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Alle Rezensionen von bookloving

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Mit seinem neuen Werk "Letzte Ehre " legt der deutsche Erfolgsautor Friedrich Ani einen fesselnden und äußerst tiefgründigen Roman vor, der mich mit den angeschnittenen Themen und intensiven Einblicken in die Abgründe der menschlichen Seele sehr bestürzt, aufgewühlt und nachdenklich zurückgelassen hat. Die sehr subtil angeschnittenen Themen wie Gewalt, männliche Machtfantasien, Kindesmissbrauch und Vergewaltigung gehen sehr unter die Haut. Anis anspruchsvolle und genial verschachtelte Erzählweise fordert dem Leser zwar einiges an Aufmerksamkeit und Mitdenken ab, doch ist es sehr spannend mitzuerleben, wie die Hintergründe und Verbindungen allmählich immer deutlicher zu Tage treten und sich schließlich zu einem erschütternden Gesamtbild zusammenfügen. Dem versierten Autor ist es in seinem in drei Teile untergliederten Roman sehr überzeugend gelungen, verschiedene, zunächst vermeintlich nicht zusammenhängende Kriminalfälle ineinander fließen zu lassen und genial miteinander zu verknüpfen. Im Mittelpunkt des Krimis steht die faszinierende Protagonistin Oberkommissarin Fariza Nasri, die im Münchner Referat 101 für Tötungsdelikte arbeitet und anfangs mit Ermittlungen zu einer verschwundenen Schülerin befasst ist. Nach und nach wird klar, dass ihr aktueller Fall mit einem alten, noch nicht aufgeklärten Fall verknüpft ist. Sehr fesselnd ist es mit zu verfolgen, wie geschickt die 58-jährige Verhörspezialistin Fariza Nasri ihre Vernehmungen führt, beharrlich ihre Nachforschungen trotz vieler Widerstände vorantreibt und allmählich ungeahnte Verbindungen und Abgründe aufdeckt. Sehr vielschichtig und beeindruckend zeichnet Ani seine verschiedenen Charaktere. In den mit verschiedenen Zeugen, Opfern und Tätern geführten Gesprächen beleuchtet Ani geschickt die interessanten und äußerst nachdenklich stimmenden Hintergrundgeschichten der verschiedenen Frauenfiguren und gewährt uns eindringliche und mitunter verstörende Einblicke in die persönlichen Schicksale der Opfer. Schrittweise führt er uns zugleich beklemmende, düstere Abgründe der menschlichen Psyche der Täter vor Augen. Sehr faszinierend hat Ani auch seine bemerkenswerte Protagonistin Fariza Nasri angelegt, die wir bereits in seinem Roman "All die unbewohnten Zimmer" kennengelernt haben. Nach und nach wird deutlich, dass auch die Ermittlerin mit ihrer belastenden Vergangenheit zu kämpfen hat und bisweilen von ihren traumatischen Erinnerungen eingeholt wird. Die schrittweise Beleuchtung ihres facettenreichen, sehr empathischen sowie unerschrockenen Charakters, der dennoch eine höchst beschädigte Persönlichkeit erkennen lässt, hat einen sehr nachhaltigen Eindruck auf mich hinterlassen, so dass ich einer Fortsetzung mit dieser interessanten Hauptfigur mit enormem Potential sehr gespannt entgegensehe. Ani ist wieder ein faszinierendes, glaubhaft ausgearbeitetes Kaleidoskop aus verschrobenen Einzelgängern, Extremisten, Gescheiterten, (Über-)Lebenskünstlern und den vielen traurigen Verlierern in dieser Gesellschaft gelungen. Er versteht es hervorragend, Stimmungen und Bilder mit viel Feingefühl und Eindringlichkeit einzufangen und anschaulich zu beschreiben. FAZIT Ein fesselnder, sehr tiefgründiger und aufwühlender Roman mit einer sehr faszinierenden Ermittlerin!

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Mit dem historischen Kriminalroman Die Toten vom Gare dAusterlitz ist dem britischen Autoren Chris Lloyd ein sehr spannender Auftakt einer neuen Krimi-Reihe gelungen, der vor dem Hintergrund des 2. Weltkriegs während des Einmarschs der Nazis in Paris im Juni 1940 angesiedelt ist. Mit vielen eingeflochtenen zeitgeschichtlichen Details, die von guter Recherchearbeit zeugen, lässt uns Lloyd in eine unübersichtliche und hochkomplexe Gemengelage in der französischen Hauptstadt zu Beginn der deutschen Besatzung eintauchen, in der seine Hauptfigur Inspecteur Éduard Giral in einem brisanten Mordfall an vier Polen und einem tragischen erweiterten Suizid zu ermitteln hat, Fälle zwischen denen ein Zusammenhang zu bestehen scheint. Doch schon bald muss sich Giral gegen die zunehmende Einmischung von Wehrmacht, Gestapo und Geheimer Feldpolizei behaupten. Mit seinen lebendigen, detailreichen Schilderungen versteht es der Autor hervorragend, uns die komplizierte politische Lage, die alltäglichen Auswirkungen der Besatzung für die Pariser Bevölkerung, bei denen von geheimen Widerstand bis hin zu opportunistischer Kollaboration mit den Nazis alles vertreten war, vor Augen zu führen. Sehr fesselnd ist aber vor allem auch die schwierige Situation für den unerschrockenen französischen Polizisten Eddie mitzuverfolgen, der bei seinen Ermittlungen nach einer Quasientmachtung der französischen Polizei durch die deutschen Besatzer ständiger Beobachtung, Willkür, Bedrohung und Manipulation ausgesetzt ist. Aber auch in den eigenen Reihen hat er gegen so manche Widersacher zu kämpfen und hat zudem privat etliche Probleme zu bewältigen, die ihm das Leben schwer machen. Der Autor hat einen fesselnden, rasanten und sehr vielschichtigen Plot entworfen. Wegen des verwirrenden Geflechts von verschiedensten Handlungssträngen und den nicht leicht zu durchschauenden Zusammenhängen hatte ich manchmal allerdings Schwierigkeiten die ganzen Hintergründe zu durchblicken. Er versteht es jedoch hervorragend, Spannung aufzubauen, so dass man völlig von dem sich entspinnenden perfiden Katz-und-Maus-Spiel gebannt ist und mit dem cleveren und unerschrockenen Giral bei seinen komplizierten Ermittlungen immer mehr mitfiebern muss. Dieser hat der nicht nur gegen intrigante Machenschaften in eigenen Reihen und den üblen Spielchen von SS und Deutscher Abwehr anzukämpfen, sondern muss auch im privaten Bereich mit dem Auftauchen seines Sohns Jean Luc auftaucht so einiges Probleme zu bewältigen. Die verschiedenen Charaktere bis hin zu den Nebenfiguren sind sehr lebendig dargestellt und umfassen eine große Anzahl an undurchsichtigen Figuren und boshaften Widersachern. Herausragend ist vor allem der facettenreiche Protagonist Giral angelegt, den wir mit seiner komplexen Persönlichkeit allmählich immer besser kennenlernen. In eingeschobenen Rückblicken erfahren wir viele Details aus seinem Vorleben und können so seine durch die im 1. Weltkrieg traumatisierte, zerrissene Psyche besser nachvollziehen - auch wenn mir bisweilen sein Verhalten doch etwas fremd geblieben ist. Man darf gespannt sein, wie er sich im Laufe der Krimireihe weiterentwickeln wird. Auch die zahlreichen Nebenfiguren sind sehr vielschichtig und interessant gestaltet, und geschickt in den faszinierenden zeitgeschichtlichen Zusammenhang eingebettet. Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse regelrecht und nach einer Vielzahl von Wendungen gipfelt die komplexe Handlung schließlich mit einer sehr überraschenden Auflösung des Falls. FAZIT Ein sehr fesselnder Auftakt einer neuen historischen Krimi-Reihe auf hohem Niveau - mit einer hochkomplexen Handlung, interessanten Charakteren und tollem Zeitkolorit. Auf die Fortsetzung bin ich schon sehr gespannt.

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Ayurveda ist ein traditionelles Medizinsystem, das vor Jahrtausenden vermutlich in der Himalaja-Region des entstanden ist, und als uralte Heilkunst dennoch so modern wie nie. In ihrem Buch Heilsam Kochen mit Ayurveda , das beim GU-Verlag erschienen ist, veranschaulichen die beiden Autoren - der prominente Mediziner Professor Dr. Dietrich Grönemeyer und der renommierte Ayurveda-Koch und Ernährungsexperte Volker Mehl - äußerst informativ und lehrreich, welchen bedeutsamen Stellenwert die Ernährung in der jahrtausendealten Heilkunst hat und wie sie als Medizin funktioniert. Gekonnt werden uns die praktischen Aspekte der modernen Ayurveda-Küche vermittelt und ein sehr inspirierender Leitfaden für eine gesunde, vegetarische Ernährung und optimale Gesundheitsprophylaxe an die Hand gegeben, um mehr Vitalität und Ausgeglichenheit im Leben zu erlangen. Basierend auf umfangreichem Wissen und vielfältigen Erfahrungsschatz über schmackhaftes Kochen und ganzheitliche Heilung ist in diesem Kochbuch eine große Vielfalt an leckeren, alltagstauglichen Rezepten zusammengestellt, die zeigen, dass gesunde Ernährung weder langweilig noch aufwendig sein muss. So finden sich jede Menge köstliche Rezepte oftmals auch mit einem interessanten exotischen Touch wie beispielsweise Warme Feigen im Kräuter-Frucht-Sud mit Kokos-Minz-Pesto, Ofensüßkartoffeln mit Mojo verde, Apfel-Gewürz-Blinis mit Apfel-Schoko-Ingwer-Kompott oder Goldene Kurkumabirne auf Milchreis. Neben köstlichem Genuss wirken die Gerichte medizinisch, indem sie die Selbstheilungskräfte in Schwung bringen, und tragen so zur ganzheitlichen Gesundheit bei. Ein Blick in das sehr informative Inhaltsverzeichnis gibt bereits einen hervorragenden Überblick über die ausführlich behandelten Themengebiete in dem einleitenden Allgemeinteil rund um Ayurveda als Heil- und Kochkunst und den eigentlichen mit VOLKERS AYURVEDAREZEPTE betitelten Rezeptteil. Sehr umfangreich und äußerst lesenswert ist der einführende, 60 Seiten starke Abschnitt von Dietrich Grönemeyer, in der sich seit langem sehr engagiert für ganzheitliche Medizin einsetzt. Sein Weltmedizin -Konzept umfasst neben Hightech, Psychosomatik und Naturheilkunde auch die »Heilung durch Ernährung. Der sympathische Autor vermittelt sehr anschaulich seinen persönlichen Weg zum Ayurveda und erläutert, wie Nahrungsmittel im Körper und die ayurvedische Ernährung als wichtiger Bestandteil von Vorsorge und Therapie wirken. Sehr interessant fand ich die ausführliche Einführung in die Grundlagen der ayurvedischen Lehre. Sehr verständlich geht der Autor auf die drei Bioprinzipien - die Doshas (Vata, Pitta und Kapha) und ihre Bedeutung ein und stellt anschließend die Auswirkungen der Ernährung auf die Doshas vor. Obwohl die Doshas sich bei jedem im Gleichgewicht befinden sollten, herrscht bei den meisten Menschen oft eine stärkere Ausprägung eines bestimmten Typs vor. In diesem Kapitel geht der Autor zudem detailliert die verschiedenen Geschmacksrichtungen, ihre Elemente und Eigenschaften ein und unterbreitet sehr ausführlich entsprechende Ernährungsvorschläge für die drei Energiemuster. Auch ohne große Erfahrung mit Ayurveda und ayurvedischem Kochen kann man den verständlichen Erläuterungen gut folgen und sehr viel dabei für seine eigene Ernährung herausziehen. Nach diesem umfangreichen, informativen Einführungsteil schließt sich nun der eigentliche Rezeptteil an, der nochmals mit einer kurzen Einleitung beginnt und einige Hinweise zur Ayurvedaküche und sehr hilfreiche Tipps zur heilsamen Ernährung enthält. Popstar der Ayurveda-Kuche Volker Mehl hat passend zu den verschiedenen Bioprinzipien 84 einfache, aber dennoch sehr raffinierte und äußerst schmackhafte Gerichte zusammengestellt. Toll ist vor allem, dass man in der Ayurveda-Kuche auf nichts verzichten muss, sondern das Leben und Essen in all seiner Vielfalt genießen kann. Der Rezeptteil ist in vier farblich voneinander abgesetzte Abschnitte Frühstück, Mittagessen, Abendessen und Süsses & Getränke gegliedert. Dank der sehr übersichtlichen Gliederung der Rezepte und einer farbigen Kennzeichnung mit speziellen Symbolen für Kapha, Pitta und Vata findet jeder entsprechend seiner Doshas die optimalen und individuell passenden Gerichte. Von Salaten über Suppen, vielfältige Getreide- und Gemüsegerichte bis hin zu süßen Gaumenfreuden ist bei den abwechslungsreichen Rezepten eigentlich alles dabei, was das Herz begehrt. Dass man nicht auf Genuss verzichten muss, wenn man sich nach ayurvedischen Prinzipien ernährt, stellt man rasch beim Durchblättern fest, so dass die Entscheidung, welches Rezept man zuerst ausprobieren möchte, wirklich schwer fällt. Entsprechend der Ayurveda -Pyramide, bei der die Lebensmittel in vier Kategorien eingeteilt werden, werden für alle Rezepte hauptsächlich kostengünstige ursprüngliche Lebens- und Grundnahrungsmittel verwendet und es wird auf starkverarbeitete sowie auf tierische Lebensmittel weitgehend verzichtet. Zu jedem Rezept findet sich eine übersichtliche Zutatenliste, eine verständlich geschriebene Zubereitungsschritte und ein ganzseitiges, appetitanregendes Foto von dem Gericht. Die Zubereitung ist in der Regel nicht allzu aufwändig, erfordert aber schon gewisse Kochkenntnisse. Am Ende des Buchs findet sich neben einer Zusammenstellung von weiterführenden Büchern und Adressen noch ein übersichtliches alphabetisches Sach- und Rezeptregister, das einem das Auffinden der Rezepte, aber auch der Zutaten und vieler im Text erwähnten Begriffe erleichtert. Gefallen haben mir auch die ansprechend klare, moderne Aufmachung und die ansprechende verschiedenfarbige Gestaltung der Seiten, die gut zum Thema passen und dem insgesamt sehr informativen Konzept des Buchs gerecht werden. Die schöne Bebilderung des Inhalts mit natürlich wirkenden, Appetit-anregenden Fotos ist ebenfalls sehr gelungen. FAZIT Ein schön aufgemachtes und sehr informatives Ayurveda-Kochbuch mit köstlichen, abwechslungsreichen Rezeptideen rund um ganzheitlicher Genuss! Sehr empfehlenswert für alle, die sich für die alte Heilkunst Ayurveda sowie ganzheitliche Ernährung und Medizin interessieren!

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Die Beichte einer Nacht von der niederländischen Schriftstellerin Marianne Philips (1886-1951) ist ein bemerkenswerter, deutlich biografisch geprägter Roman, der bei seinem Erscheinen 1930 in den Niederlanden für Aufsehen sorgte. Es handelte sich für die damalige Zeit um einen recht ungewöhnlichen Roman, der sich deutlich von der damals gängigen Frauenliteratur absetzte und seiner Zeit mit den behandelten Themen weit voraus war. Dieser faszinierende Roman, der sich thematisch mit der Suche nach weiblicher Identität und Lebensglück, den Aspekten der Kinderlosigkeit sowie der Problematik von psychischen Erkrankungen auseinandersetzt, wirkt auch gut 90 Jahre nach seiner Ersterscheinung sehr aktuell und stellt tatsächlich in der gelungenen deutschen Übersetzung von Eva Schweikart eine äußerst lesenswerte literarische Entdeckung dar. Der Schreibstil der Autorin wirkt keineswegs altbacken und antiquiert, sondern konnte mich mit den einfühlsamen und prägnanten Schilderungen auf Anhieb fesseln. Schon nach wenigen Seiten ist man gefangen von der, höchst eindringlich erzählten Geschichte um die faszinierenden Protagonistin und Ich-Erzählerin Heleen, die -in einer Nervenklinik untergebracht- über zwei Nächte hinweg einer schweigsam lauschenden Nachtschwester in einem endlos mäandrierenden Monolog ihre Lebensgeschichte mit all ihren Höhen und Tiefen erzählt. Sehr interessant sind die Rückblicke in ihre Kindheit und Jugend - als älteste Tochter einer kinderreichen Familie hatte sie es in der damaligen Zeit nicht gerade leicht. Eine unheilvolle Stimmung liegt über Heleens Erzählung, denn man ahnt bereits früh, dass ihr Aufenthalt mit dem Schicksal ihrer jüngeren Schwester Lientje zusammenhängt und sich eine schreckliche Tragödie zugetragen haben muss, die sich innerlich gepeinigte Heleen endlich von der Seele reden möchte. Der Autorin gelingt es hervorragend, eine große Intensität und eine unweigerliche Nähe zu ihrer Frauenfigur aufzubauen, so dass man ihren Ausführungen derart gebannt und aufgewühlt folgt, als würde man ihr gegenübersitzen. Gekonnt portraitiert die Autorin exemplarisch ein Frauenleben in jener Zeit und schildert die vielfältigen Aspekte eines hart erkämpften gesellschaftlichen Aufstiegs für Frauen sehr anschaulich. Sehr bemerkenswert ist insbesondere die eingehende und sehr vielschichtige Beleuchtung und Auseinandersetzung der Autorin mit den Abgründen der weiblichen Psyche, bei denen sie offenbar auch eigene biografische Elemente eingearbeitet hat. Sehr lesenswert ist auch das interessante, dem Roman angehängte Nachwort, das von Marianne Philips Enkelin verfasst wurde. Hierin widmet sich Judith Belinfante ausführlich dem Leben und Schaffen ihrer Großmutter sowie der sehr unterschiedlichen Rezeption ihrer literarischen Werke. Marianne Philips, die als Spätberufene ohne Ausbildung erst spät zur Schriftstellerei fand, hat mir mit Die Beichte einer Nacht eine faszinierenden Lektüre beschert, die mich mit seiner immer noch aktuellen Thematik fesseln und bewegen konnte. FAZIT Ein aufgrund seiner thematischen Zeitlosigkeit faszinierender und sehr lesenswerter Roman!

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Der Roman »Enriettas Vermächtnis« von der deutschen Autorin und Journalistin Sylvia Madsack erzählt von einer verhängnisvollen Erbschaft der berühmten überaus reichen Schriftstellerin Enrietta da Silva, die die Erben mit unangenehmen Wahrheiten konfrontiert und diese ganz unerwartet in ein Gefühlschaos stürzt, denn mit dem Vermächtnis sind auch dunkle Geheimnisse und eine sorgsam gehütete Lebenslüge der alten Dame verknüpft. Thematisch kreist der Roman um die Suche nach Lebensträumen, den prägenden Folgen von problematischen Familienkonstellationen und fehlender Mutterliebe sowie der Problematik von Vorurteilen und voreilig gefasster, falscher Menschenbilder. Der sehr angenehme, lebendige und feinfühlige Schreibstil konnte mich sehr überzeugen und beweist, dass die Autorin mit Sprache umzugehen versteht. Die Ausgangskonstellation mit der Testamentseröffnung, die jede Menge Komplikationen nach sich zieht und allmählich verborgene Familiengeheimnisse ans Licht bringt, klingt nach einem sehr vielversprechenden und fesselnden Roman. Während ich anfangs rasch in die unterhaltsame Geschichte hineingezogen wurde, die sich hauptsächlich um die Schauspielern Jana aus Österreich, den Schönheitschirurgen Emilio aus Argentinien sowie Enriettas verheimlichten, unehelichen Sohn Armando da Silva dreht, war ich vom weiteren Verlauf der Handlung allerdings immer weniger angetan. Zum einen entwickelt sich diese zeitweise zu einer wenig überzeugenden Dreiecksgeschichte und schnulzigen Liebesgeschichte, zum anderen verlaufen die vielfach angedeuteten Enthüllungen zu den Familiengeheimnissen sehr spannungsarm und etwas langatmig. Enttäuschend finde ich vor allem, dass der Klappentext bereits viel zu viel von den Hintergründen preisgibt, sodass es im Grunde genommen kein Familiengeheimnis mehr zu enthüllen gibt und die Handlung unnötig in die Länge gezogen wird. Andere für meinen Geschmack sehr interessante Aspekte wie beispielsweise die persönlichen Hintergründe für Enriettas Verhalten in der Vergangenheit in Buenos Aires oder auch ihre spätere Zeit in Europa als Schriftstellerin, werden von der Autorin sehr vage oder überhaupt nicht beleuchtet, so dass ihre Biografie völlig nebulös bleibt. Sehr unbefriedigend empfand ich zudem, dass die mit Enrietta eng befreundeten Charaktere -ihr Anwalt Leuthard sowie ihre Ziehtochter Jana- die erstaunlichen und ungeheuerlichen Enthüllungen zu ihrer Vergangenheit kaum reflektieren und kommentieren. Die Charaktere sind mit ihren sehr unterschiedlichen Hintergrundgeschichten recht lebendig und facettenreich angelegt. Obwohl wir im Laufe der Handlung viele Details aus ihrer Lebensgeschichte und bestimmte Aspekte ihrer Persönlichkeitsentwicklung erfahren, bleiben sie doch seltsam distanziert und unnahbar, was teilweise der Erzählperspektive geschuldet ist. Insbesondere ihre Verhaltensweisen und Beweggründe waren oft für mich nicht nachvollziehbar, so dass ich mit ihnen nie richtig warm geworden bin. Insgesamt hätte ich mir bei der Ausarbeitung der Charaktere und vor allem auch bei ihrem Verhältnis zueinander mehr psychologischen Tiefgang und subtilere Einblicke gewünscht. Nach einem letzten unerwarteten Twist am Ende lässt die Autorin schließlich ihre Geschichte, die mich leider zunehmend weniger nicht erreichen und berühren konnte, mit dem obligatorischen Happy End ausklingen. Schade, die Ausgangskonstellation für diesen Roman hatte eigentlich viel Potential gehabt, doch für meinen Geschmack hätte die Geschichte um Enriettas Vermächtnis und ihr dunkles Geheimnis etwas anders erzählt werden müssen! FAZIT Ein lebendig erzählter Roman über ein fragwürdiges Vermächtnis und die Folgen von dunklen Familiengeheimnissen und einer sorgsam gehütete Lebenslüge. Eine leider etwas farblos inszenierte Geschichte, die mich etwas enttäuscht zurücklässt!

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Mit ihrem großartigen Debüt "Stay away from Gretchen - Eine unmögliche Liebe " ist der deutschen Autorin Susanne Abel ein hervorragend recherchierter, sehr bewegender historischer Roman gelungen, der mich sehr berühren konnte und noch längere Zeit beschäftigt hat. Gekonnt konfrontiert uns die Autorin in ihrem sehr emotional und fesselnd erzählten Roman mit den Schrecken der deutschen Vergangenheit, zeigt die verheerenden Auswirkungen des 2. Weltkriegs und der erlittenen Traumata auf die Kriegsgeneration auf , die auch auf ihre Nachkommen bis in die Gegenwart nachwirken. Darüber hinaus beleuchtet sie mit dem Schicksal der "Brown Babies" und Afrodeutschen ein sehr dunkles, wenig bekanntes und nachdenklich stimmendes Kapitel der Nachkriegszeit. In der mitreißenden, in der Gegenwart angesiedelten Rahmenhandlung um Greta, die zwar körperlich fitte, aber zunehmend dementer werdende 84jährige Mutter des bekannten Fernsehmoderators Tom, enthüllt diese in plötzlich hochkommenden Erinnerungsfetzen allmählich ihre ergreifende Lebensgeschichte. In den eingeschobenen Rückblicken werden immer mehr, bislang sorgsam verborgene Details aus Gretas bewegter Vergangenheit enthüllt. Um Gretas verwirrenden Geheimnissen und seiner eigenen Familiengeschichte auf die Spur zu kommen, stellt Tom schließlich gemeinsam mit einer Assistentin weitere Nachforschungen an und begibt sich auf eine ereignisreiche Spurensuche. Die sich abwechselnden, auf unterschiedlichen Zeitebenen angesiedelten Erzählstränge, in denen die sehr warmherzig und lebensnah gezeichnete Protagonistin Gretchen steht, haben mich bald in ihren Bann gezogen. Susanne Abel ist es hervorragend gelungen, viele gut recherchierte und zeitgeschichtlich wichtige Themen der Nazizeit und deutschen Nachkriegszeit mit ihrer fiktiven Geschichte zu verweben und die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe sehr lebendig und anschaulich zu gestalten. Die Autorin nimmt uns mit auf eine abenteuerliche, sehr facettenreiche Zeitreise, beginnend mit Gretas Kindheit in Preußisch Eylau während der Nazizeit, reißt die traumatischen Erlebnisse während der überstürzten Flucht vor den Russen aus dem Osten an, lässt uns schließlich eintauchen in die entbehrungsreiche Nachkriegszeit im von den Amerikanern besetzten Heidelberg, wo Gretas während der Flucht getrennte Familie schließlich wieder zusammen findet, und lässt uns schließlich Anteil nehmen an Gretas "Unmöglicher Liebe" und ihrem höchst tragischen Ausgang. Kenntnisreich und sehr plastisch führt uns die Autorin die während der unterschiedlichen Zeitepochen vorherrschenden Verhältnisse, die politischen Einstellungen und Stimmungen in der Bevölkerung vor Augen und lässt uns in so manche erschütternden gesellschaftlichen Abgründe jener Zeit blicken. Geschickt untermalt die Autorin zudem einige zeitgeschichtliche Ereignisse und reale Begebenheiten mit Zeitdokumenten, so dass die Geschichte noch authentischer wirkt. Sehr einfühlsam erzählt Abels Gretas außergewöhnliche Lebensgeschichte voller Höhen und Tiefen, die zugleich stellvertretend für viele Frauenschicksale jener Zeit steht. Die Autorin hat mit Greta eine sehr beeindruckende, vielschichtige Frauen-Figur geschaffen, die mit ihren Eigenheiten, Stärken und Verletzlichkeiten sehr lebensnah und lebendig wirkt und die man rasch ins Herz geschlossen hat. Sie versteht es, uns im Laufe der Handlung ihr Innenleben, ihre schillernde Persönlichkeit und charakterliche Entwicklung sehr glaubhaft näherzubringen. Gekonnt zeigt sie in ihrem bewegenden Roman auf, wie nachhaltig Lebensentscheidungen auch das Leben der nachfolgenden Generationen beeinflussen und emotional prägen können. Geschickt verdichtet die Autorin ihre Geschichte immer weiter und lässt diese nach einigen unvorhersehbaren Wendungen und überraschenden Enthüllungen zwar etwas weichgespült, aber dennoch sehr stimmig ausklingen. Hervorragend hat mir auch das Nachwort der Autorin gefallen, in dem sie ausführlich die Hintergründe zu ihrem Roman erläutert und interessante weiterführende Informationen zu ihren Recherchen gibt. Abgerundet wird der Roman für alle an den angeschnittenen Themen interessierten LeserInnen mit einem umfangreichen Literatur- und Filmverzeichnis. FAZIT Ein fesselnder, sehr emotionaler historischer Roman mit einer bewegenden Lebensgeschichte und einer wundervollen Protagonistin - lebendig und mitreißend erzählt, hervorragend recherchiert und kenntnisreich umgesetzt. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre!

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Mit Webers Gasgrillbibel vom GU-Verlag ist ein neues einzigartiges Standardwerk rund ums Grillen auf dem Gasgrill herausgekommen, das sich speziell an Gasgrill-Fans richtet und eine Menge Experten Know-how und Spezial-Tipps vermittelt, damit beim Grillen und Kochen im Freien nichts mehr schief gehen kann. In seinem Buch präsentiert uns Weber-Grillexperte, Foodstylist und Kochbuchautor Manuel Weyer neben vielen bewährten Klassikern auch interessante neue, teilweise ungewöhnliche Kreationen. Über 250 absolut köstliche Rezepte zum Grillen von Rind-, Lamm-, Wild- und Schweinefleisch sowie von Fisch und Meeresfrüchten finden sich in dem reich bebilderten Buch und machen Lust darauf, sich gleich ins Grillabenteuer zu stürzen; aber auch die Zusammenstellung von raffinierten Rezeptideen mit Gemüse und Obst vom Grill sowie von Gebäck und leckeren Süßspeisen kann sich sehen lassen. Wie bei allen Weber Grillbüchern führt uns Manuel Weyer auch in seiner ¿Weber`s Gasgrillbibel¿ sehr ausführlich in dem vorangestellten Teil ¿Das Prinzip Grillen¿ in die Grundtechniken rund ums Gasgrillen ein, bevor es dann an den eigentlichen Rezeptteil