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Von Paris nach Berlin zu Fuß und ohne Geld.
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Produktdetails

Titel: 34 Tage - 33 Nächte
Autor/en: Andreas Altmann

EAN: 9783492956352
Format:  EPUB
Von Paris nach Berlin zu Fuß und ohne Geld.
Piper Verlag GmbH

17. Juli 2012 - epub eBook - 256 Seiten

Andreas Altmann verlässt im Sommer 2003 seine Wohnung in Paris. Im Gepäck 2,77Euro, ein paar Salamischeiben, zwei Dutzend Zigarillos, Schlafsack, Kompass und ein Taschenmesser. Sein Ziel ist Berlin, sein fester Wille, den Zeitgenossen, die er auf seiner Fußreise trifft, ein paar Storys und ein wenig Geld zu entlocken. Wird er gastfreundlich bewirtet, bestens, hat er nichts zu essen, muss er hungern, wird er zum Übernachten in ein Haus eingeladen, warum nicht. Meist schläft er aber unter freiem Himmel oder sucht in großen Städten nach Notunterkünften. Altmann ist in erster Linie ein Geschichtensammler, der Menschen zum Reden bringt, der hinsieht und zuhören kann.
Andreas Altmann zählt zu den bekanntesten deutschen Reiseautoren und wurde u. a. mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis, dem Seume-Literaturpreis und dem Reisebuch-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen von ihm »Frauen.Geschichten.« sowie die Bestseller »Verdammtes Land. Eine Reise durch Palästina«, »Gebrauchsanweisung für die Welt« und »Gebrauchsanweisung für das Leben« und »In Mexiko«. Andreas Altmann lebt in Paris.

Elfter Juni


Gestern, so sagen jene, die ohne Zahlen nicht leben können, ging die Sonne zum 1825 Milliardsten Mal auf. Als ich ein Kind war und die größte Ziffer herausfinden wollte, schrieb ich auf ein Din-A4-Blatt lauter Neunen. Und Robert, mein Freund, schrieb daneben: »Und eins.« Robert war klüger als ich. Er hatte bereits begriffen, dass ein schnelles Ende nicht zu erwarten ist. Als ich um 6.14 Uhr die Haustür hinter mir schließe, denke ich an den Zwölfjährigen. Zum 1825 Milliardsten und ersten Mal geht die Sonne heute auf. Ich sehe in ihr Gesicht und fürchte mich. Seit Tagen glüht der Himmel.

Stiller, klarer Morgen, Paris s’éveille, Paris erwacht. Zwei Straßenkehrer öffnen einen Gully, Wasser spritzt, die Sonne leuchtet auf ihre schwarze Haut. Wir kennen uns flüchtig, noch nie haben wir miteinander geredet. Keiner von uns lächelt.

Nach dreizehn Minuten lege ich den ersten Pump an. Ich mag den Ausdruck, er steht bei Henry Miller, der zehn Jahre in Paris gelebt hat und bisweilen die Hand ausstrecken musste, um über den Tag zu kommen. Ich muss umgehend lernen, mich zu überwinden. Und die Scham auszuhalten, das Ausgeliefertsein, das ranzige Mitleid.

Als Anfänger betrete ich die erste Bäckerei und sage »Guten Morgen« und »Haben Sie etwas altes Brot für mich, bitte?« Die Bäckerin interessiert nicht einmal mein Bonjour, sie antwort »non« und wendet sich ab. Zwei weitere Pumps gehen daneben, das dritte Weib wirft mir noch die Moralkeule hinterher: »on n’a rien sans peine«, ohne Fleiß, kein Preis.

Frühbegabte sehen anders aus als ich. Aus drei von Kuchen und zwanzig Brotsorten überquellenden Läden hole ich nicht einen Zipfel. Immerhin lehren sie mich von Anfang an, was es geschlagen hat: Nieder
lagen zu verkraften.

Ich mag keine Verlierer. Noch weniger ertrage ich die pausenlosen Sieger. Ich will zu denjenigen gehören, die bauchlanden und wieder abheben.

Nach einer halben Stunde verlasse ich Paris. Nichts könnte der Stadt gleichgültiger sein. Keine vierzig Minuten sind vergangen, und eine erste Depression nagt. Jeffrey fällt mir ein. Ich merke, dass mein Hirn nach Erinnerungen sucht, die mich nähren, wenn es sein muss, peitschen: Richtung Osten, Richtung Berlin. Habe ich Glück, dann treffen in meinem Kopf die richtigen Bilder und Gedanken ein. Mit ihnen könnte ich es schaffen.

Jeffrey war ein homeless bum, ein obdachloser Nichtstuer, der ruhelos vor dem Haus, in dem ich in New York wohnte, auf und ab rannte. Als ich ihn nach dem Grund für seine Ruhelosigkeit fragte, meinte er: »Walking off my anger«, mir den Ärger aus dem Leib treten. Jeffrey tut gut, ich gehe schneller, will wütend sein wie er.

Durch Montreuil, die erste banlieue, den ersten Vorort. Banlieue ist ein sinniges Wort: »Bannmeile«, hier stranden jene, die es nicht nach Paris geschafft haben. Schon haben die Arbeitslosen auf den Terrassen der Cafés Stellung bezogen und richten sich ein für den Tag. Hier zahlen sie nicht für den Kaffee, hier zahlen sie für die Möglichkeit, möglichst lange hocken bleiben zu dürfen. Einer feilt mit einem Bimsstein die Nägel, einer redet mit sich selbst, einer bohrt in der Nase, bis das Blut den Zeigefinger herunterfließt.

Die nächsten drei Bettelgänge folgen. Ein Metzger schaut immerhin nach, ob irgendwo eine Wurst von vorgestern herumliegt. Rien, alles schon in der Mülltonne. Nicht, dass er auf die Idee käme, mir eine frische anzubieten. Ein Apfel aus einem Obstladen? Von wegen. Ich hole einen Mann mit zwei Baguettes auf der Straße ein. Ob er mir ein St&uu
ml;ck abtreten könne? Kommt nicht in Frage, das Brot gehöre ihm nicht. Ich frage einen vierten Mann nach dem Weg, ich will ins drei Kilometer entfernte Neuilly-sur-Marne, er sagt: »Das ist aber weit.« Er ist der Erste, der lächelt. Das erste Geschenk der Reise. Wie dankbar ich bin. Ich ahne, dass das Lächeln eines anderen mich ebenfalls nähren wird. Gerade dann, wenn nichts anderes den Hunger stillt.

Ich komme an einer Bushaltestelle vorbei, wo eine schöne Afrikanerin wartet. Eine Stelle aus Nelson Mandelas Autobiographie fällt mir ein, »Der lange Weg zur Freiheit«: Mandela beschreibt, wie er als junger Rechtsanwalt eines Morgens mit seinem Wagen an einer Endstation in Johannesburg vorbeikam und eine Frau bemerkte, die dazzling beautiful aussah. Die aufwühlend Schöne war Winnie, die bald darauf seine Frau werden sollte. Was wird aus der schönen Afrikanerin werden? Wird ihr der Himmel einen Mann wie Mandela schicken? Oder wird sie in Montreuil verwittern, alle Schönheit loswerden an der Seite eines Blinden, der nicht jeden Morgen das Lied ihrer Schönheit anstimmt?

Ich bin froh um die Assoziationen, die mir durch den Kopf schießen. Was lässt sich sagen über Vororte? Dass sie hässlich wie ein Kropf sind? Wer wüsste es nicht längst. So wäre die erste Entdeckung beim Gehen: Die Neuronen flitzen noch schneller, Gedanken sprudeln, das Hirn hat ein gesteigertes Bedürfnis nach Selbstgesprächen. Womit das genaue Gegenteil von dem passiert, was die Ergriffenen gerne berichten: Das Sprudeln legt sich, die Hirnströme verlangsamen sich, die Gedankenblitze werden rarer, Ruhe kehrt ein. Die Ergriffensten begegnen am Ende gar Gott. Beneidenswert.

In Fontenay-sous-Bois. Ich frage nach der Richtung, und einer weist sogleich nach vorne: »Nehmen Sie den Bus!« Die Stimme klingt eher barsch, so als ob Gehen eine unan
ständige Beschäftigung wäre. Seltsam, sie ist eine Form von Bescheidenheit und scheint gehörig zu irritieren.

Um 7.59 Uhr ist es so weit, jemand beschließt, mir Gutes zu tun. Ich betrete die Bäckerei Au Levain, zum Sauerteig, und die Frau Bäckerin öffnet eine Schublade und holt sechzehn Teile eines bereits zerkleinerten Baguettes heraus. Sie lächelt sogar. Der Herr Bäcker kommt auch, lächelt ebenfalls, beide erklären freundlich den nächsten Kilometer. Hinter dem zweiten Eck, als ich zu essen anfangen will, wird klar, dass ich vergessen habe, nach der Beißzange zu fragen. Um die harten Brocken mundgerecht zu zerkleinern. Ich finde einen Brunnen, halte die Steine unter das fließende Wasser, um sie aufzutauen. Bis jemand auf das Schild zeigt: Kein Trinkwasser! In der Kirche gegenüber frage ich nach dem Secours catholique, der Caritas im Lande. Ich finde die nahe Tür, aber der Eingang zum Sankt-Martin-Saal ist heute geschlossen. Ab diesem Augenblick weiß ich, dass man nur an bestimmten Tagen Hunger in Frankreich haben darf.

Zwei grundverschiedene Ausgangspositionen: Einer bettelt, weil er es bitter nötig hat. Und einer bettelt, weil er dafür bezahlt wird. Von seinem Verleger. Die Motive sind verschieden, die aktuelle Wirklichkeit ist die absolut gleiche: Wir beide hungern, wir beide sind Bittsteller und müssen uns ausliefern. Und mit dem Ergebnis fertig werden. Dem Hunger des einen wie dem Hunger des anderen ist es völlig egal, wie es zu dem beißenden Gefühl kam. Es beißt. Und das muss aufhören.

Weiter durch die Vorstädte, eine nach der anderen, in jeder wird man von der elenden Vorstellung heimgesucht, hier leben zu müssen. Wie privilegiert ich bin, ich muss nur ein einziges Mal hier durch.

Neuilly-Plaisance, ich bettle zum neunten Mal, ich bitte einen Mann um einen Euro. Er is
t gut vorbereitet, er sagt: »Geht nicht, ich bin arbeitslos.« Ich komme an Plakaten vorbei, die niedliche Haustiere zeigen: Campagne nationale contre les abandons, Kampagne gegen das Aussetzen von Hunden und Katzen. Sicher von Brigitte Bardot finanziert, die vor Tagen ein Buch veröffentlicht hat, in dem sie sich als Menschenhasserin und Tierfreundin outet. Ein Mann torkelt vorbei, lehnt sich an eines der Plakate. Er ist zu betrunken, um die Ironie der Situation zu erkennen. Aufrufe, sich um Männer zu kümmern, die, aufgegeben von allen, auch von sich selbst, durch Neuilly-Plaisance torkeln, finde ich nicht.

Um 12.22 Uhr mache ich eine erste Pause, in Chelles. Mit dem Taschenmesser zerlege ich die Baguette-Klumpen. Ich rutsche ab, die Klinge fährt in meinen rechten Daumen. Ich sauge das Blut aus der Wunde. Was mir seltsamerweise das Gefühl von Geborgenheit verschafft, von weniger Verlassensein. Aus dem Rucksack hole ich den mitgebrachten Proviant, die Reste aus meinem Kühlschrank. Ein Reflex aus Kindertagen, ich kann, ich darf nichts wegwerfen. Diese altmodische Ehrfurcht bin ich bis heute nicht losgeworden. Brot ist heilig, basta.

Der andere Grund für das Mitnehmen der sechzehn Salamischeiben und drei Äpfel war meine Mutlosigkeit. Den ersten Tag der Tour wollte ich behutsam beginnen. Ich ahnte bereits, dass mir keiner Kalbsfilets und Schinken-Sandwiches nachwerfen würde. Und dass ich ein paar Stunden Schonfrist einfordern dürfte. Um die Kunst des Bettelns zu üben, um den rechten Ton zu finden, jene Sprache, die verführt und weichspült.

Auf der anderen Straßenseite steht ein Supermarkt. Ich habe mir den Platz ausgesucht, um mich zu quälen, um möglichst früh mit den Härtetests zu beginnen. Ich sehe wohlgenährte Männer und Frauen vorfahren, im Geschäft verschwinden und mit vielen Taschen wieder herauskommen. Wahrhaft beneidens
wert leuchten ihre Gesichter. Die Aussicht, immer wohlgenährter zu werden, scheint sie zu erheitern.

Weiter. Weiterpumpen. Auch den Alten in Vaires-sur-Marne überrede ich nicht, er schwindelt: »Ich habe meine Börse zu Hause gelassen.« Ein vergesslicher Tropf, den Weg weiß er auch nicht, aber die nächste Haltestelle, die schon. Ich verstehe das Insistieren auf ein öffentliches Verkehrsmittel jetzt anders. Da es oft...


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