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Als das Leben überraschend zu Besuch kam

Roman. Originaltitel: Notre Dame de l'Ile. 1. Aufl. 201…
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Produktdetails

Titel: Als das Leben überraschend zu Besuch kam
Autor/en: Caroline Vermalle

EAN: 9783838715124
Format:  EPUB ohne DRM
Roman.
Originaltitel: Notre Dame de l'Ile.
1. Aufl. 2012.
Übersetzt von Caroline Vermalle, Karin Meddekis
Bastei Entertainment

7. April 2012 - epub eBook - 287 Seiten

Eines Morgens wacht die dreiundsiebzigjährige Jacqueline auf und weiß: So kann es nicht weitergehen! Sie packt ihre Koffer und steht Stunden später vor dem Häuschen mit den blauen Fensterläden, in dem ihre Kusine Nane auf einer kleinen
bretonischen Insel lebt. In Nanes gemütlicher Küche gesteht Jacqueline ihrer Kusine, warum sie ihren Ehemann Marcel ohne ein Wort verlassen hat, und vertraut Nane schließlich den Traum an, der ihre Sehnsucht seit Jugendtagen immer wieder
beflügelt hat und den sie nun endlich leben will ...

3


29. MAI

Marcel hatte sich wohl wieder erholt, denn drei Wochen später fand Skiron, der Nordwestwind, ihn mitten in der Bahnhofshalle von Saint-Brieuc. Seine Augen hefteten sich auf die Namen der Zielbahnhöfe, die in einem Wirrwarr sich drehender Buchstaben auf der schwarzen Tafel entstanden. Die Abfahrtzeiten in Schwarz und Grün und die Menschen, von denen keiner sie war, machten ihn ganz nervös. Jacqueline hatte ihn nämlich verlassen. Als Marcel, der jeden Tag ein paar Runden im kalten Wasser des Ärmelkanals schwamm, nach Hause zurückgekehrt war, sah er, dass die Sachen seiner Frau verschwunden waren. In dem Haus herrschte plötzlich eine entsetzliche Leere, obwohl die Möbel noch da waren. Auch der Wagen stand in der Garage, also musste sie wohl heute Morgen den Zug genommen haben. Und jetzt klammerte Marcel sich mit seiner ganzen Hoffnung an den Fahrplan und fragte jede Stadt: »Haben Sie meine Frau gesehen?« Doch Jacquelines Zug war bereits in weiter Ferne. Wenn sie Marcel keuchend mit zugeschnürter Kehle dort stehen gesehen hätte, während sein Blick über die Schienen und die Gesichter irrte, wäre sie nicht gefahren. Doch sie sah ihn nicht, denn Marcel war erst gekommen, als ihr Zug schon in dem Gewirr der Schienen unter dem grauen Himmel untergetaucht war. Er war zum richtigen Ort gekommen, aber zu spät.

»Verzeihung, sitzt hier jemand?«

Von allen mit Gepäck belegten Plätzen in diesem Abteil musste die junge Frau ausgerechnet den auswählen, auf dem Jacqueline ihren Mantel, zwei Reisetaschen und die Handtasche abgelegt hatte. Jacqueline hob den Blick, doch als ihr einfiel, dass ihre Augen vielleicht verweint waren, wandte sie ihn schnell wieder ab.

»Nein, aber ...«, entgegnete sie mürrisch.

Widerwillig zerrte Jacqueline an ihrem Gepäck, ohne es jedoch von dem Si
tz zu nehmen, um dem Störenfried deutlich zu machen, dass ihre Besitztümer nirgendwo anders liegen konnten und dass die junge Frau sich einen anderen Platz suchen musste. Doch zu Jacquelines großer Verärgerung ergriff diese das Gepäck und warf es achtlos auf die Gepäckablage, die dafür vorgesehen war.

»Passen Sie auf, sonst geht noch was kaputt«, warf Jacqueline schüchtern ein.

»Sehen Sie, dann ist es da oben auch besser aufgehoben als vor meinen Füßen«, entgegnete die Fremde mit kaum verhohlener Ungeduld.

Die junge Frau ließ sich auf den Sitz fallen und klappte ungehalten die Armlehne herunter, die sie von Jacqueline trennte. Sie seufzte tief und schloss die Augen. Jacqueline seufzte ebenfalls. Diese Sitznachbarin, auf die sie gerne verzichtet hätte, passte mit der Dreistigkeit ihrer dreißig Jahre, in ihrer Jeans mit den ausgefransten Säumen und den maskulinen Gebärden in diese Zeit. Sie fühlte sich sicher wohl in dieser Welt, in der Bequemlichkeit und ein Mangel an Umgangsformen immer mehr um sich griffen und es an Respekt, Eleganz und gutem Benehmen mangelte. Es war wohl eher Jacqueline mit ihrem altmodischen Charme und dem zu jeder Jahreszeit passenden Lippenstift, die hier nicht mehr am rechten Platz war. Bei diesem Gedanken wanderten ihre alten Augen zu der Landschaft, die vorüberzog. Die verschwommenen Bäume versuchten vergebens, Jacquelines Blick auf sich zu lenken. Doch alles, was sie sah, waren die Schienen, denen sie nicht entrinnen konnte und die sie an kein Ziel brachten. Sie fuhr mit hoher Geschwindigkeit auf Marseille zu, aber was würde sie dort tun? Das Gesicht in dem Vorhang neben dem Fenster des Zuges versteckt, weinte sie leise, und sobald ein Tunnel kam, ließ sie ihren Tränen freien Lauf. Eine alte Dame, die ihre Traurigkeit in den Vorhängen eines Zugabteils verbarg.

»Guten Ta
g, meine Damen, Ihre Fahrausweise bitte ...«

Als Jacqueline dem Kontrolleur die Fahrkarte reichte und sich die Wangen mit der Rückseite ihrer eisigen Hand trocknete, bemerkte sie den verwunderten Blick des Mannes, mit dem er sie beide musterte. Jacqueline riskierte einen Blick nach rechts und sah, dass die junge Frau hemmungslos weinte, als sie dem Kontrolleur schniefend ihr Ticket gab.

»Vielen Dank, meine Damen«, sagte der Kontrolleur und ging mit betretener Miene davon. Dann kehrte er noch einmal zurück und sagte leise: »Ich ... hm ... In Wagen 14 gibt es Erfrischungen, falls Sie ... hm ... Schönen Tag noch.«

Die junge Frau drehte sich zu ihrer Sitznachbarin um, worauf beide lächeln mussten.

»Es gibt Tage ... verdammt ...«, begann die junge Frau.

»Ja, es gibt Tage, die sind nicht der Hit«, erwiderte Jacqueline und errötete.

»Ja, Sie haben recht, dieser Tag ist wirklich nicht der Hit«, sagte die junge Frau und putzte sich die Nase. »Ich glaube, ich gehe mal ins Bistro. Soll ich Ihnen etwas mitbringen?«

»Nein danke, das ist nett von Ihnen, aber ich brauche nichts.«

Die junge Frau ging davon und ließ Jacqueline allein mit den Vorhängen und der am Fenster vorbeiziehenden Landschaft zurück.

»Nicht der Hit.« Wie ungeschickt und dumm von ihr, so etwas zu sagen. Nein, das war keine glückliche Formulierung. Warum diese Redensart, die sie sonst nie benutzte? Sie wirkte mit Sicherheit unbeholfen und alt, und sie ärgerte sich, sich so blamiert zu haben. Jacqueline war auch ängstlich, denn in fünf Minuten, wenn ihre Sitznachbarin zurückkehrte, würde diese bestimmt ein Gespräch mit ihr beginnen. Die junge Frau hatte geweint. Sie musste Worte finden, um sie zu trösten. Wozu war es gut, schon so lange gelebt zu haben, wenn man nicht
die richtigen Worte des Trostes fand?

»Ich weiß nicht, warum Sie geweint haben, aber ich bin sicher, es kommt alles wieder in Ordnung.«

Nein. Nein, das würde sie nicht sagen. Dann konnte sie auch gleich sagen: »Weinen Sie nicht. Das ist lächerlich.«

Sie würde sagen: »Es gibt Tage ... es gibt Tage, die entscheiden darüber, ob sich das Leben zum Guten oder zum Schlechten wendet. Heute erscheinen einem solche Tage entsetzlich, aber morgen oder wenn man Bilanz zieht, sagt man vielleicht, dass es eine gute Entscheidung oder eine göttliche Fügung war. Ich weiß nicht, wovor Sie davonlaufen, Madame, ich weiß nicht, was Sie verlassen haben oder was Sie verlieren. Bei mir ist es meine Ehe. Sie ist zerbrochen, aber sie war im Grunde seit fünfzig Jahren zerrüttet.«

»Ihre Ehe ist seit fünfzig Jahren zerrüttet, und Sie gehen erst jetzt?«, würde die junge Frau antworten. »Warum sind Sie nicht eher gegangen, wenn Sie so unglücklich waren?«

Jacqueline suchte nach den richtigen Worten.

»Da fällt mir eine Geschichte ein«, würde sie schließlich sagen. »Ist es Ihnen schon einmal passiert, auf einer Hochzeit einzuschlafen? Vielleicht zu viel Champagner beim Empfang? Und dann viel später aufzuwachen, zu spät, in dem Augenblick, da alles vorbei ist ... Und am nächsten Tag sagt man Ihnen, dass es eine so fröhliche Hochzeitsfeier war, so lustig, so schön, die Reden, das gute Essen, das Tanzen, der Kuchen, die Männer ... Aber alles, was bleibt, sind schmutzige Gläser, Blumen, die bereits welken, und das Neonlicht, in dem alles ganz prosaisch aussieht. Ist Ihnen das schon einmal passiert?«

Die junge Dame würde die Frage verneinen, denn so etwas kam selten vor. Doch einer Cousine von Marcel war es vor langer Zeit bei einer H
ochzeitsfeier passiert. Jacqueline sah noch heute die Enttäuschung in den Augen der Neunzehnjährigen, als sie nach Hause zurückgekehrt waren, um sich schlafen zu legen. Ihr billiges Kleid war zerknittert und ihr Haar vom Schlaf zerzaust. Es war zwei Uhr in der Nacht, und sie bat um ihren ersten Tanz, doch es waren nur noch diejenigen da, die zu viel getrunken hatten. Also zwang sie sich, fröhlich zu sein, und das zerriss Jacqueline das Herz.

»Verstehen Sie, das ist so ähnlich wie bei mir. Ich bin mit siebzehn Jahren eingeschlummert und erst mit dreiundsiebzig wieder aufgewacht. Man sagte mir, es sei ein schönes Fest gewesen, aber ich habe alles verpasst. So ist es nun mal. Ich bin nicht früher gegangen, weil ich geschlafen habe, glaube ich.«

»Und eines schönen Morgens sind Sie aufgewacht?«

»Es war an einem Abend, und er war nicht schön.«

Als Jacqueline den fragenden Blick der jungen Frau spürte, fuhr sie fort. »Wie alt sind Sie? Sie sind noch keine fünfunddreißig ... Haben Sie Kinder?«

Die junge Frau würde antworten, ja, sie habe drei Kinder. Sie würde ihr das Alter und die Namen der Kinder nennen, die gerade modern waren, wie zum Beispiel Philémon oder Dylan. Oder Cerise.

»Ich wollte auch Kinder haben. Wissen Sie, als ich siebzehn war ...«

Doch nun beendete Jacqueline das imaginäre Gespräch. Es gab Dinge, für die ein Zug wirklich nicht der passende Ort war, um darüber zu sprechen. Und vor allem nicht über jene Dinge aus früheren Zeiten, die die jungen Leute von heute nicht mehr verstanden. So eine lange Zeit war es aber auch wieder nicht, kaum sechsundfünfzig Jahre. Doch das war das Geheimnis der Alten, dass es ihnen so vorkam, als wäre es gestern gewesen, obwohl sechsundfünfzig Jahre verstrichen waren.

»Nun, es ist nicht wi
chtig. Im Leben eines jeden Menschen gibt es Dinge, die er bereut, nicht wahr?«, fuhr Jacqueline fort.

»Und wohin fahren Sie jetzt?«, würde die junge Frau sie fragen.

»Ach, meine Liebe, ich weiß es nicht. Gestern Morgen bin ich am Bahnhof von Saint-Brieuc in den ersten Zug gestiegen. Und dann in einen anderen Zug und wieder in einen anderen. Ich finde das lustig, wissen Sie. Die Nacht habe ich in einem Hotel in Montgeon verbracht. Es war niemals mein Traum, nach Montgeon zu fahren. Ich habe...


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