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Achterbahn der Stille

Ein spirituelles Roadmovie.
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Produktdetails

Titel: Achterbahn der Stille
Autor/en: Teresa Heidegger

EAN: 9783492953252
Format:  EPUB
Ein spirituelles Roadmovie.
Piper Verlag GmbH

5. Mai 2011 - epub eBook - 256 Seiten

Nepal, Land traumhafter Trekkingpfade und Sitz der Götter - heißt es jedenfalls. Idealer Rückzugsort für Teresa Heidegger, eine junge Frau aus Berlin, die auf ihrem Weg in den Himmel des deutschen Regietheaters gerade einen herben Rückschlag erlitten hat und sich mit einem Mal in einer Sinnkrise wiederfindet. Nach der ersten zaghaften Annäherung an Land und Leute wagt sie den Schritt in ein Schweigekloster, um die Kunst der Vipassana-Meditation zu erlernen: 110 Stunden regungsloses Sitzen in 10 Tagen - Lachen, Reden, Schokolade, E-Mails - alle irdischen Freuden streng untersagt. Und doch macht sie gerade hier die wichtigste Entdeckung ihres Lebens.
Teresa Heidegger, 1976 in Salzburg geboren, studierte Pädagogik mit dem Schwerpunkt verstehende Soziologie. Sie lebt in Berlin und arbeitet als Trainerin für gewaltfreie Kommunikation. Mit Spiritualität beschäftigte sie sich bis zum Zeitpunkt ihrer Reise nur am Rande und mit einer gewissen Skepsis. »Achterbahn der Stille« ist ihr erstes Buch.

Präludium

Im Frühjahr 2007, knapp zwei Monate nach meinem einunddreißigsten Geburtstag, stürzte ich in eine tiefe Krise. Manche mögen es eine vorgezogene Midlife-Crisis oder eine verspätete Endzwanziger- beziehungsweise Anfangdreißiger-Krise nennen – denkbar wäre auch eine verschlafene Jugendkrise oder gar eine posttraumatische Kindheitskrise. Wie auch immer die Diagnose lauten mochte – fest stand, dass ich mich in einem statischen Zustand des Leidens befand, den ich zuvor bei anderen immer als dezent lächerliche Bauchnabelshow verurteilt hatte. Und zwar in der festen Überzeugung, selbst niemals in eine solche missliche Lage zu geraten – und darin hängen zu bleiben schon gleich dreimal nicht.

Auslöser des Dramas, welches sich mit den folgenden Monaten zu einem – für die Zuschauer wohl eher ermüdenden, mich selbst fast zermürbendem – Trauerspiel entwickelte, war eine Prüfung für den Ausbildungsgang Regie an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin. Ich scheiterte an der Aufgabe, innerhalb einer Stunde eine kleine kreativ-spritzige Inszenierung zu präsentieren. Ein Scheitern, das einer der Lehrenden, der Leiter der Schaubühne Berlin, Thomas Ostermeier, recht knapp zusammenfasste: »Ich sehe da keine szenische Phantasie – und darum geht es bei Regie.«

Nun hing an dieser Prüfung keineswegs meine berufliche Existenz. Die Regie war lediglich eine zusätzliche Möglichkeit, die ich zu meiner freiberuflichen Tätigkeit als Gesellschaftserforscherin und Dramaturgin gern professionell ausgebaut hätte. Mich interessierte das Theater, und eine Karriere als neuer Star der Volksbühne Berlin schien verlockend, aber war beileibe nicht der Traum meiner schlaflosen Nächte. So hatte ich im Vorfeld überall betont, ich würde an
dieser Prüfung, zu der ich mich überhaupt nur auf Drängen eines befreundeten Regisseurs angemeldet hatte, lediglich aus »Neugier und zum Spaß« teilnehmen.

So weit alles kein Problem. Als jedoch an jenem schwarzen Sonntag besagter Satz von Ostermeier auf mich niederschmetterte, war aller Spaß definitiv vorbei. Während ich taumelnd versuchte, mein Gleichgewicht zu halten, damit mein Körper nicht meinem am Boden herumkugelnden Kopf folgte, wandte sich der Gott der Regiekunst mit demonstrativem Desinteresse von meiner jämmerlichen Person ab und verließ hoch erhobenen Hauptes den Raum. Mit dem Schnappen des Türschlosses erkannte ich, dass ich wohl nur deshalb so entspannt vor die Jury getreten war, weil ich im Grunde keinerlei Zweifel daran gehabt hatte, dass ich mit Bravour und ohne große Anstrengung bestehen würde. Im Stillen hatte ich schon meine revolutionär politischen Inszenierungen an der Volksbühne inklusive der Entwürfe meiner extravaganten Premierengarderobe entworfen. Stattdessen hieß es nun sehr schlicht: »keine szenische Phantasie« – damit war alles gesagt. Ich hatte hier nichts mehr zu suchen. Wortlos packte ich meine Sachen und sah zu, dass ich dem Ort meines kläglichen Scheiterns schnellstmöglich entkam.

Mit diesem Tag begann eine Talfahrt, die weder ich selbst noch irgendjemand sonst in meinem Umfeld erklären, geschweige denn nachvollziehen konnte.

Das vernichtende Urteil ließ mich nicht mehr aus den Klauen. Nacht für Nacht kniete ich um Gnade bettelnd vor dem Regisseur, der sich als schwarzer Henker drohend vor mir aufbaute. Auf mein flehentliches Winseln reagierte er lediglich mit spöttischem Gelächter – und ließ gnadenlos erneut das Beil auf mich niedersausen. Schweißgebadet verharrte ich die restlichen Stunden bis zum Morgen stocksteif und hellwach in meinem Bett
und überlegte krampfhaft, wie ich mehr Phantasie in mein scheinbar wüstenähnliches Gehirn einpflanzen könnte. Ich entschied, fortan die Finger von der Regie, dem Theater generell und der Kunst in ihrer Gesamtheit zu lassen. Ein Entschluss, der mich zwar erleichterte, mir aber nicht aus meinem Tief half.

Meine Schwester – selbst am Theater tätig – versuchte, mich mit Engelszungen davon zu überzeugen, dass es keine objektive Beurteilungskriterien gäbe, die darüber bestimmen könnten, was Kreativität oder Kunst sei. »Warum lässt du dich von so einem aufgeblasenen Narzissten ins Bockshorn jagen? Wo bleibt dein Selbstbewusstsein?« Ihre Frage traf ins Schwarze. Ich war durch diese Prüfung gefallen. Na und? War mein Ego so abhängig von der Anerkennung eines Regisseurs, den ich noch nicht einmal besonders gut fand? Nie im Leben waren mir Karriere oder sonstige Statussymbole wichtig gewesen, im Gegenteil: Gewettert hatte ich immer über diese »Schwächlinge«, die ich als prestigesüchtig und anerkennungswütig abstempelte. Hatte ich mir nun die gesamte Zeit munter in die Tasche gemogelt?

Von einigen Seiten meines Umfelds kam eine ganz andere Diagnose. Grund meiner Misere sei schlicht die Tatsache, dass ich mich endlich wieder verlieben müsste und es, klar, mit dreißig an der Zeit wäre, ans Nestbauen und Kinderkriegen zu denken. Ich sollte mich ins wilde Nachtleben oder zumindest in ein Internetforum begeben – und schon wäre ich meine Probleme schnell wieder los. Mal abgesehen davon, dass ich mich in einer Seelenlage befand, in der es mir nahe liegender erschien, meiner eigenen Beerdigung beizuwohnen, anstatt zum Traualtar zu marschieren, wusste ich, dass mein Singledasein maximal Symptom meiner desolaten Lage und nicht »Krankheitserreger« war. Strikt verweigerte ich sowohl Besuche von Singlepartys als auch e
ine Anmeldung bei PARSHIP.

Stattdessen landete ich im Zuge der tieferen Ursachenforschung bei einer Therapeutin. Diese stellte mir etliche kluge Fragen und verhalf mir zu interessanten Denkansätzen – aus dem Strudel meines Daseins, in den ich so urplötzlich geraten war, vermochte sie mich allerdings nicht zu retten. Ich fand mich und meine Krise unwürdig und konnte lediglich erklären, dass es sich – ohne Übertreibung – anfühlte, als sei mir mit diesem Scheitern die Existenzberechtigung genommen worden. »Aber wer kann Ihnen denn die Existenzberechtigung entziehen?«, fragte mich meine Therapeutin. »Ich weiß es ja eben nicht!«, schrie ich die arme Frau an, die schließlich nichts dafür konnte, dass ich mich in einer Fehlinszenierung von Tschechow befand, bei der die Komik im Sumpf meines Selbstmitleids stecken geblieben war.

Nachdem ich einige Monate lang mich selbst ebenso wie meine Umwelt mit Weltuntergangsszenarien und wütenden Zerstörungsphantasien malträtierte, kapitulierte ich im Herbst endgültig und gestand mir ein, dass ich mit gutem Willen allein wohl nicht mehr aus meinem inneren Malheur finden würde. Es brauchte einen radikalen Wechsel. Seitens meiner besorgten Freunde hagelte es sofort wieder allerlei gut(gemeint)e Tipps und Ratschläge – es war ihnen anzumerken, dass sie mindestens so froh waren wie ich, wenn ich endlich wieder zu meinem Humor zurückfinden würde.

So wurde ich mit Broschüren und Büchern mit diversen Kriseninterventionsangeboten spiritueller, psychischer und kreativer Art überhäuft. Meine Freundin Heike riet mir sogar, nach Indien oder Nepal zu reisen und dort einen Vipassana-Meditationskurs zu machen: »Da meditierst du von frühmorgens bis zum Schlafengehen und denkst an nichts anderes außer deinen Atem – das würde dich auf jeden
Fall wieder auf Kurs bringen!«

Ich sah sie an, als hätte sie mir vorgeschlagen, mich nackt auszuziehen und dabei Hula-Hoop zu tanzen. »Den ganzen Tag meditieren? Hast du sie noch alle? Meditation ist so ziemlich das Schrecklichste, was ich mir vorstellen kann«, wehrte ich vehement ab.

»Klar, es ist hart, aber danach bist du ein neuer Mensch«, beharrte meine Freundin auf ihrem Vorschlag.

Obwohl ich wahrlich nichts gegen einen Rollenwechsel einzuwenden gehabt hätte, fand ich die Vorstellung eines solchen Exerzitiums dennoch zu absurd, um mich überhaupt eingehender damit zu beschäftigen. Dann schon lieber auf Reisen gehen, das erschien mir eine passablere Möglichkeit, um »wieder auf Kurs zu kommen«, wie Heike es genannt hatte.

Als ich am nächsten Nachmittag auf dem Bett lag und meinen Stapel an Selbsterfahrungsangeboten durchblätterte, hatte ich unversehens einen Bericht über den Jakobsweg in der Hand. Vielleicht sollte ich das machen? Das war immerhin seit Hape Kerkeling der erklärte Ausweg schlechthin für Menschen in Lebenskrisen – jenseits jeglicher Religionszugehörigkeit. Fit genug war ich, und Wandern fand ich nicht schlecht. Da hört man auf nachzudenken und kommt ebenfalls zu sich, muss aber nicht so langweilig auf seinem Hintern sitzen. Zudem gerät man dabei auch ein wenig ins Schwitzen. Ich begeisterte mich zunehmend für die Idee, bis ich schließlich realisierte, dass ich noch bis Mitte November in einem Jugendkunstprojekt eingebunden war. Im Winter einsam und verloren durch Eis und Schnee die Pyrenäen zu überqueren schien mir eine Expedition, die mich durchaus vom trüben Regen in einen orkanartigen Sturm katapultieren könnte – und so verwarf ich den Einfall wieder.

Aber gab es nicht andere Möglichkeiten, um eine vergleichbare Art der Selbsterfahrung zu machen? Heike kam mir
wieder in den Sinn und ihr Vorschlag eines Vipassana-Kurses. Auch ihre Schwärmereien über Nepal, das »Land der Götter«, wo sie schon mehrmals meditiert hatte. Klar, nicht Indien sollte es sein, sondern Nepal. Das bedeutete Spiritualität und Abenteuer. Denn es gab ein Gebirge dort – und was für eines! Aufgeregt setzte ich mich auf. Geniestreich des Himmels! Ich würde nach Nepal reisen und im Himalaya wandern gehen! Ich hatte zwar keine großartige Bergerfahrung, aber immerhin war ich in den Alpen aufgewachsen und hatte in meiner Jugend den einen oder anderen Gipfel erklommen.

Zudem wusste ich von Heike, dass es dort genügend Touren...


»Es sind gerade Heideggers Fähigkeiten, diese Leidenszeit, als auch die Eindrücke während mehrerer Trekkingtouren in Nepal selbstironisch und locker zu reflektieren, die dieses Buch lesenswert machen.«, Die Welt, 24.07.2010

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Bewertungsstern, voll muss echt nicht sein! - von Anonym - 23.01.2013 zu Teresa Heidegger „Achterbahn der Stille“
Nicht empfehlenswert, stellt sich die Frage warum der Verlag dieses Buch veröffentlicht hat? Kann jetzt wirklich jeder ein Buch schreiben auch wenn er wirklich nichts Bedeutungsvolles zu sagen hat?
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