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Tote Augen

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Produktdetails

Titel: Tote Augen
Autor/en: Karin Slaughter

EAN: 9783641070632
Format:  EPUB
Originaltitel: Undone (USA)/ Genesis (UK) [Georgia 1].
Übersetzt von Klaus Berr
Random House ebook

5. November 2011 - epub eBook - 592 Seiten

Eine Folterkammer tief unter der Erde ...


Als Krankenhausärztin in Atlanta, Georgia, versucht Dr. Sara Linton, ihr Leben neu zu ordnen. Doch als es zu einer Reihe grausamer Folterungen und Morde kommt, kann die ehemalige Rechtsmedizinerin aus Grant County nicht tatenlos zusehen. Sie schaltet sich in die Ermittlungen von Will Trent und Faith Mitchell vom Georgia Bureau of Investigation ein, auch wenn die Ereignisse schmerzhafte Erinnerungen in ihr wecken, die sie eigentlich hinter sich lassen wollte ...


Sara Linton meets Will Trent.
Karin Slaughter, Jahrgang 1971, stammt aus Atlanta, Georgia. 2003 erschien ihr Debütroman Belladonna, der sie sofort an die Spitze der internationalen Bestsellerlisten und auf den Thriller-Olymp katapultierte. Ihre Romane um Rechtsmedizinerin Sara Linton, Polizeichef Jeffrey Tolliver und Ermittler Will Trent sind inzwischen in 37 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als 35 Millionen Mal verkauft worden.

PROLOG

Am heutigen Tag waren sie genau vierzig Jahre verheiratet, und Judith hatte noch immer das Gefühl, sie wisse nicht alles über ihren Ehemann. Seit vierzig Jahren kochte sie Henry das Essen, seit vierzig Jahren bügelte sie seine Hemden, seit vierzig Jahren schlief sie in seinem Bett, und er war ihr noch immer ein Rätsel. Vielleicht war das der Grund, warum sie das alles für ihn tat, ohne sich kaum je einmal zu beklagen. Es sprach schon sehr für einen Mann, wenn er einen nach vierzig Jahren noch immer interessierte.

Judith kurbelte das Autofenster herunter, um die kühle Frühlingsluft hereinzulassen. Das Zentrum von Atlanta war nur dreißig Minuten entfernt, aber hier draußen in Conyers fand man noch immer weite Flächen unerschlossenen Landes und sogar ein paar kleine Farmen. Es war eine stille Gegend, und Atlanta war gerade so weit entfernt, dass sie den Frieden genießen konnte. Dennoch seufzte Judith, als am fernen Horizont die Wolkenkratzer Atlantas auftauchten, und dachte, Zuhause.

Sie überraschte der Gedanke, dass Atlanta jetzt der Ort war, den sie als Zuhause betrachtete. Bis vor Kurzem war ihr Leben noch ein vorstädtisches, fast sogar ein ländliches gewesen. Weite, offene Flächen waren ihr lieber gewesen als die betonierten Bürgersteige der Großstadt, auch wenn sie zugeben musste, dass es nett war, so zentral zu leben, dass man zum Laden an der Ecke oder in ein kleines Café einfach zu Fuß gehen konnte, wenn man Lust dazu hatte.

Tage vergingen, ohne dass sie überhaupt in ein Auto steigen musste – ein Leben, wie sie es sich vor zehn Jahren noch nicht einmal erträumt hätte. Sie merkte, dass Henry es ähnlich empfand. Mit entschlossen hochgezogenen Schultern steuerte er den Buick über die schmale Landstraße. Nach Jahrzehnten des Fahrens über
so ziemlich jeden Highway und jede Interstate des Landes kannte er instinktiv jede Nebenstraße, jeden Schleichweg und jede Abkürzung.

