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Theorie des Bildes

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Produktdetails
Titel: Theorie des Bildes
Autor/en: Gernot Böhme

ISBN: 3770534026
EAN: 9783770534029
2. , veränderte Neuaufl.
29 Abbildungen.
Fink Wilhelm GmbH + Co.KG

14. Juli 2004 - kartoniert - 136 Seiten

Ein Bild ist ein Riss im Sein - und diesen Riss spürt der Mensch auch in seiner eigenen Existenzweise. Wenn Sartre das Für-sich durch den Satz beschreibt: "Der Mensch ist das, was er ist", so gilt das auch für das Bild. Man mag versuchen, das Problem zu entschärfen, indem man unterscheidet zwischen Bild im Sinne von tableau und Bild im Sinne von image, das Bild ist eben doch beides zugleich. Mit Recht hat Gottfried Boehm mit Anklang an Heideggers ontologische Differenz hier von einer ikonischen Differenz gesprochen. Was jedoch für den Kunsthistoriker durch jüngste Entwicklungen erst auffällig geworden ist, steht bereits am Anfang der Geschichte, nämlich der Geschichte philosophischer Bildtheorien: bei Platon im Dialog Sophistes. Darin zeigt sich, dass das Thema Bild in dem Zusammenhang von Platons Bemühungen, das Sein des Nichtseienden zu erweisen, gehört und daher immer schon mit der Möglichkeit von Täuschung, Lüge und Ironie zu tun hat, also auch mit dem, was die Ambivalenz der menschlichen Existenzweise ausmacht.
Gernot Böhme, geb. 1937, lehrte bis zu seiner Emeritierung als Professor für Philosophie an der TU Darmstadt. Seit 2005 ist er Direktor des Instituts für Praxis der Philosophie in Darmstadt. Er forschte und publizierte u.a. zur klassischen Philosophie (besonders zu Platon und Kant), zur philosophischen Anthropologie und Wissenschaftsforschung (Finalisierungsthese) sowie zu Goethe.


Der Umfang des Bändchens macht von vornherein klar: der Titel kündigt weder eine Komplett-Darstellung der Ideengeschichte, noch ein weiteres Kapitel zu dieser, d h. eine in sich geschloßene Theorie an, was denn ein Bild sei. Vielmehr ist es sein Ziel und seine Stärke, anhand weniger markanter Eckpunkte allgemein vorrätige Vorstellungen zum Thema qua Vermittlung ins Wanken zu bringen. Weniger Theorie als exemplarische Prolegomena. Ausgehend von eingen akribisch untersuchten Dialogen Platons(Sophistes, Kratylos) wird das Fundament freigelegt, auf dem sich das (Vor-)Verständis, was denn ein Bild sei, historisch aufgeschichtet hat: Ein Bild ist Abbild eines Urbildes; demgemäß wurde das Bild langezeit im Verhältnis zu seinem Referenten gesehen und bewertet. Die Qualität / Originalität des Kunstwerkes bemißt sich hiernach an der Wiedergabe des Originals, nicht an seiner Originalität als Werk. Die Selbstständigkeit des Kunstwerkes, seine besondere Seinsweise, irgendwo zwischen Sein und Nicht-Sein, wie Platon sie herausgearbeitet hat, bleibt unberücksichtigt. "Das Bild ist wirklich... und wahrhaft ein Bild, aber gerade wer oder was es ist (=darstellt-d.Verf.), ist es nicht wirklich." Explizit verlangt spätestens die Malerei des 20. Jahrhunderts nach der Autonomisierung der Kunst und des Werkes und versucht dies auch praktisch umzusetzen. Am Extrembeispiel Magrittes Ceci nÜest pas une pipe (und seinen Variationen) verdeutlicht Böhme wie wenig sich das Sein des Bildes dem Sein (s)eines Referenten verdankt. Nicht auf einen realen Gegenstand wird rekurriert, sondern das Werk ist selbstreflexiv in dem es zwischen den "textuellen" und den graphischen Beständen des Gemäldes einen irritierenden Widerspruch erzeugt. Die geforderte Selbstständigkeit des Kunstwerkes scheint die Semiotik theoretisch zu garantieren... indem hier der Zusammenhang zwischen den als selbständig gewerteten Bereichen von Signifikanten und Signifikaten aufgelöst wird, erlangt das Werk seine Unabhängigkeit vom Referenten. Aber auch hier legt Böhme ein Veto ein. Er verwirft das semiotische Verständnis vom Bild als Ikon, d. h. als einer Form von Zeichen, anhand des "falsifizierenden" Beispiels Leonardos Mona Lisa / La Giaconda als zu pauschal; sein Vorstoß richtet sich insofern nicht gegen das Zeichenmodell als solches, sondern nur gegen dessen zu allgemeine Verwendung. Bilder können Zeichen sein, müssen aber nicht. Eklatanterweise wird gerade an einem Portrait (dem als solchem gemeinhin am ehesten ein Referent zu unterstellen wäre), nämlich dem "der" Mona Lisa verdeutlicht, daß es eines Referenten nicht bedarf. Mehr noch: durch Reproduktion und Adaption erweist sich, daß "die Mona Lisa nicht das Bild ist, daß im Louvre hängt", sondern "vielmehr ein Immaterielles". Leider wird die Spur die Böhme hier aufnimmt, nicht allzu weit verfolgt... Sie führt nach seinem Bekunden in die Richtung der Seinsweise des objektiven Geistes bei Hegel bzw. zu einem neuen Verständnis platonischer Ontologie. Böhme verfolgt einen anderen Weg; Durch alle Kapitel zieht sich mehr oder weniger auffällig die Frage nach der Bildverwendung. Und so geht es ihm denn auch um den Vorrang einer Bildpragmatik vor aller Zeichentheorie; denn einzig im Verständnis der jeweiligen Bildverwendung könne man definieren, "was ein Bild jeweils ist". Dieser Weg scheint vielversprechend, weil so nicht nur die Ablösung der Darstellung von seinem Referenten enttotalisiert werden könnte, es würden sich auch neue Perspektiven für die inzwischen fast stillgestellte Debatte um Rezeptions- versus Produktionsästhetik ergeben. Daß darüber hinaus die Hardliner der Metaphysik, Platon und Hegel mit in einen zukünftigen Diskurs um Bildpragmatik einsteigen könnten, mag vorab vielleicht eklektizistisch anmuten, erhöht aber allemal die Brisanz. --Man hofft auf Fortsetzung, zumal man gespannt sein darf, wie eine Bildpragmatik, die sich an der Funktionalilität, an der Wirklichkeit im Sinne der causa efficiens orientiert, die ontologische Grund- und Wesens-Frage nach dem Was, nämlich dem des Seins des Bildes, aufnimmt. Dirk Burmester

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