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Altwerden ist nichts für Feiglinge

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Produktdetails

Titel: Altwerden ist nichts für Feiglinge
Autor/en: Joachim Fuchsberger

ISBN: 3579067605
EAN: 9783579067605
Neuauflage.
Guetersloher Verlagshaus

24. Januar 2011 - gebunden - 222 Seiten

Wie man in Würde und mit einem Augenzwinkern alt werden kann

- Nachdenken über das Alter - authentisch und unterhaltsam
- Ein lesenwertes, heiter-ironisches Buch von einem Sympathieträger erster Güte

Er ist alt. Er ist bekannt und beliebt. Jetzt macht der Schauspieler Joachim Fuchsberger seinen Altersgenossen und allen Jüngeren, die ja auch irgendwann mal alt werden, Mut, locker mit diesem unvermeidlichen Vorgang im Leben umzugehen:
"Ich denke, es ist Zeit, dass sich die Alten die faltige Haut nicht länger über die Ohren ziehen lassen. Hören wir auf, im stillen Kämmerlein und vor der Glotze auf die Schwätzer aus den Amtsstuben zu hören, lassen wir uns keine Angst mehr einjagen von den Neunmalklugen, wo immer sie sitzen."
Launig und charmant, nachdenklich, aber nie weinerlich, plaudert der große alte Mann des deutschen Unterhaltungsfilms über die Blüte seines Lebens und darüber, wie es sich anfühlt, wenn sie langsam dahinwelkt. Fuchsberger nimmt kein Blatt vor den Mund und empfiehlt, sich den Lebensabend nicht durch demographische Schwarzmalerei verderben zu lassen.

Joachim "Blacky" Fuchsberger, geboren am 11. März 1927 in Stuttgart, deutscher Schauspieler und Entertainer, wuchs in Heidelberg und Düsseldorf auf. Seine Film- und Fernsehkarriere begann er 1954 und erhielt dafür viele Auszeichnungen wie z. B. die Goldene Kamera, Bambi, Bundesverdienstkreuz, Großes Bundesverdienstkreuz, Bayerischer Fernsehpreis für sein Lebenswerk sowie den "Deutschen Fernsehpreis 2011", ebenfalls für sein Lebenswerk und den Ehrenpreis des "Deutschen Nachhaltigkeitspreises" für sein Engagement für UNICEF. 2008 wurde er mit der Bayerischen Staatsmedaille für soziale Verdienste ausgezeichnet. Sein erfolgreiches Buch "Altwerden ist nichts für Feiglinge" ist mittlerweile in der 23. Auflage erhältlich. Er starb am 11. September 2014 in seinem Haus in Grünwald.
Eine Betrachtung des Unab'erlichen
Ach ja, fr'her, zwei Stufen auf einmal, manchmal sogar drei, kam darauf an wohin. Bei einer normalen Haustreppe mit sagen wir f'nfzehn Stufen betrug der Zeitaufwand, um von einem Stockwerk in das n'st h'here zu gelangen, ein paar Sekunden.
Heute, f'nf Stufen, langsam nacheinander, dann zehn Sekunden Pause, dann wieder f'nf Stufen, bei st'igem Wechsel des Kraftaufwandes von den Beinen in die Arme, die den schwer gewordenen K'rper am Handlauf des Treppengel'ers hochziehen. Ganz egal wohin!
Dieser Vorgang kann inzwischen bis zu einer Minute in Anspruch nehmen. An schlechten Tagen brauchst du also f'r den Aufstieg in die obere Etage deines Hauses ungef' zehnmal so lang.
Damit w' ein wesentlicher Teil des Problems 'Altwerden' bereits beschrieben. Es ist das Verh'nis von Kraft und Zeit.
Dieses Buch soll kein Lamento werden, nur eine subjektive Schilderung des derzeitigen physischen Zustandes eines Betroffenen. Und Besserung ist da kaum zu erwarten.
Was berechtigt mich, ein Buch 'ber das Altwerden zu schreiben? Ganz einfach - ich bin alt.
