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Das Buch der Laster

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Produktdetails

Titel: Das Buch der Laster
Autor/en: Wolfgang Sofsky

EAN: 9783406625282
Format:  EPUB
Beck C. H.

8. Juni 2011 - epub eBook - 272 Seiten

Die meisten Übeltaten des Menschen entspringen nicht gezielter Willkür und Bosheit, sondern weithin verbreiteten Unsitten und Lastern. Mit schlechten Gewohnheiten lebt es sich offenbar besser als mit den Geboten des Guten. Wolfgang Sofsky erkundet in diesem Buch das gesamte Spektrum unmoralischer Haltungen. Präzise seziert er die Schattenseiten der menschlichen Natur und ihre Bedeutung für Politik und Gesellschaft.
Wolfgang Sofsky war bis 2000 Professor für Soziologie in Göttingen und Erfurt und ist heute Privatgelehrter, freier Autor und politischer Kommentator. Für sein Buch «Die Ordnung des Terrors. Das Konzentrationslager» ist ihm im Jahr 1993 der verliehen worden. Bei C.H.Beck ist von ihm erschienen: «Verteidigung des Privaten. Eine Streitschrift» (2007, als Paperback 2009).

1. Im Garten des Bösen


Grün sind ihr die Haare zu Laub gewachsen. Weit breitet sie die Äste und Zweige aus, ihre Haut ist zu Rinde erstarrt, wie träge Wurzeln kleben die Füße am Boden. Klage und Zorn umhüllen ihr Antlitz. Einst war Daphne der Wollust Apolls nur entronnen, indem sie sich in die ranke Gestalt des Lorbeerbaums flüchtete. Doch nun, da die Fittiche der Lustknaben erneut zu hören sind, schüttelt sie empört das Haupt und ruft verzweifelt nach dem Beistand der göttlichen Tugenden.

Gegenüber, an der hohen Bruchsteinwand, flattert verloren ein Schriftband. Ein Hilferuf der Klugheit ist darauf zu lesen. Zu sehen ist die Mutter der Tugenden nirgendwo. Von den Lastern des Bösen wurde sie lebendig eingemauert, ihre Geschwister hat man vertrieben und den Paradiesgarten in einen Sündenpfuhl verwandelt. Doch Rettung ist nahe. Gewappnet mit Helm, Lanze und Schild, stürmt Minerva herbei und jagt die Laster in die Flucht. Auf ihrem Brustharnisch droht das Haupt der Medusa. So ungestüm und siegesgewiß hat die Göttin den ersten Angriff vollführt, daß die Spitze ihrer Lanze abgebrochen am Boden liegt. Der Schild schützt sie vor den Amoretten, die keine Liebespfeile mehr abzufeuern wagen. «Vertreibst Du den Müßiggang, vergehen die Geschosse der Wollust», verspricht ein Schriftzug zu Füßen der Göttin. Es ist die lange Weile des Nichtstuns, welche die Gedanken schweifen läßt und die verborgenen Begierden zum Leben erweckt.

Mit halb geöffnetem Mund greift Minerva an, ihr Gesicht gleicht den Zügen der erstarrten Daphne. Der Blick ist hinauf zum Himmel gerichtet, von dem, in einen Wolkenkranz gehüllt, die drei vertriebenen Tugenden herabschweben. Fortitudo, die Göttin der Stärke und Tatkraft, hält die Keule des Herkules in Händen, über die Sch
ultern hat sie das Fell des Nemeischen Löwen geworfen. Temperantia, die Göttin des Maßes und Ausgleichs, füllt Wein in einen Trinkbecher, und Justitia reckt streng das Schwert der Gerechtigkeit empor. Alle eilen sie herbei, um die Ungeheuer zu verjagen und ihre Gefährtin Prudentia aus dem Gefängnis zu befreien. Erst wenn alle Tugenden vereint sind, kann auch die Klugheit wieder ihre Macht entfalten.

Nur widerwillig räumen die Laster den Garten. Halb erschreckt, halb entrüstet blicken sie zurück auf die resolute Göttin der Vernunft. Geradezu feindselig starrt die Trägheit auf die Verfolgerin über ihr. Wider ihre Natur hat sie sich sogleich in den Tümpel geflüchtet, eine abgehärmte Frau, deren Haar längst durch das zerschlissene Kopftuch gewachsen ist. Ihre Kleider sind zerrissen, ihr Gesicht durch Neid und Armut gezeichnet. An einem Seil zieht sie ihren Bruder mit sich, den Müßiggang, der Hände und Arme verloren und das Handeln längst aufgegeben hat. Sein Haar ist struppig, sein Gesicht aufgedunsen und durch ein breites Doppelkinn verunstaltet. In Bauch und Oberschenkel hat sich Fett abgelagert, seine Armstümpfe fuchteln wild ins Leere. Blöde schaut er vor sich hin und ahnt kaum, was um ihn herum geschieht. Aus eigenem Antrieb bewegt er sich schon lange nicht mehr. Ohne Murren gehorcht er der Weisung des Seilzugs.

Am Ufer setzt sich gerade eine Sippschaft bocksbeiniger Wesen in Bewegung. Ein weiblicher Satyr birgt ihre Säuglinge im Brusttuch, an der Rechten reißt sie ein älteres Kind der Unzucht mit sich. Ungestört konnte sich die Lüsternheit in dem kühlen, von Hecken und Arkaden umsäumten Idyll vermehren. Begleitet wird die fruchtbare Schönheit von einer Schar erschreckter Liebesdiener. Unstet schwirren ihre blauen, roten und weißlichen Schmetterlingsflügel in den Lüften. Derart sind si
e von der freien Tat der Göttin überrumpelt, daß sie die Gefahr in ihrem Rücken gar nicht bemerken. Unter einem Arkadenbogen tauchen auf einmal vier bewaffnete Putten auf. Drei haben den Kopf einer Eule, des Vogels der List, des Schlafes, des Inzestes und der Klugheit. Es sind die Eulen der Minerva, die, als fliegende Lustknaben getarnt, ihrer Herrin zu Hilfe eilen. Ein vierter Putto gleicht einem schnurrbärtigen Krieger. Mit der Strickleiter in der Hand wird er die eingemauerte Klugheit aus dem Verlies befreien.

Laster verwandeln die Menschen in monströse Mischwesen. Mitten im grünlichen Pfuhl stapft eine braunschwarze Kreatur davon, den Affenkopf zornig umgewandt, eine weibliche Brust auf der linken Seite des nackten Torso. Weder Mann noch Frau, weder Tier noch Mensch ist der Hermaphrodit, ein Lebewesen jenseits der Ordnung und Moral. Über der Schulter trägt er kleine Beutel mit den Saatgütern allen Übels. Ein viertes Säckchen enthält die Samen des Mißtrauens und der Zwietracht. Kleine Inschriften weisen die Figur als Sinnbild unvergänglichen Hasses aus, des Betrugs und der Verdorbenheit.

Auch der Zentaur, der mitten durch den Tümpel watet, ist ein Mischwesen. Als ständiger Begleiter der Torheit verkörpert er Unkeuschheit, Verblendung, Triebhaftigkeit. Sein grauer Unterleib ist übersät von den dunklen Flecken des Lasters. Haare und Bart schimmern grünlich, seine spitzen Ohren enden in Laubwerk. Wie Sirenen, Satyrn und Seenymphen ist der Zentaur ein Wesen von zwiespältiger Natur. Schaut man ihm in die Augen, glaubt man, einen Menschen vor sich zu haben; erblickt man seinen Körper, erkennt man das Ungeheuer.

Neben dem Zentaur stapft ein Satyr davon. Die Nase in dem katzenartigen Gesicht ist plattgedrückt, über dem linken Arm hängt ein Fuchsfell. Die azurblauen Flügel des goldhaarigen Amor auf seinem Arm sind ze
rbrochen. Nie mehr kann sich der Knabe der Wollust in die Lüfte erheben und seine Pfeile in die Herzen der Menschen schießen. Ungerührt sinniert der Satyr vor sich hin, aber sein Glied ist steif aufgerichtet. Seine Lust scheint unersättlich, seine Kraft unerschöpflich. Hinter dem Bockswesen verlassen zwei Nymphen den Paradiesgarten. Noch schmücken Festkränze ihr Haar, doch die Gesichter sind überschattet von Trauer und Sorge. Die eine stützt ihre Gefährtin, die mit gefalteten Händen schamvoll zu Boden blickt. Es ist die falsche Bescheidenheit, die sich kleinlaut aus den Gefilden der Tugend stiehlt, jene Maske des Hochmuts, welche stets die Verachtung verdeckt, mit der er auf die Welt hinabschaut.

Unbekümmert von der Hast ihrer fliehenden Schwestern und Gehilfen wiegt sich Venus Impudica auf dem Rücken des Zentauren. Den rechten Oberarm schmückt ein Ring mit Rubinen und Saphiren, über dem linken hängt der goldene Bogen, der die Wunden der Liebe zufügt. Halbnackt, mit lasziver Gelassenheit steht sie da, als ginge sie das Geschehen ringsum nichts an. Mit dem lächelnden Wissen der Unzucht verbirgt sie notdürftig ihre Scham. Das leichte Gewand enthüllt mehr, als es verdeckt. Wie ein Segel hält sie den Umhang über den Kopf. Noch immer träumt sie von ihrer Geburt aus dem Meer, von der Macht ihres Liebreizes, der betört, verlockt und verwundet. Es ist, als fühlte sie sich noch immer als wahre Königin auf Erden.

Die Krone der Laster jedoch trägt nicht die Göttin der Sinne, sondern die aufgeschwemmte Ignorantia, die Gleichgültigkeit. Nur mit Mühe können Habsucht und Undankbarkeit die Königin der Laster fortschleppen. Die Arme läßt sie baumeln, ihr Blick starrt teilnahmslos ins Leere. Der Ignoranz ist alles gleich. Die Vertreibung aus dem Paradies kümmert sie nicht. Habgier und Undank sind
ihre natürlichen Gehilfinnen. Auch sie sind Sünden des schäbigen Ungeistes, der Lust und Irrsinn zur Herrschaft verhilft. Es ist die Ignoranz, welche die Welt regiert. Allen anderen Lastern gewährt sie freie Hand. Alles läßt sie geschehen. Ihr Regime ist freizügig und grenzenlos. Die wahre Widersacherin der Klugheit ist nicht die Torheit, sondern die Gleichgültigkeit. Doch mit dem Angriff der Vernunft muß auch sie das Paradies verlassen und sich mit der Herrschaft über die Erde der Menschen begnügen.

Andrea Mantegnas spätes Gemälde von der Vertreibung der Laster aus dem Garten der Tugend bietet eine Allegorie auf den Zustand der Welt. Wo einst Schönheit, Weisheit und Gerechtigkeit wohnten, da haben sich Laster und Häßlichkeit eingenistet. Ein tiefer Schatten liegt über dem Halbrund des Paradieses. Monstren treiben ihr Unwesen, lüsterne Ungeister, die Leidenschaften der Wollust, Habgier und Streitsucht. Unter dem Szepter der Gleichgültigkeit konnten sie sich frei vermehren. Sie haben den Menschen, der von Anbeginn die Potenz zum Guten wie zum Bösen in sich trug, in ein sittenloses Triebwesen verwandelt. Ohne Abstand zu seinen Impulsen verliert er den Respekt vor dem anderen und vor der Welt. Unter der Tyrannei der Unmoral verfehlt er seine Bestimmung. Die Welt bedarf der Erneuerung. Nur eine kraftvolle Attacke der Vernunft vermag das Böse zu vertreiben. Erst die Renaissance der Tugend bringt die Gerechtigkeit zur Herrschaft und läßt die Künste wieder erblühen. In der Ferne glühen die Felsen in der Sonne des alten Abends, da die Eulen der Minerva ihren Flug beginnen.

*         *         *

Mantegnas Allegorie erinnert an eine zerronnene Hoffnung. Die moralische Verbesserung des Gattungswesens ist...


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