eBook.de : Ihr Online Shop für eBooks, Reader, Downloads und Bücher
Connect 01/2015 eBook-Shops: Testsieger im epub Angebot, Testurteil: gut Die Welt: Kundenorientierte Internetseiten Prädikat GOLD
+49 (0)40 4223 6096
€ 0,00
Zur Kasse

Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen

Die Geschichte der Shirin-Gol. 'Goldmanns Taschenbücher'.
Sofort lieferbar
Taschenbuch
Taschenbuch € 10,00* inkl. MwSt.
Portofrei*
Dieses Taschenbuch ist auch verfügbar als:

Produktdetails

Titel: Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen
Autor/en: Siba Shakib

ISBN: 3442455154
EAN: 9783442455157
Die Geschichte der Shirin-Gol.
'Goldmanns Taschenbücher'.
Goldmann TB

1. Mai 2003 - kartoniert - 320 Seiten



Auf einer ihrer zahlreichen Reisen nach Afghanistan, dem Land unter dem Hindukusch, begegnet die Dokumentarfilmerin Siba Shakib in einem Flüchtlingslager Shirin-Gol. Sie ist spontan gefesselt von der Kraft und Ausstrahlung dieser Frau, die ihr ihr Leben erzählt - ein Leben, das exemplarisch ist für das Schicksal Tausender afghanischer Frauen. Als Shirin-Gol in einem abgelegenen Bergdorf Afghanistans geboren wird, scheint der Gleichklang ihrer Welt, eingebettet in jahrhundertealte Traditionen, ungestört. Die "Süße Blume", so die Bedeutung ihres Namens, wächst auf in Armut, Korangläubigkeit und Enge des islamischen Frauenbildes. Doch dann marschieren die Russen in Afghanistan ein, und Shirin-Gols Vater und ihre Brüder ziehen sich in die Berge zurück, um Widerstand zu leisten. Ihre Schwestern aber legen den Schleier ab und verführen russische Soldaten, aber nur, um sie zu ermorden. Verstört kehren sie zurück aus einer Welt, die Shirin-Gol nicht begreift. Aber dann fliehen die Frauen nach Kabul. Hier entdeckt Shirin-Gol eine Freiheit, deren Zauber sie nie mehr vergessen wird und aus der sie die innere Stärke für alles Kommende bezieht - für den Mann, dem sie vom Bruder als Ausgleich für Spielschulden zur Frau gegeben wird, für Verfolgung, Vergewaltigung und Flucht vor dem Taleban-Regime. Immer wieder sucht sie für ihre Familie einen Ort, der ein bisschen Geborgenheit, ein bisschen Wärme und einen Schimmer vom Glück, das Leben heißt, verspricht.




Siba Shakib wurde im Iran geboren, wuchs in Teheran auf und besuchte dort die deutsche Schule. Seit vielen Jahren arbeitet sie als Autorin und Filmemacherin. Ihr erstes Buch »Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen« war Nummer 1 der Spiegel-Bestsellerliste und wurde in 16 Länder verkauft. Sie lebt abwechselnd in Deutschland, New York und Italien.

Wie es dazu kam


Wie heißt du?
Shirin-Gol.
Ist das dein Kind?
Bale. Ja.
Und das da? Bale.
Das etwa auch? Bale.
Die beiden Jungen da? Willst du sagen, das sind Brüder? Ja. Meine Söhne, Navid und Nabi. Ich habe sie selber geboren.
Der Beamte Malek bleibt skeptisch, haut seinen Stempel trotzdem auf das dünne Papier, das von dem stundenlangen Schweiß aus Shirin-Gols Händen feucht und labberig geworden ist.
Geh da hinten hin, befiehlt Malek und macht sich wichtig. Zeig meinen Kollegen dort diesen Zettel, sag ihnen, Herr Malek schickt dich, dann wird es keine Probleme geben, und du bekommst deine Weizensäcke. Einen für deinen Mann, einen für dich selber und einen für jedes deiner Kinder. Verstanden? Jeweils einen Sack.
Das Gesicht der Frau ist vollkommen verschleiert, das feine Netz vor ihren Augen ist zu dicht, um auch nur den leisesten Eindruck von ihren Augen zu bekommen. Doch trotz ihrer Gesichtslosigkeit sind ihre Wut, ihre Scham, das Gefühl der Erniedrigung genau zu spüren. Auch wenn ich nicht weiß, ob sie mich ansieht, lächle ich, bringe meine Sympathie zum Ausdruck. Sie soll wissen, dass ich mich nicht mit Malek, sondern mit ihr verbunden fühle.
Hast du das gesehen?, fragt Malek, als wären wir alte Freunde oder verwandt oder verschwägert. Er tut, als seien wir Verbündete, Vertraute. Er und ich auf der einen Seite und die Menschen um uns herum auf der anderen Seite. Ich mache einen Schritt zurück, sehe ihn nicht an.
Malek weiß genau, dass er einfach nur Glück gehabt hat, nicht auf der anderen Seite des Schicksals zu stehen, da, wo er auf den Weizen hoffen muss. Da, wo er einen Stempel braucht, eine Genehmigung, die Gnade eines Landsmannes. Dieses Mal. Dieses Mal hat er Glück. Dieses Mal hat er Arbeit und gehört damit zu einer Hand voll Privilegierter.
Seit die Vereinten Nationen dieses Übergangslager für afghanische Rückkehrer aus dem Iran eingerichtet haben, verdient er jeden Monat umgerechnet ungefähr 6
O Dollar und kann damit seine eigene Familie und die seines Bruders ernähren. Zumal mindestens einmal in der Woche der eine oder andere Sack Weizen, der den Heimkehrern die Rückkehr erleichtern soll, seinen eigentlichen Besitzer nicht findet und Malek ihn für gutes Geld verkauft.


