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Rom oder Tod

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Produktdetails
Titel: Rom oder Tod
Autor/en: Gustav Seibt

ISBN: 3886807266
EAN: 9783886807260
Der Kampf um die italienische Hauptstadt.
Mit Abbildungen.
Lesebändchen.
Siedler Verlag

3. September 2001 - gebunden - 350 Seiten

Zehn Jahre sind zwischen dem Hauptstadtbeschluss des Parlaments und dem Umzug der Regierung verstrichen: Nicht von Berlin ist die Rede, nicht vom heutigen Deutschland, sondern von Rom und Italien im neunzehnten Jahrhundert. Italien wurde 1861 geeinigt, 1871 bezog es seine Hauptstadt Rom. Es gab lange Hauptstadtdebatten davor und einen ebenso langwierigen Umbau der Stadt danach.Darum hatte es einen Krieg gegeben: Italien hatte die Stadt Rom dem Papst mit militärischen Mitteln entreißen müssen. Und neben dem Krieg der Waffen fanden andere Kämpfe auf den Schlachtfeldern der Presse, der Diplomatie, der Geschichtswissenschaft und der Theologie statt: Gestritten wurde um Fortschritt und Legitimität, Religion und Revolution, Kirche und Nation. Schriftsteller und Gelehrte aus ganz Europa beteiligten sich daran und erörterten dabei Grundsatzfragen der Moderne: nationale Identität, Gewissensfreiheit, Selbstbestimmungsrecht der Völker.Gustav Seibt erzählt die Geschichte dieses vergessenen Kampfes, der damals Millionen Menschen bewegt hat, mit ihren vielfältigen Bezügen und Ebenen: der militärischen, der diplomatischen, der weltanschaulichen und der stadthistorischen. Dabei entsteht ein farbiges Bild vom Übergang Alteuropas zum Europa der Nationen zwischen der Revolution 1848 und den Lateranverträgen 1929. Seibts Buch ist ein Abgesang auf das alte Rom der Päpste und eine Liebeserklärung an das freiheitliche Italien des Risorgimento.
Gustav Seibt, geboren 1959, studierte Geschichte und Literaturwissenschaft. Der Mitarbeiter der »Zeit« verfasste »Anonimo Romano. Geschichtsschreibung in Rom an der Schwelle zur Renaissance« (1992, ital. 2000) und mehrere Essaybände. 1995 wurde er mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa, 1999 mit dem Hans-Reimer-Preis der Warburg-Stiftung ausgezeichnet.
1861-1870


Einmarsch in den Kirchenstaat


Die Gewehre des Papstes knallten nur schwach, und ihre Kugeln waren ohne Durchschlagskraft. So stellt es der italienische Augenzeuge dar, der die erste Kampfhandlung in diesem Feldzug überliefert hat. Es war der 12. September 1870. In der Nacht hatte das Vierte Armeecorps des Königreichs Italien bei Ponte Felice im Tibertal südlich von Orte die Grenze zum Kirchenstaat überschritten. Gegen neun Uhr am Vormittag erreichte die Vorhut des italienischen Heeres die Stadt Civita Castellana; in einer auf steilen Felsen errichteten Festung aus dem sechzehnten Jahrhundert wartete dort eine päpstliche Garnison auf die Invasoren. Die Morgennebel haben sich verzogen, die Luft ist noch frisch; es ist ein leuchtender Sommertag. Nichts von den Schrecken des Krieges ist zu sehen: die trockenen Schüsse der Artillerie klingen wie Freudensalven, und ihr Widerhall verliert sich feierlich in den Schluchten und Klüften der waldigen Flanken des Soracte. Bei jedem Schuss sehen wir, wie sich eine Staubwolke aus den Zinnen und Bleidächern des alten Mauerrings erhebt, darunter dann und wann zarte Rauchsäulen, welche von der Morgenbrise sogleich zerstreut werden und die wirkungslose Schüsse aus Remingtongewehren anzeigen, von denen nicht einmal das Geräusch zu uns dringt. Doch gelangt manche müde Kugel bis zu unseren Geschützen. Trotzdem glaubt man, bei einem Manöver zu sein, nicht in einem Krieg.
