk der Sprachvielfalt. Hingerissen vom Leben des Protagonisten und dem Mitleid, welches man für Doro empfindet. Trotz allem vermag man es nicht, sich auf die Seite der Protagonisten zu stellen. Vielmehr geht man zusammen mit ihnen ihren Weg. Und am Ende des Weges erwartet uns die Krönung der meisterhaften Verwirrung. Politycki hat den Schalk im Nacken und neckt seinen Leser. Ich persönlich danke ihm dafür und für dieses sprachliche kleine Feuerwerk der Literatur. Ein Tipp: Informiert euch nicht zu sehr über das Buch. Schaut euch den Trailer an und dann lest es. Ihr werdet es nicht bereuen.

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Legenden sind der Weihrauch, der über der Geschichte schwebt. (Jaime Gild de Biedma) Bevor ich etwas zu diesem furiosen Debüt der Autorin Joanne Owen sage, möchte ich über die Aufmachung des Buches sprechen. Es lag inmitten einer großen Bestellung, hat es aber geschafft so sehr nach mir zu rufen, das ich es in die Hand nahm, mich hinsetzte und erstmal drin blätterte. Trotz seiner 210 Seiten ist es schon schwerer als andere Bücher. Wenn man den Buchdeckel aufklappt, der übrigens sehr stabil gehalten ist, hat man Blätter vor sich die wunderbar illustriert und aus glänzendem glattem Papier sind. Grafisch also sehr aufwändig gestaltet. Das komplette Buch ist auf alt getrimmt, was dem Buch ein besonderes Flair verleiht. Die Vielschichtigkeit des Buches besteht in kleinen abgedruckten Notizzetteln, Zeitungsausschnitten, Bildchen, Skizzen und Briefen. So kann man als Leser immer wieder etwas entdecken und wird gefordert mitzuarbeiten. Die Illustrationen sind sehr passend zu der Geschichte abgestimmt und vermitteln ein nostalgisches Flair, da sie immer von einem Sepia-Ton dominiert sind. Ein Preis-Leistungsverhältnis wie man es kaum noch bei Büchern findet, denn mit seinen 14,90 EUR bekommt man sehr viel mehr als nur ein Buch. In diesem Buch geh es um tschechische Legenden. Die Legende um Lebussa, ihrer Schwestern und die des alten Prags. Vier Kapitel aus dieser Legende sind über das Buch verteilt. Sie bilden so den Zusammenhang in der Geschichte um Milena, das Marionettentheaters ihres Vaters und der Geschichte Tschechiens. Milena war einst die Tochter des angesehensten Marionettenspielers von Prag, nach dessen Tod und dem verschwinden ihrer Mutter wächst sie in ärmlichen Verhältnissen bei ihrer Großmutter Baba auf. Milena träumt davon das Theater ihres Vaters Das Haus der schönen Träume irgendwann wieder aufzubauen. Ihr Vater Petr ist vor drei Jahren bei einem Unfall in dem Theater ums Leben gekommen. Seither ist auch ihre Mutter Ludmilla verschwunden. Und als eines Tages ein fahrendes Marionettentheater durch die Stadt zieht wird sie von dem mysteriösen Meister der Marionetten angezogen. Ihre Alpträume werden schlimmer und sie spürt das irgendetwas nicht stimmt. Dennoch ahnt sie nicht das der Meister der Marionetten sie längst auserkoren hat die Hauptrolle in seinem Theaterstück zu spielen. Die Autorin schafft es, dass der Leser sowohl die ganze Umgebung als auch alle Figuren sehr deutlich vor Augen hat und sich mitten in der Handlung wiederfindet. Der Schreibstil ist lautmalerisch und poetisch und sanft fließend. Joanne Owen hat den Roman wie ein Theaterstück in fünf Akten aufgeteilt, wenn man das Buch gelesen hat erschließt sich ein weiterer Überraschungseffekt und genau das fasziniert noch mehr. Im Anhang des Buches werden wissenswerte Informationen zur Aussprache, zur tschechischen Marionettentradition und zu den Eigenarten der tschechischen Nachnamen und der angesprochenen Legenden definiert.

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Schlaf - ein guter Grund um Wach zu bleiben? Eine namenlose Frau trottet in ihrem Alltag dahin. Jeder Tag ist ein Abziehbild des anderen. Und würde sie kein Tagebuch führen, so könnte sie nicht mal mehr sagen welcher kleine Unterschied den gestrigen Tag ausgemacht hat. Das Buch beginnt mit dem Satz: "Es ist der siebzehnte Tag ohne Schlaf." Diese Schlaflosigkeit ist aber nicht quälend, sondern eher eine Erleichterung. Spätabends wenn ihr Sohn und der Mann schlafen beginnt ihr zweites Leben. Die Nächte sind sehr viel aufregender als ihre Abziehbilderbuchtage und sie gehören ihr ganz allein. Plötzlich lebt sie wieder, statt einer halben Stunde schwimmt sie jetzt eine Stunde. Sie sieht uns spürt das Leben jetzt viel deutlicher. Sie reflektiert und beobachtet ihren schlafenden Mann und ihren Sohn. Plötzlich kommt es ihr in den Sinn das sie beide die gleichen Gesichtszüge haben, diesen gleichen Arroganten Zug den auch ihre Schwiegermutter hat. Aber wir alle wissen, keiner kann ohne Schlaf leben und so spüren wir ständig den Abgrund der sich unweigerlich auftun wird. Oder nicht? Für mich wirft Murakami, wie auch in anderen seiner Bücher, die Frage auf: Warum schlafen wir? Wenn man weiterdenkt könnte man auch noch so weit gehen und fragen: Warum sterben wir? Beides wissenschaftlich und biologisch noch nicht erklärt. So haben wir mit Hynos (der Schlaf), der kleine Bruder von Thanats (der Tod), nicht nur von Anbeginn des Menschen ungeklärte Familienverhältnisse. Sondern es auch noch mit dem Fragen nach dem Wesen selbst zu tun. Was Murakami hier wissenschaftlich ergründen oder darstellen möchte. Das Buch kann sicher in vielen Richtungen gedeutet werden. Für mich ist es nicht perfekt ausgearbeitet. Diese Kurzgeschichte gibt es auch in dem Band "Der Elefant verschwindet", wer also die Geschichte lesen möchte, aber nicht bereit ist für 87 Seiten so viel Geld auszugeben, kann sie dort nachlesen. "Schlaf" ist wunderbar illustriert. Es finden sich fast auf jeder Seite Illustrationen von Kat Menschik. Die Stimmung der Bilder kann man am besten beschreiben indem man sie als Alptraumbilder der Namenlosen Protagonistin beschreibt.

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