Da ich diese Zeilen zu Papier bringe, z'e ich zweiundachtzig Jahre, sechs Monate und vierundzwanzig Tage. Ein paar Stunden k'n auch noch dazu, aber wir wollen nicht kleinlich sein.
Hape Kerkelings Horst Schlemmer w'rde jetzt sagen: 'Isch hab R'cken, isch hab Hals und isch hab Herz - wei'e Bescheid ...'
Ich wei'Bescheid. Derzeit reden ja viele 'ber das Alter, auch ganz Junge, und viele reden da einen ziemlichen Bl'dsinn. Ein vermutlich ehrenwerter Politiker fragt, ob die Alten noch ein Recht auf neue H'ften h'en? Ob sich das noch lohne? Ich w'nsch ihm eine, die recht wehtut, im Alter. Ein vermutlich respektabler Journalist versteigt sich zu der Frage, ob die Alten nicht selber schuld daran sein k'nnten, wenn sie von Jungen zusammengeschlagen und halb tot getreten werden. Dankesch'n! Das w'nsche ihm nicht, wenn er alt ist.
Was ist 'berhaupt Alter? F'r Polit
iker offenbar eine k'nftige Katastrophe, die sie gern als 'Demogra fie' im Munde f'hren. Auf Deutsch hei' das Bev'lkerungswissenschaft. Der zufolge nehmen wir Alten den Jungen die Zukunft weg, einfach dadurch, dass wir zu lange leben. Punkt! Ein Offenbarungseid!
Alter ist nicht nur eine biologische Unab'erlichkeit, sondern auch ein mentaler, also geistiger Vorgang. Dieser wurde dem normal gebildeten Bundesb'rger erst bewusst, seit er gern als Qualit'merkmal in die Volkssportarten Tennis, Golf, Boxen, Strandvolley- und Fu'all Eingang gefunden und damit 'berragende Bedeutung erlangt hat.
Die 'Gro'n Alten' in dieser und anderen Sportarten z'en durchschnittlich knapp 'ber drei'g Lenze, ein Alter also, in dem bei manchen Stars das Mentale, also das Geistige, zwangsl'ig einen gewissen Nachholbedarf aufweist.
Einige 'Gro' Alte' haben bemerkenswerte Aussagen 'ber das Alter gemacht.
Mae West, das erste Hollywood Sex Symbol (1893 - 1980) muss, anstandshalber, als Erfinderin des Titels dieses Buches genannt werden. Als sich ihre ber'ckenden Ma' in bedr'ckende Masse verwandelten, soll sie einem respektlosen Journalisten auf die Frage nach ihren Rundungen geantwortet haben: 'Listen young man, aging is not for cowards!'
Sir Peter Ustinov (1921 - 2004) gab mir als Verm'tnis seine Erkenntnis mit auf den Weg: 'Wir alten M'er sind gef'lich, weil wir keine Angst mehr vor der Zukunft haben. Wir k'nnen sagen, was wir denken, wer will uns denn daf'r bestrafen?'
Robert Boyle (1909 - lebt noch), Alfred Hitchcocks B'hnenbildner, wurde 98-j'ig mit dem Ehren-Oscar 2008 ausgezeichnet. Von zwei 'erst attraktiven, sehr sp'ich bekleideten Damen zum Mikrofon gef'hrt, k'mmerte er sich einen Dreck um die limitierte Zeit f'r die Dankesadresse, betrachtete seine Begleiterinnen mit erkennbarem Genuss und meinte dann mit zittriger Stimme: 'Ladies and Gentlemen - dies sind die Freuden des Alters. Der Rest ist nicht mehr sehr empfehlenswert!'
