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Im Grenzland

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Produktdetails

Titel: Im Grenzland
Autor/en: Sherko Fatah

ISBN: 3442730597
EAN: 9783442730599
Roman - Ausgezeichnet mit dem aspekte-Literaturpreis.
'btb'.
btb Taschenbuch

1. Mai 2003 - kartoniert - 188 Seiten

Ausgezeichnet mit dem "aspekte"-Literaturpreis für das beste Prosadebüt 2001

Eine verminte Grenze, die Familien trennt, Liebende auseinanderreißt, Menschen zerstört. Aus dem kurdischen Niemandsland zwischen Iran, Irak und Türkei, in dem die Geschichte spielt, kam auch der Vater von Sherko Fatah, der literarischen Entdeckung des Jahres 2001. In seinem von der Kritik hymnisch gelobten Debüt erzählt er die Geschichte eines Grenzgängers. Der Mann ohne Namen arbeitet als Schmuggler im verminten Gelände. Er hat einen Pakt mit den Minen geschlossen: Solange er sie nicht verrät, verraten sie auch ihn nicht. Doch als sein Sohn verschwindet, ist auf einmal alles anders. Aus Liebe macht er sich auf die Suche nach ihm - ein gefährliches Unterfangen.


Sherko Fatah wurde 1964 in Ost-Berlin als Sohn eines irakischen Kurden und einer Deutschen geboren. Er wuchs in der DDR auf und siedelte 1975 mit seiner Familie über Wien nach West-Berlin über. Er studierte Philosophie und Kunstgeschichte. Für sein erzählerisches Werk hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten, zuletzt den Großer Kunstpreis Berlin der Akademie der Künste und den Adelbert-von-Chamisso-Preis 2015, außerdem den Aspekte-Literaturpreis für den Roman "Im Grenzland". Er wurde mehrfach für den Preis der Leipziger Buchmesse (2008 mit "Das dunkle Schiff", 2012 mit "Ein weißes Land") nominiert und mit "Das dunkle Schiff" auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2008 gewählt.
Als der zugereiste Gast von dem Trauerfall hörte, war der Schmuggler schon seit Tagen unterwegs. Ohne vom nunmehr offiziell bestätigten Tod seines Sohnes zu wissen, hatte sich der Mann auf den Weg gemacht. Vorher jedoch verließ er den Rest seiner Familie, seine Frau und die beiden halbwüchsigen Kinder. Als ahnte er etwas vom Bevorstehenden, hatte der Schmuggler begonnen, die Brücken hinter sich abzubrechen.
Die letzten Tage vor seinem Aufbruch übernachtete er im Hause seiner älteren Schwester, einer stillen, kleinen, aber in allem, was sie tat, beharrlichen Frau, die mehrfach versuchte herauszufinden, was mit ihm geschehen war. Aber der Schmuggler schwieg, und wahrscheinlich tröstete sie sich damit, daß es sich nur um eine vorübergehende Krise handele. Mit der Nachricht vom lange zurückliegenden Tod des Jungen hatte sich nun alles in nicht abzuschätzender Weise verschlimmert.
Der Gast sah seine ihm bis dahin nur aus Erzählungen bekannte Tante, bei der er für die kurze Zeit seines Aufenthaltes wohnte, wie einen Geist durch das Haus huschen. Wie sie fragte er sich, was der Schmuggler tun würde, wenn er zurückkäme und das erführe, was er seit Jahren befürchtet hatte.
Er ging zum Haus des Schmugglers, um dessen Frau zu kondolieren. Es war ein offenes Haus, in das er kam; die Tür war angelehnt. Jeder konnte hineingehen, nicht nur um sein Beileid auszusprechen, sondern um eine Zeitlang mitzutrauern. Er schob die Tür auf und bahnte sich einen Weg durch Haufen von Schuhen wie im Vorraum einer Moschee. Um sie leichter wiederzufinden, zog er seine Schuhe erst aus, als er schon zwischen den männlichen Trauergästen stand, denen das Untergeschoß vorbehalten war. Sie lehnten an den Wänden, hockten am Boden, und ihr gedämpftes Sprechen erfüllte die Zimmer. Er arbeitete sich gleich zur Treppe durch, ohne einen Blick in den Hauptraum zu werfen, da er von den Gästen hier ohnehin niemanden kannte.
Er stieg hinauf und wartete immer wieder, bis einzelne Männer sich von d
en Stufen erhoben, um den Weg freizugeben. Oben war es noch dunkler als im übrigen Teil der Wohnung. Die Vorhänge in den kleinen Zimmern waren zugezogen. Dort hatten sich die Frauen versammelt. Er schaute in jedes und strengte seine Augen an. Nur Blicke begegneten ihm, niemand sprach ihn an.
Der Singsang des Koranvortrags leitete ihn zum richtigen Raum. Den Kopf seitlich in die Hand gestützt, saß sie auf dem Fußboden. Ihr Rücken lehnte an der nackten Wand. Die anderen Frauen waren einfach da, sie kauerten um sie und verbrachten Zeit mit ihr. Eine Zeit, die nicht vergehen wollte. So herrschte eine Dauer, die ihre akustische Gestalt im gleichförmigen Vortrag aus dem Kassettenrecorder fand. Er setzte seine Schritte vorsichtig zwischen die Frauen und hockte sich vor ihr nieder. Sofort umarmte sie ihn, riß ihn an sich, als wäre auch er im Begriff zu verschwinden. Er hatte vorher erfragt, was er tun solle, und so gab er ihr jetzt den Kuß auf die Wange, ohne etwas zu sagen. Sie ließ ihn wieder los und nickte leicht, blickte ihn kurz an mit einer Traurigkeit, die ihn gerade darum so ergriff, weil sie gänzlich unpersönlich war. Sie bestand nur aus Nähe zu jenem Dunkel der märchenhaft blauen Vorhänge, das jede Farbe im Raum, selbst die der Haut in sich aufnahm. Er löste sich von ihr und stand auf. Sie blickte zu ihm hinauf, aber auch er war nur Teil des größeren Dunkels, auch er konnte gehen und kommen und änderte nichts damit. Das einzige, was er tun konnte, war einen Abschnitt der endlosen Zeit im Haus verbringen.
Er ging aus dem Zimmer, die rauhe Rezitationsstimme folgte ihm zur Treppe und bis hinunter. Da stand er nun und fühlte diese Zeit so deutlich, weil sie leer war, unerfüllt von Gesprächen oder Handlungen. Sie lastete auf ihm, während immer neue Trauergäste hereinschlichen. Sie kamen ohne nervöses Umsichblicken und ohne Grußbereitschaft. Hier gab es nicht einmal Öffentlichkeit; in diesen dunklen Räumen war man nicht Gast, sondern eigentlich, in einem trostlo
sen und erschreckenden Sinne, zu Hause.
Nach einer unbestimmbaren Zeit entschloß er sich zu gehen. Etwas abseits, überschattet vom Dunkel einer Nische, traf er auf Beno, den er öfter in Begleitung des Schmugglers gesehen hatte und der ebenfalls im Aufbruch war. Das Redebedürfnis dieses unruhigen Mannes war unübersehbar, die Finger der Rechten trommelten auf sein Kinn, und seine interessierten Seitenblicke trafen den Gast, während sie beide sich die Schuhe anzogen. Sie verließen das Haus und traten hinaus auf den Platz, den der Schmuggler, immer wenn er aufbrach oder zurückkam, überqueren mußte. Tauben flatterten auf und wurden über ihnen aufgesogen vom Licht.
Während Frauen, Kinder, junge und alte Männer an ihnen vorbeieilten, rang sich Beno durch, den Gast anzusprechen. Dieser verstand nicht oder tat jedenfalls so. Er wies mit dem Finger auf sein linkes Ohr und machte eine verneinende Geste. Dabei blickte er in das Gesicht Benos. Er sah die wachen Äuglein und die ruhelosen Lippen. Der Mann hatte die Hand noch immer am Kinn, als der andere ihn stehenließ.
Er verließ den Platz und bog in eine schattige Gasse. Ratten stoben davon, langgestreckt und dicht an den Boden gepreßt. Als er sich umwandte, erkannte er Beno hinter sich, der sofort stehenblieb, aber keinerlei Anstalten machte, sich zu verbergen. Er hob sogar den Kopf, und es schien, als blickte er angriffslustig. Wahrscheinlich folgt er einem ganz unbestimmten Antrieb, dachte der Gast, als er ihn dort stehen sah. Wahrscheinlich hat er überhaupt nichts im Sinn, es ist einfach die berufsbedingte Neugier, von der der Schmuggler einmal gesprochen hatte. Er ging weiter, ohne noch einmal zurückzusehen, er passierte die größeren Gärten der Wohlhabenden und die engen, an Mauern, Fenstern und Dächern ausgebesserten Hütten der anderen, deren Höfe dicht bevölkert waren.
Vor dem Haus erblickte er einen mageren Hund mit kahlen, hängenden Ohren. Es sah aus, als wartete er auf ihn. Als der Gast jedoch näher kam
, wich das Tier Schritt um Schritt zurück. Er flüsterte ihm zu, wollte es, einer Laune folgend, zu sich locken. Aber was er auch tat, der Hund hielt den Abstand. Dem Gast blieb nichts übrig, als an ihm vorbei durch das Hoftor zu gehen und so zu tun, als gäbe es ihn nicht.


2


Tage vorher hatte der Gast mit dem Schmuggler zusammengesessen, den Onkel zu nennen ihm nicht in den Sinn gekommen wäre, obwohl das den Tatsachen entsprach.
Man muß lange frühstücken, bevor man losgeht. Der Schmuggler nahm seinen Strohhut vom Kopf und ähnelte nun nicht länger einem Abenteurer, sondern dem, was er war: ein sonderbarer Bewohner des Grenzlandes. Es hat keinen Sinn, früh loszugehen, weil es den Minen egal ist, wann du kommst. Sie warten nicht. Auf niemand bestimmten, zu keiner Zeit. Es ist besser, wenn du im hellsten Licht zu ihnen kommst.
Der Neffe war froh, daß der Schmuggler wieder zum Thema zurückgefunden hatte. Seine Erzählumwege schienen eine Bedeutung zu haben. Nach immer in etwa gleich langen Phasen war der Mann wieder beim Ausgangspunkt.
Es ist schon ein Hohn: Was sie neulich von dem Bauern, der aufs Feld hinausgegangen war, zurückbrachten, war ein komplettes Bein. So sah es aus. Ein großes, geröstetes Bein. Ich dachte: Genau der Teil von ihm war übriggeblieben, mit dem er die Panzermine berührt hatte. So etwas hatte ich noch nie. Sprengfallen auch nicht. Aber wenn ich schon Pech habe, sollte es so eine sein. Die kleineren sind schlimmer. Was tue ich da oben, wenn es mich trifft und ich nicht mehr laufen kann?
Der junge Mann nickte wie abwesend, aber er war es nicht. Während im Küchenfenster das Morgenlicht spielte, sah er einen Hirten seine Schafe die Straße entlangtreiben. Die Tiere huschten zwischen den Gittern des Hoftores vorbei wie ein einziges aus vielen Beinen, Köpfen und Augen zusammengesetztes Wesen.
Der Schmuggler schenkte ihnen noch Tee ein und tat rätselhafte Handgriffe am Samowar. Sofort war die alte Frau, die im
Haus arbeitete und lebte, bei ihm und übernahm.


"Ein notwendiges, ein universelles Buch." PETER HANDKE
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