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Zähl nicht die Stunden

Roman. Originaltitel: The First Time. 'Goldmanns Tasche…
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Produktdetails
Titel: Zähl nicht die Stunden
Autor/en: Joy Fielding

ISBN: 3442454050
EAN: 9783442454051
Roman.
Originaltitel: The First Time.
'Goldmanns Taschenbücher'.
Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti, Kristian Lutze
Goldmann TB

1. April 2003 - kartoniert - 448 Seiten

Erfolg im Beruf, ein attraktiver Mann und eine reizende Tochter - Mattie Hart hat vieles, wovon andere nur träumen. Eines Tages jedoch erkennt sie, dass ihr Leben auf einer Lüge aufgebaut ist, denn ihr Mann betrügt sie seit Jahren. Mattie ist entschlossen, einen Neubeginn zu wagen, als das Schicksal auf grausame Weise zuschlägt. Plötzlich muss die junge Frau kämpfen: um ihren Mann, um ihr Glück und um ihr Leben ...


Joy Fielding gehört zu den unumstrittenen Spitzenautorinnen Amerikas. Seit ihrem Psychothriller »Lauf, Jane, lauf« waren alle ihre Bücher internationale Bestseller. Joy Fielding lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Toronto, Kanada, und in Palm Beach, Florida.
Sie dachte dar'ber nach, wie sie ihren Mann umbringen k'nnte.
Martha Hart, von allen Mattie genannt, nur nicht von ihrer Mutter, die regelm'g erkl'e, Martha sei doch ein wundersch'ner Name - 'Oder hast du je davon geh'rt, dass Martha Stewart ihren Namen ge'ert hat?' -, zog in dem langen beheizten Pool, der den gr''en Teil des ansehnlichen Gartens einnahm, ihre Bahnen. Au'r bei Gewitter oder bei f'r Chicago nicht untypischem vorzeitigen Schnee pflegte sie von Anfang Mai bis Mitte Oktober jeden Morgen f'nfzig Minuten zu schwimmen, genau einhundert Bahnen, abwechselnd Frei- oder Kraulstil. Gew'hnlich war sie sp'stens um sieben im Wasser, um fertig zu sein, bevor Jake und Kim aus dem Haus gingen, aber heute hatte sie verschlafen, genauer gesagt, sie war nach einer Nacht, in der sie kein Auge zugetan hatte, erst kurz vor dem L'en des Weckers eingenickt. Jake, wie 'blich von solchen Schwierigkeiten unbehelligt, war aus dem Bett und in der Dusche, bevor sie richtig wach geworden war. 'Geht's dir gut?', hatte er etwas sp'r, tadellos gekleidet und gut aussehend wie immer, gefragt und das Haus so schnell verlassen, dass sie gar nicht dazu gekommen war, ihm zu antworten.
Ich k'nnte ihn mit einem Fleischermesser erstechen, dachte sie jetzt und schob die geballten F'te durch das Wasser, als stie' sie mit jeder Armbewegung die mindestens drei'g Zentimeter lange Klinge ihrem Mann mitten ins Herz. Als sie am Ende des Beckens wendete, um die n'ste Bahn in Angriff zu nehmen, fiel ihr ein, dass es vielleicht einfacher w', Jake mit einem wohlberechneten Schubs die Treppe hinunter ins Jenseits zu bef'rdern. Oder sie k'nnte ihn vergiften, indem sie ihm statt geriebenem Parmesan eine Hand voll Arsen auf die Spaghetti streute, die er sehr gern a'und die sie ihm erst gestern Abend gemacht hatte, bevor er noch einmal weggefahren war, angeblich in die Kanzlei, um dem alles entscheidenden Schlusspl'yer f'r den heutigen Prozesstag den letzten Schliff zu geben. Bevor sie in seiner Jacke
- der Jacke, die sie f'r ihn hatte zur Reinigung bringen wollen - die Hotelrechnung gefunden hatte, die eindeutig bewies, dass er wieder einmal fremd ging.
