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Zehn oder fünfzehn der glücklichsten Momente des Lebens

Roman. Originaltitel: Oxygen.
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Produktdetails
Titel: Zehn oder fünfzehn der glücklichsten Momente des Lebens
Autor/en: Andrew Miller

ISBN: 3552052232
EAN: 9783552052239
Roman.
Originaltitel: Oxygen.
Übersetzt von Nikolaus Stingl
Zsolnay-Verlag

3. Februar 2003 - gebunden - 336 Seiten

Alice Valentine, die resolute und geliebte Direktorin einer Schule im Westen Englands, ist unheilbar krank und kämpft darum, ihr Leben in Würde zu beenden. Alec, ihr jüngerer Sohn, fühlt sich als Versager, besonders im Vergleich zu seinem Bruder Larry, der als Tennisstar nach Amerika gegangen ist und immerhin eine Hauptrolle in einer "soap opera" gespielt hat. Dass er inzwischen in schmuddeligen Pornofilmen spielt und seine Familie auseinanderzubrechen droht - davon wissen Mutter und Bruder nichts. Mit diesem Familienroman erweist sich Andrew Miller einmal mehr als einzigartiger Chronist des menschlichen Herzens und der menschlichen Seele.
Andrew Miller wurde 1960 in Bristol geboren und lebt heute in Somerset. Alle seine Romane sind auf Deutsch bei Zsolnay erschienen, darunter 1998 Die Gabe des Schmerzes, für den er den Impac Dublin Literary Award bekam, und 2013 Friedhof der Unschuldigen, ausgezeichnet mit dem Costa Book of the Year Award. Sein neuer Roman Nachts ist das Meer nur ein Geräusch wurde 2017 veröffentlicht.

Im haus schlugen die Uhren seines Vaters die Stunde. Schwach drangen die Klänge zu der Stelle hinaus, wo er im Garten stand, ein schlanker junger Mann in Sommerpullover und formloser blauer Hose, der sich mit der Ecke eines zerknüllten Taschentuchs die Brillengläser putzte. Er hatte die vergangene Stunde damit zugebracht, mit dem Schlauch die Blumenbeete zu sprengen und den Boden um die jüngeren Bäume herum gründlich zu wässern, wie man es ihm aufgetragen hatte. Nun ging er, nachdem er den Schlauch sorgfältig zusammengerollt hatte, zurück in Richtung Haus, beschattet von einer Katze, die sich zwischen den Stengeln der Rittersporne, Pfingstrosen und des orientalischen Mohns hindurchschob. Oben im Haus schien das Licht in Alices Zimmer trübe zwischen halbgeöffneten Vorhängen hervor.
Es war in der Abenddämmerung des dritten Tages seit seiner Rückkehr nach Brooklands, in das Haus im West Country mit seinen grauen Steinmauern, dem braunen Ziegeldach und dem verfallenden Gartenhaus, wo er die ersten achtzehn Jahre seines Lebens verbracht hatte. Seine eigene kleine Wohnung in London war verschlossen, und sein Nachbar, Mr. Bequa, dessen Kleidung eine ganz eigene Atmosphäre von schwarzem Tabak und mißglückten Kochversuchen ausdünstete, hatte sich bereit erklärt, ihm die Post nachzuschicken, obwohl da nicht viel zu erwarten war. Bequa war sogar auf die Straße heruntergekommen, um
ihn zu verabschieden, und hatte dies, weil er wußte, wohin Alec fuhr und warum, mit ausufernd melancholischer Geste getan - »Auf Wiedersehen, lieber Alec! Nur Mut! Auf Wiedersehen!«
Wandsworth Bridge, Parsons Green, Hammersmith. Dann auf der M4 Richtung Westen, vorbei an vorstädtischen Supermärkten und Rapsfeldern. Eine Fahrt, die er, seit Alices Krankheit diagnostiziert worden war, so oft gemacht hatte, daß er die ganze Strecke häufig wie abwes
end zurücklegte und ganz verblüfft war, wenn er bei der Geflügelfarm um die letzte Ecke bog und sich der Himmel vor ihm in leuchtenden Schichten zur Flußmündung und nach Wales hin absenkte. Diesmal jedoch war ihm, während jeder vertraute Orientierungspunkt im Rückspiegel kleiner geworden und schließlich verschwunden war, alles unwiederbringlich erschienen, und als er seinen Koffer in den Eingangsflur von Brooklands trug, hatte er mit absoluter Sicherheit gewußt, daß dies seine letzte wahre Heimkehr war und daß demnächst eine Hälfte seines Lebens wegbrechen würde wie Tonnen von Erde bei einem Erdrutsch. Eine Viertelstunde lang stand er da, umgeben von der formlosen Masse von Mänteln und Hüten, alten Stiefeln und alten Tennisschuhen, und starrte das überscharfe Foto an, das an der Wand neben der Zwischentür hing: er selbst, Larry und Alice - Stephen mußte es aufgenommen haben - Arm in Arm im verschneiten Obstgarten, vor zwanzig Jahren. Und er hatte den Kopf geneigt, als er von oben das Gedudel aus dem Radio seiner Mutter und ihr rasselndes Husten hörte, und sich gefragt, was ihm eigentlich Halt geben könnte. Wo um alles in der Welt er Trost und Erleichterung finden könnte.

Vom Garten her gelangte man über ein paar moosbewachsene Stufen, die vom Rasen auf die Terrasse führten, und durch die Glastür zur Küche ins Haus. Hier, auf der abgetretenen Fußmatte, zog Alec seine Schuhe aus und ging durch das Haus zur Treppe, wobei er hoffte, daß Alice schon eingeschlafen war und ihn nicht brauchte. Sie hatte sich geweigert, sich im Erdgeschoß ein Zimmer herrichten zu lassen, obwohl alle - Dr. Brando, die Gemeindeschwester Una O'Connell und sogar Mrs. Samson, die, solange Alec zurückdenken konnte, einen Vormittag in der Woche kam, um das Haus zu putzen - gesagt hatten, wieviel praktischer das sei und wieviel leichter
es ihr dann an guten Tagen falle, in den Garten zu gelangen. Gab es denn nicht das ideale Zimmer im Erdgeschoß, das seit Jahren nichts anderes gesehen hatte als das tägliche Hinwegstreichen des Sonnenlichts über den Spiegel? Aber Alice hatte sie alle angelächelt wie ein Kind, das durch Krankheit zu etwas Besonderem, über jeden Tadel Erhabenen geworden ist, und gesagt, sie sei zu sehr an die Aussicht gewöhnt, an den Kartoffelacker, die Kirche, die Hügelkette in der Ferne (wie ein Junge, hatte sie einmal gemeint, der auf dem Bauch im Gras liegt). Und außerdem habe sie ihr Schlafzimmer schon immer im ersten Stock gehabt. Es sei zu spät, damit anzufangen, »das ganze Haus umzuräumen«. Damit war das Thema erledigt, obwohl Alec einen zornigen Moment lang große Lust verspürt hatte, ihr zu sagen, wie es war, ihr zuzusehen, der zwanzigminütigen Tortur, wenn sie sich Stufe für Stufe, die Finger wie Krallen um das Geländer geklammert, zum Treppenabsatz hinaufschleppte.
Mit einigen Maßnahmen hatte sie sich immerhin einverstanden erklärt. Sie duschte im Sitzen, anstatt zu baden, das Klo war mit einer erhöhten Brille ausgestattet, und Alec hatte bei seinem letzten Besuch eine Klingel installiert, das Kabel vom Zimmer aus die Treppe hinuntergeführt und
das Klingelgehäuse an einem Balken bei der Küchentür angeschraubt. Es hatte sogar ein bißchen Gelächter gegeben, als sie sie ausprobierten: Alice drückte den weißen Knopf neben ihrem Bett (und beschwerte sich, das Ding klinge wie das Tauchsignal eines U-Boots), während Alec durchs Haus ging, um festzustellen, wie weit die Klingel zu hören war, und dann in den Garten hinaus, von wo aus er Una, die sich wagemutig aus dem Schlafzimmerfenster lehnte, mit hochgerecktem Daumen signalisierte, daß es funktionierte. Doch bis zum Abend war Alice zu dem Schluß gekommen
, die Klingel sei »albern« und »vollkommen unnötig«, und sie hatte Alec angesehen, als wäre die Installation taktlos gewesen, als wäre die Klingel nur ein weiteres Utensil im Drum und Dran ihrer Krankheit. Ein weiterer unausweichlicher Beweis für ihren unausweichlichen Zustand.

Sie schlief nicht, als er in ihr Zimmer kam. Gegen die Kissen gelehnt, lag sie in Nachthemd und wattiertem Morgenmantel im Bett und las ein Buch. Im Zimmer war es sehr warm. Die Sonnenhitze steckte noch in den Dachbalken, und die Heizung war hochgedreht, so daß alles seinen besonderen Geruch ausschwitzte, eine halb intime, halb medizinische Stickigkeit, die wie ein Sediment in der Luft hing. Vasen mit Schnittblumen, teils aus dem Garten, teils von Freunden, sorgten für eine Beimischung von gewächshausartiger Süßlichkeit, und es gab ein Parfüm, das sie als eine Art luxuriösen Luftauffrischer versprühte, der kaum etwas überdeckte, den Alec jedoch jedesmal noch eine Stunde nachdem er das Zimmer verlassen hatte, im Mund schmecken konnte.
Reinlichkeit - oder auch nur deren Illusion - war ihr mittlerweile zur fixen Idee geworden, als wäre die Krankheit ein Phänomen, ein hygienisches Versäumnis, das sich hinter Duftschleiern verbergen ließe. Jeden Morgen und jeden Abend wusch sie sich eine Stunde lang mit katzenhafter Sorgfalt in dem zu ihrem Schlafzimmer gehörenden Bad, die einzige wirkliche körperliche Arbeit, die sie noch verrichtete. Doch keine Seife, keine Nachtcreme und kein Lavendel-Duschgel konnte vollständig überdecken, was von den Katastrophen in ihrem Inneren nach außen durchsickerte, wenn auch nichts je so f

"Sein beeindruckendes Buch hat Tiefgang und - Witz. Beides macht die Lektüre, trotz des düsteren Themas, zum Genuss." Renate Dubach, Berner Zeitung, 20.02.03 "Sein ernstes Thema und die überragende sprachliche Kraft dürften den Roman für viele wirklich zu einem der zehn oder fünfzehn glücklichsten Bücher des Lebens machen." Joachim Scholl, Die Welt, 15.03.03 "Mit diesem Buch hat sich Andrew Miller endgültig in die erste Liga der zeitgenössischen britischen Literatur geschrieben. Die große Ernsthaftigkeit des Buches, dessen kühne Konstruktion und Millers klare Sprache, die mit Gelassenheit dahinfließt und doch immer wieder zu überraschenden Bildern gefriert, machen das Buch zu einem Roman, der zehn oder fünfzehn der glücklichsten Momente des Lesens garantiert." Thomas David, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.03 "Dieser Roman verfolgt in Episoden die Bemühungen besonders liebenswerter Glücksjäger: Zwei Söhne treffen sich wieder am Sterbebett der Mutter, ein alter ungarischer Revolutionär muss sich der Vergangenheit stellen. Ein Buch, das beweist, dass auch Lesen in aller Ruhe glücklich machen kann." Brigitte, 09.07.03 "Millers Roman ließe sich als Untersuchung des Lebensglücks definieren, als Beschreibung seiner Flüchtigkeit, seiner launischen Wendungen. Das mag banal klingen - der Roman ist es nicht. Im Gegenteil - Millers Buch erzielt seine leuchtende erzählerische Stringenz gerade in der Untersuchung des Alltäglichen, ohne jede Effekthascherei - und doch entfaltet der Roman jene erzählerische Suggestion, der Miller den Erfolg seiner früheren Bücher verdankt." Tilman Urbach, Neue Zürcher Zeitung, 19.11.03

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