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Die Halbruhigen

Roman. 1. Auflage.
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Produktdetails

Titel: Die Halbruhigen
Autor/en: Simone Regina Adams

EAN: 9783841205599
Format:  EPUB
Roman.
1. Auflage.
Aufbau Digital

10. April 2013 - epub eBook - 271 Seiten

Es ist ein besonderer Ort, und er greift mehr als andere in das Leben von Christian Neumanns Familie ein: Ihr Haus steht auf dem Gelände der psychiatrischen Klinik, an der er Ende der siebziger Jahre Chefarzt ist. Seine Kinder sind auf seltsame Weise an den Alltag neben und mit den Patienten gewöhnt. Neumann aber fühlt sich zunehmend gefangen im starren Kliniksystem. Noch immer nutzt man Patienten als billige Arbeitskräfte aus, die Schlafsäle sind überfüllt, die therapeutische Begleitung ist unzureichend. Während er all das in Frage stellt und endlich Reformen durchsetzen will, widerfährt ihm etwas, was er sich weder erlauben noch verzeihen kann. Er verliebt sich in eine Patientin, und alles beginnt ihm zu entgleiten ... Dreißig Jahre später kehrt seine Tochter Edith an den Ort ihrer Kindheit zurück. Langsam versteht sie, in welcher Spannung zwischen Sicherheit und Freiheitsbedürfnis sich ihr Vater und alle, die mit ihm in dieser geschlossenen Welt lebten, damals befanden. "Ein dicht gewebter Text, beeindruckend und bildhaft." Jury des Werner-Bräunig-Preises.
Simone Regina Adams, geboren 1967 im Saarland nahe der deutsch-französischen Grenze, lebt in Freiburg im Breisgau. Nach fünfzehnjähriger Praxis als Psychotherapeutin entschied sie sich, hauptberuflich als Autorin zu arbeiten und Literaturwissenschaft zu studieren. Für den Roman "Die Halbruhigen" erhielt sie 2011 den Werner-Bräunig-Preis. In der Begründung der Jury heißt es, dass es sich um einen "sehr dicht gewebten Text aus der Endphase der siebziger Jahre handelt, der uns die fremde Welt der Psychiatrie auf beeindruckende, bildhafte Weise nahebringt".

II


Christian sah seinem Sohn hinterher, der durch den Flur zurück ins Esszimmer trottete. Dann schloss er die Tür, um noch einen Moment für sich zu haben.

Er wollte sich nicht verrückt machen lassen.

Das Ganze war unangenehm, peinlich, und vor allem ärgerte es ihn, dass ausgerechnet der Stationsarzt die beiden beobachtet hatte – aber verdammt, es waren Kinder. Tom hatte kaum begriffen, was passiert war, und Luzie überhaupt nicht.

Er setzte sich wieder an den Schreibtisch.

Nein, seine Kinder waren nicht in Gefahr. Es bekam immer jemand mit, was sie im Klinikgelände trieben, und hinterbrachte es ihm, so wie Lüdke, der Stationsarzt, an diesem Morgen. Obwohl Christian es anmaßend, geradezu vertraulich fand, wie Lüdke ihn am Ärmel gezupft und zur Seite gezogen hatte – dennoch, er konnte froh sein, dass er es erfahren hatte. Vor allem, bevor Ada davon wusste.

Denn das eigentliche Problem war Ada.

Nun würde es wieder einmal von vorne anfangen: Vorwürfe. Tränen. Abende, an denen sie so tat, als schliefe sie, wenn er sich zu ihr legte.

Dabei kam ein Umzug einfach nicht in Frage.

Er stützte den Kopf in die Hände.

Ada. Ständig hatte sie neue Wünsche und Ideen; wechselte, wenn nicht gerade die Frisur, dann wenigstens die Marke ihrer Zahnpasta; Kleider, Schuhe wurden angeschafft; Küchengeräte, die noch praktischer waren als jene, die sich bereits in den Schränken stapelten. Ständig mussten Dinge aus- und wieder eingeräumt werden, und wenn sie schon dabei war, stellte sie auch gleich die Möbel um. Immer wollte sie Veränderungen, nichts als Veränderungen – nur damit etwas verändert war!

Er glaubte nicht an einen Umzug. Dass dadurch alles anders, also besser würde.

Es gehe ihr ja nicht nur um die Kinder. Er solle auch meh
r Abstand zur Klinik haben. Öfter zu Hause sein. Bloß – wie sollte er öfter zu Hause sein, wenn er dauernd mit dem Auto unterwegs sein müsste? Dieser schlichten Logik war sie nicht zugänglich.

Die Kleinen, Tom und Luzie, könne sie nicht dauernd überwachen. Und mit Edith sei es auch nicht leicht. Drei Kinder, Haus und Garten – Ada war offensichtlich überfordert. Und das, obwohl Inka ihr einmal in der Woche half. Inka war schizophren, medikamentös jedoch gut eingestellt, und sie war zuverlässig. Er zahlte ihr ein großzügiges Taschengeld.

Ada war trotzdem überfordert.

Sie war verwöhnt – er wollte nicht so denken, doch je weniger er es sich erlaubte, desto mehr schien Adas Lamentieren es zu bestätigen. Sie war verwöhnt, empfindlich und labil.

Stets befand sie sich in einem Zustand kurz vor, mitten in oder unmittelbar nach ihrer Periode. Also in einem beklagenswerten Zustand, den er zu berücksichtigen hatte. Ein neurasthenisches Geschöpf mit Schmerzen und Migräne, das bei allem Klagen und Sich-ans-Kreuz-Fassen plötzlich zuschnappen konnte wie eine bissige Stute.

Nun war sie gerade heute einmal gutgelaunt gewesen. Das Essen auf dem Tisch, die Hemden frisch gebügelt – nach dem Bügeln verteilte Ada sie in der ganzen Wohnung; sie hingen am Türgriff, am Knauf der Kommode, sogar an der Stehlampe, die sich unter dem Gewicht der Holzkleiderbügel leicht zur Seite neigte.

Ada behauptete, die Hemden müssten auskühlen. Er hatte keine Ahnung, ob das stimmte oder ob die Zurschaustellung seiner Wäsche nicht viel eher dazu diente, ihm zu demonstrieren, wie viel Arbeit er ihr bereitete, indem er seine Hemden völlig durchschwitzte, manchmal sogar zwei am Tag. Als ob er das absichtlich täte!

Auch jetzt spürte er die feuchte Wärme unter seinen Armen. Am liebsten h&
auml;tte er sich noch geduscht, doch dafür reichte die Zeit nicht mehr. Er ging ins Bad, zog das Hemd aus und warf es in den Wäschekorb. Sein Gesicht kühlte er mit einem nassen Waschlappen, den er danach in den Nacken legte und mit einer Hand festhielt, während er ins Schlafzimmer schlich, um ein frisches Hemd aus dem Schrank zu holen.

Ada war sicher noch am Esstisch mit den Kindern.

Ruhig, sachlich und betont knapp hatte er ihr berichtet, was geschehen war. Sie wusste, dass er sich in seiner Mittagspause auf keine Diskussionen einlassen konnte.

Er wusste, dass die Auseinandersetzungen noch kommen würden.

Er ging zurück ins Bad, warf den Waschlappen zur Schmutzwäsche. Band seine Uhr um. Dachte an die Akte auf dem Schreibtisch – er kannte diesen Greiber. So wie jeden der Langzeitpatienten. Viele waren ebenso lange in der Klinik wie er, manche sogar länger.

Normalerweise ging er zu den Stationen oder ins Labor, wenn er Patientendaten brauchte. Diesmal hatte er die Sekretärin geschickt. Um Greiber nach dem Vorfall nicht mehr zu begegnen?

Im Arbeitszimmer setzte er sich wieder an den Schreibtisch. Sah auf das braune Deckblatt. Öffnete die Akte. Er überflog die ersten Seiten. Und lehnte sich mit einem schweren Ausatmen zurück.

Es waren Kranke.

Den Assistenzärzten predigte er, worauf es wirklich ankam in der Therapie: zu jedem der Patienten – und sei er dem Psychiater noch so fremd, ja, vielleicht sogar unsympathisch – eine menschliche Verbindung herzustellen. Ohne Sympathie ist keine Heilung möglich, immer wieder zitierte er hierbei Sándor Ferenczi, auch wenn die jungen Ärzte den nicht kannten; er formulierte es sogar mit noch mehr Emphase, selbst wenn sie daraufhin verlegen lächelten oder zu Boden sahen: ohne Liebe keine Heilung.

Und? Galt das nicht für alle? Also auch für J
ohann Greiber?

Früher hatte Christian die Erstgespräche durchgeführt, ohne die Akten vorher einzusehen. Um Menschen unbefangen zu begegnen, ohne Vorurteile. Einmal hatte er mit einem Studenten gesprochen, der Vertrauen fasste und ihm von seiner Leidenschaft fürs Kanufahren erzählte. Für Uferlandschaften schwärmte, die, wie er sagte, ganz anders aussähen, wenn man sie vom Wasser aus betrachten könne. Eine lange, angenehme Unterhaltung.

Erst danach hatte Christian gelesen, dass dieser junge Mann eine dreiundachtzigjährige Frau vergewaltigt und anschließend mit allem, was er greifen konnte, auf sie eingestochen hatte. Auf den Polizeifotos sah man die Tatwaffen: Küchenmesser, verbogene und blutverschmierte Gabeln, sogar ein Korkenzieher – ihm, Christian Neumann, damals schon Oberarzt und die rechte Hand von Professor Leinen, hatte es den Magen umgedreht wie bei der allerersten Obduktion.

Seither ging er nicht mehr unvorbereitet in die Erstgespräche.

Er versuchte, sich diesen Greiber zu vergegenwärtigen: die stumpfen, müden Augen, das Gesicht, aufgeschwemmt nach Jahren hochdosierter Neuroleptika, ein pädophiler, grenzdebiler – aber nein, so emotional, so undifferenziert durfte er an die Sache nicht herangehen! Immerhin, Greiber war kein Sadist, kein Mörder. Kein Jürgen Bartsch. Die Prozesse vor zehn Jahren hatte Christian genau verfolgt, so spektakuläre Fälle erlebte selbst er als Psychiater selten. Bartsch, im Blitzlichtgewitter unzähliger Kameras, mit gesenktem Kopf und scheuem Blick nach oben: Auf manchen Bildern sah er fast aus wie James Dean.

»Kirmesmörder« nannten ihn die Zeitungen. Die Jungen, alle zwischen acht und zwölf, hatte er auf Rummelplätzen angesprochen und in sein Versteck gelockt. Dort hatte er sie tagelang misshandelt und gequält, bevor er sie tötete.

Weit we
g von jeder Psychiatrie.

Vielleicht waren die Kinder hier ja sicherer als in der Stadt.

Nun, die Akte Greiber. Sein IQ lag knapp unter 50 – eine leichte bis mittelgradige Oligophrenie. Er war nicht pädophil im eigentlichen Sinne, sondern völlig triebgesteuert und enthemmt. Auch junge Frauen hatte er sexuell belästigt, bloß waren sie von der Geschlossenen aus für ihn nicht mehr erreichbar. Im Gegensatz zu meinen Kindern, dachte Christian. Und klappte die Mappe zu.

Es waren seine Kinder, die dort unten auf dem Gehweg gestanden hatten, seine Kinder, denen Greiber durch das Fenstergitter Fünfzigpfennigstücke hingeworfen hatte – mit der einen, freien Hand, dabei mit der anderen masturbierend; beim Gedanken daran, dass Tom die Münzen eingesammelt hatte, beim Gedanken daran, dass er, Christian, sie eben aus den Hosentaschen seines Jungen hatte holen müssen, bei all diesen Gedanken wurde ihm so übel, dass er ohnehin nichts mehr zu Mittag hätte essen können, selbst wenn dazu jetzt noch Zeit gewesen wäre. Und an Luzie durfte er dabei nicht einmal denken, sonst …

Genug.

Er stand auf, ging in die Küche.

Ada war dabei, den Esstisch abzuräumen.

Er verabschiedete sich mit einem Kuss auf ihre Wange. Es war ein Kuss, der keinen weiteren Kommentar zum Vorgefallenen zuließ. Bevor er ging, holte er die Akte aus dem Arbeitszimmer.

Es war wichtig, sich Gefühle und Gedanken zu vergegenwärtigen.

Doch genauso wichtig war es, dass sie nicht sein Verhalten beherrschten.

Die Klinik war ihm immer schon wie eine alte Dame vorgekommen, respektabel, beinahe ehrfurchtgebietend, mit ihrer Fassade aus rostrotem Sandstein und dem Rondell davor, stets frisch bepflanzt mit gelben und violetten Stiefmütterchen, einer Brosche vor dem gepflegten Dekolleté.

Am Hauptportal erhoben sich – wie s
chön geschwungene Augenbrauen – die Fensterbögen, durch die das Licht der Kronleuchter nach außen fiel. Die vorderen Gebäude, in denen nur Verwaltungsräume lagen, waren flankiert von Rotbuchen und riesigen Kastanienbäumen, umgeben von einem Mantel...


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