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Späte Früchte für die Seele

Gedanken, die das Alter erquicken. Empfohlen von 30 bis 1…
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Produktdetails

Titel: Späte Früchte für die Seele
Autor/en: Florentine Naylor

ISBN: 386614198X
EAN: 9783866141988
Gedanken, die das Alter erquicken.
Empfohlen von 30 bis 100 Jahren.
Zeitgut Verlag GmbH

1. August 2011 - gebunden - 125 Seiten

In 22 Einzelbetrachtungen schildert die Autorin Florentine Naylor den Alltag von heute aus ihrer Sicht als älterer Mensch und als Zeitzeugin mit acht Jahrzehnten Lebenserfahrungen. Liebevoll und wachsam lässt sie das Leben passieren und ermuntert ihre Altersgefährten, nur nicht abseits zu stehen: "Die Welt kann auch mit Gehwagen und Stöcken noch liebenswert sein", sagt sie und schreibt täglich weiter an den Gedanken, die das Alter erquicken. Warum gerade späte Früchte? Weil sie mit ihrer Reife besonders wertvoll und ausgewogen sind. Und weil es Florentine Naylor mit ihren Gedanken gelingt, die Seele älterer Menschen gegen die Härten des Lebens mit Streicheleinheiten zu rüsten. Ihre Geschichten stammen aus dem wahren Leben und sind doch Balsam für das Gemüt. Hinter den Gedanken, die sie anspricht, stecken liebevolle Anstöße für mehr Leben im Alter.
Der alte Küchentisch Winter und Weisheit Beisammensein in Travemünde Kinder, unsere lebenden Pfeile Und noch ein bisschen älter Pfingsten Wo die Seele wohnt Besuch auf dem Friedhof Shopping Von unserem Verhältnis zu den Dingen Mittsommer Berta, die gemeine Stubenfliege Gespräch mit meinem Quittenbaum Heupferd um Mitternacht Kassandra, die Spinne Mein Liebesverhältnis zur Vogelwelt Ameisen im Herbst Und schon wieder Schnee Der gute Freund
Florentine Naylor, geb. Jancke, geb. 1922 in Grünberg in Schlesien. 1942 Abitur in Lübeck, Studium für Journalismus in Berlin, abgebrochen. Ausbildung zur Keramikerin in Bunzlau, durch Kriegseinflüsse nicht vollendet. Seit 1943 mit dem Textilingenieur Hans Naylor verheiratet, 3 Kinder. 1953 nach Aalborg in Dänemark verzogen. 1956 nach Leiden, später nach Tilburg in Holland verzogen. Lebt seit 1968 wieder in Deutschland. Vereidigte Dolmetscherin der niederländischen Sprache. Tätig als Übersetzerin für Buchverlage und Gerichte. Lebt in der Nähe von Lübeck. Seit 1999 verwitwet.
Solarlicht in der Dämmerung

Solarlicht ist gespeicherte Sonne. Irgendwann hörte ich mal, dass Atlantis untergegangen sei, weil man derzeit die Kräfte der Sonne missbraucht habe. Das hatte mich sehr beschäftigt, und ich wollte auf keinen Fall Solarlämpchen im Garten haben. Eine energische Nichte, der ich von meinen Bedenken berichtete, sagte nur: "Quatsch! Mit diesen Lämpchen missbrauchst du doch das Sonnenlicht nicht! Im Gegenteil, du ehrst es durch deine Freude." Und schon am Tag darauf leuchteten die Lämpchen in meinem Garten. Und nun freue ich mich tatsächlich jede Nacht an ihnen, wenn sie bei Dämmerung zu leuchten beginnen. Und sie lassen mich daran denken, dass in der Dämmerung des Lebensabends oft auch die wundervollen Erinnerungen, Bilder und Erfahrungen zu leuchten beginnen.

Über das, was Alter ist, lässt sich ja kein allgemeingültiges Urteil fällen: Für den einen ist es Einsamkeit und Langeweile, für den anderen das freudlos dunkele Lebensende, das er fürchtet. Für den Dritten aber ist es 'der Berg Mose'. Der eine meint, es gehe endlos geradeaus. Der andere meint, dass es ein Abstieg sei, und der dritte empfindet es gar als einen Höhepunkt. Und jeder hat ein wenig Recht, denn jeder erlebt es, seiner Natur entsprechend, mal negativ, mal positiv. Im Grunde genommen geht man natürlich - wie auch sonst im Leben - von einem Tag zum anderen und wird älter, ohne es eigentlich zu bemerken. Und weil das Alter ein so heimlicher Vorgang ist, braucht man es nicht zu fürchten. Gäbe es keine Jahreszahlen, keine Spiegel und keine heranwachsenden Nachkommen, - man hielte sich für ewig jung. Der Geist altert nicht, im Gegenteil, angeblich wird er sogar jünger. Es ist nur der Körper, der uns gebrechlich macht. Auch ich habe körperliche Probleme, aber trotzdem halte ich es mehr mit dem 'Berg Moses'. Dort oben zu stehen und gelassen auf das Leben rundum hinunter zu schauen, ist ein großes Glück, das man sich, wenn es irgend geht, durch den Köper nicht ganz ve
rmiesen lassen sollte. Wir alle sind nur einmal im Leben alt. Es ist eine einmalige Erfahrung, der man mit einer gewissen Neugierde entgegen gehen sollte.

Ich selbst habe immer viel geschrieben. Gedanken zu Papier zu bringen, hat meinem Leben einen wunderbaren Halt und Inhalt gegeben. So lange mein Mann noch lebte, hatten meine Eintragungen meist Tagebuchcharakter. Das Buch, dem ich alles anvertraute, das mir Verständnis entgegen zu bringen schien, der stille Freund. Nachdem ich aber nun schon über zehn Jahre allein bin, möchte ich mit meinen Gedanken auch andere Freunde gewinnen, Menschen vielleicht, die die gleichen Probleme, Erlebnisse, Schmerzen und auch Freuden kennen, die meinen Alltag ausmachen.

Ich wünschte, ich könnte ihnen Mut machen und sie auch ein wenig trösten. Ich weiß, dass der hektische Alltag uns oft überfordert. Wir sind langsamer geworden. Aber was tragen wir auch alles mit an Erfahrungen, die nur wir haben und die zum Teil noch weit in die Vergangenheit hineinreichen?
Früher wurden die Alten um dieser Lebenslast willen hoch geehrt. Auch in den südlichen Ländern ehrt man das Alter. Bei uns ist das zwar nicht so ausgeprägt, aber man sollte dennoch stolz und dankbar sein, den vierten Lebensabschnitt, den Winter des Lebens, noch erreicht zu haben und erforschen zu können. Es gibt noch immer viel Interessantes zu entdecken und tatsächlich - die Welt ist auch mit Gehwagen und Stöcken noch liebenswert.

Solarlicht in der Dämmerung

Solarlicht ist gespeicherte Sonne. Irgendwann hörte ich mal, dass Atlantis untergegangen sei, weil man derzeit die Kräfte der Sonne missbraucht habe. Das hatte mich sehr beschäftigt, und ich wollte auf keinen Fall Solarlämpchen im Garten haben. Eine energische Nichte, der ich von meinen Bedenken berichtete, sagte nur: "Quatsch! Mit diesen Lämpchen missbrauchst du doch das Sonnenlicht nicht! Im Gegenteil, du ehrst es durch deine Freude." Und schon am Tag darauf leuchteten die Lämpchen in meinem Garten. Und nun freue ich mich tatsächlich jede Nacht an ihnen, wenn sie bei Dämmerung zu leuchten beginnen. Und sie lassen mich daran denken, dass in der Dämmerung des Lebensabends oft auch die wundervollen Erinnerungen, Bilder und Erfahrungen zu leuchten beginnen.
Über das, was Alter ist, lässt sich ja kein allgemeingültiges Urteil fällen: Für den einen ist es Einsamkeit und Langeweile, für den anderen das freudlos dunkele Lebensende, das er fürchtet. Für den Dritten aber ist es 'der Berg Mose'. Der eine meint, es gehe endlos geradeaus. Der andere meint, dass es ein Abstieg sei, und der dritte empfindet es gar als einen Höhepunkt. Und jeder hat ein wenig Recht, denn jeder erlebt es, seiner Natur entsprechend, mal negativ, mal positiv. Im Grunde genommen geht man natürlich - wie auch sonst im Leben - von einem Tag zum anderen und wird älter, ohne es eigentlich zu bemerken. Und weil das Alter ein so heimlicher Vorgang ist, braucht man es nicht zu fürchten. Gäbe es keine Jahreszahlen, keine Spiegel und keine heranwachsenden Nachkommen, - man hielte sich für ewig jung. Der Geist altert nicht, im Gegenteil, angeblich wird er sogar jünger. Es ist nur der Körper, der uns gebrechlich macht. Auch ich habe körperliche Probleme, aber trotzdem halte ich es mehr mit dem 'Berg Moses'. Dort oben zu stehen und gelassen auf das Leben rundum hinunter zu schauen, ist ein großes Glück, das man sich, wenn es irgend geht, durch den Köper nicht ganz vermie
sen lassen sollte. Wir alle sind nur einmal im Leben alt. Es ist eine einmalige Erfahrung, der man mit einer gewissen Neugierde entgegen gehen sollte.
Ich selbst habe immer viel geschrieben. Gedanken zu Papier zu bringen, hat meinem Leben einen wunderbaren Halt und Inhalt gegeben. So lange mein Mann noch lebte, hatten meine Eintragungen meist Tagebuchcharakter. Das Buch, dem ich alles anvertraute, das mir Verständnis entgegen zu bringen schien, der stille Freund. Nachdem ich aber nun schon über zehn Jahre allein bin, möchte ich mit meinen Gedanken auch andere Freunde gewinnen, Menschen vielleicht, die die gleichen Probleme, Erlebnisse, Schmerzen und auch Freuden kennen, die meinen Alltag ausmachen.
Ich wünschte, ich könnte ihnen Mut machen und sie auch ein wenig trösten. Ich weiß, dass der hektische Alltag uns oft überfordert. Wir sind langsamer geworden. Aber was tragen wir auch alles mit an Erfahrungen, die nur wir haben und die zum Teil noch weit in die Vergangenheit hineinreichen?
Früher wurden die Alten um dieser Lebenslast willen hoch geehrt. Auch in den südlichen Ländern ehrt man das Alter. Bei uns ist das zwar nicht so ausgeprägt, aber man sollte dennoch stolz und dankbar sein, den vierten Lebensabschnitt, den Winter des Lebens, noch erreicht zu haben und erforschen zu können. Es gibt noch immer viel Interessantes zu entdecken und tatsächlich - die Welt ist auch mit Gehwagen und Stöcken noch liebenswert.
Florentine Naylor



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