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Romane und Dramen 2

Bocksweg. Wirbel im Abfluß. Bilder Bilder. Mit Lesebändch…
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Produktdetails
Titel: Romane und Dramen 2
Autor/en: Kuno Raeber

ISBN: 3312003016
EAN: 9783312003013
Bocksweg. Wirbel im Abfluß. Bilder Bilder.
Mit Lesebändchen.
Herausgegeben von Christiane Wyrwa, Matthias Klein
Nagel + Kimche Verlag Ag

15. März 2004 - gebunden - 624 Seiten

In der Schweizer Tradition der zunächst verkannten und erst spät zu Ehren gekommenen großen Autoren wie Robert Walser, Friedrich Glauser und Albin Zollinger gilt es einen weiteren hochkarätigen Schriftsteller zu entdecken: den Sprachkünstler und Erinnerungsmagier Kuno Raeber. Der eigenwillige und sprachbesessene Autor verarbeitete literarisch die großen Themen der Weltgeschichte: von Rom und Konstantinopel bis zu den Totenritualen der alten Ägypter und dem Maya-Kult der Azteken. Im Schauspiel Bocksweg sind künstlerische Berufung und sexuelle Befreiung zusammengeführt in der Gestalt von Renzo, der in den Höhlen unter dem römischen Kapitol versucht, sein Leben durch ein Martyrium unzerstörbar zu machen. Trotz eines Vorschlags von Patrick Süßkind, die Szenenfolge dem Publikum verständlicher zu gestalten, blieb Raeber bei seiner labyrinthischen Anordnung, die erst am Schluss Renzo als Reinkarnation des heiligen Laurentius zu erkennen gibt. Dieser Heilige, Raebers Stellvertreterfigur für den Dichter, bildet das Zentrum des kühnen Sprachexperiments Wirbel im Abfluß, in dem die Wörter in spiralförmig kreisenden Wiederholungen den Sog der Weltgeschichte aufführen. Auch in Bilder Bilder, dem posthum veröffentlichten letzten Werk, bleibt der Bezug zu Laurentius bestimmend. Ein heutiger Lorenz reist ins Totenland Ägypten und erlebt seine Berufung aus dem Bann seines früheren Daseins, während die beiden Rahmentexte Gemälde der europäischen Tradition erkunden. Band 4 der Werke Kuno Raebers präsentiert ein Schauspiel und zwei erzählende Texte, die von Mitte der 80er Jahre bis zu Raebers Tod entstanden. Die Arbeit dieser Jahre bildet in Form und Meisterschaft den Höhepunkt seines Schreibens. Mit großer Konsequent führte Raeber die sprachliche Vervollkommnung seiner Werke zu Ende.
Kuno Raeber, geboren 1922, studierte in Basel, Zürich, Paris und Genf. Seit 1958 lebte er in München, war 1967 Poet in Residence am Oberlin College/Ohio und 1977 Mitglied des Schweizer Instituts in Rom. Er erhielt zahlreiche Preise, unter anderem 1969 die Ehrengabe der Bayerischen Akademie der schönen Künste, 1973 den Tukanpreis der Stadt München, 1979 den Luzerner Literaturpreis. Kuno Raeber starb 1992 in Basel.
Unbenanntes DokumentDas Wasser, kaum daß du den Pfropfen herausziehst, fließt aus der Wanne, langsam zuerst und dann schneller und schneller, den Abfluß hinunter, nur den Seifenschaum fortzuspülen, bedarf es der gebündelten Wasserstrahlen der Dusche, der Schaum bäumt sich auf, sammelt sich, türmt sich zu einem schmutzigen Schneegebirge, träge und zögernd beginnt es, um das schwarze Loch zu kreisen, erst am Ende, vom Sog des Wirbels gezwungen, stürzt es hinein und verschwindet, nicht auf einmal jedoch, das Schaumgebirge läßt sich vielmehr in Stücke reißen und bildet Widerstandsnester, die sich am Wannenrand oder an sonstwo abgelegenen Stellen der Strömung zu entziehen versuchen, so daß du, falls du voreilig aufgibst, nicht lange genug hinschaust, glauben könntest, es gebe da eine Chance des Entkommens, der Rettung, doch das ist keineswegs so, der ungleichmäßige Verlauf des Prozesses ändert nichts an seinem Ausgang, die Spiele des Schaums, seine Kapriolen am Abfluß, einmal dicht, einmal dünner, die Tempowechsel im Zurückweichen und in der Annäherung, immer dramatisch, Adagio, Crescendo, Presto, Molto Presto, Diminuendo und Presto wieder von vorn, das ist spannend zu sehen, kann lange dauern, einen ganzen Äon, bis zu drei Minuten kann das Drama dauern, der Kampf, die Agonie des Schaums dem Abfluß entgegen, ins Loch hinab, du vergißt das Ende, das vorbestimmte, vorhergewußte, konzentrierst dich ganz auf den Moment, wie sich eins aus dem andern ergibt, Streit und Versöhnung, Trennung, Umarmung, Widerstand und Ergebung, der Sacco di Roma, der Brand im Borgo wirbeln hinab, du weißt nicht, warum auf einmal


II


noch ebe
n war alles ganz langsam gegangen, der Wirbel kaum noch zu erkennen, noch eben war eine Stauung, der Schaum stieg und sammelte sich, verhielt vor dem Abfluß, und träge wälzte sich die Prozession zwischen Hütten und Ruinen hindurch, an Kirchen vorbei, die zusammengestückelt waren aus Quadern und Säulen von Bauten, für die es keine Verwendung mehr gab, von Bibliotheken, Theatern, Tempeln, vor allem jedoch von Bädern, den während einer früheren Drehung, in einem vom Abfluß schon verschlungenen Ring des Wirbels größten Gebäuden - jetzt verstand niemand mehr, wozu sie dienten, den Körper, den Drecksack, eine den Maden und Würmern bestimmte Speise, zu baden, zu salben und zu massieren, ihn durch gymnastische Übungen zu stärken, das wäre jetzt, während dieser Drehung, in diesem Ring sinnlos gewesen, absurd: wozu die Mühe, da doch der Tod und damit die Übergabe des Körpers an die schleimigen Gäste jeden Augenblick eintreten konnte?, es wäre frevelhaft sogar gewesen, der Kotsack sollte als solcher erkennbar bleiben, sollte Gestank verströmen von Morgen bis Abend, von Abend bis Morgen, sollte die anderen Säcke, die darin gefangenen Seelen abstoßen, verschrecken, anekeln, was sollten ihm da die Bäder, die Einreibungen mit Salben und duftenden Ölen?



"Kuno Raebers Werk, diese von den Ein- und Überfällen einer eruptiven Phantasie geformten Sprachinseln, sollte endlich aus seiner Verstreutheit auf mindestens sieben Verlage heimgeholt werden: Der Leser stünde dann, wie der Romreisende angesichts des Castello Sant'Angelo, einem der merkwürdigsten Monumente gegenüber, die das postmodern-synkretistische Rom unserer Literatur ihm zu bieten hat." (Albert von Schirnding, 'Süddeutsche Zeitung') "Kuno Raeber ist der große Unbekannte der modernen Schweizer Literatur" (Beatrice von Matt) "Wie Kuno Raeber die Erfahrung gestaltet, ist schlicht sensationell. Ich habe seit Hermann Burgers 'Schilten' kein Buch eines Gegenwartsautors deutscher Sprache in der Hand gehabt, das einen solchen Sturm und Strudel der An- und Einziehung auf den Lesenden auslöst." (Iso Camartin, NZZ)

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