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Reise ans Ende der Nacht

Roman. Ausgezeichnet für die Neuübersetzung mit dem Paul-Ce…
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Produktdetails

Titel: Reise ans Ende der Nacht
Autor/en: Louis-Ferdinand Céline

ISBN: 3498009265
EAN: 9783498009267
Roman. Ausgezeichnet für die Neuübersetzung mit dem Paul-Celan-Preis 2004.
Originaltitel: Voyage au bout de la nuit.
5. Auflage, Neuübersetzung.
Übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel
Rowohlt Verlag GmbH

21. März 2003 - gebunden - 672 Seiten

Der erbarmungsloseste Roman des 20. Jahrhunderts
Mit "Reise ans Ende der Nacht" begann ein neues Kapitel in der Geschichte des Romans: ein wilder Aufschrei gegen die Verkommenheit einer Welt, die alle ihre Rechnungen auf Kosten der Armen begleicht, einer Welt, in der Hass und Niedertracht regieren. Kein anderer Roman räumt so radikal mit dem schönen Schein des Bürgertums auf; vor Céline hat kein Autor eine so unversöhnlich wütende Sprache gefunden.
"Ein Übersetzungs-Meisterwerk." (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
Erzählt wird die Lebensreise des Ferdinand Bardamu. Der Medizinstudent meldet sich zur Mobilmachung 1914 als Freiwilliger, doch schnell lernt er den Krieg als einen apokalyptischen Kreuzzug zur Vernichtung der "lästigen Armen" kennen. Nach dem Krieg verschlägt es Bardamu nach Afrika; er erlebt Lüge und Elend des Kolonialismus und wird schließlich todkrank von Eingeborenen auf eine Galeere Richtung Amerika verschachert. Schließlich kehrt er nach Frankreich zurück und wird Armenarzt. Auch dort hat er die gleichen Erlebnisse, die nach Célines Erfahrung das menschliche Dasein ausmachen: Armut und daraus folgend: Hass, Gemeinheit und Verbrechen - die "Reise" zeichnet sich durch eine schockierend genaue und düstere Wiedergabe sozialer Verhältnisse aus. Um diese "höllisch reale" Menschenwelt entstehen zu lassen, schuf Céline eine eigene Sprache voller Stilbrüche, zwischen Argot, Hoch- und Kunstsprache, die erst in der Übersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel auch auf Deutsch zu ihrem Recht kommt.
Louis-Ferdinand Céline (eigentlich Louis-Ferdinand Destouches), geboren 1894 in Asnières, nahm am Ersten Weltkrieg teil, studierte Medizin, war Armenarzt in einer Pariser Vorstadt, bevor er als Romancier und Essayist bekannt wurde. Seine bekanntesten Werke: «Reise ans Ende der Nacht», «Guignol's Band I/II», «Tod auf Kredit». War umstritten wegen seiner antisemitischen Äußerungen, floh gegen Kriegsende nach Dänemark und wurde in Abwesenheit wegen Kollaboration verurteilt, später rehabilitiert. Céline starb 1961 in Meudon.




Der 1932 erschienene und jetzt neu wieder ins Deutsche übertragene Roman stellt für die französische Literaturgeschichte eine Art Meilenstein dar, und so sollte man ihn auch lesen: weniger in der Erwartung, eine zeitgemäße Geschichte erzählt zu bekommen, sondern eher mit dem Interesse, einen bedeutenden Roman unseres Nachbarlandes zu studieren.

Geboten wird die Lebensgeschichte des Ich-Erzählers Ferdinand Bardamu, der eine "große Reise" unternimmt und dabei bei seinen Stationen "in der Wirklichkeit" auch bei den Höhen und Tiefen seiner illusionslosen, teuflich bewussten und aggressiven Seele verweilt. Er scheitert, fällt auf die Schnauze, rappelt sich auf, scheitert wieder und "kommt durch". So erschüttert der Weltkrieg, den er als Freiwilliger an der Westfront erlebt, seine Moralvorstellungen, und er lernt den Deserteur Robinson kennen, der im Laufe des Romans immer mal wieder vorbeischaut und der in vielerlei Hinsicht das genaue Gegenteil des Erzählers darstellt. Er kommt herum, der Bardamu, er ist in Afrika, gelangt nach Amerika, macht sich dort unentbehrlich und kehrt doch wieder nach Frankreich zurück. Dort stellt sich heraus, dass es immer wieder Robinson war, der ihn scheitern ließ, doch als der ehemalige Derserteur zum Schluß erschossen wird, macht Bardamu seinen Frieden mit ihm.

Sprachlich wirkt das Ganze betulich und ist weit entfernt davon, jene Provokatioon auszulösen, die die Zeitgenossen so aufgebracht hat. Denn so wie Celine schrieb, wagte vor ihm keiner zu schreiben. Ihm kommt das Verdienst zu, den französichen Slang gewissermaßen literaturfähig gemacht zu haben. Heute also wirkt das etwas angestaubt, als Dokument des Werdens uns Scheiterns eines Menschen jedoch von nach wie vor sozusagen zeitlosem Reiz.

© Andreas Reikowski

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