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Alle Rezensionen von hiclaire

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Für Louise Brown ist der Tod ihrer Eltern ein einschneidendes Erlebnis gewesen, das ihre Einstellung sowohl zu Sterben und Tod, als auch zum Leben nachhaltig verändert hat. Über ihre eigenen Erfahrungen und Gefühle durch die Monate der Trauer hat sie ein sehr persönliches Buch geschrieben, und dabei auch Begegnungen mit den Menschen einfließen lassen, die sie in ihrer Arbeit als Trauerrednerin begleitete. Am Ende ihres Vorwortes schreibt sie: "Einiges von dem, was ich auf dieser Reise lernen durfte, möchte ich gern mit Ihnen teilen. Was es heißt sterblich zu sein. Wie man an seiner Vergänglichkeit wachsen kann. Und wie das gehen kann, mit dem Tod zu leben. Vielleicht erkennen Sie sich in meinen Erfahrungen wieder. Vielleicht können Sie davon etwas für sich mitnehmen. Vielleicht legen Sie dieses Buch lieber gleich wieder zur Seite." Ja, ich konnte einiges für mich mitnehmen. Denn auch wenn ich noch keinen meiner Liebsten hergeben musste, wofür ich sehr dankbar bin, stehe ich inzwischen in einer Lebensphase, in der ein solcher Verlust näher rückt. Seit einiger Zeit beschäftigen mich diese Themen und ich versuche zu lernen, damit zu leben ohne mich zu sehr in Ängsten zu verstricken und umso bewusster das Glück der Gegenwart zu genießen. Durch Louise Browns Erfahrungen fühle ich mich auf diesem Weg unterstützt, u.a. schärft sie den Blick für die kleinen, besonderen Momente, die so oft unbeachtet vorübergehen, und sich dann oft erst später, manchmal zu spät, als die Kostbarsten herausstellen. Sie erzählt wie hilfreich es sein kann, auch in schweren Zeiten wie der Trauer um einen geliebten Menschen, irgendwie für etwas Lebensfreude im Alltag zu sorgen, dass sich mit Humor vieles leichter tragen und ertragen lässt und wie wohltuend die Natur sein kann. Auch betont sie wie wichtig es ist, den Hinterbliebenen gegenüber immer seine Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen, auch wenn man sich nicht recht traut und fürchtet, nicht die richtigen Worte zu finden. Nicht immer war alles gleichermaßen interessant für mich, ein paar kleine Längen gab es schon mal, aber insgesamt empfand ich dieses Buch als Bereicherung für mich. Mit vielen klugen Gedanken und Anregungen, mit Momenten, die zu Herzen gehen. Ansonsten kommt es hinsichtlich der Beurteilung sicher sehr auf die Lebenssituation an, ob und wie viel man daraus für sich selbst mitnehmen kann.

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Ich bin wirklich kein Cover-Käufer , aber dieses Buch hat mich auf den ersten Blick angesprochen. Irgendwie schlicht und einfach, dabei mit einer magisch-zauberhaft-liebenswerten Ausstrahlung - in einer Buchhandlung hätte ich es sofort in die Hand genommen und vermutlich für meine Enkeltochter gekauft, denn auch die Illustrationen treffen genau meinen Geschmack. Vom Inhalt her bietet das Buch nichts außergewöhnlich Fantasievolles, ich würde es eher solide nennen, aber es hat mir ganz gut gefallen. Wie vermutlich die meisten kleinen Kinder, möchte Anouk abends nicht gerne ins Bett gehen, es gibt einfach noch viel zu viel zu spielen und zu erledigen. Das ändert sich, als sie sich eines Abends in ein Abenteuer träumt. Nach dem Einschlafen schimmert auf einmal ein ungewohntes Licht durch ihre Tür und als sie neugierig nachsieht, steht sie in einem Indianerdorf, ganz allein, nur in Begleitung ihres geliebten "Affi". Dort kann sie dem Indianerjungen Kenai helfen eine wichtige Aufgabe zu erfüllen - indem sie an ihn und seinen Mut glaubt. Am nächsten Abend findet sie sich in einer ganz anderen Welt wieder, in welcher erneut ihr Beistand gebraucht wird. Und überall lernt auch sie selbst etwas Neues. Die sieben Geschichten sind in ganz verschiedenen Umgebungen angesiedelt, jedoch stets nach dem gleichen Muster gestaltet. Nach meinen Erfahrungen mögen jüngere Kinder das noch sehr gern. Von daher denke ich, dass dieses Buch gut für das Alter von ca. vier bis sechs Jahren passt. Für ältere Kinder darf es dann sicher etwas komplexer und abenteuerlicher sein. Obwohl Anouk in ihren Träumen mehr Jungen als Mädchen trifft, hab ich den Eindruck gewonnen, dass diese Geschichten eher Mädchen als Jungs ansprechen werden, schon von der Aufmachung her, aber auch in Bezug auf die Ausgestaltung der Geschichten. Gerade die erzieherisch-moralischen Momente wirken mehr auf kleine Mädchen, könnte ich mir vorstellen. Geschichten von Mut, Freundschaft und Fantasie, heißt es im Untertitel- das passt, und sicher nicht nur als Gutenachtgeschichten. Ich denke, meine Enkeltochter wird sie lieben und freu mich schon darauf, sie ihr vorzulesen. Einen Affi hat sie schon *g*. So ein Kästchen für ihre Schätze kann sie noch brauchen, eine gute Idee.

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Der Brand ist mein zweiter Roman von Daniela Krien und er hat mir richtig gut gefallen, besser noch als Die Liebe im Ernstfall . In Schreib- und Erzählstil sind sich die beiden durchaus ähnlich, mit ihren etwas spröden Figuren, denen nicht unbedingt gleich mein Herz zufliegt. Doch wie sie das Thema Ehe und Familie hier angeht und aufbereitet, ist noch etwas mehr nach meinem Geschmack gewesen. Als das geplante Urlaubsziel von Rahel und Peter durch einen Brand ausfällt, fahren sie stattdessen in die Uckermark um Ruths Tante in einer Notsituation beizustehen und deren einsam und idyllisch gelegenen Bauernhof für eine Weile zu versorgen. Der Zustand ihrer Ehe wird in dieser Szene, gleich nach ihrer Ankunft ziemlich genau beschrieben. Ruth weist sie kurz ein und meint: Am besten schlaft ihr dort, im Nordostzimmer. Es ist schön kühl darin. Oder aber(sie zeigt in die entgegengesetzte Richtung)ihr nehmt das Zimmer da hinten. Südwest, von dort sieht man den See zwischen den Bäumen durchschimmernOhne sich anzusehen, gehen sie auseinander - Peter nach Nordost, Rahel nach Südwest. Sie schließen ihre Türen leise. Ohne viele Worte weiß man, was Sache ist. In meinen Augen ist das eine schriftstellerische Kunst, die nicht jeder beherrscht (oder vielleicht auch gar nicht beherrschen will *g*, aber ich bin damit stets zu begeistern). Den unaufgeregten Schreibstil, unkompliziert, aber flüssig und elegant finde ich angenehm, die Stimmung in der Ehe und die Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern subtil und einfühlsam eingefangen, sowohl in der Gegenwart, als auch in der Vergangenheit. Denn wie sie heute miteinander umgehen, wird zumindest teilweise auch durch den Einfluss von Eltern und Großeltern bestimmt, das schimmert immer wieder durch, ohne dass es explizit ausgesprochen wird. Aber eben das ist einer der Gründe, warum mir die Geschichte so gut gefallen hat, vieles schwingt zwischen den Zeilen mit, der Leser darf mitdenken und -fühlen und spekulieren, nicht alles wird in allen Einzelheiten ausgeführt. Es ist eine ruhige Geschichte ohne große Höhen und Tiefen, die mich trotzdem von Beginn an gefesselt hat. Ich war fasziniert, wie nach und nach immer mehr Facetten und Hintergründe der Figuren zu Tage getreten sind und gespannt, wie und wohin sich die teils schwierigen Beziehungen, und zwar nicht nur die zwischen Peter und Rahel, entwickeln würden. Außerdem sind mir hier viele Gedanken begegnet, die ich selbst schon gedacht habe, und viele kluge Sätze, die ich als bereichernd empfand. Wie zu Anfang erwähnt, sind die Figuren nicht unbedingt herzerwärmend liebenswert, aber gerade das macht sie in meinen Augen authentisch und interessant. So konnte ich z.B. Rahels Standpunkte und Empfindungen manchmal absolut nachvollziehen, dann aber auch wieder nur befremdet den Kopf schütteln. Einfach schön waren auch die Beschreibungen der Örtlichkeiten in und um Dorotheenfelde, ein Beispiel: Rahel streift durchs Haus. Seit mehr als hundertfünfzig Jahren steht es hier, wie ein Organismus mit eigenen Gesetzen nimmt es immer wieder neue Menschen auf, umhüllt sie, verleibt sie sich ein, durchdringt sie, wirkt erst in ihnen und schließlich durch sie. Besondere Freude haben mir die tierischen Bewohner des Hofes bereitet, mit ihnen kam oft ein leichter, humorvoller Ton in die Geschichte.

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"Julius oder die Schönheit des Spiels" ist mein erster Roman des Autors gewesen und hat alle meine Erwartungen erfüllt. Von Beginn an hat mich fasziniert wie vielschichtig Tom Saller diese Geschichte aufbaut. Wie er mit Sprüngen in der die Zeit jongliert, mal länger, mal kürzer dort verweilt und damit für Abwechslung, Tempo und auch eine gewisse Spannung sorgt. Eine übersichtliche Gliederung und ein gut verständlicher Aufbau machen es trotzdem leicht, der Handlung auf den verschiedenen Ebenen zu folgen. Der legendäre deutsche Tennisspieler Gottfried von Cramm inspirierte Tom Saller zur Figur des Julius von Berg, dessen Lebensgeschichte er in diesem Roman erzählt. Von einer Kindheit und Jugend auf der Burg seiner Familie am Rhein, der Umgebung und den Menschen, die ihn entscheidend geprägt haben, von seiner wachsenden Leidenschaft für den Tennissport und der Entwicklung einer außergewöhnlichen Persönlichkeit, als Sportler und als Mensch. Zu jeder Zeit und an jedem Ort begegnet man interessanten Personen, mal bodenständig und mehrheitlich sympathisch wie in Julius` Jugendjahren, später dann gern schillernd und prominent, stets greifbar und authentisch. Tom Saller fängt auch die Schauplätze samt ihrer jeweiligen Atmosphäre wunderbar ein mit ebenso bildhafter wie präziser Sprache. Die ruhige Beschaulichkeit am Rhein und die intensiven familiären Bindungen genauso anschaulich wie die (manchmal fast schon exzessive) Lebenslust des Jetsets in den Roaring Twenties. Auch der politisch-zeitgeschichtliche Hintergrund ist sehr gut herausgearbeitet, unaufdringlich und genau recherchiert. Der aufkommende Nationalsozialismus verbreitet sich wie ein leises Gift in allen Bereichen der Gesellschaft, überall wird es gefährlich in irgendeiner Weise von der Norm abzuweichen, und macht auch vor dem Sport nicht halt - bis auch Julius vor einer folgenschweren Entscheidung steht. Darüber hinaus gibt noch ein weniger bekanntes historisches Thema, das der Autor hier aufgreift. Nämlich die Bestrebungen nach einem Rheinischen Freistaat, die eine Zeit lang nicht nur die rheinischen Gemüter heftig bewegt haben. Ereignisse, die den Grundstein dafür gelegt haben, dass Julius Zeit seines Lebens nicht viel, bzw. nichts von Politik gehalten hat. Tennis liefert den Rahmen für dieses Porträt eines außergewöhnlichen Menschen und Sportlers, und das nicht nur inhaltlich. Ich fand es beeindruckend, wie er diesen Sport erzählerisch und sprachlich mit der Geschichte verwebt, Bilder vor den Leseraugen entstehen lässt, Atmosphäre und heutzutage leider wenig aktuelle Werte vermittelt. Ist schwer zu erklären, vielleicht hilft ein Beispiel: "Wenn Tennis eine Sprache ist, drückte sich Velard gewandt und geschliffen aus, schöpfte aus einem umfangreichen Repertoire rhetorischer Mittel und Stilelemente. Im Vergleich dazu rumpelte ich in derbem Dialekt vor mich hin, standen mir nur ein schlichter Satzbau sowie ein begrenzter Wortschatz zur Verfügung. Es reichte, um sich zu verständigen, aber nicht, um Velards Spiel zu verstehen." Für mich schlicht und einfach genial! Kein Pathos, keine Überfrachtung, subtile Selbstironie - ich liebe so was! Julius oder die Schönheit des Spiels ist ein bemerkens- und lesenswerter Roman um eine in Vergessenheit geratene Ikone des Tennissports. Aber der elegante und gleichzeitig süffige Erzählstil ist es, der mir die Lektüre zu einem ganz besonderen Genuss gemacht hat. Prägnante, oft kurze Sätze, aussagekräftig und auf den Punkt und einfach schön. Ein Beispiel noch, gleich von der ersten Seite:" Es störte ihn nicht zu stehen. Im Gegenteil, er war gewohnt nicht allzu oft zu sitzen. Sein ganzes Leben hatte er sich bewegt - und das Leben ihn." Ich bin ein Leser bzw. eine Leserin, die Zitate in Romanen gerne überliest, weil ich sie oft als eher störend empfinde und lieber der Handlung folge. Hier jedoch habe ich jedes einzelne genossen und so manches mehr als einmal gelesen. Das Cover finde angenehm, ruhig und passend zur Geschichte. Fast noch perfekter ist m. E. der Titel, denn es geht tatsächlich in erster Linie um Julius und das, wofür er steht, als Sportsmann und als Mensch - und nicht zuletzt auch um die Schönheit des (Tennis-)spiels.

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Richard Osmans "Debüt-Krimi" wurde mit viel lobender Begeisterung besprochen, und auch die inhaltliche Beschreibung klang durchaus nach meinem Geschmack, also wurde es gekauft. Zuerst hat mein Mann das Buch gelesen, dann ich und beide merkten wir recht bald, dass es unsere Erwartungen nicht erfüllen würde. Mein Mann fand es öde und langweilig. Ich musste ein wenig darüber nachdenken, warum es mich so wenig begeistern konnte, denn eigentlich finden sich in diesem Kriminalroman zahlreiche Elemente, die mir gut gefallen, wie z.B. die originellen Protagonisten und die (altersbedingte) Unverfrorenheit mit der sie agieren, eine angenehme Sprache, muntere Dialoge, auch ernste Themen und so manche klugen Gedanken. Und immer wieder berührende Momente, die ohne viele Worte und die ganz großen Emotionen auskommen, gerade so wie ich es mag. Ich denke, mein Fremdeln mit dieser Geschichte rührt daher, dass es für mein Empfinden von allem ein bisschen zu viel gewesen ist. Die Figuren etwas zu originell und überzeichnet, die Dialoge bzw. Gedankengänge in den Passagen der Ich-Erzählerin etwas zu launig, zu viele Wendungen im Krimiplot, die hinsichtlich der eh nicht vorhandenen Spannung nix bringen. Insgesamt wirkt es sprunghaft und unstrukturiert, gerade hinsichtlich des Krimiteils ohne fesselnden roten Faden. Dabei durchaus nicht unstimmig, aber zu bemüht und konstruiert um zu überzeugen. Der Autor kommt gern ins Plaudern und spinnt dabei zahlreiche lose Erzählfäden, selbst wenn es um die Ermittlungen geht. Mit den vielen Wendungen und Geheimnissen konnte er mich zwar immer wieder überraschen und einigermaßen unterhalten, aber nicht wirklich begeistern. Bogdan hat mir als Figur hier am besten gefallen. Eine Empfehlung kann ich nur schlecht aussprechen. Wie Richard Osman seine Geschichte angelegt und präsentiert hat, scheint ja insgesamt bestens anzukommen, also alles richtig gemacht. Ansonsten ist es, wie so oft, eben Geschmacksache. Kaufen werde ich mir die Fortsetzung sicher nicht, vielleicht reinschauen, sollte sie mir zufällig in die Hände fallen.

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Die Kurzbeschreibung hat mich nicht auf Anhieb angesprochen, wohl aber (bei mir eher die Ausnahme) das Cover. Einfach schön und mal was anderes, das sich nicht so ohne weiteres in eine Schublade stecken lässt. Und dann war es die Sprache, die ich, wie erhofft, so sehr genossen habe. Schon die Aufzählung rund um die Zahl sieben, gleich zu Anfang, hat mich fasziniert und nach der so witzig beschriebenen Speed-Dating-Erfahrung, auch wenn sie für Adam nicht wirklich lustig gewesen ist, hab ich mich so richtig auf den Fortgang der Geschichte gefreut. Mit dem Jungen läuft etwas nicht so, wie es soll", stellt man auf Platteoog, seiner ostfriesischen Heimatinsel fest. Adam ist wohl mit einer Form des Asperger-Syndroms geboren worden - mit Kommunikationsproblemen, dafür aber besonderen Begabungen. Für Romanfiguren wie ihn habe ich schon seit längerem ein Faible und schließe sie stets ebenso schnell wie voll und ganz in mein Herz. Man merkt rasch, dass die Geschichte auf zwei Zeitebenen erzählt wird, einmal in der Gegenwart mit Adam als erwachsenem Dozent für Sprachwissenschaften. Und in der Vergangenheit, die mit dem Kennenlernen seiner Großeltern beginnt und dann mit Adams Eltern und seinen Jugendjahren ihren Fortgang nimmt. Schaut man dann noch auf die Platteooger Originale, die sich stets um ihn und seine Familie sorgen und kümmern, sind es schon eine ganze Reihe eigenwillig-skurrile, aber äußerst liebenswerte Menschen, unter denen er aufwächst. Adams Papa umgibt ein Geheimnis, das ist bereit deutlich zu spüren als er noch bei seiner Familie weilt. Immer wieder gibt es Momente, in denen er irgendwie strange wirkt und man ihn nicht so recht einzuordnen weiß. Als großer Fan von Rilke spendiert er der Geschichte eine Fülle von Zitaten aus dem Werk des Dichters. Wie in der Kurzbeschreibung erwähnt, gibt es eines Tages einen verblüffenden neuen Anhaltspunkt, so dass sich Adam ca. zwanzig Jahre nach dessen unerklärlichem Verschwinden auf die Suche nach dem abgängigen Vater macht. So gibt es definitiv ein Ziel und einen roten Faden, trotzdem verstärkte sich bei mir am Ende der Eindruck, dass in diesem anrührenden Roman eher der Weg das Ziel ist. Und zwar nicht nur für Adam, der eine beeindruckende persönliche Entwicklung erfährt und sich dabei doch stets treu bleibt. Denn die Geschichte mäandert mal hierhin, mal dorthin, verharrt immer wieder bei den Eigenheiten der Figuren, wie z.B. der anteilnehmenden, liebevoll pragmatischen Fürsorge der Platteooger, sowie der unermüdlich in allen Lebenslagen kochenden und backenden Großmutter Leska (die mir ganz besonders ans Herz gewachsen ist). Angefüllt mit Sprachbildern, Sprichwörtern, Aphorismen und Aberglauben, dazu verblüffenden Informationen zu verblüffenden Themen, fand ich es sprachlich wunderbar, jeder Satz ein Genuss. Hervorheben möchte ich einen (von mehreren) Running-Gag um Mr. Miyagi (aus dem Film Karate-Kid), der glücklicherweise nicht überstrapaziert wurde und mir jedes Mal aufs Neue Freude bereitet hat. Einen kleinen Kritikpunkt gibt es dann doch. Wenngleich die Geschichte und auch die Figuren bis zum Ende nichts von ihrer Liebenswürdigkeit einbüßen, hat mich im letzten Drittel ein Hauch von Ungeduld beschlichen ob der vielen Wiederholungen und der sich im Kreis bewegenden Umschreibungen. So schön und wortgewandt diese auch sind, mit der Zeit fand ich sie ein bisschen ermüdend. Ein paar Seiten und Wiederholungen der Stilmittel weniger, hätten für meinen Geschmack nicht geschadet. Nichtsdestotrotz war "Die Erfindung der Sprache" für mich ein großartiges Lesevergnügen, nicht unbedingt realitätsnah, aber liebenswert, unterhaltsam und manchmal auch lehrreich.

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"Sylt auf unserer Haut" beginnt mit einer klassischen Ausgangssituation. Die Kinder sind aus dem "Nest" und die Eltern, zumindest aus Sicht von Maja, wissen nicht mehr viel miteinander anzufangen. Robert wirkt insgesamt etwas zufriedener als seine Frau, zumindest so lange seine dringendsten Rituale/Bedürfnisse einigermaßen befriedigt werden. Der Einstieg gefiel mir und ich hab dieses Buch in Erwartung eines weitgehend unkomplizierten "Wohlfühllesevergnügens" begonnen. Mit Maja gibt es eine Hauptfigur, die ich zunächst sympathisch fand, die allerdings im Laufe der Geschichte für mich an Glanz verloren hat. Robert ist von Beginn an kein rechter Sympathieträger gewesen. Er kommt reichlich pedantisch rüber, ein "Trockenknödel", wie er gerne mal bezeichnet wird, was ja an sich noch nicht so schlimm wäre, denn in Majas Erinnerungen finden sich durchaus positive Seiten. Aber seine unsensible Selbstgefälligkeit, verbunden mit einem gewissen Egoismus und, ziemlich unschön, auch noch einem Anflug von Geiz, ergeben in der Summe das Bild eines unangenehmen Zeitgenossen. Verständlich, dass die unkomplizierte, spontane Lebensfreude von Bernd und seiner Freundin Karin, die auf Sylt die Nachbarferienwohnung bezogen haben, anziehend auf Maja wirkt. Als sie auf Sylt ankommen, ist Maja zwar nicht (mehr) sonderlich glücklich, aber doch einigermaßen zufrieden mit dem Arrangement ihres ruhigen, abgesicherten Lebens, in dem es "keine besonderen Höhen, aber eben auch keine unübersichtlichen Tiefen gibt". Roberts Arbeitskollege Bernd, auch optisch so ganz anders als ihr Ehemann, eröffnet ihr neue Perspektiven, wenn man es so ausdrücken möchte *g*. Denn diese Perspektiven beziehen sich zu einem großen Teil auf einen ganz bestimmten Aspekt des Lebens. Majas beste Freundin nennt es eine "Life-changing-Sex-Erfahrung", und die Autorin nimmt sich viel Zeit, ihren Leserinnen nahezubringen, was sie darunter versteht. Prinzipiell habe ich nichts gegen ansprechende Sexszenen in Romanen, doch hier habe ich das in dieser Form bzw. Fülle nicht erwartet und es war mir ein dann doch ein bisschen viel. Das Buch ließ sich flott und unterhaltsam weglesen, denn der Schreibstil war nett, - und dann natürlich Sylt als unwiderstehliche Kulisse... Doch insgesamt bin ich etwas enttäuscht gewesen. Der Anfang hat mir gut gefallen, die weitere Entwicklung von Handlung und Figuren weniger. Gegen Ende fühlte ich mich wie in einem Zeitraffer, und irgendwie ist bei mir der Eindruck geblieben, dass die einzelnen Elemente nicht so recht zueinander passen und ineinander greifen. Glücksgefühle hat die Lektüre bei mir nicht hinterlassen, auch wenn es letztlich für alle im Glück endet. (Damit hab ich sicher nicht gespoilert - bei einem Roman dieses Genres mit dem Hinweis "ein Glücksroman" auf dem Cover). Es war mein erstes Buch der Autorin und ich bin nicht sicher, ob ich noch eins lesen möchte. Wenn mir nach einem leichten Roman aus diesem Genre zumute ist, kenne ich Autorinnen, die meinen Geschmack besser treffen.

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Klima-Thriller haben derzeit Hochkonjunktur. Doch obwohl mich das Thema schon lange beschäftigt, war mir im Moment nicht danach, in "Thrilleraufbereitung" darüber zu lesen. Bei "Klima" jedoch hat mich die Kurzbeschreibung aufmerken lassen, insbesondere der Satz: "Doch je näher er (Tom Smith vom FBI) dem "Green Man" kommt, umso quälender wird für ihn die Frage: Was, wenn der Mann, den er um jeden Preis aufhalten will, in Wahrheit versucht, die Welt zu retten". - Und ja, meine Intuition stimmte, es hat sich gelohnt, diesen Roman zu lesen, denn jener Satz markiert tatsächlich eine wichtige Komponente der Geschichte, die für meinen Geschmack gut und spannend umgesetzt worden ist. Für einen Thriller wird vergleichsweise wenig Action bzw. Thrill geboten, in dieser Hinsicht hat sich vielleicht mancher Leser mehr erwartet. Aber für mich war er so genau richtig. Fesselnd und von durchgehender Spannung, die bei mir zum großen Teil aus der Frage resultierte, wie wird es ausgehen? Gelingt es dem FBI Green Man aufzuhalten, auszuschalten, zu überführen? Und was geschieht, sollten sich Tom und er tatsächlich gegenüberstehen? Es gab Momente, in denen ich der Versuchung, hinten nachzusehen kaum widerstehen konnte ¿. Gleichzeitig ist es auch ein leidenschaftliches Plädoyer für die sich in Zerstörung befindliche Erde, dafür, endlich aufzuwachen und wirklich etwas zu unternehmen, damit auch die nächsten Generationen in einer einigermaßen intakten Umwelt leben können. Thema sind die Ängste und Sorgen vieler Menschen, insbesondere der Jugend, und immer wieder geht es auch um die Frage, muss Widerstand gewaltfrei sein, oder kann der Zweck doch die Mittel rechtfertigen? Dafür, dass "Klima" aus der Feder eines amerikanischen Schriftstellers stammt, der zahlreiche Hollywood-Drehbücher geschrieben hat (ja, ich habe da gewisse Vorurteile), fand ich es komplexer und subtiler als erwartet. Klar bezieht der Autor ziemlich eindeutig Stellung, aber er wird dabei nicht unangenehm dogmatisch, sondern gibt verschiedenen Standpunkten und Argumenten Raum. Auch die Figuren haben mir durchweg gefallen. Ein paar Klischees werden schon bedient, aber auf unterhaltsame Weise, dabei erfreulich vielschichtig und relativ gut ausgeleuchtet, nicht einfach klar nach gut und böse eingeteilt. Green Man ist schon ein beeindruckender und starker Charakter, aber tatsächlich mochte ich Tom und seine Entwicklung in der Geschichte noch ein bisschen mehr. Lediglich zu Green Mans Ehefrau und den Beweggründen ihres Verhaltens hätte ich mir etwas mehr Hintergrund gewünscht. Positiv überrascht hat mich auch der Erzählstil. Weniger reißerisch als erwartet, reflektierter und subtiler, mit stimmigen, überzeugenden Dialogen und einer Prise trockenem, gelegentlich ironisch-sarkastischem Humor. Gerade die emotionalen Momente fand ich auf eher "amerikanische Weise" in Szene gesetzt, aber obwohl mir das durchaus bewusst war, hat mich der Autor berühren können und mir gefiel, wie er das gemacht hat. Kleine Highlights waren für mich die Seitenhiebe gegen den Ex-US-Präsidenten, krass, aber durchaus glaubhaft - und amüsant. Ein Thriller mit einer emotionalen Botschaft und einprägsamen Figuren, gelungen verpackt in eine fesselnde Handlung, die auch ihre emotionalen Momente hat und mir gerade wegen der sparsam dosierten Action gut gefiel.

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Cover und Kurzbeschreibung versprechen einen locker leichten Wohlfühlroman, mit Protagonisten, die man ins Herz schließen kann. Genau das liefert Gabriella Engelmann, und noch ein bisschen mehr. Denn bei all der vordergründigen Leichtigkeit und dem selbstironischen Humor, mit dem sich Sophie Hartmann den Herausforderungen stellt des Lebens, ist es doch beileibe keine oberflächliche Geschichte. Erzählt wird in heiterem, manchmal auch flapsigen Ton, jedoch mit ernsten Untertönen und Emotionen, die ich mitfühlen konnte, gerade weil sie so ohne Übertreibung und Pathos auskommen. Das hat mir wirklich gut gefallen. Für das Thema kochen bin ich sowieso immer zu haben und hier gibt es ein paar (für mich neue) interessante begleitende Informationen, z.B. über Culinary Misfits und andere aktuelle Trends in den sozialen Netzwerken. Familie ist alles für Sophie, vor allem seit sie allein für ihre Töchter sorgen muss, und so lässt sie ihrer ältesten Tochter Liv jegliche Unterstützung angedeihen, als diese in Hamburg ein Cook Up eröffnen will (ein Begriff, den ich vorher noch nie gehört habe). Das Liv`s zum Laufen zu bringen gestaltet sich nicht einfach. Am Eröffnungstag hat Liv diesen unglücklichen Unfall, der sie außer Gefecht setzt, und auch in der Folge kommt es immer wieder zu Rückschlägen, deren Überwindung sich Sophie zur Aufgabe macht. Unverhofft bekommt sie dabei Unterstützung von Marc Bauer, dessen Leben ebenfalls an einem Wendepunkt steht¿ Nicht nur Sophie und Marc, auch die anderen Figuren fand ich ausgesprochen gelungen. Ihre Eigenheiten und Unzulänglichkeiten, ihre Sorgen und Nöte, die großen wie die kleinen, fühlten sich für mich echt und nachvollziehbar an, was in Romanen dieses Genres keineswegs immer so ist *g*. Mit Hamburg und Mallorca gibt es Schauplätze, deren Atmosphäre die Autorin stimmungsvoll einfängt und die das Urlauberherz höher schlagen lassen. Erzählt wird abwechselnd aus Sophies und Marcs Sicht. Hinsichtlich der Kapitel aus Marcs Perspektive haben mich zwei Dinge irritiert. Zum einen, warum zu Beginn der Kapitel stets der Kühlschrankinhalt konstatiert wird, darin konnte ich bis zum Ende keinen rechten Sinn erkennen, und zum anderen die immer mal wiederkehrende Sortierung seiner Gedanken nach a), b), c) ¿. An das Zweite hab ich mich mit der Zeit gewöhnt und schätzen gelernt, dass Gedankengänge präzise und vor allem knapp zusammengefasst, statt weitschweifig in Sätzen ausgeführt werden. Das langweilt mich nämlich öfter mal ganz ordentlich. Das kunterbunte Cover trifft meinen Geschmack nicht so ganz, verströmt aber eine nette Atmosphäre und passt bestens zum ebenso liebenswerten wie abwechslungsreichen Inhalt. Der Titel klingt ein bisschen merkwürdig, ist mein erster Eindruck gewesen. Aber als ich den Satz später in einem ganz anderen Zusammenhang als zunächst vermutet gefunden habe, fand ich das originell und ziemlich cool. Eine wirklich schöne Geschichte über Familie, Freundschaft und Solidarität, für mich manchmal einen Hauch zu aufgedreht was das Erzähltempo angeht (deshalb keine fünf Sterne). Aber auch mit ruhigen, lebensklugen Momenten und tief empfundenen Gefühlen.

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Das stimmungsvolle Cover ist es gewesen, das mich überhaupt erst in die Leseprobe hat schauen lassen, während ich mit der Kurzbeschreibung eher wenig anfangen konnte. Und dann waren es Sprache und Erzählweise, die mich für die Geschichte eingenommen haben. Denn es beginnt mit einer berührenden Szene in auffallend schöner Sprache. Ein junges und unbeschwert glücklich scheinendes Paar verhandelt über den Namen ihres ungeborenen Kindes - es sind Bonnie und Dar, Augusts Eltern. Augusts erste Jahre zeugen von einer glücklichen und behüteten Kindheit, danach wird es schwieriger, aber nicht wirklich problematisch. Seine ganz und gar unterschiedlichen Eltern liefern sich einen Kleinkrieg, der mal mehr, mal weniger subtil geführt wird und entfernen sich zusehends voneinander, irgendwann auch räumlich. Sie haben einfach grundsätzlich verschiedene Vorstellungen vom Leben und auch ihre Ideen, "Augies" Zukunft betreffend, gehen nahezu diametral auseinander. Doch trotz alldem spürt man, dass beide ihren Sohn lieben, respektieren, ihn seinen Weg suchen lassen und zugleich immer wieder signalisieren, dass sie für ihn da sind. Man begleitet August durch seine Kindheit und Jugend (dieser Teil gefiel mir besser), den größeren Raum nimmt die Zeit nach seinem High-School-Abschluss ein (der mir weniger zusagte). Schon immer kann er gut allein sein und ist gern für sich, aber kein Außenseiter. Für einen so jungen Mann ruht er erstaunlich in sich selbst und zeigt seine Gefühle nur selten, auch nicht dem Leser. Auf den letzten Seiten öffnen sich neue Perspektiven, nicht nur für August, allerdings ruhig und unspektakulär, da bleibt sich die Geschichte auch am Ende treu. Besonders aufregend war es nicht, noch nicht mal besonders unterhaltsam - eigentlich zu viel Farmarbeit, zu viel Landschaft, zu melancholisch-monoton, zu viel "Jungs" für meinen Geschmack, und dann auch noch so amerikanisch¿ Aber insgesamt habe ich diesen Roman doch ganz gern gelesen. Sprachlich und erzählerisch hatte er seine Höhepunkte. Besonders mochte ich die klugen, intellektuell angehauchten Gespräche mit seiner Mum, die wortkargen Dialoge mit seinem Vater, in denen es meist um das Wetter geht, die aber manchmal eine verblüffende Tiefe offenbart haben und diese ruhige, pragmatische Sicht auf das Leben.

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