geht. Wie er bereits in seinem Vorwort erklärt, ist es wichtig sich mit seinem eigenen Gasgrill vertraut zu machen und auch die ¿11 Gebote des Gasgrillens¿ zu beherzigen. ¿Learning by doing¿ ist sein Motto, denn mit zunehmender Erfahrung wird es dann auch möglich sein, mit den Zutaten und Zubereitungsmethoden zu experimentieren und ein virtuoser Grillmeister zu werden. So empfiehlt er zunächst mit seinen TOP ELEVEN-Rezepten zu beginnen, zu denen die bekanntesten und beliebtesten Grillgerichte zählen, und die unterschiedlichen Zubereitungsmöglichkeiten kennen zu lernen. Weyers Erläuterungen zur Theorie sind mit praktischen Beispielen und hilfreichen Anleitungen und zahlreichen Step-Fotos äußerst anschaulich, informativ und auch für Anfänger sehr nachvollziehbar umgesetzt. Vom richtigen Handwerkszeug, über wichtiges Zubehör, den Grundprinzipien und ¿techniken bis hin zu nützlichen Hinweisen zum Thema Lebensmittel sowie übersichtliche Tabellen zum Nachschlagen für die Grillzeiten von Fleisch, Fisch, Geflügel und Gemüse wird hier das notwendige Know-how zum sicheren Gelingen vermittelt. Dank seiner vielen Tipps und Tricks fühlen wir uns gut gerüstet und können das Grillabenteuer entspannt angehen. Abgerundet wird der erste Teil mit Rezepten für sehr schmackhafte Würzmischungen, Marinaden, Saucen und Dips. Nach dem ausführlichen Theorie-Teil bietet das erste Kapitel ¿TOP ELEVEN¿ schon einen tollen Einblick in die erstaunliche Vielfalt des Gasgrillens. Von der STONED GRILLED PIZZA, über die klassischen BEEF BURGER, das BEEF CAN CHICKEN in verschiedenen Variationen, dem LACHS VON DER PLANKE oder dem MEDITERRANEN GRILLGEMÜSE ¿ die vorgestellten Rezepte mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen machen allesamt Appetit auf mehr. Die ausführlichen und sehr übersichtlichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen sind hervorragend mit Fotos untermalt, nehmen dem Hobbygriller jegliche Scheu vor der Zubereitung und lassen sich problemlos nachmachen. Allerdings muss man sich für viele Rezepte vorher das notwendige Equipment wie Pizzastein, Geflügelhalter, Zedernholz-Räucherbrett oder gelochte Grillpfanne besorgt haben. Da diese Gerichte vom Grill sind nicht nur schmackhafter, sondern durchaus auch gesünder sind, empfiehlt es sich, nach und nach das entsprechende Zubehör anzuschaffen. Der eigentliche Rezeptteil umfasst neun verschiedene Kapitel mit den Themenbereichen: TOP ELEVEN, RIND & KALB, SCHWEIN, LAMM & WILD, GEFLÜGEL, FISCH & MEERESFRÜCHTE, GEMÜSE, OBST & SIDES, SPECIAL & FREAKY, SÜSSES & DESSERTS sowie KIDS¿CHOICE Von den Klassikern Beef Burger oder Spareribs, Chicken Wings über fleischlose Grillgerichte bis zu verführerischen Nachspeisen für Schleckermäulchen wie Käsekuchen oder Tarte Tatin findet sich eine interessante Vielfalt an köstlichen Gerichten. Da fällt einem beim Durchblättern die Entscheidung, welches Rezept man zuerst ausprobieren möchte, richtig schwer. Der Rezeptteil ist insgesamt sehr übersichtlich gestaltet. Die einzelnen Zubereitungsschritte sind verständlich erklärt und meist mit Stepbildern Schritt für Schritt dargestellt. Oft gibt es in zusätzlichen Kästen aber noch ergänzende Hinweise zu Warenkunde oder Tipps zur Zubereitung von passenden Beilagen. Die meisten Rezepte sind für 4 Personen ausgelegt und mit Angaben zur Vorbereitungszeit, Grillzeit, der Grillmethode sowie der Ruhezeit versehen. Hervorragend gefallen hat mir auch die sehr ansprechenden Gestaltung des ganzen Buches und tolle, stimmungsvolle Bebilderung der Rezepte mit natürlich wirkenden, Appetit-anregenden Fotos von Mathias Neubauer. Am Ende findet sich noch ein ausführliches alphabethisches Register. FAZIT Ein toll aufgemachtes, hochinformatives Standardwerk rund ums Grillen mit einem Gasgrill ¿ mit viel Know-how für ein richtiges und genussvolles Grillen und einer äußerst abwechslungsreichen Rezeptsammlung, die keine Wünsche mehr offen lässt! So kann die neue Grillsaison starten!

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In seinem beeindruckenden historischen Roman "Sie haben mich nicht gekriegt" hat sich der österreichische Autor Felix Kucher den faszinierenden Lebensgeschichten zweier starker Frauen angenommen, die kaum gegensätzlicher sein könnten und die zeitgleich im 20. Jahrhundert völlig unterschiedliche Lebensentwürfe lebten. Während die Revolutionärin und überzeugte Kommunistin Tina Modotti als bekannte historische Persönlichkeit in die Zeitschreibung einging, die als armes Arbeiterkind aus Italien eine schillernde Karriere als Schauspielerin in Hollywood, Avantgarde-Fotografin begann und als Komintern-Agentin für Stalin um die halbe Welt reiste und für die Gleichheit aller Menschen, eine klassenlose Gesellschaft und gegen den Faschismus kämpfte, ist die jüdische Buchhändlerin Marie Rosenberg aus Fürth kaum jemandem ein Begriff, obwohl auch sie nach ihrer Flucht vor den Nazis in den USA eine erstaunliche Erfolgsgeschichte aufzuweisen hat. Kucher ist es hervorragend gelungen, uns mit auf eine ereignisreiche und schicksalhafte Reise in die erste Hälfte des 20. Jahrhundert zu nehmen und uns die in den historischen Kontext hervorragend eingebetteten Biografien der beiden Frauen sehr abwechslungsreich und anschaulich näher zu bringen. Hierbei verknüpft er geschickt ihre bewegten Lebensläufe und zeigt in verschiedenen Episoden auf, wie jede auf ihre ganz eigene Art - ob nun mit Mut und Beharrlichkeit oder Kampfeswillen, Wagemut und Rebellion - ihren eigenen Weg beschritten, sich den vielfältige Widrigkeiten jener Zeit entgegen gestellt und dem Faschismus in verschiedensten Ausprägungen widersetzt hat. Nach einer packenden, im Jahr 1937 während des Spanischen Bürgerkriegs angesiedelten Szene zum Einstieg setzt die chronologisch erzählte Handlung im Jahr 1902 ein und wird in zeitlich entsprechend gekennzeichneten Kapiteln fortgeführt. Der Autor hat die äußerst faszinierende Gegenüberstellung der so gegensätzlichen Biografien seiner beiden Protagonistinnen sehr fesselnd umgesetzt. Gekonnt verzahnt er die beständigen Wechsel der Erzählperspektiven zwischen seinen Charakteren Tina und Marie, indem er die Worte des letzten Satzes in der neu beginnenden Szene mit aufgreift. Die so geschaffenen fließenden Übergänge haben mir aber hervorragend gefallen und sind äußerst raffiniert gewählt; sie sorgen anfangs zwar für eine gewisse Irritation beim Lesen, doch schon nach wenigen Sätzen wird klar, aus welcher Sichtweise die Geschehnisse erzählt werden. Man merkt deutlich, dass der Autor sich eingehend mit den Biografien der beiden außergewöhnlichen Frauen beschäftigt hat. Zudem hat er ihr Umfeld sowie das politische und zeitgeschichtliche Geschehen jener Zeit sehr gründlich recherchiert und diese äußerst anschaulich und authentisch in die jeweilige Handlung eingebaut. Neben historisch verbürgten Begebenheiten gibt es aber auch viele Episoden, in denen er sich dramaturgische Freiheiten in Bezug auf Schauplätze, Figuren und zeitliche Abläufe genommen hat. So schildert er in seiner Geschichte beispielsweise drei kurze Begegnungen der Frauen miteinander, die sich in Realität sicherlich nicht zugetragen haben werden. Schade finde ich allerdings, dass der Autor auf ein ausführliches Nachwort mit einigen Anmerkungen zu Fakten und Fiktion verzichtet hat. Mit seinem ansprechenden und recht ruhigen Schreibstil gelingt es Felix Kucher sehr schnell uns in seine faszinierende, vielschichtige Geschichte hineinzuziehen und uns die so unterschiedliche Welt der beiden Protagonistinnen nahezubringen. Sehr abwechslungsreich und einfühlsam portraitiert er in sorgfältig ausgewählten Episoden nicht nur den außergewöhnlichen Lebensweg von Marie und Tina, in dem er uns an bedeutsamen Stationen ihres wechselvollen Lebens teilhaben lässt, sondern gewährt uns auch sehr aufschlussreiche Einblicke in ihre so konträre Persönlichkeit, ihr Innenleben und ihren Ambivalenzen. Zwar ist es mir nicht leicht gefallen, Bezug zu den ihnen aufzubauen, doch haben mich die überzeugend und authentisch gezeichneten Frauenschicksale mit ihren faszinierenden Lebensentwürfen schließlich sehr in den Bann gezogen. Die außergewöhnlich schöne, selbstbewusste kommunistische Revolutionärin Tina Modotti führt ein umtriebiges Leben an der Seite vieler berühmter Gefährten, hat sich voller Leidenschaft, Todesmut und ideologischer Verblendung ganz dem Klassenkampf verschrieben und schreckt auch vor Gewalt nicht zurück. Die behütet aufgewachsene, eher unpolitische Fürther Buchhändlerin Marie Rosenberg hingegen, die aus einer assimilierten jüdischen Familie stammt, verkriecht sich angesichts der antisemitischen Repressalien der Nazis und dem zunehmenden Judenhass in ihre Welt der Bücher und hofft noch lange auf bessere Zeiten. Erst 1939 flüchtet sie schließlich fast in letzter Sekunde vor den Nazis nach New York und eröffnet der finanziellen Notlage gehorchend als Mary S. Rosenberg in ihrem Wohnzimmer am Broadway eine Buchhandlung, die schon bald zu einer Institution für alle an deutschsprachiger Literatur Interessierten, Anlaufstelle für berühmte Emigranten in Amerika und eine beeindruckende Lebensaufgabe wurde.

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Nach ihren beiden gelungenen Romanen Kranichland und Kastanienjahre erzählt die deutsche Autorin Anja Baumheier in ihrem neuen Buch "Die Erfindung der Sprache" erneut eine bewegende und recht tragische Familiengeschichte. Mit seiner märchenhaft-skurrilen Handlung und seinem etwas gewöhnungsbedürftigen Schreibstil nimmt uns die Autorin diesmal mit auf eine abenteuerliche und sehr ungewöhnliche Lesereise, die thematisch reizvoll, äußerst unterhaltsam aber phasenweise auch recht anstrengend zu lesen ist. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der sehr eigenwillige und schrullige Protagonist Adam Riese, der wohlbehütet auf der fiktiven, sehr beschaulichen ostfriesischen Insel Platteoog aufgewachsen ist und als promovierter Sprachwissenschaftler an der Berliner Universität lehrt. Der hochbegabte Adam ist mit seinen deutlich autistischen Zügen ein liebenswerter Sonderling, der sich im Leben durch seine fehlende Sozialkompetenz schwer tut und recht zurückgezogen lebt. Mit all seinen Marotten und Phobien insbesondere auch seine Vorliebe für Listen und die Zahl 7 oder seinem inneren Ratgeber in Form einer neongelben Leuchtreklametafel, die ihm ständig mit Botschaften dazwischen funkt, ist Adam eine herrlich skurrile Figur, die man rasch in sein Herz schließt. Der bisweilen etwas bizarren Handlung folgen wir auf zwei Erzählsträngen, die auf verschiedenen Zeitebenen angesiedelt sind und einander abwechseln. In Rückblicken tauchen wir ab in die Vergangenheit und erfahren schrittweise mehr über Adams komplexe Familiengeschichte. So erleben wir Details aus dem Leben von Adams ostfriesischen Großvater Ubbo und seiner großherzigen, aus Tschechien stammenden Oma Leska auf der kleinen idyllischen Nordseeinsel Platteoog, ihrer Tochter Oda und Adams geheimnisvoller Vater Hubert Riese, der als Leuchtturmrestaurator auf die Insel kam und Odas große Liebe war. Zudem erhalten wir aufschlussreiche Einblicke in den Mikrokosmos der netten Platteooger Dorfgemeinschaft, in Adams Kindheit und Jugend und erfahren schließlich mehr über das große Drama, das vor 18 Jahren durch das rätselhafte, spurlose Verschwinden von Adams Vater während einer Pilgerreise seinen Lauf nahm. In der in der Gegenwart spielenden Handlung verfolgen wir die sich zunehmend überschlagenden Ereignisse um Adam. Nach einem zufälligen Hinweis darauf, dass Hubert Riese noch leben könnte, begibt Adam sich eher unfreiwillig auf die Suche nach dem verschollenen Vater. Eine Suche, die sich schon bald zu einem abenteurlichen und sehr aberwitzigen Roadtrip durch halb Europa entwickelt und so manche Überraschung und abstruse Wendung bereithält. Die Autorin versteht es von Beginn an mit Adams turbulenter und ereignisreicher Schnitzeljagd Spannung aufzubauen. Auch wenn die skurrilen und sehr unterhaltsamen Ereignisse in den Rückblenden sowie die angedeuteten, verhängnisvollen Geheimnisse rund um Hubert Riese zwar ebenfalls sehr fesselnd sind, so nimmt der Wechsel zum Erzählstrang der Vergangenheit immer wieder deutlich Fahrt aus der zuvor aufgebauten Dynamik und bis zur überraschenden Auflösung am Ende immer mehr zu steigern. Sehr spannend hat die Autorin in ihrem Roman die Thematik Sprache und Literatur in verschiedensten Variationen aufgegriffen und faszinierend umgesetzt -so sind beispielsweise immer wieder Zitate von Rilke eingestreut, der Huberts Lieblingsdichte war, der sprachbegabte Protagonist Adam ist Linguist, eine auf Tierkommunikation spezialisierte Figur begleitet Adam auf seiner Spurensuche, während seine Mutter aufgrund eines Traumas ihre Sprache gänzlich verloren hat. Trotz des opulenten, sehr lebendigen und bildhaften Schreibstils der Autorin und der sehr humorvollen Erzählweise ist das Lesen der Geschichte bisweilen gar nicht so einfach. Auf die außergewöhnliche Sprache und etliche Satzungetüme, die zu Adams sehr spezieller Wahrnehmung seiner Umwelt hervorragend passen, muss man sich erst einlassen, aber dann wird man von der anekdotenreichen, sehr humorvollen und zugleich nachdenklich stimmenden Geschichte gut unterhalten, hofft mit dem überaus liebenswerten Helden auf einen versöhnlichen Ausgang seiner Odyssee und freut sich über seine innere Reifung. FAZIT Eine skurrile, ungewöhnliche und sehr humorvoll erzählte Familiengeschichte mit einem schrulligen, sehr liebenswerten Helden, einem abenteuerlichen Roadtrip und einem etwas gewöhnungsbedürftigen Schreibstil!

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Mit dem Krimi "Der andere Sohn" betritt ein neues schwedisches Autorenduo, bestehend aus dem Journalisten Peter Mohlin sowie Regisseur und Drehbuchautor Peter Nyström, die ohnehin schon dicht gesäte skandinavische Krimilandschaft. Ihr erstes gemeinsames Werk "Der andere Sohn" ist der vielversprechende Auftakt einer neuen, im schwedischen Karlstad angesiedelten Krimi-Reihe rund um den hochinteressanten und sehr eigenwilligen Ermittler John Adderly, der als ehemaliger amerikanischer FBI-Undercover Agent mit schwedischen Wurzeln im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms zurück in seine alte Heimat kommt, um in einer neugebildeten Cold Case Einheit mitzuermitteln. Im Mittelpunkt der vielschichtigen, hochspannenden und sehr mitreißend erzählten Handlung steht ein mysteriöser Fall in der schwedischen Kleinstadt Karlstad, bei dem Emelie, die zukünftige Erbin eines millionenschweren Textilunternehmens, vor 10 Jahren spurlos verschwand. Die Autoren verstehen es hervorragend, ihre Geschichte sehr packend, atmosphärisch und wendungsreich in Szene zu setzen. Insbesondere die raschen Wechsel zwischen den unterschiedlichen Perspektiven, Zeitebenen und Schauplätzen sorgen für viel Abwechslung und Tempo. Die spannende, in mehrere Teile untergliederte Handlung erleben wir zunächst abwechselnd aus Johns Perspektive im Jahr 2019 sowie in Rückblenden ins Jahr 2009 aus der Sicht von Heimer, dem Vater der verschwundenen Emelie, bis wir schließlich den Ermittlungen des Cold Case Teams in der Gegenwart von 2019 folgen, bei denen John unter seiner neuen Identität mitarbeitet. Das Autorenduo hat mit ihrer Hauptfigur John einen sehr vielschichtigen und ambivalenten Charakter mit interessanter Hintergrundgeschichte angelegt, der ausgesprochen viel Potential besitzt. Äußerst faszinierend ist, diesen sehr eigenwilligen Ermittler mit vielen Ecken und Kanten mitzuerleben, der in den Augen seiner provinziellen Kollegen ungewohnte Wege geht und mit seinen unkonventionellen Methoden auch rasche Ermittlungserfolge aufweist. Johns Ermittlungen sind von höchster Brisanz und bergen viel Konfliktpotential, denn bei dem Hauptverdächtigen handelt es sich um seinen Halbbruder Billy, dessen Schuld oder Unschuld er endlich beweisen will. Objektivität und die Wahrheitsfindung stehen bei ihm an oberster Stelle. Bei Bekanntwerden seiner verwandtschaftlichen Beziehung würde John jedoch zum einen von der Cold-Case-Einheit ausgeschlossen werden und zum anderen würde er die Enttarnung seiner neuen Identität riskieren sowie möglicherweise ins Visir seiner Häscher vom Drogenkartell aus Amerika geraten. Auch wenn Johns Motive und Handlungsweisen insgesamt gut nachvollziehbar sind, wirkte sein unbedachtes Verhalten in einigen Situationen absolut unglaubwürdig und unprofessionell. Gewissenhaft und teilweise ohne große Unterstützung aus eigenen Reihen treibt John die Ermittlungen in verschiedenste Richtungen voran, deckt neue Spuren auf und lässt schließlich auch Zweifel an der Professionalität der Polizei sowie den Verdacht auf Korruption aufkommen. Nach einigen überraschenden Wendungen und nicht ganz logischer Verwicklungen wird schließlich der Cold Case zufriedenstellend aufgeklärt. Ein fieser Cliffhanger am Ende bildet den Abschluss dieses Krimi-Auftakts und macht neugierig auf eine Fortsetzung der Reihe und einen neuen Fall für den interessanten, aber sehr eigenwilligen Ermittler John. FAZIT Ein fesselnder Auftakt einer neuen Krimireihe mit interessanten Figuren und einem vielschichtigen, hochspannenden Fall!

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