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Siebzig verweht V

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Produktdetails
Titel: Siebzig verweht V
Autor/en: Ernst Jünger

ISBN: 3608936769
EAN: 9783608936766
Klett-Cotta Verlag

September 1997 - gebunden - 204 Seiten

Im Tagebuch gibt sich der Autor von Tag zu Tag und, insofern er, wie Jünger das tut, seine Träume als wesentliche autobiographische Elemente einbezieht, von Nacht zu Nacht Rechenschaft; er läßt den Leser an seiner Entwicklung teilnehmen. Notiert werden Begegnungen mit Menschen, Büchern und Bildern, mit Tieren, Pflanzen und Landschaften. Oft werden diese Begegnungen lediglich in einem kurzen Aphorismus fixiert, oft setzen sie auch Ketten von Reflexionen und Assoziationen in Bewegung, die bei aller thematischen Vielfalt auf überraschende Weise stets von neuem konvergieren.
Es entsteht eine teils soghafte Sprache aus der für Jünger so charakteristischen Mischung aus Tagebuchnotaten, Briefen, Reflexionen und Kommentaren. Dieser letzte Band umfasst dabei die Tagebücher der Jahre 1991 bis 1996.
Ernst Jünger, geb. in Heidelberg am 29. 3. 1895, war Soldat in der Fremdenlegion, dann in der Reichswehr und der Wehrmacht. Er ist der Bruder von Friedrich G. Jünger. Seine Schriften 'In Stahlgewittern' (Tageb., 1920), 'Der Kampf als inneres Erlebnis' (Essay, 1922) und 'Feuer und Blut' (En., 1925) gelten als Verherrlichung von Soldatentum und Krieg. Später Schriften gegen Gewalt und Macht. Jüngers Teilzeitideologien sind bis heute ebenso umstritten wie seine literarischen Werke.
Siebzig verweht V

Wilflingen, 5. Februar 1996
Ich begleite jetzt wieder Dostojewski in den Dämonen und lebe dann nächtlich in einer zweiten Gesellschaft. einer anderen Welt. In ihr träume ich weiter - so hörte ich den Stepan Trofimowitsch sagen: Marmorsäulen bemalt man nicht. Das ist gut, steht aber nicht im Roman.
Den Raskolnikow lernte ich als Fünfzehnjähriger kennen; mit jeder neuen Lektüre ändert sich die Gestalt. Das Kriminelle im Leser wird angeregt. Widrig ist aber, daß eine Alte, eine Laus, und dazu noch mit dem Beile, getötet wird. Die Berufung auf Napoleon ist absurd, doch eben die geistige Verwirrung andeutend. Der verbummelte Student brütet so lange in seiner dunklen Kammer, bis unbedingt etwas geschehen muß. Er muß, um sich Luft zu schaffen, jemand umbringen.
Doch warum kein Bankeinbruch? Einmal, weil es ihm nicht um Geld geht, und dann weil er im Grund ein Feigling ist. Nietzsche bewunderte an Dostojewski die psychologische Finesse - aus seiner Sicht gehört Raskolnikow natürlich zur Dekadenz.
Stawrogin ist der Übermensch in nuce: er stürzt nicht wie Nietzsches Seiltänzer in die Tiefe - der Fürst wählte den Strick.

Wilflingen, 3. März 1996
Die Hölle existiert nicht, wohl aber das Fegfeuer.
Die letzten Sekunden können sehr lang werden: am Rande der Ewigkeit. Auch die Ewigkeit ist nur eine Vorstellung.

Wilflingen, 15. März 1996
Beendet: Dominique Venner: Terreur et Crimes Politiques au XXe Siède. Das Buch wurde mir vor Jahren vom Autor übersandt. Er zitiert mich mit einem Satze, der mir entfallen ist: Le terroriste ne frappe pas seulement sa victime, il s'inflige une blessure définitive. Ich habe dabei wohl an Ernst von Salomon gedacht, der von Venner auch erwähnt wird, und zwar wegen seiner Verstrickung in den Rathenaumord.
*
Poincaré, ein kleiner frigider Rechtsverdreher mit geschwollenen Backen, verdankte seine politische Fortüne dem antideutschen Revanchismus, der in Frankreich nach der Ni
ederlage von 1870 das politische Hauptproblem war. Die beiden in Trauerflor gehüllten Statuen von Metz und Straßburg auf der Place de la Concorde hielten mahnende Wacht.
*
Der Typ des Königsmörders. Oswald, der den Präsidenten Kennedy erschoß, fällt in dieselbe Sparte wie Ravaillac und Damiens. Es gibt stets ein Umfeld, dem die Tat eines Einzelnen entwächst - eine Spannung, der ein Funke entspringt.

Der Bericht über die Folterung Damiens' vom ersten bis zum achten und letzten Coin und dann über die Einzelheiten der Hinrichtung ist grauenhaft; er erschien zu Paris 1757, noch im Jahre der Tat. Ich besitze ihn in der Ausgabe, die auch der Alte Fritz gelesen hat.

Bei solcher Lektüre muß man sich die Katastrophe vor Augen halten, die ein Regizid auslösen kann. Unser Jahrhundert bietet das eklatante Beispiel von Sarajewo. Dem Erzherzog und seiner Gattin folgte ein endloser Trauerzug. Jeder meiner Generation ist ein Mitverwundeter. Princip, der Attentäter, wurde zu zwanzig Jahren Gefangenschaft verurteilt; er starb in der Haft.

Wilflingen, 17. März 1996
Morgens im Garten - ein heiterer Vorfrühlingstag. Der Winterling blüht rings um die Laube und unter der Blutbuche; der Winterjasmin ist verblüht. Der Krokus steckt noch kaum die ersten Spitzen heraus. Auf dem Weiher zwei Schwäne, Bläßhühner und viele Enten, im Lebensbaum picken die Grünfinken.
Gestern abend war Schlachtfest im Löwen - in der Nacht unruhige Träume, unter anderen in Gesellschaft mit Florence Gould. Mir gegenüber ein Nobile in eleganter Kleidung; er gehörte nicht zum Traum, sondern stand greifbar im Raum. Vielleicht macht mich meine intensive Dostojewski-Lektüre für solche Erscheinungen anfällig.

»Die Sammlung von Aufzeichnungen und Zeugnissen, Erinnerungen und Briefen ist ein literarisches Dokument von beachtlichem Rang, eine Schatzkammer von Entwürfen und Analysen unserer Zeit, gerade dadurch eine spannende und anregende Lektüre.«
Saarländischer Rundfunk
»Die sorgfältigen Aufzeichnungen Jüngers atmen die Freiheit seines Geistes ...«
Focus

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