Sie k'nnte ihn nat'rlich auch erschie'n, sagte sie sich und dr'ckte das Wasser, das zwischen ihren Fingern hindurchglitt, als dr'ckte sie auf den Abzug einer Pistole. In ihrer Phantasie sah sie die Kugel 'ber das Wasser fliegen, direkt in den Gerichtssaal, wo ihr nichts ahnender Ehemann sich soeben erhob, um das Wort an die Geschworenen zu richten. Sie sah zu, wie er sein dunkelblaues Jackett kn'pfte, kurz bevor die Kugel es zerfetzte und dunkelrotes Blut langsam auf die akkuraten Diagonalstreifen der blau-goldenen Krawatte quoll, w'end das jungenhafte kleine L'eln, das so sehr von seinen Augen wie von seinem Mund ausging, zuerst erstarrte und dann verblasste und schlie'ich ganz erlosch, als er in dem ehrw'rdigen alten Gerichtssaal zu Boden st'rzte.
Meine Damen und Herren Geschworenen, sind Sie zu einem Urteil gelangt?
'Tod den Verr'rn!', rief Mattie laut und trat im Wasser um sich, als h'e sie sich in einer Decke verheddert, aus der sie sich befreien musste. Ihre F'' f'hlten sich pl'tzlich so bleiern an, schwer wie Zementbl'cke. Einen Moment lang erschienen sie ihr wie Fremdk'rper, als geh'rten sie einer anderen Person und seien v'llig willk'rlich an ihrem Rumpf befestigt, wo sie nun keinem anderen Zweck dienten, als sie in die Tiefe zu ziehen. Sie versuchte zu stehen, aber ihre Fu'ohlen fanden den Grund des Beckens nicht, obwohl das Wasser nur einen Meter f'nfzig tief war und sie beinahe zwanzig Zentimeter gr''r.
'Verdammt noch mal!', schimpfte Mattie, verhaspelte sich beim Atmen und schluckte eine Ladung Chlorwasser. Sie schnappte heftig nach Luft und rettete sich an die Seitenwand des Pools. 'er den Beckenrand gekr'mmt, hielt sie sich an den glatten braunen Steinen fest. Immer noch umschlossen unsichtbare H'e ihre F'' und suchten, sie unter Wasser zu ziehen. 'Geschieht mir ganz recht!', stie's
ie zwischen schmerzhaften Hustenattacken hervor. 'Geschieht mir ganz recht! Was muss ich so finstere Pl' w'en!'
Sie war noch dabei, sich ein paar Tropfen Speichel vom Mund zu wischen, als sie aus dem Nichts von einem hysterischen Lachkrampf gesch'ttelt wurde. Das Gel'ter mischte sich mit dem Husten, eines schaukelte sich am anderen hoch, und die h'lichen Ger'che schallten laut 'ber das Wasser und brachen sich an den W'en des Pools. Warum lache ich?, fragte sie sich, unf'g aufzuh'ren.
'Hey, was ist los?' Die Stimme befand sich irgendwo oberhalb von ihr. 'Mama? Mama, ist alles in Ordnung?'
Mattie hob die Hand zur Stirn, um ihre Augen gegen die glei'nden Sonnenstrahlen abzuschirmen, die sie wie ein Scheinwerfer umfingen, und blickte hinauf zu der gro'n schattigen Terrasse aus Zedernholz hinter der K'che des roten Backsteinhauses, in dem sie und ihre Familie lebten. Ihre Tochter Kim stand scharf umrissen vor dem Herbsthimmel, die sonst so klaren Z'ge ihres Gesichts seltsam verwischt vom grellen Sonnenlicht. Aber das machte nichts. Mattie kannte jede Linie und Kontur ihres Gesichts und ihres K'rpers: die gro'n blauen Augen, die dunkler waren als die ihres Vaters und gr''r als die ihrer Mutter; die lange, gerade Nase, die sie vom Vater, den Mund mit dem h'bsch geschwungenen Amorbogen, den sie von der Mutter mitbekommen hatte; die knospenden Br'ste, die schon jetzt, obwohl Kim erst f'nfzehn war, eine 'pigkeit erahnen lie'n, die von der Gro'utter an ihre Enkelin weitergegeben worden war; Kim war gro'wie ihre beiden Eltern und d'nn wie ihre Mutter in diesem Alter. Aber sie hatte eine weit bessere Haltung, als Mattie sie mit f'nfzehn gehabt hatte, ja, als sie sie heute hatte. Kim brauchte man nicht zu ermahnen, die Schultern zu straffen oder den Kopf hoch zu halten; sie besa' das sah man auch jetzt, wie sie da biegsam wie ein junger Baum an dem stabilen Holzgel'er lehnte, ein nat'rliches Selbstbewusstsein, das Mattie erstaunlich fand. Manchmal fragte sie sich, ob
sie an seiner Entwicklung 'berhaupt mitgewirkt hatte.
'Ist alles in Ordnung?', fragte Kim ein zweites Mal und reckte ihren langen, schlanken Hals, um zum Pool hinuntersehen zu k'nnen. Ihr schulterlanges blondes Haar war streng zur'ckgenommen und oben am Scheitel zu einem festen kleinen Knoten gedreht. Meine kleine Schulmamsell, zog Mattie sie manchmal liebevoll auf.
'Ist jemand bei dir?', rief Kim.
'Alles in Ordnung', antwortete Mattie, musste aber immer noch so stark husten, dass ihre Worte nicht zu verstehen waren. Deshalb wiederholte sie 'Alles in Ordnung' und begann dann von neuem schallend zu lachen.
'Was ist denn so komisch?' Kim kicherte, zaghaft und scheu in ihrem Bem'hen, an dem Schmerz teilzuhaben, der ihre Mutter so am'sierte.
'Mir ist der Fu'eingeschlafen', sagte Mattie, w'end sie langsam beide F'' zum Grund des Beckens hinunterlie'und erleichtert wahrnahm, dass sie stand.
'Beim Schwimmen?'
'Ja. Ist das nicht ulkig?'
Kim zuckte kurz mit den Schultern, als wollte sie sagen, so ulkig auch wieder nicht, und beugte sich aus dem Schatten ein St'ck weiter vor. 'Ist wirklich alles okay?'
'Aber ja. Ich habe nur ein bisschen Wasser geschluckt.' Mattie hustete, wie um ihren Worten Glaubw'rdigkeit zu verleihen. Als sie sah, dass Kim ihre Lederjacke anhatte, wurde ihr zum ersten Mal an diesem Morgen die herbstliche K'hle des Tages bewusst. Es war immerhin schon Ende September.
'Ich geh jetzt', sagte Kim, aber sie r'hrte sich nicht von der Stelle. 'Was hast du heute vor?'
'Ich habe am Nachmittag einen Termin mit einem Klienten, der sich ein paar Fotografien ansehen will.'
'Und heute Morgen?'
'Heute Morgen?'
'Dad h' sein Schlusspl'yer', sagte Kim.
Mattie nickte, ungewiss, wohin dieses Gespr' f'hren w'rde. W'end sie auf die n'sten Worte ihrer Tochter wartete, sah sie zu dem alten Ahornbaum hinauf, der hoch und ausladend im Nachbargarten stand. Im gr'nen Laub begann das tiefe Rot des Herbstes sich auszubreiten.
Es sah aus, als bluteten die Bl'er langsam aus.
'Er w'rde sich bestimmt freuen, wenn du ins Gericht k't, um ihn anzufeuern. Du wei' schon, wie du das bei mir immer tust, wenn ich in der Schule Theater spiele. Zur moralischen Unterst'tzung und so.'
Und so, dachte Mattie, sagte aber nichts, h'stelte nur ein wenig.
'Na ja, egal, ich geh jetzt jedenfalls.'
'Okay, Schatz. Ich w'nsch dir einen sch'nen Tag.'
'Ich dir auch. Gib Dad einen Kuss von mir. Als Gl'cksbringer.'
'Ich w'nsch dir einen sch'nen Tag', wiederholte Mattie und blickte Kim nach, bis diese im Haus verschwunden war. Wieder allein, schloss sie die Augen und lie'sich unter den glatten Wasserspiegel sinken. Augenblicklich schlug ihr das Wasser 'ber Mund und Ohren zusammen und blendete die Ger'che des Morgens aus. Kein Hundegebell aus benachbarten G'en mehr, kein Vogelgezwitscher aus den B'en, kein ungeduldiges Hupen von der Stra'. Alles war still und friedlich. Keine untreuen Ehem'er, keine Teenager, die alles ganz genau wissen wollten.
Wie macht sie das nur, fragte sich Mattie. Ihre Tochter schien ungeheuer feine Antennen zu haben. Mattie hatte ihr kein Wort davon gesagt, dass sie Jake wieder einmal bei einem Seitensprung ertappt hatte. Sie hatte auch mit sonst keinem Menschen dar'ber gesprochen, weder mit ihren Freundinnen noch mit ihrer Mutter oder Jake. Beinahe h'e sie gelacht. Wann hatte sie sich zum letzten Mal ihrer Mutter anvertraut? Und was Jake anging, so war sie einfach noch nicht bereit, ihm in einer Auseinandersetzung gegen'berzutreten. Sie brauchte Zeit, um alles gr'ndlich zu 'berlegen, ihre Gedanken zu sammeln wie ein Eichh'rnchen die N'sse f'r den Winter, um f'r die Entscheidung, die sie schlie'ich f'en, den Weg, den sie w'en w'rde, gewappnet zu sein.
Sie 'ffnete unter Wasser die Augen und schob sich das kinnlange dunkelblonde Haar aus dem Gesicht. Ganz recht, mein Kind, sagte sie sich, es ist Zeit, die Augen zu 'ffnen. The time for hesitating's through, meinte s
ie Jim Morrison singen zu h'ren. Come on, baby, light my fire. Wollte sie wirklich darauf warten, bis jemand ihr Feuer unterm Hintern machte? Wie viele Hotelrechnungen musste sie noch finden, ehe sie endlich etwas unternahm? Es war Zeit zu handeln. Es war Zeit, gewisse unbestreitbare Fakten ihrer Ehe einzugestehen. Meine Damen und Herren Geschworenen, ich m'chte diese Hotelrechnung als Beweis vorlegen.
'Ach, zum Teufel mit dir, Jason Hart', prustete sie nach Luft schnappend, als sie mit dem Kopf die Wasseroberfl'e durchstie' Der Vorname ihres Mannes lag ihr fremd auf der Zunge, denn sie hatte ihn, seit sie einander vor sechzehn Jahren vorgestellt worden waren, immer nur Jake genannt.
Light my fire. Light my fire. Light my fire.
'Mattie, ich m'chte dich mit Jake Hart bekannt machen', hatte ihre Freundin Lisa gesagt. 'Du wei' schon, er ist ein Freund von Todd, von dem ich dir erz't habe.'
'Jake', wiederholte Mattie, der der Klang gefiel. 'Ist das eine Kurzform von Jackson?'
'Von Jason. Aber so nennt mich kein Mensch.'
'Nett, dich kennen zu lernen, Jake.' In der Erwartung, dass gleich einer der ernsthaft Besch'igten hier aufspringen und sie mit einem 'Pscht' zum Schweigen bringen w'rde, sah sie sich im Hauptsaal der Bibliothek der Loyola Universit'um.
'Und was ist mit Mattie? Hei' du in Wirklichkeit Matilda?'
'Martha', gestand sie verlegen. Wie hatte ihre Mutter ihr nur einen so altmodischen und biederen Namen anh'en k'nnen? Er h'e weit besser zu einem ihrer geliebten Hunde gepasst als zu ihrer einzigen Tochter. 'Aber nenn mich bitte Mattie.'
'Gern. Ich darf dich doch mal anrufen?'
Mattie nickte, den Blick auf den Mund des jungen Mannes gerichtet, dessen volle Oberlippe 'ber der schm'ren Unterlippe leicht vorsprang. Es war ein sehr sinnlicher Mund, fand sie und stellte sich vor, wie es w', diesen Mund zu k'ssen, diese Lippen auf den ihren zu f'hlen.
'Oh, entschuldige', stotterte sie. 'Was hast du eben gesagt?'
'Ich sagte,
dass ich geh'rt habe, dass du im Hauptfach Kunstgeschichte studierst.'
Wieder nickte sie und zwang sich, ihm dabei in die blauen Augen zu blicken, die etwa die gleiche Farbe hatten wie ihre eigenen. Aber seine Wimpern waren l'er als ihre, und das fand sie unfair. Oder war es etwa gerecht, dass ein einziger Mann so lange Wimpern und einen so sinnlichen Mund mitbekommen hatte?
'Und was tun Kunsthistoriker genau?'
'Frag mich was Leichteres', h'rte Mattie sich antworten, ihre Stimme eine Spur zu laut, sodass diesmal tats'lich jemand 'Pscht!' zischte.
'Hast du Lust auf eine Tasse Kaffee?' Er nahm sie beim Arm und f'hrte sie aus der Bibliothek, ohne auf ihre Antwort zu warten, als g' es 'berhaupt keinen Zweifel daran, wie ihre Antwort ausfallen w'rde. Und sie best'gte ihn in seiner Selbstgewissheit, auch sp'r, als er sie ins Kino einlud und dann in seine Wohnung, die er mit mehreren Kommilitonen von der juristischen Fakult'teilte, und schlie'ich in sein Bett. Danach war es zu sp' Keine zwei Monate nach diesem ersten Abend, zwei Monate, nachdem sie sich mit Wonne von diesem gut aussehenden Mann mit den langen Wimpern und dem sinnlichen Mund hatte verf'hren lassen, stellte sie fest, dass sie schwanger war - ausgerechnet an dem Tag, an dem er erkl'e, ihm gehe das alles zu schnell, sie m'ssten ein wenig bremsen, eine Pause einlegen, sich wenigstens vor'bergehend trennen. 'Ich bin schwanger', sagte sie wie bet't, unf'g, dem noch irgendetwas hinzuzuf'gen.
Sie redeten 'ber Abtreibung, sie redeten 'ber Adoption; am Ende h'rten sie auf zu reden und heirateten. Oder genauer, sie heirateten und h'rten auf zu reden, sagte sich Mattie jetzt, als sie aus dem Wasser stieg und leicht fr'stelnd in der frischen Herbstluft nach dem gro'n magentafarbenen Badetuch griff, das ordentlich gefaltet auf dem mit wei'm Leinen bezogenen Liegestuhl lag. Mit einem Zipfel des Badetuchs frottierte sie ihre Haarspitzen, den Rest wickelte sie fest wie eine Zwangsjacke um ihren K'rper.
Jake hatte nie heiraten wollen, das wusste sie jetzt - wie sie es damals schon gewusst hatte, obwohl sie beide, zumindest zu Beginn, so getan hatten, als w' diese Heirat unvermeidlich gewesen; als w' ihm nach einer kurzen Trennung unweigerlich klar geworden, wie sehr er sie liebte, sodass er zwangsl'ig zu ihr zur'ckgekehrt w'.
Aber er liebte sie gar nicht. Er hatte sie damals nicht geliebt. Und er liebte sie jetzt nicht.
Und Mattie selbst war sich, wenn sie ehrlich war, nie sicher gewesen, ob sie ihn wirklich liebte.
Sie hatte sich zu ihm hingezogen gef'hlt, keine Frage. Sie war wie gebannt gewesen von seinem blendenden Aussehen und seinem m'helosen Charme. Aber sie wusste nicht, ob sie ihn je wirklich geliebt hatte. Sie hatte nicht die Zeit gehabt, es herauszufinden. Alles war viel zu schnell gegangen. Und pl'tzlich war keine Zeit mehr geblieben.
Mattie knotete das Badetuch 'ber ihrer Brust und lief die kurze Holztreppe zur Terrasse hinauf. Sie zog die Schiebet'r zur K'che auf und trat ein. Wasser tropfte von ihrem K'rper auf den dunkelblauen Fliesenboden. Normalerweise bekam sie sofort gute Laune, wenn sie diesen Raum betrat. Er war ganz in Blau- und sonnigen Gelbt'nen gehalten, mit viel rostfreiem Stahl und einem runden Tisch mit einer Steinplatte, um den vier St'hle aus Schmiedeeisen und Rattan gruppiert waren. Von genau so einer K'che hatte Mattie getr't, seit sie in einer Einrichtungszeitschrift eine Bilderserie 'ber provenzalische K'chen gesehen hatte. Sie hatte die Renovierung ihrer K'che im letzten Jahr, auf den Tag vier Jahre nach ihrem Umzug in das Sechs-Zimmer-Haus am Walnut Drive, pers'nlich 'berwacht. Jake war gegen die Renovierung gewesen, genau wie er gegen den Umzug an den Stadtrand gewesen war, auch wenn man von Evanston bis zum Zentrum von Chicago mit dem Auto nur eine Viertelstunde brauchte. Er hatte in der Wohnung am Lake Shore Drive bleiben wollen, obwohl er Mattie in allen Punkten, dass es drau'n am Stadtrand weniger Verbrechen
gebe, bessere Schulen und mehr freie Natur, Recht geben musste. Er behauptete, er sei aus Gr'nden der Bequemlichkeit gegen den Umzug, aber Mattie wusste, dass Angst vor Verbindlichkeit dahinter steckte. Ein Haus am Stadtrand, das war zu viel der Etabliertheit f'r einen Mann, der immer einen Fu'aus der T'r hatte. 'Aber f'r Kim ist es besser', hatte Mattie vorgebracht, und da hatte Jake endlich nachgegeben. F'r Kim tat er alles. Nur ihretwegen hatte er ja Mattie 'berhaupt geheiratet.




"Ein hinreißender, ein ermutigender Roman über eine Frau, die im größten Unglück zu sich selbst findet."

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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll in einem Zug im Zug gelesen - von Thrillerfan - 28.06.2016 zu Joy Fielding „Zähl nicht die Stunden“
....gottseidank, denn ich wollte nicht unterbrechen. Auch ich war überrascht und hatte einen Thriller erwartet. JF hat sich diesmal an ein sensibles Thema herangewagt - mit Erfolg. Dies ist kein Urlaubsroman zum Entspannen, sondern eine Herausforderung, die nachdenklich stimmt.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Joy Fielding in Hochform - von Kleeblatt - 17.06.2016 zu Joy Fielding „Zähl nicht die Stunden“
Mattie Hart gehört zu den Frauen, die fast alles haben. Eine intakte Familie, Mann und Tochter, der Mann ist Anwalt, ihre Tochter liebt sie abgöttisch. Dass doch nicht alles im Reinen ist, wird ihr bewusst, als sie Quittungen in den Sachen ihres Mannes findet, die eine Affäre nicht mehr verleugnen lassen. Geahnt hat sie es schon länger, nur jetzt mit den Tatsachen konfrontiert zu werden, ist schon ein Hammer. Sie tut etwas unberechenbares, sie geht zur Gerichtsverhandlung, die ihr Mann gerade hat und die wohl auch einer seiner wichtigsten ist und beginnt während der Verhandlung schallend an zu lachen. Sie kann sich gar nicht mehr beruhigen. Ihrem Mann reicht es und er verlässt sie, um zu seiner neuen Errungenschaft zu ziehen. Mattie ist nicht der Typ Frau, die nun den Kopf in den Sand steckt, sie packt ihr Leben an, es geht auch ohne Mann. Alles geht gut, bis sie kurze Zeit später feststellen muss, dass sie unheilbar krank ist und ihr nicht mehr viel Zeit bleibt ... Puh, was für ein Schicksalsschlag. Im einen Moment denkt man noch, es kann nicht schlimmer kommen, als dass der Mann sich eine Jüngere genommen hat und ausgezogen ist, da kommt es für Mattie knüppeldick. Sie erfährt von ihrer Freundin, die Ärztin ist, dass sie unheilbar krank ist. Im Moment scheint es ihr noch halbwegs gut zu gehen, bis auf einige kleine Aussetzer, aber es wird schlimmer kommen und es wird keine Heilung geben. Ihr Körper wird immer mehr versagen, jedoch ihr Gehirn nicht. Ihr Mann Jake fühlt sich verantwortlich und kehrt zurück, vorläufig. Ist es Mitleid, was ihn wieder zurückbrachte? Mattie weiß es nicht, ist jedoch dankbar für seine Hilfe. Schließlich muss sie auch an ihre Tochter denken, die sie ja eines Tages zurücklassen muss. Diese ist momentan so gar nicht gut auf ihren Vater zu sprechen, da er ja ihre Mutter von einem Tag auf den anderen verlassen hatte. Es beginnt ein schwierige und sehr emotionale Zeit. Matties Gedanken und Gefühle werden dem Leser sehr gut nahe gelegt. Man leidet und fühlt mit ihr, nimmt Anteil an ihrem Schicksal und hofft doch immer ein wenig, dass die Prognose vielleicht doch nicht so schlimm sein möge wie vorhergesagt. Aber sie ist es und bleibt es. Matties Tochter leidet ebenso, weiß sie doch, dass ihr mit ihrer geliebten Mutter nicht mehr viel Zeit bleibt. Was für ein grausames Schicksal. Das Leben der 3 Protagonisten ändert sich radikal. Sie sind von einem Tag auf den anderen aufeinander angewiesen und lernen sich neu kennen. Sie nutzen die Zeit, die ihnen bleibt, immer wissend, das es nicht mehr viel ist. Das war jetzt das 7. Buch, welches ich von Joy Fielding gelesen habe. Der größte Teil waren Thriller. Mit einem solch emotionalen Buch hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet, als ich es zur Hand genommen hatte. Für mich ist es das bislang beste von ihr. Ich konnte nicht verhindern, dass mir am Ende die Tränen kamen, war nur froh, dass ich gerade nicht unterwegs gewesen bin. Ein wunderbares Buch, das ich sehr gern weiterempfehle. Hier gibt es eine klare Kauf- und Leseempfehlung.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll eigentlich hätte ich einen Thriller von Joy Fielding erwartet... - von lesemaus - 15.04.2012 zu Joy Fielding „Zähl nicht die Stunden“
...doch tatsächlich habe ich einen Roman gelesen, der mit soviel Empathie diese besondere Zeit der beiden Hauptdarsteller schildert, so dass ich zum Schluss einen Liebesroman in der Hand hielt, der mir die Tränen in die Augen trieb. Toll, wie hier ohne viel Kitsch und Tamtam über Krankheit und Liebe, über das Leben und den Tod geschrieben wird. Gutes Buch!
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