Der Waffengang, mit dem das Königreich Italien sich im Jahre 1870 seine Hauptstadt Rom und das Patrimonium Petri, den Rest des Kirchenstaats, eroberte - fast zehn Jahre, nachdem der Hauptstadtbeschluss gefallen war -, gehört nicht zu den Heldentaten der Welthistorie. Man kann kaum von einem Krieg sprechen, eher von einem Kriegstheater, bei dem das Ergebnis schon festliegt. Das dreifach überlegene italienische Heer besiegte eine längst in die Enge getriebene geistliche Macht - das Papsttum -, der ein Blutbad schlecht angestanden hä
tte. Und auch Italien musste daran interessiert sein, selbst kleinere Opfer zu vermeiden, denn im Heer der Kirche kämpften nicht nur Italiener, künftige Mitbürger, sondern auch Freiwillige aus allen europäischen Nationen und aus vielen anderen Ländern der ganzen Welt, mit denen das junge Königreich jeden Streit vermeiden wollte. Vor allem die moralischen Folgen einer Schlacht mit der Kirche musste Italien fürchten, die internationale Empörung und den Zwiespalt im eigenen Land, der dabei entstehen konnte.
Trotzdem ist der römische Feldzug von 1870 eines der großen Ereignisse in der Geschichte Europas. Er machte nach über tausend Jahren der ältesten Herrschaft des Kontinents ein Ende, der Regierung des Papstes über Rom und Latium. Er verwandelte die Ewige Stadt in die profane Kapitale eines modernen Staates. Er ist eine vor allem symbolisch bedeutsame Episode in den Auseinandersetzungen des neunzehnten Jahrhunderts, bei denen die Prinzipien des revolutionären Zeitalters noch einmal sichtbar und dramatisch mit den alten Mächten zusammenstießen. Es ging um Staat und Kirche, Nation und Religion, Fortschritt und Legitimität. Die Leidenschaften, die von der Kampagne entfacht wurden, waren vor allem auf italienischer Seite gewaltig. Wenn man erfahren will, was der Nationalismus als positive Gefühlsmacht in aller Unschuld einmal gewesen ist - eine Emotion, die die Individuen über sich selbst hinaushob in die Sphären von Vaterland und Geschichte -, dann findet man die lebendigsten Zeugnisse in den Berichten und Erinnerungen der Journalisten und Augenzeugen des italienischen 1870.
Das rosige Hochgefühl, das die Berichte vermitteln, ist eigentümlich gemischt aus Ferienstimmung und Feierlichkeit. Ferienstimmung herrschte, weil dieser Marsch auf Rom alle erregenden Strapazen des Krieges ohne seine Gefahren mit sich brachte, das Biwakieren im Freien, die nächtliche Feuchtigkeit, den dicken Morgennebel und die glühenden Tage, an denen die Sonne nie mehr vom Himmel verschwin
den zu wollen schien. Doch war das Ganze nur ein militärischer Spaziergang, eine Art Abenteuerurlaub, in dem die Zeitungskorrespondenten und Geschichtstouristen zuweilen sogar Avantgarde spielen konnten und ins Niemandsland zwischen den Armeen ausschwärmten. Die einzige wirkliche Unbequemlichkeit war, dass es oft nicht genügend zu essen gab: Die römische Campagna war dünn besiedelt; kaufen oder requirieren ließ sich fast nichts, und der Nachschub der Armee litt unter akutem Pferdemangel. Die beauftragten Firmen erwiesen sich als unzuverlässig, und an einer Zollstelle zwischen Italien und dem Kirchenstaat wurde von unverständigen Beamten tagelang das steuerpflichtige Salz zurückgehalten, als sei die Grenze nicht durch den Einmarsch aufgehoben worden. Außerdem war der anspruchsvolle Journalistenschwarm natürlich nicht eingeplant in der logistischen Disposition des Heeres, wie der den Oberbefehl führende General, Raffaele Cadorna, noch Jahrzehnte später in seinem Feldzugsbericht bemerkte.
Das hatte die in Florenz erscheinende Zeitung Fanfulla nicht daran gehindert, in großen Lettern anzukündigen, auch sie habe einen Teil ihrer Kräfte mobilisiert und einen ihrer Mitarbeiter an die Front geschickt, mit dem Auftrag, Rapport über unsere Soldaten zu geben und mit ihnen in Rom einzumarschieren. Der Korrespondent der Zeitung Italia Militare - es war der später durch sein patriotisches Kinderbuch Cuore (Herz) weltberühmt gewordene Edmondo de Amicis - unterbrach seine Kriegsberichte immer wieder mit farbigen Schilderungen von der eigenen Arbeit. Als Büro wurde uns der Kornspeicher zugeteilt, berichtete er aus der Umgebung von Civita Castellana, und ein Backtrog ist unser Tisch.Staunend betrachteten die Einheimischen die dicken, über und über mit Briefmarken bedeckten Kuverts, die ein Mitarbeiter englischer Blätter Tag für Tag auf die Post brachte. Vor den Türen der überfüllten Gasthöfe stapelten sich die verschiedensten Kopfbedeckungen und Accessoires, Zylinder, Spazierstöc
ke, gefiederte Bersaglierihüte, Koffer, Mäntel, Schirme, Patronentaschen. Wer schlau war und Glück hatte, sicherte sich rechtzeitig eine der raren Kutschen, die zur Not auch als Nachtquartier dienen konnten und die man geschwind zwischen den gemächlich voranrückenden Armeecorps hin und her dirigieren konnte, um überall da zu sein, wo etwas los war.
Ganz Italien fieberte mit, und auch die gebildeten Schichten der anderen europäischen Nationen ließ das Schicksal Roms nicht gleichgültig, die Katholiken der ganzen Welt erregte es leidenschaftlich, obwohl in jenen Wochen der deutsch-französische Krieg den größten Teil der Aufmerksamkeit auf sich zog. Die Stimmung derer, die dabei sein durften, war gehoben, denn sie waren sich bewusst, an einem Vorgang der Weltgeschichte teilzunehmen. Diesmal kommen wir hin, riefen Offiziere und Zivilisten einander an den Bahnhöfen der Strecke Florenz-Rom zu, wo unentwegter Verkehr bis zur Grenze herrschte, um Truppen, Diplomaten und Beobachter in Stellung zu bringen: Auf Wiedersehen in Rom. Gott will es.Ugo Pesci, jener Mitarbeiter, den der Florentiner Fanfulla mobilisiert hatte, und der fünfundzwanzig Jahre später das schönste Buch über die Eroberung Roms schreiben sollte, wollte sich zusammen mit einem Kollegen das Vergnügen machen, mit den ersten Soldaten die Grenze zum Kirchenstaat zu überschreiten. Am 12. September 1870 um 5 Uhr morgens war es soweit: Niemand spricht; in der Luft liegt etwas Feierliches und eine Feuchtigkeit, die bis auf die Knochen geht.
Nun ging es voran, durch wunderschöne Landschaften, die wie gemalt wirkten und voller Geschichtszeichen waren. Am Wegrand taten sich tiefe dunkle Täler auf, Dörfer erhoben sich auf den Gipfeln der Berge, aus den Wäldern ragten die Überreste alter Burgen, mal war die Landschaft verdorrt und weit, eine Weide für Büffelherden, und die voranmarschierende Armee wurde von riesigen Staubwolken eingehüllt, mal aber zeigte sie sich anmutig wie im Winkel zwischen Via Cassia und Via F
laminia vor den Toren Roms: Dort durchzogen Bäche die grünen Wiesen, jahrhundertealte Bäume spendeten Schatten, und Felsen und Ruinen verzierten wie auf alten Gemälden die Landschaft. Während wir vorrückten, so berichtete später ein Hauptmann der Kavallerie, wuchs die Verzauberung, denn die römische Campagna spricht die Sprache des Lebens und des Todes, der Größe und des Untergangs, eine Sprache, die den Geist in die erhabenen Sphären einer höheren Welt versetzt, in den Halbschatten der Dinge, die gewesen sind, und ins Licht derer, die da kommen werden.
In diesen heroischen Landschaften fanden die ersten Begegnungen der alten und der neuen Italiener statt, der Soldaten und der Landleute der Campagna. Die Soldaten waren, so vermeldeten es die patriotischen Berichterstatter ihrer meist norditalienischen Leserschaft, glänzend gelaunt, in ausgezeichneter körperlicher Verfassung, gut ernährt, gebräunt, diszipliniert und doch fröhlich. Abends breiteten sie sich mit den zahllosen Feuern ihrer Biwaks über die Felder am Rande der römischen Konsularstraßen aus, auf denen die Truppen untertags marschierten. Gesang, Musik und ausgelassenes Geschrei schwebten über den nächtlichen Lagern. Die einheimische Bevölkerung der Dörfer und Landstädtchen schien zuerst etwas zurückhaltend, fast mißtrauisch zu sein, wurde beim weiteren Vorrücken der Armee aber immer zutraulicher. Die Bauern und Hirten mit ihren breiten Calabreserhüten und bunten Jacken, ihren Bärten und ihrem herkulischen Körperbau glichen den Figuren der zeitgenössischen Genremalerei. Allen Beobachtern war es wichtig zu vermelden, dass überall, wo die Italiener einmarschierten, bald Trikoloren auftauchten - in der Hafenstadt Civitavecchia, die ein separates Heerescorps am 16. September besetzte, sogar derart viele, dass der mitmarschierende Korrespondent von unzähligen häuslichen Verschwörungen sprach: Die italienischen Nationalfarben waren im Kirchenstaat verboten gewesen, und das massenhafte Zusammennähen von Grünwei
ßrot kam so einem vorweggenommenen heimlichen Plebiszit gleich. Rührender noch wirkte die Papiertrikolore, die an einem einsamen Gasthof im römischen Hinterland hing und von den vorbeiziehenden Bersaglieri mit einem heiseren Viva l'Italia begrüßt wurde, worauf die Büffelhirten am Wegrand mit starkem Dialekt Hoch leben die Bersaglieri antworteten.
Unbeschreiblich seien, so schrieb am 13. September De Amicis für die Italia militare fassungslos und mit zitternder Hand, die Freudenszenen in der Kleinstadt Nepi am Abend des zweiten Kriegstages gewesen. Ich habe niemals ein vergleichbares Schauspiel gesehen. Es war so, dass man weinen mußte. Man kann es nicht schildern, ohne den Zweifel zu wecken, man übertreibe. Diese Freude, dieses so heitere Weitwerden der Herzen, dieser so einmütige und machtvolle patriotische Schwung - das gibt es nur bei den Soldaten eines großen Heeres, die eines der liebsten Länder der Heimat betreten, nach langer und schmerzlicher Wartezeit, nach großen Opfern, und die einziehen mit dem Bewusstsein von Bürgern, von Befreiern, durchdrungen von der Heiligkeit ihrer Sache, Brüder, die sich aufmachen, Brüder in ihre Arme zu schließen, Italiener, die seit langem den Ruf von Rom hören und sich an den Busen ihrer großen ewigen Mutter werfen wollen. Rom war der mythische Name, der in diesen vaterländischen Festtagen alle Klassen vereint haben soll, die gebildeten Berichterstatter im Felde, ihre Leser daheim und jene vielen einfachen Soldaten, die nie eine Schule besucht hatten und oft nicht einmal schreiben konnten. In meiner Schwadron, so schrieb ein Rittmeister später, gab es einen Lanzenreiter, einen Analphabeten, der Nord und Süd nicht unterscheiden konnte, ein wilder Baum, rauh und roh, unberührt von patriotischen Ideen: Doch auch er war bewegt von Rom, und von Rom hatte er sich eine ganz eigene Vorstellung gemacht, als einer strengen, gerechten, sehr mächtigen Königin, Herrin der ganzen Erde und des Himmels, eine wunderschöne Kaiserin, die Aben
d für Abend in die Kasernen oder unters Volk ging, um den schönsten Soldaten oder Mann aus dem Volk auszusuchen und ihn für eine Nacht zum Herren der Welt zu machen.
All das wirkt in seinem oft schwülen Pathos so exaltiert, dass man gern an Selbstüberredung und ideologische Verblendung unter den Berichterstattern glaubt. Aber man begreift auch, was die Funktion der Journalisten und der Presse bei diesem Vorgang war, einem wichtigen Augenblick in der emotionalen Konstitution Italiens zu einer Nation. Die Presseleute stifteten den Zusammenhang von Volk, Armee und Bürgern, sie stellten die Gegenwart des großen Gefühls her, in dem jenes abstrakte neue Gebilde, genannt Vaterland, Wirklichkeit werden konnte. Das Moment von Selbstüberredung, von Autosuggestion bis zum Hysterischen, widerlegt diese Wirklichkeit nicht, es ist sogar ihr Kern.
Am Abend des 14. Septembers tauchte ganz fern am Horizont zum ersten Mal Rom vor den Truppen auf, die sich noch auf der Via Cassia voranbewegten. Der Umriss der Peterskirche zeichnete sich im schweren Dunst ab, vor dem Hintergrund eines violetten Himmelsstrichs im brennenden Feuer des Sonnenuntergangs; Rom lag da, ragte wie ein Riesenschiff über dem toten Meer der Campagna empor, verband seinen Gipfel mit dem Himmel, lockte mit der unverwechselbaren Form von Michelangelos Kuppel - die Berichte überbieten sich an diesem Punkt in poetischen Bildern. Die Soldaten bestiegen einen Hügel und schwiegen ergriffen oder taten einen begeisterten Ausruf. In allen Äußerungen lag, wenn wir Ugo Pesci glauben dürfen, etwas Zusammengenommenes, etwas Feierliches. Doch es dauerte noch einmal fünf Tage, bis die Truppen vor der Stadt in Stellung gebracht waren und der Angriff beginnen konnte - Tage, in denen die Ungeduld und die Anspannung unerträglich wurden. Als die Truppen, die Civitavecchia erobert hatten, zusammengerufen wurden, um beim Sturm auf Rom dabei zu sein, da seien, so der Berichterstatter Giuseppe Guerzoni, ein in die Jahre gekommener
Garibaldi-Anhänger, der seinen samtbeschlagenen Parlamentssitz noch einmal mit dem Pferdesattel vertauscht hatte, Hunger und Müdigkeit mit einem Schlag vergessen worden: Die Beine tanzen, die Reihen formieren sich von Zauberhand, die Waffen werden blitzartig ergriffen, die Division steigt von allen Seiten in geschlossenen Säulen auf die Straße hinab, die Kavallerie geht voran, die Artillerie reiht sich an ihrer Stelle ein und die Infanterie marschiert geschlossen - Viva Roma!
Als Zeitpunkt für den Angriff war 5 Uhr morgens am 20. September bestimmt worden. In der Nacht davor fand Ugo Pesci keinen Schlaf. Die nach 1870 geborenen jungen Leute, schrieb er ein Vierteljahrhundert später, werden die Ursache dieser Schlaflosigkeit nicht begreifen. Das tut mir leid für sie; die Erinnerungen an jene Nacht, die dem größten Ereignis des Jahrhunderts vorausging, sind in mein Gedächtnis gemeißelt, als sei es gestern gewesen; und weil ich die Nacht an dieser Stelle verbrachte und am Tag danach durch Porta Pia Rom betrat, glaube ich sagen zu können, dass mir wenigstens einmal im Leben eine tiefe Genugtuung zuteil geworden ist. Ich erinnere mich, dass ich, nachdem ich mich eine Weile auf dem Heu hin- und hergedreht hatte, ohne Ruhe zu finden, endlich hinausging, um zu rauchen. Es war gegen Mitternacht. Eine Linie von Feuern umgab die ganze Seite der Stadt, die ich nicht sah, aber in der Dunkelheit jener Stunde doch ahnte. Andere Feuer brannten weit weg auf den Bergen von Tivoli und Tusculum. Das Schweigen war tief und feierlich, obwohl ringsum dreißigtausend Männer auf verhältnismäßig engem Raum vereint waren.





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