eBook.de : Ihr Online Shop für eBooks, Reader, Downloads und Bücher
Connect 01/2015 eBook-Shops: Testsieger im epub Angebot, Testurteil: gut Die Welt: Kundenorientierte Internetseiten Prädikat GOLD
+49 (0)40 4223 6096

Alle Rezensionen von Reading.out.loud

Seite 1 / 2
cover
Wie sehr schätzen wir das Jetzt und Hier? Leben wir im Augenblick oder warten wir auf die vielversprechende Zukunft, in der alles besser wird? Wieviel bedeuten Erinnerungen, wenn wir uns diese bewusst vor Augen führen? Und welchen Stellenwert hat Familie, der Freundeskreis, unsere Heimat, wenn dunkle Zeiten nahen? Diese und viele weitere Fragen haben mich bei dem Roman Marigolds Töchter von Julia Woolf begleitet, in der sie auf einfühlsame Art und Weise die Geschichte von Marigold erzählt und ihrer Familie, deren Leben durch einen Schicksalsschlag nachhaltig verändert wird. Marigold ist die Konstante der Familie, der Fels in der Brandung. Sie führt engagiert einen kleinen Laden und ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschehnisse im Dorf. Hilfsbereit steht sie jedem mit Rat und Tat zur Seite und ihre bedingungslose Aufopferung kennt keine Grenzen. Bis sie sich eines Tages eingestehen muss, dass sich schleichend etwas verändert und sie in sich selbst die größte Herausforderung findet. Sehr nahbar führt Julia Woolf durch die Geschehnisse rund um Marigold und nähert sich der ernsten Thematik des Buches mit sehr viel Ruhe und reflektiert verschiedene Sichtweisen, sowie Entwicklungen ähnlich einem Dirigent, der sein Orchester langsam, aber bestimmt auf den aufbrausenden Höhepunkt vorbereitet. Das ist eine der vielen Stärken des Buches, das es sich nicht auf eine Dimension beschränkt, sondern mehrere Ebenen beleuchtet, viele Meinungen zu einem finalen Höhepunkt vereint. Die Emotionalität der Worte ist die zweite Stärke, der Zusammenhalt und große Freundlichkeit, sowie Wärme zwischen den Zeilen führt den Leser zur Essenz des Ganzen: das wir alle Höhen und Tiefen nur gemeinsam meistern können. Das mag jetzt als Phrase aufgefasst werden, wird aber herzerwärmend in diesem Buch aufbereitet, dass es sich trotz der schwerwiegenden Thematik wie ein Feel Good Movie anfühlt, welcher dich zu Tränen rührt. Der einzige Kritikpunkt ist für mich der etwas schwächere letzte Teil, der mich etwas auf Distanz zu den Charakteren und der Geschichte gehalten hat. Eine klare Empfehlung für alle, die leicht fließende Romane lieben, emotionale Geschichte mit Mehrdimensionalität und die gerne die essentiellen Fragen des Lebens beleuchten, den Schubs in die richtige Richtung zu schätzen wissen, der dich wieder auf das Wesentliche fokussieren lässt. Denn was am Ende bleibt ist immer wieder die Frage, ob wir alle das Jetzt und Hier ausreichend zu schätzen wissen.

cover
Elisabeth steht am Strand und blickt auf das Palais Heiligendamm, der ganze Stolz der Familie Kuhlmann. Sie spürt ihr Herz springen bei dem Gedanken, wohin das neue Hotel die Familie führen wird, die dafür ihr Leben in Berlin aufgegeben hat. Sie spürt die Sonne auf der Haut und einen wohligen Schauer. Ihr Vater führt lieber ihren Bruder Paul in die Geschicke des Hotelmanagements ein als sie, aber das wird sie nicht aufhalten alles für das Hotel zu opfern. Sie sieht einen Sturm aufziehen in weiter Ferne und die Wolken färben sich dunkel. Grau überzieht den Himmel rasch und Elisabeth sieht sich gezwungen angesichts des Wetterumschwungs zurück zum Palais zu kehren, aber der Regenschauer erwischt sie, bevor sie sich in Sicherheit wähnt. Donnergrollen in der Ferne lässt vermuten, dass das erst der Anfang war und das Unwetter noch folgen wird. Genau dieses Szenario hat mich beim Lesen von Palais Heiligendamm- Ein neuer Anfang von Michaela Grünig begleitet: Es fühlt sich an wie ein Urlaub am Strand in einem luxuriösen Palais im im Angesicht der goldenen 20er bei strahlendem Sonnenschein und dann wiederum wie ein andauernder Regenschauer, bei dem die Sonne als unrealistisches Szenario im Hintergrund verblasst. Sanft und zugleich tragisch führt Michaela Grünig den Leser in die Familie Kuhlmann ein, die sich trotz großer Konkurrenz in Heilgendamm etablieren wollen. Der Vater eine Koryphäe in der Branche und siegessicher. Sein Sohn Paul kann diese Fußstapfen bereits jetzt nicht ausfüllen und so hilft ihm seine Schwester Elisabeth mit Rat und Tat, weil sie selbst für die Hotellerie brennt. Als das Palais in Schieflage gerät, muss sich Vater Kuhlmann in letzter Instanz an Julius Falkenhayn wenden, einen jungen Mann der Berliner Society mit großem Führungsgeschick, der mit seiner liberalen Denkweise nicht nur bei Vater Kuhlmann schnell aneckt. Mich begeistert die Leichtigkeit des Romans, die Authentizität der Charaktere, die dem Leser Seite um Seite ans Herz wachsen. Elisabeth ist die überschäumende Hauptprotagonistin, die der Leser durch ihre Jugend begleitet und sie an den Herausforderungen Zeit wachsen zu sehen ist eine sehr nahbare, emotionale Reise durchs Leben, geprägt von feministischen Zügen. Michaela Grünig thematisiert zudem sehr aktuelle Themen, lässt sie zwischen den Zeilen einfließen, sodass diese über die beschriebene Epoche hinausreichen. Die detailreiche Sprache gepaart mit dem leichten Lesefluss katapultiert den Roman in die Riege der lesenswerten Sonntagsschmöker. Der einzige Minuspunkt für mich ist die Dynamik des zweiten Teils, die Geschwindigkeit der Ereignisse, die mich persönlich etwas überrollt hat. Eine klare Empfehlung für alle Liebhaber von gut geschriebenen, historischen Geschichten, die einem einen wohligen Schauer bescheren, dabei aber auch sanft aufklären über das Zeitgeschehen, die einen den Moment im Hier und Jetzt vergessen lassen, deren Worte sich schnell visualisieren und für Fans von Hotellerie und auch Gastronomie, eingebunden in einen Romankontext.

cover
Was bedeutet es komplett neu anzufangen? Sein altes Leben in einen Karton zu verpacken, luftdicht zu verschnüren und sich komplett loszusagen von allem gewohntem, allem bekannten? Wir alle träumen von diesem sagenumwobenen Neuanfang nach einer erlebten Krise, dem Wendepunkt im Leben, der einen kompletten Neustart ermöglicht, eine Neuausrichtung, eine Zeit, in der längst Vergessenes neu in den Fokus gerät und verflossene Möglichkeiten zum Greifen nah erscheinen. Wir alle träumen von dieser Kraft, die in letzter Konsequenz diesen neuen Weg durchs Leben ermöglicht. Swea findet sich inmitten des Scherbenhaufens ihrer Ehe wieder während der zweiten Hochzeitsreise nach Island. Sie lässt ihren Mann am Straßenrand zurück und somit auch ihr altes Leben. Der Zufall trägt sie zum Haus von Einar Pàlsson, einem pensionierten Lehrer, und seinem Mieter Jòn Àrnason, dem stillen, tageslichtscheuen Wikinger. Das ungleiche Trio verbindet mehr, als Swea am Anfang zu glauben vermag und schon bald sehen sich alle mit der Vergangenheit konfrontiert, den Altlasten eines früheren Lebens, aber auch der Chance sich einfach vom Wind führen zu lassen, wenn sie sich nur mutig den Gezeiten stellen. Nina Blazon ist mit Das Wörterbuch des Windes ein so leichter Roman gelungen, der den Leser auf seichten Schwingen davonträgt, gleichzeitig humorvoll mit einem Augenzwinkern versehen, aber auch einnehmend, tiefgründig, sowie herrlich authentisch, dass es mir wirklich schwergefallen ist, dass Buch abends beiseite zu legen. Der Stil ist fließend und immer wieder spürt der Leser selbst den Wind, der die Protagonistin mal nach links und mal nach rechts zieht, mal ihr Fortschreiten verhindert und mal als Rückenwind beschleunigt. Swea ist eine unglaublich sympathische Protagonistin, die immer nahbar wirkt, reflektiert und so vielseitig, dass ihre Entwicklung das wohl schönste Attribut dieses Romans darstellt. Sie zu begleiten durch Höhen und Tiefen ihrer Gedankenwelt hat mich wieder aufs Neue verzaubert. Alle weiteren Charaktere sind gar zärtlich skizziert und nehmen den Leser bei der Hand, der sofort in ein Flugzeug steigen möchte, um Island mit seinen Einwohnern wirklich kennenzulernen. Der Roman hat mich unglaublich entschleunigt, die Fragen des Lebens in den Raum geworfen und mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Eine klare Empfehlung für alle, die immer schon nach Island reisen wollten, liebevolle Charaktere zu schätzen wissen, Geschichten, die dem wahren Leben entspringen und die die Frage umtreibt, ob es immer die Möglichkeit eines Neuanfangs gibt, egal was das Leben vorher für einen parat gehalten hat.

cover
Die zitternde Welt , ein wahrhaft passender Titel für den Roman von Tanja Paar, der den Leser zurücklässt mit einem Gefühl der Rast- und auch Ratlosigkeit angesichts dieser Generationengeschichte, die die Weltkriege überdauert. Getrieben von der Frage nach den Wurzeln, dem Sinn des Lebens und der eigenen Identität versuchen alle Familienmitglieder auf ihrer Reise zu ergründen, inwieweit das Schicksal bestimmend ist oder wir selbst vieles in Hand haben. Maria wagt sich 1896 hochschwanger ins unbekannte Anatolien, denn der Vater ihres ungeborenen Kindes, Wilhelm, hat sich heimlich davongemacht, um als Ingenieur bei der Bagdadbahn mitzuwirken. Ein monumentales Bauwerk mit epochalen Ausmaßen, das Wilhelm durch seine Faszination flüchten ließ. Maria findet eine Heimat in Bünyan für ihre Familie und schon bald leben sie ein wunderbares Leben, ohne Trauschein, ohne Konventionen. Aber wie lange wird diese Idylle erhalten bleiben im Angesicht der stürmischen Zeiten, die bevorstehen? Der Schreibstil ist einnehmend, fließend und der Leser wird direkt entführt in eine eher unbekannte Welt, das Anatolien des 20 Jahrhunderts und für mich bis dato eine Epoche in Kombination mit der Bagdadbahn, die mir nicht geschichtlich geläufig war. Die Geschichte an sich ist sehr facettenreich, zu Beginn gar blumig und romantisch, an manchen Stellen begegnet dem Leser das vollkommene Glück, Momente, in denen die Handlung in sich ruht und wie eine Blase erscheint, erhaben und fernab der Realität. Aber es gibt auch die zweite Seite der Medaille, die Zerrissenheit zwischen Heimat und Vernunft, die eigene Suche nach der Identität und die Frage, welche Entscheidungen gut und welche schlecht sind und ob das überhaupt eine Rolle spielt. Sehr intensiv, teilweise brutal, sowie unverblümt, schockierend und stilistisch wertvoll schildert Tanja Paar diese Mehrgenerationen Wanderung durchs Leben, die wie eine Reise auf dem Rad der Fortuna erscheint, mal auf dem höchsten Punkt mit wunderbarer Aussicht, mal auf der Talfahrt, umgeben von Nebelschwaden, die nichts mehr klar erscheinen lassen, den Weg verdunkeln und die Gabelungen unkenntlich zeichnen. Die Charaktere sind markant gezeichnet, für mich jedoch stellenweise nicht nahbar, emotional genug, sodass dies mein einziger Kritikpunkt bleibt. Insgesamt ein fesselnder Roman, der gekonnt zwischen Perspektiven und Zeitverläufen wechselt, stilistisch sich immer wieder neu erfindet, sich aber doch selbst treu bleibt. Eine Empfehlung für alle, die Romane mit geschichtlichem Hintergrund bevorzugen, spannende Geschichten über Generationen hinweg verfolgen wollen und sich der ehrlichen Realität der Folgen der Weltkriege stellen möchten.

cover
Kalmann wie er leibt und lebt, mit Cowboyhut und Sheriffstern, Mauser im Holster ist er der selbsternannte Sheriff von Raufarhöfn in den weiten Islands. Joachim B. Schmidt beschreibt einen unglaublich herzlichen, charmanten, etwas naiven, aber stets mit einem Augenzwinkern versehenden Charakter, der Haifischjäger ist, von seinem Großvater die Welt erklärt bekommen hat, die manchmal einfach so unglaublich kompliziert ist und sich unversehens mit einer großen Blutlache konfrontiert sieht. Von da an wird alles noch viel komplizierter, aber Kalmann setzt seinen Rucksack auf, rückt den Hut zurecht und kümmert sich, denn das ist sein Job. Mit Kalmann wurde ein sehr skurriler, jedoch herzlicher Charakter geschaffen, der den Leser in die wunderschönen Weiten Islands entführt, ihm alles über das Haifischen und die Kunst der Gammelhaiherstellung beibringt, ihn staunen lässt über sein Geschick mit Petra und immer wieder herzlich zum Lachen und schmunzeln bringt. Er sieht die Welt so einfach und klar, wie es uns manchmal nicht möglich ist. Kalmann mag seine Defizite haben, aber mit dem Herz am rechten Fleck und dem richtigen Gespür löst er alle Probleme. Es ist so charmant und sympathisch geschrieben, dass der Leser sich gar nicht lösen kann von der Geschichte und seinen Charakteren, die Tiefgang aufweisen und mit schönen Anekdoten aufwarten. Dabei ist die Handlung überraschend, birgt einige Wendungen und hat mich zum Schluss verblüfft. Eine Empfehlung für alle, die gerne beim Lesen schmunzeln, besondere Charaktere schätzen und Krimis mit Wendungen favorisieren.

cover
Das Erbe der Päpstin von Helga Glaesner ist ein historischer Roman, der sich als lose Fortsetzung zu Die Päpstin von Donna W. Cross versteht und thematisch kurzzeitig überlappt, sowie schließlich die Ereignisse weitererzählt. Im Mittelpunkt steht Freya, die mit ihrer Schwester, sowie Mutter bei den räuberischen Dänen als Sklavin lebt, bis an einem ereignisreichen Abend ihre Mutter ermordet wird. Freya muss zusammen mit ihrer Schwester fliehen und alles, was sie haben ist die Geschichte von Gerold, ihrem Großvater, den sie zu finden versuchen. Als Freya schließlich nach Rom gelangt, wo Gerold die Wache des Papstes befehligt, kann sie leider nur noch mitansehen wie dieser und der Papst, eigentlich die vielgerühmte Johanna, umgebracht werden. Freya muss fliehen, schwört jedoch den Mord aufzuklären, wenn sie auch nicht abschätzen kann, dass sie sich in weit größere Gefahr begibt als angenommen. Der Erzählstil ist leicht, fließend, nahezu als plätschernd zu bezeichnen. Die Geschichte lässt keine Zeit für große Beschreibungen, denn kaum mit dem Lesen begonnen überschlagen sich bereits die Ereignisse. Der Leser wird sehr schnell in die mittelalterliche Welt geworfen, verfolgt die Flucht, die Suche und schließlich den Mordkomplett um Johanna und Gerold. Die Charaktere sind leicht gezeichnet und die Dialoge leider überwiegend nicht überzeugend. Zudem hatte ich thematisch immer wieder Fragezeichen, weil manche Aspekte für mich ungereimt bleiben, was mich definitiv enttäuscht hat. Als riesiger Fan von Die Päpstin stand der thematisch verknüpfte Roman von Helga Glaesner ganz oben auf meiner Wunschliste, jedoch bin ich leider nicht überzeugt. Mir fehlen tiefsinnige Dialoge, eine schärfere Skizzierung der Charaktere, die auf mich teilweise lapidar und oberflächlich wirkte und die Detailarbeit, die gerade historische Romane für mich auszeichnet, um authentisch in diese Zeit eintauchen zu können. Eine Empfehlung für diejenigen, die sich von Die Päpstin wirklich lösen können, das ganze eigenständig betrachten und leichte Lektüre bevorzugen.

cover
Das neue Sachbuch von Tijen Onaran mit dem Titel Nur wer sichtbar ist, findet auch statt beschäftigt sich eindrücklich, nahbar und mit natürlichen Beispielen und Hacks mit dem sehr persönlichen Thema Personal Branding, Fokus auf soziale Netzwerke gesetzt. Tijen Onaran findet einen sehr persönlichen Einstieg in das Thema über ihre eigenen Erfahrungen, was das ganze Pamphlet für den Leser direkt realistischer wirken lässt und auf Augenhöhe holt. Viele Sachbücher verlieren ihren Leser bereits zu Beginn mit Tipps und Tricks, die von oben herab diktiert werden, in diesem Fall hingegen wird der Leser sympathisch abgeholt, mit offenen Armen empfangen, unabhängig seiner vorherigen Vorbereitung zum Personal Branding. Die Kapitel sind klar und deutlich gegliedert, bauen aufeinander auf und greifen thematisch ineinander wie Zahnräder eines Uhrwerks. Der Stil ist leicht, erzählend und gleicht einem Roman, daher liest es sich trotz der Komplexität des Themas schnell und flüssig. Dabei bleibt die Einfachheit bei Erklärungen im Vordergrund, inkludiert so jeden Leser mit beliebigem Background. Herauszuheben sind die schlüssigen Zusammenfassungen am Ende, sowie die Animation das Ganze für sich auszuprobieren, zu hinterfragen und zu reflektieren, eben seinen eigenen Standpunkt zu definieren. Dabei schafft es Tijen Onaran diese sehr schwer zu definierenden Themen immer wieder sympathisch zu be- und umschreiben, Rahmen abzustecken, ihre eigenen Unsicherheiten zu integrieren und dabei aber auch Raum zu lassen für den Leser, der bei dem ganzen Spiel um das Thema Branding vielleicht seine Rolle noch nicht gefunden hat. Es geht nicht darum einen Leitfaden zu bieten für die beste Definition von eigener Darstellung, sondern seinen eigenen Weg zu finden und Möglichkeiten, Diversität aufzuzeigen. Für mich persönlich sind nicht alle Kapitel gleich wertvoll aufgrund meiner Vorbildung und nicht alle Tipps und Tricks umsetzbar, den Anspruch erhebt das Buch jedoch auch nicht. Perfekt geeignet für alle, die sich immer schon gefragt haben, wie sie das Beste aus sich selbst herausholen können und die Social Media eher als ein Netz der Verwirrung ansehen, denn als reale Plattform, die die eigene Position stärken kann.

cover
Der Debütroman Jahresringe von Andreas Wagner schildert auf sanfte, jedoch eindrückliche, sowie emotionale Art und Weise den Generationswechsel einer Familie und damit einhergehend eben auch die Veränderung ihrer Heimat, sowie die nachdrückliche Feststellung, dass nicht nur unsere Handlungen, Entscheidungen im Hier und Jetzt unser Leben nachhaltig bestimmen, sondern auch die Vergangenheit. Leonore, eine Vertriebene aus Ostpreußen, streift heimat- und orientierungslos umher, getrieben von der Angst um die Zukunft. Sie trifft auf den Süßwarenbäcker Jean, den jedoch alle nur Hannes nennen, der ihr Obhut gewährt in seinem Haus in einem kleinen Dorf zwischen Köln und Aachen. Aufgrund ihrer Herkunft wird sie im Dorf jedoch vielmehr geduldet, als in ihrer Mitte willkommen geheißen. Einzig ihre Verbindung zum Wald lässt sie mit eben diesem Ort verwurzeln. Ihr Sohn Paul erlebt die Epoche, in der der Kohletagebau die Zukunft des Waldes und des Dorfes gefährdet, was letztlich zur Umsiedlung führt und für Paul in eine neue, ungewisse und definitiv andere Zukunft führt, als er es für sich erdacht hat. Die letzte Generation, Jan und Sarah, die Kinder von Paul, groß geworden in dem Dorf der Umsiedlung, könnte zerissener nicht sein: Sarah hat die Verbundenheit zum Wald von ihrer Großmutter geerbt und engagiert sich aktiv für dessen Erhalt, wohingegen Jan im Tagebau arbeitet und demnach auf der anderen Seite steht. Wird dieser Konflikt in einer familiären, generationsübergreifenden Katastrophe enden? Die Schilderungen im gesamten Buch sind detailreich und sehr nahbar geschrieben. Trotz des ernsten Themas liest es sich leicht, einfach und doch schwingt zwischen den Zeilen die Melancholie, leise und sanft, jedoch nachhallend und einnehmend. Mir gefällt besonders, dass der Autor es schafft den Leser generationsübergreifend abzuholen und jeweils in der entsprechenden Epoche zu binden mit den entsprechenden Sorgen und Nöten, aber auch den kleinen, feinen Glücksmomenten. Ich habe den Roman als sehr authentisch empfunden und besonders die Verbindung zu Leonore gespürt auf ihrer tiefsinnigen Suche nach dem Gefühl anzukommen und sich in einer neuen Heimat verwurzeln zu können. Je weiter die Zeit fortschritt, desto anonymer wurde schlichtweg die Beziehung zu den Protagonisten, was ich in diesem Fall jedoch als schlichtweg realistisch bewerte. Jeder, der die mehrschichtigen, vielfältigen Geschichten seiner eigenen Familie kennt weiß, dass mit fehlender zeitlicher Nähe zu den Geschehnissen der Nachkriegszeit auch leider die Emotionalität, die Betroffenheit schwindet. Das gesamte Thema hat mir unglaublich gut gefallen, denn wir alle sind zuweilen von den Fragen betroffen, was Heimat bedeutet und was eben diese zu unserer Identität beiträgt. Wieviel bestimmt die Vergangenheit der Familie und wieviel bestimme ich? Was ist das Erbe meiner Familie und trage ich es mit Würde und Stolz, im Sinne dessen, was die Vorfahren sich gewünscht hätten und für sich erarbeitet haben? Und wo bleibe ich inmitten dieser komplexen Gedanken? Eben solche Fragen sind mir persönlich immer wieder während des Lesens begegnet und regen zur eigenen Reflektion an. Die einzigen Minuspunkte sind für mir die zuweilen etwas surrealen Szenen, die es meiner Meinung nach nicht gebraucht hätte in diesem durchweg stimmigen Werk zwischen Freude, Leid und dem Neuanfang, sowie die für mich persönlich empfundene Kurzatmigkeit- gerne hätte ich noch mehr gelesen. Für alle empfehlenswert, die generationsübergreifende Handlungen, Nahbarkeit von Charakteren schätzen und sich selbst die Frage stellen, was Heimat bedeutet.

cover
Der Roman Schwarzer Jasmin von Manfred Rumpl thematisiert vor allem ein sehr aktuelles Thema: Migration, Integration und die Intention möglicher Gefährder. Eymen wächst in Tunesien auf, seine Kindheit ist geprägt von Hass, Gewalt und der Willkür der Salafisten. Schnell wird ihm klar, dass er in Tunesien keine Zukunft hat und begibt sich als Flüchtling nach Europa. Dort trifft er auf Julia, eine Vollblut Sozialarbeiterin, die sich auch privat mit der Ungerechtigkeit der Welt, der fehlenden Balance unseres Systems und systemischer Diskriminierung auseinandersetzt. Das bekommt auch ihr Freund Jakob zu spüren, der zwar ein gutes Gespür für Wein besitzt, jedoch ein fehlendes Händchen für zwischenmenschliche Beziehungen. Der letzte Protagonist ist Frank, Polizist kurz vor der Pension, der sich dem Thema der Terrorabwehr im Land widmet. Die Handlungsstränge sind enger verwoben als gedacht und führen zu einem dramatischen Finale. Die Leseprobe dieses Romans hat mich schlichtweg umgehauen: Eymens Kindheit wird beleuchtet, seine Umstände und eben auch das Leben in Tunesien. Schwarzer Jasmin als Leitfaden taucht immer wieder auf und vernetzt alsbald die ersten Handlungsstränge sanft und trotzdem drastisch. Dazu die Beleuchtung der Liebesbeziehung von Jakob und Julia, sowie die Bedürfnisse von Frank, der sich trotz nahender Pension nochmal komplett in seine Arbeit vertieft. Die Geschichte an sich mit all ihren Handlungssträngen hat unglaublich viel Potential, mir fehlt jedoch die Nähe zu den Charakteren, wahrscheinlich auch aufgrund der vielen, für mich teilweise nicht mehr nachvollziehbaren Sprünge im Zeitverlauf. Dadurch verliert die Geschichte an Tiefe und emotionaler Komplexität, sodass für mich das Ende zwar spannend war, ich mir jedoch eine größere Verbundenheit mit den Protagonisten gewünscht hätte. Das Verhältnis bleibt für mich somit oberflächlich, leicht angeraut. Für mich spannend klingende Handlungspassagen wurden gefühlt auch leider nicht intensiviert oder näher thematisiert, teilweise ebenfalls übersprungen trotz des brachliegenden Potenzials. Ich hätte mir eine tiefergehende Reflektion gewünscht. Eine Leseempfehlung für diejenigen, die sich für die Geschichten hinter potenziellen Gefährdern interessieren, ihren Lebensweg und ihre Sichtweisen, jedoch weniger für Leser, die komplexe Charaktere lieben und Geschichten mit emotionalem Tiefgang.

cover
Gustav Mahler sitzt eingewickelt in Decken auf dem Deck der Americana und blickt seiner letzten Reise entgegen von New York nach Wien, begleitet von Erinnerungen, Erfolgen und Echtzeitaufnahmen lässt er sein Leben Revue passieren. Robert Seethaler nimmt den Leser mit auf dieser einzigartigen, eindrucksvollen Reise, die über die letzten Zeilen in die Welt hinaushallt. Trotz der Kürze des Romans war der Inhalt sehr intensiv, authentisch und es bedarf keiner weiteren Zeilen, da er komplett, in sich schlüssig und schlussendlich fließend erscheint. Der große Künstler, der sowohl auf eine eindrucksvolle Karriere zurückblicken kann, als auch eine liebende Familie, was ihn mit unglaublich viel Wärme und Glück erfüllt. Gleichzeitig ist er Künstler, hadert mit sich, dem Leben, der Liebe und auch seinen Werken. Diese Zerissenheit zwischen den Zeilen, diese Zerbrechlichkeit und teilweise geschilderte Hochsensibilität, gepaart mit vielerlei Widersprüchen zeichnet für mich ein so emotionales, zugleich reales Bild eines Mannes, der das beste Leben gelebt hat, das er konnte, jedoch nicht das beste, was er vielleicht wollte. Die innere Auseinandersetzung zwischen Akzeptanz, dem Bewusstsein um die schönen, erlebten Momente und dem Wunsch nach mehr, dem Gefühl, dass alles nicht reicht, wird begleitet mit wunderschönen, malerischen Schilderungen, Zeitsprüngen und Dialogen. Präzise und fein säuberlich bleibt am Ende die Frage nach dem Glück für mich, im Leben, in der Liebe und im Tod. Wann ist ein Leben lebenswert und wann bereue ich verpasste Chancen? So eindrücklich hat für mich bisher noch kein Autor die letzte Reise eines Menschen verpackt.

Seite 1 / 2
Unser Service für Sie
Zahlungsmethoden
Bequem, einfach und sicher mit eBook.de. mehr Infos akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal mehr Infos
Geprüfte Qualität
  • Schnelle Downloads
  • Datenschutz
  • Sichere Zahlung
  • SSL-Verschlüsselung
Servicehotline
+49 (0)40 4223 6096
Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 18.00 Uhr
Chat
Ihre E-Mail-Adresse eintragen und kostenlos informiert werden:
2 Diese Artikel unterliegen nicht der Preisbindung, die Preisbindung dieser Artikel wurde aufgehoben oder der Preis wurde vom Verlag gesenkt. Die jeweils zutreffende Alternative wird Ihnen auf der Artikelseite dargestellt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

3 Durch Öffenen der Leseprobe willigen Sie ein, dass Daten an den Anbieter der Leseprobe übermittelt werden.

4 Der gebundene Preis dieses Artikels wird nach Ablauf des auf der Artikelseite dargestellten Datums vom Verlag angehoben.

5 Der Preisvergleich bezieht sich auf die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers.

6 Der gebundene Preis dieses Artikels wurde vom Verlag gesenkt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

7 Die Preisbindung dieses Artikels wurde aufgehoben. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.

** Gilt für Bestellungen aller physischen Produkte auf eBook.de. Von dem verlängerten Rückgaberecht ausgeschlossen sind eBooks, Hörbuch Downloads und tolino select. Das gesetzliche Widerrufsrecht bleibt hiervon unberührt.
eBook.de - Meine Bücher immer dabei
eBook.de ist eine Marke der Hugendubel Digital GmbH & Co. KG
Folgen Sie uns unter: