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Muße

Vom Glück des Nichtstuns. mit Abbildungen.
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Produktdetails

Titel: Muße
Autor/en: Ulrich Schnabel

ISBN: 389667434X
EAN: 9783896674340
Vom Glück des Nichtstuns.
mit Abbildungen.
Blessing Karl Verlag

8. Dezember 2010 - gebunden - 288 Seiten

Wir suchen, brauchen und fürchten sie: die Kraft der Muße

Haben Sie heute schon Däumchen gedreht und an die Wand gestarrt? Und dabei an nichts Bestimmtes gedacht? Falls nicht, so holen Sie es bitte bald nach. Für Gewissensbisse gibt es keinerlei Grund. Denn: Muße ist zur bedrohten Ressource geworden. Die Beschleunigungsgesellschaft mit ihrem Arbeitsdruck und dem Zwang zur permanenten Kommunikation lässt uns nicht zur Ruhe kommen. Dabei haben Gehirnforscher und Psychologen längst herausgefunden, wie wichtig Phasen absichtslosen Nichtstuns sind. Sie fördern nicht nur die Regeneration und stärken das Gedächtnis, sondern sind auch die Voraussetzung für Einfallsreichtum und Kreativität. Große Ideen brauchen vor allem eines: Zeit und Muße. Isaac Newton kam der zündende Einfall zu seiner Gravitationstheorie im Garten, als er versonnen einen Apfel betrachtete. Descartes philosophierte am besten im Bett. Doch von solch kreativen Auszeiten können die meisten heute nur träumen. Ulrich Schnabel beschreibt die Ursachen der allgemeinen Zeitnot, zeigt uns, wo wir auch heute noch Inseln der Muße finden können, und bietet eine Fülle von konkreten Anregungen und Tipps für alle, die dem permanenten Drang zur Beschleunigung widerstehen wollen.

  • Von John Cage über John Lennon bis zu Britta Steffen.
  • Konkrete Tipps zu einem sinnvollen Umgang mit der Informationsflut.
  • Spektakuläre Psycho-Versuche unter Tage: Was denken und fühlen wir, wenn wir lange allein sind?
Ulrich Schnabel, geboren 1962, studierte Physik und Publizistik in Karlsruhe und Berlin und ist Wissenschaftsredakteur bei der ZEIT. 1997 veröffentlichte er bei Rowohlt zusammen mit Andreas Sentker: "Wie kommt die Welt in den Kopf. Reise durch die Werkstätten der Bewusstseinsforscher". Ulrich Schnabel schrieb in der ZEIT und in GEO viel beachtete Artikel über Religion und Bewusstseinsforschung und wurde 2006 mit dem "Georg von Holtzbrinck-Preis" für Wissenschaftsjournalismus ausgezeichnet. Drei Jahre später veröffentlichte er bei Blessing: "Die Vermessung des Glaubens". Es wurde von "Bild der Wissenschaft" als "Wissenschaftsbuch des Jahres 2009v ausgezeichnet. Im Oktober 2010 erhielt Schnabel ferner den Werner und Inge Grüter-Preis für Wissenschaftsvermittlung.
VORWORT F' EILIGE
Sie k'nnen dieses Buch auf zwei Arten lesen: Sollten Sie das Gef'hl haben, keine Zeit verschwenden zu d'rfen, dann drehen Sie es einfach um und beginnen vom Ende her. Dort finden Sie kurz und b'ndig die wesentlichen Thesen und Tipps zusammengefasst, quasi als Hand-out f'r eilige Manager, die auf ihrem gehetzten Weg zum n'sten Flughafen / der Bef'rderung / dem Burn-out schnell nachlesen m'chten, weshalb Tempo sie nicht immer weiterbringt und Nichtstun manchmal von unsch'barem Wert ist. Sollte Ihnen dieser Gedanke allerdings einleuchten, dann lesen Sie dieses Buch lieber auf die althergebrachte Art - von vorn nach hinten. Erstens verpassen Sie sonst viele denkw'rdige Beispiele und Anekdoten; zweitens geben Sie Ihrem Gehirn Zeit, das Gelesene wirklich aufzunehmen; und drittens praktizieren Sie damit bereits das, was dieses Buch propagiert: die Kunst, sich Zeit zu nehmen und sich nicht hetzen zu lassen (nicht einmal von sich selbst). Auf diese Weise k'nnen Sie auch die Erfahrung machen, dass dieses Buch mehr ist als nur eine Art geistiger Bildschirmschoner, der das Durchbrennen Ihrer gestressten Mattscheibe verhindert. Im besten Falle kann es zum Treibsatz und Kreativit'verst'er Ihrer eigenen Einf'e werden, und wenn Sie dabei auf bessere Gedanken kommen als jene, die der Autor hatte, dann hat es seinen Zweck mehr als erf'llt.
Wenn Sie allerdings am Ende das Buch entspannt aus der Hand legen und feststellen, dass Sie gar keine neuen Regeln und Leits'e brauchen - umso besser. So oder so w'nsche ich Ihnen bei der Lekt're viel Vergn'gen.
Ulrich Schnabel


Einf'hrung:
Eine Di'f'rs Denken
Reden wir nicht lange drum herum, sondern kommen wir gleich zum Wesentlichen.
Kleinen Moment mal eben, hier klingelt gerade mein Handy ' So, da bin ich wieder. Also: In diesem Buch geht es darum, dass wir st'ig abgelenkt werden vom Wesentlichen, also von dem, ' was uns eigentlich wichtig'
' Sorry, der Postbote an der T'r .
Wo war
en wir? Ach ja, beim Dings, dem Wesentlichen. Jedenfalls, weil wir n'ich permanent online und total vernetzt sind und st'ig unterbrochen. Halt, da blinkt eine eilige Mail, nur kurz checken. ' Tschuldigung. Also, weil wir st'ig unterbrochen werden, deshalb f't es uns in Ruhe so schwer, nein, pardon: Deshalb f't uns die Ruhe so schwer, also genauer gesagt die Konzentration, also die, ', Aufmerksamkeit. Moment, was war noch mal das Thema?
Das Wesentliche. Haben Sie auch das Gef'hl, dass es Ihnen st'ig durch die Finger flutscht? Dass die gr''e Kraft in Ihrem Leben die Zerstreuung ist? Geht es Ihnen 'lich wie uns Journalisten, die sich allmorgendlich in die Nachrichtenflut st'rzen, durch Hunderte von E-Mails pfl'gen, die googelnd und klickend durchs Netz tauchen, beim Luftschnappen schnell mal telefonieren und sich abends ersch'pft fragen, was sie eigentlich den ganzen Tag so getan haben? Dann gibt es zumindest einen Trost: Sie sind nicht allein.
Denn der Zustand permanenter Zerstreuung breitet sich in unserer Gesellschaft aus wie ein ansteckendes Grippevirus. Wir leiden an Reiz'berflutung und dem Gef'hl st'iger 'erforderung ' und gieren doch nach schnelleren Datenleitungen und noch leistungsf'geren Handys; wir sind permanent online und allzeit erreichbar ' und haben st'ig Angst, etwas zu verpassen und abgeh't zu werden; wir f'hlen, wie unsere Zeit immer knapper wird, und sehnen uns nach Mu' ' und f'rchten zugleich nichts so sehr wie das Nichtstun und die Langeweile.
Vor hundert Jahren h'e man uns vermutlich alle als Neurastheniker diagnostiziert, als nervenm'de Zeitgenossen, die in einem wahnhaften Aktionismus gefangen sind, der sie st'ig vorw'speitscht ' und doch nie bei sich selbst ankommen l't. Und 'lich wie am 'ergang vom 19. zum 20. Jahrhundert Gesellschaftstheoretiker ein 'Zeitalter der Nervosit' anbrechen sahen, leben wir heute in der Epoche der rasant zunehmenden Aufmerksamkeitsst'rungen. Wie sehr das Leiden an der Ruhelosigkeit verbreitet ist, bel
egt jede entsprechende Umfrage: Als etwa 2009 das Meinungsforschungsinstitut Allensbach die Deutschen fragte, was sie an ihrem Charakter am liebsten ver'ern w'rden, w'nschten sich die meisten ebenso schlicht wie verzweifelt, sie w'n gern 'viel ruhiger'1. Laut Forsa empfinden 67 Prozent der Mitb'rger die 'st'ige Hektik und Unruhe' als den gr''en Ausl'ser von Stress, und bei den guten Vors'en zum neuen Jahr stehen ganz obenan die W'nsche 'Stress zu vermeiden' und 'mehr Zeit f'r Familie und Freunde' zu haben.
Diese Wahrnehmung des st'igen Getriebenseins ist beileibe keine deutsche Spezialit' Auch europaweite Erhebungen belegen, wie sehr sich die Menschen gehetzt f'hlen. Inzwischen sind es schon knapp 50 Prozent der Befragten, die angeben, mindestens die H'te ihrer Zeit 'sehr schnell' arbeiten zu m'ssen. Und bei jeder neuen Studie klagen mehr Menschen 'ber ein zu hohes Arbeitstempo und eng gesetzte Termine.
Es ist keine 'ertreibung zu sagen: F'r die Mehrheit ist das Leiden an der Zeitnot das gr''e 'el der modernen Gesellschaft. Egal ob Selbstst'ige oder Angestellte, Manager, Politiker oder Wissenschaftler ' alle eint das Gef'hl, permanent unter Druck zu stehen, an Quartalsbilanzen, Umfragewerten oder Produktionssteigerungen gemessen zu werden und sich keine Atempause g'nnen zu d'rfen. Statt in unserer jeweiligen Handlung aufgehen und im besten Falle den Flow, den Rausch des konzentrierten Schaffens erleben zu k'nnen, f'hlen wir uns zunehmend fahrig, fremdgesteuert und irgendwie nur halb anwesend. Was dabei auf der Strecke bleibt, sind nicht nur die Ruhe zum Nachdenken und die F'gkeit zum konzentrierten, effektiven Arbeiten, sondern etwas viel Grunds'licheres: das Erleben der Gegenwart und damit die Wertsch'ung unseres Lebens selbst, das immer nur im Jetzt stattfindet und nie in der Erinnerung an Gestern oder der Planung von Morgen.
Dass der Mensch nicht nur vom ehrgeizigen Tun lebt, haben im Lauf der Jahrhunderte viele kluge K'pfe erkannt; auch die Religi
onen betonen immer wieder den Wert jener Zeiten, die nicht allein dem Broterwerb gewidmet sind. Doch obwohl moderne Forschungsergebnisse diese jahrhundertealten Weisheiten mittlerweile eindrucksvoll best'gen, haben wir es inzwischen weitgehend verlernt, 'der Mu' zu pflegen', wie das in fr'heren geruhsamen Zeiten einmal hie' Und dieser Mangel durchzieht alle Lebensbereiche.
Denn wir leben, wie Soziologen diagnostizieren, in einer 'Beschleunigungsgesellschaft', in der das Gef'hl des Gehetztseins zum Dauerzustand geworden ist; Leistung wird 'ber alles gestellt, das Nichtstun, der nicht zweckorientierte M''ggang, gilt als unproduktiv und Verschwendung von (Lebens-)Zeit.
Die Folgen dieser Haltung werden einem oft erst bewusst, wenn es zu sp'ist. Als etwa Arend Oetker, einer der erfolgreichsten Unternehmer Deutschlands, gefragt wurde, was der 'kapitalste Fehler' seines Lebens gewesen sei, antwortete der Wirtschaftsboss ebenso schlicht wie ersch'tternd: 'Zu wenig Zeit f'r Freunde'. Und als er angeben sollte, welchen 'v'llig 'berfl'ssigen Luxus' er sich gern g'nnen w'rde, tr'te Oetker davon, 'in Mu' die Natur zu erleben' und im Garten seines Elternhauses 'zu beobachten, wie sich die B'e im Badeteich spiegeln.'
An der Unf'gkeit zur Mu' leiden aber nicht nur erfolgreiche Manager, die im Hamsterrad der Gesch'igkeit stecken, sondern paradoxerweise auch jene, die ihre Arbeit verloren haben, die Ausgesonderten, Erwerbslosen, Zwangsentschleunigten. Sie haben pl'tzlich ein 'erma'an freier Zeit vor sich ' Zeit allerdings, die ihnen nun leer, entwertet, unbrauchbar erscheint. Denn in einer Leistungsgesellschaft, die das Wachstum, den Konsum und die pers'nliche Erlebnismaximierung feiert, wird das Nichtstun zum bitteren Genuss.
So beginnt uns allm'ich zu d'ern, dass wir f'r das st'ige Gehetztsein und die Logik des 'Immer-mehr' einen hohen Preis bezahlen. Auf individueller Ebene mit allen m'glichen psychosomatischen Leiden ' vom Tinnitus 'ber Schlaf-, Ess- oder Verda
uungsst'rungen bis hin zum rasant um sich greifenden Burn-out-Syndrom, der Modekrankheit des gestressten Erfolgsmenschen ', deren H'igkeit massiv ansteigt. So hat sich beispielsweise laut der Krankenversicherung DAK der Anteil psychischer Erkrankungen an den Ursachen f'r Fehltage am Arbeitsplatz im vergangenen Jahrzehnt fast verdoppelt. Auch bei den Fr'hverrentungen in Deutschland zeigt sich ein 'lich alarmierender Trend (siehe Grafik).
Kein Wunder, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO berufsbedingten Stress durch permanente 'erlastung zu einer der 'gr''en Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts' erkl'.




Ursachen f'r Fr'hverrentung















Wir bezahlen aber nicht nur als Individuen, sondern auch als Gesellschaft: Alle zusammen m'ssen wir die Folgen eines Wachstums tragen, das unseren Planeten an den Rand seines 'kologischen Gleichgewichts bringt und das gerade aufgrund seiner Beschleunigung permanent aus dem Ruder zu laufen droht.
Anteil verschiedener Krankheiten an der Zahl der Fr'hverrentungen in Deutschland. Am h'igsten gehen Arbeitnehmer heute wegen psychischer Erkrankungen in Fr'hrente, die Zahl der Nervenleiden hat l'st die fr'her h'igen Skelett- und Muskelerkrankungen oder Herz-Kreislauf-Leiden 'berholt.
Das beste Beispiel daf'r ist die globale Banken-, Finanz- und Wirtschaftskrise, die seit 2007 weltweit die Regierungen in Atem h'. Sie ist im Grunde nichts anderes als ein 'Beschleunigungsunfall': W'end sich die Geschwindigkeit der Finanztransaktionen immer mehr erh'hte, hinkte die reale Produktion ebenso wie die politische Regulierung hinterher ' bis es zum Crash kam. Weniger spektakul' auf lange Sicht jedoch m'glicherweise gef'licher, ist die schleichende Bedrohung unserer Lebensgrundlagen ' 'erfischung der Meere, Klimawandel, Verknappung von Energietr'rn und Ressourcen etc. Diese Gefahren f'hren uns drastisch die Grenzen eines Wirtschaftssystems
vor Augen, das auf unbegrenztes Wachstum und immer schnelleren Kreislauf von G'tern, Geldern und Geistessch'pfungen setzt.
Selbst unter - traditionell eher konservativen - 'onomen w'st die Einsicht, dass es so nicht weiter gehen kann. 'Wohlstand ohne Wachstum' propagiert etwa Meinhard Miegel, ehemaliger Leiter des Instituts f'r Wirtschaft und Gesellschaft und heute Vorsitzender eines 'Denkwerk Zukunft'. Auch f'r andere 'onomen ist Nachhaltigkeit zum zentralen Begriff geworden und selbst die Politik erkennt allm'ich die Notwendigkeit, neue Wirtschaftsmodelle zu entwerfen, die nicht mehr nur auf permanentes Wachstum setzen.
Um die Kraft f'r einen Richtungswechsel zu finden, ben'tigen wir jedoch ausgerechnet das, was uns am meisten fehlt: Mu' und Zeit. Mu', um neue Ideen zu entwickeln, Zeit, um unsere eingefahrenen Verhaltensweisen zu 'berpr'fen und Alternativen zu erproben, in unserem eigenen Leben wie in der gro'n Politik.
Wie wichtig solche Zeiten des Innehaltens sind, zeigte nicht zuletzt gerade die Finanzkrise: So war es etwa bei der akut notwendigen Stabilisierung der angeschlagenen Hypo Real Estate enorm hilfreich, dass die B'rsen zwei Tage in der Woche geschlossen hatten und das Aktiengetriebe wenigstens kurzzeitig zum Erliegen kam. Anfang Oktober 2008, als der Aktienkurs der Bank in freiem Fall war, bot der arbeitsfreie Sonntag die erforderliche Atempause, um die Hypo Real Estate mit einem milliardenschweren Rettungspaket f'rs Erste vor dem Bankrott zu bewahren. Als die B'rse am Montag wieder 'ffnete, war die Hypo Real Estate stabilisiert und damit die bef'rchtete Kernschmelze der B'rsenkurse verhindert worden.
Eine Auszeit vom allt'ichen Immer-weiter-so ist also mitnichten verlorene Zeit; im Gegenteil, oft ist die Distanz zum 'blichen Getriebe geradezu 'berlebensnotwendig. Und das gilt f'r das B'rsengeschehen ebenso wie f'r unsere eigene Psyche. Hirnforscher haben mittlerweile festgestellt, dass unser Gehirn immer wieder Phasen des Nichts
tuns braucht, dass ein gewisser Leerlauf im Kopf f'r unsere geistige Stabilit'sogar geradezu unabdingbar ist.
Allerdings haben wir die hohe Kunst des Nichtstuns weitgehend verlernt. Das absch'ige Wort vom M''ggang, der angeblich aller Laster Anfang sei, steckt uns derart tief in den Knochen, dass wir dem gestressten Karrieremenschen (auch wenn er mit unsinnigen Finanzderivaten hantiert) gesellschaftlich mehr Bewunderung entgegenbringen als dem gen'gsamen Lebensk'nstler, dem es gelingt, auch ohne Reicht'mer gl'cklich zu sein. Wir feiern die Aktivit'allein um ihrer selbst willen, ohne zu fragen, ob sie denn im gro'n Rahmen f'r alle Menschen eher f'rderlich oder sch'ich ist; und noch immer gilt das Bruttosozialprodukt als Kennzahl gesellschaftlichen Gl'ckes ' ganz so, als ob die Zahl der verkauften, konsumierten und weggeworfenen G'ter etwas 'ber die innere Zufriedenheit derer aussagen w'rde, die in diesem Warenberg leben. Ebenso betrachten wir es als Vorteil, wenn uns ein neues digitales Ger'wie etwa Apples iPad noch mehr Optionen er'ffnet, uns noch mehr Informationskan' erschlie' ' als ob es immer noch darauf ank', die Quantit'der verf'gbaren Informationen zu steigern und nicht ihre Qualit'
Es ist schon erstaunlich: Mit unserem K'rper gehen wir l'st pfleglicher und kl'ger um als mit unserem Geist. Unz'ige Di'atgeber lehren uns, beim Essen Ma'zu halten, wir machen Fr'hjahrs- und Herbstkuren, achten auf den Body-Mass-Index und die Qualit'unserer Lebensmittel und emp'ren uns, wenn Gammelfleisch 'ber die Ladentheke geht. Doch all das, was in Bezug auf das Essen inzwischen common sense ist, scheint im Umgang mit Informationen nicht zu gelten. Dort fr'nen wir h'ig einer ungez'gelten V'llerei, stopfen unser Gehirn mit zu vielen, falschen oder unwichtigen Informationen voll und kommen kaum einmal auf den Gedanken, dass unser armes Denkorgan dies alles ja verdauen muss, dass es ' wie jedes Organ ' auch Zeiten der Regeneration braucht. Am Ende wundern wir uns, warum
wir uns geistig so ausgebrannt f'hlen und h'ig die wirklich entscheidenden Aufgaben aus dem Blick verlieren.
Dieses Buch ist daher so etwas wie ein Di'atgeber f'r den Geist. Es will helfen, den Blick f'r das Wesentliche zu behalten und die Kunst dessen zu pflegen, was fr'her Mu' genannt wurde. Dieses 'Fernsein von Gesch'en oder Abhaltungen', wie Grimms W'rterbuch die Mu' definiert, ist heute f'r viele gleichbedeutend mit ersch'pftem Abh'en (vor dem Fernseher). Dabei bezeichnet Mu' eigentlich etwas ganz anderes, n'ich jene Stunden, in denen wir ganz das Gef'hl haben, Herr 'ber unsere eigene Zeit zu sein, in denen wir einmal nicht dem Geld, der Karriere oder dem Erfolg hinterherrennen, sondern in denen wir zu uns selbst und unserer eigentlichen Bestimmung kommen. Mu' ist nicht auf das entspannte Nichtstun beschr't, sondern kann uns in vielen Formen begegnen ' in inspirierenden Gespr'en ebenso wie beim selbstvergessenen Spiel, beim Wandern oder Musizieren, ja selbst beim Arbeiten ' kurz: in jenen Momenten, die ihren Wert in sich selbst tragen und die nicht der modernen Verwertungslogik unterworfen sind.
Man muss dabei ja nicht gleich so weit gehen wie die antiken Philosophen, f'r die es in der Mu' um nicht weniger ging als um die Ausrichtung auf eine 'g'ttlich vollendete Wesensschau'. Gelungene Mu'stunden gew'ten ihnen zufolge 'Augenblicke in die Ewigkeit' und wurden daher als das eigentlich erstrebenswerte Ziel des Lebens im antiken Griechenland angesehen.9 Wem das zu abgehoben klingt, dem sollte zumindest das Argument zu denken geben, dass wir Zeiten der Ruhe und der Zur'ckgezogenheit sowohl f'r unser seelisches Gleichgewicht brauchen als auch f'r die Entwicklung wirklich neuer Ideen. Deshalb h'te der franz'sische Dichter Saint-Pol-Roux, wenn er sich zum Mittagsschlaf zur'ckzog, an seine T'r das Schild: 'Poet bei der Arbeit'. Er wusste: Wirklich sch'pferische Einf'e kommen uns am ehesten dann, wenn wir sie nicht mit aller Macht zu erzwingen versuchen.10 Und
das gilt beileibe nicht nur f'r die Poesie. Die abendl'ische Geistesgeschichte ist voll von Beispielen, die zeigen, dass gro' Ideen aus der Mu' geboren werden.
Legend'ist Isaac Newtons Entdeckung seiner Gravitationstheorie: Den z'ndenden Einfall hatte der Physiker nicht in der Studierstube, 'ber seine Formeln gebeugt, sondern im heimischen Obstgarten, als er unter einem Baum sa'und einen Apfel betrachtete (dass ihm dieser auf den Kopf fiel, ist allerdings eine unbewiesene Legende). Anderen gro'n Denkern kamen ihre besten Einf'e im Traum, beim faulen Herumliegen im Bett, am Strand oder auch beim Wandern (vor allem das philosophische Denken scheint vom Gehen ungeheuer angeregt zu werden).
Nat'rlich geht solchen Geistesblitzen meist eine Zeit intensiven Studierens und Nachdenkens voraus. Kaum eine Erleuchtung f't vom Himmel, noch immer gilt das Diktum des Erfinderk'nigs Thomas Edison, der bemerkte, Genie sei das Ergebnis von '1 Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration'. Doch fehlt dieses eine inspirierende Prozent, hilft auch aller Schwei'nicht weiter. Oft kommt der entscheidende Durchbruch gerade dann, wenn man ihn am wenigsten erwartet und das rationale Denken eigentlich mit etwas anderem besch'igt ist.
Dass zwischen (scheinbarer) Unt'gkeit und echter Leistungsf'gkeit ein inniger Zusammenhang besteht, demonstrieren 'brigens auch Tiere. Wer je eine Katze beobachtet hat, wei' wovon die Rede ist. Einerseits sind Katzen echte Meister der Entspannung, die sich mit wohliger Hingabe stundenlang auf dem Sofa r'ln k'nnen; doch wenn irgendetwas ihre Aufmerksamkeit fordert (das Ger'ch einer Maus oder das vertraute Klappern der Futterdose), sind sie von einem Moment auf den anderen hellwach und hoch konzentriert.
Die Kunst der Absichtslosigkeit, des entspannten Nichtstuns im Tun, ist in unseren modernen, hektischen Zeiten allerdings zunehmend im Verschwinden begriffen. Blo'nicht zur Ruhe kommen, lautet die unausgesprochene Devise. 'Stillstand ist R'c
kschritt', predigen uns die Unternehmensberater, oder: 'Wer aufh'rt, gegen den Strom zu schwimmen, wird abgetrieben.' Fragt sich nur, welcher Strom damit gemeint ist. Ist es wirklich der vermeintliche Hang zur Faulenzerei, gegen den wir permanent ank'fen m'ssen? Oder sollten wir nicht heute eher 'ben, uns dem allgegenw'igen Hang zum blinden Aktionismus entgegen- zustemmen?
Fragt man Mediziner, f't die Antwort eindeutig aus: 'Wir bemerken, dass im Onlinezeitalter viele Menschen die F'gkeit verlernt haben, geistig und seelisch offline zu gehen, also abzuschalten', diagnostiziert etwa G'tz Mundle, Psychotherapeut und 'ztlicher Gesch'sf'hrer der Oberbergkliniken, in denen schwerpunktm'g Erkrankungen wie Sucht, Burn-out und Depressionen behandelt werden. Die meisten seiner Patienten w'rden gar nicht bemerken, wie viel Stress die stete Aufmerksamkeit und Bereitschaft zur Kommunikation bedeutet, sagt Mundle. 'Wir alle wissen, dass wir bei einem B'rojob k'rperlichen Ausgleich ben'tigen, daher gehen viele ins Fitnessstudio. Den wenigsten ist aber bewusst, dass auch die Informationsflut geistig verarbeitet werden muss.' Viele seien mit dieser Bew'igung inzwischen 'berfordert. 'Das Problem unserer Patienten ist nicht, H'chstleistungen zu erbringen. Im Gegenteil, das Problem ist,
abschalten zu k'nnen und nichts zu tun.'




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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Schlaf: Faulenzerei oder wichtige Ressource? - von Claudine Borries - 19.12.2010 zu Ulrich Schnabel „Muße“
Denkt man bei dem Wörtchen Muße nicht sogleich an Dichter wie Fontane, Adalbert Stifter oder Gottfried Keller? Ulrich Schnabel führt uns vor Augen, wie wir täglich der Hast, Getriebigkeit und der unermüdliche Berieselung mit Unterhaltung und dauernden Aktivitäten ausgesetzt sind. Ist nicht gerade in den vergangenen vierzig Jahren mit dem explosionsartigen Fortschritt der Technik ein Maß an Hektik über uns gekommen, dem der eine oder andere nur noch mit Krankheit zu entkommen vermag? Leicht verdaulich und schlüssig aufbereitet, zeigt der Autor Ulrich Schnabel, wie es in unserer Zeit zugeht, und wohin uns das automatisierte Leben zu treiben scheint. Zur Muße gehört Zeit und die Freiheit, über diese selbst zu bestimmen. Fälschlich werden Zeit und Muße heute ( Wellness und Freizeitaktivitäten) als Konsumgüter betrachtet, die man sich kaufen kann. Sie geraten somit zu weiteren Stressfaktoren, mit denen die heutige Zeit gesegnet ist. Dabei ist es weniger die fehlende Zeit als die mangelnde Fähigkeit, Glücksmomente zu empfinden, an denen Erholungssuchende leiden. An zahlreichen Beispielen macht der Autor U. Schnabel den Unterschied zwischen Zeit und Muße fest und benennt die Hektik, mit der sich Menschen vom Treiben des lauten, schnellen und überdigitalisierten Zeitalters bestimmen lassen. Überall und an jedem Ort, selbst in der Kirche, wird telefoniert und über Nichtigkeiten palavert. Der Computer gehört zu den größten Zeitzerstörern, denn man vertut mit dem Suchen und Stöbern ebenfalls kostbare Lebenszeit. Was man macht, das muss immer schnell gehen, nur nicht verweilen und einmal den eigenen Gedanken nachhängen! Phantasie und Kreativität sind im Netz jedoch sicher gefragt, wenn man sie zu weiterführender Studien nutzt. U.Schnabel beschäftigt sich u.a. mit der Funktion des Schlafes und der Ruhe. Gilt doch herkömmlich der Mensch als Faulenzer , wenn er nicht unentwegt tätig ist. Doch in Wirklichkeit vernachlässigen wir mit dieser Wertung wichtige Ressourcen unseres Körpers, denn der Schlaf ist zu Regeneration, Verarbeitung von Erlebtem und zu unserer Lernfähigkeit unabdingbar. Schnabel wendet den Blick weit zurück in die Geschichte der Philosophen, Politiker und Denker und kommt zu dem Schluss, dass zu allen Zeiten Fortschritte auch als böse galten und als Beeinträchtigung des Herkömmlichen betrachtet wurden. Dazu gehörte die Erfindung der Schrift ebenso wie die Buchdruckerkunst. In Wirklichkeit ging es immer schon ebenso wie heute darum, den Fortschritt zu nutzen, ohne sich von ihm beengen und überwältigen zu lassen. Ulrich Schnabel hat ein leicht verständliches, gut nachvollziehbares und eingängiges Buch über Muße und das "Nichtstun" geschrieben. Es sollte unter keinem Weihnachtsbaum fehlen!
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Ein Buch, das dazu einlädt, sich selbst kleine Inseln der Muße zu schaffen - von Winfried Stanzick - 08.12.2010 zu Ulrich Schnabel „Muße“
Schon in seinem 2008 erschienenen und seit kurzem bei Pantheon auch als Taschenbuch erhältlichen Buch "Von der Vermessung des Glaubens" hat sich der ZEIT -Journalist Ulrich Schnabel mit einer anspruchsvollen Sprache essayistisch einem nicht-materialistischen Phänomen genähert. In diesem Buch wollte er verstehen, was es mit dem Glauben auf sich hat und seinen Lesern zu einem besseren Verständnis ihrerseits verhelfen. Er erzählte von persönlichen Erfahrungen und von faszinierenden Begegnungen mit verschiedenen Menschen, von denen er etwas über den Glauben lernte im Rahmen seiner Recherchen. Sein neues Buch befasst sich mit einem Thema, das in den Traditionen des Glaubens durchaus umstritten gesehen wurde. Es geht um Muße. Einerseits notwendige spirituelle Haltung, andererseits unter dem Verdacht stehend, den Menschen zur Faulheit zu verführen und ihn von seinen Aufgaben abzulenken. Tatsache ist, dass der heutige Mensch ein Gehetzter ist bis in seinen Schlaf hinein. Enormer Arbeitsdruck bei denen, die Arbeit haben und der Zwang zu fast permanenter Kommunikation haben den Menschen zu einem Wesen gemacht, das nicht mehr zur Ruhe kommt. Der meiste Stress durch Handy, Email etc. ist selbstgemacht und dennoch schafft es kaum jemand, sich dem zu entziehen. Die Folge sind Menschen, die krank werden, unglücklich und immer weniger wirklich leistungs- und lebensfähig. Denn, so Schnabel, das haben die Gehirnforscher und Psychologen herausgefunden: das Nichtstun, die Muße fördern nicht nur die Regeneration und stärken das Gedächtnis, sondern sie sind nachgerade die Voraussetzung für alles, was unter Kreativität und Innovation verstanden wird. Erst recht, wenn es um so etwas wie Spiritualität geht, wenn es darum geht, die eigene Mitte zu finden, dem Sinn des eigenen Lebens auf die Spur zu kommen, Leid zu ertragen, einfach glücklich zu sein. Die Philosophen und Glaubenslehrer wissen das schon seit langem. Sie kommen in Schnabels Buch auch ausreichend zu Wort. Seinen Fokus allerdings legt er einerseits auf die Darstellung der neueren schon erwähnten Forschungen und andererseits auf eine Fülle von Hinweisen, wie man dem Drang zum immer Mehr etc. entgegenwirken und widerstehen kann. Ein wichtiges Buch, das seine Leser animieren kann, mit der Hetze in ihrem Leben anders umzugehen, ein Buch, das dazu einlädt, sich selbst kleine Inseln der Muße zu schaffen und sie zu pflegen und zu hegen.
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