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Samarkand Samarkand

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Produktdetails

Titel: Samarkand Samarkand
Autor/en: Matthias Politycki

EAN: 9783455812220
Format:  EPUB
Roman.
Hoffmann u Campe Vlg GmbH

16. August 2013 - epub eBook - 400 Seiten

"Alle Geschichten kommen aus Samarkand."
Die Welt ist aus den Fugen geraten, und wo einst die Seidenstraße entlang führte, ist 2026 das Epizentrum der Erschütterung. Alexander Kaufner, Gebirgsjäger und Grenzgänger, reist in das sagenumwobene Samarkand und begibt sich auf die Suche nach einer geheimnisvollen Kultstätte. Doch können Sieg oder Niederlage, Krieg oder Frieden tatsächlich von einem Haufen heiliger Knochen abhängen? Zusammen mit seinem Bergführer Odina, der ihm durch einen Schwur verpflichtet ist, und beschützt durch das wunderliche Mädchen Shochi, das die Zukunft träumen kann, durchstreift Kaufner die gewaltige Bergwelt Zentralasiens. Und gerät dabei zusehends in einen Wettlauf auf Leben und Tod, nicht zuletzt mit sich selbst. Dieses bildmächtige Epos ist Abenteuerroman, Liebesroman und Untergangsroman zugleich, es erzählt von der Konfrontation mit der Fremde, in der die großen existenziellen Fragen neu gestellt werden.
Matthias Politycki, 1955 geboren, lebt in Hamburg und München. Der »Grandseigneur unserer Literatur« (Tagesspiegel) zählt zu den renommiertesten deutschsprachigen Gegenwartsautoren. Seit dreißig Jahren veröffentlicht er Romane, Erzählungen und Essays, im Zentrum seines Werkes hat er selbst aber stets die Lyrik gesehen. Bei Hoffmann und Campe erschienen u.a. seine Gedichtbände Ratschlag zum Verzehr der Seidenraupe (2003), Die Sekunden danach (2009), London für Helden (2011) und Dies irre Geglitzer in deinem Blick (2015).

Zweites Buch Der Schrei des Fremden


Das Winterhalbjahr 28/29 begann mit viel Lärm und einem Toten. Spätnachts war Kaufner in der Stadt angekommen, vom Registan bis zum Universitet Boulevard hatte ein volksfestartiger Trubel geherrscht, wie er ihn noch nie erlebt. Tausende Russen, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zusehends an den Rand der Gesellschaft geraten waren, tanzten, feierten, fielen einander mit tränenüberströmten Gesichtern um den Hals. Zum zweiten Mal seit der Rückeroberung Ostdeutschlands durften sie Hoffnung hegen, daß es bald wieder so schön werden könnte wie in der guten alten Zeit.

Wenige Stunden zuvor war bei Gazprom TV die Meldung gekommen, die Panslawische Allianz sei von ihrem Brückenkopf in Alaska, den sie seit Anfang des Jahres gegen die Bombardements der US-Drohnen gehalten hatte, zur Gegenoffensive übergegangen. Erfolgreich! Die Yankees, wie man sie in den russischen Medien nannte, leisteten angeblich nur schwachen Widerstand. Alaska kehre heim in die Föderation! grölten die Menschen den Sicherheitskräften zu, die sich am Straßenrand aufgereiht hatten, dahinter die nichtrussische Bevölkerung der Stadt, schweigend.

Auch in Shers Büro brannte noch Licht, drinnen saß die Familie vor dem Fernseher und ließ sich von einer russischen Talkshowrunde erklären, Alaska sei immer russisch gewesen und werde nun »wiedereingliedert in den Verbund der Föderation«.

»Schön, daß du wieder da bist!« strahlte Shochi, freilich ohne Kaufner, wie früher, zu umarmen. Sie habe von ihm geträumt, das habe richtig weh getan. Shochi seufzte wie eine Erwachsene. Aber es sei ja noch mal alles gutgegangen.

Ob die Russen auch in Deutschland vorgerückt seien,
fragte Kaufner, kaum daß er reihum jeden begrüßt hatte.

In Deutschland? Ja, natürlich, erinnerte sich Sher mühsam, es war wohl schon einige Monate her.

Der Osten Deutschlands sei jetzt eine Demokratische Republik! wußte Jonibek. Draußen mitfeiern durfte er trotzdem nicht.

In den Ohren Kaufners, die ein halbes Jahr lang kaum mehr vernommen hatten als Wind, Wasser und Gewitter, dazu das Gekrächz der Raben und den Pfiff der Murmeltiere, tönte der Lärm der Stadt noch am nächsten Tag wie das Weltgericht. Selbst der Polizist, der im Hof sein Frühstück einnahm, schien ihm ungebührlich laut nach Maysara zu rufen, auf daß sie ihm mehr Kartoffelpuffer und Eieromelett auftischte. Nun ja, ein Polizist, zuckte Maysara mit den Schultern, bitte kein Aufsehen, keine Beschwerde. Sofern er’s vorziehe, könne Kaufner gern auf seinem Balkon frühstücken.

Einige Tage später rumpelte ein Lieferwagen am Teehaus Blaue Kuppeln vorbei, der riesigen Schlaglöcher und querenden Abwasserkanäle nicht achtend, ein Stück bergab kam er in einer Staubwolke zum Stehen. Als ihn Kaufner, gefolgt von einigen der Alten, erreicht hatte, war bereits eine Trage aus dem Laderaum gezogen und auf der Straße abgesetzt. Fahrer und Beifahrer klopften ans Tor eines Hauses, riefen so laut nach dessen Bewohnern, daß die Nachbarn aus ihren Höfen heraustraten und auf der Stelle drauflosschwiegen, selbst die Kinder.

Kaufner stand direkt an der Trage, sah auf die blutdurchtränkte Decke, auf die Füße, die darunter hervorragten, die Gummischlappen, die ihm gleich seltsam bekannt vorkamen. Lauschte dem schwachen Stöhnen, das durch die Decke drang. Beugte sich ganz zu dem herab, der da lag und mit dem Tode rang, sofort trat einer der beiden Männer zwischen ihn und den Sterbenden, hielt Kaufner mit einem Blick auf Distanz.
Eine Weile war es ganz still. Plötzlich ein kraftlos stiller Schrei. Nach einer weiteren Pause setzte wieder leis das Jammern ein.

Endlich wurde das Tor geöffnet, eine Frau mit Kopftuch und Leoprint-Jacke ließ die beiden samt Trage ein. Kaufner fragte sich, in welcher Sprache der Mann nach dem Tod gerufen hatte, auf Russisch, Usbekisch, Tadschikisch? In diesem Moment erinnerte er sich an Odinas Schlappen, natürlich, das waren sie gewesen! Kaufner hatte sie einen Sommer lang mit seinem Haß überzogen, er kannte sie auswendig.

Die beiden Männer, die wenige Augenblicke später mit leerer Trage aus dem Haus traten, wimmelten ihn jedoch brüsk ab: Odina? Keine Ahnung, sie seien bloß die Fahrer, warum sollten sie seinen Namen kennen?

Wahrscheinlich ein Flüchtling, ließen sie großzügigerweise noch wissen, als sie schon im Auto saßen: Ein junger Kerl, kaum an die zwanzig.

Aber woher genau?

Von der Grenze natürlich, woher sonst!

Nun war es an Kaufner, mit beiden Fäusten gegen das Tor zu hämmern. Einige der Nachbarn versuchten, ihn wegzuziehen – der Mann liege im Sterben, Kaufner möge es respektieren –, doch die Frau öffnete ohnehin nicht mehr. Kurz darauf fuhr der Notarzt vor. Als er das Haus wieder verließ, verstellte ihm Kaufner den Weg, der Verletzte sei höchstwahrscheinlich sein Freund, er müsse zu ihm!

Sein Freund? Wohl kaum. Der Arzt wimmelte ihn ab wie jemanden, der nicht für voll genommen werden konnte: Ganz ruhig. Sein Freund sei längst übern Berg, alles in Ordnung, keine Sorge. Mehr dürfe er nicht sagen.

Am Tag darauf wurde das Hoftor sofort geöffnet, als Kaufner vorstellig wurde, ein breiter Mann im Nadelstreifenanzug trat ihm unwirsch entgegen: Nein, den Kerl, der da antransportiert worden, kenne keiner, noch gestern habe man ihn ins Krankenhaus gesc
hafft. Vielleicht ein Zigeuner, vielleicht einer aus dem Saliniaviertel. Jedenfalls ein Herumtreiber, keiner von hier. Eine Verwechslung, man habe damit nichts zu tun.

Kaufner schloß die Augen, hörte den stillen Schrei des Sterbenden. Ganz sicher Odinas Stimme, ganz sicher. Im Krankenhaus wußte man von einem Mann, der gestern schwer verletzt eingeliefert, dann ins internationale Krankenhaus verlegt worden. Dort hingegen wußte man von niemand. Das Hamam war geschlossen, blieb geschlossen bis auf weiteres, angeblich wichtiger Reparaturarbeiten wegen, wie man einem Anschlag entnehmen mußte. Sooft er auch wiederkam, Kaufner konnte niemals auch nur einen einzigen Arbeiter entdecken, den er nach Talib hätte fragen können. Im Teehaus Blaue Kuppeln schüttelten selbst diejenigen den Kopf, die mit Kaufner gestern hinter dem Wagen hergeeilt waren, nein, sie könnten sich nicht erinnern. Wenn sogar die Alten nicht reden wollten, mußte es wirklich etwas Wichtiges sein. Längst war sich Kaufner sicher, daß Odina keines natürlichen Todes gestorben, wer weiß, vielleicht hatte ihn Januzak doch noch erwischt. War er, Kaufner, womöglich mitschuldig an seinem Tod?

»Sagt mir wenigstens eines«, bat er schließlich: »Was passiert mit den Toten, die keiner kennen will?«

»Was soll mit ihnen schon passieren?«

»Wo werden sie bestattet?«

»Die werden nicht bestattet. Die werden verscharrt.«

»Und wo?«

»Dort, wo man … na ja, wo man zum Beispiel die toten Hunde hinbringt.«

Noch immer wollten die Alten nicht so recht. Es dauerte, bis Kaufner herausbekommen hatte, daß sie den Ruinenhügel am Stadtrand meinten. Kaufner ging hin. Die Straße hinterm Bazar hügelan, dann übern Friedhof, immer weiter stadtauswärts, durchs anschließe
nde Grasland, vorbei an den letzten verstreuten Gräbern, den ersten Ruinenfeldern, bis zum Danielgrab. Beständig von einem süßlichen Fäkalien- und Verwesungsgestank umgeben, heute jedoch roch er ihn anders als vor einem Jahr. Auch die Raben, die in Schwärmen einfielen oder krächzend aufflogen, wenn er näher kam, sah er mit anderen Augen. Immer wieder frisch zerwühlte oder aufgeworfene Erde, Reifenspuren, kübelweise Kot. Hier oder da oder dort herumzugraben war völlig sinnlos.

Natürlich hatte Sher nichts von dem Zwischenfall gehört. In seinem Büro roch es nach kaltem Hammeleintopf, nach Zigarettenrauch und Füßen und einem Mann, der vor Aufregung schwitzte. Im Fernsehen dazu die Bilder flüchtender Menschen, hoch beladene Eselkarren, Kleinbusse, auf deren Dächern Männer saßen, schreiende Mütter, die ihre schreienden Kinder vor die Kamera hielten. Im Norden, nahe Taschkent, sei noch ein kleiner Grenzübergang geöffnet, erklärte Sher, ohne den Blick vom Bildschirm zu nehmen, in Oybek. Es waren Usbeken aus dem unteren, dem tadschikischen Teil des Ferghanatals, die in langer Kolonne herüberkamen. Die Tochter des Präsidenten, dem Anlaß entsprechend als Blondine im züchtig eleganten Kostüm, begrüßte sie »in der Heimat«, flankiert von Dutzenden Kindern, die mit Fähnchen winkten.

»Und was machen die Usbeken im Serafschantal?« fragte Kaufner.

»Bei uns ist die Grenze dicht, die kommen da nicht mehr raus«, entschied Sher, »die müssen selber zusehen, wie sie …«

Mitten im Satz brach er ab, um den Wodka zu holen. Man möge ihn heute entschuldigen, er habe Anlaß zu trinken. In Kirgistan war es in den letzten Tagen ebenfalls zu Ausschreitungen gegen die Usbeken gekommen, allerdings hatten die russischen Besatzungstruppen d
ort schnell wieder für Ruhe und Ordnung gesorgt. Hingegen in Tadschikistan, Achtung, Kamerad! Die Regierung »drüben« habe das Kriegsrecht verhängt, ansonsten tue sie nichts.

Wie sich die Bilder ähnelten! Nun würde es auch hier losgehen, es war lediglich eine Frage der Zeit. Leider für Kaufner nicht minder, er würde mindestens bis Ende März in der Stadt festsitzen, erst nach der Schneeschmelze konnte er’s wagen, in den Turkestanrücken aufzusteigen. Wenn er dann überhaupt noch aus Samarkand herauskommen würde. Sher mußte sich beim Nachschenken am Christbaum festhalten, von Odina wollte er nichts gehört haben. Der sei nicht von hier, der kümmere ihn nicht. So einer komme aus dem Nichts, so einer verschwinde wieder im Nichts, von seiner...


"Matthias Politycki hat ein überbordend entdeckungsfreudiges und lustbetontes Verhältnis zur Welt. Ein wirklich allmächtiger Erzähler." (Hajo Steinert)

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