Judith vertraute darauf, dass er sie sicher nach Hause brachte. Sie lehnte sich zurück, schaute zum Fenster hinaus und kniff dabei leicht die Augen zusammen, sodass die Bäume am Straßenrand unscharf wurden und wirkten wie dichter Wald. Mindestens ein Mal pro Woche fuhr sie nach Conyers, und jedes Mal hatte sie das Gefühl, etwas Neues zu sehen – ein kleines Haus, das ihr nie aufgefallen war, eine Brücke, über die sie schon geholpert war, die sie jedoch noch nie beachtet hatte. Das Leben war so. Man merkte gar nicht, was an einem vorbeizog, bis man ein wenig langsamer fuhr, um genauer hinzuschauen.

Sie kamen eben von einer kleinen Jubiläumsfeier zu ihren Ehren, die ihr Sohn organisiert hatte. Na ja, wahrscheinlich eher Toms Frau, die sein Leben organisierte wie Chefsekretärin, Haushälterin, Babysitterin, Köchin und – wahrscheinlich – Konkubine in einer Person. Tom war eine freudige Überraschung gewesen, seine Geburt ein Ereignis, das die Ärzte für unmöglich gehalten hatten. Kaum hatte Judith ihn zum ersten Mal gesehen, liebte sie jeden Teil von ihm, betrachtete ihn als Geschenk, das sie mit jeder Faser ihres Körpers umsorgen würde. Sie hatte alles für ihn getan, und jetzt, da Tom Mitte dreißig war, schien er immer noch sehr viel Fürsorge zu brauchen. Vielleicht war Judith eine zu konventionelle Ehefrau, eine zu unterwürfige Mutter gewesen, sodass ihr Sohn zu einem Mann herangewachsen war, der eine Frau wollte – und brauchte –, die alles für ihn tat.

Für Henry hatte Judith sich mit Sicherheit nicht zur Sklavin gemacht. Sie hatten 1969 geheiratet, zu einer Zeit, da Frauen tatsächlich andere Interessen haben konnten, als den besten Braten zu machen und die beste M
ethode herauszufinden, Flecken aus einem Teppich zu entfernen. Von Anfang an war Judith entschlossen gewesen, ihr Leben so interessant wie möglich zu gestalten. In Toms Schule hatte sie bei Veranstaltungen und Ausflügen die Aufsicht geführt. Sie hatte als Freiwillige im Obdachlosenheim des Orts gearbeitet und mitgeholfen, in der Nachbarschaft eine Recyclinggruppe zu organisieren. Als Tom dann älter wurde, hatte sie die Buchhaltung für eine örtliche Firma erledigt und in einer Sportgruppe der Kirche für Marathonläufe trainiert. Dieser aktive Lebensstil stand in deutlichem Kontrast zu dem ihrer Mutter, einer Frau, die am Ende ihres Lebens so verwüstet war von Geburt und Erziehung von neun Kindern, so ausgelaugt von den körperlichen Anstrengungen, die einer Farmersfrau abverlangt wurden, dass sie oft zu depressiv war, um überhaupt sprechen zu können.

Allerdings, das musste Judith sich eingestehen, war sie in diesen frühen Jahren selbst eine in gewisser Weise typische Frau gewesen. Es war zwar peinlich, das zuzugeben, aber Judith war aufs College gegangen, nur um einen Ehemann zu finden. Sie war in der Nähe von Scranton, Pennsylvania, aufgewachsen, einem so winzigen Dorf, dass es nicht einmal auf der Landkarte verzeichnet war. Die einzig verfügbaren Männer dort waren Farmer, und die waren an Judith kaum interessiert. Judith konnte es ihnen nicht verdenken. Der Spiegel log nicht. Sie war ein bisschen zu mollig, die Zähne standen ein bisschen zu weit vor, sie war ein bisschen zu viel von allem anderen, um zu den Mädchen zu gehören, die man in Scranton zur Ehefrau nahm. Und da war dann noch ihr Vater, ein strenger Zuchtmeister, den sich kein vernünftiger Mann als Schwiegervater wünschen würde, und auf jeden Fall nicht im Gegenzug für ein birnenförmiges Mädchen mit vorstehenden Zähnen, das kein Talent für die Farmarbeit hatte.


Tatsächlich war Judith immer die Ausnahme in der Familie gewesen, diejenige, die nicht recht dazupasste. Sie las zu viel. Sie hasste die Farmarbeit. Auch als junges Mädchen hatte sie sich nicht zu Tieren hingezogen gefühlt und wollte nicht verantwortlich sein für ihre Pflege und Fütterung. Keines von ihren Geschwistern war auf eine weiterführende Schule geschickt worden. Es gab zwei Brüder, die in der neunten Klasse die Schule verlassen hatten, und eine ältere Schwester, die ziemlich schnell geheiratet und sieben Monate später ihr erstes Kind geboren hatte. Wobei keiner sich die Mühe gemacht hatte, genauer nachzurechnen. Ihre Mutter, eine Meisterin der Verdrängung, hatte bis zu ihrem Tod behauptet, ihr Enkel sei schon als Kleinkind grobknochig gewesen. Zum Glück hatte Judiths Vater die Vorzeichen gesehen, was seine mittlere Tochter anging. Für sie würde es keine Vernunftehe mit einem der Jungs vom Dorf geben, nicht zuletzt deswegen, weil keiner von ihnen sie als vernünftige Partnerin betrachtete. Das Bibelcollege, entschied er, war nicht nur Judiths letzte, sondern ihre einzige Chance.

Mit sechs Jahren war Judith von einem Kieselstein am Auge getroffen worden, als sie hinter dem Traktor herrannte. Von diesem Augenblick an hatte sie immer eine Brille getragen. Wegen der Brille nahmen die Leute an, sie sei ein Kopfmensch, wobei das genaue Gegenteil der Fall war. Ja, sie las sehr gerne, doch ihre Vorliebe war eher der Groschenroman als die hohe Literatur. So war es überraschend – nein, eher schockierend –, dass an Judiths erstem Tag im College der Dozent ihr zuzwinkerte.

Erst hatte sie gedacht, er hätte etwas im Auge, doch Henry Coldfields Absichten wurden unmissverständlich, als er sie nach der Stunde beiseitenahm und sie fragte, ob sie mit ihm in den Drugstore gehen und eine Limonade trinken wolle. Das Zwinkern war offensichtlich Anfang und Ende seines
Draufgängertums. Henry war ein sehr schüchterner Mensch; was merkwürdig war, wenn man bedachte, dass er später der Spitzenverkäufer eines Spirituosengroßhandels wurde – eine Arbeit, die er auch drei Jahre nach seiner Pensionierung noch verachtete.

Judith nahm an, Henry konnte sich deshalb so gut anpassen, weil er Sohn eines Colonels der Army gewesen war, sodass sie sehr oft umziehen mussten und nie mehr als ein paar Jahre an einem Ort blieben. Es gab keine leidenschaftliche Liebe auf den ersten Blick – die kam erst später. Anfangs hatte Judith Henry einfach nur attraktiv gefunden, weil er sie attraktiv fand. Das war etwas ganz Neues für die Birne aus Scranton, aber Judith hatte sich schon immer ans entgegengesetzte Extrem der Marx’schen Philosophie gehalten – die von Groucho, nicht von Karl: Sie war mehr als bereit, jedem Club beizutreten, der sie als Mitglied aufnehmen wollte.

Henry war ein Club für sich selbst. Er war weder attraktiv noch hässlich, weder vorlaut noch schweigsam. Die Haare trug er ordentlich gescheitelt, sein Akzent war flach, und so war durchschnittlich das Wort, das ihn am besten beschrieb und das Judith in einem späteren Brief an ihre Schwester auch verwendete. Rosas Antwort lautete in etwa so: »Na ja, ich schätze, das ist das Beste, was du dir erhoffen kannst.« Zu Rosas Verteidigung muss man sagen, dass sie zu der Zeit mit ihrem dritten Kind schwanger war, während ihr zweites noch in den Windeln steckte, dennoch hatte Judith ihrer Schwester diese Kränkung nie verziehen – eine Kränkung, die ihr nicht gegen sie, sondern gegen Henry gerichtet erschien. Wenn Rosa nicht erkannte, was für ein besonderer Mensch Henry war, dann nur, weil Judith sich nicht gut ausdrücken konnte; Henry war viel zu vielschichtig für schlichte Wörter auf einem Blatt Papier. Vielleicht war es fü
;r alle am besten so. Rosas sarkastische Bemerkung hatte Judith einen Grund gegeben, mit ihrer Familie zu brechen und sich diesem zwinkernd introvertierten, sprunghaften Fremden in die Arme zu werfen.

Henrys draufgängerische Schüchternheit war nur die erste von vielen...


"Slaughters feines Gespür für Schock und menschliche Schwächen sorgt für raffinierte Spannung."

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Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Ein Sara-Linton-Roman mit Sara in einer kleinen Nebenrolle - von Mercator - 15.12.2014 zu Karin Slaughter „Tote Augen“
Ein Sara-Linton-Roman ist das nicht, denn sie trägt ja nicht wie früher in der Heimat auf dem Land ein gerüttelt Maß an Ermittlungsarbeit bei. Hier sollte wohl eine bekannte Figur als Aushängeschild die Fans von Dr. Sara Linton und Chief Tolliver bei der Stange halten, denn Sara spielt nur wenig mehr als eine Statistenrolle, die auch eine neue Romanfigur als Notaufnahmeärztin mit ganz eigenem Background gut hätte ausfüllen können. Dabei ist die Story an sich wirklich sehr gut. Sie ist spannend und fesselnd erzählt. Das Grauen in den Verliesen, das unerträgliche Leiden der überfahrenen Anna und auch die fiese, kaltschnäuzige Art der entführten Frauen sind ein ganz starker Teil des Romans. Nur mit den ermittelnden Hauptpersonen, den GBI-Agenten Will und Faith, kann ich mich nicht wirklich anfreunden, denn sie werden völlig überzeichnet. Ich weiß natürlich, das ist ein Roman und keine wahre Geschichte. Ich weiß auch, dass jeder Mensch sein ganz persönliches Päckchen zu tragen hat. Trotzdem habe ich mich ständig gefragt, wie ein Mann wie Will Trend, der durch eine Lese- und Schreibbehinderung die einfachsten Dinge während der Ermittlungen nicht selbstständig erledigen kann und die Hilfe der Kollegin benötigt (oder die seiner nymphomanischen Ehefrau), durch ein Studium und als Agent in eine gehobene Polizeibehörde wie das GBI gekommen sein soll. Und an Wills Seite sein (wie so oft in US-Romanen) durch selbstzerstörerischen Raubbau körperlich-mental ziemlich lädiertes weibliches Alter-Ego, die gute Faith: Schwanger, diabeteskrank, alleinerziehend, ohne feste Beziehung. Von allem viel zu viel, meiner Meinung nach. Trotzdem ein lesenswerter, spannender Roman, der einen nicht kaltlässt.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Sara Linton ist zurück!!! - von Daniel Schindler - 03.11.2013 zu Karin Slaughter „Tote Augen“
Sara Linton ist zurück. Ich habe lange gewartet bis ich diesen Thriller gelesen habe, da mir der letzte Thriller (Zerstört) nicht so gut gefallen hat. Und ich muss sagen, mit diesem Thriller ist Karin Slaughter eine super Fortsetzung der Sara Linton Reihe gelungen. Ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen. Unfassbar was den misshandelten Frauen wiederfahren ist. Man bekommt vor allem bei den Autopsien eine Gänsehaut und diese bekommt man so schnell auch nicht wieder los. Die Geschichte ist am Ende auch schlüssig und spannend bis zum Schluss. Nur Schade, dass man in diesem Buch nicht erfährt was in dem Brief steht. Schade fand ich auch den Tod von Jeffery am Ende des Buches Zerstört . Der Autorin ist es gut gelungen dem Leser nahe zu bringen wie sich Sarah nach dem Tod fühlt und was in der zwischenzeitlich passiert ist. Ich will unbedingt wissen wie es mit Sara Linton und Will Trent weiter geht. Haben die beiden vielleicht doch eine Zukunft? Und wie geht es mit Faith Mitchell weiter. Ich kann es kaum erwarten. Danke Karin Slaughter für diese tolle (und auch immer wieder schockierenden Fälle) Thriller Reihe!!!
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