Erich Glowatzki, in den Drei
'gerjahren nach Australien ausgewanderter und zum Multimillion'aufgestiegener Sachse, brachte das Alterungsproblem auf den einfachen Nenner: 'Nu, wenn de jung bist, haste Z'e zum Bei'n, aber nischt zu fressen. Wenn de alt bist, haste genug zum Fressen, aber keene Z'e mehr zum Bei'n!' Voil' Man kann sich dem Problem des 'terwerdens auch akademisch n'rn. Die Wissenschaft bezeichnet die 'Lehre von den verschiedenen Altersvorg'en', also den unaufhaltsamen Niedergang von Saft und Kraft im Menschen, 'Gerontologie', und die kommt zur der unwiderlegbaren Erkenntnis: So ist das nun mal!
Man kann die ganze Sache auch weniger akademisch betrachten und einfach dem gesunden Menschenverstand 'berlassen. Der sagt: Schei'!
Ich pers'nlich behandle das zugegeben nicht immer einfache Problem nach Josef Kirschner, dessen Buch 'Die Kunst, ein Egoist zu sein' mir geholfen hat, als es mir sehr dreckig ging. Drei Monate lang mit einer infekti'sen Hepatitis im Krankenhaus, wehrte ich mich mit Erfolg gegen lebende Schafsl'e, die man mir zum Schlucken geben wollte.
Alle guten Ratschl' gegen das Altern durch intelligenten Umgang mit dem menschlichen Verfallsdatum h'en weitestgehend von der Situation ab, in der sich das dem Verfall ausgelieferte Individuum zu diesem Zeitpunkt befindet. Fest steht: Fr'her oder sp'r bist du dran! Also mach das Beste daraus. K'mmere dich nur noch um dich. Mach aus den gegebenen Umst'en das Beste f'r dich. Nur wenn du mit dir selbst zufrieden bist, kannst du auf andere positiv einwirken. H'rt sich gut an. Oder?
Als Kind wird man oft gefragt: 'Was willst du denn mal werden?' Ich glaube, die Frager haben da schon eine bestimmte Erwartung, was die Antworten der lieben Kleinen betrifft. Lokomotivf'hrer, Fu'allspieler, Rennfahrer scheinen bevorzugte Berufe von Kindern zu sein, die mit den F''n auf der Erde bleiben wollen. Solche, die schon im Kindesalter nach H'herem streben, entscheiden sich eher f'r Pilot, Astronaut oder Schornsteinfeger. Zu meinem
Lebensziel befragt, soll ich geantwortet haben: 'Unabh'ig will ich werden!' Ich kann mich nicht erinnern, wie alt ich bei dieser Antwort war und ob ich 'berhaupt schon wusste, was Unabh'igkeit bedeutete.
Wann f't das Altern an? Es gibt junge Alte, alte Alte, manche scheinen bereits alt auf die Welt gekommen zu sein, und dann die, die bewusst vergessen, alt zu werden. Sie k'nnen oder wollen nicht alt werden, oder sind schlicht und einfach zu dumm, dem Unab'erlichen mit Anstand zu begegnen. Rosa Hemden, bis zum Nabel ge'ffnet, schwere Goldketten mit Kreuz auf gef'tem Brusthaar, das sind vergebliche Versuche, dar'ber hinwegzut'chen, dass im Ernstfall nur noch Viagra 'ber die Runden hilft. Der dazu notwendige K'rperteil wird in betont engen, k'nstlich durchl'cherten Jeans zur Schau gestellt. Im Kopf nicht viel, oben drauf gar nichts, oder aber eine k'nstliche, in beliebigen Farben und L'en erh'liche Spielwiese. Diese 'Playgreise' werden gern in einschl'gen Bl'ern oder TV-Magazinen als 'ewig jung' angeboten, obwohl es angebracht w', sie einfach zu 'bersehen.
Zu welcher Altenart geh're ich eigentlich? Ich vermag mich da nur schwer zu kategorisieren. Wann begann bei mir das Unab'erliche? Vielleicht als ich mit zw'lf anfing zu rauchen? Oder war es, als ich als Vierzehnj'iger, auf dem D'sseldorfer Rathausturm, beim ersten Bombenangriff, die halbe Altstadt mit einem Teil der Bev'lkerung in die Luft fliegen sah?
Oder vielleicht als ich mit achtzehn Jahren, am 2. Mai 1945, bei Bad Kleinen in russische Kriegsgefangenschaft geriet und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen konnte, liquidiert zu werden?
War es ein paar Monate sp'r im Bergwerk, tausend Meter tief, im siebzig Zentimeter niedrigen Streb, vor Angst zitternd, wenn der Berg sich unter Donnergrollen 'ber mir bewegte? Aus dieser Zeit stammt die Platzangst, unter der ich heute noch leide. Aufz'ge in hohen H'ern zum Beispiel, wenn sie eng sind, und nicht verspiegelt, bereiten mir
Atemnot. Wenn so ein K'g dann auch noch ein bisschen ruckelt, habe ich wieder das Gef'hl, mit zwanzig anderen Kumpels in einen F'rderkorb gepresst, mit sieben Meter pro Sekunde in die Tiefe zu rasen, nicht wissend, ob wir je wieder ans Tageslicht kommen!
Oder bin ich alt geworden, als ich die Dreharbeiten in dem Film 'Die feuerrote Baroness' in Berlin unterbrechen musste, um nach M'nchen zu fliegen, wo meine Frau nach einer Fehlgeburt mit dem Tod rang?
Bin ich alt geworden, als unser Sohn Thomas innerhalb von acht Monaten einundzwanzig Eingriffe mit Vollnarkosen 'berstehen musste, und wir nicht wussten, ob wir ihn verlieren w'rden?
F'r jeden Menschen gibt es Ereignisse, die ihn im Innersten aufw'hlen, ihn ver'ern, sein Denken in andere Bahnen lenken, ihn reifer machen, erfahrener, 'er eben. Wie der Einzelne solchen Situationen begegnet, das h't zum gro'n Teil davon ab, wie unabh'ig er ist, ob er frei entscheiden kann, in welchem sozialen Umfeld er lebt.
Also wann ich mit dem 'terwerden begonnen habe, wei'ich nicht mehr. Aber ich erinnere mich daran, dass ich bei meiner Altersangabe immer log. Nach oben. Immer so um die zwei Jahre drauf. Meine Umgebung lachte dar'ber. 'Wart' mal, bis du zwanzig bist ...!'
Drei'g - vierzig, f'nfzig, sechzig, es blieb so. Ich machte mich immer 'er. Scheint ein Tick zu sein bei mir. O.W. Fischer, der Gro', von mir damals bewundert, nannte mich mal bei einem Streitgespr': 'Junger Freund' - womit er bei mir verschissen hatte. 'Junger Freund' war f'r mich gleichbedeutend mit 'noch nicht trocken hinter den Ohren'. Ich f'hlte mich nicht f'r voll genommen, schlichtweg eine Beleidigung. Auf 'Junger Mann' reagiere ich heute, mit bald dreiundachtzig, immer noch allergisch, obwohl ich wei' dass es scherzhaft gemeint ist. Ich kann's einfach nicht h'ren. Ein paar Macken hat doch jeder. Basta! H't vermutlich mit der manchmal unterentwickelten Vorstellungskraft von Filmproduzenten oder Regisseuren zusammen. 'Zu jung ...' ist
eine gern gebrauchte Ausrede, wenn sie dich nicht in einer Rolle sehen, die du gern gespielt h'est.
Neulich soll einer der M'tigen, die im Auftrag der Anstalten des 'fentlichen Rechts produzieren, 'ber mich gesagt haben: 'Der ist zu alt, um einen alten Mann zu spielen ...!'
Der Mann wei'Bescheid!
'Wie alt wollen Sie denn werden?', werde ich oft gefragt.
'Ich m'chte so lange leben, wie mein Kopf einwandfrei arbeitet!'
'Wollen Sie so alt werden wie Heesters?'
'Bitte nein!'
'Warum nicht?'
'Weil ich unabh'ig bleiben will!'
'Sind Sie's?' 'Ich glaube ja!'
'Was hei', Sie glauben ...?'
'Ich kann ablehnen, wenn mir ein Angebot nicht gef't!'
'Tun Sie's?'
'Immer 'fter. Gute Angebote werden seltener.'
'Was haben Sie zuletzt gemacht?'
'F'r ARD und ORF >Live is LifeDie Sp''nderSp''nder Zwischen Toleranz und Wurstigkeit
Jetzt kommt eine Monumental-Platitude: Ob Karl Marx oder Friedrich Engels, Karl Liebknecht oder Rosa Luxemburg, ob Franz M'ntefering oder 'Reichtum f'r Alle-Gregor Gysi': Soziale Unterschiede gab es, gibt es, und wird es immer geben. Alle Versprechungen, diese soziale Ungerechtigkeit zu beseitigen, sind mehr oder weniger gut gemeinte Illusionen, meist aber nur demagogisches Politikergefasel. Die Rattenf'er sind mit ihren 'Ismen' unterwegs. Kommunismus, Sozialismus, Kapitalismus, Liberalismus, Buddhismus, Humanismus und sonst noch was. Alle 'Ismen' sind idealistische oder ideologische Ideen, die nicht funktionieren, weil Menschen nicht danach gemacht sind. F'r Ismen sind wir eine glatte Fehlkonstruktion. An die sechs Milliarden Individuen, bei unterschiedlichen Lebensbedingungen, in unterschiedlichen politischen Systemen, lassen sich nicht 'ver-ismen', lassen sich nicht 'ber einen Kamm scheren.
Zu welcher Alten-Art geh're ich eigentlich? Junger Alter, alter Alter, alt geboren? Wenn ich mich selber einstufe, w'rde ich sagen: ein Alt-Alter. Abgesehen von den zunehmenden Wehwehchen bin
ich gern alt. Genie' den mir erwiesenen Respekt, freue mich, wenn Regierende erz'en, dass sie am Abend meine Sendungen sehen durften, wenn sie am Nachmittag ihre Schulaufgaben anst'ig gemacht hatten.
Bundespr'dent Herzog nannte mich im Gedr'e vor der M'nchner Staatsoper 'Freudenspender seiner Freizeit'. Donnerwetter! Ministerpr'dent Horst Seehofer verk'ndete den Fotografen, als er mich im Defilee zu seinem Neujahrsempfang entdeckte: 'Dort kommt meine Jugend, mit dem Blacky bin ich aufgewachsen!' Auch nicht schlecht.
Also sind wir Alten bei den jungen M'tigen doch was wert. Vielleicht k'nnten wir eine Art GPS sein, ein 'Navi' f'r die Jugend. 'Wenn m'glich bitte wenden' - 'n'ste Stra' bitte rechts' - 'im Kreisverkehr zweite Ausfahrt!' M'glicherweise w' damit vielen geholfen, die die Orientierung verloren haben und keinen Ausweg finden. Es scheinen immer mehr zu werden.
Auf der anderen Seite: Das Altengefasel 'Fr'her war alles besser' kann ich nicht mehr h'ren. Stimmt ja auch nicht. Fr'her war keineswegs alles besser, vieles war anders. Als wir jung waren, war die Welt weniger kompliziert, denke ich. Das Angebot war geringer, die Verwirrung kleiner. Die Menschen konnten ihre Angelegenheiten noch selber regeln, eigene Entscheidungen treffen. Es wurde ihnen nicht so viel dreingeredet oder vorgeflunkert, von allen m'glichen und unm'glichen Organisationen, die vorgeben, ihre Interessen zu vertreten. Im Lauf der Zeit haben wir uns einlullen lassen, haben uns daran gew'hnt, dass andere sich um unseren Dreck k'mmern, f'r Geld nat'rlich, und uns mit falschen Versprechungen, die Sorgen nehmen, die uns mehr und mehr bedr'cken und 'berfordern. Wir haben verlernt, uns um uns selbst zu k'mmern, und merken, dass wir mehr oder weniger schleichend entm'ndigt werden. Der 'M'ndige B'rger' wird Mangelware. Wer ist damit denn 'berhaupt gemeint? Die revoltierenden Jungen, die im Komasaufen verbl'den? Die resignierenden Alten, die sich auf Parkb'en oder am Stammtisch 'ber di
e schlechten Zeiten beklagen?
Die Parteien verstricken sich mehr und mehr im Machterhalt um jeden Preis, machen sich gegenseitig schlecht, bezichtigen sich ungeniert der Unf'gkeit oder der Unlauterkeit und untergraben damit jeglichen Respekt vor der Obrigkeit.
Die Gewerkschaften kommen drauf, dass sich die zu Recht und notwendig erk'fte Macht beginnt, sich gegen sie selbst zu richten.
Die Kirchen verlieren viele ihrer Gl'igen, weil sie im Zeitalter weltweiter Kommunikation weiterhin auf ihren nicht mehr haltbaren Dogmen und Glaubenss'en bestehen.
Der Staat ist zu einem aufgebl'en B'rokratiemonster geworden und zu einem Selbstbedienungsladen, dem die B'rger in zunehmendem, langsam be'stigendem Ma' die Achtung verweigern.
Also wohin?
Sollen wir auf den Rat der Weisen h'ren - oder eher auf die Sachverst'igengremien? Ziehen vielleicht die Untersuchungsaussch'sse die diversen Karren aus dem Dreck?
Wenn gar nichts mehr geht, haben wir ja immer noch die Schlichtungskommissionen. Die werden's schon richten. Oder?
Wo bin ich da hingeraten? Ist das nun seniles Resignationsgew'h oder berechtigte Altersrevolte? Ich will weder ein Klagelied anstimmen noch auf die Barrikaden steigen, will weder Jammerlappen noch m'rrischer alter Mann sein. Was mich besch'igt, ist der Unterschied zwischen Toleranz und Wurstigkeit. Wo beginnt das eine und wo h'rt das andere auf? Ich habe das Gef'hl, im Alter immer intoleranter zu werden. Ich lasse mir immer weniger gefallen, es sei denn, mir ist etwas vollkommen egal. Ich kann mich nicht mehr f'r alles interessieren, schon gar nicht verantwortlich f'hlen. Wenn du sp'rst, dass deine Zeit begrenzt ist, ach was, wenn du wei', dass der Vorhang jeden Augenblick fallen kann, musst du selektieren. 'Was will ich noch?' Das ist eine, wenngleich relativ begrenzte M'glichkeit. So viele hast du ja gar nicht mehr. Der andere Weg scheint mir realistischer: 'Was will ich nicht mehr?' Das wiederum ist eine ganze Menge.

Nach zahlreichen, manchmal vergeblichen, nat'rlich auch zeitbedingten Versuchen hatte ich das Gl'ck, dem Filmregisseur Paul May zu begegnen. Der Sohn von Peter Ostermeyer, Gr'nder der Bavaria Filmstudios in M'nchen-Geiselgasteig, sollte aus Hans Helmut Kirsts Roman 'Die abenteuerliche Revolte des Gefreiten Asch' den Film '08/15' drehen. Er kam auf die ebenso abenteuerliche Idee, mir die Rolle der Titelfigur anzubieten. Einem absoluten Laien, einem Nichtschauspieler. Das Ergebnis f'hrte zu meiner endg'ltigen Berufswahl. Mit dieser Rolle, in diesem Film, zu dieser Zeit, mit diesem Regisseur war der Erfolg vorprogrammiert. Millionen Zuschauer schenkten dem Leinwandgr'nschnabel ihre nachhaltige Zuneigung. Davon lebe ich bis heute. Ich hatte gro's Gl'ck, habe gut verdient - ob verdient oder unverdient, diese Beurteilung 'berlasse ich gerne allen, die sich dazu berufen f'hlen.
Philemon und Baucis
Das gr''e Gl'ck und bestimmend f'r mein Leben war die Begegnung mit einer ausnehmend h'bschen jungen Dame namens Gundula Maria, Tochter eines Rechtsanwalts, Komponisten, Dichters und
S'ers. Diese Vielseitigkeit war gleichzeitig auch sein Problem. Die standesbewusste Anwaltskammer wollte sich mit seiner 'Tingelei' nicht abfinden. M'glicherweise war es vor allem seine Zugeh'rigkeit zum Kabarett 'Die Elf Scharfrichter' als 'Frigidius Strang'. Man stellte ihn kurzerhand vor die Entscheidung: entweder weiterhin ehrenwertes Mitglied der Anwaltskammer - oder weiter auf dem Schwabinger Abweg. Ich habe meinen Schwiegervater leider nicht mehr kennen gelernt. Er muss ein bemerkenswerter Mann gewesen sein. Gern h'e ich ihn gefragt, woran er zuerst dachte, als er sich kurz entschlossen auf den Weg zur Anwaltskammer machte, um sein Verbleiben im Reich der Paragrafen kundzutun. Fiel die Entscheidung unter dem Druck des Standesbewusstseins, fiel sie in der Vorausschau auf eine m'gliche Altersversorgung? Auf jeden Fall kann ich ihn nicht nur gut verstehen, sondern bewundere ihn daf'
r, dass er auf der Treppe kehrtmachte und seine Entscheidung widerrief.
'Ich bleibe lieber Lautens'er, Poet und Schriftsteller', verk'ndete er den erstaunten Rechtsvertretern und ging. F'r immer. Vermutlich befreit und auch stolz darauf, seinem Gef'hl und nicht einem Versorgungsdenken gefolgt zu sein. Wie recht er hatte, erfuhr er sp'r, als ihm begeisterte Studenten in
Berlin die Pferde vor seiner Kutsche ausspannten und ihn im Triumph 'ber den Kurf'rstendamm zogen.
Ich bin 'berzeugt davon, dass schon in den fr'hen Jahren eines Menschenlebens die Weichen f'r das Alter gestellt werden. Dabei darf es weniger auf die Versorgung ankommen als viel mehr auf Zufriedenheit mit dem, was man tut - oder noch mehr - mit wem man das tut. Das ist f'r mich das Wichtigste. Jeder Mensch kommt in Situationen, in denen er jemanden braucht, der ihm zeigt, wo es langgeht, wenn er an die Mauer rennt. Der wichtigste Lebensabschnitt f'r mich war der 'ergang vom 'Nichts anbrennen lassen - Nur nichts auslassen' zum 'Da geh'r' ich hin - da bin ich daheim und da bleib ich'.
Wie man das schafft? Verdammt schwer. Es ist die konsequente Abkehr vom 'Ich' zu einem bedingungslosen Bekenntnis zum 'Wir'. Leichter gesagt als getan, ich wei' aber wenn man es geschafft hat, merkt man, wie viel leichter das Leben wird, wenn man Freud und Leid mit einem Partner teilen kann. Freude wird verdoppelt, Leid halbiert.
'Mit vollen Hosen kann man gut stinken' - ein wenig feiner Spruch, aber er stimmt. Heute, nach sechsundf'nfzig Jahren Ehe, wissen meine Frau und ich, wovon wir reden.
An unserem Hochzeitstag im Jahr 1954 habe ich meiner vierundzwanzig Jahre alten Braut den Brocken zu verdauen gegeben: 'Ich glaube, ich kann gut verdienen und ein Leben lang f'r dich sorgen, und sollten wir Kinder haben, auch f'r die! Sollten wir aber irgendwann mal kein Geld mehr haben, ist es deine Schuld!'
Gundula hat das nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern von Anfang an daf'r gesorgt, dass ni
chts verplempert wurde. Mit strenger Hand hielt sie die Finanzen zusammen und achtete darauf, dass jede Investition wertbest'ig war. Wir waren da nicht immer einig, aber sie hatte immer recht. Gelernt hatte sie das bei ihrem Vater, der, wie sie mir nicht gerade schmeichelhaft sagte, ein 'licher Schlamper gewesen sei wie ich. Akkuratesse und Eifer ersch'pften sich meinerseits im Beruf. Aber auch als Dompteuse zeigte Gundula beachtliches Talent. Schon zu Beginn unserer Ehe wurde klar, dass sie im Begriff war, mich zum gef'gigen Untertan zu machen und zu dem zu werden, was ich sie seit Jahren nenne 'Meine Regierung'!


"Charmant und nachdenklich lässt der große Entertainer in seinem Buch Erlebnisse und Entscheidungen seines bewegten Lebens Revue passieren. [...] Lesenswert!" Zevener Zeitung (js)
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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Flott begonnen, dann stark nachgelassen - von Inyan - 20.11.2011 zu Joachim Fuchsberger „Altwerden ist nichts für Feiglinge“
Wie man dieses Buch letztendlich beurteilt, hat wohl einiges damit zu tun, was man sich davon erwartet hat. Alleine deshalb gehen die Meinungen der Rezensenten wahrscheinlich sehr auseinander. Auch ich wurde durch den zugegebenermaßen sehr gelungenen Titel darauf aufmerksam, nahm mir das Buch also im Laden zur Hand und begann, die ersten Seiten zu lesen.Flott geschrieben, einige Anekdoten eingestreut...also wie gemacht dafür, es jemandem, der die erste Jugend überschritten hat, zum Geburtstag zu schenken. Später habe ich das Ganze dann auch noch mal komplett gelesen und musste feststellen, dass der Anfang wohl das Beste gewesen war. Leider blieb es im restlichen Text dabei, dass sich Herr Fuchsberger mehr oder weniger an einzelne Stationen seines Promilebens erinnerte, hier ein Spruch eingestreut, dort eine Lebensweisheit. Sicher nichts tiefschürfendes, nichts, was man nicht auch an anderer Stelle bereits gelesen hätte, nur manchmal eben besser! Also ist mein Fazit, nachdem ich dann trotzdem bis zum Ende durchgehalten habe, dass man es zwar lesen kann, aber eben nicht gelesen haben muss! Nicht wirklich schlecht, ganz unterhaltsam, wenn man sich für das Leben von Joachim Fuchsberger interessiert, aber eben auch nicht der große Wurf! Eingeschränkte Leseempfehlung, deshalb die drei Sterne!
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Ein Buch mit bewegenden Lebenserinnerungen und philosophischen Einwürfen - von Winfried Stanzick - 01.04.2011 zu Joachim Fuchsberger „Altwerden ist nichts für Feiglinge“
"Was ist überhaupt Alter? Für Politiker offenbar eine künftige Katastrophe, die sie gern als "Demografie" im Munde führen. Auf Deutsch heißt das Bevölkerungswissenschaft. Der zufolge nehmen wir Alten den Jungen die Zukunft weg, einfach dadurch, dass wir so lange leben. Punkt! Ein Offenbarungseid!¿" In diesem Stil, sehr persönlich und aufrichtig reflektiert der bekannte und beliebte Schauspieler Joachim Fuchsberger sein Alter, das Älterwerden und vor allen Dingen immer wieder den bevorstehenden Tod. Wie er seine Wahrnehmung einer Gesellschaft schildert, die zwar immer älter wird, dabei aber immer jünger sei will und dabei die unmöglichsten Anstrengungen unternimmt, hat mich sehr überzeugt. Er zieht dabei das Fazit: "Benehmen wir uns nicht wie alt gewordene Junge, sondern wie jung geblieben Alte." Das Buch erfreut sich besonders bei alten Menschen einer großen Beliebtheit, es verkauft sich gut. Und das hängt nicht nur an der Prominenz seines Autors, und der für alte Menschen angenehmen Großdruckschrift, sondern an seiner ehrlichen Akzeptanz des eigenen Alters und vor allen Dingen, sonst immer mehr verdrängt, der eigenen Sterblichkeit. "Altwerden ist nichts für Feiglinge" ist ein Buch mit bewegenden Lebenserinnerungen und wichtigen philosophischen Einwürfen.
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