Hast du das gesehen?, wiederholt er mit Wichtigstimme.
Ja, sage ich trocken, tue, als würde mich das Schicksal von Shirin-Gol, der Frau mit dem feuchten Zettel und den vier Kindern, die aussehen, als wären sie von unterschiedlichen Müttern und Vätern, nicht interessieren. Malek ist enttäuscht, sein lüsterner Blick weicht einem fast kindlichen Trotz.
Ich kann mir schon vorstellen, worüber Malek sich gerne mit mir unterhalten hätte, während seine Landsleute in einer endlos langen Schlange auf dem sandigen Boden in der prallen Sonne hocken und darauf warten, von ihm den Stempel zu bekommen.
Wahrscheinlich will er mir erklären, dass Shirin-Gol sich die Kinder nur ausgeliehen hat, um mehr Weizen zu bekommen, als ihr zusteht. Anschließend wird sie die Armen auf der Straße aussetzen, und er, Malek, wird sie dann aufsammeln und zusehen müssen, wo er sie unterbringt. Oder er wird mir erzählen, Shirin-Gol habe, wie viele andere afghanische Frauen auch, ihren Körper verkauft und sich von unterschiedlichen Männern schwängern lassen.
Herr Malek, komme ich ihm zuvor, bitte entschuldigen Sie mich. Mir ist es hier zu heiß und zu windig, ich werde mir einen schattigen Platz suchen. Vielen Dank, dass Sie mir erlaubt haben, Ihnen bei der Arbeit zusehen zu dürfen.
Sie haben doch noch gar nichts gesehen, protestiert Malek.
Ich komme später wieder, lüge ich und verschwinde zwischen den blauen Plastikzelten. Ich will nicht, dass Malek mitbekommt, wo ich bin und mit wem ich spreche.
Es ist, wie ich befürchtet hatte. Von den Kindern, die aussehen, als wären sie von unterschiedlichen Müttern und Vätern, fehlt weit und breit jede Spur, und ich habe mir Shirin-Gols Schuhe nich
t angesehen. Die Schuhe der Frauen sind das einzige Erkennungsmerkmal. Ein blaues, plissiertes Tuch verdeckt die Frauen von Kopf bis Fuß, macht alle gleich, entmenschlicht sie. Wie soll ich Shirin-Gol finden? Hier wimmelt es nur so von den blauen buqhras, die sich im Wind mal an die dünnen Körper der Frauen pressen und mal aufblähen, als seien sie Ballone, als würden die Frauen gleich in den Himmel abheben und davonschweben. Immer wieder versuche ich, durch die feinmaschigen Netze vor den Augen der lebenden Gespenster menschliche Gesichter zu erkennen.
Unentschlossen stehe ich mitten zwischen den vielen Tüchern herum und starre vor mich hin. Ich will nicht mehr. Seit anderthalb Monaten bin ich schon wieder in Afghanistan. Ich bin müde, erschöpft. Der ständige, staubige Wind und die von der Sonne aufgeheizte, trockene Luft machen selbst das Atmen zum Kraftakt. Dann bin ich eben eine Memme. Na und? Ich will keine Geschichten mehr hören von Menschen, die alles verloren haben, alles, bis auf ihre Angst, ihren Hunger, ihren Schmerz, ihr Elend, ihre Armut, ihre Krankheiten und ihr bisschen Hoffnung, dass vielleicht doch noch alles gut werden wird.
Vielleicht sollte ich mich einfach irgendwo in den Schatten verziehen. Vielleicht sollte ich mir ein leeres Zelt suchen, mich hinlegen und schlafen. Ich könnte aber auch in einen der leeren Lastwagen steigen, die zurück zur Grenze fahren, um neue Flüchtlinge aufzuladen. Noch heute Abend wäre ich wieder in meiner eigenen Heimat Iran, da, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Von dort könnte ich endlich wieder in meine bequeme, westliche Luxuswelt zurückkehren.
Unfähig, auch nur einen einzigen weiteren Schritt zu machen, stehe ich da, mit meinem Körper aus Blei, in der herzlosen Sonne, und starre einfach so vor mich hin, als mich ein blaues Tuch anherrscht.
La-elah-ha-el-allah. Was willst du von mir? Das sind meine Kinder. Lasst mich doch in Ruhe, in Gottes Namen.
Meine Sinne reagieren zeitverzögert, ich höre mi
ch selber sprechen. Verzeihen Sie bitte. Mehr kann ich nicht sagen, meine Zunge klebt an meinem Gaumen fest. Ich starre das Tuch vor mir an, bis ich endlich weitersprechen kann. Ich stehe nur so hier herum. Ich arbeite nicht für die Vereinten Nationen, auch nicht für eine andere Hilfsorganisation.




"Siba Shakib hat dem Leiden der afghanischen Frauen eine Stimme gegeben. Sie erzählt von dem Schmerz, aber auch von Mut und Würde."
Kundenbewertungen zu Siba Shakib „Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen“
Durchschnittliche Kundenbewertung
review.image.5 review.image.5 review.image.5 review.image.5 review.image.2 2 Kundenbewertungen
Veröffentlichen Sie Ihre Kundenbewertung:
Kundenbewertung schreiben
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Ein ergreifender Roman - von Anja Winkler-Trott - 13.08.2011 zu Siba Shakib „Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen“
Oft wird dieser Roman mit Tausend strahlende Sonnen verglichen. Und doch ist er ganz anders: Das Buch kommt eher einem Bericht der Protagonistin gleich, den die Autorin durch Gespräche nacherzählt. Die Sprache ist einfach, wie die Menschen, um die es hier geht. Menschen, die in Afghanistan ihre Heimat haben und wegen Unterdrückung, Verfolgung und Krieg ständig auf der Flucht sind. Der Leser nimmt Teil an der ergreifenden Geschichte der Shirin-Gol, die für ihre Verhältnisse wissbegierig und ehrgeizig ist, aber ihrer ihr anerzogegenen und gelebten Traditionen nicht entkommt. Trotz allem ist sie es, die stark ist und um ihre Familie kämpft.
Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Bewertungsstern, voll Das hat mich berührt!!! - von S. Dietzen - 29.10.2003 zu Siba Shakib „Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen“
Dieses Werk konnte ich nicht mehr aus den Händen legen. Es hat mich tief bewegt und zum Nachdenken angeregt. Es hat mich tief entsetzt, wie Frauen immer noch unterdrückt werden, aber trotzdem sehr viel Stärke haben.
Zur Rangliste der Rezensenten
Unsere Leistungen auf einen Klick
Unser Service für Sie
Zahlungsmethoden
Bequem, einfach und sicher mit eBook.de. mehr Infos akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal mehr Infos
Geprüfte Qualität
  • Schnelle Downloads
  • Datenschutz
  • Sichere Zahlung
  • SSL-Verschlüsselung
Servicehotline
+49 (0)40 4223 6096
Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 18.00 Uhr
Chat
Ihre E-Mail-Adresse eintragen und kostenlos informiert werden:
* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.
Bei als portofrei markierten Produkten bezieht sich dies nur auf den Versand innerhalb Deutschlands.

** Deutschsprachige eBooks und Bücher dürfen aufgrund der in Deutschland geltenden Buchpreisbindung und/oder Vorgaben von Verlagen nicht rabattiert werden. Soweit von uns deutschsprachige eBooks und Bücher günstiger angezeigt werden, wurde bei diesen kürzlich von den Verlagen der Preis gesenkt oder die Buchpreisbindung wurde für diese Titel inzwischen aufgehoben. Angaben zu Preisnachlässen beziehen sich auf den dargestellten Vergleichspreis.
eBook.de - Meine Bücher immer dabei
eBook.de ist eine Marke der Hugendubel Digital GmbH & Co. KG
Folgen Sie uns unter: