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Alle Rezensionen von bookloving

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Mit "Schwarzer Jasmin" ist dem österreichischen Schriftsteller Manfred Rumpl ist ein fesselnder und vielschichtiger Roman gelungen, der hochaktuelle Themen aufgreift und die Problematik von Migration, Integration, islamistischem Fanatismus und Terrorismusbekämpfung geschickt aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Seine komplexe, tiefgründige Geschichte kreist um die Schicksale sehr unterschiedlicher Menschen, die an einem Scheideweg in ihrem Leben stehen, mit inneren Konflikten zu kämpfen haben oder in persönlichen oder beruflichen Problemen gefangen sind. Ob nun der Weinjournalist Jakob und seine Freundin, die Sozialarbeiterin Julia, mitten in ihrer Beziehungskrise, Kriminalhauptkommissar Frank Konopke und sein Team der AG Gefährdungsbewertung, deren Arbeit zur Terrorismusabwehr durch undurchsichtige Vorgaben und suspekte Aktionen von ganz oben behindert werden oder schließlich die beiden tunesischen Flüchtlinge Eymen und Ahmed, deren Leben in Deutschland eine ganz unterschiedliche Richtung nimmt - ein jeder von ihnen wird vor folgenschwere Entscheidungen gestellt, deren Tragweite sie kaum abschätzen können, und bei denen es keinen optimalen Ausweg zu geben scheint. Manfred Rumpl hat seinen Roman in verschiedenen Handlungssträngen, auf unterschiedlichen Zeitebenen und mit wechselnden Schauplätzen in Tunesien und Berlin angelegt. Die raschen Perspektivwechsel und die verschachtelte Erzählweise fordern dem Leser daher auch einiges an Aufmerksamkeit und Mitdenken ab, bauen aber auch rasch Spannung auf. Im geschickt verwobenen Handlungsgeflecht begleiten wir die unterschiedlichen Charaktere, die meist völlig unabhängig voneinander agieren und deren Wege sich oftmals zufällig kreuzen. Sehr fesselnd ist es, aus den sich abwechselnden Perspektiven mitzuverfolgen, wie sich die Handlung immer mehr verdichtet, das Schicksal seinen Lauf nimmt und schließlich an einem verhängnisvollen Tag im Dezember 2016 in einem hochdramatischen Finale gipfelt. Sehr anschaulich zeigt Rumpl am Beispiel der beiden jungen tunesischen Migranten auf, wie unterschiedlich die Lebenswege verlaufen können. Während Ahmed seinen Traum verwirklichen kann und sich um Integration bemüht, erleben wir beim streitlustigen, gewaltbereiten, zutiefst gespaltenen und labilen Eymen mit, wie leicht er in die Fänge ominöser religiöser Prediger gerät, sich manipulieren und radikalisieren lässt. Schon bald fallen im Roman deutliche Parallelen zur Realität auf, die Erinnerungen an den Fall des Attentäters Anis Amri, wecken, seinen brutalen Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin im Jahr 2016, das fatale Versagen der Ermittlungsbehörden und den später aufgedeckten, fragwürdigen Umgang mit Informanten aus dem salafistischen Milieu. Mit diesem beklemmenden Hintergrund gewinnt der Roman noch an Tiefe und Nachdruck. Sehr vielschichtig und lebensecht zeichnet Rumpl seine unterschiedlichen Charaktere. Einfühlsam umreißt er ihre persönlichen Geschichten und gibt uns aufschlussreiche Einblicke in ihre Gefühls- und Gedankenwelt, so dass man sich gut in ihre Beweggründe hineinversetzen und ihr Handeln nachvollziehen kann. Der ruhige, angenehme Schreibstil des Autors und seine anspruchsvolle Handlungsführung haben mir sehr gut gefallen. Rumpl gelingt es hervorragend, Geschehnisse auch ohne viele Worte zu umreißen und Stimmungen mit viel Feingefühl einzufangen, so dass man die Szenerie sich gut vorstellen kann. Das dramatische, offene Ende des Romans kommt zunächst sehr überraschend, bildet aber einen für meinen Geschmack passenden Ausklang der Geschichte und regt zum Nachdenken an. FAZIT Ein fesselnder Roman mit einer tiefgründigen und vielschichtigen Geschichte, die sehr nachdenklich stimmt und noch lange nachklingt!

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In seinem jüngsten Roman "Das Leben ist ein wilder Garten" erzählt der mehrfach preisgekrönte Schweizer Autor Roland Buti eine berührende, nachdenklich stimmende Geschichte über das Leben in all seinen schillernden Facetten. Es ist ein zarter, einfühlsam erzählter Roman der sich mit Einsamkeit, Entfremdung, Liebe, Trauer, Verlusten und den verpassten Gelegenheiten im Leben beschäftigt, aber auch mit Heimatgefühl und Naturverbundenheit. Schon bald hat mich der wundervoll ruhige und einfühlsame Erzählstil des Autors mit seinen bildmächtigen, sehr atmosphärischen Schilderungen gefangen genommen. Buti kommt in seiner beschaulichen, etwas melancholischen Geschichte oft ohne viele Worte aus, so dass vieles der Fantasie des Lesers überlassen bleibt. Dennoch versteht er es hervorragend, uns auch mit überraschenden Wendungen, humorvollen Passagen und feiner Ironie zu unterhalten. Nach und nach tauchen wir ein in das auf den ersten Blick recht ruhige Leben des Protagonisten und Ich-Erzählers Carlo Weiss - einem Landschaftsgärtner, der in der Arbeit in seinen Gärten völlig aufgeht und den die Natur auf wundersame Weise zu erden scheint. Nach dem Scheitern seiner Ehe lebt er allein und kämpft gegen seine innere Leere und Einsamkeit an. Seine Freizeit verbringt er meist mit dem angestellten Hilfsgärtner Agon, einem hünenhaften, sanftmütigen, aus dem Kosovo stammenden Flüchtling mit einem Hang für Philosophie und französische Klassiker. Doch als Carlo`s hochbetagte, demente Mutter Pia spurlos aus ihrem Seniorenheim verschwindet und Agon von zwei brutalen Landsleuten krankenhausreif geprügelt wird, gerät Carlo`s kleine, geordnete Welt unversehens ins Wanken - umso mehr als Carlo seine Mutter im luxuriösen Hotel Grand National in den Bergen nahe der Schweizer Grenze aufspürt, die dort in ihrer einstigen Heimat ihre letzten Tage verbringen möchte. Fesselnd ist es mitzuerleben, wie Carlo sich nach und nach seiner oft verwirrten Mutter annähert und dabei viele gut gehütete Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit und Jugend während des Zweiten Weltkriegs enthüllt werden, die mit dem Grand National zusammenhängen. Ganz neue Seiten entdeckt Carlo an seiner Mutter und erfährt schließlich verblüffende Details aus ihrem damaligen Leben - von ihren außergewöhnlichen Talenten, ihren Träumen, ihrer großen Liebe, aber auch ihrem schmerzvollen Verlust. Ganz nebenbei erkennt er, wie wenig er über das Leben seiner Mutter weiß. So muss er sich eingestehen, dass er vieles von dem, was um ihn herum geschehen ist, nur oberflächlich wahrgenommen und nicht verstanden hat, ja, dass die Menschen, die ihm am nächsten sind, ihm stets rätselhaft und fremd geblieben sind und er mehr oder weniger blind und unsensibel durch sein Leben geht. Buti hat in seinem Roman wundervolle, ausgefallene Charaktere geschaffen, die einen mit ihren Eigenarten faszinieren und die man nur ungern gehen lässt. Er versteht es hervorragend, die Emotionen und Gesten seiner liebenswerten Figuren glaubhaft und treffend zu skizzieren. Vor allem mit seinem Hilfsgärtner Agon, seiner dunklen, beklemmenden Vergangenheit im Kosovo aber auch mit seinen pragmatischen Lebensweisheiten ist Buti eine überaus tiefgründige, authentische Figur gelungen, die mich sehr beeindruckt und für einige Schmunzelmomente gesorgt hat. Langsam entfaltet sich die Vielschichtigkeit der Geschichte mit ihren wiederkehrenden Motiven, die zunehmend an Tiefgang gewinnt und zum Nachdenken anregt. Geschickt sind die verschiedenen, eher beiläufig erzählten Handlungsstränge miteinander verwoben, werden zum Ende hin zusammengeführt und doch bleibt einiges vage in der Luft hängen. Schade, dass dieser Roman so schnell zu Ende ging, denn ich hätte gerne noch einige Hintergründe erfahren - es fühlte sich fast ein bisschen so an, als hätte sich der Autor unbemerkt durch die Seitentür hinausgeschlichen¿ FAZIT Ein ruhiger, wundervoll erzählter Roman mit einer melancholischen, vielschichtigen und nachdenklich stimmenden Geschichte über das Leben und außergewöhnlichen Charakteren!

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Mit seinem neuen Buch "Ein Sonntag mit Elena" ist dem italienischen Autor Fabio Geda ein eher stiller, atmosphärisch dichter Roman gelungen, der nachdenklich stimmt und noch länger in Erinnerung bleibt. Geda erzählt auf gerade einmal etwas mehr als 200 Seiten eine berührende und tiefgründige Geschichte von schlichter Schönheit und faszinierender Leichtigkeit. Es handelt sich hierbei eigentlich um eine kleine Episode, wie das Leben sie schreibt mit Momenten voller Herzenswärme, Zuversicht aber auch gewissen Unergründlichkeiten. Schon nach wenigen Seiten hatte mich die Geschichte rund um diesen vereinsamten, sympathischen alten Herrn mit der zart-poetischen Sprache, dem ruhigen Erzählstil und seiner besonderen Atmosphäre gefangen genommen. Die vom Autor gewählte Erzählperspektive sorgt anfangs etwas für Verwirrung, denn die Geschehnisse rund um besagten Sonntag werden nicht vom Protagonisten selber, sondern aus Sicht seiner jüngeren Tochter Giulia im Rückblick geschildert, die dabei gar nicht anwesend war. Erst sehr viel später klärt sich auf, wie dies zustande kommen konnte. Durch diese geschickt gewählte Erzählperspektive erfahren wir in eingestreuten Passagen zugleich aber auch eine Menge Wissenswertes aus Giulias Leben als Künstlerin und ihr nicht unproblematisches Verhältnis zu ihrem Vater, Erinnerungen an ihr gemeinsames Familienleben und interessante Informationen zu ihren Eltern und deren Ehe sowie zu ihren Geschwistern. So erhalten wir allmählich Einblicke in eine nicht ganz so intakte und harmonische Familie, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, und können uns unseren eigenen Reim auf die angedeuteten, aber unausgesprochenen Probleme aber auch die tiefen inneren Verletzungen in dieser Familie machen. Anders als der Klappentext nahelegt rankt sich die Geschichte jedoch nicht nur um den titelgebenden Sonntag mit Elena, sondern lässt uns teilhaben an dem recht einsamen Lebensalltag des erst vor kurzem verwitweten Protagonisten, der sich in seinem kleinen Mikrokosmos gut eingerichtet hat und eine gewisse Entfremdung zu seinen Kindern nicht wirklich realisieren möchte. Mit viel psychologischem Feingefühl ist es dem Autor gelungen, seine Hauptfigur mit seinen Stärken und Schwächen authentisch und glaubhaft zu zeichnen. Nach und nach erfahren wir auch Details aus seinem Berufsleben als Ingenieur im Brückenbau. Eine Tätigkeit, die ihn mit großem Stolz erfüllt, die ihn aber oft für lange Zeit ins Ausland führte und ihm wenig Zeit für das Familienleben mit seinen drei Kindern ließ. Berührend ist es mitzuerleben, wie durch die zufällige Begegnung mit der jungen ebenfalls verwitweten Mutter und ihrem aufgeweckten Sohn Gaston und die spontane Essenseinladung, die ihre Einsamkeit und Traurigkeit für kurze Zeit vergessen ließ, unbewusst etwas in Gang gesetzt wurde. Erst viele Jahre später wird den Beteiligten die schicksalhafte Bedeutung jenes Sonntags offenbar und es zeigt sich rückblickend, dass jene zufällige Begebenheit ihren weiteren Lebensweg beeinflusst hat. Geda hat für seine feinfühlig erzählte Geschichte passender Weise ein trauriges, etwas offenes Ende gewählt, lässt seinen Roman aber schließlich doch versöhnlich ausklingen. FAZIT Ein eher stiller, feinfühlig erzählter Roman mit einer berührenden und tiefgründigen Geschichte, die zum Nachdenken anregt! Sehr lesenswert!

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Mit "Zugvögel" hat die australische Autorin Charlotte McConaghy einen bemerkenswerten Roman vorgelegt, der mit seiner erschütternden Thematik und Intensität unter die Haut geht und sehr nachdenklich stimmt. In ihrem Roman ist McConaghy ein abwechslungsreicher und faszinierender Genremix aus bewegendem Familiendrama, unterhaltsamen Abenteuerroman, wunderschönem Nature Writing, bedrückender "Climate Fiction"und schockierendem Endzeitroman gelungen. Behutsam führt uns die Autorin in das beklemmende und erschreckend realistisch wirkende Setting ihrer in einer nahen Zukunft angesiedelten Geschichte ein und es dauert eine Weile bis man voller Beklommenheit erkennt, dass wegen des Klimawandels nicht nur einzelne Tierarten vom Aussterben bedroht sind, sondern dass die komplette Tierpopulationen betroffen ist und Fische, Reptilien, Affen, Bären, Großkatzen oder Wölfe fast völlig aus ihrem Lebensraum verschwunden sind. Sogar Wälder stehen vor dem totalen Kollaps und werden in einigen Jahren nicht mehr existieren, so dass es Wartelisten für Naturliebhaber gibt, um diese noch ein letztes Mal besuchen zu dürfen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die etwas seltsame Protagonistin Franny Stone, die sich in den Kopf gesetzt hat, die letzten Küstenseeschwalben auf ihrer möglicherweise letzten beschwerlichen Reise von Grönland bis zur Antarktis zu folgen. Alles setzt sie daran, um an Bord der Saghani, eines der wenigen verbliebenen Fischereiboote, zu kommen sowie Kapitän und Crew davon zu überzeugen, den mit Peilsendern markierten Vögeln auf ihrer "Wanderung" Richtung Süden zu folgen - in der Hoffnung, dass diese sie zu großen Fischschwärmen und einem ertragreichen Fang führen. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich in die recht düstere Erzählung hineingefunden habe und insbesondere mit der sehr außergewöhnlichen Protagonistin und Ich-Erzählerin, ihrer zunächst unverständlichen Getriebenheit und ihren dunklen Geheimnissen warm wurde. Doch dann konnte ich mich der enormen Sogwirkung dieser eindringlichen, bisweilen verwirrenden und aufwühlenden Geschichte nicht mehr entziehen. Bald war ich völlig von der dichten, melancholischen Stimmung und den atemberaubenden Naturbeschreibungen gefesselt. Franny ist ein vielschichtiger, schwieriger und sehr ambivalenter Charakter, der von den Schatten der Vergangenheit gezeichnet ist und oft von ihren irritierenden Seelenzuständen und düsteren Obsessionen in die Tiefe gezogen wird. Sehr eindringlich bringt sie uns Frannys unentwegten Kampf gegen ihre inneren Dämonen näher und konfrontiert uns mit den Abgründen ihrer instabilen Psyche. Geschickt präsentiert die Autorin in den eingestreuten Rückblenden schrittweise Einblicke in Frannys tragische Vergangenheit und leidenschaftliche, impulsive Ehe mit dem Wissenschaftler Niall, so dass immer mehr Geheimnisse aber auch traumatische Ereignisse und Verluste ans Licht kommen. So beginnt man allmählich die Hintergründe für Frannys fatale "Wanderlust" zu verstehen, bewundert ihre Stärke und leidet mit ihren Qualen. Schließlich begreift man auch den Beweggrund für ihre besessene Jagd nach den letzten Vögeln der Welt, mit der sie sich eine letzte Chance auf persönliche Erlösung und Selbstvergebung erhofft. Sehr faszinierend sind auch die übrigen, teilweise sehr exzentrischen Charaktere der Crew des Fischerboots, die auf ihre Weise alle sehr »speziell« und mit vielen Ecken und Kanten sind und ihre besondere Rolle während ihrer oft herausfordernden und lebensbedrohlichen Reise übernehmen. Die Autorin beendet ihren aufwühlenden und eindringlich geschriebenen Roman trotz aller Düsternis mit einem berührenden und hoffnungsvollen Ausklang, der sehr nachdenklich aber auch versöhnlich stimmt. FAZIT Ein eindringlicher, bewegender Roman mit einer aufwühlenden, sehr bemerkenswerten Geschichte und einer faszinierenden Heldin. Ein herausforderndes, aber unvergessliches Leseerlebnis!

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Neben dem gleichnamigen, im Jahr 2018 heraus gekommenen Film ist nun auch der Roman Die Dirigentin erschienen, in dem sich die niederländische Regisseurin, Drehbuchschreiberin und Autorin Maria Peters bedeutsamen Stationen aus dem faszinierenden Leben von Antonia Brico (1902-1989), eine der ersten erfolgreichen Dirigentinnen der Welt, widmet. Die in den Niederlanden geborene und in den USA als Adoptivkind in einfachen Verhältnissen aufgewachsene Frau aus musste sich ihren großen Traum und ihren Weg zum Dirigentenpult gegen viele Widerstände hart erkämpfen. Als erste Frau gelang es ihr 1930 die Berliner Philharmoniker zu dirigieren und leitete für einige Zeit das von ihr 1934 geründete reine Frauenorchester New York Women¿s Symphony Orchestra. Doch der wirkliche Durchbruch als weltweit gefeierte Dirigentin blieb der ehrgeizigen Pionierin in dieser bis heute fast reinen Männerdomäne verwehrt und so geriet schließlich diese faszinierende Frau, die ihr Leben der Musik verschrieben hatte, weitgehend in Vergessenheit. Wie die Autorin in ihrem "Dank" schildert, hat sie sich sehr intensiv mit der Lebensgeschichte von Antonia Brico beschäftigt, sorgsam viele Details recherchiert und konnte sich zudem auf den ausführlichen biografischen Bericht von Antonias Cousin Rex Brico stützen. Dennoch hat die Autorin in ihren Roman auch einige fiktive Geschehnisse und Figuren einfließen lassen. Am Ende des Buchs findet der interessierte Leser in "Quellen" eine Zusammenstellung von weiterführender Literatur über Antonia Brico, Dokumentationen sowie Links zu interessanten Internetquellen. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Antonia sowie aus Sicht der beiden fiktiven männlichen Charaktere Frank und Robin erzählt, die in Antonias Leben eine bedeutsame Rolle spielen und exemplarisch für ihre verschiedenen Männerbekanntschaften stehen. Angesiedelt ist die Handlung in den Zwanziger- und Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts und führt uns von New York, über Amsterdam und nach Berlin. Maria Peters ist es gut gelungen, bedeutsame Stationen im bewegten Leben dieser jungen, mutigen Frau voller Ambitionen, Willensstärke und Leidenschaft für die Musik einzufangen und diese zu einer fesselnden, abwechslungsreichen und stimmigen Geschichte mit schönem Zeitkolorit zusammen zu fügen. So schildert sie in sehr eindrucksvollen Episoden wie die Protagonistin zu Anfang in ihrem Job als Platzanweiserin sich in die Rolle der Dirigentin hineinträumt oder sie mit ihrem hölzernen, technisch perfekten aber ausdruckslosen Klaviervorspiel an der Aufnahmeprüfung scheitert, aber unbeirrt alles daran setzt, um ihren großen Traum Dirigentin zu werden zu realisieren. Sehr unterhaltsam waren auch die spannenden Einblicke in die Welt des Cabarets in New York, in dem Antonia sich als Pianobegleitung zusätzliches Geld verdient. Die Autorin hat Antonias steinigen, sehr frustrierenden Weg nach oben sehr mitreißend und anschaulich inszeniert und lässt uns teilhaben den Unterrichtsstunden und Proben mit dem frauenfeindlichen, herrischen Dirigenten Karl Muck, oder ihrem ersten Konzertauftritt in Berlin. Während die freundschaftliche Beziehung zwischen Antonia und Robin Jones mit seinem streng gehüteten Geheimnis sehr bewegend erzählt wird, empfand ich die fiktive Liebesgeschichte zwischen Antonia und dem wohlhabenden Musikmanager Frank Thomsen etwas zu melodramatisch und klischeehaft. Für meinen Geschmack wurde ihr ein etwas zu hohen Stellenwert in der Geschichte eingeräumt. Einen größeren Fokus hätte ich mir auf ihren ehrgeizigen Ambitionen gewünscht und hätte gerne noch viel mehr über ihr Innenleben, die Bedeutung der Musik für sie oder die alltäglichen Herausforderungen in ihrem Musikerinnenleben erfahren, wie beispielsweise ihren stetigen Kampf um Anerkennung ihrer Leistungen in der von Männern dominierten Welt der klassischen Musik und ihre Reaktionen auf Anfeindungen und Diskriminierung. Auch die Hintergründe von Antonias Familiengeschichte empfand ich als etwas zu rasch abgehandelt und hätte gerne noch mehr Details erfahren. Maria Peters ist es recht gut gelungen, mir die Persönlichkeit dieser starken, kämpferischen und überaus talentierten Frau näher zu bringen. Dennoch hätte ich mir doch etwas mehr Tiefgang und eine vielschichtigere Charakterisierung der Protagonistin gewünscht, die leider nicht für mich nicht richtig greifbar wurde. Im Anhang des Romans gibt Peters schließlich noch einen knappen Einblick in Bricos weitere Biografie und ihren wenig glamourösen, weiteren Werdegang als Dirigentin. Denn trotz einiger Erfolge blieb ihr als eine der ersten Dirigentinnen der Welt der wirkliche Durchbruch verwehrt und musste ihren Lebensunterhalt als Klavierlehrerin bestreiten. FAZIT Ein interessanter Roman über die fast völlig in Vergessenheit geratene Antonia Brico - eine außergewöhnlich bemerkenswerte Frau, die sich zu einer der ersten Dirigentinnen der Welt hochgekämpft hat! Eine abwechslungsreich angelegte und gut recherchierte Geschichte, der allerdings etwas mehr Tiefgang nicht geschadet hätte.

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Mit »Jahresringe« ist dem aus dem Rheinland stammenden Realsschullehrer und Debüt-Autor Andreas Wagner eine beeindruckender, tiefgründiger und emotionaler Roman gelungen, der mich rasch in seinen Bann ziehen konnte. Eindringlich und einfühlsam erzählt Wagner eine bewegende und nachdenklich stimmende Familiengeschichte über Heimat, Heimatverbundenheit, der Suche nach Identität, Vertreibung, Verlusten und Entwurzelung. Zugleich führt er uns die erschreckenden Folgen des Braunkohletagebaus am Hambacher Forst und die beispiellose Zerstörung von einzigartiger Natur und Lebensraum vor Augen und lässt und an den menschlichen Schicksalen teilhaben. Andreas Wagner hat seine berührende Familiengeschichte, die sich über 3 Generationen hinweg von 1946 bis hinein ins Jahr 2018 erstreckt, in drei Teilen und auf drei unterschiedlichen Zeitebenen angelegt. Angesiedelt ist die tiefgründige Geschichte in einem kleinen niederrheinischen Dorf Lich-Steinstraß, das am Rande des alten Bürgewalds (Hambacher Forst) im Schatten des sich durch die Landschaft fressenden Braunkohletagebaus liegt. Ein allwissender Erzähler führt uns durch die atmosphärisch sehr unterschiedlich angelegten Teile der Geschichte, in deren Mittelpunkt verschiedene Mitglieder der Familie Klimheit stehen - beginnend mit Leonore, über seinen Sohn Paul bis hin zu seinen Kindern Jan und Sarah. Im ersten Teil begleiten wir die junge Kriegswaise Leonore, ein zum Ende des 2. Weltkriegs allein aus Ostpreußen geflohenes Mädchen, das nach langer Odyssee schließlich im äußersten Westen Deutschlands Zuflucht in einem kleinen Dorf zwischen Aachen und Köln findet und bei einer Bäckersfamilie aufgenommen wird. Obwohl sie in den Augen der Dorfgemeinschaft als "Flüchtlingskind" und "Evangelische aus dem Osten" stets eine Fremde und Außenseiterin bleibt, wird dieser Zufluchtsort mit seinem tröstlichen Wald eine zweite Heimat für sie. Mit einem gut portionierten, sehr ansprechenden Hauch Mystik, einiger märchenhafter Erzählelemente und vieler bedeutungsschwangerer, nicht auserzählter Leerstellen verbreitet Leonores Geschichte eine ganz eigentümliche, oft mysteriöse Atmosphäre, die mich sofort fesseln konnte. Der zweite Teil hat Paul, Leonores unehelichen Sohn, zur Hauptfigur. Es ist eine nostalgisch stimmende Coming-of Age Geschichte, die mitten hinein in die Siebziger Jahre führt. Paul muss sich schmerzlichen Verlusten und harten Herausforderungen stellen sowie eine schwierige Entscheidung für ihre Zukunft treffen. Der herannahende Braunkohle-Abbau bedeutet nicht nur eine unwiederbringliche Zerstörung des angrenzenden Walds und der Landschaft, sondern bedroht auch ihre Heimat und ihr geliebtes Dorf am Rand des Hambacher Forstes. Sehr eindrücklich und beispielhaft fängt Wagner die konträren Einstellungen in der Dorfgemeinschaft ein gegenüber den Zwangsumsiedlungen und den Rodungsarbeiten im des RWE Wald ein. Von Aufbruchsstimmung über Fatalismus bis hin zu offener Feindseligkeit und Kampfbereitschaft reicht die Bandbreite - doch das unausweichliche Ende lässt auch Paul nach langem Widerstand schließlich kapitulieren. Auch im letzten Teil, der uns schließlich in die Gegenwart führt, beschäftigt sich Wagner mit den vielfältigen Auswirkungen des gigantischen Braunkohletagebaus, der gnadenlosen Zerstörung von Natur und dem Verlust von Heimat. Eindringlich führt er uns die menschlichen Schicksale und Tragödien vor Augen, die bitteren Opfer und Niederlagen. Zugleich lässt er uns aber auch am erbitterten Widerstand gegen die Rodungen im Hambacher Forst, der mit seinem einzigartigen Biotop bereits nur noch 1/10 seiner ursprünglichen Fläche besitzt. So treffen wir schließlich auf Leonores Enkel Jan und Sarah, die in ihren Lebenskonzepten nicht gegensätzlicher sein könnten und sich als erbitterte Gegner gegenüberstehen. Während Jan für den Braunkohle-Riesen am Raubbau und der Umweltzerstörung beteiligt ist, engagiert sich Sarah als Aktivistin für den Erhalt des Hambacher Forsts und beteiligt sich an der Besetzung des Walds. Hautnah lässt uns Wagner an den heftig geführten Protestaktionen teilhaben, dem unermüdlichen Kampf der Aktivisten im besetzten Wald und der brutalen Räumung ihres Camps. Mit Leonore hat der Autor eine überaus vielschichtige, sehr authentische Hauptfigur geschaffen, die mich sehr beeindruckt hat und deren Schicksal sehr berührt und zu Herzen geht. Sehr differenziert und glaubwürdig hat er auch seine übrigen Figuren und ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte ausgearbeitet. Andreas Wagner versteht es hervorragend, die Gefühls- und Gedankenwelt seiner Charaktere einzufangen und glaubhaft darzustellen. Gerne hätte ich einige interessante Charaktere noch weiter begleitet und sie auf ihrem Lebensweg begleitet. FAZIT Eine tiefgründige und berührende Familiengeschichte über Entwurzelung den Verlust von Heimat vor dem Hintergrund des Braunkohletagebaus am Hambacher Forst. Sehr lesenswert!

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"American Spy" heißt der hochspannende Debüt-Roman der US-amerikanischen Autorin Lauren Wilkinson, der in den USA hochgelobt wird. In ihrem Spionageroman zeichnet sie ein faszinierendes, facettenreiches und entlarvendes Portrait einer von Rassismus geprägten Gesellschaft und des arroganten Selbstverständnisses der USA, das auch seine Außenpolitik bis heute prägt. Gekonnt nimmt Wilkinson sich verschiedener brisanter gesellschaftspolitischer Themen an, greift die Hysterie während des Kalten Kriegs auf, geht auf das keineswegs selbstlose Engagement der USA in afrikanischen Staaten ein und widmet sich zudem der Bürgerrechtsbewegungen während der 50er und 60er Jahre und der Schwarzen Emanzipation. Trotz des packenden, actiongeladenen Auftakts handelt es sich bei dem Roman nicht um einen typischen Agenten-Thriller mit hohem Tempo und jeder Menge Thrill. Rasch schaltet die Autorin nach dem brutalen Überfall auf die Protagonistin und Ich- Erzählerin Marie Mitchell und ihrer überstürzten Flucht zu ihrer Mutter nach Martinique einige Gänge zurück, so dass sich der Spannungsaufbau sehr gemächlich anlässt. Die clever komponierte und recht komplexe Spionagegeschichte, deren Haupthandlung Mitte der 1980ger Jahre angesiedelt ist, ist sehr ungewöhnlich angelegt. Die Autorin lässt die Protagonistin ihre Geschichte als Tagebuch verfassen, in dem sie ihren 4jährigen Zwillingssöhnen für den "Fall der Fälle", dass ihre letzte Mission scheitert, ein Art Vermächtnis hinterlässt, damit sie später einmal die Hintergründe ihres Handelns nachvollziehen können. Rückblickend erzählt Marie sehr ausschweifend und keineswegs chronologisch über ihre komplizierte Familiengeschichte, ihre Erlebnisse in Kindheit und Jugend, schildert in ihrem Bericht die vielfältigen Erinnerungen an ihre Agententätigkeit beim FBI, zeichnet aber auch die Geschehnisse rund um ihren letzten, alles verändernden Job auf, der sie für die CIA auf eine Auslandsmission nach Afrika brachte. In den verschiedenen, geschickt miteinander verwobenen Erzählsträngen tauchen wir ab in eine undurchsichtige Welt der Außenpolitik, der strenggeheimen Missionen und ominöser diplomatischer Verwicklungen und Intrigen der Geheimdienste. In dem Gewirr von Informationen aus verschiedenen Zeitebenen und den vielen Verwicklungen dauert es lange, bis man zu ahnen beginnt, worauf die Geschichte um Maries geheimdienstlichen Einsatz hinauslaufen könnte. Erst im letzten Drittel nimmt die Handlung dann wieder enorm an Fahrt auf. Lauren Wilkinson hat mit Marie eine interessante, facettenreiche Protagonistin geschaffen und deren privates und berufliches Umfeld, ihre moralischen Prinzipien und Beweggründe sehr anschaulich und nachvollziehbar ausgearbeitet. Wir lernen sie als eine clevere, ehrgeizige Afroamerikanerin kennen, die zu Zeiten der Reagan-Administration allein aufgrund ihrer Hautfarbe und ihres Geschlechts im männerdominierten Geheimdienst FBI kaum Aufstiegschancen hat. Als sie endlich die herausfordernde Mission angeboten bekommt, den als integer und bescheiden geltenden kommunistischen Präsidenten von Burkina Faso, Thomas Sankara, als "Honey trap" zu kompromittieren, hinterfragt sie zunächst die Hintergründe ihres Geheimdienstauftrags kaum. So wird sie schließlich selbst zum Spielball einer fatalen Intrige. Schade, dass einige der Nebenfiguren etwas vage gezeichnet und wenig greifbar sind, auch ihre Motive und Rolle in der Geschichte bleiben leider bis zum Ende recht undurchsichtig. Sehr gut hat mir hingegen der Handlungsstrang mit der historischen Persönlichkeit Thomas Sankara gefallen, einer Ikone des afrikanischen Befreiungskampfs, den die Autorin als einen redegewandten, charismatischen und sympathischen Volkshelden darstellt. Sankara war von 1983- 1987 Präsident des afrikanischen Staates und wurde bei einem Putsch erschossen. Die Autorin hat viele gut recherchierte Hintergrundinformationen zu seinem Leben und seinen Überzeugungen als marxistischen Revolutionär in die fesselnde Handlung einfließen lassen. Mit seinem sozialistischen Kurs wollte er die Zustände seines Landes verbessern und wandte sich gegen die koloniale Ausbeutung. Er setzte sich für eine Stärkung der Landbevölkerung, einen Ausbau des Gesundheitssystems und die Gleichberechtigung der Frau ein. So hat Lauren Wilkinson mit ihrer Geschichte zugleich eine gelungene Hommage an den inspirierenden Visionär und Revolutionär verfasst, der auch als Che Guevara Afrikas in die Geschichtsbücher einging. Insgesamt ist der komplex angelegte Spionageroman mit seinem steten Wechsel der Zeitebenen und Handlungsstränge sehr abwechslungsreich und lebendig geschrieben und konnte mich mit seinen gesellschaftskritischen und politischen Einlassungen sehr fesseln. FAZIT "American Spy" ist ein fesselnder, vielschichtig angelegter und unterhaltsamer Spionageroman vor interessantem politischen Hintergrund.

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Mit "Zeiten des Sturms" hat die deutsche Erfolgsautorin Nele Neuhaus, die den meisten eher durch ihre Taunuskrimis bekannt ist, den letzten Band und wie ich finde auch einen würdigen Abschluss ihrer Sheridan Grant-Trilogie vorgelegt. Nele Neuhaus hat zugleich bewiesen, dass sie neben fesselnden Krimis durchaus auch mitreißende Unterhaltungsliteratur schreiben kann. Auch ohne die beiden Vorgängerbände zu kennen, kann man der Handlung rund um die mittlerweile 21jährige Hauptfigur Sheridan gut folgen, da wichtige Ereignisse aus deren Vergangenheit und für das Verständnis notwendige Zusammenhänge in ausführlichen Rückblicken aufgegriffen werden. Nele Neuhaus` mitreißender Schreibstil und ihr hohes Erzähltempo gefallen mir wirklich gut, so dass man nur so durch die Seiten fliegt und alles andere um sich herum vergisst. Die Autorin hat ihre Geschichte um Sheridan mit reichlich Dramatik, großen Emotionen und unerwarteten Wendungen versehen, so dass kann man der Verwirklichung Sheridans` großen Traums Sängerin zu werden, gebannt mit verfolgt. Gelungen sind die atmosphärischen Beschreibungen von Land und Leuten, auch das ganze Flair des Musik-Business finde ich sehr fesselnd und treffend eingefangen. Die gelungene Mischung aus allem lässt uns Leser*innen in eine andere Welt eintauchen, sorgt für einen guten Spannungsbogen und beschert uns abwechslungsreiche und packende Lesestunden. Schade nur, dass viele Entwicklungen für meinen Geschmack doch etwas zu klischeehaft und unglaubwürdig waren, und zudem manche Wendung einfach zu viel des Guten. Dafür versteht es die Autorin aber ihre so unterschiedlichen Charaktere zu entwickeln. Vor allem ihre Protagonistin Sheridan Grant ist eine wirklich faszinierende Figur, die von Nele Neuhaus sehr vielschichtig und detailgenau gezeichnet ist. Sie hat in ihrem noch kurzen Leben schon ganz schön viel durchmachen müssen und es nicht leicht gehabt. Sie ist zu einer selbstbewussten, mutigen jungen Frau herangewachsen, die mit Herzblut ihre Musikerinnen-Karriere verfolgt, aber auch jede Menge Komplexe und Ängste mit sich herumschleppt, innerlich zerrissen und sehr verletzlich wirkt. Ihre problembehaftete Vergangenheit verfolgt sie nicht nur in ihren Erinnerungen, sondern holt sie auch in der Wirklichkeit immer wieder ein. Sheridan ist eine sehr interessante Persönlichkeit mit vielen Ecken und Kanten und durchläuft im Laufe der Story eine interessante und glaubwürdige Entwicklung. Das Ende der Geschichte kam zwar nach den vielen Verwicklungen etwas unvermittelt, bildet aber einen runden und passenden Abschluss der gesamten Reihe und einen schönen Abschied von Sheridan Grant.                             FAZIT Ein stimmiger Abschluss der Sheridan Grant-Trilogie und eine mitreißende, abwechslungsreiche und unterhaltsame Geschichte, die sich auch als Standalone lesen lässt! Trotz einiger Schwächen ein kurzweiliges und fesselndes Lesevergnügen für den Sommerurlaub!

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Der Krimi «Morduntersuchungskommission: Der Fall Melchior Nikoleit» vom Kölner Autor Max Annas ist bereits der zweite Band einer neuen, auf vier Bände angelegten Krimi-Reihe mit Otto Castorp als Hauptfigur, der Ermittler der Morduntersuchungskommission im Bezirk Gera und Oberleutnant bei der Volkspolizei in Jena ist und im Kampf um Gerechtigkeit stets alles gibt. Für seine Kriminalromane wurde Max Annas bereits mehrfach mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Auch mit seinem neuesten Werk landete er für den Monat August 2020 prompt auf der Krimibestenliste von Deutschlandfunk Kultur und der Frankfurter Allgemeinen - zu Recht wie ich meine, denn Annas hat einen beeindruckenden, von Plot bis Atmosphäre sehr stimmigen Kriminalroman vorgelegt. Nach dem spektakulären Auftakt der Krimireihe beruht der neue, im Jahr 1985 in Jena angesiedelte Fall zwar nicht auf wahren Begebenheiten, doch wirkt dieser ebenfalls äußerst authentisch. Die Ermittlungen um den rätselhaften Mord am jungen Punker Melchior Nikoleit, der als informeller Spitzel für die Stasi angeworben wurde, gestalten sich für Otto Castorp und seine Kollegen von der MuK Gera recht schwierig. Rasch gerät Melchiors Vater ins Visier. Etwas vorschnell will man ihn zum Täter machen, denn durch seine beruflichen Westkontakte und einen Ausreiseantrag ist er als Systemfeind per se höchst verdächtig. Doch für den gewissenhaften Castorp gibt es weitere heiße Spuren im engen Umfeld des Opfers und potentielle Motive, denen er im Gegensatz zu seinen Kollegen nachgehen will. So beispielsweise Melchiors IM-Tätigkeit, die Unterschlagung von gesellschaftlichem Eigentum oder das brisante Foto aus der finsteren deutschen Vergangenheit, das den Vater von Melchiors Freund zu belasten scheint.Annas hat den fesselnden, vielschichtigen Fall in einem nüchternen, distanzierten Erzählstil verfasst - passend zu den eher gemächlich vorangetriebenen Ermittlungen der MuK, denen wir hauptsächlich an der Seite von Otto folgen. In einem weiteren Handlungsstrang erhalten wir aus der Perspektive von Julia Frühauf, Tochter eines Pfarrers, Mitglied der Punkband "Ernteeinsatz" und Freundin des Mordopfers, äußerst aufschlussreiche Einblicke in die Befindlichkeiten junger Menschen, die versuchten sich eigene Freiräume zu schaffen und dem staatlichen Anpassungsdruck und gesellschaftlichen Zwängen zu entkommen. Viele Jugendliche orientierten sich damals an der verbotenen westlichen Jugendkultur. Sehr informativ und anschaulich stellt Annas die jugendliche Subkultur der Punkszene in der DDR und ihre provokante Haltung aus Julias rückblickender Sicht dar. Interessanterweise konnten sich die Punker gerade im Schutze der evangelischen Kirche zwischen Bluesern und Friedensbewegten richtig entfalten. Mit dem Aussehen und ihrer negativen Dekadenz riefen sie die Sittenwächter der biederen DDR aber bald auf den Plan und wurden schließlich vom System brutal unterdrückt. Gekonnt lässt uns Annas in das nüchterne Alltagsleben des "Arbeiter-und Bauernstaats" Mitte der 1980ger Jahre eintauchen. Es ist eine Zeit, in der Gorbatschow gerade als neuer Generalsekretär der SU gewählt wurde, Glasnost und Perestroika noch in weiter Ferne sind, sich aber der desolate Zustand des Sozialismus allzu deutlich im Alltag zeigte, und Ausreisewellen den unausweichlichen Niedergang dokumentierten. Annas gelingt es hervorragend, die sehr beklemmende Atmosphäre einzufangen und die Folgen aufzuzeigen, die sich durch die ständige Bespitzelung der Bevölkerung durch das MfS und ihrer Spitzel herausbildeten. Dies prägte den Umgang der DDR-Bürger untereinander nachhaltig und führte zu permanentem Argwohn, gegenseitigem Misstrauen und latenten Ängsten. Sehr eindrucksvoll sind ebenfalls die verschiedenen Schauplätze der maroden DDR und die allgemeine Alltagstristesse beschrieben, die eine wundervoll authentische Kulisse für den Fall darstellen. Im angehängten Glossar kann man zudem einige weniger geläufige Begriffe aus dem DDR-Vokabular nachschlagen. Nicht nur seinen eigenwilligen Protagonisten Otto Castorp, sondern auch viele Nebenfiguren hat Anna sehr vielschichtig und lebendig angelegt und mit viel Liebe zum Detail gezeichnet, so dass man sich gut in ihr Innenleben hineinversetzen kann. Besonders gut gefallen aber hat mir Otto mit seiner ruhigen, nüchternen und abgeklärten Art und seinen Schwächen - in gewisser Weise ein tragischer Held. Er ist ein Mensch, der sich mit diesem System arrangiert aber dennoch seinen kritischen Blick bewahrt hat. So kann er sich durchaus in die Haltung der jungen Punker hineinversetzen und verurteilt sie nicht pauschal. Trotz massiver Eheprobleme, familiärer Schwierigkeiten und latenter Einschüchterungsversuche durch seinen Kollegen Rolf will er der Wahrheit im aktuellen Fall auf die Spur kommen und verbeißt sich in seine Nachforschungen ohne seine Kollegen zu involvieren. Auch wenn die Ermittlungen nur mittelmäßige Spannung aufkommen lassen, konnte mich die einzigartige Atmosphäre und das stimmige Szenario dieses Krimis sehr fesseln. Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse regelrecht und gipfeln in einem äußerst überraschenden, folgenschweren Finale mit offenem Ausklang. Ich bin sehr gespannt, wie es nach der nach der vermeintlichen Aufklärung des Mordfalls Melchior Nikoleit für Otto und seine Kollegen weitergehen wird. FAZIT Ein beeindruckender, von Plot bis Atmosphäre sehr stimmiger Kriminalroman mit tollem DDR-Zeitkolorit! Sehr lesenswert!

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Mit ihrem neuen Buch "Im grausamen Licht der Sonne" hat sich die vor allem mit ihren Romantic-Fantasy-Romanen erfolgreiche Bestsellerautorin Nalini Singh aus Neuseeland in ein neues Genre vorgewagt. Auch wenn es sich hierbei nicht wirklich um einen Thriller sondern eher um einen atmosphärisch dichten und eher ruhigen Krimi handelt, ist Nalini Singh eine spannende und sehr abgründige Geschichte mit einigen Thriller-Elementen und Gänsehaut-Momenten gelungen, die mich bald in ihren Bann ziehen konnte. Insbesondere die etwas düstere, unheilvolle Atmosphäre und die allmählich enthüllten menschlichen Abgründe bilden einen interessanten Kontrast zu dem idyllischen, traumhaft gelegenen und etwas verschlafenen Kleinstädtchen Golden Cove. Der Autorin ist es hervorragend gelungen, das Setting mit sehr bildhaften Beschreibungen der einzigartigen, von Wind und Wetter geprägten Landschaft einzufangen. Die raue Naturschönheit von Neuseelands Südinsel mit der atemberaubenden Küste und das wilde, dicht bewaldete und gefahrenvolle Hinterland sind eine grandiose, sehr stimmungsvolle Kulisse und tragen zum besonderen Flair dieses Krimis bei. Indem Singh immer wieder Wörter und Sätze auf M¿ori sowie typische Traditionen in die Handlung einfließen lässt, gibt sie uns interessante Einblicke in die faszinierende Maori-Kultur, deren Geschichte, Rituale und Sprache tief in Neuseelands Kultur und Identität verankert sind. Singhs angenehmer, mitreißender und bildhafter Schreibstil konnte mich rasch in die Geschichte hineinziehen. An der Seite der Protagonistin Anahera, die vor vielen Jahren Golden Cave verlassen hat und nun nach dem Tod ihres Mannes aus London in ihre Heimat zurückkehrt, tauchen wir allmählich in die faszinierend unheilvolle Atmosphäre des beschaulichen Ortes ein und lernen die vielen Bewohner des Orts nach und nach kennen. Sehr raffiniert hat die Autorin die Krimihandlung angelegt, die wir abwechselnd an der Seite der Hauptfiguren Ana und dem etwas wortkargen, erst vor kurzen nach Golden Cave versetzten Polizisten Will erleben. Die anfänglich ruhige Handlung nimmt mit dem plötzlichen Verschwinden der jungen Miriama und der verzweifelten Suche nach ihr eine abrupte Wendung und gewinnt mit den beginnenden Ermittlungen deutlich an Fahrt. Nach und nach werden immer neue dunkle Geheimnisse der Bewohner der Kleinstadt aber auch der verschwundenen Miri enthüllt; Affären, geheime Obsessionen, Verfehlungen in der Vergangenheit aber auch schockierende Abgründe werden aufgedeckt, so dass beinahe jeder in Verdacht gerät. Der Autorin ist es hervorragend gelungen, uns beim Miträtseln auf einige falsche Fährten zu locken und mit potentiellen Motiven immer wieder für neue Verdachtsmomente zu sorgen. Leider ist es ihr aber trotz der packenden Ausgangskonstellation nicht gelungen, den Spannungsbogen bis zum großen Finale durchgängig auf hohem Niveau zu halten. Dennoch versteht sie es hervorragend, eine tolle, unterschwellig beklemmende Grundstimmung heraufzubeschwören, die sich über die gesamte Handlung legt und für besonderen Nervenkitzel sorgt. Singh hat ihre charakterstarken Protagonisten Ana und Will vielschichtig, lebensnah und mit interessanten Hintergrundgeschichten ausgearbeitet. Durch ihre Ecken und Kanten sowie ihre problembehaftete Vergangenheit hat sie gereifte Persönlichkeiten mit Tiefgang geschaffen, die sehr authentisch wirken. Dennoch dauerte es eine ganze Weile bis ich mit ihnen warm wurde. Während der gemeinsamen Ermittlungen kommen Ana und Will sich allmählich näher, so dass die Geschichte eher dezent auch mit etwas Romantik gewürzt wird. Auch die Nebenfiguren wurden abhängig von ihrer Rolle recht facettenreich und ansprechend ausgearbeitet. Bei einigen Charakteren hätte ich mir allerdings etwas mehr Tiefgang gewünscht, um ihre Handlungen besser nachvollziehen zu können. Schrittweise lässt die Autorin die Erkenntnisse aus den Ermittlungen immer mehr zusammenlaufen, so dass der Fall mit einigen überraschenden Wendungen bis zum packenden Finale spannend bleibt. Die Auflösung des komplexen Falls und die erschütternden Erläuterungen der Beweggründe sind in sich schlüssig und auch die psychologischen Motive nachvollziehbar. Ein wirklich gelungener und sehr vielversprechender Genrewechsel der Autorin, der mich schon sehr neugierig auf einen weiteren Thriller aus ihrer Feder macht! FAZIT Ein vielschichtiger, fesselnder und atmosphärisch dichter Kriminalfall vor der grandiosen Kulisse Neuseelands!

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